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      <titleStmt>
        <title type="volume" n="vol-56">Predigten 1912</title>
        <title type="content">Predigt: 2 Korinther 5,14-15</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: Predigt: 2 Korinther 5,14-15, 25. August 1912</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/56037 (Stand: 25. August 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Predigten 1912, hrsg. v. Busch, Eberhard / Zocher, Peter (Gesamtausgabe, Abt. I), Zürich 2022, S. .</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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      <publicationStmt>
        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
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        <idno type="url">https://kbga.karl-barth.ch/texts/56037</idno>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Predigten 1912</title>
          <title type="text">Predigt: 2 Korinther 5,14-15</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Busch, Eberhard</editor>
          <editor>Zocher, Peter</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2022</date>
          <!--position within a volume-->
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        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Barth, Karl, Predigt: 2 Kor 5,14-15, 25. August 1912. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/1571">KBA 1107</ref>. </bibl>
        <bibl xml:id="B" type="source">B (Weitere Vorlage): Barth, Karl, Karl Barth an Eduard Thurneysen, 23. November 1915. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/9000">KBA 9270.62</ref>. </bibl>
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        <date type="creation" when="1912-08-25">25. August 1912</date>
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          <term>sermon</term>
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                    <dateline>
                        <placeName ref="kbga-places-54">Safenwil</placeName>, Sonntag, den <date when="1912-08-25">25. August 1912</date>
                    </dateline>
                    <epigraph>
                        <cit>
                            <ref type="can" subtype="bible" target="2.Kor.5.14 2.Kor.5.15">2.Korinther 5,14–15</ref>
                             <quote>
                                Die Liebe Christi dringet uns also; sintemal wir halten, dass, so Einer für Alle gestorben, so sind sie Alle gestorben, und er ist darum für Alle gestorben, auf dass die, so da leben, hinfort nicht ihnen selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferstanden ist.
                            </quote>
                        </cit>
                    </epigraph>
                    <salute>Liebe Zuhörer!</salute>
                </div>
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                    <anchor type="cross" xml:id="qv56037_1"/>
                    <p>Am Dienstag der hinter uns liegenden Woche ist in <placeName ref="kbga-places-40">London</placeName> ein Mann gestorben, dessen Name aus der <term ref="kbga-terms-1812">Geschichte des Christentums</term> nicht mehr verschwinden wird, nämlich <hi rend="italic">
                            <persName ref="kbga-actors-9059">William Booth</persName></hi>, der Begründer und Leiter der <orgName ref="kbga-actors-9056">Heilsarmee</orgName>.<note xml:id="n01">
                            <p> <persName ref="kbga-actors-9059">William Booth</persName> (geb. 1829) war am <date when="1912-08-20">20. August 1912</date> gestorben. 
                        Zu seinem Leben und Werk vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-979">R. J. Green, <hi rend="italic">The Life and Ministry of William Booth, Founder of The Salvation Armee</hi>, Nashville/TN, 2006</bibl>.</p>
                        </note> Es dürfte Wenige unter uns geben, die noch nie von ihm gehört haben, von diesem General, der sich selbst zum General ernannt hat, von diesem Schöpfer eines vieltausendköpfigen Kriegsheeres, das auf der ganzen bewohnten Erde seine friedlichen Schlachten schlägt, von diesem bezaubernden Redner, der es verstand, 
                        in allen großen Städten <placeName ref="kbga-places-204">Europas</placeName> und <placeName ref="kbga-places-2">Amerikas</placeName> die riesigsten Versammlungen in atemloser Spannung zu erhalten, von diesem unermüdlichen Geschäftsreisenden des Reiches Gottes auf Erden, der in den Dachkammern der dunkelsten Stadtteile von London seine Sendung antrat, um schließlich auch vor dem Audienzzimmer des <persName ref="kbga-actors-9070">Kaisers von Japan</persName> nicht Halt zu machen.<note xml:id="n02">
                            <p> Während einer Weltreise im Jahr 1907 besuchte <persName ref="kbga-actors-9059">Booth</persName> auch <placeName ref="kbga-places-911">Japan</placeName> und kam dort am 20. April zu dieser seltenen Ehre: 
                            «General Booth wird in Japan mit unerhörten Ehren überhäuft. Am Samstag empfing der <hi rend="italic">Kaiser</hi> den Gründer der Heilsarmee, der die Galauniform angelegt hatte» (<bibl corresp="kbga-bibls-980">N. N., <hi rend="italic">General Booth in Japan</hi>, in: Der Bund. Eidgenössisches Zentralblatt, Jg. 58, Nr. 191 vom 24./25. April 1907 [Abendblatt], S. 1</bibl>). Diese «Audienz» beim «<persName ref="kbga-actors-9070">Kaiser von Japan</persName>» erwähnt auch <bibl corresp="kbga-bibls-981">N. N., <hi rend="italic">General Booths Leben und Wirken</hi>, 
                            in: Basler Nachrichten, Jg. 68, Nr. 229 vom 23.8.1912 (1. Beilage)</bibl>.</p>
                        </note> Wer ihn einmal gesehen hat, wird ihn zeitlebens nicht mehr vergessen, und Viele von uns erinnern sich vielleicht, wenigstens einmal sein Bild vor Augen gehabt zu haben: <pb xml:id="p361" ed="pga"/> diese hohe, von der Last des Alters und der Arbeit etwas gebeugte Gestalt im Schmuck der wallenden weißen Haare, die kühn geschwungene mächtige Stirne mit der Adlernase darunter, die Augen voll Güte und mit jenem Ausdruck von Zuversichtlichkeit und Unentwegtheit, 
                            wie er vielen Engländern eigen ist, die großen Hände, die so eindrücklich und verständlich redeten, wenn er auf der Rednertribüne stand, auch wenn man seinen Worten nur mit Hilfe eines Dolmetschers folgen konnte. Und wer vom verstorbenen General wenig oder nichts weiß, der kennt doch sein Werk, das nun seinen Tod überdauert, seine <term ref="kbga-terms-1802">Heilsarmee</term> mit ihrer alle Länder fest umspannenden, 
                            wohldurchdachten Organisation, mit ihren merkwürdigen Einrichtungen und Bräuchen, über die man lächeln oder sich ärgern und an denen man doch nicht ohne Bewunderung vorübergehen kann, mit ihren <term ref="kbga-terms-1803">sozialen Hilfswerken</term>, die immer mehr Anerkennung und Unterstützung finden beim Publikum und auch bei den meisten Regierungen.<note xml:id="n03">
                            <p> In der ersten Meldung der «<orgName ref="kbga-actors-5804">Basler Nachrichten</orgName>» zum Tod <persName ref="kbga-actors-9059">William Booths</persName> hieß es nach einer Schilderung der vielfältigen Bedenken und Anfeindungen, 
                            denen die Arbeit der <orgName ref="kbga-actors-9056">Heilsarmee</orgName> zumal in der <placeName ref="kbga-places-58">Schweiz</placeName> ausgesetzt war: «Und wie hat sich das alles geändert! Volk und Regierungen stehen ihr heute wohlwollend gegenüber, sie erhält sogar staatliche Subventionen und findet für ihr soziales Wirken allenthalben Anerkennung» (<bibl corresp="kbga-bibls-977">N. N., <hi rend="italic">Tagesbericht</hi>, in: Basler Nachrichten, Jg. 68, Nr. 228 vom 22.8.1912</bibl>). 
                            Ähnlich: <bibl corresp="kbga-bibls-978">Th. Kolde, Art. «Heilsarmee (Salvation Army)», in: RE<hi rend="sup">3</hi> 7, S. 578–593, dort S. 585, Z. 52–58</bibl>: «Auf der andern Seite leisten die Heilssoldaten aber wirklich auf socialem Gebiete in der Bekämpfung der Trunksucht, der Unzucht und des Pauperismus […] soviel, daß ihnen als kaum noch entbehrlichen Helfern in der Heimat neuerdings mehr als je Geld und Sympathie, […] sich zuwenden. Und ähnliche Beobachtungen kann man in andern Ländern machen.»</p>
                        </note> 
                            Die Heilsarmee, diese sonderbarste unter unsren religiösen <term ref="kbga-terms-471">Gemeinschaften</term> und die trotzdem, in den Städten vor Allem, aber nach und nach auch auf dem Lande, beinahe zu einem unentbehrlichen Bestandteil unsres <term ref="kbga-terms-1472">öffentlichen Lebens</term> geworden ist! Wer hätte noch nie davon gehört und darüber geredet, – darüber geschimpft vielleicht – wer hätte noch nie den eigentümlichen Klängen ihrer aus <placeName ref="kbga-places-18">England</placeName> herübergebrachten «Heilslieder» gelauscht, 
                            wer noch nie eine Nummer des «<orgName ref="kbga-actors-9064">Kriegsruf</orgName>»<note xml:id="n04">
                            <p> Der «<orgName ref="kbga-actors-9064">Kriegsruf</orgName>» / «War Cry» erschien seit 1880 wöchentlich und wurde «bald in Hunderttausenden von Exemplaren auf der Straße verkauft» (<bibl corresp="kbga-bibls-978">a.a.O., S. 580, Z. 48f.</bibl>); 2007 wurde die Zeitschrift umbenannt und erscheint seitdem länderspezifisch unter verschiedenen Titeln.</p>
                        </note> in Händen gehabt und durchstöbert? <pb xml:id="p362" ed="pga"/> Und sicher sind auch nicht Wenige unter uns, 
                            die schon einmal nachdenklich und etwas verlegen geworden sind, wenn sie am Rockknopf gefasst wurden mit der bedenklichen Frage: Sind Sie gerettet? Ich glaube, eine so auffallende und bedeutende Erscheinung ist es wohl wert, dass wir uns einmal gründlich besinnen über ihr Wesen und darüber, wie wir uns zu ihr stellen wollen. Und darum habe ich mir vorgenommen, euch heute eine Predigt zu halten vom General Booth und von der Heilsarmee.</p>
                    <p>Wenn ich mir die Sache leicht machen wollte, dann würde ich jetzt sagen, was man meistens sagen hört, wenn von der Heilsarmee die Rede ist, und was wohl auch die Meinung von Vielen von euch ist. Ich würde sagen: die <term ref="kbga-terms-1803">Sozialwerke</term> der <orgName ref="kbga-actors-9056">Heilsarmee</orgName>, ihre Nachtasyle und Rettungshäuser, ihre Anstalten für Arbeitslose, für Trinker und gefallene Mädchen und entlassene Sträflinge, die lasse ich mir gerne gefallen. Das ist aller Ehren wert, dass sich die Heilsarmee mit diesen Leuten abgibt. 
                        Aber was daneben ist: das Singen und <term ref="kbga-terms-1804">Beten</term> auf der Straße, die <term ref="kbga-terms-1805">Uniformen</term>, Fahnen und Hallelujahüte<note xml:id="n05">
                            <p> «Hallelujahut» ist die selbst verwendete Bezeichnung für den runden Hut, der bis 1971 zur Uniform der weiblichen Mitglieder der <orgName ref="kbga-actors-9056">Heilsarmee</orgName> gehörte; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-952">N. N., <hi rend="italic">Halleluja! 150 Jahre Internationale Heilsarmee</hi>, in: Magazin der Heilsarmee Schweiz, Nr. 6, Juni 2015, S. 12</bibl>.</p>
                        </note>, das Auftreten in den Wirtschaften, das <term ref="kbga-terms-1807">öffentliche Reden von Frauen</term>, das ganze zudringliche <term ref="kbga-terms-1806">Bekehrungswesen</term>, das gefällt mir nicht. 
                        So werden sehr Viele mit der Heilsarmee fertig. Aber, meine Freunde, wer so mit der Heilsarmee fertig wird, der hat sie gar nicht verstanden. Wer so trennt zwischen dem, was ihm gefällt und nicht gefällt, der hat bei Beidem nur das Äußerliche gesehen. Wenn wir auf das Innere sehen, 
                        dann bemerken wir, dass Beides: die Liebeswerke und die Bekehrungsarbeit zusammengehören. Die Heilsarmee ist aus einem Stück. Darauf möchte ich euch heute vor Allem aufmerksam machen. Wer das einmal verstanden hat, der wird mit seinen Einwänden unwillkürlich zurückhaltender werden, auch wenn es ihn vielleicht oft dazu reizte. Er braucht darum noch nicht selber ein Salutist zu werden, das ist wieder eine ganz andre Frage, aber er wird sich sagen: Das ist der Weg, den nun <hi rend="italic">diese</hi> Leute gehen müssen, und zwar zu Ende gehen müssen, <pb xml:id="p363" ed="pga"/> und es ist ein guter Weg. Und er wird vielleicht hinzufügen, dass wir Andern auf <hi rend="italic">unsern</hi> 
                        Wegen von der Heilsarmee allerlei zu lernen haben.</p>
                    <p>
                        <persName ref="kbga-actors-9059">William Booth</persName> ist 1829 geboren und in Glauben und Sitte der <orgName ref="kbga-actors-9068">offiziellen englischen Landeskirche</orgName> erzogen worden. Schon in jungen Jahren trat er dann zu der methodistischen Gemeinde über, die in England nicht eine Sekte ist wie bei uns, 
                        sondern eine der großen, anerkannten Kirchen, in die das religiöse Leben dort gespalten ist.<note xml:id="n06">
                            <p> <persName ref="kbga-actors-9059">William Booth</persName> gehörte zur «<orgName ref="kbga-actors-9066">Methodist New Connexion</orgName>», die sich 1797 von der größeren «<orgName ref="kbga-actors-9067">Wesleyan Methodist Church</orgName>» abgespalten hatte.</p>
                        </note> Was ihn dort angezogen hat, das war jedenfalls die persönliche, dringende, ja zwingende Art des <term ref="kbga-terms-1808">methodistischen Christentums</term>. 
                        Sie entsprach seiner eigenen Art. Seit ihm das <term ref="kbga-terms-59">Evangelium</term> zur lebendigen Überzeugung geworden, spürte er die Notwendigkeit, es auch andern zu verkündigen, koste es, was es wolle. Seit ihm die <term ref="kbga-terms-1257">Herrlichkeit Jesu</term> aufgegangen war in seinem <term ref="kbga-terms-129">Kreuzestod</term>, musste sein ganzes Leben sich in den Dienst stellen der Botschaft vom Kreuz. Nicht mehr uns selbst leben, sondern dem, der für uns gestorben und auferstanden ist – «die Liebe Christi dringet uns also!» Diese Worte kennzeichnen den Charakter und das Streben von William Booth. 
                        Und so wurde er methodistischer Pfarrer. Er war es jahrzehntelang, in <placeName ref="kbga-places-40">London</placeName> und in andern Städten. Er wäre es vielleicht seiner Lebtage geblieben, wenn er weniger konsequent und lebhaft gewesen wäre. Aber er blieb es nicht. Er war mit den Methodisten nicht zufrieden und sie mit ihm auch nicht. 
                        Was fehlte ihm dort? Man kann es vielleicht kurz so sagen: diese Gemeinschaft war ihm immer noch viel zu landeskirchlich. Die <term ref="kbga-terms-1808">Methodisten</term> waren ihm zu feierlich, zu theologisch, zu ruhig, zu gelassen der geistigen Not so vieler Menschen gegenüber. Er fand bei ihnen zu wenig Gelegenheit zur Entfaltung seiner feurigen Angriffslust, seines unwiderstehlichen <term ref="kbga-terms-210">Missionsdrangs</term>. Sie haben ihn jahrelang «gebremst», um es so zu sagen, ihn auf unwichtigem Posten festgehalten und ihm das, 
                        wonach sein Herz verlangte, die <term ref="kbga-terms-358">Evangelisationsarbeit</term> unter den großen <term ref="kbga-terms-1497">Volksmassen</term>, versagt. Hier haben wir bereits etwas, was das Entstehen und das Bestehen der <orgName ref="kbga-actors-9056">Heilsarmee</orgName> erklärlich macht und rechtfertigt. Auch bei uns ist doch die <term ref="kbga-terms-456">Kirche</term> und [sind] die meisten andern <term ref="kbga-terms-471">Gemeinschaften</term> zu theologisch, zu fern vom <term ref="kbga-terms-56">Leben</term> der Leute, 
                        zu sehr auf die berechnet, die sowieso <term ref="kbga-terms-457">fromm</term> <pb xml:id="p364" ed="pga"/> sind oder sein wollen. Und der Fehler vieler <term ref="kbga-terms-137">Pfarrer</term> ist der, dass sie viel zu sehr Pfarrer sind und zu wenig Menschen, dass sie zu sehr an gewohnten alten Formen hängen und zu wenig das Einfachste, Nächstliegende ergreifen, um den Leuten zu Hilfe zu kommen. |</p>
                    <p>Und noch etwas hat <persName ref="kbga-actors-9059">William Booth</persName> die methodistische Kirche verleidet. Er sah die Armut und er sah die moralische Verkommenheit und das Verbrechertum in den großen Städten <placeName ref="kbga-places-18">Englands</placeName> und er fand, dass seine Kirche da viel zu wenig ernsthaft Hand anlege, um Wandel zu schaffen.<note xml:id="n07">
                            <p> 
                        Vgl. dazu besonders die vielbeachtete und weit verbreitete Schrift: <bibl corresp="kbga-bibls-950">
                                    <persName ref="kbga-actors-9059">W. Booth</persName>,<hi rend="italic"> In darkest England and the way out</hi>, London (1890<hi rend="sup">1</hi>) 1975</bibl>; dt.: <bibl corresp="kbga-bibls-951">ders., <hi rend="italic">Im Dunkelsten England und der Weg heraus</hi>, übers. von D. C. Leisering, Lüdenscheid 2020</bibl>.</p>
                        </note> 
                        Sie war eine Kirche der wohlbehäbigen, zufriedenen, braven Bürger – aber die Vielen da draußen, die Zehntausende in jenen düsteren Stadtvierteln, die <term ref="kbga-terms-1809">anständige Christen</term> gar nicht betraten, um sich nicht zu beflecken, was hatten die vom <term ref="kbga-terms-59">Evangelium</term>? 
                        Seht, gerade aus diesem Grund, weil die Christen der Landeskirche und der Gemeinschaften meist viel zu hoch stehen oder zu stehen meinen über den Ärmsten und vor Allem über den geistig und moralisch Ärmsten <term ref="kbga-terms-1358">unsres Volkes</term>, darum ist die <orgName ref="kbga-actors-9056">Heilsarmee</orgName> auch bei uns etwas Gutes und Notwendiges; denn sie hält es da ganz anders. William Booth hängt den Pfarrerrock an den Nagel – die <term ref="kbga-terms-732">Liebe Christi</term> drang ihn also – und wurde wieder ein ganz gewöhnlicher Mensch, der nichts wollte, als seine Mitmenschen anleiten zu einem freien und heiligen Leben in der <term ref="kbga-terms-757">Nachfolge</term> des <term ref="kbga-terms-129">gekreuzigten Christus</term>. 
                        Und nun ging er, allein mit seiner Frau und einigen verständnisvollen Freunden, ins <placeName ref="kbga-places-1083">Ostende</placeName> von London, in die dunkelsten Quartiere dieser Millionenstadt, mitten hinein in das unsägliche Elend und in die grauenvolle Verdorbenheit, die sich da am hellen Tage breit machte, und begann da, in täglichen Versammlungen die <term ref="kbga-terms-1206">Bekehrung</term> und <term ref="kbga-terms-53">Heiligung</term> zu verkündigen als den königlichen Weg zu einem menschenwürdigen, göttlichen Leben. 
                        Es war im Jahr 1865, als er damit anfing, und das Werk, das er begann, trug zuerst den ganz schlichten Namen «Christliche Mission», aber es hatte doch schon den Charakter, der das Wesen der Heilsarmee geblieben ist bis auf diesen Tag: Booth und seine Freunde wollten «den Armen das Evangelium verkündigen» [<ref type="can" subtype="bible" target="Lk.4.18">Lk. 4,18</ref>]. Das wollten und wollen ja freilich den Worten nach auch andre Pfarrer und Prediger, aber es ist doch <pb xml:id="p365" ed="pga"/> dieser Tage sehr mit Recht in einer großen Zeitung gesagt worden, 
                        dass Booth und seine Leute in diesem wichtigen Stück Jesus besser verstanden und seinen Willen besser vollstreckt haben als alle andern Kirchen und <term ref="kbga-terms-471">Gemeinschaften</term>.<note xml:id="n08">
                            <p> Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-977">N. N., <hi rend="italic">Tagesbericht</hi></bibl> (Anm. 3): «Dabei darf aber auch das nicht außer acht gelassen werden, daß die Heilsarmee ein Stück Christentum besser zum Ausdruck gebracht hat, als vielleicht irgend eine andere Kirche oder Denomination. 
                            Sie hat die von Christus verkündigte Barmherzigkeit in die Tat umgesetzt, ganz, rückhaltlos, ohne Einschränkung.»</p>
                        </note> Und das einfach darum, weil die Heilsarmee die <term ref="kbga-terms-750">Sünder</term> nicht bekehren will, indem sie von oben auf sie herunter predigt, sondern indem sie sich mit ihnen gemein macht, wie sich Jesus selbst mit den Zöllnern und Dirnen gemein gemacht hat [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Lk.7.34">Lk. 7,34</ref>; <ref type="can" subtype="bible" target="Lk.15.1 Lk.15.2">Lk. 15,1f.</ref>]. 
                            Die Heilsarmee steigt herunter zu den Niedrigen, sie weiß auch mit dem Einfachsten der Einfachen in seiner Sprache zu reden, sie versetzt sich in seine Lage und kommt seinen Gedanken und Wünschen und Gefühlen soweit entgegen, als nur immer geht. Sie kennt und übt den Grundsatz, den Booth einmal ausgesprochen, dass es den meisten Menschen, gerade den sogenannten «ganz Bösen», eigentlich nur an <term ref="kbga-terms-1271">Selbstvertrauen</term> fehle, um sich aufzuraffen und anders zu werden, und dass man ihnen dieses Selbstvertrauen nur geben könne, indem man in vollem Ernst alles Vertrauen zu ihnen habe. Das ist oft nicht leicht. 
                            Wer so denken will, der muss es auf sich nehmen, Enttäuschung über Enttäuschung zu erleben. Aber William Booth hat es getan und hat auch seinen Freunden diesen Geist für immer eingeflößt, und ich glaube, eben dieses Heruntersteigen, dieses sich Gemeinmachen mit den Verlorenen, dieses Vertrauen-Haben auch zu den Unwürdigsten ist das Geheimnis des gewaltigen Erfolges der Heilsarmee. Die <term ref="kbga-terms-732">Liebe Christi</term> drang sie also, und die Liebe Christi wird auf die Länge keine Enttäuschungen erleben. |</p>
                    <p>Aber zunächst trug also das Unternehmen von <persName ref="kbga-actors-9059">William Booth</persName> noch nicht den uns bekannten Namen, und es fehlte auch das ganze militärische Wesen, das heute damit verbunden ist. Damit war es so: Booth beriet einmal mit einem seiner Gehilfen über die Abfassung eines Aufrufs, der zu Gunsten seines Werkes verbreitet werden sollte. «Was ist unsre <term ref="kbga-terms-358">Evangelisation</term>?» fragte er, 
                        in Gedanken versunken, den Andern. «Eine freiwillige Armee!» antwortete dieser. «Jawohl», sagte Booth in seiner raschen Weise: eine «<term ref="kbga-terms-1802">Heilsarmee</term>», und sofort schrieb <pb xml:id="p366" ed="pga"/> er das Wort in den Aufruf.<note xml:id="n09">
                            <p> Ähnlich schildert <bibl corresp="kbga-bibls-978">Kolde (Anm. 3), S. 579, Z. 41–49</bibl>, diesen Vorgang.</p>
                        </note> Es ist von da an in Geltung geblieben, 
                        und jedes Kind kann verstehen, was damit gemeint ist: eine Armee, die für die Sache des <term ref="kbga-terms-1567">Heils</term> kämpft und gegen <term ref="kbga-terms-174">das Böse</term> unter den Menschen. Und mit dem Wort kam dann auch Alles, was dazu gehörte: die <term ref="kbga-terms-1805">militärische Einteilung und Anordnung</term> des Werkes, das sich bald anfing, über London hinaus auf das übrige <placeName ref="kbga-places-18">England</placeName> und auf das <placeName ref="kbga-places-204">europäische</placeName> Festland zu erstrecken, 
                        die Offiziere und Unteroffiziere, die Fahnen und Abzeichen, der Kriegsruf und die Heilsfeldzüge, die nach allen Seiten unternommen wurden. Wir dürfen das Alles ja nicht für eine unnötige Spielerei halten. Dazu wäre William Booth sicher seine Zeit zu kostbar und seine Sache zu heilig gewesen. Sondern auch von diesen den Spott reizenden Dingen hieß es für Booth: 
                        Die Liebe Christi dringet uns also! wie ja schon <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> im I. Korintherbrief schreibt, er wolle gern ein Narr sein um Christi willen [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.4.10">1.Kor. 4,10</ref>]. Sie waren für ihn eine Notwendigkeit. Einfach darum, weil diese Form für sein Unternehmen praktisch, zweckdienlich war wie kaum eine andere. 
                        Die militärische Leitung und Einrichtung der <orgName ref="kbga-actors-9056">Heilsarmee</orgName> gibt ihrer religiösen Arbeit eine Straffheit und damit eine Stoßkraft, wie sie im Gebiete des <term ref="kbga-terms-196">Protestantismus</term> keine andre Kirche oder <term ref="kbga-terms-471">Gemeinschaft</term>je erreicht hat und erreichen wird. Booth hat da mit großem Glück eine Idee erneuert, die schon <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> gehabt hat, als er im Epheserbrief den Christen als einen wohlausgerüsteten Kriegsmann beschrieb [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Eph.6.11 Eph.6.17">Eph. 6,11–17</ref>]. 
                        Und ganz denselben Gedanken verfolgte nach der Reformation <persName ref="kbga-actors-2048">Ignatius von Loyola</persName>, der in seinem <orgName ref="kbga-actors-9065">Jesuitenorden</orgName> eine militärisch disziplinierte Schar von Kämpfern für die <term ref="kbga-terms-34">römische Kirche</term> schaffen wollte. Die militärische Tugend des <term ref="kbga-terms-376">Gehorsams</term> kann wirklich auch auf geistigem Gebiet ungemein segensreich wirken, 
                        wenn sie im richtigen Sinn verlangt und geübt wird, und William Booth hat seine Heilsoffiziere und Heilssoldaten nie zu willenlosen <term ref="kbga-terms-1224">Jesuiten</term>, sondern zu selbständig denkenden und handelnden Mitarbeitern erziehen wollen. Aber nicht nur ihre stramme Ordnung und Einheitlichkeit verdankt die Heilsarmee ihrer militärischen Idee, sondern noch etwas Größeres, nämlich eine beständige Anregung der Begeisterung ihrer Mitglieder. 
                        Man könnte ja sagen: Das dürfte nicht so sein, echte Begeisterung für die gute Sache müsse sich halten auch ohne <pb xml:id="p367" ed="pga"/> diese Redensarten von Krieg und Feldzug und Vorposten usw. Natürlich! wenn die Menschen wären, wie sie sollten! Aber nun sind eben auch die Offiziere und Soldaten der Heilsarmee schwache Menschen und haben an diesem konsequent durchgeführten Gleichnis vom Krieg einen mächtigen Ansporn und einen starken Halt. Warum sollten sie ihn nicht haben? 
                        Wenn ja nur die Begeisterung und die gute Arbeit schließlich da ist, mag sie denn unterstützt sein, mit welchen Mitteln sie wolle. Wir sollten da etwas weniger kleinlich sein mit unserm Urteil. |</p>
                    <p>Und nun gilt dasselbe von all den mehr äußerlichen oder mehr innerlichen <term ref="kbga-terms-1805">militärischen Besonderheiten der Heilsarmee</term>, an denen man gewöhnlich Anstoß nimmt. Wenn man sich vorhält: Die <term ref="kbga-terms-732">Liebe Christi</term> dringet sie also, dann wird man schließlich so ziemlich Alles daran verstehen und schätzen lernen, auch wenn man es für seine Person nicht nachzuahmen gedenkt. Wozu diese <hi rend="italic">Fahnen</hi>, sagt man, mit der Inschrift «Blut und Feuer»?<note xml:id="n10">
                            <p> 
                        Die 1879 eingeführte «blutrote» Fahne der <orgName ref="kbga-actors-9056">Heilsarmee</orgName> «mit goldgesticktem Wappen» zeigte eine «Schlange am Kreuze, worüber sich zwei Schwerter kreuzen mit der Umschrift ‚Blut und Feuer’, darüber eine fünfzinkige Krone, darunter auf einem Spruchband ‚die Heilsarmee’» (<bibl corresp="kbga-bibls-978">Kolde [Anm. 3],S. 579, Z. 58–580, Z. 1</bibl>).</p>
                        </note> 
                        Nun, das Blut ist das «Blut Christi» und das Feuer ist das «Feuer des heiligen Geistes». Warum sollte die Erinnerung daran nicht auf der Fahne stehen? Warum sollte das eine Entweihung sein, wie man schon gesagt hat? Eine Entweihung könnte ich nur darin sehen, dass mit dem, was auf der Fahne steht, nicht Ernst gemacht wird. Da könnte aber mancher weltliche Verein, der das Schweizerkreuz und allerlei große Worte auf der Fahne führt, eher an seine Brust schlagen als die <orgName ref="kbga-actors-9056">Heilsarmee</orgName>, der es jedenfalls mit ihrer Fahneninschrift Ernst ist. Wozu aber die <hi rend="italic">Uniformen?</hi> fragt man weiter. Ich glaube, auch hier handelte General <persName ref="kbga-actors-9059">Booth</persName> aus tiefer Menschenkenntnis. 
                        Denken wir uns hinein in irgend einen verrufenen Winkel der Großstadt. Da taucht die blaue Uniform auf, der Hallelujahut. Ja, da braucht der Evangelist oder die Evangelistin, die in dieser Kleidung stecken, noch gar nicht den Mund zu öffnen, es wissen es sofort alle Leute, um was es sich handelt, sie werden durch den bloßen Anblick an gewisse ernste Gedanken erinnert, die ihnen sonst ganz ferngeblieben und die durch den Anblick des schönsten Modehutes jedenfalls nicht <pb xml:id="p368" ed="pga"/> in ihnen erwacht wären. Die Uniform ist eine stumme Predigerin, ein unbewusstes Propagandamittel. Und auch für die, die in der Uniform stecken, ist sie sicher von Wert. 
                        Sie zwingt sie ja förmlich, zu ihrer Sache zu stehen, zu bekennen. Wer einen solchen Hut trägt, der hat damit schon Farbe gezeigt, ob er will oder nicht, jetzt gibt es kein Rückwärts mehr, jedermann weiß, wer man ist. Ich glaube, es wäre manchem allzu <term ref="kbga-terms-1813">vorsichtigen und unentschiedenen Christen</term> auch außerhalb der Heilsarmee zu wünschen, er müsste auch so eine Uniform oder so einen Hut tragen, damit er sein <term ref="kbga-terms-807">Christentum</term> nicht alle Augenblicke in die Tasche stecken und sagen könnte: Ich kenne den Menschen nicht [<ref type="can" subtype="bible" target="Mt.26.72 Mt.26.74">Mt. 26,72.74</ref>], wie einst <persName ref="kbga-actors-1814">Petrus</persName>! Das <term ref="kbga-terms-434">Reich Gottes</term> auf der Erde würde dabei sicher ungeahnte Fortschritte machen! |</p>
                    <p>Was soll man weiter denken von sogenannten <hi rend="italic">Wirtschaftsbrigaden</hi> der <orgName ref="kbga-actors-9056">Heilsarmee</orgName>, von diesen Gruppen von Männern und Frauen, die regelmäßig die öffentlichen Lokale besuchen und da zur Guitarre ihre Lieder singen und den «<orgName ref="kbga-actors-9064">Kriegsruf</orgName>» an den Mann zu bringen suchen? Ich habe schon sagen hören, auch das sei unwürdig. 
                        Ich weiß nicht, ob ich denn so anders veranlagt bin als Andre, aber ich bin einmal dabei gewesen als Student, und ich konnte gar nichts Unwürdiges dabei finden. Die meisten Leute hören ganz ruhig zu, und wenn der Eine oder Andre seine Verlegenheit hinter schlechten Witzen zu verstecken sucht, so ist das nur ein gutes Zeichen für die Heilsarmee. General <persName ref="kbga-actors-9059">Booth</persName> ging bei dieser Einrichtung von dem sehr einfachen Gedanken aus: Wenn die Leute nicht zu uns kommen, müssen wir zu ihnen gehen. 
                        Und weil viele Leute am Sichersten im Wirtshaus zu treffen sind, geht man eben zu ihnen ins Wirtshaus. Warum denn nicht? Seht, vor 20 Jahren, da hat es noch Entrüstung und Halloh abgesetzt, wenn die Heilsarmee sich auf der Straße zeigte, und wir müssen zu unsrer Schande gestehen, dass es unsre schweizerische Bevölkerung damals an grober Unduldsamkeit allen andern Ländern zuvortat, ist doch eine Führerin der Heilsarmee zwölf Monate lang im <placeName ref="kbga-places-1082">Schloss Chillon</placeName> am <placeName ref="kbga-places-212">Genfersee</placeName> in Haft gehalten worden.<note xml:id="n11">
                            <p> Das Eindringen der <orgName ref="kbga-actors-9056">Heilsarmee</orgName> in die <placeName ref="kbga-places-58">Schweiz</placeName> erregte, verglichen mit anderen Ländern, das «größte Aufsehen» (<bibl corresp="kbga-bibls-978">Kolde [Anm. 3], S. 582, Z. 22</bibl>), 
                            und es kam «zu rohen Exzessen gegen sie und ihre Angehörigen, in denen alle Bessergesinnten eine Schande für die Schweiz sahen» (<bibl corresp="kbga-bibls-978">a.a.O., S. 583, Z. 51f.</bibl>). Verschiedene Kantone erließen – bald wieder aufgehobene – Sondergesetze gegen ihr Wirken, und noch im Jahr 1888 «wurde Kapitänin <persName ref="kbga-actors-9063">Charlotte Stirling</persName>, eine schottische Offizierin, 100 Tage im <placeName ref="kbga-places-1082">Schloss Chillon</placeName> gefangen gehalten, weil sie Kindern Religionsunterricht erteilt hatte» (<bibl corresp="kbga-bibls-949">https://heilsarmeemuseum-basel.ch/de/dev/part-data/schweiz-inhalt/anfaenge; zuletzt aufgerufen am 14.11.2021</bibl>). – 
                            Zur Geschichte der Heilsarmee in der Schweiz insgesamt vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-948">R. Chevalley / R. Fullerton, <hi rend="italic">Glauben und handeln. Die Geschichte der Heilsarmee in der Schweiz / Croire et agir. L’histoire de l’Armée du salut en Suisse</hi>, Bern 2009</bibl>.</p>
                        </note> Diese Zeiten sind vorbei, <pb xml:id="p369" ed="pga"/> und heute beginnt auch jenes Auftauchen der <term ref="kbga-terms-1805">blauen Uniformen</term> in den Wirtschaften etwas Selbstverständliches zu werden. Ernsthaften Widerspruch kann man dagegen nur erheben, wenn man der Ansicht ist, 
                            die Religion gehöre nur in die Kirche und Betsäle hinein. Und diese Ansicht ist eben eine falsche Ansicht in jedem Sinn. Es ist ganz gut, dass die Heilsarmee da ist und die ruhigen Bürger immer wieder daran erinnert, dass die <term ref="kbga-terms-1668">Religion eine öffentliche Sache</term> ist, die sich allezeit und überall geltend machen soll. |</p>
                    <p>Und nun komme ich zu dem Einwand, der, wenigstens bei uns, gewöhnlich als der schwerste geltend gemacht wird gegen die Heilsarmee, nämlich zu den <hi rend="italic">
                            <term ref="kbga-terms-1807">predigenden Frauen</term></hi>. Darüber müsste ich eigentlich eine besondere Predigt halten, denn in diesem Punkt erhebt sich gewöhnlich ein wahrer Sturm von Entrüstung von allen Seiten her, so dass ich heute lange nicht Alles sagen kann, was zu sagen ist. Da kommen die mehr weltlich Gesinnten und wissen nicht genug zu sagen, wie unweiblich und unfein es sei, wenn ein junges Mädchen öffentlich und gar noch auf der Straße auftrete und von seinen religiösen Erfahrungen rede. 
                        Da kommen die Herren Pfarrer und sagen, diese Majorinnen und Kapitäninnen verstünden nichts von <term ref="kbga-terms-10">Theologie</term> und sollten doch lieber Diakonissinnen werden. Das kommen die <term ref="kbga-terms-457">Frommen</term> und wiederholen bis zum Überdruss das Wort des <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName>: Das Weib schweige in der Gemeinde [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.14.34">1.Kor. 14,34</ref>]. Was soll man dazu sagen? 
                        Ich kann auch hier nicht begreifen, warum man die <orgName ref="kbga-actors-9056">Heilsarmee</orgName> nicht ruhig machen lässt und sich an dem freut, was es dabei zu freuen gibt. 
                        Der Grund, weshalb die Heilsarmee die Frauen so reichlich zu Worte kommen lässt, ist wahrscheinlich sehr einfach. General <persName ref="kbga-actors-9059">Booth</persName> hat selbst eine ganz ausgezeichnete Frau gehabt, die ihm schon zur Zeit, als er noch Pfarrer war, mit Bewusstsein mehr sein wollte als eine nützliche Haushälterin.<note xml:id="n12">
                            <p> <persName ref="kbga-actors-9060">Catherine Booth</persName>, geb. Mumford (1829–1890), predigte ein erstes Mal schon im Jahre 1860, als ihr Mann noch methodistischer Pfarrer war, 
                            und wurde schon zeitgenössisch als «Mutter» und später als «Mitgründerin» der Heilsarmee bezeichnet; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-947">
                                    <persName ref="kbga-actors-9062">Fr. Booth Tucker</persName>, <hi rend="italic">The life of Catherine Booth, the mother of the Salvation army</hi>, 2 vol., London 1892</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-946">R. J. Green, <hi rend="italic">Catherine Booth: A Biography of the Cofounder of the Salvation Army</hi>, Grand Rapids MI 1996</bibl>.</p>
                        </note> Sie wollte seine Gehilfin sein in seiner Le<pb xml:id="p370" ed="pga" break="no"/>bensarbeit, und er wollte, dass sie das sei, und sie war es. Man hat sogar gelegentlich gehört, 
                            sie sei eigentlich geistig der bedeutendere Teil von Beiden gewesen, und der gewaltige Aufschwung der Heilsarmee sei zum größten Teil ihr Werk.<note xml:id="n13">
                            <p> Nicht zuletzt bei den ersten Auftritten der <orgName ref="kbga-actors-9056">Heilsarmee</orgName> in der Schweiz, in <placeName ref="kbga-places-67">Genf</placeName> 1882 und in <placeName ref="kbga-places-139">Neuchâtel</placeName> 1883, spielte <persName ref="kbga-actors-9060">Catherine Booth</persName> eine mitentscheidende Rolle; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-978">Kolde (Anm. 3), S. 582, Z. 22–60</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-93">R. Pfister, <hi rend="italic">Kirchengeschichte der Schweiz</hi>, Bd. 3: <hi rend="italic">Von 1720 bis 1950</hi>, 
                                Zürich 1985, S. 277f</bibl>. Insgesamt stellt <bibl corresp="kbga-bibls-978">Kolde, S. 578, Z. 43–45</bibl>, fest, «nach dem Urteile derer, die die Verhältnisse kennen», seien «die meisten die Bewegung charakterisierenden Ideen auf Frau Booth zurückzuführen». </p>
                        </note> Ich will nicht untersuchen, 
                                wie es damit steht, aber ich habe Predigten von ihr gelesen, die sind so klar und warmherzig, wie sie die manches Pfarrers <hi rend="italic">nicht</hi> sind. 
                                Ich meine, damit ist Alles erklärt: Booth hat eine denkende, regsame, geistig lebendige Frau gehabt, und darum hat er den Frauen überhaupt die Fähigkeit zugetraut, die Schranken der Gewohnheit zu durchbrechen und zu tun, was bis jetzt im Ganzen bloß Männer taten. Wer auch solche Frauen kennt, der wird mit ihm einverstanden sein, wer keine solche Frauen kennt, der ist sehr zu bedauern, 
                                aber der soll dann in dieser Frage auch nicht mitreden. Die Sache ist wirklich viel einfacher, als man gewöhnlich tut. Es gibt nun einmal <term ref="kbga-terms-1807">Frauen, die Andern etwas zu sagen</term> und zu bieten haben, gerade wie es solche Männer [gibt], und da darf es denn von <hi rend="italic">Beiden</hi> fröhlich heißen: Die Liebe Christi dringet uns also! Warum in aller Welt sollten gerade die Frauen ihr Licht unter den Scheffel stellen müssen, wenn sie ein Licht haben? 
                                [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.5.15">Mt. 5,15</ref>] Und es gibt andre Frauen, die haben nichts zu sagen oder sie können es nicht, gerade wie es viel solcher Männer gibt, nun, die sollen dann eben schweigen in der Gemeinde, wie es <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> den vorwitzigen Weibern in <placeName ref="kbga-places-1081">Korinth</placeName> geboten hat, die es offenbar nötig hatten. Aber wohlverstanden: der Spruch gilt dann auch von den Männern, 
                                die leeres Stroh dreschen!<note xml:id="n14">
                            <p> «Leeres Stroh» drischt, wer unnütz oder umsonst arbeitet; im übertragenen Sinn wird diese Redensart schon seit dem 16. Jahrhundert auf unnützes oder unsinniges Reden angewendet; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-826">Röhrich V, S. 1575f</bibl>. </p>
                        </note> Wir wollen doch einfach <term ref="kbga-terms-829">das Gute</term>, Göttliche neh<pb xml:id="p371" ed="pga" break="no"/>men, wo wir es finden, und uns an das andre Pauluswort halten: Hier ist weder Mann noch Weib; ihr seid allzumal Einer in Christus Jesus [<ref type="can" subtype="bible" target="Gal.3.28">Gal. 3,28</ref>].</p>
                    <p>Die <orgName ref="kbga-actors-9056">Heilsarmee</orgName> ist in all ihrem Tun und Lassen bestimmt durch das Ziel, die Menschen, und zwar gerade die Hoffnungslosen, die Verlorenen zu <hi rend="italic">
                            <term ref="kbga-terms-1206">bekehren</term></hi>, sie zu Gott zu führen. Diesem Ziel haben alle andren Rücksichten zu weichen. 
                        Nur wenn man den heißen Strom der <term ref="kbga-terms-1575">Gottesliebe</term> versteht, der durch Alles hindurchgeht, hat man die Heilsarmee verstanden. Ohne dieses Ziel müssen alle ihre Einrichtungen unbegreiflich bleiben. Aber nun erstrebt sie freilich dieses Ziel auf eine ganz andre Art als die meisten andern <term ref="kbga-terms-33">Kirchen</term> und <term ref="kbga-terms-471">Gemeinschaften</term>. 
                        <persName ref="kbga-actors-9059">Booth</persName> wollte nicht zu den vielen religiösen Rede-Anstalten, die es schon gibt, eine neue in militärischer Form hinzufügen. Sondern er ist Einer der Ersten gewesen, die es klar ausgesprochen haben: Man kann die Menschen nicht bessern, ohne sie besser zu stellen, Einer der Ersten, 
                        denen deutlich der Zusammenhang aufgegangen ist zwischen der <term ref="kbga-terms-211">Religion</term> und den <term ref="kbga-terms-1477">sozialen Fragen</term>, zwischen der Erneuerung des <term ref="kbga-terms-1431">inwendigen Lebens</term> und der Hebung der äußren <term ref="kbga-terms-1810">ökonomischen Lage</term> der Menschen. Wenn ich recht berichtet bin, so war es gerade in diesem Punkt <persName ref="kbga-actors-9060">seine Frau</persName>, 
                        die noch heller und umsichtiger war als er selbst.<note xml:id="n15">
                            <p> Laut <bibl corresp="kbga-bibls-978">Kolde (Anm. 3), S. 585, Z. 9–20</bibl>, schrieb <persName ref="kbga-actors-9059">Booth</persName> 1890 auch sein hierfür programmatisches Buch <hi rend="italic">
                                    <bibl corresp="kbga-bibls-950">In darkest England and the way out</bibl></hi> (s. Anm. 7) «mit Hilfe seiner im Sterben liegenden Frau» (Zitat: Z. 10f.).</p>
                        </note> Aber wie dem auch sei, die Heilsarmee ist von Anfang an auf dem Grundsatz gestanden, dass man den Menschen nicht bloß sagen dürfe: 
                        hier ist der gute Weg, geh ihn! sondern dass man ihn auch in die Lage setzen müsse, das auszuführen. Und so ist es zu ihren <hi rend="italic">
                            <term ref="kbga-terms-1803">Sozialwerken</term></hi> gekommen, die ich schon erwähnt habe und die sich, wie gesagt, allgemeiner Anerkennung erfreuen. Ihr Unterschied von andern christlichen Liebeswerken besteht auch hier darin, dass es die Heilsarmee auf die «schlechtesten» Menschen, gerade auf diese, abgesehen hat. |</p>
                    <p>Und dann das Weitere: dass es auch hier kein «von oben herunter» gibt. Die Flüchtlinge des Lebens, die bei den verschiedenen Häusern der Armee Zuflucht suchen, sollen nicht hineinkommen als in eine <pb xml:id="p372" ed="pga"/> Anstalt, sondern in ein Heim, wo sie sich zu Hause fühlen können. Sie sollen auch nicht <term ref="kbga-terms-1771">Almosenempfänger</term> sein. Die <orgName ref="kbga-actors-9056">Heilsarmee</orgName> will nicht mildtätig sein, 
                        sondern sie will die Leute heben, sie will ihnen eben jenes Bewusstsein ihres eigenen Wertes zurückgeben, das sie meist verloren haben. Das erreicht sie zum Beispiel in ihren Nachtasylen oder in ihrem Arbeitslosenheim in <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName><note xml:id="n16">
                            <p> «Das erste Nachtasyl für Männer wurde in <placeName ref="kbga-places-67">Genf</placeName> am 2. Juni 1899 […] eröffnet, […]. Ähnliche Asyle wurden dann in <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName>, <placeName ref="kbga-places-249">Lausanne</placeName> und <placeName ref="kbga-places-1080">Vevey</placeName> eröffnet und ihnen eine Arbeitshütte angeschlossen, wo Arbeitslose vorübergehende Beschäftigung finden» (<bibl corresp="kbga-bibls-945">A. Zihlmann, <hi rend="italic">Die soziale Arbeit der Heilsarmee</hi>, in: Der Armenpfleger. Monatsschrift für Armenpflege und Jugendfürsorge, Jg. 56 [1959], Nr. 8, S. 57–59, dort S. 58</bibl>).</p>
                        </note> 
                            sehr praktisch dadurch, dass die ganz <term ref="kbga-terms-1776">Mittellosen</term> sich ihren Unterhalt durch <term ref="kbga-terms-795">Arbeit</term>, die man ihnen anweist, verdienen müssen. Und die Beamten der Armee stehen bei dieser Arbeit nicht als Aufseher daneben, sondern sie greifen tätig selbst zu beim Holzhacken, 
                            und was es sei. In <placeName ref="kbga-places-18">England</placeName> sind sogar ganze große Landkolonien angelegt worden, auf denen die «Geretteten» der Großstadt geistig und ökonomisch ein neues Leben anfangen können.<note xml:id="n17">
                            <p> 
                                Von einer solchen Kolonie berichtet <bibl corresp="kbga-bibls-944">
                                    <persName ref="kbga-actors-9061">G. Bosshard</persName>, <hi rend="italic">Ein Besuch auf einer englischen Farmkolonie der Heilsarmee</hi>, in: Der Armenpfleger. Monatsschrift für Armenpflege und Jugendfürsorge, Jg. 8 (1910/11), Nr. 12, S. 105–107</bibl>.</p>
                        </note> Geeignete Leute werden auch zur Auswanderung nach <placeName ref="kbga-places-931">Kanada</placeName> angeleitet. 
                                Wer zählt die Hunderte und Tausende, denen durch diese Einrichtungen schon geholfen worden ist? Wirklich, wenn <persName ref="kbga-actors-9059">William Booth</persName> nichts zu Stande gebracht hätte als dieses Netz von Hilfswerken aller Art, er wäre es wert, «einer der edelsten Wohltäter der Menschheit» genannt zu werden, wie es diese Woche geschehen ist.<note xml:id="n18">
                            <p> 
                                Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-943">A. L., <hi rend="italic">General Booth</hi>, in: Neue Zürcher Zeitung, Jg. 133, Nr. 232 vom 21.8.1912 (Drittes Abendblatt), S. 1</bibl>: «Die Menschheit hat den Verlust eines Wohltäters zu beklagen; ein edler Menschenfreund […] ist gestorben, General Booth. […] 
                                So alt er war, […], dachten wir doch nie daran, daß dieser Mann auch sterben müsse. Nun ist das Unerwartete Ereignis geworden, und die Menschheit hat den Verlust eines ihrer tatkräftigsten Wohltäter zu beklagen.»</p>
                        </note> Er war es, gerade weil er kein Wohltäter im gewöhnlichen Sinn sein wollte. Er hat der Christenheit das Gewissen geschärft, dass man die Menschen nicht bekehren kann, ohne sie besser zu stellen. 
                                Er hat vielleicht übersehen, dass es mit solchen einzelnen Hilfsanstalten wie den seinigen nicht getan sein kann, sondern dass einmal <pb xml:id="p373" ed="pga"/> ein Sozialwerk im großen Ganzen kommen muss, wenn nicht nur einzelne Menschen, sondern die ganze <term ref="kbga-terms-402">Menschheit</term> gehoben werden soll. Da ist wieder <persName ref="kbga-actors-9060">seine Frau</persName>, wie es scheint, in ihren Ansichten weiter gegangen als er. Aber das, was er getan hat, soll ihm unvergessen sein. 
                                Es sind hoffnungsvolle Vorboten einer kommenden Zeit, in der die <term ref="kbga-terms-1114">Kraft Gottes</term> die <term ref="kbga-terms-1279">Trägheit der Menschen</term> überwinden und eine bessere Welt schaffen wird. Und gerade von ihm wollen wir uns sagen lassen: die bessere Welt kommt nur durch bessere Menschen, durch Menschen, die die Kraft Gottes in sich aufgenommen haben. Auch die <term ref="kbga-terms-1803">Sozialwerke</term> der <orgName ref="kbga-actors-9056">Heilsarmee</orgName> sind nur zu erklären durch ihre Wurzel: 
                                Die <term ref="kbga-terms-732">Liebe Christi</term> dringet uns also! Ohne diese Wurzel kann man wohl Gefängnisse bauen und Sparkassen einrichten, um die Menschen zu bessern, aber die Gesinnung, die nicht das Ihrige sucht, sondern was des Andern ist [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.10.24">1.Kor. 10,24</ref>], die wird dann nicht wachsen. Und ohne diese Gesinnung kommt auch die <term ref="kbga-terms-1493">neue Welt</term> nicht.</p>
                    <p>Ich bin am Ende. Was ich möchte, das ist, dass wir Alle uns heute besinnen, ob wir Anlass haben, uns über die <orgName ref="kbga-actors-9056">Heilsarmee</orgName> zu ärgern oder über sie zu lachen. Ob wir nicht besser täten, uns ein wenig vor ihr zu schämen und zu denken: wäre ich nur auf meine Weise ein so <term ref="kbga-terms-1540">entschiedener, ganzer Christ</term>, 
                    wie diese Leute es auf ihre Weise sind!<note xml:id="n19">
                            <p> Eine eindrückliche Gestalt der <orgName ref="kbga-actors-9056">Heilsarmee</orgName> war für Barth ein einstiger Klassenkamerad aus Bern, <persName ref="kbga-actors-684">Ernst von May</persName> (1885–1944), der sich nach einem Studium der Kunstgeschichte 1910 in <placeName ref="kbga-places-8">Berlin</placeName> zum Offizier der Heilsarmee ausbilden ließ. 
                        Barth lud ihn 1915 zu Vorträgen in der Safenwiler Kirche ein und schrieb darüber: «ich habe mich eigentlich geschämt vor diesem Menschen mit meinem bisschen innern Tun und mit all meinen Orientierungsfragen und Zänkereien, vor diesem selbstverständlichen schlichten Leben in der Liebe Gottes, in dem Alles so organisch und gar nichts Gemachtes ist» (Brief an E. Thurneysen vom 23.11.1915 [<idno type="kba-objects-identifier">KBA 9270.62</idno>; <bibl corresp="kbga-bibls-931">Bw.Th. I, <ref type="pub" target="../volume/03/p106#p106">S. 106f.</ref></bibl>]).</p>
                        </note> 
                        Ich meine, wenn wir ernstlich darüber nachdenken, was der verewigte General <persName ref="kbga-actors-9059">Booth</persName> gewollt hat, dann <hi rend="italic">muss</hi> uns dieser Wunsch auf die Lippen treten. Und ich meine, es ist gut, dass die Heilsarmee gerade so ist, wie sie ist, denn sie erinnert uns daran, dass wir Christus noch gar nicht kennen, solange seine Liebe nicht auch in uns <hi rend="italic">dringende</hi> Liebe geworden ist.</p>
                </div>
                <div type="closer">
                    <salute>Amen.</salute>
                </div>
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        </body>
    </text>
</TEI>
