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        <title type="volume" n="vol-05">Predigten 1914</title>
        <title type="content">Predigt: Jesaia 42,23-43,1 (2. Advent)</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: Predigt: Jesaia 42,23-43,1 (2. Advent), 6. Dezember 1914</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/5054 (Stand: 25. August 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Predigten 1914, hrsg. v. Fähler, Ursula / Fähler, Jochen (Gesamtausgabe, Abt. I), Zürich 1999, S. 600–612.</title>
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      <editionStmt>
        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
      </editionStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Predigten 1914</title>
          <title type="text">Predigt: Jesaia 42,23-43,1 (2. Advent)</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Fähler, Ursula</editor>
          <editor>Fähler, Jochen</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">1999</date>
          <biblScope unit="page">Pp. 600-612</biblScope>
          <!--position within a volume-->
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        <!-- The first digital edition (data from xml and database) -->
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          <title type="edition">Princeton Barth Project edition</title>
          <title type="text">electronic edition of Karl Barth, Gesamtausgabe I.5, Predigten 1914, sermon 249</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>James R. Adair, Jr.</editor>
          <editor>Timothy J. Finney</editor>
          <editor>Christian Kelm</editor>
          <pubPlace>Princeton</pubPlace>
          <publisher>Alexander Street Press</publisher>
          <date type="publication">2001</date>
        </bibl>
        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Barth, Karl, Predigt: Jes 42,23-43,1 (2. Advent), 6. Dezember 1914. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/1690">KBA 1227</ref>. </bibl>
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        <date type="creation" when="1914-12-06">6. Dezember 1914</date>
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        <language ident="ger">German</language>
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                        <idno>249</idno>
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                        <placeName ref="kbga-places-54">Safenwil</placeName>, Sonntag, den <date when="1914-12-06">6. Dezember 1914</date><note xml:id="n01">Als Lied, das in dem Gottesdienst gesungen wurde, ist auf dem
                     <ref corresp="A">Mskr.</ref> notiert: <bibl corresp="kbga-songs-130" type="song">
                                Nr. 87: «Auf, auf, ihr Reichsgenossen …» von <persName ref="kbga-actors-1395">J. Rist</persName>
                        (1607–1667), Strophen 1–3; 4–6 (EKG 8, Strophen 1,2,5; 6–8)</bibl>.</note>
                    </dateline>
          <head type="event">II. Advent</head>
          <epigraph>
            <cit>
              <ref type="can" subtype="bible" target="Jes.42.23 Jes.43.1">Jesaja 42,23–43,1</ref>
            
            <quote>
                                <hi rend="text-recte">… Wer hat <persName ref="kbga-actors-2199">Jakob</persName> übergeben den Plünderern und Israel den Räubern?</hi> Hats nicht der Herr getan, an dem wir uns versündigt haben, <hi rend="text-recte">und sie
                     wollten auf seinen Wegen nicht wandeln und gehorchten seinem Gesetz nicht.
                     Darum hat er über sie ausgeschüttet den Grimm seines Zornes und die Wut des
                     Krieges, und hat es rings um sie her entzündet, aber sie merken es nicht, und
                     hat sie in Brand gesteckt, aber sie nehmen es nicht zu Herzen. Und nun <pb xml:id="p601" ed="pga"/> spricht der Herr, der dich geschaffen hat, <persName ref="kbga-actors-2199">Jakob</persName>, und dich gemacht hat,
                     Israel:</hi> Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöset; ich habe
                        dich bei deinem Namen gerufen: du bist mein!
                  </quote>
                        </cit>
          </epigraph>
          <salute>Liebe Freunde!</salute>
        </div>
        <div type="main">
        <p>Unsere Textworte sind von denen, die uns einladen zu weiten, großen Überblicken über
               die Gedanken Gottes mit uns, soweit sie unserem Verständnis zugänglich sind. Und
               darum passen sie so recht in diese Adventszeit. Denn die Adventszeit ruft uns auf zu
               weiten, großen Gedanken. Auf einen hohen Berg sollen wir uns da führen lassen zu
               stillem, ruhigem Sinnen und Betrachten: Woher? und Wohin? Hinter uns liegt das Jahr
               mit seinen Sorgen und Freuden, seinen Fortschritten und Verwirrungen, mit seinen
               Sünden und Gnadenerfahrungen — vor uns nun noch die Weihnacht mit ihrer alten, ewig
               neuen Botschaft: <q rend="block">
                            <lg>
                                <l xml:space="preserve">Christ ist erschienen,</l>
                                <l xml:space="preserve">uns zu versühnen,</l>
                                <l xml:space="preserve">freue, freue dich, o Christenheit!<note xml:id="n02">Aus dem geistlichen Volkslied <bibl corresp="kbga-songs-235" type="song">«O du fröhliche …», Strophe 2 (von <persName ref="kbga-actors-1371">H. Holzschuher</persName>, 1798–1847)</bibl>.</note></l>
                            </lg>
                        </q>
                    </p>
                    <p> Hinter uns liegt die Welt mit ihrer Schuld und ihrer Sehnsucht, vor uns das Wort
               und die Verheißung Gottes: mache dich auf und werde licht! denn dein Licht kommt, und
               die Herrlichkeit des Herrn geht auf über Dir [<ref type="can" subtype="bible" target="Jes.60.1">Jes. 60,1</ref>]. Hinter uns die Zeit, vor uns die Ewigkeit. Wie
               sollten da unsere Gedanken nicht gern einen hohen Flug nehmen, mehr als gewöhnlich,
               wo unsere Augen vom Nächstliegenden, Aktuellen, allzu oft vom Kleinen und ganz
               Kleinen in Anspruch genommen sind? Und nötiger als je muß uns das sein in dieser
               Kriegszeit. So vielen Menschen fehlt es gerade jetzt am freien Überblick über die
               großen Grundwahrheiten des Lebens. So viel ist da, was sich an uns heran, in uns
               hinein drängen und uns hinunterziehen will in die finsteren Täler, in denen der Nebel
               herrscht und aus denen es keinen Ausweg gibt. Die Sorgen und <pb xml:id="p602" ed="pga"/>
                Kummer: wie wird Alles noch gehen und wie werden wir es überstehen! kommen daher und
               werden dringend, je weiter der Winter fortschreitet. Und die Fragen und Gedanken
               lasten auf uns: wie das in der Welt noch werden wird? warum es so sein mußte? wie es
               nachher sein wird? Es gibt Menschen, die krank geworden sind über all dem Leid, das
               sie mitansehen müssen, über den Zweifeln, die bei dem allen in ihnen aufsteigen. Auf
               der anderen Seite dann ebenso vielerlei Trostgründe und Erklärungen, z. T.
               selbstsüchtiger Art, z. T. andere.</p>
        <p>Wie sollen wir uns halten gegenüber den Ereignissen der Zeit? Sollen wir vor Allem
               bewundern bei [?] all dem Großen, [was] geschieht,<note xml:id="n03">Der Satz ist
                  anscheinend nicht intakt. Das mit «bei» wiedergegebene Wort ist durch eine
                  Korrektur unleserlich geworden, vor diesem Wort ist von <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> ein Komma
                  gestrichen.</note> oder mitleiden bei all dem unsagbaren Schmerz, der jetzt so
               Viele erfüllt, oder innerlich protestieren gegen das Unrecht, das begangen wird,
               gegen die Greuel des Krieges überhaupt — oder vielleicht uns gleichgültig abwenden
               von dem ungeheuren Schauspiel, da es ja uns persönlich augenblicklich nicht viel
               angeht? Schwere Gefahren bedrohen jetzt unsere Seele von allen Seiten: Mutlos und
               ängstlich könnte diese Zeit uns machen, hineingerissen könnten wir werden in den
               Strudel der Leidenschaften, der jetzt die Welt durchtobt, in den Irrtum könnten wir
               hineingeraten, als ob Macht vor Recht gehe und gehen müsse unter den Menschen,
               kleinlich und krämerisch könnten wir werden in dem Bestreben, uns in der allgemeinen
               Notlage in Sicherheit zu bringen, der Stumpfsinn und die Gottlosigkeit könnten uns
               überkommen, als ob die Welt ein wüstes Chaos wäre, ohne Sinn und ohne Geist und ohne
               Liebe. Wer von uns kennt diese Gefahren nicht, macht sie nicht durch in der
               gegenwärtigen Zeit, muß nicht dagegen kämpfen mit Aufbietung aller besseren Kräfte,
               die in ihm sind? So fühlen wir uns bedrängt und hin- und hergezogen von allen Seiten.
               So sehen wir uns die Aussicht versperrt dahin und dorthin. So will uns die Welt
               gerade jetzt den Atem verschnüren und das Licht rauben. Nötig ist es uns, daß wir uns
               <pb xml:id="p603" ed="pga"/>
                darum gerade jetzt von Gott auf die hohe Warte führen lassen, wo uns gezeigt wird,
               was er uns zu schenken hat und was er von uns will, was das Leben ist und wohin unser
               Weg geht. Adventszeit! selige Zeit großer, befreiender Gedanken inmitten der Unruhe
               und Gefangenschaft und Kleinheit der Welt. O, daß wir uns wirklich von Gott dahin
               führen lassen wollten!</p>
        <p>Unser Prophetenwort redet von einer großen <hi rend="italic">Bedrängnis,</hi> die über das
               Volk Gottes hereingebrochen ist. Plünderern und Räubern ist es dahingegeben. Jammer
               und Krieg umgeben es wie ein loderndes Feuer. Vom Volk Israel war das einst gesagt,
               das die bitterste Erfahrung machen mußte, daß ihm sein Vaterland genommen, es selber
               in die Fremde verschleppt wurde. Aber es liegt darin, wenn wir es recht überdenken,
               ohne Weiteres das Erlebnis, das jede Menschenseele durchzumachen hat, und jetzt mehr
               als je. Unsere Seele ist ein Himmelskind, von Gott geschaffen, für Gott bestimmt. Ein
               Sehnen ist in uns, zurück zu unserem Ursprung. Wir müssen im Lichte leben, in der
               Freude, in der Wahrheit, in dem, was göttlich ist. Solange dies Sehnen nicht gestillt
               ist, sind wir in Unruhe und Unglück. Und dies Sehnen ist noch nicht gestillt, das
               erfahren wir jetzt. Wir müssen <hi rend="italic">mitten drinstehen</hi> in einer Welt voll
               scharfer Dornen und Kanten, voller Schwierigkeiten und Hindernisse. Der Friede, nach
               dem da drinnen eine Stimme ruft, wir finden ihn da draußen nicht, im Gegenteil: der
               Unfriede der Welt will hineindrängen in das Heiligtum unseres Herzens, und er dringt
               hinein, wir wissen es. Von der Freude, die unsere Seele erwartet wie ein Kind, weiß
               man da draußen nichts. Finster und ernst und böse gehts da zu, so recht um uns reif
               und erfahren und altklug und unkindlich zu machen, uns alle Freudenerwartungen zu
               nehmen. Und getäuscht sehen wir uns, wenn wir an eine heilige Wahrheit glaubten und
               auf ihren Sieg rechneten, wir sehen hinaus in eine Welt, in der die Klugheit, die
               Verstellung, zuletzt die Lüge triumphiert und können es nicht hindern. So ist die
               Menschenseele fremd in der Welt; sie ist von Gott, aber die Welt ist nicht von Gott,
               will es scheinen, zu viel Trauriges, Dunkles, Schlechtes ist darin! </p>
       
        <p>
                        <pb rend="noPipe" xml:id="p604" ed="pga"/> Aber nicht nur fremd muß sie sein, sondern umdrängt von <hi rend="italic">Feinden</hi>.
               Unsere Augen werden scharf über all der Not, in der wir sind, und wir fangen an, die
               Menschen zu durchschauen: die einen in ihrer Oberflächlichkeit, die anderen in ihrer
               Begehrlichkeit, die anderen in ihrem Hochmut, die anderen in ihrer Streitlust. Zuerst
               meinen wir: einige Menschen sind so, dann kommen wir weiter und denken: die meisten,
               zuletzt ballen wir die Faust und grollen still: Alle! Das sind die Plünderer und
               Räuber, denen wir dahingegeben sind. Das sind nun die Leute, mit denen wir leben, mit
               denen wir auskommen sollten. Und unser Leben in der fremden Welt wird uns zu einem
               zähen, erbitterten Kampf gegen «die Leute»: sie sollen uns nicht ungestraft plagen.
               Mit bitterbösen Augen und Gedanken folgen wir allen ihren Bewegungen, lauern wir
               darauf, ihnen zu zeigen, daß wir ihnen feind sind, freuen wir uns, wenn ihnen etwas
               Ungeschicktes widerfährt. Und leiden doch gleichzeitig so schwer unter ihnen. O, was
               ist das für ein jämmerliches Los, daß die Menschenseele solche Feinde haben muß an
               den anderen Menschen. Nirgends so gut wie in den Psalmen des Alten Testaments spüren
               wir es, wie sie ringt mit Gott: Befreie mich von meinen Feinden, erschlage sie in
               deinem Grimm, denn sie treten mich unter ihre Füße. Aber wir haben wohl selber schon
               gelegentlich Solches empfunden. Und im Krieg kommt dieser Jammer der Feindschaft zum
               Vorschein, zum Ausbruch im Großen: Volk gegen Volk, Erdteil gegen Erdteil. Etwas von
               dem tiefsten Leid des Menschenlebens offenbart sich im Krieg: der Mensch muß des
               Menschen Feind sein.</p>
        <p>Und während wir in tiefster Brust die Gewißheit tragen, daß das Gute, die Liebe, die
               Gerechtigkeit <hi rend="italic">herrschen</hi> müssen im Leben, daß der gute Gott Meister
               sein muß in der Welt, stehen wir tatsächlich vor einer ganzen Reihe von
               Lebensgewalten, die von dem allen das volle Gegenteil sind. Wir sehen den Schmerz
               herrschen über die ganze Menschheit mit unumschränkter Gewalt und haben selber unser
               größeres oder kleineres Teil daran mitzutragen. Wir sehen den Irrtum übermäßig groß.
               Unser Wissen ist Stückwerk [<ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.13.9">1.Kor. 13,9</ref>], ja und jedes Körnlein Wahrheit ist umhüllt von einer
               <pb xml:id="p605" ed="pga"/>
                gewaltigen Masse Kurzsichtigkeit und Übertreibung. Keines von uns ist frei davon.
               Wir sehen den schlechten Willen, das Unbegreiflichste von Allem, das den Menschen vom
               Guten fernhält, sodaß er nicht will, obwohl er könnte, eine geheimnisvoll wirkende
               Kraft, überall und überall müssen wir mit ihm rechnen, bei jedem Menschen müssen wir
               daran glauben, auch bei uns selbst sind wir nicht sicher vor ihm, auf einmal ist er
               da und verdirbt uns Alles. So sind wir von Bedrängnis umgeben rundum, eingeschlossen
               wie von einer Feuersbrunst. Und das soll nun das Leben der Seele sein, von Gott
               geschaffen, für Gott bestimmt? Muß da nicht der Zweifel überhandnehmen, ob nicht am
               Ende alles Höhere Lug und Trug sei, oder doch die zornige Anklage gegen Gott, warum
               er uns so im Stiche lasse, allein in hoffnungslosem Kampf gegen widergöttliche
               Mächte, die uns aber zu stark sind? So hat auch das Volk Israel in der Verbannung und
               seiner Bedrängnis gezweifelt und geklagt. Der Gedanke an Gott und an alles Höhere
               mochte ihm als ein Hohn erscheinen angesichts von all dem Leid und Unrecht, von dem
               es sich erdrückt sah.</p>
        <p>Da gab ihnen Gott durch den Propheten die rechte Antwort, und er gibt sie auch uns:
               deutlicher als ihnen, weil zwischen ihnen und uns der steht, in dem alle göttliche
               Wahrheit und Lebenskraft zusammengefaßt ist, Jesus Christus. Durch das Evangelium, an
               dessen Licht uns die kommende Weihnacht aufs neue erinnern will, wird uns die
               Antwort: <hi rend="italic">der Herr hats getan,</hi> von ihm kommt das alles, was uns
               ängstet und drückt und bedrängt. Es ist sein Werk, daß wir leiden und straucheln und
               schwach sein müssen gegenüber den Mächten des Bösen. Es ist sein Werk, daß wir, von
               Feinden umgeben, im Kampf sein müssen Tag und Nacht.<note xml:id="n04">Anspielung auf
                     <bibl corresp="kbga-songs-88" type="song">Lied 83 (EKG 223): «Zeuch an die Macht, du Arm des Herrn» von <persName ref="kbga-actors-1389">Fr. Oser</persName>
                     (1820–1891), Ende der 1. Strophe</bibl>: <q rend="block">
                                <lg>
                                    <l xml:space="preserve">Wir sind im Kampfe Tag und Nacht,</l>
                                    <l xml:space="preserve">O Herr, nimm gnädig uns in acht</l>
                                    <l xml:space="preserve">Und steh uns an der Seiten!</l>
                                </lg>
                            </q>
               </note> Es ist sein Werk, daß wir in einer solchen Welt leben müssen. So wenig uns
               das gefallen und überzeugen mag, so sicher steht
               <pb xml:id="p606" ed="pga"/>
                es vor uns, wenn wir an das Kreuz Jesu denken. Wenn irgend einer, so hätte es doch
               der reinen Seele Jesu anders ergehen müssen in der Welt, es ging ihr aber nicht
               anders, wir sehen ihn endigen unter dem ganzen furchtbaren Druck dieses Lebens, der
               uns tausendfach von allen Seiten zuzuschreien scheint: du bist nicht das Himmelskind,
               das du gerne wärest, du bist Staub und Erde, und die Welt ist wert, daß sie zu Grunde
                  gehe!<note xml:id="n05">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-647">
                                <persName ref="kbga-actors-136">J. W. von Goethe</persName>, <hi rend="italic">Faust I</hi>, Vers
                        1338–1340 (Mephistopheles)</bibl>: <q rend="block">
                                <lg>
                                    <l xml:space="preserve">Ich bin der Geist, der stets verneint!</l>
                                    <l xml:space="preserve">Und das mit Recht; denn alles, was entsteht,</l>
                                    <l xml:space="preserve">Ist wert, daß es zu Grunde geht.</l>
                                </lg>
                            </q>
               </note> Auch Jesus konnte das Leben solches zuschreien, auch über ihn konnten der
               Zweifel und die Fragen kommen mit mehr Recht als über uns, denn er hat mehr erlitten.
               «Er hatte keine Gestalt noch Schönheit, wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die
               uns gefallen hätte, er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und
               Krankheit. Er war so verachtet, daß man das Angesicht vor ihm verbarg» [<ref type="can" subtype="bible" target="Jes.53.2 Jes.53.3">Jes. 53,2f.</ref>]. Aber wer wollte
               gerade angesichts des Leidens und Sterbens Jesu sagen, daß das nicht Gottes guter
               Wille gewesen sei, der da am Werk war? Dürfen wir uns auflehnen gegen Gott oder gar
               zweifeln an ihm, wenn wir sehen, wie Jesus sich bei der ganzen schweren Last, die auf
               ihm lag, hindurchgerungen hat bis dahin, wo er willig und freudig annehmen konnte,
               was ihm widerfuhr? Dürfen wir fragen und murren gegen die Leiden und
               Ungerechtigkeiten der Welt, wenn wir sehen, wie seine göttliche Seele in Schmerz und
               im Unrechtleiden nicht unterging, sondern gerade da am herrlichsten leuchtete? Nein,
               in unsere Trostlosigkeit und Unruhe hinein bringt er uns zunächst einmal groß und
               klar und einfach die Botschaft: der Herr hats getan. Er schließt unseren Beschwerden
               den Mund, indem er uns durch die Tat das Große, das Göttliche des Kämpfens und
               Leidens zeigt. Er gibt auf unsere vielen: Warum? zunächst keine Antwort, aber er
               stellt uns etwas vor Augen, das uns aufhören macht, so zu fragen. Selig sind, die da
               Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden! Selig sind, die um Gerechtigkeit
               willen verfolgt werden,
               <pb xml:id="p607" ed="pga"/>
               denn ihrer ist das Himmelreich [<ref type="can" subtype="bible" target="Mt.5.4 Mt.5.10">Mt. 5,4–10</ref>]. Wir müssen es ihm zunächst einfach glauben, was er uns durch
               seine Tat sagt: es steckt ein Sinn und ein Ziel hinter der verworrenen Welt, ein Sinn
               und Ziel auch in unseren Schmerzen und Niederlagen, der Herr hats getan, und es ist
               gut so. Und er ist groß genug, um uns diesen Glauben zu schenken. Vor seinem Kreuze
               ist tatsächlich schon Tausenden und Tausenden das Zweifeln und Murren vergangen im
               schwersten Schicksal. Sie nahmen es hin als aus Gottes Hand. Und erlebten dann ein
               Vorgefühl davon, wie die Seele, das Himmelskind, aufleben kann mitten in der dunklen
               Welt, wie sie ihre Flügel erhebt und die Hindernisse vor ihr klein werden, wie sie
               einen Panzer bekommt und ein Schwert zu Schutz und Trutz gegen die drohenden Gewalten
               des Lebens. Aber ein stilles inneres Erlebnis muß dem vorangehen, eine demütige
               Beugung unter den Geheimnisvollen, Großen, der die Welt beherrscht, aber nicht wie
               wir wollen, sondern wie er will [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.26.39">Mt. 26,39</ref>].</p>
        <p>Dann kommen wir aber auch zu tieferer Einsicht über die Gefangenschaft des Leides und
               des Unrechts, in der wir uns befinden. <hi rend="italic">Der Herr hats getan, an dem wir
                  gesündigt haben</hi>, und sie wollten auf seinen Wegen nicht wandeln, und seinem
               Gesetz gehorchten sie nicht. In unlöslicher Verbindung steht der Schmerz und die
               Feindschaft unter den Menschen und die bösen Gewalten, die die Oberhand haben da
               draußen, mit der Sünde, die in uns ist. Auch das muß uns klar werden vor dem Kreuze
               Jesu. All das Böse und Traurige, das uns dort erscheint, das dort die Seele des
               Heilands erdrücken wollte, es war nicht von ungefähr da, es hatte seinen tiefen Grund
               in der Art der Menschen, die seinen Tod herbeiführten. Es mag wie ein Widerspruch
               erscheinen, und es ist doch so: darin, daß dort der Gerechteste unschuldig leiden
               mußte, offenbarte sich die Gerechtigkeit Gottes. Dahin mußten es die Menschen bringen
               in ihrer Lieblosigkeit und Unaufrichtigkeit, in ihrer Gottesfremdheit, daß sie den
               freundlichen, hilfsbereiten, ernsten Mann von <placeName ref="kbga-places-948">Nazareth</placeName> wie einen Verbrecher in den
               Tod stießen und alle Not und Bedrängnis auf ihn häuften. Es war ein Gottesgericht,
               das da die Verblendeten an sich selbst vollstrecken
               <pb xml:id="p608" ed="pga"/>
                mußten in unaufhaltsamer Raserei. Gott wollte das so. Sie sollten ihren eigenen Weg
               zu Ende gehen, nachdem sie sich längst von ihm geschieden hatten. Sie sollten die
               Früchte ernten, nachdem sie lange Zeit Verderben gesät hatten [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Gal.6.8">Gal. 6,8</ref>]. Gott läßt seiner nicht spotten
                  [<ref type="can" subtype="bible" target="Gal.6.7">Gal. 6,7</ref>]. Sie, die
               Richter, waren die Gerichteten an jenem Tag. Daß Jesus hat leiden müssen, was sie
               hätten leiden müssen als Folge ihrer Verkehrtheit, ändert daran nichts. Es ist Gottes
               wunderbare Weisheit, daß er an jenem Tage aus Bösem Gutes werden ließ. Daß das
               unschuldige Leben Jesu zu einem Siegeszeichen der Selbstverleugnung und des
               Gottvertrauens wurde, daß Segensströme von diesem blutigen Kreuz ausgegangen sind und
               noch ausgehen in die arme Welt. Aber darum bleibt es doch wahr, daß dort das
               Traurige, das Dunkle, das Böse im Leben gekennzeichnet worden ist als ein Schatten,
               der von der menschlichen Sünde, von unserer falschen, verschlossenen Stellung Gott
               gegenüber hin in die Welt fällt. Gott will es, daß alles das da ist, es ist Alles
               sein Werk, und wir müssen es in der Nachfolge unseres Heilands als sein Werk auf uns
               nehmen. Aber er will es, weil es darin an den Tag kommen muß, was wir eigentlich
               sind, wir Menschen mit unserer Art. Weil er uns nicht anders helfen kann, als indem
               er uns die Folgen unseres Verhaltens tragen läßt. Und dann wartet er, ob wirs endlich
               merken wollen, warum wir leiden, warum wir Feinde haben und Feinde sein, warum wir in
               einer Welt des Hasses und der Lüge leben müssen. Warum? Weil unsere Seelen von ihm,
               unserem Schöpfer und Vater, von ihm, der unser Ziel und unsere Heimat ist,
               losgekommen sind. Wir sehnen uns nach dem, was göttlich ist, aber sind wir denn auch
               dem Göttlichen in uns ernsthaft gehorsam? Wir verlangen nach Freude, Frieden und
               Wahrheit, aber ergreifen wir sie dann auch an der uns allen so naheliegenden Quelle?
               Wir fühlen uns in Unruhe und trauern über uns selbst und die Welt, wenn wir die
               Unvollkommenheiten des Lebens sehen, aber müssen wir dann nicht die gleiche Frage an
               uns richten lassen, die Jesus einst an einen Kranken richtete: Willst Du gesund
               werden? [<ref type="can" subtype="bible" target="Joh.5.6">Joh. 5,6</ref>] O meine
               Freunde, wenn unsere
               <pb xml:id="p609" ed="pga"/>
                Seele wirklich das reine Himmelskind wäre mitten in der dunklen Welt, wie wir
               meinen, dann wäre ja eben die Welt nicht dunkel. Ja, wir leiden freilich unter der
               Traurigkeit, unter den Feindschaften, unter all dem Bösen des Lebens sehr wirklich,
               sehr fühlbar leiden wir.</p>
        <p>Aber wie ists denn eigentlich mit all diesen Mächten? Entstehen sie da draußen
               irgendwo im Weltenraum, ohne daß wir etwas dafür könnten? Hageln sie in unser Leben
               hinein, ohne daß wir etwas dazu zu sagen hätten? Sind sie grobe viereckige Klötze,
               die ein Gott uns anwirft, ohne daß wir dafür verantwortlich wären? Oder steht es
               nicht vielmehr so, daß diese Mächte, die uns das Leben schwer machen, letzten Grundes
               in uns selbst entstehen? Wir haben ja hier öfters davon geredet, als wir über die
               tieferen Ursachen des Krieges nachdachten. Gott will den Krieg, obwohl er ein Gott
               des Friedens ist [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.14.33">1.Kor. 14,33</ref>], obwohl er in seinem innersten Wesen nichts, gar nichts mit dem Krieg zu
               tun hat. Aber er will ihn, weil der Krieg die natürliche Folge unserer Menschenart
               ist, die natürliche Frucht unseres inneren Abfalls von ihm. Der Herr hats getan, an
               dem wir gesündigt haben. Der Krieg soll uns zur Besinnung bringen über das Eine, was
               unserer Seele nottut. Und nun wartet Gott, wartet, indem er über uns trauert, ob wir
               wohl durch solche Gerichte zur Besinnung kommen wollen. Und wie mit dem Krieg, so
               ists mit Allem, was uns drückt und uns das Leben verleiden will. Es kommt wirklich
               nicht von außen in unser Leben hinein, es ist wirklich, wie uns gerade das Leiden
               Jesu zeigt, nicht einfach ein Schicksal, das über uns kommt. Sondern es entsteht in
               uns selber. Es würde nicht sein, wenn wir anders wären. Unsere Seele ist nicht die
               leidende Unschuld, die wir uns einbilden, sondern wir tun etwas, das uns notwendig
               immer wieder all das Schwere zuzieht. Derselbe Prophet, von dem unser Textwort
               stammt, hat es ein andermal ausgesprochen: wir gingen alle in die Irre, ein jeder sah
               nur auf seinen eigenen Weg [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Jes.53.6">Jes. 53,6</ref>]. Das ist die Ursünde, die wir alle begehen. Wir bleiben nicht
               bei Gott, zu dem wir gehören, wir wollen mehr sein als seine Kinder und Erben, etwas
               Eigenes <milestone xml:id="m39" unit="page"/>
               <pb xml:id="p610" ed="pga"/>
                wollen wir sein und haben ihm gegenüber. Er läßt uns machen, aber sowie wir es tun,
               stellt sich notwendig alles das ein, was uns das Leben verbittert. Eins ums Andere
               stürmt auf uns ein, und nun kommen wir uns so verlassen und ausgeliefert vor, und nur
               noch die Sehnsucht bleibt uns nach dem verlorenen Paradies. O ja, es ist so — wir
               sind wirklich verlassen und ausgeliefert, und wir müssen auf diesem Weg
               hinuntersteigen von einer Dunkelheit in die andere, aber wohlverstanden, wir selber
               haben uns dahin begeben. Wir selber haben der Traurigkeit gerufen, die uns rings zu
               umgeben scheint. Die Welt gehört eben Gott mit Allem, was darin ist, in Gott und
               durch Gott und nur durch Gott lebt und ist sie, was wunder, wenn sie uns ohne ihn ein
               trauriges Gesicht bietet? Wenn uns etwas traurig macht, so heißt das einfach, daß wir
               es nicht verstehen, und wir werden je länger je weniger verstehen vom Leben, solange
               wir es versuchen, es ohne Gott zu machen. Wir selber rufen auch die Feindschaft mit
               den Menschen, die grobe und die feine. Diese bösen Menschen da draußen sind doch alle
               Gottes Kinder. Wenn wir selber nichts Anderes sein wollten als Gottes Kinder, dann
               würden wir auch die Anderen verstehen als das, was sie ja im tiefsten Grunde sind,
               statt daß wir jetzt nur ihre schlimmen Seiten sehen. Je mehr wir davon entdecken, je
               mehr wir unter den Leuten leiden, je mehr wir uns aufbäumen gegen das Unrecht, das
               uns geschieht, desto sicherer können wir sein, daß wir von Gott abgekommen sind. Ohne
               ihn kann es uns freilich nicht anders gehen. Ohne ihn ist das Zusammenleben der
               Menschen tatsächlich nichts Anderes als ein Zusammenprall Aller gegen Alle mit ihren
               schlechten Seiten. Und wir selber rufen allen finsteren Mächten, die uns zu umdrängen
               scheinen. In uns entstehen sie, indem wir unseren Weg gingen, indem wir unser Leben
               aus der Hand Gottes wegnahmen und in unsere eigene Hand legten.</p>
        <p>Es ist wohl recht, wenn wir die Sehnsucht fühlen nach einem glücklichen, fröhlichen,
               göttlichen Leben. Es ist wohl recht, wenn wir Heimweh haben nach einer besseren Welt
               als der, in der wir stehen. Aber es gibt dazu keinen anderen Weg, als daß wir jene
               <pb xml:id="p611" ed="pga"/>
                Grundsünde wieder gut machen, indem wir schüchtern, aber fest anfangen, wieder Ja zu
               sagen zu dem, zu dem wir so lange Nein gesagt hatten bei aller äußeren Frömmigkeit
               und Tugend. Ja sagen zu Gott, zu dem wir einmal hingehören, das ist das Geheimnis des
               Lebens, das ist die Lösung seiner Schwierigkeiten, die Überwindung seiner
               Bitternisse. Der Herr hats getan, an dem wir gesündigt haben, wollen wir zu uns
               selber sagen, wenn wir leiden müssen. Nicht wahr, nun ists kein blinder Glaube mehr,
               sondern ein klar verstandener Glaube, wenn wir Jesus gehorchen und nachfolgen in
               seinem großen, geduldigen Leiden am Kreuze: Vater, nicht mein, sondern dein Wille
               geschehe! [<ref type="can" subtype="bible" target="Lk.22.42">Lk. 22,42</ref>]. Ja,
               sein Wille muß geschehen, denn sein Gericht über uns ist gerecht.</p>
        <p>
                        <hi rend="italic">Und nun spricht der Herr, der dich geschaffen hat, <persName ref="kbga-actors-2199">Jakob</persName>, und dich
                  gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöset; ich habe dich
                  bei deinem Namen gerufen, du bist mein!</hi> Ich brauche nun nicht mehr viel
               hinzuzufügen zu diesen wunderbar tiefen und frohen Worten des Propheten. Das Kreuz
               unseres Herrn sagt uns, daß die Bedrängnis des Lebens sein muß und warum sie sein
               muß. Aber wer das verstanden hat, wer begonnen hat, sich zu beugen unter Gottes
               Willen und seiner Gerechtigkeit die Ehre zu geben, dem sagt es dann sofort noch
               unendlich viel mehr. Er spürt die Hand Gottes, die uns da ergreifen und aus der
               Bedrängnis herausführen will. Er hört den Ruf, den freundlichen, starken Ruf: Komm
               jetzt heraus aus der Ursünde, aus dem Abfall, aus deinen eigenen Wegen, komm zurück
               zu dem, der dich geschaffen hat! Ach, es ist so schwer, das zu tun aus eigener Kraft!
               Es ist so unmöglich, sich selber zu erlösen. Wir hängen so gewaltig stark an unserem
               eigenen Willen. Alle Gerichte Gottes könnten uns nicht belehren, wenn er uns nicht
               eben mitten im Gericht seine Liebe fühlen ließe. Ja, er liebt uns, uns, die wir ihn
               verlassen haben. Es dauert ihn, wenn er sieht, wie wir uns selber strafen. Er vermißt
               etwas von ihm selber, wenn er uns in die Irre gehen sieht. Und er läßt nicht nach,
               uns zu suchen, bis er uns gefunden hat.</p>
        <p>Sieh, nun sucht er auch dich und mich. Auch jetzt wieder,
               <pb xml:id="p612" ed="pga"/>
                in diesem Advent, in dunkler, schlimmer Kriegszeit. Er zeigt uns den, der so
               leuchtend rein dastand über aller menschlichen Bedrängnis, weil er so rein und ganz
               mit ihm, dem Vater, verbunden war. Wenn du ihn, den Knecht Gottes, siehst, siehst in
               seinem Triumph am Kreuz, dann siehst du auch etwas von den feinen Strahlen, wie sie
               die alten Maler gezeichnet haben, die von seinen durchbohrten Händen und Füßen nach
               deinem Herzen gehen. Und wenn du ihn hörst, hörst im Tiefsten, was er uns sagen will,
               dann hörst du ihn sagen im Namen und Auftrag seines Vaters: Fürchte dich nicht! Ich
               habe dich erlöset, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein! Und wenn du
               das siehst und hörst, dann ist das schon alles Wahrheit bei dir, dann bist du wie er
               wieder Eigentum des ewigen Vaters geworden, und die Bedrängnis und Sehnsucht liegt
               unter dir, wie sie unter ihm lagen. Möchtest du dahin? Es braucht dazu keine
               schwierige Entwicklung und Veränderung deines Lebens! Es braucht dazu nur das
               schlichte ehrliche Ja zu dem, was schon da ist und auf dich wartet. Denn du bist
               erlöst. Du bist Gottes. Glaube es.</p>
        </div>
        <div type="closer">
          <salute>Amen.</salute>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
