9. Juli 1915

Eduard Thurneysen an Karl Barth

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Lieber Freund,

In aller Eile noch ein paar Worte. Dein Brief war mir ein wahrer Trost. Denn ich muß dir die selbe betrübende Mitteilung machen. Auch meine kleine Herde will nicht recht mitkommen. Ich hatte ihnen extra betont, es müsse keiner mit, und nun wurde klar: alle kommen keinesfalls. […]

[…] Ich habe an meinem neuen Glück viel zu verarbeiten, und niemand ist da, mit dem ich besser davon reden könnte als mit dir. […] Allerlei Anfechtungen stellen sich ein: heute Morgen erhielt ich einen nur sehr kurzen Brief aus Basel mit der Begründung: «morgen 10 Uhr habe ich Orgelstunde, da verstehst du schon, daß ich jetzt noch arbeiten muß …» Ja, ich verstehe, aber ich fürchte diese Orgel nebst Klavier und Bach und Beethoven, als ob sie mir meine Braut entziehen wollten in eine Welt, in die ich nur sehr wenig weit werde folgen können. Ich habe aber an euch gedacht, du deutetest mir einmal in einem Gespräch in Boll etwas aus ähnlichen Erfahrungen aus euren Anfängen an. Das ist mir ein Trost. […]

Herzlich
euer getreuer
Eduard