<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="kbga-texts-57021">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title type="volume" n="vol-57">Gespräche 1948–1952</title>
        <title type="content">Gespräch mit Aargauer Pfarrern</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: Gespräch mit Aargauer Pfarrern, in: Gespräche 1948–1952, 7. Mai 1951</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/57021 (Stand: 25. August 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Gespräche 1948–1952, hrsg. v. Pfenninger, Michael (Gesamtausgabe, Abt. IV), Zürich 2025, S. .</title>
      </titleStmt>
      <editionStmt>
        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
      </editionStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
        </availability>
        <idno type="url">https://kbga.karl-barth.ch/texts/57021</idno>
      </publicationStmt>
      <sourceDesc>
        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
        <bibl type="pga" xml:id="pga">
          <title type="volume">Gespräche 1948–1952</title>
          <title type="text">Gespräch mit Aargauer Pfarrern</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Pfenninger, Michael</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2025</date>
          <!--position within a volume-->
          <biblScope unit="part">20</biblScope>
        </bibl>
        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): , [Protokoll:] Beantwortung von schriftlich gestellten Fragen durch Professor Karl Barth im aargauischen Colloquium vom 7. Mai 1951 in Aarau, 7. Mai 1951. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/90694">KBA 45101</ref>. </bibl>
        <bibl xml:id="B" type="source">B (Weiteres Material – Notizen): , [Notizen für das Gespräch in Aarau], Mai 1951. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/90693">KBA 45100</ref>. </bibl>
        <!-- we should provide more types: <bibl type="not-found-in-kba"></bibl> <bibl type="not-in-kba"></bibl>  -->
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
    <profileDesc>
      <creation>
        <date type="creation" when="1951-05-07">7. Mai 1951</date>
      </creation>
      <langUsage>
        <language ident="ger">German</language>
      </langUsage>
      <textClass>
        <keywords>
          <term>conversation</term>
        </keywords>
      </textClass>
    </profileDesc>
    <revisionDesc>
      <change when="2026-08-25T09:04:38+02:00">teiHeader was automatically produced from the database 2026-08-25T09:04:38+02:00</change>
    </revisionDesc>
  </teiHeader>
  <text>
        <body>
           
             <div type="conversation">
                <pb xml:id="p288" ed="pga"/>  
                <head type="sub">19</head> 
                <head>GESPRÄCH MIT AARGAUER PFARRERN</head>
                <head type="sub">1951</head>
                <div type="abstract">
               
    <p>Am <date when="1951-05-07">7. Mai 1951</date> war <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> in einer Arbeitsgemeinschaft aargauischer Pfarrer zu Gast, die sich regelmäßig in <placeName ref="kbga-places-1">Aarau</placeName> traf. Im Anschluss an frühere Seminare und Treffen dieser Arbeitsgemeinschaft hatte es in <placeName ref="kbga-places-535">Holderbank</placeName> und anderen Orten <term ref="kbga-terms-358">Evangelisationen</term> und «viel hoffnungsvolles Aufbrechen» gegeben. Dem Pfarrer von Holderbank, <persName ref="kbga-actors-2002">Rudolf Bohren</persName><note xml:id="n01"><persName ref="kbga-actors-2002">Rudolf Bohren</persName> (1920–2010) hatte unter anderem bei <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> und Eduard Thurneysen in Basel studiert und war seit 1947 Pfarrer in Holderbank AG; später Prof. für Praktische Theologie an den Kirchlichen Hochschulen Wuppertal und Berlin, 1974 in Heidelberg.</note>, und einigen Kollegen stellte sich nun die Frage, «ob wir Verkündiger mit dem Evangelium durch diese offenen Türen hineingehen können oder ob wir zu faul und zu dumm sind und vor den Türen sitzen bleiben».<note xml:id="n02">Brief <persName ref="kbga-actors-2002">Bohrens</persName> an Karl Barth vom <date when="1950-01-24">24.1.1950</date> (<idno type="kba-objects-identifier">KBA 9351.50</idno>).</note></p>
    <p>So schrieb <persName ref="kbga-actors-2002">Bohren</persName> im Januar 1951 an <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>, bei dem er in <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName> studiert hatte, und bat ihn um einen «Instruktionsdienst»: «Ich für mich wäre sehr dankbar, wenn die ganze Frage der Evangelisation vom systematischen Standpunkt her beleuchtet würde.»<note xml:id="n03">Ebd.</note> Er hoffte, so <persName ref="kbga-actors-2002">Bohren</persName> weiter, dass Barth «prinzipiell zusagen» werde, und, in Anspielung auf das Vorwort von KD III/2: «denn ich weiss, dass sie eine besondere Liebe für den <placeName ref="kbga-places-152">Aargau</placeName> haben, und die Liebe ist immer stärker als die Prinzipien, auch wenn diese in einem Vorwort eingehämmert sind».<note xml:id="n04">Ebd. – In <bibl corresp="kbga-bibls-2">KD III/2, S. IX</bibl>, hatte <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> geschrieben: «Einen großen, freundlich gemeinten und hoffentlich freundlich aufgenommenen Wunsch kann ich nicht unterdrücken: es möchten mich wenigstens diejenigen, die an der in allen diesen Bänden unternommenen Arbeit innerlich Anteil nehmen, verstehen und entschuldigen, wenn es mir nur selten möglich ist, den vielen an mich gelangenden Einladungen zu Vorträgen, zur Übernahme von allerlei Sonderaufträgen, zur Beteiligung an Tagungen usw. Folge zu leisten.»</note></p>
    <p><pb xml:id="p289" ed="pga" rend="noPipe"/> <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> antwortete, er wolle seiner «in der Tat nicht erloschenen Liebe zum Aargau Raum geben» und sei daher zu einer Fragebeantwortung bereit.<note xml:id="n05">Brief <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> an <persName ref="kbga-actors-2002">Bohren</persName> vom <date when="1951-01-28">28.1.1951</date> (<idno type="kba-objects-identifier">KBA 9251.18</idno>).</note> Im Vorfeld erhielt er von <persName ref="kbga-actors-6896">Paul Dieterle</persName><note xml:id="n06"><persName ref="kbga-actors-6896">Paul Dieterle</persName> (1909–1997), Studium u. a. bei <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> in Bonn, 1947 Pfarrer in Oberentfelden AG.</note>, der mit <persName ref="kbga-actors-2002">Bohren</persName> und <persName ref="kbga-actors-6767">Otto Bächli</persName><note xml:id="n07"><persName ref="kbga-actors-6767">Otto Bächli</persName> (1920–2010), Studium u. a. bei <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> in Basel, 1949 Pfarrer in Suhr AG.</note> für die Organisation zuständig war, eine Sammlung von 18 Fragen zugeschickt,<note xml:id="n08">Auf zwei DIN A4-Seiten sind die 18 Fragen römisch durchnummeriert und mit den Namen derjenigen versehen, die sie eingeschickt hatten. Die Reihenfolge entspricht nicht derjenigen, in der sie nach dem Protokoll (s. unten) im Gespräch verhandelt wurden. Die Fragen lagen einem Brief <persName ref="kbga-actors-6896">Dieterles</persName> an Barth vom <date when="1951-05-02">2.5.1951</date> bei (beide Dokumente in: <idno type="kba-objects-identifier">KBA 45102</idno>).</note> um die jene Pfarrer gebeten worden waren, die am Gespräch teilnehmen wollten.<note xml:id="n09">In der auf den <date when="1951-04-24">24.4.1951</date> datierten Einladung zum «Colloquium» (<idno type="kba-objects-identifier">KBA 45103</idno>) wurden die Pfarrer aufgefordert, eigene Fragen «bis spätestens am nächsten Sonntag» (= <date when="1951-04-29">29.4.1951</date>) an <persName ref="kbga-actors-6896">Paul Dieterle</persName> zu schicken.</note> <persName ref="kbga-actors-10209">Klaus Gutscher</persName><note xml:id="n10"><persName ref="kbga-actors-10209">Klaus Gutscher</persName> (1914–2007), 1943 Pfarrer in Menziken AG.</note> übermittelte seine Frage auch persönlich und schrieb dazu: «Es wird uns allen eine Freude sein, uns wieder einmal mit Ihnen aussprechen zu können wie in früheren ungesorgteren Zeiten an der Uni.»<note xml:id="n11">Brief <persName ref="kbga-actors-10209">Gutschers</persName> an Barth vom <date when="1951-04-18">18.4.1951</date> (in: <idno type="kba-objects-identifier">KBA 45102</idno>).</note></p>
    <p>Das Gespräch im Kirchgemeindehaus <placeName ref="kbga-places-1">Aarau</placeName> begann um 10 Uhr und dauerte insgesamt 4½ Stunden, unterbrochen nur durch eine «Mittagspause bei Thee und eigenem Proviant».<note xml:id="n12">So der Zeitplan auf der Einladung zum «Colloquium» (<idno type="kba-objects-identifier">KBA 45103</idno>).</note> Bei der Beantwortung der Fragen orientierte sich Barth an auf drei DIN A5-Blättern notierten Stichpunkten.<note xml:id="n13"><idno type="kba-objects-identifier">KBA 45100</idno>. – Die Notizen sind auf die <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> vorliegenden, römisch nummerierten Fragen bezogen.</note> Als Grundlage der folgenden Edition dient ein von <persName ref="kbga-actors-7371">Hans Schäfer</persName><note xml:id="n14"><persName ref="kbga-actors-7371">Hans Albert Schäfer</persName> (1910–?), Studium u. a. in Basel bei <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>, 1940 Pfarrer in Mellingen AG, 1959 Kirchenratssekretär und Hilfspfarrer in Basel.</note> aufgrund eigener Aufzeichnungen verfasstes Gesprächsprotokoll<note xml:id="n15"><idno type="kba-objects-identifier">KBA 45101</idno>. – Das Protokoll umfasst vier engzeilig beschriebene Seiten. Laut Notiz am oberen Rand der ersten Seite brachte <persName ref="kbga-actors-7371">Schäfer</persName> es im Januar 1975 in diese Typoskript-Form. Die Hervorhebungen im Text sind am Typoskript mit Kugelschreiber angebracht. Hinter den Fragen ist in eckigen Klammern der Name des Pfarrers vermerkt, der die jeweilige Frage eingeschickt hatte (vgl. <ref type="pub" target="#fn_n08">Anm. 8</ref>).</note>; <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Antwortnotizen sind nur in jenen Fällen, <pb xml:id="p290" ed="pga"/> in denen sie über dieses Protokoll hinausgehen oder von ihm inhaltlich sonst abweichen, in Anmerkungen angeführt.</p>
                </div>
                <div>
                    <head>Beantwortung von schriftlich gestellten Fragen durch Professor Karl Barth im aargauischen Colloquium vom 7. Mai 1951 in Aarau</head>

                    <sp>
                        <speaker>Frage 1 [<persName ref="kbga-actors-2002">R. Bohren</persName>]:</speaker> 
                        <p> Was bedeutet der Ausdruck «in Christus»?</p>
                   </sp>
                    <sp>
                        <speaker>[<persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>]:</speaker> 
                        <p> Beschreibung eines Ortes und einer Situation, in der sich bestimmte Menschen befinden. Sie sind nicht nur in der <term ref="kbga-terms-378">Welt</term> (<term ref="kbga-terms-796">Familie</term>, <term ref="kbga-terms-160">Staat</term> usw.), sondern auch <hi rend="italic">in der <term ref="kbga-terms-249">Gemeinde</term></hi>, nehmen Teil an ihrem <term ref="kbga-terms-775">Glauben</term> (an Christus), ihrer <term ref="kbga-terms-593">Liebe</term> (zu ihm und ihren Brüdern) und an ihrer <term ref="kbga-terms-276">Hoffnung</term> (auf Christus). Sie sind auch Träger des <term ref="kbga-terms-2378">Auftrages der Gemeinde</term>. Damit sind sie lebendige <hi rend="italic">Glieder am <term ref="kbga-terms-1031">Leibe Christi</term></hi>, und es gilt von ihnen, was in Frage 1 des <term ref="kbga-terms-89">Heidelberger Katechismus</term> gesagt ist.<note xml:id="n16"><bibl corresp="kbga-bibls-439">BSRK, S. 682,19–683,2</bibl>: «[…] Was ist dein einiger trost in leben und in sterben? […] Das ich mit Leib und Seel, beyde in leben und in sterben nicht mein, sonder meines getreuen Heilands Jesu Christi eigen bin, der mit seinem theuren blud, für alle meine sünden volkommlich bezalet, und mich auß allem gewalt des Teuffels erlöset hat, und also bewaret, das one den willen meines Vatters im Himmel, kein har von meinem haupt kan fallen, ja auch mir alles zu meiner seligkeyt dienen muß. 
                        Darumb er mich auch durch seinen heiligen Geist des ewigen lebens versichert, und jm forthin zu leben von hertzen willig und bereit macht» (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-440">RefBS 2/2, S. 175,31–176,6</bibl>).</note> – Sie sind damit auch im Vollzuge eines bestimmten <hi rend="italic">Erkennens</hi>. Sie wissen, dass das <term ref="kbga-terms-434">Reich Gottes</term> nahe herbeigekommen ist, dass Gott in Christus die <term ref="kbga-terms-378">Welt</term> gerichtet hat, sein Urteil über sie ausgesprochen und vollzogen, die <term ref="kbga-terms-64">Sünde</term> von ihr weg und auf sich selbst genommen, und damit hinweggetragen hat, dass der <term ref="kbga-terms-2466">Tod</term> abgetan ist und seinen Stachel verloren hat [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.15.15">1.Kor. 15,55</ref>]. Die in Christus sind, <hi rend="italic">sehen</hi> das. Das ist ihr Axiom. Dies kommt zum Ausdruck in einer bestimmten <hi rend="italic">Bewegung</hi>, in einem Warten und Eilen (<ref type="can" subtype="bible" target="2.Petr.3.12">2.Petr. 3,12</ref>). Vom Ende, das hinter ihnen ist, blicken sie auf das Ende, das vor ihnen ist (von der <term ref="kbga-terms-393">Auferstehung Christi</term> auf seine Offenbarung in der <term ref="kbga-terms-271">Wiederkunft</term> und auf die <term ref="kbga-terms-734">Auferstehung der Toten</term>). 
                        Dann wird all der Spuk und Zauber <pb xml:id="p291" ed="pga"/> vorbei sein, wird das neue Geschöpf das Einzige sein. – Darum eilen sie vom <term ref="kbga-terms-129">Kreuz</term> her auf die Wiederkunft zu. – Das Alles, diese ganze <term ref="kbga-terms-58">christliche Existenz</term>, geschieht nicht aus sich selber, sondern durch, für und in Christus, das heißt <hi rend="italic">im <term ref="kbga-terms-179">heiligen Geist</term></hi>. Er ist die Macht der <term ref="kbga-terms-252">Verkündigung</term>, die immer neue Krafttat Gottes, durch die er die Menschen in dieses Sein hineinruft, darin hält und bewegt. – Die <hi rend="italic">«<term ref="kbga-terms-253">Sakramente</term>»</hi> (kommt im Neuen Testament gar nicht vor!) dürfen nicht an die Stelle des <term ref="kbga-terms-179">Heiligen Geistes</term> treten. Die <term ref="kbga-terms-68">Taufe</term> ist ein wichtiges Merkmal des Hinzutrittes zur Gemeinde, das <term ref="kbga-terms-69">Abendmahl</term> ein ebenso wichtiges ihres Zusammenhanges. In der ganzen <term ref="kbga-terms-464">Kirchengeschichte</term> sind die Sakramente eher etwas überbetont worden. Sie gehören eigentlich mehr auf die Linie des <term ref="kbga-terms-90">Gebetes</term>.</p>
</sp>
                    <sp>
                        <speaker>Frage 2 [<persName ref="kbga-actors-2002">R. Bohren</persName>]:</speaker> 
                        <p> Was bedeutet die Gestaltwerdung Christi in den Gläubigen? <ref type="can" subtype="bible" target="Gal.4.19">Gal. 4,19</ref><note xml:id="n17">Im Protokoll irrtümlich: «Gal. 4,17».</note>
                    </p>
                   </sp>
                    <sp>
                        <speaker>[<persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>]:</speaker> 
                        <p> Nach <ref type="can" subtype="bible" target="Gal.4.19">Gal. 4,19</ref> soll Christus im Leben der Gläubigen die Bedeutung zukommen, die seinem Wesen entspricht. Vgl. <term ref="kbga-terms-89">Heidelberger Katechismus</term>, Frage 31 und 32!<note xml:id="n18"><bibl corresp="kbga-bibls-439">BSRK, S. 690,29–691,17</bibl>: «31. Frag. Warumb ist er Christus, das ist, ein gesalbter genannt? […] Daß er von Gott dem Vatter verordnet, unnd mit dem heiligen Geist gesalbet ist, zu unserm öbersten Propheten und Lehrer, der uns den heimlichen rath und willen Gottes von unser erlösung volkomlich offenbaret: Und zu unserem einigen hohen Priester, der uns mit dem einigen Opffer seines Leibs erlöset hat, und jmmerdar mit seiner fürbit für dem Vatter vertritt: Und zu unserm ewigen König, der uns mit seinem wort und geist regiert, unnd bey der erworbenen erlösung schützet und erhelt. […] 32. Frag. Warumb wirst aber du ein Christ genent? […] Daß ich durch den glauben ein glied Christi, unnd also seiner salbung theilhafftig bin, auff daß auch ich seinen Namen bekenne, mich jhm zu einem lebendigen danckopffer darstelle, und mit freiem gewissen in diesem leben wider die sünde und Teuffel streitte, und hernach in ewigkeyt mit jm uber alle Creaturen herrsche» (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-440">RefBS 2/2, S. 183,10–29</bibl>).</note> Es soll in unserm Leben zu einer <term ref="kbga-terms-947">Analogie</term>, zu einer Darstellung dessen kommen, was Christus ist. Das ist die wahre <term ref="kbga-terms-1307">Mystik</term>! Keine zu krampfhafte Gegenüberstellung von Individuum und Gemeinde! Der Einzelne gehört auch dazu!</p>
</sp>
                    <sp>
                        <speaker>Frage 3 [<persName ref="kbga-actors-2002">R. Bohren</persName>]:</speaker> 
                        <p> Was sagen Sie zur Lehre Osianders von der Einwohnung der wesentlichen Gerechtigkeit Christi in den Gläubigen?<note xml:id="n19"><persName ref="kbga-actors-718">Andreas Osiander</persName> (1498–1552) war ein reformatorischer lutherischer Theologe, der mit <persName ref="kbga-actors-272">Philipp Melanchthon</persName> über die rechtfertigungstheologische Frage stritt, ob ein Sünder auch nach der Rechtfertigung Sünder bleibe (so Melanchthons Position) oder ob die Rechtfertigung eine Einwohnung der Gerechtigkeit Gottes im Gläubigen bedeute (so <persName ref="kbga-actors-718">Osiander</persName>).</note></p>
                   </sp>
                    <sp>
                        <speaker><pb xml:id="p292" ed="pga" rend="noPipe"/>[<persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>]:</speaker> 
                        <p> <persName ref="kbga-actors-718">Osiander</persName> spielte im 16. Jahrhundert eine ähnliche Rolle wie heute <persName ref="kbga-actors-512">Bultmann</persName>. Er lehrte: Im Glauben empfangen wir Menschen Gott selber. <ref type="can" subtype="bible" target="Eph.3.17">Eph. 3,17</ref> «auf dass Christus wohne durch den Glauben in euren Herzen». Damit nimmt die ewige <term ref="kbga-terms-485">Gerechtigkeit Gottes</term> in uns Wohnung. Dadurch werden wir <term ref="kbga-terms-51">gerechtfertigt</term>. <ref type="can" subtype="bible" target="Jer.23.6">Jer. 23,6</ref>: Der Herr unsere <term ref="kbga-terms-283">Gerechtigkeit</term>. – Osiander hat Recht: im <term ref="kbga-terms-73">Glauben</term> empfangen wir <hi rend="italic">Gott selber</hi>. Aber eben: <hi rend="italic">durch den Glauben!</hi> Der Glaube hält sich aber an einen <hi rend="italic">andern!</hi> Credo <hi rend="italic">in</hi> Deum. Es ist ein Beziehungsverhältnis. Nur so empfangen wir Gott selber (<ref type="can" subtype="bible" target="2.Petr.1.1">2.Petr. 1,1</ref>). – Gott ist der, der uns in Christus <hi rend="italic">als Mensch</hi> begegnet. – Wir sind gerechtfertigt, indem <hi rend="italic">er</hi> unsere Gerechtigkeit ist. – Dieser Gerechtigkeit kann immer nur eine sehr vorläufige und unvollkommene <term ref="kbga-terms-53">Heiligung</term> unsererseits entsprechen. – <persName ref="kbga-actors-718">Osiander</persName> hatte eine Art enteschatologisierter Auffassung vom Glauben. Er beschreibt eigentlich das zukünftige <term ref="kbga-terms-726">ewige Leben</term>.</p>
</sp>
                    <sp>
                        <speaker>Frage 4 [<persName ref="kbga-actors-7371">H. A. Schäfer</persName>]:</speaker> 
                        <p> Wird die Drohung der Verwerfung nicht verharmlost, wenn das «Erleiden der Ausführung dieser Drohung nicht in Frage kommt»? Kommt <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.7.13 Mt.7.14">Mt. 7,13f.</ref> noch zur Geltung? (Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-2">KD II/2, S. 350</bibl>)<note xml:id="n20">Im ersten Teil der Antwort gehen <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Notizen (<ref type="pub" target="#fn_n13">Anm. 13</ref>) über das im Protokoll Wiedergegebene hinaus: <hi rend="italic">«‹<term ref="kbga-terms-1091">Verwerfung</term>›</hi> […] <hi rend="italic">Widerspruch</hi> der <term ref="kbga-terms-249">Gemeinde</term>, des <term ref="kbga-terms-73">Glaubens</term>, der Verkündigung gegen die menschliche <hi rend="italic"><term ref="kbga-terms-1839">Gottlosigkeit</term></hi>. Gottlosigkeit steht unter der Drohung der <hi rend="italic">Verwerfung</hi>, befindet sich auf dem breiten Weg[,] der z[um] Verderben führt [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.7.13">Mt. 7,13</ref>]. Dies ist <hi rend="italic">einzuschärfen</hi> – aber mehr als Drohung kommt schon darum nicht in Frage, weil ja die Gemeinde in ihrer <term ref="kbga-terms-252">Verkündigung</term> das ‹Erleiden ihrer Ausführung› notabene[?] nicht vorweg nehmen kann: sie so wenig wie die Erfahrung der Erfüllung ihrer <term ref="kbga-terms-72">Verheißung</term>. Und nun soll ja der Gottlose zur <hi rend="italic"><term ref="kbga-terms-980">Busse</term></hi> gerufen werden. Wie? Insistieren auf der Drohung? Nein, durch den Aufweis, dass er sich als Gottloser auf einem <hi rend="italic">Holzweg</hi> befindet: Gott hat sie in X [Christus] durchgestrichen, hat auch zu ihm <hi rend="italic">Ja</hi> gesagt, hat die ihm drohende Verwerfung auf sich genommen. Seine Gottlosigkeit ist sinnlos geworden. <hi rend="italic">So</hi> wird das Wort der Gemeinde zur heilsamen Anklage d. h. mehr als Drohung kommt auch sachlich nicht in Frage – und Drohung nur von der <hi rend="italic">Verheissung</hi> her!» – Der zweite Teil der Notizen entspricht inhaltlich der Wiedergabe im Protokoll.</note></p>
                   </sp>
                    <sp>
                        <speaker> <pb xml:id="p293" ed="pga" rend="noPipe"/> [<persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>]:</speaker> 
                        <p> Die betreffenden Ausführungen in der <term ref="kbga-terms-2358">Dogmatik</term> wollen sagen, worin die <hi rend="italic">Antwort der <term ref="kbga-terms-249">Gemeinde</term> auf den <term ref="kbga-terms-1397">Atheismus</term></hi> bestehen soll. In der <hi rend="italic"><term ref="kbga-terms-252">Verkündigung</term></hi> kann mehr als <hi rend="italic">Drohung</hi> der <term ref="kbga-terms-1091">Verwerfung</term> nicht in Frage kommen. Die <term ref="kbga-terms-388">Gerichtsdrohung</term> steht in der <term ref="kbga-terms-110">Bibel</term> immer im Zusammenhang mit dem <term ref="kbga-terms-59">Evangelium</term>. Der <term ref="kbga-terms-1839">Gottlose</term> sagt an einem Ort Nein, wo er gar nicht Nein sagen kann, weil Gott längst zu ihm Ja gesagt hat. – Es handelt sich darum, was wir <hi rend="italic">verkündigen</hi> sollen. Vgl. <term ref="kbga-terms-89">Heidelberger Katechismus</term> Frage 52 und 64!<note xml:id="n21">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-439">BSRK, S. 696,6–15</bibl>: «52. Frag. Was tröstet dich die widerkunfft Christi zu richten die lebendigen und die todten? […] Daß ich in allem trübsal und verfolgung mit auffgerichtem haupt, eben des Richters der sich zuvor eben dem gericht Gottes für mich dargestellt, und alle vermaledeyung von mir hinweg genommen hat, auß dem Himmel gewertig bin, daß er alle seine unnd meine feinde, in die ewige verdamnuß werffe: mich aber sampt allen auserwehlten zu jm in die himlische freud und herrligkeyt neme» (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-440">RefBS 2/2, S. 188,1–10</bibl>); <bibl corresp="kbga-bibls-439">BSRK, S. 699,16–21</bibl>: «64. Frag. Macht aber diese lehr nicht sorglose und verrůchte leuth? […] Nein: Denn es unmöglich ist, daß die, so Christo durch waren glauben sind eingepflantzt, nicht frucht der danckbarkeyt sollen bringen» (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-440">RefBS 2/2, S. 191,6–10</bibl>).</note> Es gibt keinen anderen Richter als den, der sich <hi rend="italic">zuvor</hi> für uns dem Gericht gestellt hat. – Wir haben nicht den <term ref="kbga-terms-184">Unglauben</term>, sondern den <term ref="kbga-terms-73">Glauben</term> zu verkündigen. – Kein <term ref="kbga-terms-2427">Dualismus</term>, aber auch keine <term ref="kbga-terms-1267">Apokatastasis</term>.<note xml:id="n22">«<term ref="kbga-terms-2355">Apokatastasis panton</term>» (griechisch: «<foreign xml:lang="grc">ἀποκατάστασις πάντων</foreign>») heißt «Wiederbringung aller» (als Bezeichnung der Allversöhnung).</note></p>
</sp>
                    <sp>
                        <speaker>Frage 5 [<persName ref="kbga-actors-7371">H. A. Schäfer</persName>]:</speaker> 
                        <p> Ist der Bibel gegenüber die Frage nach dem, <hi rend="italic">was wirklich geschehen</hi> ist, nicht<note xml:id="n23">Im Barth übermittelten Frageblatt (in: <idno type="kba-objects-identifier">KBA 45102</idno>):«nicht doch».</note> von größter Bedeutung? (Frage im Blick auf den in der Bibel als nicht entscheidend gesehenen Unterschied von Historie einerseits und Sage und Legende andererseits, <bibl corresp="kbga-bibls-2">KD I/2, S. 564</bibl>)<note xml:id="n24">Auf einem Extra-Blatt mit seinen Fragen an Barth (in: <idno type="kba-objects-identifier">KBA 45102</idno>) formulierte <persName ref="kbga-actors-7371">Schäfer</persName> seine Frage deutlich ausführlicher: «Zur Entmythologisierung. <bibl corresp="kbga-bibls-2">Dogm. I,2, S. 564</bibl> unten wird gesagt, die Unterscheidung zwischen Historie auf der einen, Sage und Legende auf der anderen Seite sei ohne letzten Ernst und also die von daher sich erhebenden Einwände ohne letzte Schwere. Wir verstehn aber doch unter Sagen und Legenden Erzählungen, die zwar allenfalls einen historischen Kern haben, aber durch volkstümliche oder fromme Phantasie ausgeschmückt und weitergebildet sind, so dass von Fall zu Fall gefragt werden muss, was wirklich geschehen ist. Für den Glauben hängt alles daran, dass das, woran wir glauben, wirklich geschehen ist. Also müssen wir auch den Erzählungen der Bibel gegenüber kritisch sein, und je legendenhafter und sagenhafter ein biblischer Bericht ist, umso weniger kann er für uns glaubensbegründend sein, je mehr er uns dagegen den Eindruck der Geschichtlichkeit macht, umso mehr vermag er Glauben zu erwecken. Ist nicht doch auch der Bibel gegenüber die Frage, was wirklich geschehen ist, von grösster Bedeutung?»</note></p>
                   </sp>
                    <sp>
                        <speaker><pb xml:id="p294" ed="pga" rend="noPipe"/> [<persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>]:</speaker> 
                        <p> Was heißt «<term ref="kbga-terms-2380">wirkliches Geschehen</term>»? Sicher bezeugt uns die <term ref="kbga-terms-110">Bibel</term> ein<hi rend="italic"> wirkliches Geschehen</hi> im <term ref="kbga-terms-2177">Raum</term> und in der <term ref="kbga-terms-1008">Zeit</term> auf dieser Erde. Aber nun ein <hi rend="italic">Geschehen in einer ganz besonderen Gemeinschaft zwischen <term ref="kbga-terms-111">Gott und Mensch</term></hi>, im <term ref="kbga-terms-751">Bund</term> (<term ref="kbga-terms-568">Altes Testament</term>), in der <term ref="kbga-terms-249">Gemeinde</term> (<term ref="kbga-terms-74">Neues Testament</term>), auf seinem Höhepunkt in Christus sogar in der <term ref="kbga-terms-719">Einheit zwischen Gott und Mensch</term>. – Wie soll dieses Geschehen «<term ref="kbga-terms-2379">Historie</term>» sein, das heißt für jedermann wahrnehmbar und kontrollierbar? Kann nun das <term ref="kbga-terms-8">Offenbarungsgeschehen</term> Gegenstand von Historie sein? Zum Beispiel, wenn es im Alten Testament immer wieder heißt «und Gott sprach» oder [im Neuen Testament] «das Wort ward Fleisch» [<ref type="can" subtype="bible" target="Joh.1.14">Joh. 1,14</ref>], wenn vom Bund, von der <term ref="kbga-terms-237">Schöpfung</term> und <term ref="kbga-terms-1269">Erlösung</term> die Rede ist. Das alles ist ein <term ref="kbga-terms-2380">wirkliches Geschehen</term>, aber es sprengt den Begriff der <term ref="kbga-terms-2379">Historie</term>. – Die <term ref="kbga-terms-2163">Schöpfungsgeschichte</term> ist weder Historie noch Mythus zu nennen, eher «Sage». Wir müssen auch <term ref="kbga-terms-2381">Phantasie</term> haben. Zu wenig Phantasie ist oft schlimmer als zu wenig <term ref="kbga-terms-962">Verstand</term>. Unsere Apperzeptionsfähigkeit muss gelockert werden! Im Johannesevangelium haben wir nicht Worte Jesu «aus seinem Munde», sondern hier spricht der «neutestamentliche Christus».</p>
                   </sp>
                    <sp>
                        <speaker>Frage 6:<note xml:id="n25">Diese Frage ist im Barth übermittelten Frageblatt keiner Person zugeordnet.</note></speaker> 
                        <p>
                        Zur <hi rend="italic"><term ref="kbga-terms-651">Eschatologie</term>:</hi> In welchem Verhältnis stehen Mythus, Geschichtlichkeit, Christus und Eschatologie<note xml:id="n26">Im Barth übermittelten Frageblatt (in: <idno type="kba-objects-identifier">KBA 45102</idno>): «eschatologische Erwartung».</note> zu einander? (Schwierigkeit, Eschatologie zu vertreten gegenüber der Naturwissenschaft, im Gespräch mit Bezirksschullehrern)</p>
                   </sp>
                    <sp>
                        <speaker>[<persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>]:</speaker> 
                        <p> Die <term ref="kbga-terms-2382"><hi rend="italic">Wahrheit</hi> steht in der <hi rend="italic">Bibel</hi></term>, daran einfach festhalten. Die <term ref="kbga-terms-2383">Naturwissenschaften können nur <hi rend="italic">Randbemerkungen</hi></term> machen.</p>
                    </sp>
                    <sp>
                        <speaker>Frage 7 [<persName ref="kbga-actors-7371">H. A. Schäfer</persName>]:</speaker> 
                        <p> Nach der <hi rend="italic">wirklichen Kirche</hi>. Ist es überhaupt erlaubt, von «Volkskirche» und «Landeskirche» zu sprechen? <pb xml:id="p295" ed="pga"/> Steht diese Redeweise nicht im Widerspruch zum Wesen der Kirche als «lebendige Gemeinde des lebendigen Jesus Christus»<note xml:id="n27">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-5562"><persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName>, <hi rend="italic">Die Kirche – die lebendige Gemeinde des lebendigen Herrn Jesus Christus</hi>, in: <hi rend="italic">Die Unordnung der Welt und Gottes Heilsplan</hi>, Bd. 1: <hi rend="italic">Die Kirche in Gottes Heilsplan. Oekumenische Studien</hi>, durchgeführt unter den Auspizien des Oekumenischen Rates der Kirchen und herausgegeben von der Studienkommission des Oekumenischen Rates in Genf, Genf 1948, S. 71–79</bibl>.</note>?<note xml:id="n28">Auf dem Extra-Blatt mit seinen Fragen (in: <idno type="kba-objects-identifier">KBA 45102</idno>) formulierte <persName ref="kbga-actors-7371">Schäfer</persName> seine Frage so: «Zur Frage nach der ‹wirklichen Kirche›. Ist es eigentlich erlaubt, von ‹Volks- und Landeskirchen› zu sprechen? Diese Redeweise scheint mir je länger je mehr nicht nur sehr gefährlich, sondern direkt verkehrt und irreführend, weil sie im Widerspruch steht zum Wesen der Kirche als ‹lebendige Gemeinde des lebendigen Jesus Christus›. Durch sie wird es dem ‹Kirchenvolk› fast unmöglich gemacht, das Wesen der Kirche zu verstehen.»<lb/>
                        <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Antwortnotizen (<ref type="pub" target="#fn_n13">Anm. 13</ref>) nennen jeweils nicht nur das «Volk», sondern auch das «Land» als Bezugsgröße: <hi rend="italic">«‹Kirche›</hi> Volks-, Landeskirche […] <hi rend="italic">Falsch:</hi> K[irche] <hi rend="italic">des</hi> V[olke]s, <hi rend="italic">des</hi> Landes, so Konstantin! Richtig: K[irche] <hi rend="italic">für</hi> V[olk] u[nd] Land, oder: in V[olk] u[nd] L[and] – Wie stehen Sie zur K[inder]t[aufe]?»</note></p>
                   </sp>
                    <sp>
                        <speaker>[<persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>]:</speaker> 
                        <p> Die Rede von der <term ref="kbga-terms-591">Volkskirche</term> ist falsch, wenn gemeint ist die Kirche <hi rend="italic">des</hi> Volkes. <term ref="kbga-terms-200">Subjekt in der Kirche ist nur Jesus Christus</term>, nie das Volk. Unglück zur Zeit <persName ref="kbga-actors-2218">Konstantins</persName>.<note xml:id="n29"><persName ref="kbga-actors-2218">Konstantin</persName> (ca. 280–337), 306 römischer Kaiser, 313 im gesamten Westreich, 324 Alleinherrscher. – Obwohl die Entwicklung zur römischen Reichskirche unter Konstantin noch nicht zum Abschluss kam, hat sich die Idee eines engen Bundes von Staat und Kirche an seinen Namen geheftet. Die Wendung «konstantinisches Zeitalter» meint in diesem Sinn die mit Konstantin beginnende und sich bis ins 19./20. Jahrhundert erstreckende Zeit des Bündnisses von Staat und Kirche. Vgl. dazu <bibl corresp="kbga-bibls-5777">M. Hüttenhoff, <hi rend="italic">«Das konstantinische Zeitalter». Über die Karriere und Funktion einer historisch-theologischen Formel</hi>, in: Kl. M. Girardet (Hrsg.), <hi rend="italic">Kaiser Konstantin der Große. Historische Leistung und Rezeption in Europa</hi>, Bonn 2007, S. 177–192</bibl>. – Zu <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Position s. auch <bibl corresp="kbga-bibls-2">KD I/2, S. 365–367</bibl>.</note> Nahm das Christentum in die <term ref="kbga-terms-308">Regie des Staates</term>. Stärkste Stütze des Systems ist die <term ref="kbga-terms-1856">Kindertaufe</term>! – Aber Volkskirche könnte auch verstanden werden als <term ref="kbga-terms-592">Kirche <hi rend="italic">für</hi> das Volk</term>. Fenster sollen nach allen Seiten offen sein. – Der Unterschied muss in <term ref="kbga-terms-67">Predigt</term> und <term ref="kbga-terms-353">Unterricht</term> den Leuten klar gemacht werden.</p>
</sp>
                    <sp>
                        <speaker><pb xml:id="p296" ed="pga" rend="noPipe"/> Frage 8 [<persName ref="kbga-actors-2002">R. Bohren</persName>]:</speaker> 
                        <p> Was sagen Sie zu Luthers Lehre von der Ecclesiola<note xml:id="n30">Lateinisch für «Kirchlein» im Sinne einer gläubigen Kerngemeinde innerhalb einer größeren, durchmischten Kirche. Bei <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> findet sich in der <bibl corresp="kbga-bibls-675">Vorrede zur Deutschen Messe (1526), WA 19, 75,5</bibl>, der Gedanke einer Sammlung derer, die «mit ernst Christen wollen seyn». Inwiefern Luther ein Konzept der «ecclesiola in ecclesia» vertrat, ist umstritten (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-5776">G. Neebe, <hi rend="italic">Apostolische Kirche. Grundunterscheidungen an Luthers Kirchenbegriff unter besonderer Berücksichtigung seiner Lehre von den notae ecclesiae</hi> [TBT 82], Berlin / New York 1997, S. 139–144</bibl>). Später begegnet die Wendung prominent bei <persName ref="kbga-actors-779">Philipp Jacob Spener</persName> (1635–1705); vgl. dazu <bibl corresp="kbga-bibls-3174">Gespräche 1959–1962, <ref type="pub-" target="../volume/25/p152#fn_n90">S. 152, Anm. 90</ref></bibl>.</note>?<note xml:id="n31">Antwortnotizen <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> (<ref type="pub" target="#fn_n13">Anm. 13</ref>): <hi rend="italic">«‹Ecclesiola›</hi> […] <hi rend="italic">Falsch:</hi> als Absonderung innerhalb der lebendigen Gemeinde. <hi rend="italic">Richtig:</hi> als Korrektiv gegenüber der <term ref="kbga-terms-2392">Relig[ion] des Konstantinismus</term>».</note></p>
                   </sp>
                    <sp>
                        <speaker>[<persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>]:</speaker> 
                        <p> Der Begriff wurde von <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> eingeführt in der Auseinandersetzung mit der <term ref="kbga-terms-591">Volkskirche</term>. Er ist in unserer Lage unvermeidbar. Aber auch die <term ref="kbga-terms-2384">Ecclesiola</term> muss nach allen Seiten offene Fenster haben. Sie ist nicht für sich da, sondern für die Ecclesia, und diese <term ref="kbga-terms-592">für das Volk</term>. – Und eine <term ref="kbga-terms-2081">lebendige Gemeinde</term> braucht keine <term ref="kbga-terms-2385">Kerngemeinde</term>.</p>
                    </sp>
                    <sp>
                        <speaker>Frage 9 [<persName ref="kbga-actors-6896">P. Dieterle</persName>]:</speaker> 
                        <p> Klärung des <hi rend="italic">Amtsbegriffes</hi>, damit wir unsern Dienst nicht ungeistlich in der Richtung römischer Amtssicherheit verstehen und selber kein falsches Amtsbewusstsein haben. <ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.2.1 1.Kor.2.5">1.Kor. 2,1–5</ref>!<note xml:id="n32">In seinem Brief an Barth vom <date when="1951-05-02">2.5.1951</date> (<ref type="pub" target="#fn_n08">Anm. 8</ref>) formulierte <persName ref="kbga-actors-6896">Paul Dieterle</persName> diese Frage deutlich ausführlicher: «Müssen wir das gesellschaftliche Ansehen, das wir in unserem Amt (wenigstens noch äusserlich konventionell) geniessen, nicht entschlossen als unserem Auftrag, dem Worte Gottes ausschliesslich geistlich, d. h. nur mit der dem Worte selbst innewohnenden Autorität zu dienen, als hinderlich und schädlich <hi rend="italic">erkennen?</hi> 1. hinderlich für die Verkündigung als der Beweisung des Geistes und der Kraft (<ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.2.4">1.Kor. 2,4</ref>), weil die Knechtsgestalt verdeckt wird, und weil der Pfarrer für alle gesellschaftlich und sozial niedriger Stehenden die <hi rend="italic">evangelische Nähe</hi> trotz aller persönlichen Bescheidenheit verliert? 2. Für das persönliche Glaubensleben des Pfarrers hinderlich, weil er gar leicht die offiziell gültige oder auch die theologisch überzeugend begründete Amtswürde und ihr entsprechendes Amtsbewusstsein als einen Glauben missversteht und sich so über seine Anfechtungen und wesentliche Glaubenslosigkeit hinweg<hi rend="italic">täuscht</hi>, anstatt betend hindurchringt?»<lb/>
                        In <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Antwortnotizen (<ref type="pub" target="#fn_n13">Anm. 13</ref>) heißt es nach dem Hinweis auf die Schriften <persName ref="kbga-actors-379">Eduard Schweizers</persName> (s. <ref type="pub" target="#fn_n33">Anm. 33</ref>): «Ein <hi rend="italic">‹Amt›</hi> (munus) oder ‹Ämter› giebt es in d[er] n[eu]t[estament]lichen Gemeinde nicht: sie sind von J[esus] C[hristus] übernommen[?] u[nd] verwaltet. Singulär ist nur der ihn als direkter Zeuge verkündigende <hi rend="italic">Apostel</hi>. Sonst nur ‹Dienste›, immerhin[?] gesichert[?] u[nd] dauernd[?] (a[lt]t[estament]liches Reden und frühkatholische[?] Ansätze vielleicht in der Urgemeinde[,] vielleicht in den Paul[inischen] Brief[en]) Subjekt, [‹]Säule u[nd] Grundfeste der Wahrheit› [<ref type="can" subtype="bible" target="1.Tim.3.15">1.Tim. 3,15</ref>] ist die ἐκκλησία als solche. Also: Stärkung des Dienstbewusstseins in der Gemeinde, <hi rend="italic">Verzicht</hi> auf <hi rend="italic">alle</hi> Amtlichkeit».</note></p>
                   </sp>
                    <sp>
                        <speaker><pb xml:id="p297" ed="pga" rend="noPipe"/> [<persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>]:</speaker> 
                        <p> Wir müssen ja gar nicht vom «<term ref="kbga-terms-250">Amt</term>» (= munus) reden. In der <term ref="kbga-terms-460">Evangelischen Kirche</term> kann es nur <term ref="kbga-terms-2386">Ministeria</term> geben. Vergl. die Schriften von <persName ref="kbga-actors-379">Ed[uard] Schweizer</persName>.<note xml:id="n33">In seinen Antwortnotizen (<ref type="pub" target="#fn_n13">Anm. 13</ref>) wies <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> hin auf: <bibl corresp="kbga-bibls-5774"><persName ref="kbga-actors-379">E. Schweizer</persName>, <hi rend="italic">Das Leben des Herrn in der Gemeinde und ihren Diensten</hi> (AThANT 8), Zürich 1946</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-5775">ders., <hi rend="italic">Gemeinde nach dem Neuen Testament</hi> (ThSt 26) Zollikon-Zürich 1949</bibl>.</note> «<term ref="kbga-terms-1840">Pfarramt</term>» nur in Anführungszeichen! Es gibt nur das Amt des <term ref="kbga-terms-753">Messias</term>. Subjekt sind nicht die Einzelnen, sondern ist die <term ref="kbga-terms-249">Gemeinde</term>. Nicht <hi rend="italic">wir</hi> machen es, sondern <hi rend="italic">Christus</hi>, und auf Erden die <hi rend="italic">Gemeinde</hi>. Alles kommt darauf an, dass <hi rend="italic">wir</hi> die Sache recht ansehen.</p>
                    </sp>
                    <sp>
                        <speaker>Frage 10 [<persName ref="kbga-actors-10740">A. Ernst</persName><note xml:id="n34"><persName ref="kbga-actors-10740">Alfons Ernst</persName> (1901–1975), nach einer längeren Tätigkeit in der Mission 1935 Pfarrer in Reiden LU, 1943 Pfarrer, später Dekan in Reinach AG</note>]:</speaker>
                        <p>Müssen wir nicht um der Wahrheit willen unbarmherzige <hi rend="italic">Gerichtspredigt</hi> verkündigen können und sind dabei barmherziger, als wenn wir um falscher Barmherzigkeit willen der Wahrheit von Gottes Gericht die Spitze abbrechen?<note xml:id="n35">Antwortnotizen <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> (<ref type="pub" target="#fn_n13">Anm. 13</ref>): <hi rend="italic">«‹Unbarmherzige <term ref="kbga-terms-2387">Gerichtspredigt</term>›</hi>. […] (vgl. 4!) <hi rend="italic">Ja</hi>, wie <term ref="kbga-terms-426">Prophetie</term>: wenn unter Verwendung des <hi rend="italic"><term ref="kbga-terms-751">Bundes</term></hi>, nicht menschlichen <term ref="kbga-terms-1106">Zorns</term>, der uns antreibt. <hi rend="italic">Ja</hi>, wenn man an sich selbst adressiert. <hi rend="italic">Ja</hi>, wenn konkret gemacht u[nd] begründet und mit deutlicher Weisung verbunden. <hi rend="italic">Ja</hi>, wenn auch ‹Wie ein Vater seinem Kinde…[›]»</note></p>
                    </sp>
                    <sp>
                        <speaker>[<persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>]:</speaker> 
                        <p>Ja, <term ref="kbga-terms-2387">Gerichtspredigt</term>, wenn unter den gleichen Voraussetzungen wie bei den <term ref="kbga-terms-426">Propheten</term>, nämlich
                            <list rend="text-indent">
                           <item>  a) nicht aus eigenem Antrieb, sondern als uns auferlegte Last,</item>
                           <item> b) auf dem Boden des <term ref="kbga-terms-751">Bundes</term> Gottes,</item> 
                           <item>c) nicht in irgend einer menschlichen Entrüstung,</item>
                           <item> d) nur wenn wir die <term ref="kbga-terms-67">Predigt</term> zuerst uns selber gehalten haben – was dann noch übrigbleibt,</item>
                           <item> e) konkret, nicht allgemeines Geschimpfe, niemals den Leuten den Kopf waschen, immer mit konkreter Weisung, wie man es besser machen kann,</item>
                            <item><pb xml:id="p298" ed="pga" rend="noPipe"/> f) «Wie ein Vater seinem Kinde niemals ganz sein Herz entzeucht, ob es gleich bisweilen Sünde tut und aus der Bahne weicht, also hält auch mein Verbrechen mir mein frommer Gott nicht zu, will mein Fehlen mit der Rut’ und nicht mit dem Schwerte rächen. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit.» (<persName ref="kbga-actors-131">P. Gerhardt</persName>, <bibl type="song" corresp="kbga-songs-20">Sollt ich meinem Gott nicht singen</bibl> –, Vers 9, fehlt leider im Kirchengesangbuch!<note xml:id="n36">Enthalten ist die Strophe 9 des Liedes noch in GERS (1891) 3.</note>) Die «unbarmherzige <term ref="kbga-terms-2387">Gerichtspredigt</term>» muss durch diesen Vers hindurchgegangen sein!</item>
                            </list>
                        </p>
                        </sp>
                    <sp>
                        <speaker>Frage 11 [<persName ref="kbga-actors-10209">Kl. Gutscher</persName>]:</speaker> 
                        <p>Gibt es auch ein legitimes Fragen nach dem «Wie» der Verkündigung?<note xml:id="n37"><persName ref="kbga-actors-10209">Klaus Gutscher</persName> schrieb zur Verdeutlichung dieser Frage an Barth (Brief vom <date when="1951-04-18">18.4.1951</date> [in: <idno type="kba-objects-identifier">KBA 45102</idno>]): «Gibt es auch ein legitimes Fragen nach dem Wie der Verkündigung, und, wenn ja, wie kann dieses Fragen auch dogmatisch legitimiert werden? (Es scheint nämlich oft, als sei nur das Fragen nach dem Was dogmatisch zu rechtfertigen, während sich die Frage nach dem Wie nur im ‹bloß praktischen› Raume – wie wenn es einen solchen, dogmatisch gesehen, gäbe! – bewegen soll).»</note></p>
                   </sp>
                    <sp>
                        <speaker>[<persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>]:</speaker> 
                        <p> Das «Wie» ist der Ernst und die Kunst, die nötig sind für die Vermittlung des <term ref="kbga-terms-50">Wortes Gottes</term>. Schwierigkeiten in der Wie-Frage gehen meistens darauf zurück, dass über das «Was» keine volle Klarheit besteht. Was man selber verstanden hat, kann man auch andern weitersagen.</p>
                    </sp>
                    <sp>
                        <speaker>Frage 12 [<persName ref="kbga-actors-2002">R. Bohren</persName>]:</speaker> 
                        <p> Nach <ref type="can" subtype="bible" target="Hebr.6">Hebr. 6</ref> gehört die <hi rend="italic">Handauflegung</hi> zum Grundriss der Dogmatik. Warum ist diese Lehre verschwunden? Welchen Sinn hat sie?<note xml:id="n38">Antwortnotizen <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> (<ref type="pub" target="#fn_n13">Anm. 13</ref>): <hi rend="italic">«‹<term ref="kbga-terms-2389">Handauflegung</term>›</hi> […] Ist <ref type="can" subtype="bible" target="Hebr.6.1 Hebr.6.2">Hebr. 6,1–2</ref> ein ‹Grundriss d[er] Dogmatik›. Sammlung von bekannten, allen bekannten christl[ichen] Schlagworten. Darunter [?] ‹Handauflegung› (unter <term ref="kbga-terms-90">Gebet</term>) – samt der <hi rend="italic">Rufe</hi> im Blick auf den Sinn: Gabe des <hi rend="italic">H[ei]l[igen] Geistes:</hi> <ref type="can" subtype="bible" target="Act.6.6">Act. 6,6</ref> die Diakone[,] <ref type="can" subtype="bible" target="Act.8.17">8,17</ref> nach Taufe, <ref type="can" subtype="bible" target="Act.19.6">19,6</ref> nach Taufe[,] <ref type="can" subtype="bible" target="Act.13.3">13,3</ref> <persName ref="kbga-actors-4315">Barnabas</persName> u[nd] <persName ref="kbga-actors-313">Saulus</persName>[,] <ref type="can" subtype="bible" target="1.Tim.4.14">1.Tim. 4,14</ref>[,] <ref type="can" subtype="bible" target="2.Tim.1.6">2.Tim. 1,6</ref> einen erweckenden Geber = d[en] H[ei]l[igen] Geist».</note></p>
                    </sp>
                    <sp>
                        <speaker>[<persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>]:</speaker> 
                        <p><ref type="can" subtype="bible" target="Hebr.6.1 Hebr.6.2">Hebr. 6,1–2</ref> sind die «geläufigen Dinge» gemeint, die alle wissen. Demgegenüber ist die eigentliche Sache das einmalige <term ref="kbga-terms-2388">Priesteramt Christi</term>. – Nach der <term ref="kbga-terms-548">Apostelgeschichte</term> gehört die <term ref="kbga-terms-2389">Handauflegung</term> ganz zum <term ref="kbga-terms-90">Gebet</term>. Als getauftes Glied soll der Getaufte nun Ge<pb xml:id="p299" ed="pga" break="no"/>brauch machen von dem, was ihm geschenkt ist. Wichtig ist die <hi rend="italic">Nichtselbstverständlichkeit der Gegenwart des <term ref="kbga-terms-179">heiligen Geistes</term></hi>. Erst wenn wir diese aktuelle Auffassung des heiligen Geistes wieder haben, bekommt die Handauflegung ihren Sinn wieder. – Es ist fraglich, ob es sich im <term ref="kbga-terms-74">Neuen Testament</term> um eine feste Institution handelt. – Lieber nicht bei <term ref="kbga-terms-1568">Konfirmation</term> und <term ref="kbga-terms-2390">Trauung</term> wieder einführen!</p>
                    </sp>
                    <sp>
                        <speaker>Frage 13 [<persName ref="kbga-actors-2002">R. Bohren</persName>]:</speaker> 
                        <p> Was halten Sie von den <term ref="kbga-terms-358">Evangelisationen</term>?</p>
                    </sp>
                    <sp>
                        <speaker><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName></speaker> 
                        <p> müsste sie aus eigener Anschauung kennen, um etwas darüber sagen zu können. Das ist aber nicht der Fall. Das Kriterium müsste sein, ob die Leute zur <term ref="kbga-terms-249">Gemeinde</term> geführt werden.</p>
                   </sp>
                    <sp>
                        <speaker>Frage 14 [<persName ref="kbga-actors-6896">P. Dieterle</persName>]:</speaker> 
                        <p> Was halten Sie von der <term ref="kbga-terms-1568">Konfirmation</term>?<note xml:id="n39">Auf dem Barth übermittelten Fragenblatt (<ref type="pub" target="#fn_n08">Anm. 8</ref>) war diese Frage deutlich ausführlicher formuliert: «Was halten Sie von dem Weg, den Pfr. <persName ref="kbga-actors-3457">R. de Pury</persName> in <placeName ref="kbga-places-735">Lyon</placeName> mit der Trennung von Unterrichtsabschluss und <term ref="kbga-terms-1568">Konfirmation</term> geht, im Blick auf die Not, in der wir uns alljährlich sehen, wenn wir die geschlossenen ‹Jahrgänge› durch die Konfirmation schleusen?» – Gemeint ist <persName ref="kbga-actors-3457">Roland de Pury</persName> (1907–1979), 1932 Studium unter anderem bei <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> in Bonn, ab 1938 Pfarrer in Lyon.</note></p>
                   </sp>
                    <sp>
                        <speaker>[<persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>]:</speaker> 
                        <p> Ein Kranker, der von einem Sanatorium ins andere geschleppt wird! Eine Misere, die wahrscheinlich «rebus sic stantibus» nicht zu beseitigen ist. Dahinter steht auch wieder die <term ref="kbga-terms-1856">Kindertaufe</term> und die <term ref="kbga-terms-591">Volkskirche</term>. Wir machen zuerst, was nach dem Neuen Testament zuletzt kommt! <term ref="kbga-terms-146">Bekenntnis</term> sollte nicht ganz unterdrückt werden, aber die Konfirmation müsste dann <term ref="kbga-terms-2391"><hi rend="italic">freiwilliger</hi> Akt</term> sein. – Hier bröckelt alles! Man darf eher die <term ref="kbga-terms-2212">Trinitätslehre</term> angreifen als die <term ref="kbga-terms-1568">Konfirmation</term>! – Aber hier beginnen, hieße das Pferd am Schwanz aufzäumen. Zuerst 10, 20, 100 Jahre <term ref="kbga-terms-67">Predigt</term>, dann <term ref="kbga-terms-2081">lebendige Gemeinde</term>, dann kommt das andere von selber in Ordnung.</p>
                    </sp>

                </div>
            </div>
        </body>
    </text>
</TEI>
