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        <title type="volume" n="vol-51">Predigten 1911</title>
        <title type="content">Vorwort</title>
        <title type="citation_line_1">Busch-Blum, Beate, Busch, Eberhard, Zocher, Peter: Vorwort, in: Predigten 1911, Juli 2015</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/51001 (Stand: 25. August 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Predigten 1911, hrsg. v. Busch, Eberhard / Busch-Blum, Beate (Gesamtausgabe, Abt. I), Zürich 2015, S. VII–XIII.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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      <publicationStmt>
        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Predigten 1911</title>
          <title type="text">Vorwort</title>
          <author ref="kbga-actors-5904">Busch-Blum, Beate</author>
          <author ref="kbga-actors-1513">Busch, Eberhard</author>
          <author ref="kbga-actors-8878">Zocher, Peter</author>
          <editor>Busch, Eberhard</editor>
          <editor>Busch-Blum, Beate</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2015</date>
          <biblScope unit="page">VII–XIII</biblScope>
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        <date type="creation" when="2015-07">Juli 2015</date>
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                <head>VORWORT</head>
                    <head type="sub"><hi rend="italic">1) Biographisches</hi></head>
                    <p><persName ref="kbga-actors-2151">Karl Barth</persName> hielt die hier gesammelten Predigten <date when="1911">1911</date>, in dem Jahr, in dem er
                        25jährig wurde. Gerade in diesem Jahr stellten sich mancherlei Änderungen in
                        seinem Lebenslauf ein. Er kam her von der Theologie seiner Lehrer. Es waren
                        vor allem <persName ref="kbga-actors-181">Wilhelm Herrmann</persName>, bei dem er über das Gebet nach <persName ref="kbga-actors-77">Calvin</persName> hatte
                        promovieren wollen, und <persName ref="kbga-actors-155">Adolf von Harnack</persName>, der schon mit Karls Vater <persName ref="kbga-actors-21">Fritz
                        Barth</persName> befreundet war und der ihm <persName ref="kbga-actors-136">Johann Wolfgang von Goethe</persName> ans Herz gelegt
                        hatte. Doch in seinen Predigten von <date when="1911">1911</date> ist zu merken, wie er durch das
                        Hören auf die Heilige Schrift und in der Wahrnehmung sowohl der Situation
                        seiner Predigthörer wie der Zeitgeschehnisse weitergeführt wurde. Die
                        Predigten sind recht ausführlich. Denn die Predigt ist nach der reformierten
                        Tradition in der <placeName ref="kbga-places-58">Schweiz</placeName> der zentrale Akt im Gottesdienst. Man sagt zum
                        Gottesdienstbesuch daher, «mr goht z’Predig».</p>
                    <p>Bis zum <date when="1911-06">Juni 1911</date> wirkte <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> als <foreign xml:lang="fre">pasteur suffragant</foreign> in der
                        deutschsprachigen reformierten Gemeinde in <placeName ref="kbga-places-67">Genf</placeName>. Seine Predigten hielt er
                        neben der großen Kirche <placeName ref="kbga-places-819">St. Pierre</placeName> im Temple de l’Auditoire, der
                        einst der Hörsaal für <persName ref="kbga-actors-77">Calvins</persName> Vortrag seiner Bibelauslegungen war. Auf
                        dessen Kanzel trug <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> seine Predigten vor. Er glaubte, sie in dessen Sinn
                        zu halten, obwohl und indem sein geistiges Vorbild <persName ref="kbga-actors-360">Friedrich Schleiermacher</persName>
                        war. Sein Vorgesetzter war zunächst der ökumenisch aktive Pfarrer <persName ref="kbga-actors-636">Adolf
                        Keller</persName>, der indes im <date when="1909-10">Oktober 1909</date> an die Zürcher <placeName ref="kbga-places-1209">Peterskirche</placeName> berufen war.
                        Bis in <placeName ref="kbga-places-67">Genf</placeName> sein Nachfolger <persName ref="kbga-actors-3947">Paul Walter</persName> eingesetzt war, war <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> allein für
                        den Predigtdienst verantwortlich.</p>
                    <p>In seinen Predigten suchte er ein gehobenes Bildungs-Bürgertum unter den
                        Gliedern seiner Gemeinde anzusprechen. Sie beziehen daher oftmals
                        historische, philosophische und literarische Kontexte mit ein. Er wandte
                        dabei seine eigene Bildung an. Wie seine Predigten so nahm <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> auch den
                        Konfirmandenunterricht sehr ernst, den er wie Vorlesungen für Laien
                        gestaltete. Er trug sie in 35 Lektionen vor, zu denen er jeweils einen
                        Leitsatz diktierte. Einer lautete etwa so: «Der Weg zu Jesus und der Weg zum
                        Lebensinhalt kann nicht wie eine Wissenschaft oder wie ein Beruf gelehrt und
                        gelernt werden. Die <pb xml:id="pr008" ed="pga"/> christliche Gewissheit ist eine
                        Erfahrung des innern Lebens[,] und Gott führt jeden seinen besondern
                            Weg.»<note xml:id="n01"><bibl corresp="kbga-bibls-1641"><persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName>, <hi rend="italic">Konfirmandenunterricht
                                1909–1921</hi>, hrsg. von J. Fangmeier (Gesamtausgabe, Abt.
                            I), Zürich 1987, <ref type="pub-" target="../volume/18/p057#p057">S. 57–106</ref>, dort <ref type="pub-" target="../volume/18/p061#p061">S. 61</ref> (i. Orig.
                            hervorgehoben)</bibl>.</note> Zudem machte <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> viele Hausbesuche und erfuhr
                        dabei Manches, was er dann in den Predigten besprach. Oder er griff es auf
                        in Artikeln in dem «<bibl corresp="kbga-bibls-2742">Gemeinde-Blatt für die Deutsche reformierte Gemeinde
                        Genf.</bibl>»</p>
                    <p>Es waren namentlich zwei Ereignisse, die ihm damals nachhaltig zu denken
                        gaben. Im <date when="1911-02">Februar</date> beeindruckte ihn der amerikanische Studentenführer <persName ref="kbga-actors-3705">John
                        Mott</persName>, als er in <placeName ref="kbga-places-67">Genf</placeName> sprach. «Er hat nur eine Melodie, wie der alte
                        Dessauer, aber die ist gut: <hi rend="italic">Evangelisation</hi>, die Menschheit
                        für Jesus und Jesus für die Menschheit.»<note xml:id="n02"><bibl corresp="kbga-bibls-1407"><persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName>, <hi rend="italic">Vorträge von John Mott</hi> (1911), in: V.u.kl.A.
                            1909–1914, <ref type="pub-" target="../volume/22/p285#p285">S. 285–287</ref>, dort <ref type="pub-" target="../volume/22/p286#p286">S. 286</ref></bibl>.</note> <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> kam auch
                        in der Predigt vom <date when="1911-02-26">26. Februar 1911</date> darauf zu sprechen.<note xml:id="n03">Siehe unten, <ref type="pub" target="../volume/51/p078#p078">S. 78</ref>.</note> In anderer Weise reagierte er auf einen
                        Vorfall in <placeName ref="kbga-places-67">Genf</placeName>. Es handelte sich um einen förmlichen Volksaufstand am <date when="1911-04-28">28.
                        April</date> im Namen der Freiheit und des Fortschritts zugunsten von sittlicher
                        Laxheit. Insbesondere trieb ihn der von ihm vernommene Satz des Genfer
                        Staatsrats <persName ref="kbga-actors-4668">Henri Fazy</persName> zu einem grundsätzlichen Widerspruch: «<foreign xml:lang="fre">Nous respectons
                        la religion, mais qu’on nous laisse en repos!</foreign>» Es ging dabei um
                        Glückspiele, was für <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> eine konkrete Spitze von Alkoholismus,
                        Mammonismus und Libertinismus war.<note xml:id="n04">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-1668"><persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName>, <hi rend="italic">Wir wollen nicht, dass dieser über uns herrsche</hi>
                            (1911), in: V.u.kl.A. 1909–1914, <ref type="pub-" target="../volume/22/p320#p320">S. 320–328</ref>, Zitat:
                            <ref type="pub-" target="../volume/22/p321#p321">S. 321</ref></bibl>. Vgl. auch a.a.O., <ref type="pub-" target="../volume/22/p310#p310">S. 310–319</ref>.</note> In seiner Predigt am
                        <date when="1911-05-07">7. Mai 1911</date> befasste er sich mit diesem Vorfall.<note xml:id="n05">Siehe
                            unten, <ref type="pub" target="../volume/51/p143#p143">S. 143–157</ref>.</note></p>
                    <p>Am <date when="1911-04-02">2. April</date> hielt er seine <ref type="pub" target="51009">Probepredigt</ref> im aargauischen <placeName ref="kbga-places-54">Safenwil</placeName>, das erst
                        seit 40 Jahren eine selbständige Kirchgemeinde war. Der Predigttext <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.5.10 Mt.5.12">Mt.
                        5,10–12</ref> setzte dabei eine ernste Note: «Selig sind, die um
                        Gerechtigkeit willen verfolgt werden…». Kurz danach wurde er dort als
                        Pfarrer der reformierten Kirchgemeinde mit großer Zustimmung gewählt. Das
                        Presbyterium, die sogenannte «Kirchenpflege», und die weiteren Glieder der
                        Kirchgemeinde sahen dem neuen Pfarrer freudig-gespannt entgegen. Am <date when="1911-07-03">3. Juli
                        1911</date> zog <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> in dem Pfarrhaus in <pb xml:id="pr009" ed="pga"/> <placeName ref="kbga-places-54">Safenwil</placeName> ein, am
                        folgenden <date when="1911-07-09">Sonntag, 9. Juli</date>, wurde er nachmittags von seinem <persName ref="kbga-actors-21">Vater</persName> mit einer
                        Predigt über <ref type="can" subtype="bible" target="2.Kor.4.1 2.Kor.4.2">2.Kor. 4,1f.</ref> in sein Amt eingeführt; der Sohn predigte im
                        gleichen Gottesdienst über <ref type="can" subtype="bible" target="Joh.14.24">Joh. 14,24</ref> und bezog das Wort über Jesus dabei
                        kühn auf sich: «Das Wort, das ihr höret, ist nicht mein, sondern des Vaters,
                        der mich gesandt hat.» Er sagte dazu programmatisch, «dass ich Euch nicht
                        von Gott rede, weil ich einmal Pfarrer bin, sondern dass ich Pfarrer bin,
                        weil ich von Gott reden <hi rend="italic">muss</hi>…».<note xml:id="n06">Siehe unten, <ref type="pub" target="../volume/51/p199#p199">S. 199</ref>.</note></p>
                    <p>Bei seiner Antrittspredigt in <placeName ref="kbga-places-54">Safenwil</placeName> war auch eine Reihe von Verwandten und
                        Freunden und namentlich auch seine geliebte 17jährige Braut anwesend, <persName ref="kbga-actors-26">Nelly
                        Hoffmann</persName>. Mit ihr hatte er sich wenig zuvor noch in <placeName ref="kbga-places-67">Genf</placeName> verlobt, nachdem er
                        eine Woche zuvor um ihre Hand angehalten hatte. In <placeName ref="kbga-places-134">Rorschach</placeName>, wo ihr Vater
                        Verwalter eines Guts und einer der Staatsschreiber war,<note xml:id="n07">Den «von»- Zusatz zu ihrem Namen hatte die Familie schon zuvor im
                            19. Jahrhundert abgelegt (Information des Rorschacher Historikers Dr.
                            Louis Specker).</note> war sie als jüngste von fünf Schwestern geboren.
                        Von dort war ihre Mutter nach dem frühen Tod ihres Vaters <date when="1905">1905</date> nach <placeName ref="kbga-places-67">Genf</placeName>
                        gezogen. Sie gehörte zum ersten Jahrgang von <persName ref="kbga-actors-2151">Karl Barths</persName>
                        Unterweisungsschülern und war von ihm an <date when="1910-05-05">Himmelfahrt 1910</date> konfirmiert
                        worden. Nach ihrer Verlobung verzichtete sie auf ihr angestrebtes
                        Musikstudium und bereitete sich unter Anleitung ihrer Mutter <persName ref="kbga-actors-5823">Anna Elisabeth
                        Hoffmann</persName> in <placeName ref="kbga-places-67">Genf</placeName> auf ihre zukünftige Rolle als Ehe- und Pfarrfrau vor. Ihr
                        Bräutigam vermisste sie in dieser Zeit sehnlich. Ihre Vermählung fand im
                        <date when="1913-03">März 1913</date> statt.</p>
                    <p>Schon gleich anderntags nach seiner Amtseinführung wanderte <persName ref="kbga-actors-2151">Karl Barth</persName> in das
                        benachbarte <placeName ref="kbga-places-382">Uerkheim</placeName>, um mit dem dortigen Pfarrer <persName ref="kbga-actors-763">Paul Schild</persName> den Plan für
                        eine Zusammenarbeit zu besprechen. Auch knüpfte er bald Kontakt mit dem
                        katholischen Kollegen <persName ref="kbga-actors-583">Arnold Grolimund</persName> in einem Nachbarort. Er betätigte
                        sich nach vielen Seiten.<note xml:id="n08">Zu <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> ersten Safenwiler
                            Monaten vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-2498">P. Zocher, <hi rend="italic">«Hier hat man das erfreuliche
                                Gefühl,</hi> nötig <hi rend="italic">zu sein.» Der neue Pfarrer Karl
                                Barth und die Gemeinde Safenwil im Jahre 1911</hi>, in: ZDT 31
                            (2015), Nr. 2 (erscheint voraussichtlich im Oktober 2015)</bibl>.</note> Im
                        Winter hielt er Gemeindebibelstunden und wurde Mitglied im <orgName ref="kbga-actors-8613">Blaukreuzverein</orgName>.
                        In der Kirchenpflege wirkte als deren «Aktuar». <pb xml:id="pr010" ed="pga"/> Er
                        übernahm zeitweise den Unterricht in der Haushaltungsschule mit Kursen über
                        Gesundheitslehre und Buchführung und war Mitglied der «Schulpflege», in der
                        er sich auch für das Turnen von Mädchen einsetzte. Seinem <persName ref="kbga-actors-21">Vater</persName> berichtete
                        er: «Es fällt mir auf, wie ganz anders man hier als Pfarrer mitten im
                        Volksleben drinsteht, <foreign xml:lang="lat">nolens volens</foreign>, als in <placeName ref="kbga-places-67">Genf</placeName>. Man kann hier als Pfarrer
                        einfach Alles werden und machen, […]. Mir ist diese Situation ganz
                        erwünscht, lieber als die an anderen Orten, wo man mit seinen ‹christlichen›
                        Bestrebungen so nebenab steht und froh sein muss, wenn die Leute etwas von
                        Einem wollen.»<note xml:id="n09">Brief an <persName ref="kbga-actors-21">Fr. Barth</persName> vom <date when="1911-09-21">21.9.1911</date> 
                        (<idno type="kba-objects-identifier">KBA 9211.90</idno>).</note></p>
                    <p><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> sah doch auch hier seine entscheidende Aufgabe in der des Predigens. Er
                        schrieb seine Predigten wörtlich aus, aber las dann sein Manuskript nicht
                        vor, sondern sprach frei zu den Anwesenden. Die Predigten wurden nun
                        merklich volksnäher, auch wenn sie <persName ref="kbga-actors-637">Gottfried Keller</persName>, <persName ref="kbga-actors-136">Johann Wolfgang von
                        Goethe</persName> und <persName ref="kbga-actors-764">Friedrich von Schiller</persName> als bekannt voraussetzten. Er ging darin
                        immer wieder auch auf politische Vorkommnisse und dörfliche
                        Alltagsereignisse ein. Es ist ersichtlich, dass er bei der Vorbereitung
                        neben der Bibel und dem Gesangbuch auch die Zeitung, vielmehr verschiedene
                        Zeitungen aufgeschlagen vor sich hatte. Er tat dies in der Grundüberzeugung,
                        dass die alten Bibeltexte aktuell zu den heutigen Menschen, ja, direkt zu
                        den unter der Kanzel versammelten Leuten sprechen. Gerade darum tauchen in
                        den Predigten Anzeichen auf, dass sich sein Denken zu wandeln begann. Das
                        Bildungsideal, das in <persName ref="kbga-actors-136">Goethe</persName> seinen Maßstab hat, begann hinter den Problemen
                        der Arbeitswelt der Safenwiler Menschen zurückzutreten. In der <ref type="pub" target="51038">Predigt am 3.
                        Advent</ref> ist sogar davon die Rede, es gelte zu «<hi rend="italic">wählen</hi>»
                        – zwischen dem Lebensziel <persName ref="kbga-actors-136">Goethes</persName>, das «abseits von den Nöten» liegt,
                        oder dem Jesu, der sich gerade diesen Nöten zuwendet. Damit deutet sich an,
                        was für <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> schon in seinem ersten Jahr in <placeName ref="kbga-places-54">Safenwil</placeName> wichtig wurde.</p>
                    <p>In diesem Dorf wohnten nämlich nebst einigen Bauern vor allem Fabrikarbeiter
                        und -arbeiterinnen, die zumeist in der Strickerei, ­Färberei, Weberei und
                        Dampfsäge am Ort angestellt waren. Diese Industrien waren in der Hand von
                        zwei Fabrikbesitzern. Vom Konfirmandenalter an mussten die Menschen
                        beiderlei Geschlechts über <pb xml:id="pr011" ed="pga"/> 12 Stun­den Tag für Tag in
                        den Fabriken arbeiten. Und sie verdienten dabei kaum genug für den
                        Lebensunterhalt. Der neue Pfarrer stand bald wie selbstverständlich auf
                        Seiten der armen Leute. Vom Oktober an hielt er Vorträge im <orgName ref="kbga-actors-9909">Arbeiterverein</orgName>.
                        Hohe Wellen schlug sein Vortrag in diesem Kreis am <date when="1911-12-17">17. Dezember 1911</date> über
                        «Jesus Christus und die soziale Bewegung». Darin erklärte er, dass die
                        Kirche Jahrhunderte lang gegenüber der sozialen Not versagt habe – im
                        Gegensatz zu Jesus, für den es nur einen solidarischen, sozialen Gott
                        gegeben habe. Nach ihm müsse man «ein Gemeinschaftsmensch, ein Genosse
                        werden […], um überhaupt ein Mensch zu sein».<note xml:id="n10"><bibl corresp="kbga-bibls-1528"><persName ref="kbga-actors-2151">K.
                            Barth</persName>, <hi rend="italic">Jesus Christus und die soziale Bewegung</hi> (1911),
                            in: V.u.kl.A. 1909–1914, <ref type="pub-" target="../volume/22/p380#p380">S. 380–409</ref>, dort <ref type="pub-" target="../volume/22/p407#p407">S. 407</ref></bibl>.</note>
                        Nachdem der Vortrag in der sozialistischen Tageszeitung «<orgName ref="kbga-actors-6494">Freier Aargauer</orgName>»
                        veröffentlicht war, regte sich Widerspruch. Der Fabrikant <persName ref="kbga-actors-7657">Walter Hüssy</persName>
                        reagierte mit einem scharfen publizistischen Angriff auf ihn. Der Präsident
                        der Safenwiler Kirchenpflege reichte seinen Rücktritt ein. Über die
                        freundliche Stimmung der ersten Zeit zog eine Gewitterwolke auf. <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> aber
                        ließ es sich nicht verdrießen, für die gerechte Sache einzustehen. In seinen
                        Predigten ging er kaum darauf ein. Er meinte, man könne hier nicht ständig
                        «politisch» reden, sondern nur gezielt in konkreten Fällen. Aber in seinen
                        Predigten war der Grund gelegt für sein Eintreten für bedrohte
                        Mitmenschen.</p>
                <div>
                    <head type="sub"><hi rend="italic">2) Dank der Herausgeber</hi></head>
                    <p>Für ihre Hilfe bei der Erstellung und Kontrolle der Register und weiteren
                        Recherche- und Korrekturarbeiten ist den Mitarbeitern im Karl Barth-Archiv,
                        Michael Braunschweig und Dominic Schneider zu danken. Dem Leiter des
                        Archivs, Dr. Peter Zocher, danken wir recht herzlich für die sorgfältige
                        Durchsicht und seine Verbesserungen an dem von uns ausgearbeiteten
                        Editionstext. Überdies ist den Mitarbeitern des Theologischen Verlags Zürich
                        für die gute verlegerische Betreuung und der pagina GmbH, Tübingen, für ihre
                        akkurate Arbeit bei der Satzerstellung zu danken.</p>
                    <closer>
                        <dateline rend="left">Friedland, im Sommer 2015</dateline>
                        <signed rend="right"><hi rend="italic">Beate Busch-Blum und Eberhard
                            Busch</hi></signed>
                    </closer>
                </div>
                <div>
                     <pb xml:id="pr012" ed="pga"/>
                    <head type="sub"><hi rend="italic">3) Zu dieser Edition</hi></head>
                   
                    <p>Dieser Band enthält die 39 Predigten des Jahres <date when="1911">1911</date>, von denen <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> das
                        erste Drittel im ersten Halbjahr in <placeName ref="kbga-places-67">Genf</placeName>, die übrigen 26 Predigten im
                        zweiten Halbjahr in <placeName ref="kbga-places-54">Safenwil</placeName> gehalten hat. Sie sind mit den Nummern
                        56–94 versehen; Kasualansprachen aus diesem Jahr sind nicht erhalten.
                        Die im Karl Barth-Archiv aufbewahrten Manuskripte sind auf unlinierte Bögen
                        geschrieben, die eine Höhe von 22,5 cm und eine Breite von 36 cm haben und
                        einmal quergefaltet sind. Alle Predigten des Jahres 1911 sind in sauberer,
                        deutscher Handschrift komplett ausgeschrieben. Für die Genfer Predigten
                        benötigte <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> in der Regel vier solcher Bögen, beschrieb alle 16 Seiten
                        – und manchmal noch eine weitere eines fünften Bogens; in Safenwil
                        genügten ihm für die dort gehaltenen 26 Predigten überwiegend drei Bögen,
                        deren zwölf Seiten er jeweils füllte. Dreimal beschrieb er dort lediglich
                        elf Seiten, neunmal brauchte er für eine oder zwei weitere Seiten einen
                        vierten Bogen.</p>
                    <p>Den Predigttext hat <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> jeweils der Predigt vorangestellt und durch
                        Unterstreichungen zumeist des ganzen Textes, mitunter auch nur der in ihm
                        enthaltenen wörtlichen Rede oder von Teilen davon, hervorgehoben. <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>
                        folgte jeweils der Fassung der von ihm benutzten revidierten Ausgabe der
                        Luther-Übersetzung von 1892 (9. Abdruck, Halle/S. 1899); er hatte ein
                        Exemplar davon zu Weihnachten 1900 von seinem Patenonkel <persName ref="kbga-actors-10109">Karl Sartorius</persName>
                        geschenkt bekommen.</p>
                    <p>Überwiegend – in <placeName ref="kbga-places-67">Genf</placeName> immer – notierte <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> links oder rechts
                        oben auf der ersten Seite des Manuskripts die Liednummern für den
                        Gottesdienst, die sich nach dem 1890/91 eingeführten Gesangbuch für die
                        evangelisch-reformierte Kirche der deutschen Schweiz (GERS) richteten; sie
                        werden in dieser Ausgabe unterhalb der jeweiligen Predigt mitgeteilt, die
                        Liednummern im Gesangbuch der Evangelisch-reformierten Kirchen der
                        deutschsprachigen Schweiz (RG) von 1998 bzw. im (deutschen) Evangelischen
                        Gesangbuch (EG) von 1992 sind hinzugefügt, soweit die Lieder dort enthalten
                        sind. Nur während seiner Zeit in <placeName ref="kbga-places-67">Genf</placeName> hat <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> außerdem ebenfalls oben auf
                        der ersten Seite des Manuskripts die Bibelstelle(n) für die Lesung(en) im
                        Gottesdienst aufgeschrieben.<note xml:id="n11">Dass er dies gerade in <placeName ref="kbga-places-67">Genf</placeName>
                            – und dann nicht mehr – tat, mag auf den dortigen Einfluss
                            <persName ref="kbga-actors-636">Adolf Kellers</persName> zurückzuführen sein, der mit der Einführung einer
                            zusätzlichen Lesung im Gottesdienst dessen ansonsten eher sparsame
                            liturgische Gestaltung aufwerten wollte; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4">M. Jehle-Wildberger, <hi rend="italic">Adolf Keller (1872–1963). Pionier der ökumenischen
                                Bewegung</hi>, Zürich 2008, S. 60</bibl>. Zur Gottesdienstgestalt in
                            <placeName ref="kbga-places-54">Safenwil</placeName> vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-2031">Predigten 1915, <ref type="pub" target="../volume/27/pr008#pr008">S. VIII–XI</ref></bibl>.</note> Auch diese
                        Angaben finden sich in dieser Ausgabe unterhalb der jeweiligen Predigt.</p>
                    
                    <p><pb xml:id="pr013" ed="pga" rend="noPipe"/> Die Transkription der Manuskripte war Sache der Herausgeber und wurde im Karl
                        Barth-Archiv überprüft. Die sehr wenigen unsicheren Worte sind mit einem [?]
                        oder mit einer Anmerkung versehen. Orthographie und Interpunktion wurden
                        nach den für die Gesamtausgabe gültigen Regeln modernisiert. Abkürzungen
                        sind in der Regel ausgeschrieben, lange Passagen ohne Gliederung häufiger
                        durch Herausgeber-Absätze untergliedert. Diese orientieren sich in vielen
                        Fällen an Gedankenstrichen, die <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> eingefügt hatte, und sind erkennbar an
                        einem senkrechten Strich hinter dem letzten Satzzeichen des Absatzes.
                        Unterstreichungen mit Tinte werden durch Kursivsatz wiedergegeben, andere
                        Unterstreichungen Barths sind in den Manuskripten dieses Bandes nicht
                        enthalten. Eckige Klammern im Predigttext– in der Regel handelt es
                        sich um Bibelstellennachweise – markieren stets Zusätze der
                        Herausgeber.</p>
                    <closer>
                        <dateline rend="left">Basel, im Juli 2015</dateline>
                        <signed rend="right"><hi rend="italic">Peter Zocher</hi></signed>
                    </closer>
                </div>
                </div>
            </div>
        </body>
    </text>
</TEI>
