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        <title type="volume" n="vol-05">Predigten 1914</title>
        <title type="content">Grabrede</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: Grabrede, 14. Januar 1914</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/5059 (Stand: 25. August 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Predigten 1914, hrsg. v. Fähler, Ursula / Fähler, Jochen (Gesamtausgabe, Abt. I), Zürich 1999, S. 651–653.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
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        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Predigten 1914</title>
          <title type="text">Grabrede</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Fähler, Ursula</editor>
          <editor>Fähler, Jochen</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">1999</date>
          <biblScope unit="page">Pp. 651-653</biblScope>
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        <!-- The first digital edition (data from xml and database) -->
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          <title type="edition">Princeton Barth Project edition</title>
          <title type="text">electronic edition of Karl Barth, Gesamtausgabe I.5, Predigten 1914, grabrede</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>James R. Adair, Jr.</editor>
          <editor>Timothy J. Finney</editor>
          <editor>Christian Kelm</editor>
          <pubPlace>Princeton</pubPlace>
          <publisher>Alexander Street Press</publisher>
          <date type="publication">2001</date>
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            <head type="header">Grabrede<note xml:id="n01">Vgl. dazu die Osterpredigt, 215, vom <date when="1914-04-12">12. April 1914</date>, <ref target="5019#p192" type="pub">S. 192</ref>. Die Namen wurden abgekürzt.</note>
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        <p>H. St. wurde geboren am 18. März 1863 als Sohn des S. und der A. M. St. von G., der vierte von acht Geschwistern. Nach einer Lehrzeit in L. mußte der junge Mann infolge des Todes des Vaters die Versorgung der jungen Geschwister übernehmen. Sie sind ihm in dieser Zeit zu großem Dank verpflichtet worden. Die Familie lebte zuerst im K., dann in A. Hier arbeitete er vierzehn Jahre lang als Rangiermeister am Bahnhof. 1902 verehelichte er sich mit Witwe E. W. geb. Z. und übernahm das Restaurant z. Holde und den damit verbundenen Kohlenhandel. Den Kindern seiner Frau aus erster Ehe ist er ein besorgter Vater geworden. 1904 erfolgte die Übersiedlung nach <placeName ref="kbga-places-54">Safenwil</placeName> und die Übernahme des Gasthofs zum Löwen daselbst. — Am Sonntag dem <pb xml:id="p652" ed="pga"/> 11. Januar 1914, abends 1/2 8 Uhr, wurde St. in seinem Zimmer tot aufgefunden. Er starb im Alter von 50 Jahren, 10 Monaten und 7 Tagen.</p>
        <p>Wir sind nicht hier, um von einem Menschen zu reden, weder Gutes noch Böses. Was uns not tut bei einem solchen Ereignis, das ist, daß wir von Gott reden und Gott zu uns reden lassen.</p>
        <p>Ihr, die Angehörigen des Toten, seid jetzt erfüllt von der schweren vorwurfsvollen Frage: warum hast du uns das angetan? Fragt nicht so! Ihr könntet ihm vielleicht Unrecht tun. Er hat vielleicht mehr gelitten, als ihr jetzt leidet. Vielleicht hat ihn ein tieferes Weh zu dieser Tat getrieben, als wir ahnen können. Gott weiß es. Und Gott will, daß wir ehrfurchtvoll stillstehen vor dem Geheimnis jedes Menschenlebens, auch dann, wenn es zusammengebrochen ist in der Not und in der Sünde. Denkt heute an alles Gute, was der Tote euch bei Lebzeiten gewesen ist! Dann tut ihr, was göttlich ist, in diesen Tagen.</p>
        <p>Ihr Andern, die Fernerstehenden, denkt jetzt: wie ist es möglich, daß ein Mensch so weit kommen kann?, wie kann Einer zu solch einer Tat sich entschließen?, und schaudernd wendet ihr euch ab von diesem traurigen Bilde. Denkt nicht so! Entsetzt euch nicht so sehr über diese Tat als über das, was ihr vorangegangen ist, über das, was sie herbeigeführt hat! Nicht die schlimmen Taten sind die Schuld, sind das Böse im Menschenleben, sondern die schlimmen Gedanken und Gewohnheiten, aus denen solche Taten geboren werden. Ein arger Baum kann nicht gute Früchte bringen [<ref type="can" subtype="bible" target="Mt.7.18">Mt. 7,18</ref>]. Und das Arge in diesem traurigen Fall war zum geringsten Teil die persönliche Schuld des Toten. Es fehlte ihm nicht an guten Anlagen und Eigenschaften. Wie kam er dahin, wohin er gekommen ist? Ich brauche es nicht auszusprechen. Ihr wißt es selber. Er tat nur, was hundert Andere auch tun. Die Not, der er erlegen ist, war eine allgemeine Not. Bei ihm kams zur schlimmen Frucht. Viele sind nicht besser als er, die nicht soweit gekommen sind. Nur das Anzeichen der allgemeinen Not, die ihn [dazu getrieben hat], ist ein solcher besonderer Fall. Schweizervolk, wann wirst du aufwachen und <pb xml:id="p653" ed="pga"/> diese deine Not erkennen? Das ist die Frage, die Gott heute an uns richtet, sein Ruf, den wir heute hören sollten!</p>
        <p>Und wir alle, meine Freunde, denken wohl jetzt: Gott bewahre uns vor einem solchen Ende! Ja, Gott bewahre uns! Aber laßt uns aus dieser Bitte Alles entfernen, was auch nur entfernt wie Hochmut und Geringschätzung gegenüber dem Toten aussehen könnte! Gott bewahre uns vor der Saat, die zu einer solchen Ernte führen muß! Aber wir wollen nicht den Kopf schütteln über den Einen, der jetzt traurig geerntet hat. Wir sind nicht aus anderm Holze gemacht als er. Es ist Gottes Erbarmen und nicht unser Verdienst, wenn wir noch Zeit haben bis zur Ernte. Gottes Gnade soll uns nicht umsonst leuchten. Wir wollen unsre Zeit so verwenden, daß wir einmal anders ernten dürfen. Es ist Gottes Gnade und nicht unser Verdienst, wenn wir das dürfen.</p>
        <p>Gottes Gnade leuchtet aber auch dem toten Bruder, von dem wir heute Abschied nehmen. Gottes Gnade macht vor dem Grab nicht Halt, auch nicht vor einem solchen Grab. In seiner Hand steht jetzt auch der Mann, der von uns gegangen ist. Er kennt ihn, wie wir ihn nicht kannten. Er hat Mittel und Wege auch für ihn, auch jetzt noch, die für uns Geheimnis sind. Wir können nur das wissen, daß er auch über ihn gesprochen hat: ich habe dich je und je geliebet [<ref type="can" subtype="bible" target="Jer.31.3">Jer. 31,3</ref>]. Mit diesen Gedanken laßt uns von ihm Abschied nehmen: Gott mit ihm!, wie wir hoffen, daß er mit uns sein möge, jetzt und in Ewigkeit.</p>
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          <salute>
                        <milestone xml:id="m042" unit="page"/>Amen.</salute>
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