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        <title type="volume" n="vol-57">Gespräche 1948–1952</title>
        <title type="content">Gespräch in Zürich-Schwammendingen [I]</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: Gespräch in Zürich-Schwammendingen [I], in: Gespräche 1948–1952, 27. Dezember 1950</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/57018 (Stand: 25. August 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Gespräche 1948–1952, hrsg. v. Pfenninger, Michael (Gesamtausgabe, Abt. IV), Zürich 2025, S. .</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Gespräche 1948–1952</title>
          <title type="text">Gespräch in Zürich-Schwammendingen [I]</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Pfenninger, Michael</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2025</date>
          <!--position within a volume-->
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        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): , [Fragen und Antwortnotizen Barths für das Gespräch in Zürich-Schwamendingen], Dezember 1950 – 27. Dezember 1950. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/90705">KBA 45000</ref>. </bibl>
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        <date type="creation" when="1950-12-27">27. Dezember 1950</date>
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        <language ident="ger">German</language>
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                <head type="sub">16</head> 
                <head>GESPRÄCH IN ZÜRICH-SCHWAMENDINGEN [I]</head>
                <head type="sub">1950</head>
                <div type="abstract">
    <p>Im Herbst 1950 war es dem ehemaligen Studenten Barths, <persName ref="kbga-actors-3563">Hans Studer</persName><note xml:id="n01"><persName ref="kbga-actors-3563">Hans Studer</persName> (1913–?) hatte bei Barth studiert, als dieser 1935 nach Basel kam, war 1938 einer seiner Nachfolger als Pfarrer in Safenwil geworden und wechselte 1946 nach Zürich-Schwamendingen; mit Barth stand er zwischen 1935 und 1955 in regelmäßigem Briefkontakt.</note>, damals einer der Pfarrer des Pfarrkonvents <placeName ref="kbga-places-540">Zürich-Schwamendingen</placeName>, gelungen, seinen Basler Lehrer zu einem «Kolloquium» in seine Gemeinde einzuladen.</p>
    <p>Die nicht erhaltene, noch lose Absprache für die «Woche zwischen Weihnachten und Neujahr» präzisierte Studer Anfang November so: «Wir laden ringsherum die Kollegen, welche sich wirklich für ein Kolloquium mit Ihnen interessieren, ein. […] Ich rechne mit einer Beteiligung von ca. 30–50 Personen. […] Die 10–12 Fragen werde ich Ihnen rechtzeitig zukommen lassen.» Er lud <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> zu einem gemeinsamen vorherigen Mittagessen ein und bot an, ihn «per Auto am Bahnhof» abzuholen; zudem kündigte er an, dass er auch für «eine gute Zigarre […] besorgt sein» werde.<note xml:id="n02">Brief <persName ref="kbga-actors-3563">Studers</persName> an Barth vom <date when="1950-11-08">8.11.1950</date> (<idno type="kba-objects-identifier">KBA 9350.668</idno>).</note> – Als Termin wurde schließlich der <date when="1950-12-27">27. Dezember 1950</date> vereinbart, und aus den 10–12 Fragen waren, als Barth sie zugeschickt bekam, beinahe 40 geworden.<note xml:id="n03"><idno type="kba-objects-identifier">KBA 45000</idno> (Tskr., 6 S., engzeilig beschrieben).</note></p>
    <p>Nach dem Gespräch schilderte Barth in verschiedenen Briefen seine Eindrücke von der Begegnung. Noch im Dezember teilte er <persName ref="kbga-actors-414">Heinrich Vogel</persName><note xml:id="n04"><persName ref="kbga-actors-414">Heinrich Vogel</persName> (1902–1989), seit dem Kirchenkampf mit Barth eng verbunden, zu dieser Zeit Prof. für Systematische Theologie in Berlin.</note> mit: «Ich habe mir vorige Woche einen Tag lang unter 40 Züricher Pfarrern über <term ref="kbga-terms-1077">Erwählung</term>, <term ref="kbga-terms-651">Eschatologie</term> und bes. <term ref="kbga-terms-2028">Ost-West</term> die Zunge abgewetzt und war nachher für 24 Stunden erledigt.»<note xml:id="n05">Brief an <persName ref="kbga-actors-414">H. Vogel</persName> vom <date when="1950-12-31">31.12.1950</date> (<idno type="kba-objects-identifier">KBA 9250.246</idno>).</note> Seinem Sohn <persName ref="kbga-actors-19">Christoph</persName> berichtete er: «In den Weihnachtsferien bin ich (noch im alten Jahr) in Zürich gewesen, um einer Veranstaltung von etwa <pb xml:id="p237" ed="pga"/> 50 Pfarrern auf 15 theologische und 22 (!) politische (lauter ost-westliche) Fragen zu antworten. Ich fand sie völlig verängstigt durch die Greuelpropaganda, die dort von <persName ref="kbga-actors-63">Brunner</persName><note xml:id="n06"><persName ref="kbga-actors-63">Emil Brunner</persName> (1889–1966), 1924–1953 Prof. für Systematische und Praktische Theologie in Zürich; mit <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> zwar zeitlebens befreundet, aber mehrfach – und eben auch über die Einschätzung des Ost-West-Konflikts – in heftigen Streit verwickelt.</note> (auch von der Kanzel aus) getrieben wird und hatte Anlass, sie zu fragen, wie das eigentlich mit der Epistel vom vierten Advent,<note xml:id="n07">Vermutlich meint <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> die in der altkirchlichen Epistelreihe für den 4. Advent vorgesehene Lesung <ref type="can" subtype="bible" target="Phil.4.4 Phil.4.7">Phil. 4,4–7</ref>: «Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! […]».</note> über die sie doch wahrscheinlich inzwischen gepredigt hätten, bei ihnen stehen möchte – um vom Weihnachtsevangelium schon gar nicht zu reden!»<note xml:id="n08">Brief an <persName ref="kbga-actors-19">Christoph Barth</persName> vom <date when="1951-02-11">11.2.1951</date> (<idno type="kba-objects-identifier">KBA 9251.27</idno>).</note> Und vom Ende des Gesprächs, als zutage getreten war, dass es zwischen ihm und einem Teil der Zürcher Pfarrer in der Einschätzung der weltpolitischen Lage große Differenzen gab, schrieb er: «Ich habe die Pfarrer gefragt, ob es nicht am Platz wäre, zum Schluss jetzt das Lied ‹Zittere nit eso, tue nit eso, s’ Hüsli fallt hüt nit um›<note xml:id="n09">Das heißt: «Zittere nicht so, tu nicht so, das Häuschen fällt heute nicht um.» Es handelt sich um einen Vers aus dem Schweizer Volkslied <bibl type="song" corresp="kbga-songs-334">«O du liebs Ängeli»</bibl> (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4647"><hi rend="italic">Im Röseligarte. Schweizerische Volkslieder</hi>, hrsg. von O. von Greyerz, Ausgabe mit Begleitungen für Klavier und Gitarre besorgt von Gottfried Bohnenblust, Bern 1914, S. 68 [= Nr. 50]</bibl>).</note> zu singen.»<note xml:id="n10">Brief an <persName ref="kbga-actors-316">Rudolf</persName> und <persName ref="kbga-actors-315">Gerty Pestalozzi</persName> vom <date when="1951-01-03">3.1.1951</date> (<idno type="kba-objects-identifier">KBA 9251.2</idno>).</note></p>
    <p>Der an ihn herangetragenen Bitte, er möge doch in Zukunft häufiger nach <placeName ref="kbga-places-66">Zürich</placeName> kommen, wollte er nicht nachkommen: «ich werde mich aus den verschiedensten Gründen wohl hüten, in Zürich einen ständigen Laden aufzutun – höchstens eben ab und zu eine dann rasch wieder abzubrechende Messbude».<note xml:id="n11">Brief an <persName ref="kbga-actors-1945">Paul Vogt</persName> vom <date when="1950-12-29">29.12.1950</date> (<idno type="kba-objects-identifier">KBA 9250.239</idno>). – Eine Messbude ist ein Stand, der an einem regelmäßig wiederkehrenden Markt bzw. Jahrmarkt aufgestellt wird, z. B. an der Basler Herbstmesse.</note> So blieb er öffentlichen Auftritten in Zürich gegenüber zurückhaltend, nahm in den folgenden Jahren aber noch an zwei weiteren Gesprächen in <placeName ref="kbga-places-540">Schwamendingen</placeName> teil.<note xml:id="n12">Am <date to="1953-12-28" from="1953-12-27">27./28.12.1953</date> sowie am <date when="1955-12-28">28.12.1955</date>. Beide Gespräche werden im Band <hi rend="italic">Gespräche 1953–1958 </hi>dokumentiert.</note></p>
    <p><pb xml:id="p238" ed="pga" rend="noPipe"/> Von diesem ersten Gespräch in Schwamendingen ist kein Protokoll erhalten. Grundlage der folgenden Edition ist das Typoskript mit den Barth zugeschickten Fragen.<note xml:id="n13">Siehe <ref type="pub" target="#fn_n03">Anm. 3</ref>.</note> Auf diesem Frageblatt notierte Barth handschriftlich für die 15 «theologischen» Fragen einzelne, teils stichpunkthaft gehaltene, teils ausführlichere Antworten. Für die 22 «politischen» Fragen, die sich alle um den <term ref="kbga-terms-2028">Ost-West-Konflikt</term>, den angemessenen Umgang mit der <orgName ref="kbga-actors-8562">Sowjetunion</orgName> und Barths Haltung dazu drehten, formulierte er zusammenfassende Antworthinweise, die nur punktuell auf einzelne Fragen Bezug nehmen. Auf der Rückseite eines Frageblattes finden sich zudem einzelne Worte und Namen, die <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> wohl während der Diskussion notierte.<note xml:id="n14">Vermutlich weisen die notierten und teils unterstrichenen Namen auf folgende Teilnehmer an der Diskussion hin: <persName ref="kbga-actors-10207">Heinrich Hellstern</persName> (1902–1984; 1943 Pfarrer in Zürich-Seebach, 1946 Sekretär des Hilfswerks der Evangelischen Kirchen der Schweiz [HEKS]), <persName ref="kbga-actors-10208">Kurt Naef</persName> (1914–1993; 1947 Pfarrer in Zürich-Aussersihl), <persName ref="kbga-actors-6708">Hugo Sonderegger</persName> (1913–2004; 1944 Pfarrer in Zollikon [Zollikerberg]) und <persName ref="kbga-actors-1168">Ernst Ott</persName> (1903–1984; 1927 Pfarrer in Safenwil [AG], 1932 in Uster-Greifensee [ZH], 1942 in Zürich-Aussersihl).</note></p>
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                <head>Fragen und Antwortnotizen zum Gespräch in Schwamendingen<lb/>
                Mittwoch, den <date when="1950-12-27">27. Dezember 1950</date></head>
                   
                    <sp>
                        <speaker>Frage 1:</speaker> 
                        <p> Im Zusammenhang mit der Erwählungslehre Exegese von <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.6.15">Mt. 6,15</ref> / <ref type="can" subtype="bible" target="Mk.9.44">Mk. 9,44</ref> / <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.25.46">Mt. 25.46</ref> / <ref type="can" subtype="bible" target="Apk.20.10">Offb. 20,10</ref>: kann es in einer Schöpfung, die um Christi willen geworden, eine <hi rend="italic">ewige</hi> Verlorenheit geben? wenn nicht, wie sind die betreffenden Stellen zu verstehen?</p>
                   </sp>
                    <sp>
                        <speaker><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>:</speaker> 
                        <p> <hi rend="italic">Kann</hi> nicht nur: <term ref="kbga-terms-378">Welt</term> <hi rend="italic">war</hi> verloren, <term ref="kbga-terms-3">Mensch</term> als <hi rend="italic">Übertreter</hi> (<ref type="can" subtype="bible" target="Mt.6.15">Mt. 6,15</ref>: nicht vergeben, <ref type="can" subtype="bible" target="Mk.9.44">Mc. 9,44</ref>: sich selbst Ärgernis sein, <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.25.46">Mt. 25,46</ref>: Χ [Christus] in seinen Brüdern nicht erkennen[,] <ref type="can" subtype="bible" target="Mk.3.29">Mc. 3,29</ref> (Fr[age] 12): <term ref="kbga-terms-1534">H[ei]l[igen] Geist lästern</term>, <ref type="can" subtype="bible" target="Apk.20.10">Apoc. 20,10</ref>: Teilnahme am Ansturm d[es] <term ref="kbga-terms-441">Satans</term> gegen das Reich Χi [Christi]) <hi rend="italic">wählt</hi> das <hi rend="italic">Verlorengehen</hi>. Gerade <hi rend="italic">weil</hi> <term ref="kbga-terms-237">Schöpfung</term> um Χi [Christi] willen geworden[,] ist <term ref="kbga-terms-64">Sünde</term> nicht vermieden, Verlorenheit an sich irreparabel.</p>
                   </sp>
                    <sp>
                        <speaker>Frage 2:</speaker> 
                        <p> Wo hat die Botschaft von der ewigen Verdammnis (<ref type="can" subtype="bible" target="Mt.25.31 Mt.25.46">Mt. 25,31ff.</ref>) in der evangelischen Verkündigung ihren Platz?</p>
                    <p><pb xml:id="p239" ed="pga" rend="noPipe"/>(In der Erwählungslehre Dogmatik II/2 ist kein Hinweis auf diese Bibelstelle.)</p>
                   </sp>
                    <sp>
                        <speaker><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>:</speaker> 
                        <p> Keine «Botschaft» von der ewigen <term ref="kbga-terms-2484">Verdammnis</term>, aber unvermeidlicher Hinweis auf sie. Hat ihren Platz als Folie der Botschaft von Gottes treuem[?] <term ref="kbga-terms-116">Prädestinieren</term>[?]. Es geht um Befreiung von <term ref="kbga-terms-64">Sünde</term> u[nd] Verlorenheit <hi rend="italic">dieses</hi> Charakters! Aufruf d[es] Glaubens ist Warnung vor Rückkehr in <hi rend="italic">diese</hi> Gefangenschaft!</p>
                   </sp>
                    <sp>
                        <speaker>Frage 3:</speaker> 
                        <p> Wenn der Bund (also die Christusgnade über dem Sünder) der innere Grund der Schöpfung ist, ist dann nicht auch der «Fall» von Ewigkeit her «vorgesehen»? Wie vermeiden wir das naheliegende Denken, dass Gott den Fall gewollt, auf alle Fälle von vornherein einkalkuliert habe?</p>
                   </sp>
                    <sp>
                        <speaker><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>:</speaker> 
                        <p> <term ref="kbga-terms-752">Gnadenbund</term> als <term ref="kbga-terms-2318">innerer Grund d[er] Schöpfung</term> <hi rend="italic">gestiftet</hi> als Verbindung zw[ischen] Gott u[nd] <term ref="kbga-terms-748">Mensch als <hi rend="italic">Geschöpf</hi></term>, <hi rend="italic">bewährt</hi> sich als Verbindung zw[ischen] G[ott] u[nd] M[ensch] als sündigem Geschöpf. Vorgesehen ist der Gegensatz zwischen G[ott] u[nd] <term ref="kbga-terms-64">Sünde</term>, die <term ref="kbga-terms-2296">Treue Gottes</term>, seine <term ref="kbga-terms-1067">Macht</term>, auch geg[en] Sünde seine <term ref="kbga-terms-106">Herrlichkeit</term> zu erweisen, sein Sieg über sie – nicht ihre Möglichkeit u[nd] Wirklichkeit.</p>
                   </sp>
                    <sp>
                        <speaker>Frage 4:</speaker> 
                        <p> Man hat beim Lesen der Dogmatik oft den Eindruck, in Christus, d. h. im ewigen Ratschluss des in Freiheit liebenden Gottes sei eigentlich alles schon erledigt, ja, im Grunde genommen sei auch für uns alles schon in Ordnung, der Mensch, die Welt sei gerettet, auf <hi rend="italic">alle</hi> Fälle, unabhängig von seiner Entscheidung. Die Kirche habe ihn nur noch über seinen status salutis (sein Gerettet<hi rend="italic">sein</hi>) aufzuklären. Wie können wir das verkünden, ohne den Schein zu erwecken, die ganze Heilsgeschichte sei in dem Falle nur noch ein Schauspiel, im Grunde genommen ohne Entscheidung, ohne Spannung? Verfallen wir da nicht einer höheren Art von Doketismus: wurde Jesus tatsächlich versucht? <hi rend="italic">musste</hi> er leiden?</p>
                   </sp>
                    <sp>
                        <speaker><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>:</speaker> 
                        <p> «Eindruck» ist richtig. «Das» ist <hi rend="italic">Sinn</hi> u[nd] <hi rend="italic">Ziel</hi> d[er] <term ref="kbga-terms-2319">Heilsgeschichte</term>. Dazu <hi rend="italic">musste</hi> <term ref="kbga-terms-1468">Jesus versucht</term> werden u[nd] sterben. «Spannung» entsteht dadurch, dass «das» <hi rend="italic">wahr</hi> ist – wir aber das nicht für wahr halten!</p>
                        </sp>
                    <sp>
                        <speaker>Frage 5a:<note xml:id="n15">Die Unterteilung der im Original zusammenhängenden Frage 5 durch Kleinbuchstaben nahm <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> vor.</note></speaker> 
                        <p>Wie ist es zu verstehen, dass es auf dem Grunde der menschlichen Sünde böse und gute Menschen gibt? Und dass es in der Folge der göttlichen Gnade gute und böse Menschen gibt?</p>
                   </sp>
                    <sp>
                        <speaker><pb xml:id="p240" ed="pga" rend="noPipe"/> <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>:</speaker> 
                        <p> Auf d[em] Grunde der <term ref="kbga-terms-64">S[ünde]</term> giebt es der <hi rend="italic">guten</hi> Natur aller M[enschen] zuwider nur <hi rend="italic">böse</hi> M[enschen.] In d[er] Folge der <term ref="kbga-terms-36">G[nade]</term> giebt es der <term ref="kbga-terms-1753"><hi rend="italic">Bosheit</hi> aller M[enschen]</term> zuwider nur <term ref="kbga-terms-985"><hi rend="italic">gute</hi> M[enschen]</term>.</p>
                   </sp>
                    <sp>
                        <speaker>Frage 5b:</speaker> 
                        <p> Wie ist es zu verstehen, dass sich auf dem Grunde der menschlichen Sünde unter Umständen ein Böser wandelt in einen Guten und in der Folge der göttlichen Gnade unter Umständen diese Wandlung unterbleibt?</p>
                   </sp>
                    <sp>
                        <speaker><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>:</speaker> 
                        <p> Auf d[em] Grunde der <term ref="kbga-terms-64">S[ünde]</term> wandelt sich kein M[ensch] vom <term ref="kbga-terms-174">Bösen</term> zum <term ref="kbga-terms-829">Guten</term>. In der Folge der <term ref="kbga-terms-36">G[nade]</term> kann diese Wandlung nicht ausbleiben[.]</p>
                   </sp>
                    <sp>
                        <speaker>Frage 5c:</speaker> 
                        <p> Gibt es vom Evangelium her eine positive Würdigung des Guten, das außerhalb der Gnade geschieht, so wie es eine Verurteilung des Bösen gibt, das innerhalb der Gnade geschieht?</p>
                    <p><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>: Vom <term ref="kbga-terms-59">Ev[an]g[elium]</term> her wird auch im Sein u[nd] Tun des <hi rend="italic"><term ref="kbga-terms-174">Bösen</term></hi> das natürliche <hi rend="italic"><term ref="kbga-terms-829">Gute</term></hi> zu würdigen sein u[nd] wird deutlich u[nd] wahr sein, dass Alles Böse <hi rend="italic">ausserhalb</hi> d[er] <term ref="kbga-terms-36">Gnade</term> geschieht[.]</p>
                   </sp>
                    <sp>
                        <speaker>Frage 5d:</speaker> 
                        <p> Ist das Böse außerhalb der Gnade gefährlicher als das Böse, das in die Schranken der Gnade gebannt ist? Oder ist es gerade umgekehrt?</p>
                   </sp>
                    <sp>
                        <speaker><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>:</speaker> 
                        <p> Alles <term ref="kbga-terms-174">Böse</term> (ist ausserhalb der <term ref="kbga-terms-36">Gnade</term>!) ist <hi rend="italic"><term ref="kbga-terms-2320">lebensgefährlich</term></hi>. «Innerhalb» d[er] Gnade weiss man das: von sich selbst u[nd] darum unzweideutig!</p>
                   </sp>
                    <sp>
                        <speaker>Frage 6:</speaker> 
                        <p> Drückt nicht die Kindertaufe den Gedanken der gratia praeveniens<note xml:id="n16">Lateinisch für: «zuvorkommende Gnade».</note> richtiger und besonders deutlich aus, während bei der Erwachsenentaufe die große Gefahr besteht, dass sie im Hinblick auf die eigene Würdigkeit, Bekehrtheit oder dergleichen vollzogen wird?</p>
                   </sp>
                    <sp>
                        <speaker><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>:</speaker> 
                        <p> Schön, wenn <term ref="kbga-terms-1856">K[inder]t[aufe]</term> legitim! Würdig?… Nein; ich begehre mit der <term ref="kbga-terms-249">Gemeinde</term> zu bekennen, dass die Verheissung der <term ref="kbga-terms-63">Sündenvergebung</term> in J[esus] C[hristus] mein einziger Trost ist!</p>
                   </sp>
                    <sp>
                        <speaker>Frage 7:</speaker> 
                        <p> Handelt es sich bei dem Geheimnis der <term ref="kbga-terms-685">jungfräulichen Geburt Christi</term> um ein Heilsgut?</p>
                   </sp>
                    <sp>
                        <speaker><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>:</speaker> 
                        <p> Ist nicht Heilsgut, sond[ern] wie Heilung d[es] Gichtbrüchigen, leeres Grab, Sprachgabe <hi rend="italic">Zeichen</hi> des Heilsgutes[.]</p>
                   </sp>
                    <sp>
                        <speaker><pb xml:id="p241" ed="pga" rend="noPipe"/> Frage 8:</speaker> 
                        <p> Wie wird das Geheimnis dieses Heilsgutes gewahrt gegenüber Weiterbildungen der <term ref="kbga-terms-2098">Mariologie</term> in der <term ref="kbga-terms-21">Scholastik</term> und im heutigen <term ref="kbga-terms-142">Katholizismus</term>?</p>
                   </sp>
                    <sp>
                        <speaker><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>:</speaker> 
                        <p> Durch Beachtung der Einzigkeit der <term ref="kbga-terms-756">Inkarnation</term> als des Heilsgutes!</p>
                   </sp>
                    <sp>
                        <speaker>Frage 9:</speaker> 
                        <p> Wie verträgt es sich mit dem Gebot der Wahrhaftigkeit, dass im biblischen Zeugnis vom Worte Gottes dauernd Ereignisse als historisch bezeugt – und in der Gefolgschaft der Schrift bis heute dauernd als historisch bezeugt werden, die gar nicht historisch sind? (z. B. Erzvätergeschichten)<note xml:id="n17">Auf dem Original in <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Handschrift mit Bleistift hinzugefügt: «Und es begab sich… <ref type="can" subtype="bible" target="Lk.2.1">Lc. 2,1</ref>».</note></p>
                   </sp>
                    <sp>
                        <speaker><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>:</speaker> 
                        <p> <term ref="kbga-terms-110">Bibel</term> redet von <term ref="kbga-terms-2380">Geschehenem</term>, aber dessen Charakter entsprechend nie «historisch». <term ref="kbga-terms-1441">Wahrhaftigkeit</term> nicht auf diese Berichtsform beschränkt!</p>
                   </sp>
                    <sp>
                        <speaker>Frage 10a: <note xml:id="n18">Die Unterteilung der im Original zusammenhängenden Frage 10 durch Kleinbuchstaben nahm <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> vor.</note></speaker> 
                        <p>
                        <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.10.7 Mt.10.8">Mt. 10,7f.</ref> heißt es: «Wenn ihr aber hingeht, so predigt: das Reich der Himmel ist genaht. Heilt Kranke, weckt Tote auf, machet Aussätzige rein, treibt Dämonen aus.» Offensichtlich wird Krankenheilung, Totenauferweckung neben die Predigt gestellt. Wir bereiten uns durch unser Studium vor auf das Predigtamt. Wie können wir uns darauf vorbereiten, Tote aufzuwecken?</p>
                   </sp>
                    <sp>
                        <speaker><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>:</speaker> 
                        <p> <term ref="kbga-terms-2321">Krankenheilungen</term> etc. sind (<ref type="can" subtype="bible" target="Mk.16.20">Mc. 16,20</ref>) «mitfolgende Zeichen» des <term ref="kbga-terms-252">Kerygmas</term>. Unsre Frage: verkündigen wir das <term ref="kbga-terms-434">Reich</term>? Dann Zeichen und Gaben!</p>
                   </sp>
                    <sp>
                        <speaker>Frage 10b:</speaker> 
                        <p> Sie haben in der protestantischen Theologie Seite 597 dargetan, dass der Augenblick für die akademische Theologie gekommen sei, von Blumhardt her die Frage der praktischen Bedeutung der neutestamentlichen Wunder wissenschaftlich zu stellen und zu beantworten.<note xml:id="n19">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-34"><persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName>, <hi rend="italic">Die protestantische Theologie im 19. Jahrhundert. Ihre Vorgeschichte und ihre Geschichte</hi>, Zollikon-Zürich 1947, S. 597</bibl>: «Es bleibt innerhalb dieser Schranke seine [<persName ref="kbga-actors-48">J. Chr. Blumhardts</persName>] Leistung, mit stammelnder Zunge, aber hörbar für viele, die Ohren hatten zu hören, eine ganze Reihe von Fragen wieder aufgeworfen zu haben, die diese Schranken, und zwar die Schranken der liberalen ebenso wie der pietistischen Theologie durchbrechen mußten: die Theodizee-Frage, die Frage nach der Universalität der Offenbarung und des Glaubens, die Frage nach der praktischen Bedeutung der neutestamentlichen Wunder, die Frage nach der Einheit von Seele und Leib, die Frage nach der realen Macht der Versöhnung, die Frage nach der Art und Gegenwart des Heiligen Geistes, die Frage nach der Realität der christlichen Hoffnung. Die akademische Theologie hat es sich zu leicht gemacht, indem sie diese Fragen überhörte, weil Blumhardt sie nur seelsorgerlich, nicht wissenschaftlich gestellt und beantwortet hat. Der Augenblick mußte kommen und er ist gekommen, der die Einsicht brachte, daß hier Entscheidendes zu lernen war: gerade für die akademische Theologie.»</note> Was ist in dieser Richtung geschehen?</p>
                   </sp>
                    <sp>
                        <speaker><pb xml:id="p242" ed="pga" rend="noPipe"/> <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>:</speaker> 
                        <p> Erkenntnis der Einheit von <term ref="kbga-terms-356">Seele</term> u[nd] <term ref="kbga-terms-1864">Leib</term>[.]</p>
                   </sp>
                    <sp>
                        <speaker>Frage 11:</speaker> 
                        <p> <ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.14.1">1.Kor. 14,1</ref>.<ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.14.39">39</ref> wird die Gemeinde aufgefordert nach der Prophetie zu eifern. Was heißt das, wie kann das geschehen?</p>
                   </sp>
                    <sp>
                        <speaker><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>:</speaker> 
                        <p> <foreign xml:lang="grc">προφητεύειν</foreign>: die in der jeweiligen Gegenwart verborgene Zukunft Gottes als <term ref="kbga-terms-817">Trost</term>, <term ref="kbga-terms-388">Gericht</term>, <term ref="kbga-terms-60">Gebot</term> sichtbar machen[.]</p>
                   </sp>
                    <sp>
                        <speaker>Frage 12:</speaker> 
                        <p> Was ist die <term ref="kbga-terms-1534">Sünde wider den heiligen Geist</term>?</p>
                   </sp>
                    <sp>
                        <speaker><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>:</speaker> 
                        <p> (<ref type="can" subtype="bible" target="Mk.3.29">Mc. 3,29</ref>) Ihn mit Dämonengeistern verwechseln und damit die in ihm vermittelte <term ref="kbga-terms-63">Sündenvergebung</term> verwerfen[.]</p>
                   </sp>
                    <sp>
                        <speaker>Frage 13:</speaker> 
                        <p> Hat die Aufrichtung des <term ref="kbga-terms-2117">Staates Israel</term> im Blick auf das eschatologische Geschehen etwas Wesentliches zu bedeuten?</p>
                   </sp>
                    <sp>
                        <speaker><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>:</speaker> 
                        <p> Nein – Karrikatur der a[lt]t[estamentlichen] Weissagung – wie <persName ref="kbga-actors-8999">Bar Kochba</persName><note xml:id="n20">Gemeint ist <persName ref="kbga-actors-8999">Simon bar Kochba</persName> († 135 n. Chr.) bzw. der von ihm seit 132 n. Chr. angeführte jüdische Aufstand gegen die römische Besatzung in Judäa.</note> klares Gegenteil zu <ref type="can" subtype="bible" target="Röm.11">Röm. 11</ref>[.]</p>
                   </sp>
                    <sp>
                        <speaker>Frage 14:</speaker> 
                        <p> Ist der Ruf nach der <term ref="kbga-terms-2323">konfessionellen Schule</term> von der christlichen Gemeinde aus heute schon geboten?</p>
                   </sp>
                    <sp>
                        <speaker><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>:</speaker> 
                        <p> Rufen? Wäre Ereignis, wenn von Seiten d[er] <term ref="kbga-terms-249">Gemeinde</term> reiches Angebot an christl[ichen] Lehrern!</p>
                    </sp>
                    <sp>
                        <speaker>Frage 15[a]:<note xml:id="n21">Hier ist die Frage auf dem Original nicht durch Buchstaben unterteilt, wird von <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> aber in zwei Teilen beantwortet, weshalb vom Hrsg. um der Übersichtlichkeit willen solche Buchstaben eingefügt wurden.</note></speaker>
                        <p>Im Bericht der Sektion II der <orgName ref="kbga-actors-8610">Weltkirchenkonferenz in Amsterdam</orgName><note xml:id="n22">Zur <orgName ref="kbga-actors-8610">Weltkirchenkonferenz von 1948</orgName> vgl. oben, <ref type="pub" target="../volume/57/p039#p039">S. 39</ref></note> heißt es unter «Missionarische und evangelistische Planung»: «Heute ist die<hi rend="italic"> Stunde des <term ref="kbga-terms-932">Laien</term> in der Kirche</hi>. Gottes Werk verlangt von jedem Glied der Kirche, ob Geistlicher oder Laie, ein tätiges Zeugnis. Die innerkirchliche Aufgabe der Laien besteht in der Mitwirkung am Gottesdienst und in der Verwaltung. –»<note xml:id="n23"><bibl corresp="kbga-bibls-5846"><hi rend="italic">Die Unordnung der Welt und Gottes Heilsplan</hi>, Bd. 2: <hi rend="italic">Die Kirche bezeugt Gottes Heilsplan. Oekumenische Studien</hi>, durchgeführt unter den Auspizien des Oekumenischen Rates der Kirchen und  hrsg. von der Studienkommission des Oekumenischen Rates in Genf, Genf 1948, S. 246f.</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-5847"><hi rend="italic">Amsterdamer Dokumente. Berichte und Reden auf der Weltkirchenkonferenz in Amsterdam 1948</hi>, Erstes Beiheft zu der Halbmonatsschrift Evangelische Welt, Bielefeld [1948], S. 41</bibl>.</note> </p>
                   </sp>
                    <sp>
                        <speaker><pb xml:id="p243" ed="pga" rend="noPipe"/> <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>:</speaker> 
                        <p> In der Sache richtig!</p>
                   </sp>
                    <sp>
                        <speaker>[Frage 15b]:</speaker> 
                        <p> In <persName ref="kbga-actors-50">Dietrich Bonhoeffers</persName> «Ethik» heißt es S. 227f.: «Oben ist das Amt der Verkündigung, unten die hörende Gemeinde. An der Stelle Gottes und Jesu Christi steht vor der Gemeinde der Träger des Predigtamtes mit seiner Verkündigung. – Dieses Amt ist unmittelbar von Jesus Christus gesetzt, es empfängt seine Legitimation nicht durch den Willen der Gemeinde, sondern durch den Willen Jesu Christi. – Das Obensein des Predigtamtes wird gerade durch ein echtes Untensein der Gemeinde, d. h. durch Beten, Glauben, Dienen, nicht aber durch Unterbindung und Sprengung der göttlichen Ordnung und durch ein verkehrtes Obenseinwollen der Gemeinde, vor Missbrauch und Gefahr bewahrt. – Es muss hier der Satz gewagt werden, dass die Schrift wesentlich dem Predigtamt zugehört, der Gemeinde aber die Predigt. Die Schrift will ausgelegt und gepredigt sein, sie ist in ihrem Wesen nicht Erbauungsbuch der Gemeinde. – Der Griff nach der Heiligen Schrift von Seiten des einzelnen Christen oder einer Gruppe von Christen unter Berufung auf das gleiche Recht aller Christen, auf die Mündigkeit im Glauben, auf die Evidenz des Schriftwortes ist durchaus kein Zeichen besonderer Ehrerbietung und besonderer geistiger Erkenntnis des Wesens der Offenbarung.»<note xml:id="n24">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-5844"><persName ref="kbga-actors-50">D. Bonhoeffer</persName>, <hi rend="italic">Ethik</hi>, zusammengestellt und hrsg. von E. Bethge, München 1949, S. 227f.</bibl>; vgl. jetzt: <bibl corresp="kbga-bibls-5845">D. Bonhoeffer, <hi rend="italic">Ethik</hi> (DBW 6), hrsg. von I. Tödt u. a., Gütersloh 1992, S. 400–402</bibl>.</note></p>
                    <p>Was ist angesichts dieser beiden Auffassungen zu sagen zum heutigen Ruf der Kirche nach der Mitarbeit der «Laien», zur heutigen Tendenz, jeden «Laien» und jede Gruppe von «Laien» mit ihrer Bibel als «mündig» zu erklären?</p>
                   </sp>
                    <sp>
                        <speaker><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>:</speaker> 
                        <p> Beruht auf falscher Konzeption des «Oben und Unten» in der <term ref="kbga-terms-249">Gemeinde</term>. Alle sind <hi rend="italic">«unmündig»</hi>. Auf Grund dessen sinnvolle Verteilung der <term ref="kbga-terms-2485">Dienste</term>.</p>
                    </sp>
                    </div>
                    <div>
                        <p rend="asHead"><pb xml:id="p244" ed="pga" rend="noPipe"/> <hi rend="italic">[Zweiter Fragenkomplex zum Thema:]<lb/> Ist die Diagnose in «Die Kirche zwischen Ost und West»<note xml:id="n25">Gemeint ist: <bibl corresp="kbga-bibls-5478"><persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName>, <hi rend="italic">Die Kirche zwischen Ost und West. Vortrag, gehalten in der Stadtkirche in Thun und im Münster in Bern am 6. Februar 1949</hi>, Zollikon-Zürich 1949 (wieder abgedruckt in: K. Barth, <hi rend="italic">Der Götze wackelt. Zeitkritische Aufsätze, Reden and Briefe von 1930 bis 1960</hi>, hrsg. von K. Kupisch, Berlin 1961, S. 124–143)</bibl>.</note> wirklich richtig?</hi> </p>

                        <sp>
                            <speaker>Frage 16:</speaker> 
                            <p>Prof. <persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName> verteidigt (S. 22) das am <term ref="kbga-terms-880">Kommunismus</term>, dass er bei allen Greueltaten etwas Rechtes meine. – Meinen die sowj[etischen] Führer wirklich eine neue Welt oder ist das Wort von der klassenlosen Gesellschaft usw. doch nur ein «ideologischer Überbau» und die <hi rend="italic">wirkliche</hi>, in unaufhörlichen furchtbaren Säuberungsprozessen und inneren Machtkämpfen unter Beweis gestellte Parole lautet: Wir wollen jedenfalls an der Macht bleiben!</p>
                        </sp>
                    <sp>
                        <speaker>Frage 17:</speaker> 
                        <p> Kommt es wirklich so sehr darauf an, was einer «meint und beabsichtigt»<note xml:id="n26">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-5478">a.a.O., S. 22</bibl>: «Und dann kann man vom <term ref="kbga-terms-880">Kommunismus</term> eben das nicht sagen, was man vom Nationalsozialismus vor 10 Jahren sagen mußte: daß es sich bei dem, was er <hi rend="italic">meint</hi> und <hi rend="italic">beabsichtigt</hi>, um helle Unvernunft, um eine Ausgeburt des Wahnsinns und Verbrechens handle.»</note> oder vorgibt, zu meinen und zu beabsichtigen? Kommt es nicht vielmehr darauf an, <hi rend="italic">was einer tut?!</hi> «An ihren Früchten…» [<ref type="can" subtype="bible" target="Mt.7.16">Mt. 7,16</ref>] Und wenn es auf die Praxis ankommt, ist dann nicht braun und rot, was Hans wie Heiri?<note xml:id="n27">Schweizerische Redewendung für: «Es ist egal, es kommt beides auf dasselbe hinaus.»</note></p>
                        </sp>
                    <sp>
                        <speaker>Frage 18:</speaker> 
                        <p> Und wenn die kommunistischen Führer wirklich <hi rend="italic">eine bessere Welt wollen</hi>, heiligt dann dieser schöne Zweck die Mittel? Ist das kommunistische Zertreten des Menschen positiver zu werten als das nationalsozialistische, weil hinter dem <term ref="kbga-terms-135">Nationalsozialismus</term> «die helle Unvernunft»<note xml:id="n28">Siehe oben, <ref type="pub" target="#fn_n26">Anm. 26</ref>.</note> und hinter <orgName ref="kbga-actors-8732">Russland</orgName> eine große Hoffnung stand?</p>
                        </sp>
                    <sp>
                        <speaker>Frage 19:</speaker> 
                        <p> In Russland sei die Lösung der <hi rend="italic"><term ref="kbga-terms-1477">sozialen Frage</term></hi> angepackt.<note xml:id="n29">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-5478"><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>, <hi rend="italic">Die Kirche zwischen Ost und West</hi> (<ref type="pub" target="#fn_n25">Anm. 25</ref>), S. 22</bibl>: «Was in Sowjetrussland – sei es denn: mit sehr schmutzigen und blutigen Händen, in einer uns mit Recht empörenden Weise – angefaßt worden ist, das ist immerhin eine konstruktive Idee, immerhin die Lösung einer Frage, die auch für uns eine ernsthafte und brennende Frage ist und die wir mit unseren sauberen Händen nun doch noch lange nicht energisch genug angefaßt haben: der <hi rend="italic">sozialen</hi> Frage.»</note> Ist es wirklich eine Lösung, wenn man eine in jeder Hinsicht <pb xml:id="p245" ed="pga"/> bevorzugte Clique schuf (bis zu Kaufläden, wo die Bevorzugten alles zu besserer Qualität und zu billigerem Preis bekommen können!) u[nd] daneben eine rechtlose und wehrlose Völkermasse? 8–18 Millionen verhungernde Staatssklaven! Rechtlosigkeit der Arbeiter, von den Bauern nicht zu reden.</p>
                        <p>Ist bei uns die Lösung der sozialen Frage nicht auch angepackt? Bei weitem nicht am Ziel, aber angepackt. 1848:<note xml:id="n30">Mit der Jahresangabe «1848» könnte als Referenzpunkt auf die mit der Annahme der <term ref="kbga-terms-2324">Bundesverfassung</term> erfolgte Begründung der modernen Schweiz angespielt worden sein; 1848 erschien aber auch das von <persName ref="kbga-actors-267">Marx</persName> und <persName ref="kbga-actors-2021">Engels</persName> verfasste «<term ref="kbga-terms-2093">Kommunistische Manifest</term>».</note> 16-Stunden-Tag, Kinderarbeit, keine Ferien, keine Arbeitslosen-, keine Krankenversicherung, keine <term ref="kbga-terms-2325">AHV</term><note xml:id="n31">Abkürzung für die 1948 in der Schweiz eingeführte <term ref="kbga-terms-2325">Alters- und Hinterlassenenversicherung</term>.</note>. Und was dank dem Kampf der Arbeiterschaft erreicht worden ist, wurde erreicht ohne Deportationen, ohne absichtl[iches] Verhungernlassen, ohne Folterkammern und Hinrichtungen.</p>
                        </sp>
                    <sp>
                        <speaker>Frage 20:</speaker> 
                        <p> Der <term ref="kbga-terms-880">Kommunismus</term> habe nichts von <hi rend="italic"><term ref="kbga-terms-2145">falscher Prophetie</term></hi> an sich.<note xml:id="n32">Vgl. zu dieser und der im Eingangssatz der beiden nächsten Fragen jeweils aufgenommenen Aussage: <bibl corresp="kbga-bibls-5478"><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>, <hi rend="italic">Die Kirche zwischen Ost und West</hi> (<ref type="pub" target="#fn_n25">Anm. 25</ref>), S. 23f.</bibl>: «Man beachte aber, daß der <term ref="kbga-terms-880">Kommunismus</term> in seinem Verhältnis zum <term ref="kbga-terms-807">Christentum</term> im Unterschied zum <term ref="kbga-terms-135">Nationalsozialismus</term> <hi rend="italic">eines nicht</hi> getan hat und seinem Wesen nach auch nicht tun <hi rend="italic">kann:</hi> er hat nie den geringsten Versuch gemacht, das Christentum selbst umzudeuten, zu verfälschen, sich selbst in ein christliches Gewand zu hüllen. Er hat sich des eigentlichen Grundfrevels des Nationalsozialismus, der Beseitigung des wirklichen Christus durch einen nationalen Jesus, er hat sich des <hi rend="italic"><term ref="kbga-terms-2036">Antisemitismus</term></hi> nie schuldig gemacht. Er hat von falscher Prophetie nichts an sich. Er ist nicht antichristlich. Er ist kaltschnäuzig achristlich. »</note> – <hi rend="italic">Wir Menschen</hi> schaffen das Paradies auf Erden via Industrialisierung und Terror, ist das nicht falsche Prophetie? Hat der Kommunismus nicht auch allerlei Zeichen einer «religiösen Heilsanstalt», einer Gegenkirche mit Göttern, Priestern, Gläubigen, Opfern und Inquisition u[nd] Eschatologie?</p>
                        </sp>
                    <sp>
                        <speaker><pb xml:id="p246" ed="pga" rend="noPipe"/> Frage 21:</speaker> 
                        <p> Der Kommunismus kenne keinen <hi rend="italic"><term ref="kbga-terms-2036">Antisemitismus</term></hi>. – Ja, keine antisemitische Theorie, aber eine antisemitische Praxis: Vernichtung der jüdischen Institutionen, Schulen, des Institutes für jüd[ische] Kultur in <placeName ref="kbga-places-1478">Kiew</placeName>, Vernichtung des Zionismus etc.</p>
                        </sp>
                    <sp>
                        <speaker>Frage 22:</speaker> 
                        <p> Der <term ref="kbga-terms-2242">Kommunismus sei <hi rend="italic">achristlich</hi>, nicht antichristlich.</term>. <term ref="kbga-terms-2241">– Wird, wo der Mensc</term>h systematisch zertreten wird, nicht <hi rend="italic">Christus</hi> im Bruder angegriffen? Sollte die Kirche sich nicht der «Erniedrigten u[nd] Beleidigten»<note xml:id="n33">«Erniedrigte und Beleidigte» ist in der deutschen Übersetzung der Titel des ersten Romans, den <persName ref="kbga-actors-530">Fjodor Dostojewski</persName> 1861 nach der Rückkehr aus seiner Verbannung veröffentlichte.</note> annehmen und für sie einstehen? Sollte sie nicht auch hier bekennen, und nicht «bloß», wenn die rechte Lehre mit Gegenlehren angegriffen wird?</p>
                        </sp>
                    <sp>
                        <speaker>Frage 23:</speaker> 
                        <p> Nimmt <persName ref="kbga-actors-2151">Karl Barth</persName> die Stimme des Ostens, wie er sie seiner Zeit in dem genannten Vortrag (Kirche zwischen Ost und West) zeichnete, wirklich ernst? Glaubt er nicht, dass es sich da um eine «Ideologiebildung» oder grob gesagt um eine <hi rend="italic">Propagandalüge</hi> handelt, indessen der wahre Hintergrund der ganzen <term ref="kbga-terms-878">bolschewistischen Bewegung</term> nicht etwa ein Kampf um die Gerechtigkeit, sondern vielmehr nackter <term ref="kbga-terms-2326">Nihilismus</term> ist?</p>
                        </sp>
                    <sp>
                        <speaker>Frage 24:</speaker> 
                        <p> Handelt es sich (wie <persName ref="kbga-actors-2151">Karl Barth</persName> in seinem Brief an Zimmermann schreibt<note xml:id="n34">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-5848"><persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName>, <hi rend="italic">Brief an Pfarrer <persName ref="kbga-actors-1981">Wolf-Dieter Zimmermann</persName></hi>, «Unterwegs», Berlin (West) [17.10.1950], in: O.Br. 1945–1968, <ref type="pub-" target="../volume/15/p202#p202">S. 202–214</ref></bibl>.</note>) wirklich heute nicht auch um ein «zur Ordnung rufen»<note xml:id="n35">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-5478"><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>, <hi rend="italic">Die Kirche zwischen Ost und West </hi>(<ref type="pub" target="#fn_n25">Anm. 25</ref>), S. 18</bibl>: «Vor 10 Jahren war ganz einfach zur <hi rend="italic">Ordnung</hi> zu rufen.»</note> angesichts der zwar nicht so sehr gegen Barmen 1, aber umso mehr gegen <term ref="kbga-terms-126">Barmen</term> 5 und nicht weniger gegen Barmen 2<note xml:id="n36">Gemeint sind die erste, zweite und fünfte These der <term ref="kbga-terms-126">Barmer Theologischen Erklärung</term> (<bibl corresp="kbga-bibls-481"><persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName>, <hi rend="italic">Theologische Erklärung zur gegenwärtigen Lage der Deutschen Evangelischen Kirche</hi>, in: V.u.kl.A. 1934–1935, <ref type="pub-" target="../volume/52/p264#p264">S. 264–301</ref>, dort <ref type="pub-" target="../volume/52/p296#p296">S. 296f</ref>.<ref type="pub-" target="../volume/52/p298#p298">298f</ref>.</bibl>).</note> gerichteten Angriffe von Seiten der bolschewistischen Revolution? </p>
                        </sp>
                    <sp>
                        <speaker>Frage 25:<note xml:id="n37">Am Rand in <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Handschrift: «= [Frage] 28».</note></speaker> 
                        <p>Glaubt <persName ref="kbga-actors-2151">Karl Barth</persName> noch, dass es sich in <hi rend="italic"><placeName ref="kbga-places-1527">Korea</placeName></hi> nur um einen unwichtigen <hi rend="italic">Nebenschauplatz</hi> in der großen Auseinandersetzung handelt?<note xml:id="n38">Am <date when="1950-06-25">25. Juni 1950</date> war mit dem Angriff der mit China und der Sowjetunion verbündeten Volksrepublik Nordkorea auf den Süden (Republik Korea) der <term ref="kbga-terms-2327">Koreakrieg</term> ausgebrochen. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verurteilte diesen Angriff noch am selben Tag und verabschiedete am 31. Juli 1950 angesichts der rasch drohenden Niederlage des Südens eine Resolution, die ein Eingreifen von UNO-Truppen zur Unterstützung Südkoreas legitimierte. An der Seite Südkoreas kämpften bald Soldaten aus 16 Nationen, etwa 90% von ihnen aus den USA. Die für beide Seiten enorm verlustreichen Kampfhandlungen endeten schließlich am 27. Juli 1953 mit einem Waffenstillstand entlang der heute noch bestehenden Demarkationslinie. – In seinem <bibl corresp="kbga-bibls-5848"><hi rend="italic">Brief an Pfarrer <persName ref="kbga-actors-1981">Wolf-Dieter Zimmermann</persName></hi> (<ref type="pub" target="#fn_n34">Anm. 34</ref>), <ref type="pub-" target="../volume/15/p209#p209">S. 209</ref></bibl>, hatte <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> geschrieben: «Heute haben wir vor allem unermüdlich darauf hinzuweisen, daß der Krieg […] erst unvermeidlich ist, wenn er da ist. In dem Ereignis von 1938 war er faktisch schon da und hätte damals durch kriegerische Entschlossenheit im Keim erstickt werden können und müssen. Ein solches Ereignis hat Rußland bis heute nicht herbeigeführt. Es hat bis jetzt niemandem ein Ultimatum gestellt oder sich – ich halte Korea nicht dafür – einer entsprechenden Aggression schuldig gemacht.»</note> Ist Korea nicht eher einem <placeName ref="kbga-places-736">Spanien</placeName> zu vergleichen <pb xml:id="p247" ed="pga"/> (<term ref="kbga-terms-1237">Bürgerkrieg</term> und erste Kraftprobe der damals befeindeten Mächte gegeneinander)?<note xml:id="n39">Im <term ref="kbga-terms-1237">spanischen Bürgerkrieg</term> (1936–1939) unterstützten Italien und besonders das Deutsche Reich die Putschisten unter General <persName ref="kbga-actors-7855">Francisco Franco</persName> massiv, das Deutsche Reich sogar mit regulären Truppen («Legion Condor»). Der demokratisch gewählten Volksfront-Regierung half außer den Freischärlern der Internationalen Brigaden in nennenswertem Umfang lediglich die Sowjetunion vor allem mit Waffenlieferungen, die jedoch bei weitem nicht ausreichten und zudem 1938 fast komplett eingestellt wurden.</note> </p>
                        </sp>
                    <sp>
                        <speaker>Frage 26:</speaker> 
                        <p> Und damit im Zusammenhang: Kann es sich <term ref="kbga-terms-1124">Europa</term> noch länger leisten, alte Gegensätze bereinigen zu wollen oder ängstliche Kleinlichkeit an den Tag zu legen (französische Deutschenfurcht, Sorge vor dem Preußengeist bei den Deutschen, die etwas gelernt haben, die sehr stark militärtechnische Frage, ob die Deutschen Nachhut bilden müssten bei einem Rückzug der Alliierten an die <placeName ref="kbga-places-1526">Pyrenäen</placeName><note xml:id="n40">Vgl. dazu auch <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> <bibl corresp="kbga-bibls-5848"><hi rend="italic">Brief an Pfarrer <persName ref="kbga-actors-1981">Wolf-Dieter Zimmermann</persName></hi> (<ref type="pub" target="#fn_n34">Anm. 34</ref>), <ref target="../volume/15/p212#p212">S. 212</ref></bibl>: «Es ist mir (und nicht nur mir) […] völlig verborgen, […] ob eine deutsche Armee schließlich doch nur als Nachhut sich zu opfern oder allenfalls (unter Hinterlassung von Weib und Kind) an den Pyrenäen zu fechten hätte.»</note> etc. etc.), wenn es gälte, in einem kräftigen Ruck ein geeintes Europa zu schaffen, in welchem die alten Gegensätzlichkeiten hinterher und gleichsam auf dem richtigen Geleise (nämlich innerhalb der bereits geschaffenen Einheit) behoben werden könnten. Es wird ja auf <pb xml:id="p248" ed="pga"/> jeden Fall große Anstrengungen brauchen, um den Aufgaben der nahen Zukunft, Flüchtlinge, zerbrochene Ehen und Familien, Hungersnot usw. begegnen zu können, so dass es einfach lächerlich ist, noch länger alte Standpünktlein zu vertreten.</p>
                        </sp>
                    <sp>
                        <speaker>Frage 27:</speaker> 
                        <p> Versucht die <hi rend="italic">sowjetrussische <term ref="kbga-terms-1120">Propaganda</term></hi> nicht eben gerade mit der plumpen Schlagworttechnik vom amerikanischen Imperialismus Europa in den gefährlichen Schlaf einzuwiegen, dass es davon träumt, evtl. sogar eine <term ref="kbga-terms-2086">neutrale dritte Macht</term> bleiben zu können und sich jedenfalls darauf zu verlassen, dass Onkel Sam<note xml:id="n41">«Uncle Sam» ist seit dem 19. Jahrhundert eine als Nationalallegorie der <orgName ref="kbga-actors-8455">USA</orgName> verwendete Figur.</note> den Löwenanteil zu leisten haben werde?</p>
                        </sp>
                    <sp>
                        <speaker>Frage 28:<note xml:id="n42">Am Rand in <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Handschrift: «= [Frage] 25».</note></speaker> 
                                <p>Zum Brief an <hi rend="italic">Pfr. Zimmermann:</hi> ist <hi rend="italic"><term ref="kbga-terms-2327">Korea</term></hi> nicht gleich der <term ref="kbga-terms-2328">Sudetenkrise</term><note xml:id="n43">Die Forderung <persName ref="kbga-actors-185">Hitlers</persName> nach einem «Anschluss» der überwiegend deutsch besiedelten Randgebiete der Tschechoslowakei an das Deutsche Reich löste im Spätsommer 1938 die sogenannte «<term ref="kbga-terms-2328">Sudetenkrise</term>» aus. Um den Ausbruch eines Krieges abzuwenden, schlossen Großbritannien, Frankreich, Italien und Deutschland am <date when="1938-09-29">29. September 1938</date> das «<term ref="kbga-terms-2329">Münchner Abkommen</term>», das der Tschechoslowakei – gegen eine, wie sich bald zeigen sollte, wertlose Bestandsgarantie für das Rest-Territorium – die Abtretung der betreffenden Gebiete aufnötigte. Am 19. September, als ein Kriegsausbruch unmittelbar bevorzustehen schien, hatte <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> die tschechische Bevölkerung in einem Brief an <persName ref="kbga-actors-1664">Josef L. Hromádka</persName> zur Wehrhaftigkeit gegenüber Deutschland aufgerufen (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-5849">K. Barth, <hi rend="italic">An Prof. Dr. Josef L. Hromádka, Prag, 19. September 1939</hi>, in: O.Br. 1935–1942, <ref type="pub-" target="../volume/36/p107#p107">S. 107–133</ref></bibl>). Dieser Aufruf brachte ihm in Deutschland bis in die Kreise seiner engsten Freunde hinein scharfe Kritik ein.</note>? warum nicht? Hat <persName ref="kbga-actors-5771">Schumacher</persName><note xml:id="n44"><persName ref="kbga-actors-5771">Kurt Schumacher</persName> (1895–1952), Parteivorsitzender der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) von 1946–1952, der seinen Widerstand gegen den politischen Kurs der Westbindung und Wiederbewaffnung der Bundesrepublik Deutschland vor allem mit Hinweis auf die damit verbundene Konsequenz begründete, dies werde eine Wiedervereinigung unmöglich machen.</note> nicht eher nationalistische Ziele im Auge als <persName ref="kbga-actors-1423">Adenauer</persName><note xml:id="n45"><persName ref="kbga-actors-1423">Konrad Adenauer</persName> (1876–1967), seit 1949 erster Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, seit 1950 auch Vorsitzender der Christlich-Demokratischen Union (CDU), verfocht in der Außen-, Wirtschafts- und Verteidigungspolitik einen Kurs der strikten Westintegration, zu der für ihn auch die Unterstützung der alliierten Forderung nach einer deutschen Wiederbewaffnung gehörte.</note>?</p>
                        </sp>
                    <sp>
                        <speaker><pb xml:id="p249" ed="pga" rend="noPipe"/> Frage 29:</speaker> 
                        <p> Ist der <hi rend="italic"><term ref="kbga-terms-880">Kommunismus</term> des Ostens als Staatsform</hi>, die kein staatsfreies Leben zulässt, nicht ebenso sehr zu verwerfen wie der <term ref="kbga-terms-135">Nationalsozialismus</term> <persName ref="kbga-actors-185">Hitlers</persName>. Wäre es unseren Brüdern im Osten nicht besser gedient, wenn die Kirchen des Westens deutlich Stellung nehmen würden gegen die Lehren des Kommunismus?</p>
                        </sp>
                    <sp>
                        <speaker>Frage 30:</speaker> 
                        <p> Gilt, was Herr Prof. <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> einst von der «totalen, prinzipiellen Diktatur» sagte (z. B. «Eine Schweizer Stimme» S. 84f.)<note xml:id="n46">Gemeint ist: <bibl corresp="kbga-bibls-5850"><persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName>, <hi rend="italic">Die Kirche und die politische Frage von heute. Vortrag, gehalten an der Versammlung des Schweizerischen Evangelischen Hilfswerks für die Bekennende Kirche in Deutschland im Kirchgemeindehaus Wipkingen, am 5. Dezember 1938</hi>, in: Schw.St., S. 69–107, dort S. 84</bibl>, wo Barth in Bezug auf den Nationalsozialismus schrieb: «Was immer andere Staatsformen in anderen Zeiten und Umständen für die Kirche bedeuten könnten: <hi rend="italic">diese</hi> Staatsform, die totale, die prinzipielle Diktatur, stellt uns vor die Gottesfrage und also vor die Glaubensfrage.»</note>, dass wir damit vor die Gottesfrage, die Glaubensfrage gestellt seien und Nein sagen müssten, nicht mehr?</p>
                        </sp>
                    <sp>
                        <speaker>Frage 31:</speaker> 
                        <p> Zur Beurteilung von <orgName ref="kbga-actors-8732">Russland</orgName>:</p>
                        <p>a) Ist es wahr, dass Russland gleich nach Kriegsschluss mit einer wahnsinnigen <hi rend="italic">Aufrüstung</hi> begann, während Amerika und die andern Siegerstaaten sich in weitgehendem Maße ihres Kriegsmaterials entledigten? – Wenn ja, was sind daraus für Schlüsse zu ziehen?</p>
                        <p>b) Ist es wahr, dass Russland bei allen <hi rend="italic">internationalen Verhandlungen Obstruktion</hi> schlimmster Art betrieben hat, während die Westmächte zu allerhand Verträgen und Vergleichen bereit gewesen wären? – Wenn ja, wie ist dieses Verhalten zu deuten?</p>
                        <p>c) Ist es wahr, dass Russland überall da, wo es zu Einfluss gekommen ist, ein System absoluter <hi rend="italic">Rechtslosigkeit</hi> geschaffen hat, während die andern Staaten immerhin noch als Rechtsstaaten anzusprechen sind? – Wenn ja, was ist davon zu halten?</p>
                        </sp>
                    <sp>
                        <speaker>Frage 32:</speaker> 
                        <p> Unter der Voraussetzung, dass diese Fragen mit Ja beantwortet werden müssen, ergeben sich daraus die weiteren Fragen: </p>
                        <p>a) Kann <orgName ref="kbga-actors-8732">Russland</orgName> anders als eine <hi rend="italic">böse und satanische Macht bezeichnet</hi> werden, der in der heutigen Welt nichts Ähnliches gegenübersteht und die zu fürchten<note xml:id="n47">Von <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> unterstrichen und am linken Seitenrand durch ein Ausrufezeichen markiert.</note> wir allen Grund haben?</p>
                        <p><pb xml:id="p250" ed="pga" rend="noPipe"/> b) Ist Russland in seinem Verhalten nicht derart, dass ihm auf politischem Boden nicht anders als <hi rend="italic">mit Gewalt begegnet</hi> werden kann? – Verdient Russland in dieser Hinsicht eine andere Behandlung als seinerzeit der Hitlerstaat?</p>
                        <p>c) Hat aber bei dieser realistischen Betrachtungsweise für die christliche Verkündigung nicht <hi rend="italic">ein</hi> Gedanke in den Vordergrund zu treten und das Feld zu beherrschen: Russland ist zwar böse und verdient keine Schonung. Gott wird seinen Untergang herbeiführen. Es kann aber sein, dass er es vorher noch als <hi rend="italic">«Zuchtrute»</hi> für die übrige Welt benützt. Wenn der «Westen» Buße tut, so kann ihm u[nter] U[mständen] das Äußerste erspart bleiben. Buße tun heißt aber nicht, sich Russland gegenüber wehrlos machen. Gibt es eine wirksame Gerichtsverkündigung bei gleichzeitiger Verharmlosung der Zuchtrute, vor der man keine Angst zu haben braucht?</p>
                        </sp>
                    <sp>
                        <speaker>Frage 33:</speaker> 
                        <p> Fürchten Sie nicht, dass Ihre Zurückhaltung in Bezug auf die russische Frage den <hi rend="italic">moralischen Widerstand</hi> diesseits und jenseits unserer Grenze schwächt?</p>
                        </sp>

                        <p><hi rend="italic">Zu <orgName ref="kbga-actors-9047">Deutschland</orgName> und seiner <term ref="kbga-terms-2330">Wiederaufrüstung</term>:</hi></p>
                      
                    <sp>
                        <speaker>Frage 34:</speaker> 
                        <p> In Deutschland wird erklärt: Gott hat uns die Waffen aus der Hand geschlagen. Das ist für uns ein Zeichen, dass wir nicht mehr nach ihnen greifen sollen. – Was waren das für Waffen? Waren es nicht die wilhelminischen und hitlerschen Waffen? Könnte es für Deutschland nicht geboten sein, mit «neuen» Waffen seinen Beitrag zu leisten bei der Verteidigung von Westeuropa, sofern diese durch eine internationale Armee vollzogen wird? Könnte die Unterstellung seiner Armee unter ein internationales Kommando für Deutschland nicht ein Akt echter Reue bedeuten, mehr als das momentane Schwelgen in einem etwas verdächtigen Pazifismus? Wäre nicht auch die Gefahr eines Bürgerkrieges in Kauf zu nehmen, sofern es sich herausstellen sollte, dass nur auf diesem Wege der Osten von der russischen Diktatur befreit werden kann?</p>
                        </sp>

                    <sp>
                        <speaker>Frage 35:</speaker> 
                        <p> Wie beurteilen Sie <persName ref="kbga-actors-3266">Heinemanns</persName><note xml:id="n48">Der mit <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> befreundete Jurist <persName ref="kbga-actors-3266">Gustav W. Heinemann</persName> (1899–1976) hatte sich im Kirchenkampf für die Bekennende Kirche engagiert und war seit 1945 Mitglied des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, seit 1949 auch Präses der Synode der EKD; 1949/50 war er als CDU-Mitglied Bundesminister des Inneren gewesen. Weil <persName ref="kbga-actors-1423">Adenauer</persName> das Kabinett über wichtige Schritte, die er in der Wiederbewaffnungsfrage unternahm, nicht unterrichtete, hatte Heinemann am <date when="1950-08-31">31. August</date> und nochmals schriftlich am <date when="1950-10-09">9. Oktober 1950</date> seinen Rücktritt angeboten, den Adenauer am <date when="1950-10-11">11. Oktober</date> annahm. 1952 trat er aus der CDU aus und gründete die Gesamtdeutsche Volkspartei (GVP), nach deren Auflösung trat er 1957 in die SPD ein, für die er 1966 als Bundesminister der Justiz in das Kabinett zurückkehrte; 1969 wurde er zum ersten von der SPD gestellten Bundespräsidenten gewählt.</note> Ausspruch, dass dem Deutschen zwar <hi rend="italic">nicht für immer, aber jetzt die Waffen</hi> aus der Hand genommen worden seien?<note xml:id="n49">In der öffentlichen Erklärung, mit der <persName ref="kbga-actors-3266">Heinemann</persName> über die Gründe seines Rücktritts informieren wollte, hieß es: «Einige leichtfertige Leute haben mich einen Gandhi-Apostel genannt. Ich schmähe <persName ref="kbga-actors-3212">Gandhi</persName> durchaus nicht, wenn ich bündig sage, daß ich nicht sein Apostel bin. Es ist Gottes Wille, daß weltliche Obrigkeit regiert und daß sie das Schwert führt. Sie hat es auch gegen äußere Feinde zu führen – sofern sie überhaupt eins besitzt. Wir besitzen keins. Hier erhebt sich zumal für Politiker, die aus christlicher Verantwortung zu handeln erklären, die Frage, ob es nicht etwa so ist, daß wir durch Gottes Gericht waffenlos gemacht worden sind um deswillen, was wir mit der Waffe angerichtet haben. Auch dann würden wir nicht für alle Zeit waffenlos bleiben müssen. Aber wir sollten uns gefragt wissen, ob es denn wirklich wieder soweit ist oder ob Gott uns heute nicht doch die Geduld und den Mut beibringen will, auch in gefahrvoller Situation seinem von uns nicht vorher zu berechnendem Weltregiment zu vertrauen» (<bibl corresp="kbga-bibls-5854">G. W. Heinemann, <hi rend="italic">Warum ich zurückgetreten bin,</hi> in: Stuttgarter Zeitung, Nr. 243 vom 18.10.1950, S. 3; vgl. JK 11 [1950], H. 18 vom 6.11.1950, Sp. 633–642, dort Sp. 639f.</bibl>). – Am 18. Oktober 1950 berichtete die «Neue Zürcher Zeitung» über einen Auftritt Heinemanns drei Tage zuvor: «Der ehemalige Innenminister bekannte sich am Sonntag ohne Einschränkung zu der Niemöllerschen These, nach der es nicht Sache des deutschen Volkes, dem Gott zweimal die Waffen aus der Hand geschlagen habe, sein könne, sich in die Händel der Weltmächte einzumischen» (<bibl corresp="kbga-bibls-5853">R. H., <hi rend="italic">Niemöllers Kampagne gegen Adenauer</hi>, in: Neue Zürcher Zeitung, Jg. 171 [1950], Nr. 2194 vom 18.10.1950 [Morgenausgabe], S. 2</bibl>).</note>
                        </p>
                        </sp>
                         
                    <sp>
                        <speaker><pb xml:id="p251" ed="pga" rend="noPipe"/> Frage 36:</speaker> 
                        <p> Ist die Stellungnahme zur <hi rend="italic"><term ref="kbga-terms-2330">Remilitarisierung Deutschlands</term></hi> bei Ihnen innerlich ganz klar und sicher oder erleiden Sie hierin innere Anfechtung?</p>
                        </sp>
                        
                    <sp>
                        <speaker>Frage 37:</speaker> 
                        <p> <hi rend="italic">Zu den Verhältnissen in <placeName ref="kbga-places-799">Ungarn</placeName>:</hi> In Ungarn soll die Kirche volle Freiheit in der Verkündigung des Evangeliums haben. Gehört das nicht zur Taktik des «Systems», die Kirche vorübergehend an langer Leine zu führen, besonders wenn sie sich dabei so erkenntlich zeigt, wie das in ihrer neuesten Verlautbarung geschehen ist? (Vgl. Kirchenblatt, S. 395<note xml:id="n50">Gemeint ist: <bibl corresp="kbga-bibls-5852"><persName ref="kbga-actors-423">G. Wieser</persName>, <hi rend="italic">Kundgebungen der evangelischen Kirchen in Ungarn</hi>, in: KBRS 106 (1950), Nr. 25 vom 14.12.1950, S. 395</bibl>.</note>)</p>
                        </sp>
                    </div>
                    <div>
                        <pb xml:id="p252" ed="pga"/>
                        <head type="sub"><hi rend="italic">[Antwort-Notizen Barths zum zweiten Fragenkomplex]</hi></head>

                        <head type="sub"><hi rend="italic">Zu [den] Fr[agen] 16–37</hi></head>

                        <p>Hätte ich 1938 soviel Zustimmung gefunden!<note xml:id="n51">Gemeint ist <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Stellungnahme in der sogenannten Sudetenkrise; vgl. oben, <ref type="pub" target="#fn_n43">Anm. 43</ref>. – Der erste Satz findet sich im Mskr. am Ende des folgenden Absatzes; ein von <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> eingezeichneter Pfeil macht deutlich, dass er nach vorn zu rücken ist.</note>
                        </p>
                        <p>
                            <hi rend="italic">Seufzen:</hi> Soviele Fragen – auf 15 theol[ogische] 22 politische – / Und so viel Aufregung:<note xml:id="n52">In <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Handschrift mit Bleistift oberhalb hinzugefügt: «Geheimhaltung[?]! Presse! Weihnacht[?]?»</note> so wenig Rückfrage nach dem <term ref="kbga-terms-59">Evangelium</term>, nur wenig präziser Bezug auf das, was ich geschrieben! So werden wir es nicht schaffen!</p>
                        <p>Aber<ref type="can" subtype="bible" target="Jak.5.9"> Jak. 5,9</ref>: Seufzet nicht widereinander…!   Einzelbeantwortung?</p>
                         <p><lb/></p>
                        <p>Fr[age] 33: «Zurückhaltung». Aber nicht Bejahung des <term ref="kbga-terms-880">Kommunismus</term>. Also Belehrungen überflüssig. Ziehe «Westen» vor. Sehe ihn kriegsbedroht. Bin für Abwehr und schweizerische Aufrüstung + Vorsicht gegen <orgName ref="kbga-actors-10724">PdA</orgName><note xml:id="n53">Kürzel für die «<orgName ref="kbga-actors-10724">Partei der Arbeit der Schweiz</orgName>», die am <date when="1944-10-14">14. Oktober 1944</date> als Nachfolgeorganisation der Kommunistischen Partei der Schweiz gegründet worden war und bei der Nationalratswahl 1947 einen Wähleranteil von 5,1% auf sich vereinen konnte; ein Ergebnis, das sie weder auf Bundesebene noch in den Kantonen – lange mit Ausnahme von Basel-Stadt – halten konnte.</note>
                        </p>
                        <p>Grundhaltung[?]: Ablehnung einer <term ref="kbga-terms-2419">Parteinahme der <hi rend="italic">Kirche</hi></term>, speziell unserer schweizerischen. Manche <term ref="kbga-terms-26">Entscheidung</term> ist wichtig u[nd] notwendig, ohne dass sie deshalb jederzeit u[nd] überall als <hi rend="italic">die</hi> christl[iche] Entscheidung proklamiert werden muss: <hi rend="italic">Habe</hi> so eine Überzeugung u[nd] werde[?] selig!<note xml:id="n54">Das Ausrufezeichen ist im Mskr. mit Bleistift ergänzt.</note> – sie fällt aber mit d[er] <term ref="kbga-terms-252">Verkündigung</term> des <term ref="kbga-terms-59">Ev[an]g[elium]s</term> und seines <term ref="kbga-terms-60">Gebotes</term> nicht zusammen.</p>
                            <p>
                            <hi rend="italic">Positiv:</hi> <hi rend="italic">Wir haben einen <term ref="kbga-terms-2419">dritten Ort</term> zu beziehen</hi>
                        </p>
                        <p>a) weil wir Christen und Theologen in der <hi rend="italic"><placeName ref="kbga-places-58">Schweiz</placeName></hi> sind. Viele Fragen bedenken Kopfzerbrechen <hi rend="italic">andrer</hi> Länder, aus dem keine praktische Anwendung auf unser schweiz[erisches] Sein u[nd] Tun folgen kann.</p>
                        <p><pb xml:id="p253" ed="pga" rend="noPipe"/><term ref="kbga-terms-889">Neutralität</term> nicht angefochten, von uns selbst nicht preiszugeben. Keine Nötigung[,] in Freund-Feind-Verhältnis zu denken, heute gelebte[?] Alternativen [als] für uns gültig zu anerkennen. Haben allen Grund, uns den «fremden Händeln»<note xml:id="n55">Das <persName ref="kbga-actors-709">Niklaus von Flüe</persName> (1417–1487) zugeschriebene Wort «Mischt Euch nicht in fremde Händel!» wurde in der Schweiz in den neutralitätspolitischen Debatten der Nachkriegszeit oft zitiert (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-5851">G. Kreis, <hi rend="italic">Kleine Neutralitätsgeschichte der Gegenwart. Ein Inventar zum neutralitätspolitischen Diskurs in der Schweiz seit 1943</hi>, Bern/Stuttgart/Wien 2004, S. 65f.355f.</bibl>).</note> fern[zu]halten und eben damit nach Osten u[nd] Westen den <term ref="kbga-terms-589">Frieden</term> zu vertreten [Vorlesen aus <orgName ref="kbga-actors-2669">NZ</orgName> (…?)<note xml:id="n56">Hinter «NZ» folgt wohl ein Name, der nicht entziffert werden konnte.</note>] Oder sollen wir in die <orgName ref="kbga-actors-5649">Uno</orgName><note xml:id="n57">Die <orgName ref="kbga-actors-5649">Vereinten Nationen (United Nations Organization)</orgName> waren 1945 gegründet worden und unterhielten von Beginn an in Genf ihren zweiten Hauptsitz; die Schweiz trat der UNO am 10. September 2002 bei.</note>, <orgName ref="kbga-actors-10726">Strassburg</orgName><note xml:id="n58">Gemeint ist der am <date when="1949-05-05">5. Mai 1949</date> in <placeName ref="kbga-places-149">Straßburg</placeName> gegründete <orgName ref="kbga-actors-10726">Europarat</orgName>, dem die Schweiz nach anhaltenden Debatten um eine damit verbundene Gefährdung der Neutralität 1963 beitrat.</note>, <term ref="kbga-terms-2331">Marshallplan</term><note xml:id="n59">Das «<term ref="kbga-terms-2331">European Recovery Program</term>», nach dem US-Außenminister <persName ref="kbga-actors-10727">George C. Marshall</persName> (1880–1959) «Marshallplan» genannt, war ein 1948 beschlossenes US-amerikanisches Konjunkturprogramm für Europa.</note>, <orgName ref="kbga-actors-10383">Atlantikpakt</orgName><note xml:id="n60">Gemeint ist die 1949 gegründete <orgName ref="kbga-actors-10383">NATO</orgName> (North Atlantic Treaty Organization).</note>?<note xml:id="n61">Im Mskr. findet sich hier eine schließende eckige Klammer, der aber das öffnende Gegenstück fehlt.</note>
                        </p>
                        <p>b) weil wir <hi rend="italic"><term ref="kbga-terms-277">Christen</term></hi> sind: <orgName ref="kbga-actors-8732">Russland</orgName> ist diabolisch[?], aber Fall «Amerika-Russland» ist nicht geklärt (Wirtschaftskrieg, Asien!)</p>
                        <p>
                            <hi rend="italic">Wem helfen</hi> wir mit <term ref="kbga-terms-2029">Parteinahme</term>? Protesten? (Russen? Ostmenschen? uns selbst?)</p>
                        <p>Was <hi rend="italic">unterlassen</hi> wir unterdessen?<lb/>    Frei bleiben für die <term ref="kbga-terms-2332">Universalität des Ev[an]g[elium]s<lb/>    </term>Konkretes Urteilen über <term ref="kbga-terms-337">Recht</term> u[nd] <term ref="kbga-terms-1119">Unrecht</term><lb/>    <term ref="kbga-terms-206">Ökumenisches Denken</term></p>
                        <p>Was <hi rend="italic">tun</hi> wir? <term ref="kbga-terms-846">Angst</term>! (Fr[age] 32a)</p>
                        <p>Christen beten mit dem Rücken an der Wand – ohne fremde Herren – ohne Bündnisse – «uns ist ein Kind geborn»! [<ref type="can" subtype="bible" target="Jes.9.5">Jes. 9,5</ref>]</p>
                        <p>c) weil wir <hi rend="italic"><term ref="kbga-terms-2260">Theologen</term></hi> sind: Unsere <term ref="kbga-terms-249">Gemeinden</term> brauchen (für die künftigen Gefahren) freies Denken</p>
                        <p rend="margin-top">Wie stärkt man eigentlich den <term ref="kbga-terms-2333">moralischen Widerstand</term>?</p>
                </div>
            </div>
        </body>
    </text>
</TEI>
