19. Juni 1918

Eduard Thurneysen an Karl Barth

282
Lieber Karl,

Ich bin gestern freudig heimgezogen. Der Römerbrief 📖 rauschte noch in mir nach wie ein Wasserfall. Die Schlußkapitel haben durch deine Auslegung ganz neu zu mir geredet. Wie erfreulich, wenn nun das Werk in absehbarer Zeit als ansehnliches Buch auf unsern — wie auf Harnacks Tische liegen wird und sowohl Wernle als Ragaz dem Paulus ein wenig zuhören müssen! Ich bin überzeugt von seiner Wirkung und will mich auch selber durchaus darunter stellen.

Vielen Dank für dein Unterrichtsheft. Ich wüßte wirklich nicht, warum ich das nicht hätte lesen sollen. Im Gegenteil, es hat sehr viel für sich, die kleine Zusammenfassung unsres Verständnisses der Bibel zu sich reden zu lassen. Es hat mir viel zu denken gegeben.

Ich schließe mit Gruß an euch alle, insbesondere an meinen Patensohn Markus, der seinen Götti vorgestern so stürmisch und treu begrüßt hat.

Eduard