<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="kbga-texts-51018">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title type="volume" n="vol-51">Predigten 1911</title>
        <title type="content">Predigt: Matthäus 6,9a (I)</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: Predigt: Matthäus 6,9a (I), 23. Juli 1911</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/51018 (Stand: 25. August 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Predigten 1911, hrsg. v. Busch, Eberhard / Busch-Blum, Beate (Gesamtausgabe, Abt. I), Zürich 2015, S. 214–222.</title>
      </titleStmt>
      <editionStmt>
        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
      </editionStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
        </availability>
        <idno type="url">https://kbga.karl-barth.ch/texts/51018</idno>
      </publicationStmt>
      <sourceDesc>
        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
        <bibl type="pga" xml:id="pga">
          <title type="volume">Predigten 1911</title>
          <title type="text">Predigt: Matthäus 6,9a (I)</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Busch, Eberhard</editor>
          <editor>Busch-Blum, Beate</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2015</date>
          <biblScope unit="page">214–222</biblScope>
          <!--position within a volume-->
          <biblScope unit="part">18</biblScope>
        </bibl>
        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Barth, Karl, Predigt: Mt 6,9a (I), 23. Juli 1911. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/1514">KBA 1049</ref>. </bibl>
        <!-- we should provide more types: <bibl type="not-found-in-kba"></bibl> <bibl type="not-in-kba"></bibl>  -->
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
    <profileDesc>
      <creation>
        <date type="creation" when="1911-07-23">23. Juli 1911</date>
      </creation>
      <langUsage>
        <language ident="ger">German</language>
      </langUsage>
      <textClass>
        <keywords>
          <term>sermon</term>
        </keywords>
      </textClass>
    </profileDesc>
    <revisionDesc>
      <change when="2026-08-25T09:04:37+02:00">teiHeader was automatically produced from the database 2026-08-25T09:04:37+02:00</change>
    </revisionDesc>
  </teiHeader>
  <text>
        <body>
            <div type="sermon">
                <pb xml:id="p214" ed="pga"/>
                <div type="opener">
                <head><idno>71</idno></head>
                    <dateline>
                        <placeName ref="kbga-places-54">Safenwil</placeName>, <date when="1911-07-23">Sonntag, den 23. Juli 1911</date> 
                        <lb/>(6. nach Trinitatis)
                    </dateline>
                    <epigraph>
                        <cit>
                            <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.6.9">Matthäus 6,9a</ref> <span><idno>I</idno></span>
                            <quote>
                                Unser Vater im Himmel!
                            </quote>
                        </cit>
                    </epigraph>
                <salute>Liebe Freunde!</salute>
                </div>
                <div type="main">
                <p> Das Unser <term type="Sachen" key="Unser Vater">Vater</term> ist das <term type="Sachen" key="Unser Vater, Vorbild jedes rechten Gebets">Vorbild</term> jedes rechten Gebetes. Als ein solches Vorbild hat es <term type="Sachen" key="Jesus Christus, Jesus von Nazareth">Jesus</term> seinen <term type="Sachen" key="Jünger">Jüngern</term> gegeben, als sie ihn baten: Herr, lehre uns beten [<ref type="can" subtype="bible" target="Lk.11.1">Lk. 11,1</ref>]!<note xml:id="n01">Vgl. oben, <ref type="pub" target="../volume/51/p206#p206">S. 206-213</ref>, die Predigt vom <date when="1911-07-16">16. Juli 1911</date>.</note> Seine Meinung war nicht, dass nur diese seine eigenen Gebetsworte das richtige Gebet seien. Aber wenn wir richtig <term type="Sachen" key="Beten, richtig nur im Sinn und Geist Jesu">beten</term> wollen, dann müssen wir es tun im Sinn und Geist Jesu. Und wenn wir das möchten, dann werden uns auch die Worte, die Jesus gebraucht, immer wieder wichtig und vorbildlich. Das gilt bereits von jedem Wort der kleinen Anrede, mit der sein Gebet anfängt: <hi rend="italic">Unser Vater im Himmel! So</hi> müssen wir lernen beten, an Gott denken, unsere <term type="Sachen" key="Seele">Seele</term> erheben, <term type="Sachen" key="Ewigkeitskraft">Ewigkeitskraft</term> suchen. Denn schon diese kleine Anrede ist mehr als eine bloße Reihenfolge von Worten, sie ist wie das ganze Gebet ein <hi rend="italic">Weg</hi>, und zwar ein guter <term type="Sachen" key="Unser Vater, guter Weg">Weg</term>. Wir können gleich im Voraus dreierlei sagen über diesen Weg. Erstens, dass er kurz, zweitens, dass er schön ist, drittens, dass er direkt ans Ziel führt. – |</p>
                <p>Es gibt Menschen, die lieben in Allem das Lange und Weitschweifige. Sie meinen, sie machen eine Sache besser, wenn sie sie recht umständlich in Angriff nehmen, mit vielen Worten und Formalitäten. So verkehren sie dann nicht nur mit Ihresgleichen, sondern auch mit Gott, es geht auch in ihrem Innern umständlich und schwerfällig zu, wenn ihre Seele sich einmal erheben möchte zur Rede mit Gott. Sie wollen Gott Ehre antun mit feierlichen Gefühlen und Worten, und da ist dann die Gefahr so groß, dass sie Gottes Antwort gar nicht hören über all dem Schönen, was sie anzubringen haben, oder dass sie sie, wenn sie sie hören, nicht ernst nehmen, weil sie vorher ihre eigenen Gefühle und Worte schon zu ernst genommen haben. Darum schnei<pb xml:id="p215" ed="pga" break="no"/>det Jesus alles Feierliche und Umständliche ab und führt uns einen <hi rend="italic">kurzen</hi> Weg zu <term type="Sachen" key="Unser Vater, kurzer Weg zu Gott">Gott</term><hi rend="italic">.</hi> Es ist auch hier der Beste: Unser – Vater – im Himmel. Wir werden heute sehen, dass damit gerade das gesagt ist, was wir brauchen, nicht mehr noch weniger. Wenn wir Gottes Tor aufsuchen mit dem Schlüssel dieser Worte, wenn wir sie nicht nur sprechen, sondern beten, dann geht das Tor auf. Sie sind kurz, aber es steckt in ihrer Kürze <hi rend="italic">mehr</hi> als in ganzen Büchern: Kraft und Salz und Reichtum, und es ist wichtig, dass uns Jesus auf einen <hi rend="italic">kurzen</hi> Weg zu diesen Dingen führt, denn damit hat er sie auch dem einfachsten Menschen zugänglich gemacht, auch dem, der von allen komplizierten Gedanken und Gefühlen nichts weiß, weil er über der Last und Not des <term type="Sachen" key="Leben">Lebens</term> nicht dazu kommt. Aber auch der Tiefsinnigste und Feinfühligste wird bei diesen kurzen Worten nicht zu kurz kommen. – |</p>
                <p>Denn wir können gleich hinzufügen, dass der Weg des Gebetes Jesu ein <hi rend="italic">schöner</hi>
                    <term type="Sachen" key="Unser Vater, schöner Weg">Weg</term> ist. Schön ist das, was unsern Sinn auf das Große und Wesentliche führt. Jesu Anrede an Gott ist schön und erhebt uns schon darum. Die Gebete der <term type="Sachen" key="Gebet, der Heiden">Heiden</term> sind meistens schon deshalb nicht schön, weil sie bereits in der Art, wie sie Gott anreden, den menschlichen Geist nicht auf das Große führen, sondern auf allerlei kleine, unwesentliche Gedanken. Bei Sonne und Mond, bei Tieren und Pflanzen bleiben da die Gefühle stehen. Es ist aber auch das <term type="Sachen" key="Gebet">Gebet</term> so mancher Christen unschön, weil der Gott, zu dem es gerichtet ist, so gar nichts Großes hat. Könnte man das Bild belauschen, das so mancher Beter sich im Stillen von <term type="Sachen" key="Gott, falsche Bilder von G.">Gott</term> macht, dann wäre es beim Einen das Bild eines großen Korporals, dem man nur mit Zittern und Zagen naht, beim Andern das Bild eines großen Kaufmanns, mit dem man vorsichtig seine Geschäfte zu machen versucht, beim Dritten das Bild eines großen Zahlmeisters, vor den man hintritt mit dem selbstverständlichen Gefühl, man habe nur zu fordern, um zu kriegen, was man verdient habe. Das Alles sind unschöne, kleine, unwesentliche Vorstellungen von <term type="Sachen" key="Gott, falsche Bilder von G.">Gott</term>. Jesus hat uns eine bessere gegeben. Wenn wir zu Gott beten und nicht nur reden, wie er es uns gelehrt hat, dann steht vor dem Auge unseres Geistes das Bild eines großen Gottes. Denn es gibt nichts Größeres in unserem innern <term type="Sachen" key="Leben, inneres">Leben</term> als die Fülle von Beziehungen, an die uns das Wort <term type="Sachen" key="Gott, Vater">«<hi rend="italic">Vater»</hi></term> erinnert. Vater sein heißt wirksam sein in schöpferischer Liebe. Denn es ist die <term type="Sachen" key="Liebe, schöpferische">Liebe</term>, die schon die Menschen Vater werden lässt. Und diese Liebe schafft Le<pb xml:id="p216" ed="pga" break="no"/>ben nach dem wundervollen Gesetze der <term type="Sachen" key="Gesetze, der Natur">Natur</term>. Und sie bleibt wirksam, wenn nun ein Mensch zur Welt geboren ist: Vater und Kind gehören zusammen. Es erfüllt der Vater in der <term type="Sachen" key="Erziehung">Erziehung</term> des Kindes seine größte und wichtigste Lebenspflicht, und was in ihm lebt an großen Gedanken und Regungen, das überträgt er auf das Kind, damit es wieder die Erfüllung sei von dem, was er selbst angestrebt und vielleicht nur teilweise erreicht. So ist es ein schöner Weg, ganz abgesehen von allem Andern, wenn Jesus uns zu Gott als dem <term type="Sachen" key="Gott, Vater">Vater</term> führt. Das Gefühl des Großen und Wesentlichen muss uns erfüllen, indem wir dieses Wort aussprechen. |</p>
                <p>Und so steht es auch mit dem andern: mit dem Zusatz: unser Vater <hi rend="italic">im Himmel</hi>. Wie das Wort «Vater» an das reichste und schönste Gefühl unseres Herzens appelliert, so das Wort <term type="Sachen" key="Himmel">Himmel</term> an den erhabensten, umfassendsten Eindruck unserer leiblichen Augen. Es erinnert uns an die Unendlichkeit der <term type="Sachen" key="Welt, Unendlichkeit">Welt</term>, in der wir leben, an das unausdenklich, geheimnisvoll Große, das all unser Dasein umgibt. Der Himmel ist das Bild <term type="Sachen" key="Himmel, Bild Gottes">dessen</term>, der war und ist und sein wird. Seine Sterne reden vom unerschöpflichen Reichtum, dessen Grenzen wir auch nicht zu ahnen vermögen, seine Sonne von Licht und Wärme, die alles Lebens <term type="Sachen" key="Leben, Quelle">Quelle</term> ist. Schauen wir den Himmel, so wird das Kleine klein in uns und das Große groß. Die Anrede: Vater im Himmel aber vereinigt das Schönste, was wir innerlich, mit dem Schönsten, was wir äußerlich kennen. Sie regt uns an zu tiefen Gedanken und Empfindungen schon durch ihre Form. – |</p>
                <p>Aber sie ist mehr als eine schöne Form. Der Weg, den sie uns führt, ist kurz und schön, aber noch wichtiger ist, dass er <hi rend="italic">direkt</hi> und mitten ins <term type="Sachen" key="Unser Vater, direkter Weg ins Ziel">Ziel</term> geht. Es gibt Gebetsworte und <term type="Sachen" key="Gebet">Gebete</term>, die vielmehr von Gott ab- als zu Gott hinführen. Es ist absolut nicht gleichgiltig, ob wir unsere Seelen zu dem finstern <term type="Sachen" key="Gott, finsterer Schicksalsgott des Mohammed">Schicksalsgott</term> des <persName ref="kbga-actors-279">Mohammed</persName> erheben, ob unser Gott im Grunde unser eigenes <term type="Sachen" key="Gott, unser eigenes Menschenwesen">Menschenwesen</term> ist, wie es bei den alten <term type="Sachen" key="Griechen / Griechentum">Griechen</term> war, oder ob an die Stelle Gottes in unserem Herzen die Jungfrau <persName ref="kbga-actors-2224">Maria</persName> getreten ist. Sicher ist in jedem aufrichtigen Gebet dieser Art etwas von wirklicher Erhebung zu Gott enthalten, aber es sind eben die richtigen Umwege, und demgemäß wird die Erhebung, wird der Erfolg, der uns im <term type="Sachen" key="Gebet, Erfolg">Gebet</term> zuteilwerden soll, abgeschwächt und verdunkelt. Denn wie der Gott ist, den wir anrufen, so ist das <term type="Sachen" key="Gebet, Abhängigkeit vom Gottesbild">Gebet</term>, mit dem wir es tun, so ist dann auch der Zustand der <pb xml:id="p217" ed="pga"/>
                    <term type="Sachen" key="Seele, Abhängigkeit ihres Zustandes vom Gottesbild">Seele</term>, in [den] uns das Gebet versetzt. Ist unser Bild von <term type="Sachen" key="Gott, Bild von G.">Gott</term> verzeichnet und schlecht, dann wird es auch mit uns nicht gut stehen. Und darum ist es etwas Großes, dass wir schon in der Anrede des Unser <term type="Sachen" key="Unser Vater">Vater</term> ein <hi rend="italic">gutes</hi> Bild Gottes haben, dass wir direkt und ohne Ablenkung, sondern mit sicherer Bestimmtheit gleichsam in Gottes Herz hineingeführt werden, indem wir beten: Unser Vater im Himmel! Das heißt Gott recht <term type="Sachen" key="Gotteserkenntnis">erkennen</term>, wenn wir ihn erkennen als den <term type="Sachen" key="Gott, Vater"><hi rend="italic">Vater</hi></term>, als <hi rend="italic">unsern</hi>
                    <term type="Sachen" key="Gott, unser Vater">Vater</term> und schließlich als den Vater, der <hi rend="italic">im <term type="Sachen" key="Gott, Vater im Himmel">Himmel</term></hi> ist. Nur vom ersten soll am heutigen Sonntag die Rede sein. Was hat uns Jesus damit zu sagen, dass er uns <term type="Sachen" key="Beten">beten</term> lehrt: <hi rend="italic">Vater!?</hi></p>
                <ab rend="center">*   *   *</ab>
                <p rend="noindent">Ich glaube zweierlei: Er wollte uns zeigen, Gott muss man <hi rend="italic">zutraulich</hi> und Gott muss man <hi rend="italic">folgsam</hi> begegnen. So begegnet ein rechtes Kind seinem rechten Vater. So lässt sich Gott von uns finden und so bleibt er in unsrer Nähe.</p>
                <p> Wenn ein Mensch zu Gott das <term type="Sachen" key="Gottvertrauen"><hi rend="italic">Vertrauen</hi></term> hat, dann heißt das vor Allem, dass er an eine <term type="Sachen" key="Ordnung"><hi rend="italic">Ordnung</hi></term> glaubt in der Welt und im Leben und dass er weiß: diese Ordnung ist Gottes <term type="Sachen" key="Ordnung, Weltordnung ist Gottes Ordnung">Ordnung</term>. So fängt für das Kind das bewusste Leben damit an, dass es die elterliche <term type="Sachen" key="Ordnung, elterliche Lebensordnung">Lebensordnung</term> anerkennt: vorher war und ist es noch ein kleiner Wilder. Und so fängt für den Menschen die <term type="Sachen" key="Gotteserkenntnis">Gotteserkenntnis</term> an mit der Erkenntnis, dass Gottes <term type="Sachen" key="Gott, Wille Gottes waltet im Leben">Wille</term> im Leben waltet, dass das Leben und wir selbst von Gott geschaffen sind. Das meinen wir zuerst, wenn wir Gott mit: Vater! anreden. Es gibt so unendlich Vieles, was uns in diesem Vertrauen irremachen kann, was uns den Eindruck erwecken mag, als wäre es vielmehr der <term type="Sachen" key="Zufall">Zufall</term> und die Unordnung, die das Leben regierten. Wir sehen schon im Leben der <term type="Sachen" key="Natur, Widriges und Gewaltsames">Natur</term> so viel Widriges und Gewaltsames. Warum muss das Wetter den einen Sommer zu feucht sein und den anderen zu trocken, wie wir’s jetzt dicht hintereinander erlebt haben?<note xml:id="n02">Im <date when="1910-06">Juni 1910</date> kam es infolge starker Niederschläge während der gerade einsetzenden Schneeschmelze zu einer bis heute in der <placeName ref="kbga-places-58">Schweiz</placeName> in einem solchen Ausmaß nicht wieder eingetretenen Hochwasserkatastrophe am <placeName ref="kbga-places-850">Bodensee</placeName>, am <placeName ref="kbga-places-1449">Walensee</placeName>, am <placeName ref="kbga-places-362">Zürichsee</placeName> und am <placeName ref="kbga-places-507">Vierwaldstättersee</placeName>, bei der in den anliegenden Städten enorme Schäden angerichtet wurden. Aufgrund der anhaltenden großen Niederschlagsmengen gab es auch im Herbst noch erheb­liche Einbußen bei der Ernte und der Weinlese. Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-5284">Art. «Das Hochwasser vom Juni 1910», in: Schweizerische Bauzeitung, Jg. 55/56 (1910), Heft 26, S. 356</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-5285">Art. «Die wirtschaftlichen Verhältnisse in der Schweiz im Jahr 1910/11», in: Appenzeller Kalender, Jg. 191 (1912), S. 2f.</bibl> Zur großen Dürre des Jahres <date when="1911">1911</date> vgl. unten, <ref type="pub" target="../volume/51/p394#fn_n01">S. 394, Anm. 1</ref>.</note> Warum gibt es so viel <term type="Sachen" key="Tod">Tod</term> und Verderben in der Tier- und <pb xml:id="p218" ed="pga"/> Pflanzenwelt, so viel Sinnlosigkeit und Grausamkeit? Und dann die Unordnung im Leben der <term type="Sachen" key="Mensch, Unordnung im Leben">Menschen</term> untereinander. Warum die wunderlich-ungleiche Verteilung von <term type="Sachen" key="Reichtum">Reichtum</term> und <term type="Sachen" key="Armut">Armut</term>, von <term type="Sachen" key="Gesundheit">Gesundheit</term> und <term type="Sachen" key="Krankheit">Krankheit</term>, von <term type="Sachen" key="Glück">Glück</term> und <term type="Sachen" key="Unglück">Unglück</term>, von <term type="Sachen" key="Klugheit">Klugheit</term> und <term type="Sachen" key="Torheit">Torheit</term> sogar? Warum das blinde <term type="Sachen" key="Schicksal">Schicksal</term>, das manchmal über unser Leben zu kommen scheint wie eine große Straßenwalze, alles erdrückend und gleichmachend? Warum die <term type="Sachen" key="Dummheit">Dummheit</term> und <term type="Sachen" key="Bosheit">Bosheit</term> der Menschen, warum die Ungunst der Verhältnisse, warum unsre eigene Unfähigkeit, sie zu bemeistern? Ja, warum! Da müssen wir nun anfangen mit dem Vertrauen zu <term type="Sachen" key="Gottvertrauen">Gott</term>, indem wir uns fest daran halten: es ist trotz allem eine Ordnung in der <term type="Sachen" key="Ordnung, der Welt">Welt</term>. Das will nicht sagen, wir müssten auf all diese Fragen nun plötzlich eine Antwort geben und den lieben Gott verstehen können, warum er es so macht in der Welt und nicht anders. Solche Antworten und Erklärungen sind oft schrecklich künstlich und unbefriedigend, und das beweist nur, dass wir nicht dazu berufen sind, Gott von oben in den Kopf zu sehen, sondern in kindlichem Vertrauen seine Hand zu ergreifen. Aber <hi rend="italic">das</hi> können wir und das ist besser als alle Antworten auf unsre: Warum? Von der Ordnung <term type="Sachen" key="Ordnung, Gottes">Gottes</term> wissen wir sozusagen gar nichts außer dem kleinen Stück davon, das er in unsere Herzen geschrieben hat. An das müssen wir uns halten. Das wissen und kennen wir. Es lautet: Du sollst ernsthaft sein! Du sollst recht tun! Du sollst deine Mitmenschen <term type="Sachen" key="Nächstenliebe">lieben</term>, nicht für dich leben, sondern für sie. Du sollst frei und froh und aufrecht sein und die Andern auch dazu machen! Da müssen wir nur das Vertrauen fassen und das Stück <term type="Sachen" key="Ordnung, der Welt">Weltordnung</term>, das wir sicher kennen, auch anerkennen und ergreifen, damit Ernst machen zuerst für uns. Das ist das Erste, womit wir unser kindliches Zutrauen gegen <term type="Sachen" key="Gottvertrauen, kindliches Zutrauen zu Gott">Gott</term> bewähren können. Und wenn wir das tun, dann ist’s wunderbar, wie er uns weiterhilft, Zutrauen zu fassen auch zu der <term type="Sachen" key="Ordnung">Ordnung</term>, die im <term type="Sachen" key="Leben, verborgene Ordnung">Leben</term>, in der <term type="Sachen" key="Welt, verborgene Ordnung">Welt</term> verborgen ist. Wenn Gottes Ordnung in unserm <term type="Sachen" key="Ordnung, Gottes O. in unserm Innern">Innern</term> aufgerichtet ist, da kommt sie vor unseren Augen auch in der <pb xml:id="p219" ed="pga"/>
                    <term type="Sachen" key="Ordnung, Gottes O. in der Welt">Welt</term> zum Vorschein, ehe wir es nur ahnen. Wer in seinem innern <term type="Sachen" key="Leben, inneres">Leben</term> das Rechttun und die <term type="Sachen" key="Liebe">Liebe</term> an die erste Stelle gesetzt, der kann nicht mehr aufbegehren wegen Wind und Witterung, denn er weiß, dass sie und der Profit, der damit zusammenhängt, es nicht wert sind, dass unsre <term type="Sachen" key="Seele">Seelen</term> sich der Unzufriedenheit hingeben. Wer gelernt hat [zu] verzichten und Wünsche und <term type="Sachen" key="Triebe">Triebe</term> zu unterdrücken um einer bessern Regung willen, den wundert es nicht so sehr, wenn auch im Leben der <term type="Sachen" key="Natur">Natur</term> viel scheinbar sinnloser <term type="Sachen" key="Tod">Tod</term> und Untergang sich zeigt; es muss das weniger <term type="Sachen" key="Gutes / das Gute, muss in der Natur dem Besseren Platz machen">Gute</term> dem Bessern Platz machen. Es gilt auch da in gewaltiger Weise die göttliche <term type="Sachen" key="Ordnung, göttliche Weltordnung der Selbstverleugnung">Weltordnung</term> der Selbstverleugnung, des <term type="Sachen" key="Tod, um des Leben willen">Todes</term> um des Lebens willen. Wer in seiner <term type="Sachen" key="Seele">Seele</term> erfasst, was das heißt, <term type="Sachen" key="Mensch, Mitmensch">Mitmenschen</term> haben, und wozu das so ist, der kann sich nicht mehr quälen mit der Frage: warum sind sie so böse und dumm und schlecht, denn er kennt die Antwort, die freilich keine Antwort ist: sie sind so, damit sie durch mich besser werden können. So ist’s überall die Gottesordnung in unserm <term type="Sachen" key="Ordnung, Gottes O. in unserm Innern">Innern</term>, die uns die Gottesordnung in der <term type="Sachen" key="Ordnung, Gottes O. in der Welt">Welt</term> erkennen lässt. Es heißt <term type="Sachen" key="Vertrauen">Vertrauen</term> fassen zu dieser Ordnung, und ihr wisst nun, wo dies Vertrauen anfangen muss: nicht außen, sondern innen. So führt uns das Zutrauen zum Folgsamsein und das Folgsamsein wieder zum Zutrauen. Eins ist nie ohne das Andre, und in Beidem erkennen und finden wir Gott als unsern <term type="Sachen" key="Gott, Vater">Vater</term>.</p>
                <p>Das Zweite ist dann, dass wir Gottes Ordnung nicht nur erkennen, sondern dass wir <term type="Sachen" key="Freude, an Gottes Ordnung"><hi rend="italic">Freude</hi></term> daran haben und Freude an <term type="Sachen" key="Freude, an Gott">Gott</term>. Auch das gehört zum rechten <term type="Sachen" key="Gottvertrauen">Gottvertrauen</term> und <term type="Sachen" key="Gottesgehorsam">Gottesgehorsam</term>, und wieder gibt es ohne Vertrauen und Gehorsam keine rechte Freude. Wir sollen uns nicht bloß abfinden mit unserm <term type="Sachen" key="Leben">Leben</term> und mit der <term type="Sachen" key="Welt">Welt</term> in dem Gedanken: es muss sein so, sondern es muss uns aufgehen, dass das Leben <term type="Sachen" key="Leben, Herrlichkeit">herrlich</term> ist. Wir sollen uns nicht bloß durchschlagen, sondern wir sollen innerlich Reichtümer gewinnen rechts und links. Wir sollen nicht bloß des Vaters <term type="Sachen" key="Gott, Wille Gottes">Willen</term> erkennen und anerkennen, sondern wir sollen den Vater lieb gewinnen. Denn was ist das, wenn wir grämlich und verbittert dastehen, traurig über unser <term type="Sachen" key="Schicksal">Schicksal</term> und über die Welt. Es gibt Menschen, die haben unendlich Schweres zu tragen, in ihrem Leben; ich getraue mich nicht, ihnen zuzureden, fröhlich zu sein; ich weiß nicht, ob ich’s selbst könnte in ihrer Lage; ich habe selbst noch wenig sehr Trauriges erlebt und kann nicht aus eigener Erfahrung reden. Aber dafür habe ich schon andre Menschen kennen<pb xml:id="p220" ed="pga" break="no"/>gelernt, die haben auch sehr Schweres, die haben das Schwerste getragen und tragen es noch – aber nun sagen sie nicht nur: Gott weiß warum!, wie ich auf einem Grabstein in unsrem Friedhof gelesen habe, sondern sie sagen: Gott hat es <hi rend="italic">gut</hi> gemacht. Es ist <hi rend="italic">recht</hi> so. Sie haben Freude an <term type="Sachen" key="Freude, an Gott">Gott</term> und seinem Willen. Auch das ist wieder ein Zutrauen, denn sie haben den Augenschein gegen sich, das <term type="Sachen" key="Glück">Glück</term> lacht ihnen nicht, die <term type="Sachen" key="Welt">Welt</term> scheint ihnen gar nichts mehr zu bieten, Gott scheint sie vergessen zu haben. Und doch haben sie <term type="Sachen" key="Freude">Freude</term>. Und das Zutrauen, das sie damit an den Tag legen, es ist wieder begründet in einem verborgenen Folgsamsein. Sie haben einen jahre- und jahrzehntelangen Kampf gekämpft, nicht mit den Menschen, nicht mit der bösen Welt, sondern mit sich selbst, und am Ende dieses Kampfes hieß es: Wenn ich nur dich habe, so frage ich nicht nach Himmel und Erde [<ref type="can" subtype="bible" target="Ps.73.25">Ps. 73,25</ref>]. Solcher <term type="Sachen" key="Gottesgehorsma">Gehorsam</term> war ihnen dann der Zugang zu der Freude, die ihnen jetzt aus den Augen sieht. – |</p>
                    <p>Schließlich wissen wir Alle davon zu sagen, wie es ist damit. Gott macht uns unendlich viel <term type="Sachen" key="Freude">Freude</term>, jedem von uns. Manchmal ist es, als überschütte er uns förmlich mit seinen Gaben, so reiht sich eins ans andre von schönen Erlebnissen, die uns zu danken geben, die uns reich machen, die uns Aufgaben stellen, die uns einen Schritt vorwärts führen. Wir möchten oft am Liebsten rufen: Halt ein! Womit habe<note xml:id="n03"><ref corresp="A">Mskr.</ref>: «ich habe»; Streichung des überzähligen «ich» durch die Hrsg.</note> ich das verdient, dass es mir so gut geht, dass du es so unerwartet gut mit mir machst? Vielleicht müssten wir viel mehr diese Empfindung haben, vielleicht macht uns Gott <hi rend="italic">beständig</hi> unendlich viel Freude, aber wir sehen sie nicht, weil unsre Augen verdorben sind. Ich glaube, dass es in der Tat so ist. Um Freude zu haben an Gott und an der Welt, dazu muss die Freude schon in uns sein. Ohne das können wir erleben, was wir wollen, es lässt uns kalt, wir haben keine Freude daran. Wenn die verborgene <term type="Sachen" key="Freude, verborgene">Freude</term> in uns da ist, dann fängt die Freude am <term type="Sachen" key="Freude, am Leben">Leben</term> an. Dann bekommt aber die <term type="Sachen" key="Welt">Welt</term> ein anderes Gesicht, wie dieselbe Landschaft ganz anders dreinsieht am Morgen und am Abend. Wir fangen an, das <term type="Sachen" key="Gutes / das Gute, in der bösen Welt">Gute</term> zu sehen in der bösen Welt, das Bedeutungsvolle im Gleichgiltigen, das Schöne mitten im Hässlichen, die <term type="Sachen" key="Wahrheit">Wahrheit</term> mitten im <term type="Sachen" key="Irrtum">Irrtum</term>. Wir fangen an, Freude zu haben an der <term type="Sachen" key="Freude, an der Welt">Welt</term> und an den <term type="Sachen" key="Freude, an den Menschen">Menschen</term>. Und wieder ist diese innere Freude, die uns die äußere <pb xml:id="p221" ed="pga"/> verschafft, nichts Anderes als ein Folgsamsein gegen Gott. Ist unsere <term type="Sachen" key="Seele">Seele</term> auf ihn gerichtet, und wenn sie auch nur erst damit angefangen hätte, dann fängt die Welt an, beseelt und lebendig und farbig und schön zu werden, vielmehr: wir fangen an zu sehen, uns zu freuen über das, was längst schon war. Indem wir den Vater lieben, erkennen wir, was unendlich viel größer ist als unsre <term type="Sachen" key="Liebe">Liebe</term>, die <term type="Sachen" key="Gott, Liebe">Liebe</term> des <term type="Sachen" key="Gott, Vater">Vaters</term>. Das ist die rechte Freude, wenn wir es innerlich nachsprechen: Lasset uns ihn lieben, denn er hat uns zuerst geliebt [<ref type="can" subtype="bible" target="1.Joh.4.19">1.Joh. 4,19</ref>]<note xml:id="n04"><bibl corresp="kbga-bibls-2492">Revidierte Ausgabe der Luther-Bibel von 1892</bibl>; in neueren Ausgaben heißt es: «Lasst uns lieben, […].»</note>. |</p>
                <p>Aber dann müssen wir noch eine Stufe höher. Es kann nicht bei der Erkenntnis und der Liebe bleiben. Es ist die Art jedes Vaters, dass er dem Kinde seine Art mitteilen möchte. Er möchte, dass das Kind ihn nicht bloß versteht und bewundert, sondern dass es <hi rend="italic">ihm gleich werde</hi>. Das ist nun auch die Art der Vaterliebe <term type="Sachen" key="Gott, Vaterliebe">Gottes</term>. Sie ist eine wirksam ergreifende Liebe, und wir können gar nicht anders zu ihm gehen, als indem wir willens sind, uns von ihm ergreifen zu lassen. Andernfalls wäre unsre <term type="Sachen" key="Gotteserkenntnis">Gotteserkenntnis</term> und unsre <term type="Sachen" key="Liebe, zu Gott">Gottesliebe</term> doch wieder eine Täuschung. Sehet, welch eine Liebe hat uns der Vater erzeiget, dass wir seine Kinder heißen [<ref type="can" subtype="bible" target="1.Joh.3.1">1.Joh. 3,1</ref>], dass wir seiner Art werden dürfen. Wieder ist eine Macht da, die uns daran hindern, die uns den Vater verleiden möchte. Wir spüren in uns Regungen der <term type="Sachen" key="Selbstsucht">Selbstsucht</term>, der Oberflächlichkeit, der <term type="Sachen" key="Gier">Gier</term>, und diese Regungen führen uns hinab von der Gleichheit mit der reinen, tiefen, gütigen Art <term type="Sachen" key="Gott, Güte">Gottes</term>. Es ist der größte Feind, der sich auf der höchsten Stufe erhebt, die <term type="Sachen" key="Sünde">Sünde</term>. Wer unter uns ist fertig damit? Und so müsste sie von Rechts wegen eine Schranke sein, die uns trennt von Gott, es müsste uns auf dieser höchsten Stufe und also im Grund überhaupt unmöglich werden, Gott als unsern <term type="Sachen" key="Gott, unser Vater">Vater</term> anzusehen. Unser <term type="Sachen" key="Gebet">Gebet</term> müsste aufhören, bevor es angefangen, weil wir uns gar nicht als Gottes Kinder fühlen dürften.</p>
                <p>Nun müssen wir zum Schluss an das denken, was wir schon das letzte Mal gehört, dass Christus seines eigenen Gebetes <term type="Sachen" key="Jesus Christus, sein Gebet war seine Erhörung">Erfüllung</term> gewesen ist.<note xml:id="n05">Siehe oben, <ref type="pub" target="../volume/51/p208#p208">S. 208</ref>.</note> Er konnte nicht bloß die Seinen ermuntern zu sprechen: Unser Vater, sondern er konnte unter sie treten mit der Sicherheit: <pb xml:id="p222" ed="pga"/> Wer mich siehet, der sieht unsern Vater [<ref type="can" subtype="bible" target="Joh.14.9">Joh. 14,9</ref>]. Er ist als unser <term type="Sachen" key="Jesus Christus, unser Bruder">Bruder</term> zu uns gekommen, um uns des Vaters gewiss zu machen. Denn er stärkt in uns das Vertrauen, dass Gott etwas von uns wissen will, trotz unsrer <term type="Sachen" key="Sünde">Sünde</term>, und er festigt uns im <term type="Sachen" key="Gehorsam">Gehorsam</term>, der die Sünde überwindet. Er hat das Wort «Vater» für uns zu einem Jubelruf gemacht, weil er selbst den Vater gesehen, weil er ihn erfahren und erlebt hat, indem er zutraulich und gehorsam war. Und so wird das der Anfang und das Ende unsres Lebens sein müssen, dass wir ihm ähnlich werden. Es ist <hi rend="italic">sein</hi>
                    <term type="Sachen" key="Jesus Christus, Geist">Geist</term>, der unserm Geiste Zeugnis gibt, dass wir Gottes Kinder sind [<ref type="can" subtype="bible" target="Röm.8.16">Röm. 8,16</ref>].</p>
                </div>
                <div type="closer">
                <salute>Amen.</salute>
                </div>
                <div type="songs">
                    <head>Lieder:</head>
                    <listBibl type="songs">
                        <bibl type="song" corresp="kbga-songs-275">Nr. 7: «Wunderbarer König» von <persName ref="kbga-actors-2670">J. Neander</persName>, Strophen 1–3 (RG 161; EG 327).</bibl>
                        <bibl type="song" corresp="kbga-songs-140">Nr. 278: «Gott ist getreu!» von <persName ref="kbga-actors-1379">E. Liebich</persName>, Strophen 1–3 u. 5–6 (RG 689 [nur Strophen 1–3]).</bibl>
                    </listBibl>
                </div>
            </div>
        </body>
    </text>
</TEI>
