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        <title type="volume" n="vol-05">Predigten 1914</title>
        <title type="content">Predigt: Hebräer 10,31 und Psalm 16,11</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: Predigt: Hebräer 10,31 und Psalm 16,11, 5. Juli 1914</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/5033 (Stand: 25. August 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Predigten 1914, hrsg. v. Fähler, Ursula / Fähler, Jochen (Gesamtausgabe, Abt. I), Zürich 1999, S. 349–361.</title>
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      <editionStmt>
        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
      </editionStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Predigten 1914</title>
          <title type="text">Predigt: Hebräer 10,31 und Psalm 16,11</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Fähler, Ursula</editor>
          <editor>Fähler, Jochen</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">1999</date>
          <biblScope unit="page">Pp. 349-361</biblScope>
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        <!-- The first digital edition (data from xml and database) -->
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          <title type="edition">Princeton Barth Project edition</title>
          <title type="text">electronic edition of Karl Barth, Gesamtausgabe I.5, Predigten 1914, sermon 228</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>James R. Adair, Jr.</editor>
          <editor>Timothy J. Finney</editor>
          <editor>Christian Kelm</editor>
          <pubPlace>Princeton</pubPlace>
          <publisher>Alexander Street Press</publisher>
          <date type="publication">2001</date>
        </bibl>
        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Barth, Karl, Predigt: Hebr 10,31 und Ps 16,11, 5. Juli 1914. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/1669">KBA 1206</ref>. </bibl>
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        <date type="creation" when="1914-07-05">5. Juli 1914</date>
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        <language ident="ger">German</language>
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          <term>sermon</term>
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                        <placeName ref="kbga-places-54">Safenwil</placeName>, Sonntag, den <date when="1914-07-05">5. Juli 1914</date>
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          <epigraph>
            <cit>
              <ref type="can" subtype="bible" target="Hebr.10.31">Hebräer 10,31</ref>
              <quote>Schrecklich ists, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen!</quote>
            </cit>
          </epigraph>
          <epigraph>
            <cit>
              <ref type="can" subtype="bible" target="Ps.16.11">Psalm 16,11</ref>
              <quote>Vor dir ist Freude die Fülle und lieblich Wesen zu deiner Rechten
                        ewiglich!</quote>
            </cit>
          </epigraph>
          <salute>Liebe Freunde!</salute>
        </div>
        <div type="main">
        <p>Was für merkwürdige Bibelsprüche, wenn man sie so nebeneinanderstellt und
               hintereinander liest! Schrecklich sei es, in die Hände des lebendigen Gottes zu
               fallen, sagt uns der eine, und der andere sagt uns von demselben Gott, es sei Freude
               die Fülle und lieblich Wesen zu seiner Rechten ewiglich. Schrecken und Freude — das
               paßt schlecht zusammen. Manchmal lassen sich solche Widersprüche in der Bibel einfach
               auflösen dadurch, daß man darauf achtet, wie das neue Testament freundlich die Härte
               und Unbegreiflichkeit des alten beseitigt: Jesus Christus, die Erfüllung und
               Verklärung des alten Bundes. Aber so einfach steht es hier nicht: das freundliche
               Wort steht diesmal im alten und das harte Wort im neuen Testament. Wir können also
               nicht etwa damit auskommen, daß wir sagen: Das harte Wort gilt für uns nicht mehr.
               Nein, dieses Wort hat ein Mann geschrieben, der den Gott der Liebe kannte, den Jesus
               uns verkündigte.</p>
        <p>Fasse es, wer da kann, aber es gelten beide Worte und beide Wahrheiten. Es ist ein
               Schrecken, in die Hände Gottes zu fallen, und doch ist da wahrhaftig die Freude und
               der Frieden. Es gibt Menschen, und wir alle gehören zu Zeiten zu diesen Menschen, die
               verstehen nur das Eine oder das Andere. Entweder wir kennen nur den <hi rend="italic">schrecklichen Gott</hi>. Als junge Menschen z. B. merken wir, daß es eine ernste
               Sache ist um das Gewissen und um die Verantwortlichkeit, daß Gott strengen Gehorsam
               von uns fordert, daß ein unbestimmtes, aber schweres Unglück auf uns wartet,
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                wenn wir ihm nicht Gehorsam leisten. Bei manchen jungen Leuten hat das, was sie in
               der Schule und im Unterricht von Gott hören, hauptsächlich den Erfolg, daß sie vor
               Gott Angst haben wie vor einem gewaltigen Meister. Aber auch als Erwachsene sind wir
               oft ganz in der gleichen Lage, sehen Gott nur von dieser Seite an: Wir spüren, wie
               entsetzlich schwer es ist, Gott Genüge zu leisten, das Bewußtsein unserer
               grenzenlosen Schuld ergreift uns und drückt uns nieder: wir sind allzumal Sünder und
               ermangeln des Ruhmes, den wir vor Gott haben sollten [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Röm.3.23">Röm. 3,23</ref>]! Wir sehen die Not und die
               Sünde unseres Lebens und des Lebens anderer Menschen und fühlen uns so verzweifelt
               hilflos dem gegenüber. Wir erzittern bei dem Gedanken, daß Gott so heilig und gut und
               selig ist und wir und die Welt so ganz, ganz anders. Und wenn man uns nun von der
               Freude in Gott redet, wenn wir z. B. in der Predigt hören von dem hellen, strahlenden
               Licht, das in unsere Welt gekommen ist und das in Alles hineinkommen muß, vom Sieg
               und vom Jubel und vom Frieden eines Gotteskindes, wenn wir unsere Lieder singen:
               Sollt’ ich meinem Gott nicht singen, sollt’ ich ihm nicht fröhlich sein … Geh aus mein
               Herz und suche Freud’ in dieser lieben Sommerszeit … Fröhlich soll mein Herze
                  springen …,<note xml:id="n01">Drei Lieder von <bibl type="song" corresp="kbga-songs-20">
                                <persName ref="kbga-actors-131">P. Gerhardt</persName> (1607–1676):
                     Nr. 3 (EKG 232)</bibl>, 
                     <bibl type="song" corresp="kbga-songs-228">
                                Nr. 57 (EKG 371)</bibl> und 
                     <bibl type="song" corresp="kbga-songs-7">
                                Nr. 97 (EKG 27)</bibl>. Barth zitiert in der Fassung des Schweizer Gesangbuchs, die bei Nr. 3 vom Original («…
                  sollt ich ihm nicht dankbar sein?») abweicht.</note> dann verstehen wir das
               einfach nicht. Wir hören es wohl, aber wie etwas, was weit weg, was für uns nicht
               wahr ist. Freuet euch in dem Herrn allewege [<ref type="can" subtype="bible" target="Phil.4.4">Phil. 4,4</ref>] — lesen wir in der Bibel, ja, aber Gott ist
               doch so ernst und streng und macht uns das Leben so schwer. Wir wissen nichts
               Anderes, als daß es einem beim Gedanken an Gott dunkel zu Mut sein müsse. Wir wollen
               auch nichts Anderes wissen, und es fällt uns schwer, andere Menschen in anderer
               Stimmung zu sehen. Eine halbe Gotteserkenntnis ist das. Und mit einer halben
               Gotteserkenntnis sind wir immer in der Gottesferne. Wir sind wohl unruhig, aber es
               entsteht kein Leben daraus. Wir eifern wohl, aber
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                es ist eine unruhig flackernde Flamme, kein stilles ruhiges Feuer. Es bohrt wohl und
               nagt in unserem Gewissen, aber wir finden keinen sicheren Grund, auf dem wir stehen
               und bauen könnten. Wir können den Anderen wohl ernste strenge Gesichter machen und
               Worte geben, aber wir können sie nur beunruhigen, nicht sie auf den Weg des Friedens
               leiten. Gott ist uns nahe und doch unendlich fern, wir hören sein Wort, aber er ist
               uns keine Kraft, wir wissen, wer er ist, aber wir haben ihn nicht. Er ist nicht unser
               Leben, und unser Leben ist nicht sein Dienst.</p>
        <p>Aber vielleicht gehören wir zu den Anderen, die Gott nur von der <hi rend="italic">freudigen schönen Seite kennen</hi>. Die meisten Kinder lernen ihn zum Glück vor
               Allem von dieser Seite kennen. Gott ist der, der Alles gut macht. Er läßt die Sonne
               scheinen und das Gras wachsen. Er wird schon helfen, wenn es bös geht, und er macht
               uns immer wieder viel Freude, an der Weihnacht und das ganze Jahr hindurch. Viele
               bleiben nur Kinder, auch wenn sie erwachsen sind, oder sie werden es doch immer
               wieder, auch wenn sie zwischendurch andere Erfahrungen machen. Gott muß uns fröhlich
               machen, uns das Herz erheben mitten in der Langeweile und in der Not des Lebens. Gott
               leitet uns nach seinem Rat und nimmt uns endlich mit Ehren an. Wenn wir nur ihn
               haben, fragen wir nichts nach Himmel und Erde [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Ps.73.24 Ps.73.25">Ps. 73,24f.</ref>]. Daran denken wir, wenn wir an Gott denken,
               wenn wir Lieder singen zu seiner Ehre, dazu gehen wir in die Kirche und in die
               Versammlung: etwas Schönes, Frohes wollen wir hören und erleben. Und jetzt geht es
               uns wieder so, daß wir das Andere nicht verstehen, nichts davon wissen wollen, das
               Andere, daß Gott ein schrecklicher Gott ist. Wir denken nicht gern daran und wir
               wollen lieber nichts davon hören, daß wir eine ernste, große Verantwortlichkeit und
               Aufgabe haben in diesem Leben, daß wir bitter kämpfen müssen, daß eine schwere Schuld
               auf uns lastet, die mit einem noch so schönen und frommen Gebet oder Lied nicht
               abgewälzt ist, daß es Not gibt und Unrecht in der Welt. Wir denken: das mag wahr
               sein, aber es ist nichts «Schönes», darum nichts für mich. Ja, was ist denn nun das,
               wenn wir bloß das Heitere, Wohltuende sehen wollen an Gott
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                und dem Harten, Scharfen, Ernsten und Strengen so aus dem Weg gehen? Seht, das ist
               wieder eine halbe Gotteserkenntnis. Und mit einer halben Gotteserkenntnis sind und
               bleiben wir Gott ferne. Wir freuen uns wohl unseres Gottes, aber wieder entsteht kein
               göttliches Leben daraus. Wir reden viel von ihm, laufen für ihn, singen für ihn, aber
               wir haben nichts, was uns eigentlich Halt gibt. Wir haben wohl ein getröstetes und
               beruhigtes Gewissen, aber nur zu sehr: unseren Gedanken und Handlungen fehlen die
               deutlichen Wegweiser und das sichere Ziel. Wir lächeln wohl und sind zufrieden und
               sagen Anderen, daß wir es sind, aber es geht nicht wahrhaft Segen und Befreiung von
               uns aus, wir sind glücklich oder meinen es zu sein, aber wir machen niemand
               glücklich. Wir meinen Gott zu haben, aber sein Geist und seine Kraft sind uns ferne.
               Unser Leben sieht einem guten göttlichen Leben täuschend ähnlich, aber es ist es
               nicht.</p>
        <p>So geht es uns, wenn wir <hi rend="italic">Gott bloß von der einen Seite</hi> aus
               ansehen, nur von der strengen oder nur von der freundlichen Seite aus. Da wird dann
               auch unser Leben einseitig und damit schwach, wertlos, entweder finster, traurig,
               hoffnungslos oder kindisch und oberflächlich. Etwas Fehlerhaftes kommt in unsere
               ganze Entwicklung hinein, je länger wir dabei bleiben, je älter wir damit werden. Der
               Fehler liegt daran, daß unser Zustand ein unreifer ist. Unser Verhältnis zu Gott muß
               ein reifes werden, wir müssen die Beschränktheit und die Scheu ablegen und alle
               Erfahrungen mit ihm machen, die man bei ihm machen kann, auch wenn sie uns zuerst
               fremdartig zu sein scheinen. Wir müssen uns von einer Seite der Erkenntnis Gottes zur
               anderen leiten lassen, damit er uns gegenwärtig sein kann nicht nur halb, nicht nur
               von ferne, sondern in seinem ganzen Reichtum. Wir Menschen sind nun einmal so: der
               eine mehr schwermütig, der andere mehr leichtblütig, der eine mehr bitter und hart,
               der andere mehr oberflächlich und heiter, aber wir dürfen uns Gott nicht machen nach
               unserem Bilde. Wir müssen verstehen lernen: in Gott ist das eins, was bei uns
               getrennt ist: er ist schrecklich und er ist freundlich. Wollen wir Menschen Gottes
               sein in der Zeit und in der Ewig<pb xml:id="p353" ed="pga" break="no"/>keit, dann müssen wir Gott ganz gelten lassen, ganz, nicht nur so, wie es unserem
               Charakter entspricht, nicht nur so, wie wir ihn gerne hätten. Ein Gott, der nur unser
               Spiegelbild ist, könnte uns nicht selig machen. Wir müssen auch das annehmen in Gott,
               was uns fremd ist. Dann wird unsere Erfahrung mit ihm lebendig und fruchtbar, dann
               wird sie reif. Ich denke jetzt an Jesus, der eine solche reife Gotteserkenntnis
               hatte, der Gott kannte von den beiden Seiten, die durch unsere zwei Sprüche
               beschrieben sind. Das hat ihn so unvergleichlich stark und groß gemacht. Durch diese
               reife Gotteserfahrung konnte er Gottes Sohn sein. Wir können nun nicht einfach den
               Entschluß fassen: ich will auch so reif werden, ich will Gott auch ganz kennenlernen,
               und uns so Jesus an die Seite stellen. So etwas kann man nicht beschließen und
               machen, dazu muß man geführt werden. Wohl aber können wir den Entschluß fassen, uns
               vielleicht etwas williger führen zu lassen in unserem Leben, wenn Gott uns zeigen
               will: sieh, ich bin noch mehr, als du bis jetzt meintest. Dann nicht die Augen und
               Ohren zu verschließen, sondern aufzumerken auf das, was Gott uns zeigen will. Das
               können wir uns vornehmen. Und wie Gott uns das von Schritt zu Schritt zeigen kann,
               davon wollen wir noch Einiges hören.</p>
        <p>Die Meisten von uns haben wohl Gott vor Allem dann erlebt, wenn ihnen <hi rend="italic">etwas Gutes widerfuhr</hi>. Wahrscheinlich in jungen Jahren schon: bei den
               schönen Geschichten und Liedern der Sonntagsschule, bei den Lichtern des
               Weihnachtsbaumes, bei einer schönen freudigen Überraschung, bei einer gnädigen
               Bewahrung oder Errettung unserer Gesundheit oder unseres Lebens, da sagte man uns:
               das ist der liebe Gott, und wir glaubten es. Und das ist auch wahr: das war der liebe
               Gott und das ist er, jedesmal wenn uns etwas Gutes geschieht. Wenn wir gesund werden,
               wenn wir vorwärtskommen, wenn wir etwas erreichen oder einem Unglück entgehen, da
               sind wir gern bereit und sollen auch gern bereit sein zu denken, wie gut ist Gott.
               Bei dir ist Freude die Fülle und lieblich Wesen zu deiner Rechten! Wir erwarten von
               Gott, daß er die nimmer versiegende Quelle, der unermüdliche Schenker alles
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                Guten sei. Und er ist es auch. Aber nun müssen wir uns auch weiterführen lassen: Was
               heißt denn das: etwas Gutes? Wahrhaftig nicht nur das, was uns angenehm und
               erfreulich ist. Auch durch Kreuz und Not, durch Krankheit und Verlassenheit, durch
               Unglück und Tod tut Gott uns Gutes. Ja, Gott ist auch in allen diesen Sachen. Da
               erfahren wir es auf einmal: es ist schrecklich, in die Hände des lebendigen Gottes zu
               fallen. Da sollen wir Gott auf einmal nicht mehr unter Lächeln und mit zufriedenem
               Gesicht erleben, sondern mitten unter Tränen, in Angst und Verzweiflung. Und das soll
               der gleiche Gott sein! Wie schwer wird es uns, das zu glauben. Wir meinen jetzt nur,
               Gott sollte uns schleunigst wieder erlösen von allem Bitteren, das über uns gekommen.
               Da lernen wir wieder beten in solchen Stunden. Aber was beten wir? Der Gott der
               Freude und des Friedens und des lieblichen Wesens möchte uns zurückkehren. Und nun
               kommt er nicht. Die Not und das Kreuz bleiben, der schwere Druck wird nicht von uns
               genommen. Sieh, nun entscheidet sichs: Werden wir nun hindurchdringen zu der
               Erkenntnis: es ist doch derselbe Gott, der mir nur Gutes tut; — dieser Schreckliche,
               der mir jetzt so weh tut, er ist der Gleiche, dem ich in guten Stunden dankbar war,
               dem ich als klein<note xml:id="n02">= als ich klein war.</note> so fröhlich singen
               konnte: «Gott ist die Liebe, er liebt auch mich!»<note xml:id="n03">Refrain des Liedes<bibl type="song" corresp="kbga-songs-229"> «Gott ist die Liebe …» von <persName ref="kbga-actors-1394">Dietr. Aug. Rische</persName>
                        (1819–1906)</bibl>: Drum sag ichs noch einmal: <q rend="block">
                                    <lg>
                                        <l xml:space="preserve">Gott ist die Liebe,</l>
                                        <l xml:space="preserve">Gott ist die Liebe,</l>
                                        <l xml:space="preserve">Er liebt auch mich.</l>
                                    </lg>
                                </q></note> Er ist doch derselbe, ich glaube es, auch wenn ich es nicht begreifen kann!
               Werden wir hindurchdringen? Dann dringen wir hindurch zur vollen, zur reifen
               Gotteserfahrung, wie Jesus sie hatte, das war ja sein Kampf und sein Sieg in
               <placeName ref="kbga-places-864">Gethsemane</placeName> [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.26.36 Mt.26.46">Mt. 26,36–46</ref>]. Oder werden wir zurückbleiben: nein, das Schreckliche, was ich jetzt
               erlebe, das kann ich nicht verstehen, das kann nicht Gott sein. Gott ist nur in der
               Freude,
               <pb xml:id="p355" ed="pga"/>
                im Heiteren und Schönen, und wenn das nicht zurückkommt, wenn nicht Alles, Alles
               wieder gut wird, dann kann ich nicht mehr an Gott glauben. Arme Menschen sind wir,
               wenn wir so zurückbleiben. Wie Viele sind so in der Not von Gott losgekommen! Sie
               konnten es nicht fassen, daß es manchmal auch schrecklich ist, in Gottes Hand zu
               sein, von ihm erzogen und bearbeitet zu werden. Sie blicken nur immer wehmütig zurück
               auf die Zeiten, wo es noch ein «liebliches Wesen» war in ihrem Leben, und vorwärts
               auf bessere Zeiten, von denen sie wieder mehr Freude erwarten. Arme Menschen!
               Vielleicht kommt es ja schon wieder anders in ihrem Leben, aber was hilft es ihnen?
               Gott haben sie dann eben nicht gefunden, den starken, heiligen Gott, der uns durchs
               Leiden erproben und läutern will, der uns durchs Kreuz zur Krone führt, haben sie
               nicht gefunden. O, wir wollen es doch nicht versäumen zu antworten, wenn Gott zu uns
               kommt in Angst und Not: ich will reif werden, ja ich erkenne dich, du Schrecklicher,
               ja ich erkenne dich, der mir jetzt so Leides zufügt, du bist doch, der du bist, du
               bist doch die Liebe!</p>
        <p>Wir wollen einen anderen Weg einschlagen. Wir denken an unsere <hi rend="italic">Lebensaufgaben</hi>, an unsere Pflichten gegen uns selbst und unsere Mitmenschen.
               Wir hören Gottes Stimme, die uns auffordert, edel zu sein, hilfreich und gut,<note xml:id="n04">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-117">
                                <persName ref="kbga-actors-136">J. W. von Goethes</persName> Gedicht Das
                           Göttliche (1783) aus: <hi rend="italic">Vermischte Gedichte. 2.
                        Abteilung</hi></bibl>: <q rend="block">
                                <lg>
                                    <l xml:space="preserve">Edel sei der Mensch,</l>
                                    <l xml:space="preserve">Hilfreich und gut! …</l>
                                </lg>
                            </q>
               </note> Ewigkeitsmenschen zu werden in der Zeit und unsere Nächsten zu lieben wie uns
               selbst [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.22.39">Mt. 22,39</ref>]. Wie
               gern hören wir das, wie tönt da das Echo zurück aus dem Tiefsten unserer Seele: Zu
               was Besserem sind wir geboren! Wie freudig lassen wir uns an unsere hohe Bestimmung
               erinnern! Bei dir ist Freude die Fülle. Wir glauben es. Wenigstens manchmal.
               Wenigstens in den Zeiten, wo uns vielleicht eine neue Aufgabe, eine neue Pflicht vor
               die Augen getreten ist, wo wir uns aufgerafft und einen großen Anlauf genommen haben.
               <pb xml:id="p356" ed="pga"/>
                Gesegnete Zeiten, wenn wir so vor etwas Großem stehen und den Ruf in uns spüren:
               jetzt drauf und dran, ich muß es tun und ich will es tun! Wie Wanderer in der klaren
               Morgenluft. Wie Segler, die aufs hohe Meer hinausfahren. Vorwärts, vorwärts! Da ist
               das Leben eine Lust, da haben wir Freude an Gott.</p>
        <p>Aber auf den schönen klaren Morgen folgt der heiße dunstige Mittag, auf die frische
               fröhliche Ausfahrt mit vollen Segeln vielleicht die träge traurige Windstille, wo das
               Schiff nicht mehr vorwärts will trotz allem Warten, vielleicht aber auch der Sturm,
               der es aus der Bahn werfen und vernichten will. Wir fühlen, wie die Aufgaben und
               Pflichten, die wir uns so schön gedacht, wachsen und wachsen und uns schließlich fast
               erdrücken wollen. Immer rein sein, immer treu sein, immer den starken Willen behalten
               gegenüber den Schwierigkeiten und Hindernissen, ja, wer kann denn das? Wir fühlen,
               wie wir so unendlich langsam vorwärts kommen, wie manchmal Alles stillzustehen
               scheint, die Luft will uns ersticken, wir kommen ja doch nie an ein Ziel! Und wir
               fühlen, wie unsere eigenen Fehler und Schwachheiten das schwerste Hindernis sind.
               Alles um uns her scheint uns zuzurufen: du hasts versäumt! du hast dich geirrt! du
               bist zu leidenschaftlich, zu kurzsichtig, zu kleinlich gewesen! du bist schuld! Und
               nun Gott? Wir waren ihm doch so dankbar, unser Herz war so voll Lob und Preis für
               ihn, als wir an unsere Pflicht herantraten. Und nun ist er uns mit einemmal zu einem
               schrecklichen Gott geworden, gerade durch unsere Pflicht, die so unüberwindlich
               schwer ist, durch die Hindernisse, die uns im Weg stehen, durch unsere eigene
               Schwachheit, die immer wieder Alles verdirbt!</p>
        <p>Was sollen wir dazu sagen? Wieder stehen wir am Scheidewege. Wieder kanns uns nun
               vorkommen: nein, das ist nicht Gott! ja heute morgen, der mich da ausziehen und
               arbeiten hieß, das war Gott, aber der da in der Mittagshitze, der da in meinem
               Stocken und Stolpern und Zusammenbrechen, nein, das kann nicht Gott sein. Gott kann
               mich doch nicht unterliegen lassen. Gott kann doch nicht die Absicht haben, daß ich
               mit meinem guten edlen Willen da so scheitern muß. Warum macht er mir die Aufgabe so
               <pb xml:id="p357" ed="pga"/>
                schwer? Warum räumt er mir die Hindernisse nicht aus dem Weg? Warum macht er mich
               nicht stärker? Er tut das Alles nicht? Er zeigt sich mir so hart, so streng, so
               schrecklich — nein, da kann ich nicht an ihn glauben, ich kenne keinen schrecklichen
               Gott, nur den anderen, bei dem Freude und liebliches Wesen ist, und wenn die
               ausbleiben, wenn es so dunkel und unfreudig wird um mich her, dann lasse ich lieber
               Gott und den Glauben und die Hoffnung überhaupt fahren.</p>
        <p>Unzählige arme Menschen sind schon so zusammengebrochen. Sie meinten immer: Gott
               sollte mir helfen! Gott sollte mirs gelingen lassen, mir mit meinem guten Willen. Und
               Gott ließ es ihnen mißlingen. Da verloren sie Gott. Arme Menschen! O, wir wollen es
               nicht machen wie sie. Wenn solche Stunden kommen in unserem Leben, wo Alles
               stillsteht, ja rückwärts geht, wo wir verzweifeln möchten: zuviel, zuviel wird von
               mir verlangt, wo wir uns schämen müssen in die Erde hinein, da wollen wir Gottes Hand
               fassen und ihn anflehen: Führe mich hindurch, daß ich dich ganz erkennen lerne: du
               bist mitten drin auch in all diesem Schrecklichen, im Stillstand, im Zusammenbruch,
               in der Verzweiflung, du bist da, wo wir meinen: nun ist alles Gute, was in mir ist,
               zu Ende. Du hast mich dahin kommen lassen, damit ich dich ganz erkennen möge: du
               wolltest mich demütigen, du wolltest mich zur Erkenntnis meiner selbst führen, du
               wolltest mich dazu bringen, zu hungern und zu dürsten nach den Kräften, die ich nicht
               aus mir selbst nehmen kann, du wolltest mich neben den ärmsten armen Sünder stellen,
               damit ich wahrhaft begreifen lerne, was es heißt, des Mitmenschen Bruder zu sein.
               Noch verstehe ich dich nicht, es ist zu schrecklich, sich so eingestehen zu müssen:
               ich kann nicht, es geht nicht! hilf du mir, daß ich dich verstehen lerne, die Liebe
               verstehen lerne, die auch in dieser schrecklichen Erfahrung für mich verborgen ist.
               Führe mich hindurch, ich möchte reif werden!</p>
        <p>Und nun noch ein anderer Weg. Wenn wir Gott erkennen und liebbekommen, dann wird es
               uns freudig, <hi rend="italic">stolz und trotzig</hi> ums Herz. Jawohl, wir fühlen, daß
               das etwas Besonderes ist, wenn
               <pb xml:id="p358" ed="pga"/>
                Gott uns die Augen auftut für seine Herrlichkeit. Wie lästige Krücken fällt so
               Manches von uns ab, was wir bis jetzt für unentbehrlich hielten, törichte Gedanken,
               törichte Gewohnheiten, törichtes Rücksichtnehmen auf die Leute. Wir fühlen nur: ich
               möchte und ich will meinen Weg gehen, und um keinen Preis kann ich mir das wieder
               nehmen lassen, was ich gefunden habe. Diesen Stolz und Trotz des rechten Gotteskindes
               kann man besonders gut bei den alten Propheten Israels kennen lernen, und dann bei
               <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> und bei <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName>. Wir sehen es ihnen an, wie tief und gewaltig die Erfahrung
               war, die sie gemacht hatten: bei dir, bei dir ist Freude die Fülle … das ist meine
               Freude, daß ich mich zu Gott halte [<ref type="can" subtype="bible" target="Ps.73.28">Ps. 73,28</ref>]. Wir beneiden solche Männer, wir möchten uns ihnen an die Seite
               stellen, auch so sicher und unabhängig und frei in Gott unseren Weg gehen können.
               Jawohl, wir können es, jeder von uns. Aber Achtung, wer es schon erfahren hat, der
               weiß es, daß wir gerade in dieser Beziehung Gott auch von der anderen Seite kennen
               lernen müssen. Was heißt denn das, frei sein in Gott, stolz und trotz[ig] und sicher
               sein in dem, was wir gefunden? Meine Freunde, das heißt einsam sein, das heißt anders
               sein als die ganze übrige Welt. Wer es mit Gott hält, der kann es nicht gleichzeitig
               mit allen Leuten halten. Der hat ganz besondere Augen, ein besonderes Gewissen, ein
               besonderes Urteil bekommen. Der denkt und redet und handelt anders, als der Herr
               Jedermann es tut. Der muß wahrhaftig seinen eigenen Weg gehen. Wie schön tönt das,
               und wie unendlich schwer ist es! Eine öde schmerzliche Sache kann es uns auf einmal
               werden, wenn wir uns nun auf einmal wirklich allein sehen, allein mit Gott oder
               allein unter den Menschen. Und nun sehen sie uns von allen Seiten an: Warum bist du
               so? Warum nicht so wie wir? Warum belästigst du uns durch dein Anderssein? Warum
               verdirbst du dir selbst das Leben?</p>
        <p>Denkt, wie es <persName ref="kbga-actors-2228">Mose</persName> zumut sein mußte unter seinem Volke, das er führen sollte und das
               ihn doch so gar nicht verstand! Oder <persName ref="kbga-actors-2281">Elias</persName>, der vor lauter innerer Einsamkeit
               schließlich in die Wüste floh und sterben wollte! Oder <persName ref="kbga-actors-208">Jeremia</persName>, der ein so tiefes,
               feines <pb xml:id="p359" ed="pga"/>
                Herz hatte für sein Volk und doch so unendlich allein sein mußte, weil niemand
               annahm, was er zu sagen hatte, weil Alles ihn zurückstieß! Denkt an Jesus selber, der
               von seinen Nächsten sagen mußte: Wer sind meine Mutter und meine Brüder [<ref type="can" subtype="bible" target="Mt.12.48">Mt. 12,48</ref>], geschweige denn,
               daß sein Volk, das er so liebte, auf ihn gehört hätte! Wir wollen doch ja nicht
               denken, es sei jenen Männern leicht geworden, so allein zu sein, und es könne uns
               leicht werden, es zu sein. Nein, bitter schwer ist es ihnen gefallen. Gott von seiner
               schrecklichen Seite haben sie da kennen gelernt, gelitten haben sie unter der
               furchtbaren Einsamkeit, in der sie dastehen mußten, mit dem Höheren, Besseren, das
               sie hatten und das niemand ihnen abnehmen wollte. Hindurchdringen mußten sie zu der
               Gewißheit: es ist doch Gott, der mich führt, der es so haben will, derselbe Gott, der
               mir vorher den großen freudigen Stolz und Trotz ins Herz gegeben hat.</p>
        <p>Und auch wir stehen wieder vor der Entscheidung: Wollen wir zurückbleiben, oder
               wollen wir hindurch zu diesem schrecklichen Gott und erkennen, daß er doch Gott ist?
               Vieles könnte uns wieder zurückhalten. Mit Recht könnten wir mißtrauisch werden und
               sagen: ein Weg, den ich allein gehe, kann kein guter Weg sein. Ein kluger Mann fragt
               immer: was machen die Anderen? Ich sollte einsam sein, ich sollte einen Weg gehen,
               auf dem mir niemand nachkommt, nein, das kann nicht Gott sein, der das von mir
               fordert. Gott läßt mich wohl meine eigene Meinung haben, aber es wird doch nur die
               Meinung sein, die ein paar dutzend Andere auch haben. Gott läßt mich wohl stolz und
               froh sein, aber er schickt mir gewiß ein paar, die mich halten, links und rechts.
               Wenn ich allein sein muß, dann ists gewiß nicht Gott, rückwärts, rückwärts! Gott ist
               bei den Zufriedenen, Behaglichen, bei denen, die immer einverstanden sind
               miteinander, aber nicht bei den Einsamen, bei den Sonderlingen, Gott ist nicht da, wo
               man sich das Herz verbrennt vor Sehnsucht nach Menschen, nach mitfühlenden Menschen.
               Arme Menschen, die sich so zurückhalten lassen, Gott zu folgen! Wie Viele sind <hi rend="italic">da</hi> zusammengebrochen, sind <hi rend="italic">da</hi> nicht weitergekommen
               auf dem Wege, Gottesmenschen
               <pb xml:id="p360" ed="pga"/>
                zu werden! O, wir wollen Gottes Hand nicht fahren lassen, gerade an dieser Stelle
               nicht. Wir wollen uns ihm in die Arme werfen und wieder zu ihm sagen: du bist
               schrecklich, ich leide, leide hier, wo du mich hingeführt hast, ich verstehe es
               nicht, daß ich so allein sein muß, aber ich will jetzt auch da hindurch, hindurch an
               deiner Hand, um dich ganz kennen zu lernen. Du willst mir vielleicht gerade erst in
               der Einsamkeit so recht zeigen, wie groß und heilig du bist, du willst mich aus der
               Oberflächlichkeit herausnehmen, die immer dort ist, wo der große Haufe ist. Du willst
               meine Liebe zu den Brüdern erst so recht brennend machen. Ich weiß nicht, was du von
               mir und mit mir willst. Nach meinem Sinn und Herz müßte es anders gehen. Aber ich
               vertraue jetzt ganz auf dich. Ich will jetzt gar nichts Anderes, als dich kennen
               lernen. Gar nichts Anderes als reif werden. Und darum nehme ich dich an, glaube ich
               an dich, du Schrecklicher, wie ich an dich geglaubt habe, als du mir in der Freude,
               in lieblichem Wesen erschienst. Du bist in Beidem die ewige Liebe. Und ich möchte in
               Beidem dein sein.</p>
        <p>Meine Freunde, das sind nur einige von den Schritten, die wir tun, von den
               Entscheidungen, die wir treffen müssen, um Gott ganz kennen zu lernen. Einige wenige.
               Ihr mögt nun selber darüber nachdenken und das, was ich gesagt, aus eurer Erfahrung
               ergänzen. Es ist ein ganzes Meer, vor dem wir da stehen. Jawohl, ein Meer. Wo wir
               auch zuerst stehen, wir sehen das gegenüberliegende Ufer nicht. Wir müssen den Mut
               fassen, die Fahrt anzutreten. Wir müssen den Mut fassen zu glauben, in Gott ist
               Freude und Schrecken eins. Er läßt uns Beides erfahren. Er will, daß wir in der
               Freude bereit seien für das Schwere, Harte, Strenge. Und er will, daß uns mitten im
               Dunkel die Gewißheit leuchte: das ist derselbe Gott, der mir so viel Gutes getan hat,
               und er tut mir auch jetzt Gutes. In unserem Leben wird uns freilich immer Beides
               zweierlei sein. Wir werden nie ganz davon loskommen, die Freude und das liebliche
               Wesen lieber zu haben als den Schrecken. Vielleicht ist das auch eine von den
               Lösungen, die erst in der Ewigkeit auf uns warten: daß auch uns Beides ganz eins
               wird, wie es in Gott eins ist, daß wir nicht mehr jubeln
               <pb xml:id="p361" ed="pga"/>
                und nicht mehr trauern, sondern ganz ruhig geworden sind in der seligen Einheit mit
               dem Vater. Er lehre uns die ersten schwachen Schritte tun auf dem Wege, der dahin
               führt!</p>
        </div>
        <div type="closer">
          <salute>Amen.</salute>
      </div>
    </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
