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        <title type="volume" n="vol-51">Predigten 1911</title>
        <title type="content">Predigt: Matthäus 6,13a</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: Predigt: Matthäus 6,13a, 1. Oktober 1911</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/51027 (Stand: 25. August 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Predigten 1911, hrsg. v. Busch, Eberhard / Busch-Blum, Beate (Gesamtausgabe, Abt. I), Zürich 2015, S. 308–317.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Predigten 1911</title>
          <title type="text">Predigt: Matthäus 6,13a</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Busch, Eberhard</editor>
          <editor>Busch-Blum, Beate</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2015</date>
          <biblScope unit="page">308–317</biblScope>
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        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Barth, Karl, Predigt: Mt 6,13a, 1. Oktober 1911. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/1523">KBA 1058</ref>. </bibl>
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                        <placeName ref="kbga-places-54">Safenwil</placeName>, <date when="1911-10-01">Sonntag, den 1. Oktober 1911</date> 
                        <lb/>(16. nach Trinitatis)
                    </dateline>
                    <epigraph>
                        <cit>
                        <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.6.13">Matthäus 6,13a</ref>
                            <quote>
                                Führe uns nicht in Versuchung!
                            </quote>
                        </cit>
                    </epigraph>
                <salute>Liebe Freunde!</salute>
                </div>
                <div type="main">
                <p> Das kann nicht gemeint sein mit der heutigen Bitte des Unser <term type="Sachen" key="Unser Vater">Vater</term>, dass Gott uns die Bekanntschaft mit der <term type="Sachen" key="Versuchung">Versuchung</term> reinlich ersparen, dass er uns unversucht durchs Leben gehen lassen möchte. Das würde streiten mit einem andern Wort der <term type="Sachen" key="Bibel">Bibel</term>, das lautet: Meine lieben Brüder, achtet es für eitel <hi rend="italic">Freude</hi>, wenn ihr in mancherlei Anfechtungen fallet [<ref type="can" subtype="bible" target="Jak.1.2">Jak. 1,2</ref>]. Was ist denn das, eine Versuchung? Wir denken gewöhnlich nur das Eine: eine <term type="Sachen" key="Versuchung, Gelegenheit Böses zu tun">Gelegenheit</term>, das <term type="Sachen" key="Böses / das Böse">Böse</term> zu tun. Wäre das Alles, dann wär’s in der Tat natürlich, Gott zu bitten: lass uns von solchen Gelegenheiten möglichst verschont bleiben, lass uns nicht in die Lage kommen, das Böse zu tun. Nun ist aber eine Versuchung ebenso gut und noch viel mehr eine <term type="Sachen" key="Versuchung, Gelegenheit Gutes zu tun">Gelegenheit</term>, das <term type="Sachen" key="Gutes / das Gute"><hi rend="italic">Gute</hi></term> zu tun. Eine Versuchung ist eine <term type="Sachen" key="Versuchung, Prüfung">Prüfung</term>, ein Examen, wie die Examen in der <term type="Sachen" key="Schule">Schule</term>. Und nun ist ein Examen freilich eine Gelegenheit, bei der man nichts wissen und durchfallen kann, aber doch ebenso gut eine Gelegenheit, etwas zu wissen und mit Ehren zu bestehen. Ein Schüler, der sich wünschen wollte, übers Examen krank zu sein, damit er sich drücken könne und nicht Gefahr laufe, Schande zu erleben, das wäre erstens ein Feigling und zweitens sicher kein guter Schüler; denn wer etwas weiß, der muss Freude daran haben, sich auf die Probe stellen zu lassen. Ein solches Sichdrücken vor dem Examen wäre es, wenn wir Gott bitten wollten, uns keine Versuchung erleben zu lassen, keine Gelegenheit, wo wir zur <term type="Sachen" key="Entscheidung, zwischen Gut und Böse">Entscheidung</term> aufgefordert würden zwischen Gut und Böse. Solcher Entscheidung aus dem Weg gehen, das könnte uns freilich passen, aber wir wären dann auch Feiglinge und Schüler, aus denen nichts wird. Der Herr des <term type="Sachen" key="Gott, Herr des Lebens">Lebens</term> denkt gar nicht daran, uns die Versuchung zu ersparen. Im Gegenteil, es ist gerade eine Tat seiner <term type="Sachen" key="Versuchung, Tat der Liebe Gottes">Liebe</term> gegen uns, dass er uns Versuchungen erleben lässt. Denn ohne <term type="Sachen" key="Versuchung, ohne V. keine Bewährung">Versuchung</term> keine Bewährung und ohne Bewährung keine <term type="Sachen" key="Vollendung, ohne Bewährung keine V.">Vollendung</term>. <pb xml:id="p309" ed="pga"/> Wir sehen das aus der Tatsache, dass Gott gerade seine Auserwählten und Helden den Weg der Versuchung geführt hat. «Gott versuchte <persName ref="kbga-actors-444">Abraham</persName>» heißt es, als der Gehorsam des <term type="Personen" key="Abraham">Erzvaters</term> auf die Probe gestellt wurde wegen der Opferung des <persName ref="kbga-actors-2198">Isaak</persName> [<ref type="can" subtype="bible" target="Gen.22.1">Gen. 22,1</ref>; vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Hebr.11.17">Hebr. 11,17</ref>]. Im 26. Psalm betet ein alttestamentlicher Gläubiger: «Prüfe mich, Herr, und versuche mich» [<ref type="can" subtype="bible" target="Ps.26.2">Ps. 26,2</ref>]. Im ersten Kapitel des Hiobbuches lesen wir die merkwürdige Geschichte, wie Gott dem <term type="Sachen" key="Satan">Satan</term> Vollmacht gegeben habe, einen reinen, hochstehenden Mann durch Leid und Unglück zu versuchen [<ref type="can" subtype="bible" target="Hiob.1.6 Hiob.1.22">Hiob 1,6–22</ref>]. Und wie könnten wir denken, dass es ohne Gottes <term type="Sachen" key="Gott, Wille Gottes">Willen</term> geschehen sei, was uns die Evangelien erzählen, dass der Versucher auch zu Jesus Christus getreten sei [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.4.3">Mt. 4,3</ref>; <ref type="can" subtype="bible" target="Mk.1.13">Mk. 1,13</ref>; <ref type="can" subtype="bible" target="Lk.4.2">Lk. 4,2</ref>]. |</p>
                <p> In all diesen Fällen zeigt sich uns die <term type="Sachen" key="Versuchung">Versuchung</term> nicht als etwas an sich selbst <term type="Sachen" key="Böses / das Böse">Böses</term> und Widriges, so dass wir beten müssten: Lass uns nur nicht versucht werden!, sondern im Gegenteil als eine Stufe zu etwas <term type="Sachen" key="Versuchung, Stufe zu etwas Höherem">Höherem</term>, Besserem. In der Versuchung bewährt sich <persName ref="kbga-actors-444">Abraham</persName> als der Knecht Gottes und wird würdig, der Vater vieler Völker zu sein. Durch die Versuchung hindurch muss <persName ref="kbga-actors-2193">Hiob</persName>, um zu erkennen: «Vom Hörensagen hatte ich von dir gehört, nun aber hat mein Auge dich gesehen» [<ref type="can" subtype="bible" target="Hiob.42.5">Hiob 42,5</ref>]. Und die Versuchung musste selbst über den Heiligsten und Reinsten kommen, damit er nach den Worten des Hebräerbriefs wurde «ein Hohepriester, der Mitleiden haben kann mit unsern Schwachheiten, weil er versucht ist allenthalben gleich wie wir» [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Hebr.4.15">Hebr. 4,15</ref>]. In der <term type="Sachen" key="Versuchung, in der V. ist guter Wille Gottes">Versuchung</term> ist Wille Gottes, <hi rend="italic">guter</hi> Wille Gottes. Das gilt auch für uns. Wir dürfen die Versuchung, wenn sie an uns tritt, nicht als ein Unglück ansehen. Sie ist eine <hi rend="italic">Frage</hi>, die Gott an <term type="Sachen" key="Versuchung, Frage Gottes an uns">uns</term> richtet. Mit solchen Fragen erzieht er uns und führt uns weiter, von einer Einsicht und Erfahrung zur andern, gerade wie ein Lehrer die Kinder von einem zum andern leitet durch Fragen. An dieses Weiterführen hat <persName ref="kbga-actors-8959">Jakobus</persName> gedacht, als er so hochgemut die Anfechtung «eitel Freude» nannte, daran auch jener Beter, der Gott bittet: versuche mich!</p>
                <p>Aber was heißt es dann, wenn Jesus uns anleitet zu beten: <hi rend="italic">Führe uns nicht in Versuchung!</hi> Ich glaube, <persName ref="kbga-actors-261">Martin Luther</persName> hat ihn wieder richtig verstanden, wenn er in seiner urchigen<note xml:id="n01">Schweizerdeutsch für: «bodenständig, urtümlich».</note> Weise auslegt: «Da bitten wir, <pb xml:id="p310" ed="pga"/> dass wir nicht <hi rend="italic">hineinfallen</hi> und <hi rend="italic">ersaufen</hi>.»<note xml:id="n02">Auslegung der sechsten Vaterunser-Bitte im Großen Katechismus (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-1785">BSLK, S. 687,34–36 [ohne Hervorhebungen]</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-15">BSLK.NE, S. 1104,31f.</bibl>).</note> Versuchung sollen und müssen wir erleiden. Es steckt ein <term type="Sachen" key="Segen">Segen</term> drin; aber wir sollen den Segen daraus nehmen und nicht zum <term type="Sachen" key="Böses / das Böse">Bösen</term> Ja sagen. Wir sollen nicht hineinfallen. Gegen diese Gefahr wehren wir uns mit dem Gebet: Führe uns nicht in Versuchung! Wir wollen damit sagen: Lass uns das Examen <hi rend="italic">ehrenvoll</hi> bestehen! Lass uns die <hi rend="italic">rechte</hi>
                    <term type="Sachen" key="Entscheidung">Entscheidung</term> treffen: Lass uns die <hi rend="italic">gute</hi> Antwort finden!</p>
                <p> Wir müssen näher davon reden: von der <term type="Sachen" key="Versuchung">Versuchung</term> und vom Gebet, das die Versuchung überwindet.</p>
                <ab rend="center">*   *   *</ab>
                <p rend="noindent">Die Versuchung ist eine Frage <term type="Sachen" key="Versuchung, Frage Gottes an uns">Gottes</term> an uns, sagte ich. Die Frage lautet, ob wir seinen, den Namen Gottes heiligen wollen, ob wir arbeiten wollen am Kommen seines Reiches und uns ergeben darein, dass sein Wille geschieht [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.6.9 Mt.6.10">Mt. 6,9f.</ref>]. Und diese Frage stellt Gott nicht in Worten – wie er auch keine Antwort in Worten darauf erwartet –, sondern er stellt sie, indem er uns eine Gelegenheit gibt, wo wir das Gegenteil von alledem tun könnten. Diese Gelegenheit ist die Versuchung. Ich will einige Beispiele nennen:</p>
                <p>Die Meisten von uns haben viel mit dem <term type="Sachen" key="Geld"><hi rend="italic">Geld</hi></term> zu tun. Ob sich’s nun um viel oder wenig Geld handelt, ist gleichgiltig. Tatsache ist, dass man am Tage arbeitet, um Geld zu verdienen, und des Nachts daran denkt und davon träumt. Die Ursache ist sehr einfach: ohne Geld könnte man nicht leben. Daran ist nicht zu rütteln. In dieser von Gott so gewollten Tatsache liegt eine Versuchung, eine Frage an uns. Denn weil das Geld da ist und weil es so wichtig ist für unser Leben, eröffnet sich die Möglichkeit zu sagen: also sei nur das <term type="Sachen" key="Versuchung, durch Geldverdienen">Geldverdienen</term> mein einziges und höchstes Ziel im Leben. Alles Übrige, Geist und Liebe und Recht, kommt in zweiter Linie. Ich will mich nicht aufhalten mit anderen Dingen und ich will auch nicht wählerisch sein in der Auslese der Mittel, die ich brauche. Der Zweck heiligt die Mittel.<note xml:id="n03">Verknappte Zusammenfassung einer Regel der Macht nach <persName ref="kbga-actors-2041">Thomas Hobbes</persName> und <persName ref="kbga-actors-4437">Niccolò Machiavelli</persName>; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-828">Büchmann, S. 375</bibl>.</note> Ob ich dabei innerlich verrohe, ob ich den Sinn verliere für Gottes beste Ga<pb xml:id="p311" ed="pga" break="no"/>ben, ob ich die Gesundheit und das innere Leben anderer Menschen gefährde, ob ich die heiligsten Pflichten verletze – das Alles ist gleichgiltig, wenn ich nur mit Hilfe meiner Ellenbogen zu meiner Sache komme. So denken und so handeln Unzählige. Das heißt in die Versuchung hineinfallen. Das heißt auf Gottes Frage die Antwort geben: Nein ich will nicht, was du willst! Die Versuchung war die Gelegenheit zu solcher Antwort.</p>
                <p>Eine andre Versuchung: In jedem von uns leben die natürlichen <term type="Sachen" key="Versuchung, durch natürliche Triebe"><hi rend="italic">Triebe</hi></term> unsres Leibes: der Trieb zum Essen und Trinken, der Trieb zum Schlafen und zur Bewegung und der mächtigste von allen, der Trieb, der Mann und Frau in der Liebe zusammenführt. Auch diese Triebe sind nun einmal einfach da. Man kann sie nicht wegleugnen, und wenn man’s doch tut, zieht man sich selber so oder so seine Strafe zu. Aber nun ist auch diese Tatsache des Trieblebens, des Fleisches, wie der <persName ref="kbga-actors-313">Apostel</persName> sagt [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Gal.5.16">Gal 5,16</ref> u. ö.], eine Frage Gottes an <term type="Sachen" key="Versuchung, Frage Gottes an uns">uns</term>, denn da ist ganz zweifellos eine Gelegenheit, das Gegenteil des Willens <term type="Sachen" key="Gott, Wille Gottes">Gottes</term> zu tun. Man kann zu den Trieben wie zum Geld sagen: ihr sollt herrschen in meinem innern <term type="Sachen" key="Leben, inneres">Leben</term>. Ich will euch nicht leiten, sondern mich von euch leiten lassen. Das gibt dann die faulen, sinnlichen, selbstsüchtigen Menschen. Sie fallen hinein in die <term type="Sachen" key="Versuchung, durch natürliche Triebe">Versuchung</term>, sie empfangen nicht den <term type="Sachen" key="Segen">Segen</term>, der darin verborgen wäre, sondern den Fluch. Sie werden arme Sklaven ihrer Neigungen und Begierden.</p>
                <p>Eine Versuchung besonderer Art ist das <term type="Sachen" key="Versuchung, durch Unglück"><hi rend="italic">Unglück</hi></term>. Nicht umsonst redet man von <term type="Sachen" key="Anfechtung">«Anfechtungen»</term>, wenn einem etwas Schmerzliches widerfährt. Denn da wird unsre Ruhe, unsre <term type="Sachen" key="Seele">Seelenruhe</term> meine ich jetzt, angefochten. Da wird in Frage gestellt, wie weit es her sei mit unsrem <term type="Sachen" key="Charakter">Charakter</term>, unserm Gottvertrauen und unsrer Menschenliebe. Das Examen in den wichtigsten Fächern des Lebens kommt nicht in den guten Tagen, sondern in den bösen. Auch da kann man so unendlich leicht hineinfallen. Kann mürrisch werden oder mutlos, menschenverdrossen oder leichtsinnig. Krankheit und Sorge und <term type="Sachen" key="Versuchung, durch Unglück">Leid</term>, das Alles sind Erlebnisse, die uns fast unwiderstehlich in diese Fehler hineinzutreiben scheinen.</p>
                <p>Und endlich kommt die große Verführung an uns ganz einfach durch die <hi rend="italic">Menschen</hi>, mit denen wir zusammen <term type="Sachen" key="Versuchung, durch andere Menschen">leben</term>. Ich denke jetzt gar nicht an besonders böse Menschen, die sich eine Freude daraus machen, Andre absichtlich auf schlechte Wege zu leiten. Jeder <term type="Sachen" key="Mensch, hat Verführerisches an sich">Mensch</term>
                    <pb xml:id="p312" ed="pga"/> hat etwas Verführerisches in sich, etwas, was die Gottesfrage an uns stellt, weil es uns Gelegenheit gibt, «Nein» zu Gott zu sagen. Denn jeder Mensch hat gewisse schlechte Eigenschaften, die unsre eigenen schlechten Eigenschaften förmlich herausfordern, wie wenn sie einander nötig hätten. Das <term type="Sachen" key="Böses / das Böse, erwacht beim Anblick des B. im Anderen">Böse</term> in uns erwacht beim Anblick des Bösen im Andern. Wenn einer schwindeln will, dann hat er z. B. die <term type="Sachen" key="Dummheit">Dummheit</term> der Leute nötig. So z. B. die verschiedenen Engländer, die jetzt in unsern Zeitungen – ich meine das «<orgName ref="kbga-actors-9033">Zofinger Tagblatt»</orgName> und den <orgName ref="kbga-actors-10393">Lokalanzeiger</orgName> – versprechen, uns gratis unsre zukünftigen Lebensschicksale zu eröffnen.<note xml:id="n04">Im <orgName ref="kbga-actors-8253">KBA</orgName> sind vier entsprechende Annoncen erhalten, die <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> ausgeschnitten und aufgehoben hat. Unter der Überschrift «Kann dieser Mann ihr Lebensschicksal voraussagen?» wurden von zwei verschiedenen Personen gegen Einsendung von Briefmarken eines bestimmten Wertes an Londoner Adressen «Rat in Geschäfts- und Heiratsangelegenheiten, über Freunde und Feinde, bei Veränderungen, Spekulationen, Liebesangelegenheiten, Reisen und allen Ereignissen im Leben» angeboten. Eine solche Annonce hatte <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> unmittelbar vor oder während der Ausarbeitung dieser Predigt im <bibl corresp="kbga-bibls-4164">Zofinger Tagblatt, Nr. 229, 30.9.1911</bibl>, lesen können.</note> So können Menschen einander versuchen, indem sie auf die Torheit der Andern rechnen. Und so kann man hineinfallen, wenn man ein Tor <hi rend="italic">ist</hi>. Hoffentlich ist das bei keinem Safenwiler der Fall! Es gibt nichts, durch das wir uns so beeinflussen ließen, im <term type="Sachen" key="Gutes / das Gute">Guten</term> und im <term type="Sachen" key="Böses / das Böse">Bösen</term>, wie durch die andern Menschen. Sie brauchen dazu gar keine Inserate in Zeitungen zu machen, nicht einmal mit uns zu reden, sie brauchen nur zu leben um uns her, gleich wird ihre Art auch auf uns abfärben; wir lassen uns imponieren von ihnen, vielleicht in ganz falsche Bahnen lenken durch die Macht ihres Beispiels. Es hat schon Mancher sein Bestes preisgegeben: seine Pflicht und seine Überzeugung, nur weil er es nicht wagte, sie vor dem Nachbarn oder der Nachbarin zu behaupten, aus Furcht nicht vor ihren Gründen, aber vor ihrem Achselzucken und vor ihrem Lächeln. Dieser steckt uns an mit seiner Rücksichtslosigkeit und jener mit seiner Bedenklichkeit, dieser mit seiner Geschwätzigkeit und jener mit seiner Gleichgiltigkeit. Vielleicht sind es sonst Leute mit trefflichen Eigenschaften, aber gerade in den schlimmen liegt das Verführerische, das Auffällige, <term type="Sachen" key="Versuchung, durch andere Menschen">Ansteckende</term>, das, worin die Frage <term type="Sachen" key="Versuchung, Frage Gottes an uns">Gottes</term> liegt, die Examensfrage.</p>
                    <ab rend="center"><pb xml:id="p313" ed="pga" rend="noPipe"/>*   *   *</ab>
                <p rend="noindent">Unser aller Leben ist voll von <term type="Sachen" key="Versuchung, Leben ist voll von V.">Versuchungen</term>. Ist’s nicht diese, so ist’s jene. Anders sind die Versuchungen des Alten, anders die des Jungen, anders die des Reichen, anders die des Armen. Jeder Stand, jeder Bildungsgrad, jeder Charakter hat seine besondern Versuchungen. Es gehört auch zu dem unermesslichen Reichtum <term type="Sachen" key="Gott, unermesslicher Reichtum">Gottes</term>, dass die Aufgaben, die er seinen Kindern stellt, so unermesslich verschieden sind. Aber wer und was wir auch seien, wir sollen und dürfen es angesichts dieser Aufgabe Jesus nachbeten: <hi rend="italic">Führe uns nicht in Versuchung!</hi></p>
                <p> Dieses <term type="Sachen" key="Unser Vater">Gebet</term> bedeutet zunächst ganz einfach, dass wir <hi rend="italic">wachsam</hi> sein wollen. Es ist mancher hineingefallen in böses, gottwidriges Denken und Handeln, weil er gar nicht wahrnahm, dass er’s mit einer Versuchung zu tun hatte. Wer im Examen die Frage nicht hört und deshalb nicht antwortet, bei dem ist’s soviel, als habe er sie nicht gewusst. Ich habe das Geld genannt als eine <term type="Sachen" key="Versuchung, durch Geldverdienen">Versuchung</term>. Ja, wie Mancher ist da, vielleicht auch unter uns, der gar nichts weiß von dieser Versuchung, bis er ihr eines Tages rücklings erlegen ist. Es gibt Menschen, die sich für sehr <hi rend="italic">gute</hi> Menschen und Christen halten und es wohl auch in manchem Sinn sind, aber in Geldsachen sind sie ungemütlich, gierig, unbedenklich, zugreifig, und bei alledem merken sie gar nicht, auf welchem Weg sie sind. Sie haben die Frage <term type="Sachen" key="Versuchung, Frage Gottes an uns">Gottes</term> überhört. Und wie ist’s mit den schlechten Gewohnheiten, dem Trinken z. B., da kommt man in der Regel auch nicht hinein, weil man mit klarer Einsicht sich fürs Schlechte entschieden hätte, im Gegenteil: vielleicht unter sehr nobeln Gefühlen und Gedanken, in der Freude der Freundschaft etwa oder in der Begeisterung des Politisierens. Die meisten <term type="Sachen" key="Alkoholismus, die meisten Trinker halten sich für Ehrenmänner">Trinker</term> halten sich für tadellose Ehrenmänner. Das Trinken ist auch rücklings über sie gekommen, weil sie die <term type="Sachen" key="Versuchung, durch Alkohol">Versuchung</term> gar nicht erkannt. Oder es hat irgend ein Andrer oder eine Andre übel an dir gehandelt, dir Schaden zugefügt, dir wehgetan. Das ist eine Versuchung, ihm auch wehzutun. Aber du merkst gar nicht, dass es eine Versuchung ist. Ja, wenn man dich am Rockknopf fassen würde mit der Frage: …wie auch wir vergeben unsern Schuldigern [<ref type="can" subtype="bible" target="Mt.6.12">Mt. 6,12</ref>], Ja oder Nein? dann würdest du antworten: Natürlich, <hi rend="italic">ja!</hi> Aber die feine verborgene Frage <term type="Sachen" key="Versuchung, Frage Gottes an uns">Gottes</term>, die in dem rohen Benehmen der <term type="Sachen" key="Versuchung, durch andere Menschen">Andern</term> liegt, die überhörst du. Du fällst hinein und kommst ihm, wie er dir <pb xml:id="p314" ed="pga"/> kommt. Es geht eben leider mit den Versuchungen nicht so zu, wie man es auf alten Bildern dargestellt findet, wo man den Heiligen <persName ref="kbga-actors-6231">Antonius</persName> in der Wüste sieht, umgeben von einer ganzen Schar wüster Teufel und Tiere, die von allen Seiten mit ihren Zähnen und Klauen nach ihm schnappen und an ihm zerren.<note xml:id="n05">Berühmt sind die Darstellungen von <persName ref="kbga-actors-9330">Hieronymus Bosch</persName> («Die Versuchungen des heiligen Antonius», um 1505/10) und <persName ref="kbga-actors-584">Matthias Grünewald</persName> («Die Peinigungen des heiligen Antonius», um 1515 [<placeName ref="kbga-places-918">Isenheimer Altar</placeName>]).</note> Das sollen die Versuchungen sein. Ja wenn’s so wäre, dann wäre das göttliche Leben eine einfache Sache. Mit den <term type="Sachen" key="Versuchung, mit offensichtlichen V. kann man leicht fertig werden">Versuchungen</term>, wo man auf erstem Schritt das Teufelsgesicht erkennt, kann man fertig werden. Aber es ist eben nicht so. Unsre eigentlichen Versuchungen, die schwersten Fragen Gottes an uns, sind immer da, wo wir sie <hi rend="italic">nicht</hi> suchen. Und wenn wir jetzt beten: <hi rend="italic">Führe uns nicht in Versuchung!</hi>, so wollen wir dabei vor Allem wachsam sein, uns nicht von der Versuchung suchen lassen, sondern ihr entgegengehen. Die Regel dabei wird wohl die sein, dass wir gerade bei unsern sogenannten starken Seiten am Aufmerksamsten sein <term type="Sachen" key="Versuchung, die schwersten V. liegen bei unseren Stärken">müssen</term>. Wer sich für besonders gescheit hält, der mag sich fragen, ob da nicht das kalte, kahle Selbstbewusstsein nahe vor seiner Tür liegt. Wer seine Stärke hat im Reden, der soll darüber nachdenken, ob er nicht mit seinen Worten Rauch macht, weil kein Feuer da ist. Wer ein <term type="Sachen" key="Gefühlsmensch">Gefühls-</term> und <term type="Sachen" key="Stimmungsmensch">Stimmungsmensch</term> ist, der sehe zu, dass er nicht krank werde an der Unklarheit und Willkür seiner Neigungen, die mit den schönen <term type="Sachen" key="Gefühl">Gefühlen</term>
                    <hi rend="italic">gar</hi> nichts zu tun haben. Und wer gar etwa denkt, seine Stärke sei die <term type="Sachen" key="Frömmigkeit">Frömmigkeit</term>, der gebe Acht, ob er nicht in fataler Verwandtschaft sei mit den <term type="Sachen" key="Pharisäertum / Pharisäer">Pharisäern</term> und <term type="Sachen" key="Schriftgelehrte">Schriftgelehrten</term>, denn bei denen war’s <hi rend="italic">gerade</hi> so [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.23.18">Mt. 23,18</ref>]. <hi rend="italic">Führe uns nicht in Versuchung!</hi> Lass uns wachsam sein! Damit wir nicht hineinfallen! Denn</p>
                    <q rend="block">
                        <lg>
                            <l>Unverhofft</l>
                            <l>Ist schon oft</l>
                            <l>Über viele Frommen</l>
                            <l>Die Versuchung kommen.<note xml:id="n06">Aus Strophe 1 des Liedes <bibl type="song" corresp="kbga-songs-46">«Mache dich, mein Geist, bereit» von <persName ref="kbga-actors-2396">J. B. Freystein</persName> (GERS 298; EG 387 bietet an dieser Stelle einen veränderten Text)</bibl>.</note></l>
                        </lg>
                    </q>
                <p rend="noindent">Dann ist’s aber auch sehr wichtig, dass wir mit diesem Gebet ein offenes <hi rend="italic">Bekenntnis unsrer <term type="Sachen" key="Unser Vater, Bekenntnis unserer Schwachheit">Schwachheit</term></hi> ablegen. Wenn wir die <term type="Sachen" key="Versuchung">Versuchungen</term> wirklich erkennen, jeder die Seinige, dann können wir <pb xml:id="p315" ed="pga"/> nicht selbstbewusst bleiben, können nicht stolz und froh sagen: damit will ich schon fertig werden. Sondern gerade weil wir es in den Versuchungen mit Gott selbst zu tun haben, gerade deshalb müssen wir uns in solchen Erfahrungen hüten vor seiner <term type="Sachen" key="Gott, Majestät">Majestät</term> mit der Bitte: O Herr, lass uns nicht sterben! [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Hab.1.12">Hab. 1,12</ref>] Denn das <term type="Sachen" key="Selbstvertrauen, Nähe zur Selbsttäuschung">Selbstvertrauen</term> hängt mit der Selbsttäuschung, von der wir vorhin sprachen, gar eng zusammen. Solange wir noch meinen, selbst fertig werden zu können, solange glauben wir noch an unsre «starken Seiten», solange sind wir gerade den größten und Hauptversuchungen unsres <term type="Sachen" key="Versuchung, die schwersten V. liegen bei unseren Stärken">Lebens</term> gegenüber nicht wachsam. Umgekehrt: wenn wir misstrauisch werden gegen uns selbst, dann gehen uns die Augen auf über die Größe der Aufgabe, dann nehmen wir unsre Lage ernst. Damit, dass wir so schwach und klein werden, werden wir fähig, uns nach Gott auszustrecken. Das Schwachwerden ist gerade das, was wir nötig haben; denn gerade darin und nur darin liegt die Kraft, die es zur Überwindung der <term type="Sachen" key="Versuchung, im Schwachwerden liegt die Kraft zu ihrer Überwindung">Versuchung</term> braucht. Wer sich schwach fühlt, der wird sich gerade darum zusammennehmen. Wir brauchen es förmlich, dass wir zur Erkenntnis unsrer Schwachheit geführt werden. Und das bekennen wir, indem wir Gott anrufen: <hi rend="italic">Führe uns nicht in Versuchung!</hi></p>
                <p>Aber damit wird dann dies Gebet auch sofort zu einem unerschöpflichen <term type="Sachen" key="Unser Vater, unerschöpflicher Kraftgewinn"><hi rend="italic">Kraftgewinn</hi></term>. Wenn wir schwach sind, sind wir stark [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="2.Kor.12.10">2.Kor. 12,10</ref>]. Was ist es denn Anderes, denn ein Anrufen der <hi rend="italic">Treue</hi>
                    <term type="Sachen" key="Gott, Treue">Gottes</term>! Wir wissen von ihm Beides, dass er uns als seine gehorsamen Kinder zu sich ziehen will und dass er uns Versuchungen schickt, die uns von diesem <term type="Sachen" key="Gehorsam, gegen Gott">Gehorsam</term> abzulenken drohen. Wir wissen Beides. Und wir wissen Beides nicht recht zu vereinigen. Wir stehen hier vor dem großen <term type="Sachen" key="Welträtsel">Welträtsel</term>, dass Gott uns mit der einen Hand zu nehmen scheint, was er uns mit der andern gibt, oder dass er mit der einen Hand <term type="Sachen" key="Gesetz, Gottes">Gesetze</term> schreibt und mit der andern uns in Lagen führt, wo wir fast sicher uns nicht nur versuchen, sondern verführen lassen zur Übertretung dieser Gesetze. So musste es wenigstens den alttestamentlichen Frommen erscheinen, die das Antlitz Gottes nur verhüllt kannten, nicht so, wie es uns erschienen ist im Antlitz Jesu Christi [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="2.Kor.3.12 2.Kor.3.18">2.Kor. 3,12–18</ref>]. So wird uns die Sache immer vorkommen, wenn wir sie überdenken rein nach den Angaben unsrer <term type="Sachen" key="Vernunft">Vernunft</term>, ohne an Jesus, sein <term type="Sachen" key="Jesus Christus, Jesus von Nazareth">Leben</term> und Sterben zu denken. Gottes beide Hände scheinen dann hoffnungslos zu streiten. – |</p>
                    <p><pb xml:id="p316" ed="pga" rend="noPipe"/>Aber nun haben wir eben das Bild Jesu vor Augen, der gelitten hat und versucht worden ist wie wir und eben darum denen helfen kann, die versucht werden. Es ist das Bild eines <term type="Sachen" key="Jesus Christus, Sieger in der Versuchung">Siegers</term> in der Versuchung von dem Erlebnis in der Wüste bis zu <placeName ref="kbga-places-864">Gethsemane</placeName> und <placeName ref="kbga-places-405">Golgatha</placeName>. Gerade wenn wir unsre eigene Schwachheit erkannt, leuchtet uns seine Größe ein. Und <hi rend="italic">jetzt</hi> gewinnen wir Kraft in dem Gebet: <hi rend="italic">Führe uns nicht in Versuchung!</hi> Denn das Bild Jesu verändert uns jenes zwiespältige Bild Gottes. Nein, das ist unmöglich, dass Gott uns so mit der einen Hand zu sich zöge und mit der andern von sich stieße. Er will uns zu sich ziehen und er will nur das! Das sagt uns Jesu Freundlichkeit zu den <term type="Sachen" key="Jesus Christus, Freundlichkeit zu den Menschen">Menschen</term> und Jesu <term type="Sachen" key="Jesus Christus, Vertrauen zu seinem himmlischen Vater">Vertrauen</term> zu seinem himmlischen Vater aufs Allerbestimmteste. Gott ist getreu!<note xml:id="n07">Titel eines Liedes von <persName ref="kbga-actors-1379">E. Liebich</persName>, der zu Beginn jeder der neun Strophen wieder aufgenommen wird (<bibl type="song" corresp="kbga-songs-140">GERS 278; RG 689 [5 Strophen]</bibl>).</note> Aber das andre, was das Bild Jesu uns sagt, ist, dass Gottes <term type="Sachen" key="Gott, Treue">Treue</term> uns den Weg der <term type="Sachen" key="Versuchung">Versuchung</term> und des <term type="Sachen" key="Kreuz / Kreuzestod">Kreuzes</term> führt und dass wir diesen Weg gehen müssen und dürfen, weil es der Gottesweg ist. <hi rend="italic">Führe uns nicht in Versuchung!</hi> beten wir auf diesem Weg. Lass deine Treue hervorleuchten aus den dunkeln Wolken! Stelle uns Fragen, die wir beantworten können! Lass uns nicht in die Irre gehen. <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> hat diese Treue Gottes, an die wir uns wenden, gut erläutert, als er geschrieben hat: «Gott ist getreu, der Euch nicht lässet versuchen über euer Vermögen, sondern machet, dass die Versuchung so ein Ende gewinne, dass ihrs könnt ertragen» [<ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.10.13">1.Kor. 10,13</ref><note xml:id="n08">In der Fassung der von <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> benutzten <bibl corresp="kbga-bibls-2492">revidierten Ausgabe der Luther-Übersetzung von 1892</bibl>; in neueren Ausgaben findet sich eine modernisierte Textfassung.</note>]. Gott hat uns in Jesus dieses Ende der <term type="Sachen" key="Jesus Christus, Ende der Versuchung">Versuchung</term> geschenkt. Wo sein Geist ist, da steht man nicht mehr schläfrig und hilflos vor den Gottesfragen der <term type="Sachen" key="Versuchung, Frage Gottes an uns">Versuchung</term>, sondern man hat helle und klare Antworten zur Hand, die einem in Fleisch und Blut übergehen, je besser man sie verstehen lernt. Auf die Versuchungen des <term type="Sachen" key="Versuchung, durch Geldverdienen">Geldes</term> antwortet man dann: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein [<ref type="can" subtype="bible" target="Mt.4.4">Mt. 4,4</ref>; <ref type="can" subtype="bible" target="Lk.4.4">Lk. 4,4</ref>]! Auf die Versuchungen der <term type="Sachen" key="Versuchung, durch natürliche Triebe">Sinnlichkeit</term>: Du sollst anbeten Gott, deinen Herrn, und ihm allein dienen [<ref type="can" subtype="bible" target="Mt.4.10">Mt. 4,10</ref>; <ref type="can" subtype="bible" target="Lk.4.8">Lk. 4,8</ref>]! Auf die Versuchungen durch andre <term type="Sachen" key="Versuchung, durch andere Menschen">Menschen</term>: Hebe dich weg, du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.16.23">Mt. 16,23</ref>]! Und wenn die Versuchung uns bis ans Herz greift, halten wir uns <pb xml:id="p317" ed="pga"/> daran, dass nicht unser, sondern Gottes <term type="Sachen" key="Gott, Wille Gottes">Wille</term> geschehen muss [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Lk.22.42">Lk. 22,42</ref>]. Das ist der Geist Jesu im Kampf der Versuchung. Wo er ist, da kann man die Versuchung ertragen. Da gewinnt sie ein Ende. Und wenn das Ende da ist, sehen wir, dass Gott uns damit nicht hat plagen, sondern uns hat weiterhelfen wollen. Er legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch [<ref type="can" subtype="bible" target="Ps.68.20">Ps. 68,20</ref>]. Er führt uns nicht in Versuchung, sondern er lässt uns die <term type="Sachen" key="Versuchung">Versuchung</term> überwinden.</p>
                </div>
                <div type="closer">
                <salute>Amen.</salute>
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</TEI>
