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28. Dezember 1914
Mein Lieber,
So, jetzt ist das Getümmel der Weihnachtsbäume überstanden. Gestern hatte ich fünfmal zu reden: Beerdigung, 2 Predigten […] und 2 Weihnachtsbäume. Trotzdem geht es mir erträglich. Hier wieder zwei «Hilfe»-Nummern. Was Naumann über den Krieg und die Weihnacht zu sagen sich getraut, ist traurig, ein Phrasengeklingel, ungleichviel ehrlicher und tiefer ist Troeltsch.1
|24 Ragazens neues Heft der «Neuen Wege» ist, soweit ich es gelesen habe, gut, z. B. seine Predigt.2 Jedenfalls muß man dankbar sein, daß die «Neuen Wege» da sind und ihre Sache so tapfer vertreten. Die Oltener Sozialisten haben mich nicht angefragt. Sie trauen mir offenbar trotz deiner Empfehlung nicht. Es wäre auch schwierig für mich zu machen gewesen. Wieser3 hat mir einen trefflichen Brief geschrieben, in dem u. a. folgendes steht: «Es hat mich an Wernles langen Kirchenblattartikeln peinlich berührt, daß alles, was er schreibt, am Gegensatz zu den Religiössozialen orientiert ist. Warum immer wieder diese Überlegungen? Durch diese Streitereien wird alles sofort veräußerlicht, und die Hauptsache wird vergessen. Es tritt ja auch bei Wernle zutage, wieviel er verloren hat, seit er sich in diese Auseinandersetzungen hat ziehen lassen.» — Hat dir Dietschi schon geschrieben von der Evangelisationswoche, die er mit dir und mir im kommenden Frühjahr in Seon veranstalten will? Du gehst nach Neujahr nach Bern, ich vielleicht nach Zürich. Nachher sollten wir uns bald einmal sehen.
Herzlich