Anhang Nr. 1 · 5. Januar 1924

Friedrich Siegmund-Schultze an Karl Barth

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Anhang 1

[Brief von D. Friedrich Siegmund-Schultze, Berlin, an K. Barth (Orig. im Karl Barth-Archiv):]

D. F. Siegmund-Schultze
Soziale Arbeitsgemeinschaft Berlin-Ost
Berlin O 17
Fruchtstraße 64 II
Fernruf Königstadt 2349
Verehrter Herr Professor!

Verzeihen Sie, wenn ich, vielleicht ein völlig Unbekannter für Sie, einige Zeilen an Sie zu richten wage.

Anlaß ist mir eine Diskussion in Marburg, in der man sich, unter Berufung auf Sie, gegen jede soziale Arbeit erklärte und meine These, daß sich ein gewisser Quietismus nur mißverständlicherweise auf Sie berufen könnte, zu widerlegen suchte. Tatsache ist auch, daß manche soziale Arbeitskreise, die in Ihre Schriften eindringen, nicht mehr weiter arbeiten wollen, sondern «das Warten» predigen. Die Erschütterung der Selbstsicherheit ethisch-sozialer Arbeit ist mir jedoch immer als Bundesgenossenschaft erschienen. Meine Frage besteht jetzt nur in einer neuerdings bei mir selbst eingetretenen Unsicherheit, ob Sie, wie ich früher annahm, dieselbe Empfindung unserer Arbeitsgemeinschaft gegenüber haben.

Diese Frage, die ich selbst wegen meiner mit einer kaum überstandenen Krankheit zusammenhängenden Arbeitsbelastung nur so kurz stellen kann, erwartet schon deshalb keine Antwort. Ich hatte nur das Gefühl, ich müßte Ihnen meine Beobachtungen, da sie seit der Marburger Aussprache nicht mehr im kleinsten Kreis geblieben sind, aussprechen.

Stets mit Ihnen verbunden
Ihr ergebener
F. Siegmund-Schultze