28. November 1916

Eduard Thurneysen an Karl Barth

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Lieber Karl,

Wir werden uns zwar wohl am Donnerstag an der Synode in Aarau sehen. Aber trotzdem noch ein paar Worte. Einmal um dir zu danken für deinen erleuchtenden Bericht über Herrn Vetter. Wir haben uns sehr daran erbaut. […] Unterdessen war ich in Basel und habe Wernle einen ausführlichen Besuch gemacht. Er redete lang und freundlich mit mir auch über dich. Ich erzählte ihm einiges von deiner Römerbriefarbeit 📖. Er interessierte sich sehr dafür, und die Versicherung, du gehest auf genauem wissenschaftlichem Wege vor, gab ihm zu denken! Er bedauerte, dich letzthin verfehlt zu haben. Er redet denn doch ganz anders mit uns als Wendland, der ein neues Buch gegen uns verbrochen hat unter dem Titel «Sozialethik»1. Ragaz, Kutter und du kommen mehrfach darin vor. Ihr werdet eurer mangelnden Einsicht in die harten |166 Notwendigkeiten des Staates überführt. Es ist über alle Begriffe schwach.

Herzlich grüßen euch Beide
eure
Eduard und Marguerite

Sachfußnoten

1
J. Wendland, Handbuch der Sozialethik. Die Kulturprobleme des Christentums, Tübingen 1916. 📖 ↩