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        <title type="volume" n="vol-51">Predigten 1911</title>
        <title type="content">Predigt: Matthäus 6,12</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: Predigt: Matthäus 6,12, 24. September 1911</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/51026 (Stand: 25. August 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Predigten 1911, hrsg. v. Busch, Eberhard / Busch-Blum, Beate (Gesamtausgabe, Abt. I), Zürich 2015, S. 298–307.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Predigten 1911</title>
          <title type="text">Predigt: Matthäus 6,12</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Busch, Eberhard</editor>
          <editor>Busch-Blum, Beate</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2015</date>
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        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Barth, Karl, Predigt: Mt 6,12, 24. September 1911. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/1522">KBA 1057</ref>. </bibl>
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                        <placeName ref="kbga-places-54">Safenwil</placeName>, <date when="1911-09-24">Sonntag, den 24. September 1911</date> 
                        <lb/>(15. nach Trinitatis)
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                    <epigraph>
                        <cit>
                        <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.6.12">Matthäus 6,12</ref>
                            <quote>
                                Vergib uns unsre Schulden, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
                            </quote>
                        </cit>
                    </epigraph>
                <salute>Liebe Freunde!</salute>
                </div>
                <div type="main">
                <p> An der Bitte des Unser <term type="Sachen" key="Unser Vater">Vaters</term>, die uns heute vorliegt, können wir besonders deutlich wahrnehmen, was <term type="Sachen" key="Beten"><hi rend="italic">beten</hi></term> heißt. Wir haben es schon bei unsern bisherigen Auslegungen gesehen: Beten ist niemals bloß ein Reden mit Gott. Das wäre ein ganz überflüssiges und schädliches Tun. Überflüssig, weil <term type="Sachen" key="Gott, braucht unser Reden nicht">Gott</term> unser Reden nicht braucht, schädlich, weil wir dann meinen könnten, das sei’s, was <hi rend="italic">wir</hi> brauchten, dass wir mit Gott reden. <term type="Sachen" key="Beten, Reden mit Gott und mit sich selbst">Beten</term> ist ein Reden mit Gott und ein Reden mit sich selber. Bei Gott suchen wir <term type="Sachen" key="Kraft">Kraft</term> und <term type="Sachen" key="Trost">Trost</term> und <term type="Sachen" key="Ernsthaftigkeit">Ernst</term> fürs <term type="Sachen" key="Leben">Leben</term>, und bei uns selber machen wir <term type="Sachen" key="Ordnung, bei uns selbst">Ordnung</term>, damit unser Leben so aussehe, wie es einem Menschen zukommt, der jene Dinge bei Gott gesucht und gefunden hat. Wir können nicht zu Gott beten und uns selber stehen lassen, wie wir sind. Sondern das rechte Beten hat immer eine Seite gegen uns zu, und da geschieht auch etwas nicht nur auf der Seite gegen Gott zu, und nur wo das Beten in solcher Weise <term type="Sachen" key="Beten, Reden mit Gott und mit sich selbst">doppelseitig</term> ist, ist es <hi rend="italic">rechtes</hi>
                    <term type="Sachen" key="Beten, rechtes B. dient zur Ehre Gottes und zu unserer Erbauung">Beten</term>, das zur Ehre Gottes dient und zu unsrer Erbauung. Wir können nicht beten: Dein Reich komme! [<ref type="can" subtype="bible" target="Mt.6.10">Mt. 6,10a</ref>], ohne zugleich mit allen Kräften am Kommen dieses <term type="Sachen" key="Reich Gottes, Mitarbeit an seinem Kommen">Reichs</term> mitzuarbeiten. Wir können nicht beten: Dein Wille geschehe! [<ref type="can" subtype="bible" target="Mt.6.10">Mt. 6,10b</ref>], ohne von ganzem freudigem Herzen Gottes <term type="Sachen" key="Gott, Wille Gottes">Willen</term> bei uns und durch uns geschehen zu lassen. Wir können nicht beten: Gib uns unser täglich Brot! [<ref type="can" subtype="bible" target="Mt.6.11">Mt. 6,11</ref>], ohne dass wir durch ruhige, treue, selbstlose <term type="Sachen" key="Arbeit">Arbeit</term> zeigen, dass wir unser täglich Brot wirklich aus der Hand Gottes empfangen.</p>
                <p> Diese Art des rechten <term type="Sachen" key="Beten, Reden mit Gott und mit sich selbst">Betens</term> kann uns an der heutigen Bitte besonders anschaulich werden. <hi rend="italic">Vergib uns unsre Schulden!</hi> reden wir Gott an. <hi rend="italic">Wie auch wir vergeben unsern Schuldigern!</hi> das sagen wir <hi rend="italic">ja</hi> nicht zu Gott, als wollten wir ihm den Grund vorhalten, weshalb er uns vergeben müsse, sondern das sagen wir zu uns selbst. Es ist, als ob <pb xml:id="p299" ed="pga"/> wir uns damit erinnern würden: Merk wohl auf, was du eben gebetet hast: vergib uns unsre Schulden! Wenn es dir ernst ist mit diesem <term type="Sachen" key="Gebet">Gebet</term>, dann muss man das jetzt daran erkennen, dass du deinen Schuldigern auch vergibst. Nimmt man davon nichts wahr, so ist es das Zeichen, dass dein Gebet zu Gott <hi rend="italic">kein</hi> Gebet war, sondern ein törichtes Geplapper in die Luft hinaus. Was du bei Gott suchst, das musst du <hi rend="italic">selbst</hi> suchen. Die <term type="Sachen" key="Vergebung">Vergebung</term>, die du von ihm verlangst, muss für deine <term type="Sachen" key="Seele">Seele</term> nicht ein bloßes Wort sein, sondern eine Tatsache. Du musst <hi rend="italic">von Herzen</hi> beten, und dies <hi rend="italic">von Herzen</hi> bedeutet, dass das, was du von Gott erbittest, in deinem Herzen geschieht: die Vergebung der Schulden.</p>
                <p>Aber das sind nun Alles schwere und große Worte, die wir in dieser Bitte aussprechen. Von Gottes Vergebung ist da die Rede, von unsern Schulden vor Gott, von unsern Schuldigern und von unserm <term type="Sachen" key="Vergebung">Vergeben</term>. Das sind Alles Dinge, die nichts weniger als selbstverständlich sind, und wir müssen wohl heute besonders gut nachdenken, wenn wir ein wenig in die Tiefe des Wortes eindringen wollen.</p>
                <ab rend="center">*   *   *</ab>
                <p rend="noindent">Wir wollen den Anfang machen mit dem Wörtlein in der Bitte, das uns allen am Nächsten liegt und das wir deshalb am Ehesten verstehen werden, das Wörtlein: <hi rend="italic">unsere <term type="Sachen" key="Schuldiger">Schuldiger</term></hi>. Leute, denen wir etwas vorzuhalten haben, mit denen wir nicht zufrieden sind, gegen die wir vielleicht sogar schwere Klage im Herzen oder auf den Lippen haben, das sind «unsre Schuldiger». Jedermann hat solche Schuldiger. Und ihr wisst, wie gern wir uns innerlich mit diesen Leuten beschäftigen, wie gern wir von ihnen, über sie reden, obwohl sie uns so unangenehm sind, dass es eigentlich viel das Natürlichere wäre, uns nicht weiter mit ihnen zu beschäftigen. Aber nein, es ist, wie wenn ein geheimes Band uns mit ihnen verbände, dass wir nicht von ihnen loskommen, dass wir immer wieder daran denken, jedem neuen Bekannten davon erzählen müssen, wie es damals war vor so und so viel Jahren, als dieser oder jener uns dies und das gesagt oder angetan hat. Zwischen einem, der Geld schuldig ist, und seinem Gläubiger besteht auch ein solches geheimes Band. Der Gläubiger wird sich immer für den Andern interessieren. Warum? etwas vom Seinigen ist in den Händen des An<pb xml:id="p300" ed="pga" break="no"/>dern, und selbst wenn die Rückzahlung aussichtslos geworden ist, wird der Gedanke an den Schuldner nicht aus seinem Herzen verschwinden. Wenn er seinen Namen nennen hört, wird es ihn aufregen, wenn er ihm auf der Straße begegnet, wird ein Schatten über sein Gesicht gehen, und wenn der Andre vielleicht längst tot ist, brummt und klagt es noch in seinem Herzen: der war mir schuldig und hat seine <term type="Sachen" key="Schuld">Schuld</term> nie bezahlt. Es ist ein feiner Zug, dass Jesus solche Menschen, mit denen wir nicht zufrieden sind, gerade «Schuldiger» nennt, wie wir es in Geldsachen tun. <term type="Sachen" key="Schuldiger">Schuldiger</term> will auch sagen, dass diese Leute uns etwas schuldig gewesen waren, dass sie aber ihre Schuldigkeit an uns nicht erfüllt haben. Da sind solche, die waren uns als unsre <term type="Sachen" key="Schuldiger, unsere Mitmenschen">Mitmenschen</term> mindestens schuldig gewesen, uns ruhig und sicher <hi rend="italic">leben zu lassen</hi>, aber sie haben nicht einmal das getan; sie haben uns durch kurz und lang das Wasser abgegraben, das wir nötig hatten; sie haben den Gang unsres Lebens roh gestört durch ihre Ungeschicklichkeit oder ihre <term type="Sachen" key="Bosheit">Bosheit</term>, sie haben uns geschädigt an unserm Vermögen oder an unserm guten Ruf. Wir denken [bei] ihnen daran. Sie haben uns ihre doch wahrhaftig kleine Schuld nicht bezahlt. – |</p>
                <p>Da sind Andre, von denen hätten wir mehr erwarten dürfen, sie wären uns schuldig gewesen beizutragen zum <term type="Sachen" key="Glück, Lebensglück"><hi rend="italic">Glück</hi></term> unsres Lebens. Wer uns nahe steht oder nahe tritt, von dem dürfen wir mit Recht erwarten, dass er uns <term type="Sachen" key="Freude">Freude</term> und Sonnenschein ins <term type="Sachen" key="Leben">Leben</term> bringt. Das kleine Kind, das noch keine Enttäuschungen erlebt hat, hat eigentlich vollständig Recht, wenn es alle Leute so ansieht, als könnten sie gar keine andern Absichten haben als die, ihm Liebes und <term type="Sachen" key="Gutes / das Gute">Gutes</term> zu erweisen. Aber wie bleiben da die meisten Menschen zurück hinter dem, was wir von ihnen erwarten! Wir müssen merken, dass sie kalt ihren eigenen Weg gehen, ohne sich um das, was uns freuen würde, Gedanken zu machen, ja dass sie, wenn es darauf ankommt, unbedenklich uns die Freude verderben und unser Glück zertreten. Sie haben ihre Schuld nicht bezahlt. – |</p>
                    <p> Aber das <term type="Sachen" key="Glück, Lebensglück">Lebensglück</term> und die <term type="Sachen" key="Freude">Freude</term> ist nicht das Höchste, und es gibt eine noch größere <term type="Sachen" key="Schuld">Schuld</term> als diese. Es gibt Menschen, die wären uns schuldig, für unser inneres, <hi rend="italic">geistiges <term type="Sachen" key="Dasein, geistiges">Dasein</term></hi> zu sorgen; wir erwarten von ihnen nicht nur Freude, sondern ein großes Gut von geistigen Kräften. Sie sollen uns von einer niedern Stufe unsrer <term type="Sachen" key="Erkenntnis">Erkenntnis</term>, unsrer <term type="Sachen" key="Bildung">Bildung</term>, unsres <term type="Sachen" key="Glaube">Glaubens</term> auf eine höhere führen. Sie <pb xml:id="p301" ed="pga"/> sollten uns verschlossene Türen auftun, sie sollen uns Führer sein auf die Berge des Lebens und Pfadfinder im Lande Gottes. Und nun erfüllen sie von alledem wenig oder nichts. Wir müssen entdecken, dass sie noch nicht weiter sind als wir selbst, vielleicht weniger weit, dass sie das Gut nicht besitzen, nach dem wir uns sehnen, oder dass sie nicht vermögen, es uns mitzuteilen. Wie manches Kind hat da zu Eltern und Lehrern aufgesehen als zu den Leuten, von denen es <hi rend="italic">Alles</hi> erwartete an <term type="Sachen" key="Liebe">Liebe</term> und <term type="Sachen" key="Wahrheit">Wahrheit</term> und <term type="Sachen" key="Recht">Recht</term>, um seinen Geist und sein Herz zu nähren, aber die Nahrung ist ausgeblieben. Wie manche Frau hat ihren Mann verehrt (oder umgekehrt)<note xml:id="n01">Im <ref corresp="A">Mskr.</ref> nicht eingeklammert.</note> als ein <term type="Sachen" key="Ideal">Ideal</term> von menschlicher Trefflichkeit, und das Ideal hat sich als eine Durchschnittsgestalt entpuppt, die <term type="Sachen" key="Ehe">Ehe</term> wurde nicht der Himmel, von dem das Eine oder das Andre geträumt hatte. Und wie manche <term type="Sachen" key="Gemeinde">Gemeinde</term> hat in ihrem <term type="Sachen" key="Pfarrer">Pfarrer</term> einen Boten <term type="Sachen" key="Pfarrer, Bote Gottes">Gottes</term> gesucht, einen <term type="Sachen" key="Pfarrer, Hirte">Hirten</term> und <term type="Sachen" key="Pfarrer, Seelsorge">Seelsorger</term> und <term type="Sachen" key="Pfarrer, Helfer">Helfer</term>, und als sie ihn näher kennenlernte, fehlte es hier und fehlte es da, am <term type="Sachen" key="Glaube">Glauben</term> oder an der <term type="Sachen" key="Liebe">Liebe</term> oder an der <term type="Sachen" key="Hoffnung">Hoffnung</term> [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.13.13">1.Kor. 13,13</ref>], er kann ihr nicht sein, was er sein sollte; er bleibt ihr schuldig, was er für sie tun sollte. Ich bekam dieser Tage einen Brief, in dem die Worte vorkommen: «wir müssen an unsre Pfarrer glauben können.»<note xml:id="n02">Liegt im <orgName ref="kbga-actors-8253">KBA</orgName> nicht vor.</note> Heißt das nicht, dass wir Pfarrer immer und ewig die Schuldiger der <term type="Sachen" key="Pfarrer, Schuldiger der Anderen">Andern</term> bleiben werden, denn wo ist der, an den die Andern ohne Enttäuschung «glauben» könnten? Ja, es ist so in allen Beziehungen: jeder Mensch hat unendlich viele <term type="Sachen" key="Schuldiger">«Schuldiger»</term>, Leute, durch die er in diesem oder jenem Sinn enttäuscht und verkürzt worden ist. Und es bringt mancher sein Leben damit zu, sich über diese seine Schuldner zu beschweren.</p>
                <p> Das Gebet <term type="Sachen" key="Unser Vater">Jesu</term> zeigt uns nun gerade aus dieser Lage, in der wir Alle uns befinden, einen andern Weg. Die Bitte: Vergib uns unsre Schulden, die wir an Gott richten, hat eine Seite gegen uns zu, und die lautet: wie wir <hi rend="italic">vergeben</hi> unsern Schuldigern. Wir wollen zuerst auf diese Seite gegen uns zu achtgeben. Wir sollen denen, die uns Ruhe, Freude und Förderung in unserm Leben schuldig geblieben sind, <term type="Sachen" key="Vergebung"><hi rend="italic">vergeben</hi></term><hi rend="italic">,</hi> diese Aufforderung an uns selbst sprechen wir im Gebet des Herrn aus. Was heißt nun dieses Wort, das in der Sprache des religiösen Lebens so <pb xml:id="p302" ed="pga"/> wichtig ist, dieses <hi rend="italic">vergeben</hi>? Man hat es oft mit dem andern Wort <term type="Sachen" key="Vergessen">«vergessen»</term> zusammengestellt, redet von «vergeben und <term type="Sachen" key="Vergebung, und Vergessen">vergessen»</term> und denkt sich wohl, Beides sei eins und dasselbe. Das mag nun wohl sein, dass unser Vergeben oft einfach im Vergessen besteht, aber dann kommt das eben daher, dass wir oft sehr oberflächlich sind, denn das Vergessen ist etwas <term type="Sachen" key="Vergessen, etwas Oberflächliches und Gemeines">Oberflächliches</term>, fast könnte man sagen: etwas Gemeines. Es ist fatal genug, dass wir durch Trägheit und <term type="Sachen" key="Gleichgültigkeit, unseres Geistes">Gleichgiltigkeit</term> unsres Geistes so viel vergessen im Leben; wir würden uns nicht so innerlich arm fühlen, wie es oft der Fall ist, wenn wir nicht fünf Sechstel von Allem, was wir hören, sehen, empfinden und erleben, wieder vergessen würden. Jesus hat dem jedenfalls nicht das Wort reden wollen. Vollends könnte er nicht der Meinung gewesen sein, wir sollten unsre <term type="Sachen" key="Schuldiger">Schuldiger</term>, die doch auch unsre <term type="Sachen" key="Schuldiger, unsere Mitmenschen">Mitmenschen</term> sind, vergessen. Das könnte uns am Ende noch passen. Es ist schon Mancher, wenn ihn die Menschen so oder so enttäuscht haben, vergrämt abseits gegangen, indem er etwa vor sich hin brummelte: Man het mirs au wüest gmacht, jetz frog ich Niemeren me nüt no!<note xml:id="n03">Schweizerdeutsch für: «Man hat mir auch Böses getan, jetzt geht mich niemand mehr etwas an!»</note> Das wäre denn nur so <term type="Sachen" key="Vergessen">«Vergessen»</term>, wenn man die böse <term type="Sachen" key="Welt, böse">Welt</term> damit bestraft, dass man ihr nichts mehr nachfragt. So ziehen sich etwa enttäuschte <term type="Sachen" key="Ehe">Eheleute</term> voreinander ins Schneckenhaus zurück, so straft man einen <term type="Sachen" key="Pfarrer">Pfarrer</term>, der einen enttäuscht hat, damit, dass man ihm aus dem Wege geht. So lassen Kinder, die eine freudlose Jugend erlebt, ihre Eltern später oft jahrelang ohne Nachricht. Man hilft sich gegen seine Schuldiger durch Vergessen. Ich sage: das könnte uns passen. Aber <term type="Sachen" key="Vergebung"><hi rend="italic">Vergeben</hi></term> ist das nicht. |</p>
                <p>Im Gegenteil: wir müssen uns klar sein, dass wir schon mit der <term type="Sachen" key="Gleichgültigkeit, gegen unsere Schuldiger">Gleichgiltigkeit</term> gegen unsre Schuldiger, geschweige denn mit jeder Art handfesterer Rache an ihnen, <hi rend="italic">selbst ihr Schuldiger</hi> werden. Damit, dass <hi rend="italic">sie uns</hi>
                    <term type="Sachen" key="Liebe">Liebe</term>, <term type="Sachen" key="Freude">Freude</term>, Förderung schuldig geblieben sind, wird nicht aufgehoben, dass <hi rend="italic">wir ihnen</hi> dieselben Dinge schuldig sind. Sie sind unsre <term type="Sachen" key="Schuldiger, unsere Mitmenschen">Mitmenschen</term> so gut wie wir die ihren. Sie mögen an uns verfehlt haben, was sie wollen, es hebt nicht auf, dass wir ihnen verpflichtet sind. Sind wir gleichgiltig gegen sie, so heißt das doch, dass wir ihnen das Gute nicht zuteilwerden lassen wollen, das wir ihnen als <pb xml:id="p303" ed="pga"/> unsern Mitmenschen schuldig sind. <term type="Sachen" key="Vergessen, heißt schuldig werden">Vergessen</term> hieße direkt selbst schuldig werden. <term type="Sachen" key="Vergebung, und Vergessen">Vergeben</term> ist nicht Vergessen. Vergessen ist immer eine <term type="Sachen" key="Vergessen, Leichtfertigkeit">Leichtfertigkeit</term>. Das <term type="Sachen" key="Vergebung, etwas tief Ernsthaftes">Vergeben</term> dagegen ist etwas tief Ernsthaftes. Es fängt an mit der <term type="Sachen" key="Wahrhaftigkeit">Wahrhaftigkeit</term>, mit der ruhigen, bestimmten Einsicht, dass der Andre wirklich gefehlt hat, dass die <term type="Sachen" key="Schuld">Schuld</term> tatsächlich da ist. Wer einem Andern eine Geldschuld erlässt, der anerkennt damit auch vor Allem, dass die Schuld wirklich besteht, sonst könnte man sie nicht erlassen. Es wäre ein Leichtsinn gegen uns selbst, würden wir es anders machen. Denn die Schuld des Andern ist ein Verlust, den er mir zugefügt hat, und diesen Verlust würde nur ein Unweiser vergessen. Und es wäre auch eine <term type="Sachen" key="Vergessen, Lieblosigkeit">Lieblosigkeit</term> gegen den Andern. Denn wenn er in Schuld und Fehler ist mir gegenüber, dann ist das das Zeichen, dass ihm selbst etwas fehlt, dass es bei ihm nicht steht, wie es sollte; darüber darf ich nicht hinwegsehen, ich <hi rend="italic">muss</hi> vielmehr festhalten, dass es bei ihm fehlt. |</p>
                <p> Und nun besteht das große <term type="Sachen" key="Vergebung">Vergeben</term>, von dem Jesus geredet und das er während seines ganzen <term type="Sachen" key="Jesus Christus, Jesus von Nazareth">Lebens</term> geübt hat, gerade darin, dass wir in Gedanken zu unsern <term type="Sachen" key="Schuldiger">Schuldigern</term> sagen: Du armer Mensch, du hast mir deine Schuld nicht bezahlt. Du hast mich gestört in meinem Leben. Du hast nicht daran gedacht, mich glücklich zu machen. Ich bin durch dich nicht besser und reiner geworden. Du armer Mensch, es muss schlimm mit dir stehen. Der Schaden auf deiner Seite muss viel größer sein, als den du mir angerichtet hast; denn <term type="Sachen" key="Unrecht, U. tun ist der größere Schaden als U. erleiden">Unrechttun</term> ist der größere Schaden als <term type="Sachen" key="Unrecht">Unrecht</term> leiden. Du armer Mensch, ich will jetzt gar nicht mehr an deine <term type="Sachen" key="Schuld">Schuld</term> denken, ich sehe nur, dass du in großem Schaden bist und dass es jetzt sofort <hi rend="italic">meine</hi> Schuldigkeit ist, <hi rend="italic">dir</hi> aus diesem Schaden herauszuhelfen. Die <term type="Sachen" key="Vergebung, Umkehrung aller unserer Begriffe">Vergebung</term> ist die Umkehrung von allen unsern Begriffen. Bevor wir vergeben, betrachten wir immer nur den Verdruss und die Not, in die uns unser <term type="Sachen" key="Schuldiger">Schuldiger</term> versetzt hat. Unsre Gedanken bleiben bei unsrer eigenen Person. Es können das Gedanken der gerechtesten Entrüstung sein über den Andern. Und doch sind es noch keine göttlichen Gedanken. Göttlich werden unsre Gedanken erst, wenn sie die Not bei dem finden, der uns in Not gebracht, den Schmerz bei dem, der uns quälte, die Schmach bei dem, der uns verhöhnte, wenn wir den Jammer entdecken, in dem nicht wir selbst, sondern unser Schuldiger drin steckt, und wenn wir nun sofort das Bedürfnis verspüren: der muss aus sei<pb xml:id="p304" ed="pga" break="no"/>nem Elend heraus. Das heißt <term type="Sachen" key="Vergebung"><hi rend="italic">Vergeben</hi></term>: Wenn Einer an mir gefehlt hat, dann muss ich erst recht meine Schuldigkeit an ihm tun, eben weil er gefehlt hat, hat er’s bitter nötig. Ich wiederhole: Das ist eine Umkehrung von <hi rend="italic">allen</hi> unsern <term type="Sachen" key="Vergebung, Umkehrung aller unserer Begriffe">Begriffen</term>. In 99 von 100 Fällen handeln und denken wir nicht so. Ums <term type="Sachen" key="Vergessen">Vergessen</term> wär es uns zu Mut, vielleicht, aber nicht ums Vergeben. Es ist etwas Ungeheuerliches, was uns damit zugemutet wird. Wir sollen Feindseligkeit beantworten mit Freundlichkeit, Kälte mit Wärme, Lieblosigkeit mit <term type="Sachen" key="Liebe">Liebe</term>, ungenügende innere Kraft mit umso größerer Anstrengung unsres Geistes. Jedes Mal gerade das Gegenteil von dem, wozu uns das natürliche Empfinden hinreißen möchte. Ungeheuerlich. |</p>
                <p> Jawohl! Und doch ist’s gerade das, was wir zum <term type="Sachen" key="Vergebung, zum Leben unumgänglich nötig">Leben</term> unumgänglich nötig haben. Wir können nicht leben ohne zu vergeben. Wir sind umgeben von Schuldigern, von Menschen, die uns unendlich viel mehr sein sollten, als sie es tun. Sie sind es nicht, aus Schwäche, aus Unverstand, aus falscher <term type="Sachen" key="Erziehung, falsche">Erziehung</term>, aus <term type="Sachen" key="Bosheit">Bosheit</term> – das Alles sind Fehler auf <hi rend="italic">ihrer</hi> Seite, das Leben vor uns her wimmelt von solchen Nöten und Fehlern. Ja, wozu sind wir denn da, wenn nicht dazu, solchen Nöten und Fehlern im Leben an unserm kleinen Teil abzuhelfen? Wozu sind wir nötig, wenn nicht die Not der Andern, unter der wir zu leiden haben, bei uns eine Kraft zum Bessermachen wird? Wir erfüllen unsre Bestimmung im <term type="Sachen" key="Vergebung, Erfüllung der Bestimmung des Lebens">Leben</term>, indem wir unsern <term type="Sachen" key="Schuldiger">Schuldigern</term> vergeben, d. h. indem wir ihnen entgegentreten mit dem festen Willen, nicht an uns zu denken, sondern an sie, an die tiefe Not, in der sie sich befinden, und mit dem festen Willen, dieser Not zu begegnen. So müssen Eltern die Not auf sich nehmen, die ihnen die Fehler der Kinder verursachen, ohne ihnen gram zu sein. So vergibt ein Freund dem Andern seine Schulden, so geht es zu zwischen den Gatten in einer rechten <term type="Sachen" key="Ehe">Ehe</term>, eines trägt des Andern Schuld, um ihm zu helfen. Was für eine Macht könnte sie sein, unsre Vergebung, wenn wir sie frei walten ließen, statt sie zu unterdrücken in den meisten Fällen. Ein <term type="Sachen" key="Vergebung, Lebensprogramm">Lebensprogramm</term> liegt in diesem Wort: wie wir vergeben unsern Schuldigern! Jeden Tag könnten wir nur anfangen mit seiner Ausführung und doch nie damit fertig werden. Immer neue Schuldiger könnten wir entdecken, denen wir etwas zu vergeben, etwas zu <hi rend="italic">geben</hi> haben.</p>
                <p><pb xml:id="p305" ed="pga" rend="noPipe"/>Aber nun brauchen wir das bloß so zu sagen und uns zu fragen, wie wir’s bis jetzt mit der Ausführung dieses Programms gehalten haben, dann verstehen wir das Andre, das vorausgeht, die Bitte: <hi rend="italic">Vergib uns unsre Schulden</hi>! Wir haben nicht bloß <term type="Sachen" key="Schuldiger">Schuldiger</term>, sondern wir <hi rend="italic">sind</hi> es selbst. Um uns davon zu überzeugen, müssen wir vielleicht nur einmal das Erste mit Überlegung aussprechen: <hi rend="italic">wie wir vergeben unsern Schuldigern</hi>. Das wäre unser <term type="Sachen" key="Vergebung, Lebensprogramm">Lebensprogramm</term>: an den Andern denken, seine Not verstehen, ihm helfen. Und da bleiben wir so erbärmlich dahinter zurück. Wie unendlich ungern raffen wir uns dazu auf, <hi rend="italic">an den Andern zu denken</hi>, an den, der uns gegenüber gefehlt hat. Ja, <hi rend="italic">an</hi> ihn denken wir, wie wir am Anfang gesagt, aber wir denken nicht <hi rend="italic">für</hi> ihn, wir betrachten ihn von vornherein unter dem Gesichtspunkt unsres Interesses, statt uns zu fragen: wie geht es im Grunde diesem Mann oder dieser Frau? Sind sie auf gutem Weg oder in der tiefen Not? Wie mancher langjährige Streit wäre im Keime erstickt, wenn nur eine der Parteien sich zur Pflicht gemacht hätte, für die Andern zu denken. Aber wir haben es unterlassen und sind selbst schuldig geworden, schuldig vor <term type="Sachen" key="Mensch, schuldig vor Gott">Gott</term>, der uns das <term type="Sachen" key="Vergebung, von Gott zur Pflicht gemacht">Vergeben</term> zur Pflicht gemacht. Die Not des Andern <hi rend="italic">verstehen</hi>, darauf käme es weiter an, begreifen, dass der, der uns schädigt, selbst ein armer geschädigter Mann ist. Aber wo bleiben wir damit? |</p>
                <p>Ich habe letzthin die Aufsätze gelesen, die eine hiesige Schulklasse angefertigt hat über das Thema: «Die <term type="Sachen" key="Zigeuner">Zigeuner»</term>. Ich muss sagen, dass ich geradezu erschrocken bin über den harten, selbstgerechten Geist, der mich aus den meisten dieser Kinderaufsätze angeweht hat. Da waren unzählige Worte der Entrüstung über das Vagabundieren und Stehlen der Zigeuner, aber auch kaum ein Tönlein Verständnis dafür, dass diese Leute mit ihrem unerfreulichen Leben tief zu bedauern sind. Nur von der Not, die die <term type="Sachen" key="Zigeuner">Zigeuner</term> den Safenwilern machen, war die Rede, sonst von nichts. Was die Kinder geschrieben, das wird wohl auch den Erwachsenen nicht fremd sein. Was sollen wir dazu sagen? Herr, vergib uns unsre <term type="Sachen" key="Schuld">Schulden</term>, denn wir haben unsern <term type="Sachen" key="Schuldiger">Schuldigern</term> nicht vergeben! Und wie steht’s mit dem <hi rend="italic">Helfen</hi>? Ist die Hilfe unsre Antwort auf die Not, die man uns verursacht, oder ist’s nicht in den meisten Fällen die feinere oder grobere Rache? Wir sind so gerecht in dem stolzen Bewusstsein, verletzt zu sein von den Andern, dass wir vor lauter Gerechtigkeit die größte Ungerechtigkeit begehen. Wir <pb xml:id="p306" ed="pga"/> vergessen die einzigartige Gelegenheit, die Bestimmung unsres Lebens zu <term type="Sachen" key="Vergebung, Erfüllung der Bestimmung des Lebens">erfüllen</term>. Statt den Menschen, die sich wider uns stellen, zu Hilfe zu kommen, stellen wir uns auch wider sie. Wenn sie uns schmähen, kanzeln wir sie ab, wenn sie uns verachten, verachten wir sie auch, wenn sie uns schlagen, schlagen wir sie wieder. Schuld erwidern wir durch <term type="Sachen" key="Schuld">Schuld</term>. Wir tun nicht, wozu wir da sind. Herr, vergib uns unsre Schulden!</p>
                <p>Und nun <hi rend="italic">vergibt uns Gott unsre Schulden</hi>. Das ist das Größte, Alles Umfassende, was wir uns heute sagen dürfen. Auch <hi rend="italic">Gottes</hi>
                    <term type="Sachen" key="Vergebung, auch Gottes V. ist nicht Vergessen">Vergebung</term> ist nicht Vergessen. Unser Versäumnis, unsre Härte, unsre hölzerne <term type="Sachen" key="Gerechtigkeit, unsere hölzerne">Gerechtigkeit</term>, unser Nicht-Vergeben, das sind Tatsachen, über die Gott nicht mit einem milden Lächeln hinweggeht, als wären sie nicht. Sie <hi rend="italic">sind</hi>, diese <term type="Sachen" key="Sünde">Sünden</term>. Aber gerade weil sie sind, vergibt sie Gott. Gottes <term type="Sachen" key="Vergebung, Gottes V. besteht nicht im Erlassen der Strafe">Vergebung</term> besteht auch nicht <hi rend="italic">darin</hi>, dass er uns die Strafe erlässt. Die innere Not, in die wir durch unsre Schuld kommen, kann nur verschwinden, wenn die Schuld selbst verschwindet. Aber gerade die Schuld selbst nimmt Gottes <term type="Sachen" key="Vergebung, Gottes V. nimmt die Schuld von uns">Vergebung</term> von uns weg.</p>
                <p> Wir dürfen die Erfahrung machen, dass wir nicht nur selbst <term type="Sachen" key="Schuldiger">Schuldiger</term> sind, sondern Schuldiger, denen vergeben wird. Unter dem Kreuze Jesu <term type="Sachen" key="Kreuz / Kreuzestod">Christi</term> stehen die Kriegsknechte, die <term type="Sachen" key="Schriftgelehrte">Schriftgelehrten</term> und das Volk. Sie haben den Mann ans Kreuz gebracht, weil sie Angst vor ihm hatten. Wir wären wahrscheinlich auch auf ihrer Seite gewesen, wenn wir damals gelebt hätten. Und nun betet dieser Mann, und sein <term type="Sachen" key="Jesus Christus, Gebet am Kreuz">Gebet</term> lautet: Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun! [<ref type="can" subtype="bible" target="Lk.23.34">Lk. 23,34</ref>] Von dieser Stunde an haben eine Anzahl von denen, die dabei waren, verstanden, was das sei: für Andere denken, für die denken, die unsre Schuldiger sind, sich um die Not derer sorgen, die uns Not machen, denen helfen, die uns hassen. Sie hatten in dieser Stunde Gottes <term type="Sachen" key="Gott, Liebe">Liebe</term> kennengelernt, die Gottesliebe, die in <term type="Sachen" key="Jesus Christus, Gottesliebe in ihm">Christus</term> war. Sie sind als <hi rend="italic">andre</hi> Menschen von dort weggegangen. Gott ist <hi rend="italic">ganz</hi>
                    <term type="Sachen" key="Gott, ist ganz Liebe">Liebe</term>, Gott ist <hi rend="italic">ganz</hi>
                    <term type="Sachen" key="Gott, ist ganz Vergebung">Vergebung</term>. Die ihn kennen, wie ihn jene unter dem Kreuze Christi kennenlernten, die können nicht mehr los von ihm. Ein neues Wesen, ein neuer Trieb erfasst sie, ähnlich zu werden seinem Bilde. Gott vergibt ihnen ihre Schuld. Er nimmt sie weg von ihnen, er versetzt sie in einen neuen Lebensstand, in dem die Schulden vergeben sind und in dem man Schulden vergibt. Dazu kommen wir, wenn wir etwas von der Art erleben wie jene unter dem Kreuze <pb xml:id="p307" ed="pga"/>
                    <term type="Sachen" key="Kreuz / Kreuzestod">Christi</term>, eine Offenbarung der <term type="Sachen" key="Kreuz / Kreuzestod, eine Offenbarung der Vergebung">Vergebung</term>. Wir gehen oft jahrelang durchs Leben, ohne etwas so zu erfahren. Darum bitten wir: Vergib uns unsre Schulden! Dann lässt Gott auch uns etwas sehen und begreifen von der Größe und Schönheit des Herrn <term type="Sachen" key="Jesus Christus, Größe und Schönheit">Jesus</term>, der die <term type="Sachen" key="Sünde">Sünden</term> vergibt, vielleicht an den biblischen Geschichten von ihm, vielleicht aber noch wirksamer durch Menschen, die von Jesu Sinnesart sind. Und dann geht etwas von seiner Sinnesart auch auf uns über. Wir spüren, wie unsre <term type="Sachen" key="Schuld">Schuld</term>, unsre selbstsüchtige Hülle abnimmt, wie wir Freude bekommen daran, Andren zu vergeben, an andre zu denken, andre zu verstehen, andern zu helfen. Haben wir etwas von diesem innern Vorgang schon erlebt? Ist die Seite gegen uns zu unsres <term type="Sachen" key="Gebet">Gebetes</term> in Ordnung gekommen? Heißt’s bei uns wirklich:… wie wir vergeben unsern <term type="Sachen" key="Schuldiger">Schuldigern</term>? Dann wird auch die Seite gegen Gott zu in Ordnung sein. Uns <hi rend="italic">sind</hi> unsre Schulden vergeben. Denn das ist Gottes <term type="Sachen" key="Vergebung, durch Gottes V. dürfen wir vergeben">Vergebung</term>, dass wir vergeben dürfen.</p>
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                <div type="closer">
                <salute>Amen.</salute>
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                <div type="songs">
                    <head>Lieder:</head>
                    <listBibl type="songs">
                        <bibl type="song" corresp="kbga-songs-106">Nr. 176: «Gottesruhe, Sabbatstille» von <persName ref="kbga-actors-1403">Chr. Fr. D. Schubart</persName>, Strophen 1–3.</bibl>
                        <bibl type="song" corresp="kbga-songs-51">Nr. 214: «Aus tiefer Not schrei ich zu dir» von <persName ref="kbga-actors-261">M. Luther</persName>, Strophen 2 u. 5 (RG 83; EG 299).</bibl>
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