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        <title type="volume" n="vol-57">Gespräche 1948–1952</title>
        <title type="content">Interview mit der Dill-Zeitung</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: Interview mit der Dill-Zeitung, in: Gespräche 1948–1952, 29. März 1951</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/57020 (Stand: 25. August 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Gespräche 1948–1952, hrsg. v. Pfenninger, Michael (Gesamtausgabe, Abt. IV), Zürich 2025, S. .</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Gespräche 1948–1952</title>
          <title type="text">Interview mit der Dill-Zeitung</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Pfenninger, Michael</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2025</date>
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        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): DZ-Gespräch mit Karl Barth und Dr. Heinemann. Das Problem der deutschen Wiedervereinigung – Barth: Rußland will keinen Krieg, in: Dill-Zeitung Jg. 112 (1951), Nr. 73 (29.3.1951), S. 1f. </bibl>
        <bibl xml:id="A1" type="source">A1 (Exemplar von A): , DZ-Gespräch mit Karl Barth und Dr. Heinemann: zur Theologentagung in Herborn. , 29. März 1951. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/84446">KBA 5541</ref>. </bibl>
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        <date type="creation" when="1951-03-29">29. März 1951</date>
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                <head>INTERVIEW MIT DER «DILL-ZEITUNG»</head>
                <head type="sub">1951</head>
                <div type="abstract">
    <p>Anlässlich der theologischen Arbeitstagung im nahegelegenen <placeName ref="kbga-places-691">Herborn</placeName> vom <date to="1951-03-31" from="1951-03-27">27. bis 31. März 1951</date><note xml:id="n01">Siehe oben, S. <ref type="pub" target="../volume/57/p254#p254">254–284</ref>.</note> schickte die in <placeName ref="kbga-places-933">Dillenburg</placeName> ansässige «<orgName ref="kbga-actors-10738">Dill-Zeitung</orgName>» einen Reporter dorthin, um mit G<persName ref="kbga-actors-3266">ustav W. Heinemann</persName> und <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> zwei der «prominenten Persönlichkeiten des evangelischen Geisteslebens»<note xml:id="n02">Zitat aus dem einleitenden Satz des nachstehend angeführten Artikels.</note> zu interviewen. Ein Abdruck des Gesprächs erfolgte noch während der Tagung: <bibl corresp="kbga-bibls-5773"><hi rend="text-recte">DZ-Gespräch mit Karl Barth und Dr. Heinemann. Das Problem der deutschen Wiedervereinigung – Barth: Rußland will keinen Krieg</hi>, in: Dill-Zeitung, Jg. 112, Nr. 73 vom 29.3.1951, S. 1f.</bibl></p>
    <p>Man sprach nicht zu dritt: Als das Gespräch mit <persName ref="kbga-actors-3266">Heinemann</persName> beendet war, musste der Reporter noch einige Zeit auf Barth warten. Der zweite, dem Gespräch mit <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> gewidmete Teil des Artikels dient im Folgenden als Grundlage der Edition.</p>
                </div>
                <div>
                    <head>Prof. Karl Barth…</head>

                    <p>Und dann kam Professor <persName ref="kbga-actors-2151">Karl <hi rend="italic">Barth</hi></persName>. Ein freundlicher älterer Herr, sehr liebenswürdig, von einer gewinnenden Schlichtheit.<note xml:id="n03">Dieser Satz ist in Barths Exemplar des Artikels von Hand unterstrichen.</note> So gelockert und natürlich, wie es in unserer schweren deutschen Atmosphäre kaum noch Menschen gibt. Höchstens aus der Naturverbundenheit heraus, wie sie die Arbeit und der Dienst am Boden formen. «Was soll ich Ihnen sagen?» fragt er lächelnd, «ich bin ein kleiner, einfacher Mann.» Mit dem Wort «einfach» hat er sicher recht, aber in einem besonderen Sinne. Wer das Gewirr des Lebens zum Einfachen entwirren konnte, der wird selbst einfach…</p>
                    <p>Wir kommen ins Gespräch. Es beginnt bei dem scheinbaren <term ref="kbga-terms-2374">Wohlstand</term>, der Professor Barth auffiel, als er jetzt <term ref="kbga-terms-1117">Deutschland</term> nach drei<pb xml:id="p286" ed="pga" break="no"/>einhalb Jahren wiedersah. Bei uns kann man heute besser leben als in vielen Ländern, wenn man es «kann». Also eine Scheinblüte… Und dann sind wir in der <term ref="kbga-terms-382">Politik</term>: Sollte nicht ein Vertrag zwischen beiden Seiten – gemeint ist der <term ref="kbga-terms-2028">Westen und der Osten</term> – möglich sein, der Deutschland eine unbewaffnete <term ref="kbga-terms-2371">Neutralität</term> garantierte? Könnte das nicht im Interesse beider Mächtegruppen liegen? Durch Verträge und angemessene Handels- und Wirtschaftsbeziehungen nach beiden Seiten müsste man die Existenz Deutschlands sichern. Es gehe um den Punkt des gemeinsamen Interesses.</p>
                    <p>Dr. <persName ref="kbga-actors-3266">Heinemann</persName> hatte bereits von Prof. Barth gesagt, bei aller negativen Beurteilung des <term ref="kbga-terms-880">Kommunismus</term> glaube er nicht an die Entschlossenheit zu einem <term ref="kbga-terms-1283">Krieg</term>. So sehr Barth 1938 davon überzeugt gewesen sei, dass <persName ref="kbga-actors-185">Hitler</persName> den Krieg wollte, so wenig halte er es jetzt für wahrscheinlich, dass die Russen einen Krieg anstrebten. Sie seien wohl Revolutionäre, aber keine Soldaten. Barth bestätigte das: «Ich glaube nicht, dass es einen Krieg gibt. <orgName ref="kbga-actors-8732">Russland</orgName> ist zwar schrecklich, aber sie planen keinen Krieg, weil sie keinen Krieg führen können. Sie werden nur bluffen.»</p>
                    <p><persName ref="kbga-actors-2151">Karl Barth</persName> fuhr fort, nach allem, was er in Deutschland höre, sei hier der <term ref="kbga-terms-2375">Tiefstand der Moral</term>, auch der Wirtschafts- und Steuermoral, die große Verlegenheit. Das sei nach Ansicht Heinemanns ein weiterer Grund, keinen Krieg zu führen, denn in einer solchen Verfassung könne ein Volk keinen Krieg führen. In der Hitlerzeit seien alle Begriffe durcheinandergekommen. In Gesprächen mit <term ref="kbga-terms-2377">deutschen Studenten</term> habe er immer wieder große Mühe, ihnen zu sagen, etwas wie Ernstes die Politik sei.</p>
                    <p>Barth bestätigte, dass die <term ref="kbga-terms-1120">Friedenspropaganda</term> der <orgName ref="kbga-actors-8773">Ostzone</orgName> nicht echt sei. Die Stockholmer Friedensparolen<note xml:id="n04">Am <date when="1950-03-19">19. März 1950</date>, also nur wenige Tage vor dem Interview, veröffentlichte das kommunistisch geprägte «<orgName ref="kbga-actors-10739">Ständige Komitee des Weltkongresses der Kämpfer für den Frieden</orgName>» den sogenannten «Stockholmer Apell», in dem zur Ächtung von Atomwaffen aufgerufen wurde.</note> seien eine einzige Hetze gegen die Amerikaner. Aber trotzdem solle man nicht so tun, als ob es morgen <term ref="kbga-terms-1283">Krieg</term> gebe. England und Frankreich und die Beneluxstaaten wollten keinen Krieg. In <placeName ref="kbga-places-2">Amerika</placeName> gebe es zwar eine Kriegspartei, aber <persName ref="kbga-actors-3581">Truman</persName><note xml:id="n05"><persName ref="kbga-actors-3581">Harry S. Truman</persName> (1884–1972), Präsident der USA von 1945 bis 1953.</note> gehöre nicht zu ihr. Und wenn es zu einem Krieg kommen <pb xml:id="p287" ed="pga"/> sollte, könnten deutsche Kriegsvorbereitungen ihn nicht aufhalten. Für <orgName ref="kbga-actors-9047">Deutschland</orgName> gebe es dann zwei Möglichkeiten: Mit einer schwachen eigenen Armee zu einem Kriegsgegner von <orgName ref="kbga-actors-8732">Russland</orgName> zu werden, oder aber schwach und wehrlos zu bleiben und keines Kriegspartner zu sein. Letzteres wäre das geringere Übel…</p>

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