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      <titleStmt>
        <title type="volume" n="vol-53">Predigten 1907–1910</title>
        <title type="formal">Predigt Nr. 12</title>
        <title type="content">Predigt: Lukas 2,15 (Weihnachten)</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: Predigt: Lukas 2,15 (Weihnachten), 25. Dezember 1908</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/53014 (Stand: 25. August 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Predigten 1907–1910, hrsg. v. Zocher, Peter (Gesamtausgabe, Abt. I), Zürich 2018, S. .</title>
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      <editionStmt>
        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
      </editionStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
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        <idno type="url">https://kbga.karl-barth.ch/texts/53014</idno>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Predigten 1907–1910</title>
          <title type="text">Predigt Nr. 12: Predigt: Lukas 2,15 (Weihnachten)</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Zocher, Peter</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2018</date>
          <!--position within a volume-->
          <biblScope unit="part">14</biblScope>
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        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Barth, Karl, Predigt: Lk 2,15 (Weihnacht), 15. Dezember 1908. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/1455">KBA 990</ref>. </bibl>
        <!-- we should provide more types: <bibl type="not-found-in-kba"></bibl> <bibl type="not-in-kba"></bibl>  -->
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        <date type="creation" when="1908-12-25">25. Dezember 1908</date>
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        <language ident="ger">German</language>
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          <term>sermon</term>
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            <div type="sermon"> 
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                <div type="opener">
                <head>
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                    <idno>12</idno>
                </head>
                
                    <dateline> Erster <term type="Sachen" key="Weihnachten">Weihnachtsfeiertag</term>, <date when="1908-12-25">Freitag,
                            25. Dezember 1908</date><note xml:id="n01">Barth gehörte nach
                                seiner Rückkehr nach <placeName ref="kbga-places-41">Marburg</placeName> einem Kreis von Examenskandidaten und frisch
                                examinierten Theologen an, der sich bereit erklärt hatte,
                                Predigtaushilfen im Umland zu übernehmen. Er war zur
                                Unterstützung des erkrankten Pfarrers <persName ref="kbga-actors-4632">Friedrich Cornelius</persName>
                                (1862–1927; 1902–1921 Pfarrer in Niedergrenzebach,
                                Kreis Ziegenhain) in das Dorf Niedergrenzebach (heute ein Teil
                                von <placeName ref="kbga-places-1118">Schwalmstadt</placeName> im Schwalm-Eder-Kreis / Nordhessen)
                                geschickt worden, um dort am 25. Dezember im Gottesdienst um
                                10.30 Uhr die Weihnachtspredigt zu halten. Er blieb vom 24. bis
                                zum 27. Dezember und hielt dieselbe Predigt auch in den
                                Filialkirchen der Gemeinde, in <placeName ref="kbga-places-1119">Leimsfeld</placeName> (25. Dezember, 7.30 Uhr)
                                und in <placeName ref="kbga-places-1120">Rörshain</placeName>
                                (27. Dezember). Vgl. zum Ganzen Barths Brief an seine Eltern und
                                Geschwister vom 28.12.1908 (<idno type="kba-objects-identifier">KBA 9208.74</idno>), in dem der Aufenthalt
                                in <placeName ref="kbga-places-1066">Niedergrenzebach</placeName> und das etwas schwierige Verhältnis
                                zu Pfarrer Cornelius ausführlich geschildert sind. Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-1706">
                                <persName ref="kbga-actors-8878">P. Zocher</persName>,
                                    <hi rend="italic">Karl Barth und Niedergrenzebach. Eine Predigtaushilfe
                                    im Winter 1908/09</hi> (Jahresgabe der Karl
                                Barth-Gesellschaft e. V. 2017), Hannover
                            2018</bibl>.</note> <lb/>
                        <placeName ref="kbga-places-1066">Niedergrenzebach in Hessen</placeName>
                    </dateline>
                    <epigraph>
                      <cit>
                            <ref type="can" subtype="bible" target="Lk.2.15">Lukas 2,15</ref>
                            <quote>
                                <hi rend="italic" resp="kb">Lasst uns nun hingehen gen
                                        <placeName ref="kbga-places-385">Bethlehem</placeName> und die Geschichte sehen, die da
                                    geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat.</hi>
                            </quote>
                        </cit>
                    </epigraph>
                
                <salute>Meine lieben Freunde!</salute>
                </div>
                <div type="main">
                <p>«O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit!»<note xml:id="n02">Lied von <bibl type="song" corresp="kbga-songs-235">
                                <persName ref="kbga-actors-2645">J. D. Falk</persName> (RG 409; EG 44)</bibl>.</note>
                    Nicht wahr, wir Alle haben heute, jeder an seinem Teil, etwas hiehergebracht
                    von dem innerlichen herzlichen Glanze, wie ihn nur diese <term type="Sachen" key="Weihnachtszeit">Weihnachtszeit</term> unter den Menschen
                    verbreitet. Wir Alle, wenn auch jeder auf seine <anchor type="note" xml:id="fn-a"/>eigene
                        Art<note type="textcritical" n="a" xml:id="na" target="fn-a"> Im Mskr. mit Bleistift verbessert aus: «besondere Weise».</note>. Dem Einen sieht man’s schon von weitem an, dass heute kein
                    Tag ist wie andre – da sind vor allem die Kinder, deren Festtag die
                    Weihnacht mit Tannenbaum und Lichterglanz und kleinen und großen Geschenken
                    ja in besonderer Weise<note type="textcritical" n="b" xml:id="nb"> Im Mskr. mit Bleistift verbessert aus: «Art».</note>
                     ist – aber zum Glück auch Viele <pb ed="A" rend="hidden" n="2"/>
                    von den Erwachsenen, die es nicht verlernt haben, an diesem Tage jung zu
                    werden in der Erinnerung an ihre <pb xml:id="p098" ed="pga"/> eigene Jugend. Andere
                    machen vielleicht ein Gesicht wie alle Tage, und auch ihre Gespräche
                    scheinen recht alltäglich und unweihnachtlich. Aber wer weiß, ob es in ihrem
                    tiefsten Inwendigen auch so aussieht? Ich glaube, es ist gar Keiner unter
                    uns, der heute nicht wenigstens mit einem freundlicheren Herzen hieher
                    gekommen ist, mag er sonst noch so traurig oder griesgrämig sein.</p>
                <p>Also von der <term type="Sachen" key="Weihnachtsfreude">
                            <hi rend="italic">Weihnachtsfreude</hi></term>, die wir Alle heute irgendwie
                    in uns tragen, wollen wir reden. Aber wenn wir nachdenkliche Leute sind,
                    dann lassen wir’s doch nicht bei solchen allgemeinen schönen
                    Stimmungen bewenden. Wir wollen vor Allem das Eine festhalten: Wenn wir
                    heute fröhlich sind, so muss unsre Freude <hi rend="italic">wirkliche <term type="Sachen" key="Weihnachtsfreude, wirkliche Freude">Freude</term></hi> sein, wir Alle wollen etwas von dieser Freude
                    selber empfinden, denn damit, dass wir den Tannenbaum schmücken, weil heute
                    der 25. Dezember ist, ist noch lange nicht gesagt, dass wir uns auch
                    wirklich über <term type="Sachen" key="Weihnachten">Weihnachten</term>
                    freuen. Unsre Freude darf nicht auf der Oberfläche bleiben, sie muss unser
                        <pb ed="A" rend="hidden" n="3"/> tiefstes innerstes Wesen erfassen. Und dann:
                    eine rechte Freude darf nicht ausgelöscht sein, wenn der Tag der Freude
                    vorüber ist im Kalender. Die rechte Freude ist immer <hi rend="italic">dauernde <term type="Sachen" key="Weihnachtsfreude, dauernde Freude">Freude</term></hi>.</p>
                <p>Nun seht, dazu sind wir heute zusammengekommen, um die Weihnachtsfreude, die
                    wir Alle in stärkerem oder schwächerem Maß in unsern Herzen mitgebracht,
                    durch die gemeinsame Betrachtung dessen, was uns an Weihnachten geschenkt
                    ist, zu vertiefen und zu einer Freude zu gestalten, die wirklich ist und die
                    bleibt, auch wenn Weihnachten längst vorüber ist.</p>
                <div>
                    <head>I</head>
                    <p rend="noindent">
                            <hi rend="italic">Lasst uns nun hingehen nach</hi> <placeName ref="kbga-places-385">
                                <hi rend="italic">Bethlehem</hi></placeName>
                            <hi rend="italic">!</hi> Das war
                        der erste Gedanke, der den Hirten auf dem Felde, von denen uns das <term type="Sachen" key="Weihnachtsevangelium">Weihnachtsevangelium</term>
                        erzählt, durch den Kopf ging, nachdem sie die Botschaft des Engels und
                        den Lobpreis der himmlischen Heerscharen vernommen. Eine große Freude
                        war ihnen verheißen: Der <term type="Sachen" key="Jesus Christus, Heiland">Heiland</term> ist geboren, der
                        sehnlichst erwartete Helfer und Herr. Lasst uns hingehen gen Bethlehem!
                        Die Hirten taten wohl daran, es war nicht Neugier, die sie trieb,
                        sondern das Verlangen, das Große, das ihnen gesagt war, in Wirklichkeit,
                        mit ihren Augen zu sehen. Denn nicht <pb ed="A" rend="hidden" n="4"/> wahr,
                        es geht uns auch so: Etwas Großes und Schönes, von dem man uns erzählt,
                        kön<pb xml:id="p099" ed="pga" break="no"/>nen wir erst dann auch groß und schön finden,
                        wenn wir es selbst gesehen haben. In dem <placeName ref="kbga-places-58">Lande</placeName>, in dem ich zu Hause bin, gibt es <term type="Sachen" key="Berge / Bergwelt">Berge</term>, die so hoch sind,
                        dass der Schnee darauf auch im höchsten Sommer nie schmilzt. Ihr Anblick
                        ist etwas vom Schönsten, was es gibt, und alle Jahre kommen unzählige
                        Menschen von fern und nah dahin, nur um diese Berge zu sehen. Warum
                        bleiben sie denn nicht zu Hause und lassen sich davon erzählen oder
                        sehen Bilder davon an? Weil Erzählungen und Bilder davon ihnen nie den
                        Anblick der Berge selber ersetzen könnten. Es gibt größere und
                        wichtigere Dinge als solche <term type="Sachen" key="Berge / Bergwelt">Schneeberge</term>, aber das bleibt sich doch gleich, wenn uns
                        etwas groß und wichtig sein soll, muss es vor uns selber in Wirklichkeit
                        dastehen. Die Erzählung davon kann uns nur ein Ansporn sein, es
                        aufzusuchen. So empfanden es die Hirten auf dem Feld, als sie sich mit
                        der Botschaft nicht begnügten, sondern selber sehen wollten, was ihnen
                        verheißen war.</p>
                    <p>Liebe Freunde! Wir Alle haben heute diese Botschaft wieder gehört: Siehe,
                        ich verkündige euch große Freude! Euch ist heute <pb ed="A" rend="hidden" n="5"/> der <term type="Sachen" key="Jesus Christus, Heiland">Heiland</term> geboren, welcher ist Christus der Herr! [<ref type="can" subtype="bible" target="Lk.2.10 Lk.2.11">Lk. 2,10f.</ref>] Wir kennen die
                        Worte alle von Kindesbeinen an, und sie klingen uns freundlich und
                        vertraut in den Ohren. Für viele Leute ist es der Höhepunkt ihrer <term type="Sachen" key="Weihnachtsfeier">Weihnachtsfeier</term>, dies
                        alte <term type="Sachen" key="Weihnachtsevangelium">Evangelium</term> zu
                        lesen oder sich vorlesen zu lassen und darüber zu sinnen. Wir Alle
                        freuen uns doch über die Botschaft, die wir an <term type="Sachen" key="Weihnachten">Weihnachten</term> vernehmen, der mehr, der
                        weniger. Aber haben wir denn schon getan, was die Hirten dort taten?
                        Lasset uns hingehen gen Bethlehem? Wenn wir’s nicht getan haben,
                        dann fehlt unsrer Weihnachtsfeier doch die Hauptsache. Was hilft uns die
                        Engelbotschaft, wenn wir uns nicht selber aufmachen, zu sehen, was diese
                        Botschaft verkündigt? Ist uns der Weg zu schwer, oder haben wir am Ende
                        die Botschaft gar nicht verstanden?! Sieh, vielleicht denkst du jetzt:
                        jene Hirten hatten es wohl einfach, hinzugehen und selber zu sehen.
                        Würde mir verkündigt, in <placeName ref="kbga-places-1121">Ziegenhain</placeName> oder in <placeName ref="kbga-places-942">Treysa</placeName><note xml:id="n03">
                                <placeName ref="kbga-places-942">Treysa</placeName> und die damalige Kreisstadt
                                <placeName ref="kbga-places-1121">Ziegenhain</placeName>
                            waren <placeName ref="kbga-places-1066">Niedergrenzebach</placeName> benachbart; heute sind auch sie
                            Stadtteile von <placeName ref="kbga-places-1118">Schwalmstadt</placeName>.</note> ist der <term type="Sachen" key="Jesus Christus, Heiland">Heiland</term> geboren, ich wollte
                        auch gehen, ihn zu schauen. Aber was soll mir Bethlehem? Seit Christi
                        Geburt ist es lange her, und das heilige <term type="Sachen" key="Heiliges Land">Land</term> ist so weit weg. Wenn du so redest,
                        dann hast <pb xml:id="p100" ed="pga"/> du die <pb ed="A" rend="hidden" n="6"/>
                        Botschaft des Weihnachtstages noch nicht verstanden. Nicht in längst
                        vergangenen Zeiten und nicht in fernen Ländern müssen wir unser
                        Bethlehem suchen, auf das uns jene Botschaft hinweist. In unserm eigenen
                        Leben müssen wir es entdecken. <hi rend="italic">Das Vergangene muss uns gegenwärtig
                            werden</hi>, wenn unsre <term type="Sachen" key="Weihnachtsfreude">Weihnachtsfreude</term> in die Tiefe gehen soll.</p>
                    <p>Aber bevor wir uns auf den Weg nach Bethlehem machen, müssen wir wie die
                        Hirten davon überzeugt sein, dass wir das Große und Schöne, das uns die
                        Botschaft verheißt, auch <hi rend="italic">nötig</hi> haben. Die Hirten sehnten
                        sich mit dem ganzen Volke <term type="Sachen" key="Israel (Volk)">Israel</term> nach dem <term type="Sachen" key="Messias">Gesalbten</term> des Herrn, der sein Volk aus der <term type="Sachen" key="Israel (Volk), Not">Not</term> befreien sollte.
                        Die <hi rend="italic">Not</hi>, das ist es! Solange wir glauben, unsre eigenen
                        Wünsche und Gedanken könnten uns glücklich machen, solange können wir
                        gar nicht verstehen, warum wir uns auf den Weg nach <placeName ref="kbga-places-385">Bethlehem</placeName> machen sollten. Unsre
                        eigenen Wünsche und Gedanken! Sollen wir denn keine solchen haben? So
                        ist’s nicht gemeint! Jeder von uns hat in seinem täglichen <term type="Sachen" key="Leben, alltägliches">Leben</term> von Gott ganz
                        bestimmte Aufgaben und Ziele erhalten, und er soll an ihnen arbeiten aus
                        aller Kraft. Für die Meisten unter uns besteht diese Aufgabe darin, Haus
                        und Hof als rechtschaffene Haushalter zu verwalten und so den <pb ed="A" rend="hidden" n="7"/> Ihrigen Brot und Leben zu schaffen. Das ist
                        eine große und schöne Aufgabe, aber wie schwer ist sie, wenn man sie
                        ernst nimmt! Das Schöne und das Schwere dieses <term type="Sachen" key="Bauernstand">Standes</term> besteht doch darin, dass die Arbeit
                        der Menschen dabei eine Gemeinschaft und Gemeinsamkeit Aller erfordert,
                        wie sonst in keinem andren Stand. Vater und <term type="Sachen" key="Familie">Mutter,</term> Söhne und Töchter, Knechte und Mägde,
                        alle sind gleichsam nur Glieder <hi rend="italic">eines</hi> Leibes [vgl. 
                            <ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.12.12">1.Kor. 12,12</ref>], die nur
                        in verschiedener Weise rastlos dasselbe Ziel zu fördern haben. Aber wie
                        schwer ist diese Gemeinschaft zu halten und immer zu erneuern, wenn man
                        sie ernst nimmt. Denn wer diese Gemeinschaft des Denkens und Arbeitens,
                        wie sie dieser <term type="Sachen" key="Bauernstand">Stand</term> schon
                        äußerlich mit sich bringt, ernst nimmt, der wird auch einsehen, dass es
                        dabei mit einer äußerlichen Eintracht nicht getan ist, wenn sie nicht
                        getragen ist von einer inwendigen <term type="Sachen" key="Gerechtigkeit, innere">Gerechtigkeit</term> und <term type="Sachen" key="Liebe, innere">Liebe</term>; und wenn er tiefer
                        eindringt, wird er erkennen, dass diese Gerechtigkeit und Liebe wie das
                        einzig unfehlbare Mittel so das einzige wahre Ziel seiner <term type="Sachen" key="Arbeit, Ziel">Arbeit</term> sein müsste. Aber
                        wieviel steht dem entgegen! <term type="Sachen" key="Selbstsucht">Selbstsucht</term>, <term type="Sachen" key="Lieblosigkeit">Lieblosigkeit</term>, <term type="Sachen" key="Stumpfsinn">Stumpfsinn</term> bei den Andern und vor Allem bei uns selbst, dazu
                        viel<pb xml:id="p101" ed="pga" break="no"/>leicht äußeres Missgeschick scheinen sich
                        dem ernsten Menschen wie unüberwindliche Hindernisse aufzutürmen. Was
                        dann tun? Die Aufgabe im Stich lassen? Nein, solche Hindernisse auf
                        unserm Weg zu dem, was wir für gut erkannt, weisen uns vielmehr darauf
                        hin, dass wir die Aufgabe vielleicht noch gar nicht in ihrer Tiefe
                        erfasst haben. <pb ed="A" rend="hidden" n="8"/> Je gründlicher wir es mit uns
                        nehmen, desto mehr entdecken wir, wie sehr der Fehler vielfach an uns
                        lag, wie sehr wir uns selber innerlich anders zur Sache stellen sollten.
                        Aber wie können wir das tun? Können wir aus unsrer eigenen Haut
                        schlüpfen? Seht, es sind gerade die ernsten Leute, die über ihrem
                        eigenen Unvermögen, zu tun, was sie für gut und recht halten, unmutig
                        und verzagt werden. Wie oft sind so Menschen, die mit dem besten Willen
                        an ihre Aufgabe gegangen waren, zum Rande der Verzweiflung gelangt, wie
                        Vielen auf der weiten Erde geht es vielleicht gerade in diesen Tagen so,
                        und die <term type="Sachen" key="Weihnachtsfreude">Weihnachtsfreude</term> der Andern scheint ihnen dann wie grausamer
                        Hohn – denn was soll dem die <term type="Sachen" key="Weihnachten">Weihnacht</term>, der innerlich den Mut und die
                        Freudigkeit zum Leben verlernt hat? Meine Freunde! Es braucht nicht
                        gerade so weit mit uns gekommen zu sein, aber etwas von dieser
                        Niedergeschlagenheit hat doch wohl Jeder erlebt, der in seinem Innern
                        sich höhere <term type="Sachen" key="Mensch, höhere Aufgabe">Aufgaben</term> stellt als die Füllung seines Geldsacks.</p>
                    <p>Wer es gelernt hat, mit sich selbst unzufrieden zu sein, der wird aus dem
                            <term type="Sachen" key="Weihnachtsevangelium">Weihnachtsevangelium</term> heraus eine <term type="Sachen" key="Verheißung">Verheißung</term> hören, die ihn angeht, weil er
                        sie <hi rend="italic">nötig</hi> hat. Ich verkündige euch große Freude! [<ref type="can" subtype="bible" target="Lk.2.10">Lk. 2,10</ref>] Friede auf Erden!
                        [<ref type="can" subtype="bible" target="Lk.2.14">Lk. 2,14</ref>] <term type="Sachen" key="Friede">Friede</term>, <pb ed="A" rend="hidden" n="9"/>
                        <term type="Sachen" key="Freude">Freude</term>, <term type="Sachen" key="Gerechtigkeit">Gerechtigkeit</term>, das war es ja, was er für
                        sein eigenes Leben suchte und nicht fand. Für sein eigenes Leben! Nun
                        verstehen wir auch, warum wir das <placeName ref="kbga-places-385">Bethlehem</placeName>, auf das uns die Botschaft hinwies,
                        in unserm gegenwärtigen Leben suchen müssen und nicht in fernen Zeiten
                        und Ländern. Nicht eine schöne Stimmung oder Erinnerung für den Sonntag
                        oder für die Weihnachtsfeier suchten wir ja, sondern <hi rend="italic">Kraft</hi>
                        für das <hi rend="italic">ganze</hi> gegenwärtige Leben.</p>
                    <p>Wie, wenn wir sie hier fänden?</p>
                    <p>Siehe, euch ist <hi rend="italic">heute<note type="textcritical" n="c" xml:id="nc"> Im Mskr. doppelt unterstrichen.</note></hi> der <term type="Sachen" key="Jesus Christus, Heiland">Heiland</term> geboren. [<ref type="can" subtype="bible" target="Lk.2.11">Lk. 2,11</ref>]</p>
                </div>
                <div>
                    <pb xml:id="p102" ed="pga"/>
                    <head>
                            <pb ed="A" rend="hidden" n="10"/> II</head>
                    <p rend="noindent">Lasst uns nun hingehen gen Bethlehem <hi rend="italic">und die
                            Geschichte sehen, die da geschehen ist</hi>. Eine einfache
                        Geschichte ist da geschehen, etwas Alltägliches: ein Mensch ist zur Welt
                        geboren. Und doch hat diese Geschichte die Hirten so ergriffen, dass sie
                        es allen Leuten erzählen mussten. «Und Alle, vor die es kam, wunderten
                        sich der Rede» [<ref type="can" subtype="bible" target="Lk.2.18">Lk. 2,18</ref>]. Warum? Weil sie in diesem Kind den erwarteten, der, von
                        Gott gesandt, <term type="Sachen" key="Israel (Volk)">Israel</term>
                        befreien sollte, und das war ihre größte Hoffnung.</p>
                    <p>Die Erfüllung ist aber herrlicher gewesen als die Hoffnung. Schon 50
                        Jahre nach diesem Ereignis haben Unzählige, nicht nur aus dem Volke
                        Israel, sondern aus allen Ländern und Völkern geglaubt und bekannt, dass
                        ihnen mit diesem Kindlein ein neues Leben geschenkt worden sei. Die
                        Botschaft von diesem neuen <term type="Sachen" key="Leben, neues">Leben</term> ist nicht erloschen, sie ist weitergetragen worden
                        durch die Zeiten, sie ist zu unsern Vätern gekommen und dann zu uns, die
                        wir heute wieder Weihnacht feiern.</p>
                 
                        <q rend="block">
                            <lg>
                                <l>
                                    <hi rend="italic">Gott ward <term type="Sachen" key="Gott, wurde Mensch">Mensch</term></hi>.<note xml:id="n04">Aus der <bibl type="song" corresp="kbga-songs-7">zweiten Strophe des Liedes «Fröhlich soll mein
                                        Herze springen» von <persName ref="kbga-actors-131">P. Gerhardt</persName> (RG 400; EG 36
                                        [dort jeweils: «Gott wird Mensch»]</bibl>).</note>
                                </l>
                            </lg>
                        </q>
                 
                    <p rend="noindent">Das ist die Geschichte, die in Bethlehem geschehen
                        ist.</p>
                    <p>Aber das ist ein großes Wort, und wir dürfen uns nicht vornehmen, das nun
                        so glauben zu <pb ed="A" rend="hidden" n="11"/> wollen, weil heute einmal
                            <term type="Sachen" key="Weihnachten">Weihnacht</term> ist. Wir
                        haben gesagt, dass nur der den Weg nach <placeName ref="kbga-places-385">Bethlehem</placeName> findet, der so oder so auf seinem
                        eigenen Weg den Frieden gesucht, aber nicht entdeckt hat, nur der, der
                        erkannt hat, dass ihm <term type="Sachen" key="Kraft / Lebenskraft">
                                <hi rend="italic">Kraft</hi></term> nottut, um den Weg zu gehen, den Gott
                        ihn auf Erden gehen geheißen. Einem solchen wirklich innerlich
                        Bedürftigen wird es aber eher [als] etwas dunkel Geheimnisvolles
                        erscheinen, dass Gott Mensch geworden sein soll. Wie soll er das
                        verstehen, wenn ihm ja gerade Gott verloren gegangen ist auf seinem
                        Wege? Darum soll er nicht zuerst glauben, sondern er soll lernen zu
                            <hi rend="italic">sehen</hi>. Das kann er, denn Gott thront nicht über den
                        Wolken, sondern er ist ein Gott des <term type="Sachen" key="Gott, des Lebens">Lebens</term>, unsres Lebens, den wir in
                        diesem Leben nur zu entdecken brauchen.</p>
                    <p>Also die Augen aufgetan und Umschau gehalten nach etwas, das unsrer
                        Notdurft Trost und Hilfe sein kann. Ein Mensch, der <term type="Sachen" key="Trost">Trost</term> bedarf, wendet sich aber vor Allem an die
                            <hi rend="italic">andern Menschen</hi>. Wer <pb xml:id="p103" ed="pga"/> selber mit
                        seinem Leben nicht fertig werden kann, der wird sich umsehen müssen, ob
                        die andern es können und wie sie das tun, er wird aufmerksam zusehen, ob
                        ihr Leben viel<pb ed="A" rend="hidden" n="12"/>leicht die Kraft enthält,
                        die ihm fehlt, und er wird forschen, woher sie solche <term type="Sachen" key="Kraft / Lebenskraft">Kraft</term> und Ruhe
                        gewonnen haben. Du wirst viel Enttäuschung erleben bei dieser Umschau,
                        denn vielleicht wirst du lange nichts Anderes entdecken als dieselbe
                        Unruhe und Haltlosigkeit, denselben innern Unfrieden, den du aus dir
                        selber so gut kennst. Aber dann stoßest du vielleicht plötzlich auf
                        einen Menschen, bei dem das ganz anders ist, der dir etwas zu sagen hat
                        – vielleicht ohne Worte! –, was dir ganz neu ist. Er hat
                        die Unzufriedenheit mit sich selbst, unter der du leidest, auch
                        durchgemacht, er ist vielleicht tiefer in der innern und äußern <term type="Sachen" key="Not">Not</term> gesteckt als du selbst. Aber nun
                        ist es anders. Du spürst es seinem Reden und Schweigen, seinem Tun und
                        Lassen an, dass er unsichtbar getragen ist von einer Macht, die ihn über
                        sich selbst hinaushebt, und je länger du mit ihm umgehst, desto mehr
                        geht etwas von seiner inwendigen Kraft und Ruhe auch auf dich über. Die
                        stille, gute Macht, die jenen inmitten des Kampfes des <term type="Sachen" key="Lebenskampf">Lebens</term> erfüllt, berührt immer
                        deutlicher auch dein Wesen, du <hi rend="italic">erlebst</hi> es, dass du unter
                        dem unwiderstehlichen Einfluss dieser Macht die Aufgaben deines <term type="Sachen" key="Mensch, Aufgabe">Lebens</term> und dich <pb ed="A" rend="hidden" n="13"/> selbst mit ganz andern Augen ansehen
                        lernst. Sieh, wenn du so glücklich gewesen bist, einen Menschen zu
                        finden, in dessen Umgang du <hi rend="italic">das</hi> erlebt hast, dann ist
                            <hi rend="italic">Gott</hi> auf deinen Lebensweg getreten. Und wenn du noch
                        keinen solchen Menschen gefunden, wenn du vielleicht noch gar nicht
                        danach gesucht, dann sieh mal um dich, ob er nicht vielleicht neben dir
                        geht oder steht, ob nicht dein Vater oder deine <term type="Sachen" key="Familie">Mutter,</term> dein Mann oder deine Frau, dein Freund
                        oder deine Schwester oder eine alte Magd der Mensch ist, der dich zu den
                        Quellen eines Lebens der <term type="Sachen" key="Kraft / Lebenskraft, Quelle">Kraft</term> führen könnte! Aber
                        mit einem feinen und willigen Sinn musst du anklopfen, um bei einem
                        Andern nach diesen Quellen zu fragen.</p>
                    <p>Ihr fragt mich: aber wozu bedarf es dann der Weihnachtsbotschaft, dass
                        Gott Mensch geworden ist, wenn ich das Leben der <term type="Sachen" key="Kraft / Lebenskraft">Kraft</term> und des <term type="Sachen" key="Friede">Friedens</term>, das sie uns verheißt, gerade so gut
                        bei einem Mitmenschen, mit dem ich täglich umgehe, finden kann? Nun
                        seht, dass wir das können, das verdanken wir ja eben der Tatsache der
                            <term type="Sachen" key="Weihnachtsevangelium">Weihnachtsbotschaft</term>. Woher stammt denn jenes innere Leben
                        der Andern, dem wir Alle irgendwie das unsrige verdanken? Stammt es
                        nicht wieder <pb ed="A" rend="hidden" n="14"/> um aus <pb xml:id="p104" ed="pga"/>
                        der Berührung mit noch Andern, die auch etwas von dieser stillen Glut in
                        sich trugen? Und wenn wir diese feinen Linien weiter verfolgen, dann
                        entdecken wir, dass sie zuletzt alle zusammenlaufen in einem Punkt. In
                        dem Menschen <hi rend="italic">Jesus</hi> hat der gütige <term type="Sachen" key="Gott, Güte">Gott</term> zuerst die <term type="Sachen" key="Jesus Christus, Kraft / Lebenskraft">Kraft</term> und den <term type="Sachen" key="Jesus Christus, Friede">Frieden</term> in
                        unversiegbarer Fülle auf die <term type="Sachen" key="Erde (Planet)">Erde</term> gesandt. Und die, welche die Augen weit auftaten, die
                        haben gespürt, dass ihnen geholfen sei, wenn sein <term type="Sachen" key="Jesus Christus, inneres Leben">Leben</term> das ihrige würde.
                        Und was ihnen von ihm geschenkt war, das mussten sie weitergeben, und
                        seitdem gibt es, durch die Zeiten und Länder zerstreut, einen stillen
                        Kreis von Menschen, denen sein Leben zu ihrem eigenen geworden ist und
                        die dieses Leben als ihren höchsten Besitz schätzen. Es bleibt ihnen
                        aber nicht etwas Inwendiges, sondern sie nehmen es mit hinein in die
                            <term type="Sachen" key="Arbeit">Arbeit</term> des Tages, in den
                        Verkehr mit den Menschen. Wie sie es von andern Menschen empfangen, so
                        geben sie das innere Licht weiter an andre. Am <term type="Sachen" key="Weihnachten">Weihnachtstag</term> aber freuen sie sich der
                        Tatsache, dass Gott <term type="Sachen" key="Gott, wurde Mensch">Mensch</term> geworden ist in Jesus Christus. Denn das neue <term type="Sachen" key="Leben, neues">Leben</term>, das durch die
                        Fortwirkungen des Lebens Jesu in ihnen erwacht <pb ed="A" rend="hidden" n="15"/> ist, ist doch nichts Anderes als Gott selber, der von ihrem
                        Herzen Besitz ergriffen hat. –</p>
                    <p> Nun seht, darum habe ich gesagt, dass das <placeName ref="kbga-places-385">Bethlehem</placeName>, zu dem uns die <term type="Sachen" key="Weihnachtsevangelium">Weihnachtsbotschaft</term> hinweist,
                        etwas <hi rend="italic">Wirkliches</hi> und <hi rend="italic">Gegenwärtiges</hi> ist, das
                        wir <hi rend="italic">selber</hi> mit der größten <term type="Sachen" key="Gewissheit">
                                <hi rend="italic">Gewissheit</hi></term> schauen und umfassen
                        können.</p>
                    <p>Wenn wir zu den Menschen gehören, die schon etwas erfahren haben von dem
                        neuen Leben, das durch die Berührung mit dem <term type="Sachen" key="Jesus Christus, Heiland">Heiland</term> in unser altes Leben
                        hineingepflanzt wird, dann wissen wir auch, was <term type="Sachen" key="Weihnachtsfreude">Weihnachtsfreude</term> ist, wir wissen es
                        von Jahr zu Jahr besser. Nicht nur bei der Weihnachtsfeier, nicht nur am
                        Tisch des <term type="Sachen" key="Abendmahl">Herrn</term>, zu dem wir
                        nachher in gemeinsamer dankbarer Freude treten wollen, sondern auf
                        unsern alltäglichen Wegen, bei der <term type="Sachen" key="Arbeit">Arbeit</term> und in der Ruhe, auf dem Feld und in der <term type="Sachen" key="Familie">Familie</term> erleben wir etwas von
                        dem, was das alte Weihnachtslied singt:</p>
                
                        <q rend="block">
                            <lg>
                                <l>Das ew’ge Licht geht da herein,</l>
                                <l>Gibt der Welt einen neuen Schein;</l>
                                <l>Es leuchtet wohl mitten in der Nacht</l>
                                <l>Und uns des Lichtes Kinder macht.<note type="textcritical" n="d" xml:id="nd">Im Mskr. sind die voranstehenden Verse, die auf
                                            einem ausgeschnittenen Zettel gedruckt sind,
                                            aufgeklebt.</note><note xml:id="n05">
                                        <bibl type="song" corresp="kbga-songs-5">Strophe 4 des Liedes
                                        «Gelobet seist du, Jesu Christ» von <persName ref="kbga-actors-261">M. Luther</persName>
                                        (RG 392; EG 23 [jeweils mit leichten
                                        Textabweichungen])</bibl>.</note>
                                </l>
                            </lg>
                        </q>
              
                    <p> <pb rend="noPipe" xml:id="p105" ed="pga"/> Aber vielleicht geht es uns doch auch so, dass wir uns
                        sagen müssen: ja es wäre schön, ein solches Leben der <term type="Sachen" key="Kraft / Lebenskraft">Kraft</term> und des <term type="Sachen" key="Friede">Friedens</term> und der <term type="Sachen" key="Wahrheit">Wahrheit</term>, <pb ed="A" rend="hidden" n="16"/> aber wie kann ich es festhalten? Ich ahne und fühle, dass
                        Gott mir nahe ist, oft glaubte [ich], ihn schon ergriffen zu haben, aber
                        da sind immer wieder diese und jene Hindernisse in mir selbst, meine
                            <term type="Sachen" key="Selbstsucht">Selbstsucht</term>, mein
                        Kurzsinn, meine schlechten Neigungen, die mich von ihm trennen, die mir
                        den Frieden und die Kraft immer wieder nehmen. Ich denke, auch die
                        Fortgeschrittensten unter uns kennen diesen schwersten aller Zweifel.
                        Seht, dann wollen wir uns heute zurufen: Lasst uns hingehen gen
                        Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist!</p>
                        <q rend="block">
                            <lg>
                                <l>Die ihr arm seid und elende,</l>
                                <l>Kommt herbei,</l>
                                <l>Füllet frei</l>
                                <l>Eures Glaubens Hände!</l>
                                <l>– – – –</l>
                                <l>Lasset fahren, liebe Brüder,</l>
                                <l>Was euch quält,</l>
                                <l>Was euch fehlt,</l>
                                <l>Ich bring Alles wieder!<note xml:id="n06">
                                        <bibl type="song" corresp="kbga-songs-7">Zwei
                                        Halbstrophen des Liedes «Fröhlich soll mein Herze
                                        springen» von <persName ref="kbga-actors-131">P. Gerhardt</persName> (RG 400,9a.5b;
                                        EG 36,9a.5b [jeweils mit
                                    Textmodernisierungen]</bibl>).</note>
                                </l>
                            </lg>
                        </q>
                    <p rend="noindent">Und zum Schluss die große Hauptsache, die uns Allen gilt:
                        nicht von unserm Wollen und Laufen hängt es ab, ob wir in unserm Leben
                        das Bethlehem der <term type="Sachen" key="Kraft / Lebenskraft">Kraft</term> und des <term type="Sachen" key="Friede">Friedens</term> finden. Wir wollen ja eine Geschichte sehen,
                            <hi rend="italic">die uns der Herr kundgetan hat</hi>.</p>
                    <p> <pb ed="A" rend="hidden" n="17"/> Wenn aber die <term type="Sachen" key="Weihnachtsevangelium">Botschaft</term>, die heute wieder an uns
                        Alle ergeht, vom Herrn kommt, dann liegt es auch in seiner Hand, wie er
                        sie im Einzelnen verwirklichen will [in] unserm Leben. Wenn er sie schon
                        verwirklicht hat an uns, dann wird unsre <term type="Sachen" key="Weihnachtsfreude, Dank">Weihnachtsfreude</term>
                        <hi rend="italic">Dank</hi> sein für seine unverdiente <term type="Sachen" key="Gott, Güte">Güte</term>, ein Dank, der nicht in Worten besteht,
                        sondern in dem ernsten Willen, das Weihnachtslicht heller leuchten zu
                        lassen in uns und außer uns. – |</p>
                  
                    <p> <pb rend="noPipe" xml:id="p106" ed="pga"/> Wenn es uns aber scheint, als ob unser Weg immer wieder ins Dunkel und
                        Dickicht führe, dann dürfen wir heute den <term type="Sachen" key="Mut">
                                <hi rend="italic">Mut</hi></term> fassen, hinwegzusehen über die Nebel zu
                        den Bergen, von denen auch uns Hilfe kommen wird [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Ps.121.1">Ps. 121,1</ref>].</p>
                    <p>Meine lieben Freunde! Das soll unsre <term type="Sachen" key="Weihnachtsfreude">
                                <hi rend="italic">Weihnachtsfreude</hi></term> sein,
                        dass <term type="Sachen" key="Gotteskraft">Gotteskraft</term> in unser
                        Menschenleben gekommen ist.</p>
                        <q rend="block">
                            <lg>
                                <l>Welt ging verloren,</l>
                                <l>Christ ward geboren.</l>
                                <l>Freue, freue dich, oh Christenheit!<note xml:id="n07">Aus <bibl type="song" corresp="kbga-songs-235">Strophe 1 des Liedes «O du fröhliche»</bibl>
                                        (s. Anm. 2).</note>
                                </l>
                            </lg>
                        </q>
                    </div>  
                    <div type="closer">
                            <salute>Amen.</salute>
                    </div>
                </div>
            </div>
        </body>
    </text>
</TEI>
