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      <titleStmt>
        <title type="volume" n="vol-50">Unveröffentlichte Texte zur Kirchlichen Dogmatik</title>
        <title type="content">Erste und zweite Parusie</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: Erste und zweite Parusie, kein Datum</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/50018 (Stand: 25. August 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Unveröffentlichte Texte zur Kirchlichen Dogmatik, hrsg. v. Stoevesandt, Hinrich / Trowitzsch, Michael (Gesamtausgabe, Abt. II), Zürich 2014, S. 670.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
      </editionStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Unveröffentlichte Texte zur Kirchlichen Dogmatik</title>
          <title type="text">Erste und zweite Parusie</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Stoevesandt, Hinrich</editor>
          <editor>Trowitzsch, Michael</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2014</date>
          <biblScope unit="page">670</biblScope>
          <!--position within a volume-->
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        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Barth, Karl, [IV/3, §69 - ursprünglich: IV/1, §59,3] Erste und zweite Parusie, kein Datum. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/1152">KBA 25020</ref>. </bibl>
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        <date type="creation">kein Datum</date>
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   <div type="paper">
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    <head>II. Die kleineren Fragmente<lb/> Erste und zweite Parusie</head>
    <div type="abstract">

     <p>Das längere, von <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> selbst handschriftlich mit der Überschrift:
      «<hi rend="text-recte">Erste und zweite Parusie</hi>» versehene Fragment<note xml:id="n01"><idno type="kba-objects-identifier">KBA 25020</idno> (CD-ROM, Text Nr. 14).</note>
      gehörte wohl zu § 59,3: «Das Urteil des Vaters»<note xml:id="n02"><bibl corresp="kbga-bibls-2">KD IV/1, S. 311–394</bibl>.</note><hi rend="italic">, und dort zu dem
       mit (3) bezifferten Passus über den «positiven </hi><hi rend="text-recte">Zusammenhang</hi> zwischen
       dem Tod Jesu Christi und seiner Auferstehung»<note xml:id="n03"><bibl corresp="kbga-bibls-2">A.a.O., S. 341–368, Zitat: S. 341</bibl>.</note>.
       Die genaue Schnittstelle ist infolge des Verlustes der ersten und der letzten Seite des
       Fragments nicht mit Sicherheit zu ermitteln, mit guten Gründen vermutet <persName ref="kbga-actors-3664">Hans-Anton Drewes</persName> jedoch, es habe im ursprünglichen Text
       die Stelle des Absatzes <bibl corresp="kbga-bibls-2">KD IV/1, S. 357f.</bibl>,
       eingenommen.<note xml:id="n04">Vgl. Begleitheft, S. 10 (Anhang, <ref type="pub" target="../volume/50/p691#p691">S. 691)</ref>.</note></p>

     <p>Die Doppelbedeutung des Begriffs Parusie ist eine hier von Barth in die
       theologische Sprache eingeführte Neuerung, die ihm bleibend wichtig war. Warum aber hat er
       dann dieses Fragment vor der Drucklegung beiseitegelegt? Einen Hinweis bietet vielleicht
       <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Feststellung, dass die «<hi rend="text-recte">dritte</hi> Überlegung» des Abschnittes,
       nämlich die «Frage nach dem Sinn der Zeit inmitten der im Geschehen der Osterzeit anhebenden
       und in seiner Endoffenbarung abschließenden Parusie Jesu Christi» ohnehin die war, «bei der
       wir am weitesten auszuholen hatten».<note xml:id="n05"><bibl corresp="kbga-bibls-2">KD IV/1,
         S. 390</bibl>. Vgl. Begleitheft, <ref type="pub" target="../volume/50/p691#p691">ebd.</ref></note> Deshalb bot es sich wohl an, hier dieses längere Fragment zu entnehmen
       und durch ein kürzeres, zusammenfassendes Stück zu ersetzen.</p>
     <p>Zudem sollte dieser Zeitraum zwischen den beiden christologisch
       definierten «Parusien» von Barth ja an dieser Stelle nicht letztmals behandelt werden: Schon
       im selben Band <bibl corresp="kbga-bibls-2">KD IV/1</bibl> erhielt er in der in § 62: «Der
       Heilige Geist und die Versammlung der christlichen Gemeinde», entfalteten Ekklesiologie einen
       eigenständigen dogmatischen Rang. Der dritte und letzte Abschnitt dieses Paragraphen<note xml:id="n06"><bibl corresp="kbga-bibls-2">KD IV/1, S. 810–826</bibl>: «Die Zeit der
        Gemeinde».</note> beginnt mit einem Satz, dessen Terminologie ganz auf das hier vorliegende
       Fragment verweist: «Die Zeit der Gemeinde ist die Zeit zwischen der ersten und der zweiten
       Parusie Jesu Christi.»<note xml:id="n07"><bibl corresp="kbga-bibls-2">A.a.O.,
        S. 810</bibl>.</note></p>
     <p><pb xml:id="p654" ed="pga" rend="noPipe"/>
      Eine eigene christologische Bestimmung erfuhr der Zeitraum schließlich in
       § 69: «Die Herrlichkeit des Mittlers»<note xml:id="n08"><bibl corresp="kbga-bibls-2">KD IV/3,
         S. 1–424</bibl>.</note>. Hier erscheint die Doppelung des Parusiebegriffs erweitert zu
       einer dreifachen Anwendung. Gleichrangig zu jenen beiden «Parusien», die Mitte zwischen
       ihnen, ja mit ihnen zusammen «Formen <hi rend="text-recte">eines</hi> und <hi rend="text-recte">desselben</hi> Geschehens» bildend,<note xml:id="n09"><bibl corresp="kbga-bibls-2">A.a.O.,
         S. 340</bibl>.</note> tritt nun «Die Verheißung des Geistes»,<note xml:id="n10">So der
        Titel von § 69,4 (<bibl corresp="kbga-bibls-2">a.a.O, S. 317–424</bibl>).</note> und es
       kommt zur Trias der Parusie: «Auferstehung, Geistausgießung, letzte Wiederkunft Jesu
        Christi»<note xml:id="n11"><bibl corresp="kbga-bibls-2">A.a.O., S. 339; vgl. auch
         S. 1050f.</bibl></note>.</p>
    </div>
    <div>
     <head>Erste und zweite Parusie</head>
      <div>
        <div>
     <p>der <term ref="kbga-keywords-249">Gemeinde</term> in der <term ref="kbga-keywords-378">Welt</term>. Wir werden auf die Frage nach dem Sinn dieses (großen? kleinen?) Intervalls
      noch zurückkommen müssen. Wir fragen zunächst: wie verhalten sich jene erste und diese letzte
      Zeit Jesu <term key="Zeit, Jesu Christi">Christi</term> zueinander?</p>
     <p>Die Antwort wird am einsichtigsten, wenn wir davon ausgehen, dass sie in ihrer ganzen
      Ungleichartigkeit <hi rend="italic">zusammengehören</hi>, dass sie eigentlich ein <hi rend="italic">einziges</hi> – nur eben durch das Intervall jener Zwischenzeit unterbrochenes
      – Geschehen bilden, innerhalb dessen sie sich nur wie <hi rend="italic">Anfang</hi> und <hi rend="italic">Ziel</hi> unterscheiden. Die <term key="Parusie">Parusie</term> des <term ref="kbga-keywords-1263">Menschensohns</term> wird darum schon in den Jesus-Logien der
      synoptischen Evangelien als ein nahes <hi rend="italic">und</hi> als ein fernes Ereignis
      angezeigt: <hi rend="italic">nahe</hi>, indem sie in der in der nächsten Zeit bevorstehenden
       Auferweckung<note xml:id="n12">Zur Differenzierung von «Auferstehung» und «Auferweckung» Jesu
       Christi vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-2">KD IV/1, S. 334f</bibl>.</note> Jesu Christi von
      den <term key="Auferweckung, Jesu Christi">Toten</term>
      <hi rend="italic">anheben</hi> – <hi rend="italic">fern</hi>, indem sie sich erst am Ende der
      Zeit der <term ref="kbga-keywords-249">Gemeinde</term> und der <term ref="kbga-keywords-378">Welt</term> vollenden und zugleich das Ziel und das Ende der <term key="Zeit, Ende der Z.">Zeit</term> überhaupt bilden wird. Wenn man sich das klar macht, so sieht man, dass die
      Klage über das angebliche «Ausbleiben» der <term key="Parusie, Ausbleiben">Parusie</term><note xml:id="n13">So bei Vertretern der sogenannten «konsequenten Eschatologie», die von <persName ref="kbga-actors-1243">Albert Schweitzer</persName> begründet und in <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> näherem Umfeld
       vom Berner Systematiker <persName ref="kbga-actors-835">MartinWerner</persName> (1887–1964)
       und dessen Schüler <persName ref="kbga-actors-76">Fritz Buri</persName> (1907–1995) weiter
       betrieben wurde. Kritisch vor allem zu Schweitzer hatte <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> sich bereits in <bibl corresp="kbga-bibls-2">KD II/1, S. 717f.</bibl>,
       geäußert, und mit einem Seitenblick auf Werner und Buri schrieb er über <persName ref="kbga-actors-512">Rudolf Bultmann</persName>: «Ein Artgenosse der Berner Eiferer für die
       alleinseligmachende Wahrheit von der ausgebliebenen Parusie!» (<bibl corresp="kbga-bibls-1273"><persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName>, <hi rend="italic">Rudolf Bultmann. Ein Versuch, ihn zu verstehen</hi> [ThSt(B) 34], 1952,
        S. 41</bibl>).</note> und der von daher gegen den ganzen neutestamentlichen Zeit<pb xml:id="p655" ed="pga" break="no"/><term key="Neues Testament, Zeitbegriff">begriff</term>, ja gegen das ganze <term ref="kbga-keywords-74">neutestamentliche</term> Zeugnis als solches erhobene Einwand
      gegenstandslos ist. Schon der zuvor ans Kreuz <term ref="kbga-keywords-129">Geschlagene</term>, dann aber von den Toten Auferweckte ist eben der «wiederkommende» Jesus
      Christus. Und so ist der «Wiederkommende» kein Anderer als der zuvor ans Kreuz Geschlagene,
      dann aber von den Toten Auferweckte.</p>
     <p>Schon am <term ref="kbga-keywords-274">Ostermorgen</term> hebt also die Zeit an, die das
      Neue <term ref="kbga-keywords-74">Testament</term> die letzte oder die <term key="Endzeit">Endzeit</term> nennt – innerhalb derer die Zeit der Gemeinde in der Welt, die Zeit der
      ganzen <term ref="kbga-keywords-464">Kirchen-</term> und <term ref="kbga-keywords-398">Weltgeschichte</term> post Christum nur eine Episode bildet! –, deren letzte Phase die Zeit
      der Wiederkunft <term key="Parusie">Christi</term>, der Auferstehung aller <term ref="kbga-keywords-734">Toten</term> und des <term ref="kbga-keywords-387">Gerichtes</term>
      sein wird. Das gemeinsame Merkmal dieser ganzen, in sich zusammengehörigen Endzeit besteht
      darin, dass die in ihr lebende <term ref="kbga-keywords-402">Menschheit</term> – die <term ref="kbga-keywords-249">Gemeinde</term> ist ja nur der Ort, wo das erkannt und von wo aus das
      der <term ref="kbga-keywords-378">Welt</term> verkündigt wird – <pb ed="A" n="322"/> das Haupt
      und den Herrn bekommen hat, hat und haben wird, auf dessen <term key="Jesus Christus, Heilandswerk">Heilandswerk</term> und <term ref="kbga-keywords-755">Herrschaft</term> hin sie von ihrer Erschaffung, ja von ihrer ewigen <term ref="kbga-keywords-1077">Erwählung</term> her bestimmt war, die aber ihren früheren
      Geschlechtern (weil er ihnen zwar verheißen, aber in der Geschichte noch nicht erschienen war,
      sein Werk noch nicht getan, seine Herrschaft noch nicht angetreten hatte, – bis das Alles
      geschehen war) auch noch nicht bekannt sein, auch nicht bekannt gemacht werden konnte. Die
       <term key="Endzeit">Endzeit</term> ist die Zeit, in der der Menschheit der Grund, auf dem und
      aus dem sie immer lebte, bekannt sein und bekannt gemacht werden kann: weil und indem das Wort
      Fleisch geworden [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Joh.1.14">Joh. 1,14</ref>], in
      der <term ref="kbga-keywords-398">Geschichte</term> gesprochen, der Sohn <term ref="kbga-keywords-235">Gottes</term> im Fleisch für die Menschen <term key="Jesus Christus, Stellvertretung">gestorben</term>, aber auch von den Toten <term key="Auferweckung, Jesu Christi">auferweckt</term> worden ist. Diese Endzeit beginnt mit dem
      Tode Jesu <term ref="kbga-keywords-129">Christi</term>, genauer gesagt: mit dem allem
      menschlichen Werk überlegenen und zuvorkommenden <term key="Gnade, Gnadenwerk">Gna<pb xml:id="p656" ed="pga" break="no"/>denwerk</term> der göttlichen Anerkennung und
      Proklamation der Gültigkeit der in Jesu Christi Tod geschehenen <term ref="kbga-keywords-240">Versöhnung</term> der <term ref="kbga-keywords-378">Welt</term> mit Gott, vollzogen in der
      Auferweckung Jesu Christi von den <term key="Auferweckung, Jesu Christi">Toten</term> und also
      am <term ref="kbga-keywords-274">Ostermorgen</term>, den <term ref="kbga-keywords-272">Jüngern</term> offenbar in dessen Erscheinung in den 40 Tagen. <hi rend="italic">Wieder</hi>
      um eine Erscheinung desselben auferstandenen Jesus Christus wird es auch am Ziel dieser <term key="Endzeit">Endzeit</term> gehen, <hi rend="italic">wieder</hi> um die göttliche
      Anerkennung und Proklamation der in ihm geschehenen <term ref="kbga-keywords-240">Versöhnung</term> und in dieser <hi rend="italic">wieder</hi> um ein allem menschlichen Werk
      überlegenes und zuvorkommendes <term key="Gnade, Gnadenwerk">Gnadenwerk</term>.</p>
     <p>Es wird aber – wir heben zunächst nur dieses Ungleichartige in der Gleichartigkeit hervor –
      um die Erscheinung desselben auferstandenen Jesus in der Zeit <hi rend="italic">eines einzigen
       Augenblicks</hi> [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.15.52">1.Kor. 15,52</ref>] gehen, in welchem zugleich alle Zeit mit allen ihren Inhalten zu ihrem
       <term key="Zeit, Ende der Zeit">Ende</term> kommen und das Sein aller Inhalte aller Zeiten in
      der reinen <term ref="kbga-keywords-1247">Ewigkeit</term> Gottes seinen Anfang nehmen wird. Es
      wird in dieser seiner Erscheinung um dieselbe göttliche Anerkennung und Proklamation gehen,
      nun aber als <hi rend="italic">letztes</hi> Wort Gottes über die mit ihm versöhnte und als <hi rend="italic">erstes</hi> Wort <term key="Wort Gottes letztes und erstes">Gottes</term> über
      die durch dieses Ge<pb ed="A" n="323" break="no"/>schehen erneuerte, verwandelte,
      verherrlichte und als solche nicht mehr in der <term ref="kbga-keywords-1008">Zeit</term>,
      sondern in seiner reinen <term ref="kbga-keywords-1247">Ewigkeit</term> mit ihm koexistierende
      kommende <term key="Welt, kommende">Welt</term>. Und es wird in dieser seiner Erscheinung und
      also in dieser Anerkennung und Proklamation der in ihm geschehenen <term ref="kbga-keywords-240">Versöhnung</term> um deren <term ref="kbga-keywords-8">Offenbarung</term> in der <hi rend="italic">ganzen</hi> und für die <hi rend="italic">ganze</hi> Menschheit und Welt gehen. Die Gleichartigkeit in dieser Ungleichartigkeit ist
      doch nicht zu verkennen. Das <hi rend="italic">eine</hi> Urteil <term key="Gott, Urteil">Gottes</term> beginnt hier laut zu werden, um dort (im «jüngsten <term key="Gericht, jüngstes G.">Gericht»</term>!) in seiner ganzen Tragweite zu Ende gesprochen zu
      werden. Der <hi rend="italic">eine</hi> gute Same wird hier ausgestreut, um dort als Ernte
      eingebracht zu werden [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.13.24 Mt.13.30">Mt. 13,24–30</ref>]. Die <hi rend="italic">eine</hi> Selbstkundgebung Gottes, die <hi rend="italic">eine</hi> Aktion seiner freien <term key="Gott, freie Liebe">Liebe</term> und
       <term ref="kbga-keywords-36">Gnade</term> ist hier ein einzelnes Ereignis in der Welt, dort
      aber das alle anderen abschließende und zugleich erleuchtende und richtende, ihren ewigen Sinn
      im Verhältnis zum Willen Gottes enthüllende Weltereignis. Man kann <term ref="kbga-keywords-274"><hi rend="italic">Ostern</hi></term> ebensowohl die <hi rend="italic">kleine</hi>, weil anhebende <term key="Parusie, Ostern als kleine P."><hi rend="italic">Wiederkunft</hi></term>, wie die <term key="Parusie"><hi rend="italic">Wiederkunft</hi></term> das <hi rend="italic">große</hi>, weil vollendende <hi rend="italic">Ostern</hi> nennen.</p>
     <p>Das je <hi rend="italic">Eigenartige</hi> dieser beiden Zeiten in ihrer Beziehung zueinander
      ergibt sich gerade aus dieser ihrer inneren Zusammengehörig<pb xml:id="p657" ed="pga" break="no"/>keit. Man kann ihren <hi rend="italic">Unterschied</hi> unter drei
      Gesichtspunkten erfassen.</p>
     <p><hi rend="italic">Einmal</hi> unter dem des schon berührten Unterschiedes des <hi rend="italic">Vorläufigen</hi> und des <hi rend="italic">Endgültigen</hi>. Die <term ref="kbga-keywords-274">Osterzeit</term> ist mit ihrem ganzen unbegreiflichen Inhalt und in
      ihrer ganzen Kürze immerhin <hi rend="italic">eine Zeit</hi> inmitten vorangehender und
      nachfolgender Zeiten.</p>
     </div>

     <div type="excursus">
     <p rend="margin-top">Es hat seinen Sinn, wenn es <ref type="can" subtype="bible" target="Act.1.3">Act. 1,3</ref>
      heißt, dass Jesus sich den <term ref="kbga-keywords-273">Aposteln</term> «nach seinen Leiden
      durch viele Beweise (<foreign xml:lang="el-GR">τεκμήρια</foreign>) während 40 Tagen erzeigt
       (<foreign xml:lang="el-GR">ὀπτανόμενος</foreign>) und zu ihnen vom Reiche Gottes geredet»
      habe. Diese 40 Tage sind offenbar nicht nur denen der <term ref="kbga-keywords-176">Versuchung</term> in der Wüste (<ref type="can" subtype="bible" target="Lk.4.1">Lk. 4,1</ref>) in sachlich bedeutsamem Kontrast (als Tage der <term key="Herrlichkeit">Herrlichkeit</term> gegenüber den Tagen der <term ref="kbga-keywords-816">Anfechtung</term>)
      gegenübergestellt, sondern sie haben auch ihre formale Bedeutsamkeit: indem sie <pb ed="A" n="324"/> diese Ereignisse als in der <term ref="kbga-keywords-1008"><hi rend="italic">Zeit</hi></term> geschehen charakterisieren. Die <term ref="kbga-keywords-273">Apostel</term> befanden sich als Zeugen der Erscheinung des <term key="Jesus Christus, Auferstandener">Auferstandenen</term>, obwohl und indem sie für sie
      bereits die Anzeige des Reiches <term ref="kbga-keywords-434">Gottes</term> in seiner ganzen
      Herrlichkeit, des neuen Himmels und der neuen Erde [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="2.Petr.3.13">2.Petr. 3,13</ref> u. ö.] bedeutete, <hi rend="italic">noch</hi> in der
       <term ref="kbga-keywords-1008">Zeit</term>, in der <hi rend="italic">noch</hi> dauernden
      Folge von Tagen und Nächten, Nächten und ­Tagen.</p>

       </div>
       <div>
     <p rend="margin-top">Der <hi rend="italic">Inhalt</hi> dieser Tage, die Gegenwart des von den Toten
      auferstandenen <term key="Jesus Christus, Auferstandener">Herrn</term> und seiner <term ref="kbga-keywords-8">Offenbarung</term> des Reiches <term ref="kbga-keywords-434">Gottes</term> besagte freilich, dass die <term ref="kbga-keywords-398">Geschichte</term> der
      Menschheit und so auch die ihr gegebene <term ref="kbga-keywords-1008">Zeit</term> in
      Wahrheit, wenn auch heimlich, <hi rend="italic">schon</hi> zu ihrem <hi rend="italic">Ziel</hi> und also auch zu ihrem <term key="Zeit, Ende der Z.">Ende</term> gekommen war.
      Virtuell, in der Person des <term ref="kbga-keywords-235">Gottessohnes</term> und <term ref="kbga-keywords-1263">Menschensohnes</term>, war das tatsächlich der Fall: war Gott in
      diesem Einen mit der Welt, mit dem [in] ihm <term ref="kbga-keywords-1077">erwählten</term>
      und in seinem Tode von ihm <term key="Jesus Christus, Stellvertretung">vertretenen</term>
      Menschen, zu seinem <hi rend="italic">Ziel</hi> gekommen – wie sollte es da noch eine <hi rend="italic">weitere</hi>
      <term ref="kbga-keywords-398">Geschichte</term> geben? wie sollte in und mit <hi rend="italic">dieser</hi> Geschichte nicht Alles aufhören? Dass seine Erscheinung in einer Reihe von Tagen
      geschah und also auch ein Ereignis in der <hi rend="italic">Zeit</hi> war, besagte aber
      faktisch, dass die Zeit für die übrige Menschheit, hier vertreten durch die <term ref="kbga-keywords-272">Jüngerschaft</term>, zunächst auch in und mit dem Geschehen dieses
      Ereignisses selbst <hi rend="italic">weiter</hi>ging. Dass seine Erscheinung ein eine immerhin
      nur <hi rend="italic">kurze</hi> Zeit erfüllendes Ereignis war, besagte andererseits, dass
      eine <hi rend="italic">unendliche</hi> Geschichte und Zeit der übrigen <term ref="kbga-keywords-402">Menschheit</term> angesichts dieses Ereignisses <hi rend="italic">nicht</hi> in Frage kommen konnte. Und dass die besondere Zeit dieser seiner Erscheinung für
      die Jünger im Zeichen der <term key="Himmelfahrt">Himmelfahrt</term> zu ihrem <pb xml:id="p658" ed="pga"/>
      <hi rend="italic">Ende</hi> kam, wie sie für sie mit dem <term ref="kbga-keywords-946">Zeichen</term> des leeren <term key="Grab, leeres">Grabes</term> begonnen hatte – nach
      welchem Ende sich für die Jünger, für die Menschheit und Welt, zunächst eine weitere
      Zeitstrecke eröffnete, – das besagte schließlich (weil diese weitere Zeit und ihre Geschichte
      angesichts jenes Ereignisses eine unendliche nicht mehr sein konnte, weil ihr Ziel in jenem
      Ereignis schon erreicht war), dass jene Tage und ihr Inhalt ein <hi rend="italic">Vorläufiges</hi> waren, das ein <hi rend="italic">Endgültiges</hi> höchst konkret und real
       <hi rend="italic">anzeigte</hi>, aber eben doch erst anzeigte. Das <hi rend="italic">Endgültige</hi>, das nicht nur virtuelle, sondern faktische Ziel aller – der in den 40
      Tagen, auch der jenseits der 40 Tage fürs Erste noch weitergehenden – Zeit und Geschichte wird
      sein: Jesu Christi <term key="Parusie"><hi rend="italic">Wiederkunft</hi></term> zur
      Auferweckung aller <term key="Auferweckung, der Toten">Toten</term>, zur Begründung der neuen
       <term ref="kbga-keywords-1493">Welt</term> in ihrer nur noch ewigen <pb ed="A" n="325"/>
      Koexistenz mit Gott: nicht mehr ein Ereignis in einer weiteren Zeitstrecke (bringt sie doch
      das Ende aller <term key="Zeit, Ende der Z.">Zeit</term>), auch noch nicht das Sein des
      Menschen und der Welt in der reinen Ewigkeit Gottes (ist sie doch erst das Ereignis des
      Übergangs zu diesem), wohl aber (als Übergang von der <term ref="kbga-keywords-1008">Zeit</term> zur reinen <term ref="kbga-keywords-1247">Ewigkeit</term>) das Ereignis <hi rend="italic">im Nu</hi>, <hi rend="italic">im Augenblick</hi> der letzten Posaune (<ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.15.52">1.Kor. 15,52</ref>). Dies wird sein: dasselbe
      Ereignis in seiner <hi rend="italic">Endgültigkeit</hi>, das in der <term ref="kbga-keywords-274">Osterzeit</term>
      <hi rend="italic">vorläufig</hi> geschehen war oder eben: angehoben hatte. Es konnte nicht
      anders sein, als dass die neutestamentliche <term ref="kbga-keywords-1285">Gemeinde</term> von
      diesem Vorläufigen her als Empfänger der ihr und der <term ref="kbga-keywords-378">Welt</term>
      damit gemachten Anzeige, auf jenes Endgültige warten, jenes Nu, jenes Augenblicks der letzten
      Posaune, der Wiederkunft Jesu <term key="Parusie">Christi</term> gewärtig sein durfte und
      musste.</p>
     <p>Der <hi rend="italic">zweite</hi> Gesichtspunkt, unter dem die Eigenart der beiden Zeiten
      Jesu Christi zu würdigen ist, ist der der Unterscheidung des <hi rend="italic">Verborgenen</hi> und des <hi rend="italic">Offenbaren</hi>. Der Inhalt der <hi rend="italic">Osterzeit</hi> war ein in doppelter Hinsicht <hi rend="italic">verborgenes</hi> Geschehen.
      Es war <hi rend="italic">verborgen</hi>, indem der <term key="Jesus Christus, Auferstandener">Auferstandene</term> ja nach der betonten Feststellung des Neuen <term ref="kbga-keywords-74">Testamentes</term> selbst nur seinen <term ref="kbga-keywords-272"><hi rend="italic">Jüngern</hi></term>, also nicht den Leuten vom Hohen <term key="Hoher Rat">Rat</term>, nicht dem <persName ref="kbga-actors-2239">Pilatus</persName>, nicht dem Volk
      von <placeName ref="kbga-places-37">Jerusalem</placeName> als Lebendiger erschien, um ihnen
      als solcher das Reich <term ref="kbga-keywords-434">Gottes</term> zu verkündigen – weil dieses
      Ereignis samt allen seinen Implikationen der noch nicht zum <term key="Glaube">Glauben</term>
      berufenen Umwelt und Nachwelt nur durch das Medium des Zeugnisses der <term ref="kbga-keywords-272">Jünger</term> und der <term ref="kbga-keywords-249">Gemeinde</term>,
      nur durch deren <term ref="kbga-keywords-252">Verkündigung</term> und nur durch den durch
      ihren Dienst erweckten Glauben in seiner Wahrheit und Wirklichkeit als Ereignis bekannt,
      präsent, aktuell, bedeutsam sein konnte.</p>
       </div>
    
<div type="excursus">
     <p rend="margin-top"><pb xml:id="p659" ed="pga" rend="noPipe"/>Diese Verborgenheit bedeutet kein Minus für diese
      Anderen, an diesem Ereignis nicht direkt Beteiligten. «Selig sind die, welche nicht sehen und
      doch glauben!» wird im Blick auf sie <ref type="can" subtype="bible" target="Joh.20.29">Joh. 20,29</ref> dem <persName ref="kbga-actors-3001">Thomas</persName> gesagt, der zu denen
      gehörte, denen es gegeben war, daraufhin zu glauben, dass sie gesehen – jenes Vorläufige
      gesehen – hatten. Und so werden <ref type="can" subtype="bible" target="1.Petr.1.8">1.Petr. 1,8</ref> die Leser als solche angeredet, die Jesus Christus lieb haben, ohne ihn
      gesehen zu haben, die an ihn glauben, ohne ihn jetzt zu schauen, und dennoch fröhlich sind in
      unaussprechlicher, in schon verklärter (<foreign xml:lang="el-GR">δεδοξασμένῃ</foreign>) <term ref="kbga-keywords-1458">Freude</term>, <pb ed="A" n="326"/> indem sie das Ziel (<foreign xml:lang="el-GR">τὸ τέλος</foreign>) ihres Glaubens, die Errettung ihres Lebens, auch so
      «davontragen» (<foreign xml:lang="el-GR">κομιζόμενοι</foreign>). Aber kein Zweifel: das
      bedeutet, verglichen mit dem Glauben der <term ref="kbga-keywords-272">Jünger</term> in den
      Ostertagen, ein Leben mit dem <term key="Jesus Christus, Auferstandener">Auferstandenen</term>
      in dessen <hi rend="italic">Verborgenheit</hi>, seiner nicht sichtbaren, nicht hörbaren, nicht
      greifbaren, nur aus sich selbst<note xml:id="n14">Tskr.: «selbst sich» (in einem
       handschriftlichen Zusatz): Streichung des überzähligen «sich» durch die Hrsg.</note> dem <hi rend="italic">Glauben</hi> – in der <hi rend="italic">Erweckung</hi> des <term key="Glaube">Glaubens</term> vielmehr – sich erschließenden <term key="Jesus Christus, verborgene Präsenz als Auferstandener">Präsenz</term>, in dem ihnen von
      ihm gesagten <hi rend="italic">Worte</hi>.</p>
      </div>
     <div>
     <p rend="margin-top">Und ein <hi rend="italic">verborgenes</hi> Geschehen war der Inhalt der <term ref="kbga-keywords-274">Osterzeit</term> doch auch für die, die deren unmittelbare Zeugen
      waren, sofern sein Leben als Auferstandener ja dort erst das <hi rend="italic">seinige</hi>
      und nur so als das <hi rend="italic">ihrige</hi> erkennbar, nur als ihr in <hi rend="italic">ihm</hi> verborgenes (<ref type="can" subtype="bible" target="Kol.3.3">Kol. 3,3</ref>!) war,
      nur in dieser Verschlossenheit in <hi rend="italic">ihm</hi> als das Leben aller <term ref="kbga-keywords-402">Menschen</term>, das Leben der <term ref="kbga-keywords-378">Welt</term>, verkündigt werden konnte. <hi rend="italic">Sein</hi> Leben und also ein Leben,
      dem sie und dem auch alle durch den Dienst ihres Wortes zum Glauben Berufenen nur als selber
      noch Sterbliche und faktisch (nach <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName>: jeden
      Tag [<ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.15.31">1.Kor. 15,31</ref>]) Sterbende
      gegenüberstehen, das sie nur eben von ihm erwarten konnten. <hi rend="italic">Noch</hi> hatte
      ja in den Ostertagen <hi rend="italic">ihr</hi> Verwesliches die Unverweslichkeit, <hi rend="italic">ihr</hi> Sterbliches die Unsterblichkeit nicht angezogen [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.15.53 1.Kor.15.54">1.Kor. 15,53f.</ref>]. <hi rend="italic">Noch</hi> waren im Blick auf ihre in ihm veränderte Situation auch sie, auch von den <term ref="kbga-keywords-274">Ostertagen</term> her, auch im Gehorsam gegen das Urteil des Heiligen
       <term ref="kbga-keywords-179">Geistes</term>, wie es dort gesprochen und von ihnen vernommen
      war, ganz und gar auf den <term key="Glaube"><hi rend="italic">Glauben</hi></term>, auf das
      Sehen wie im Spiegel [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.13.12">1.Kor. 13,12</ref>], angewiesen. Noch war es, indem sie in der noch dauernden <term ref="kbga-keywords-1008">Zeit</term> und deren <term key="Zeit, Ende der Z.">Ende</term> –
      ein Jeder vor allem seinem eigenen Ende – entgegen lebten, von ferne nicht, auch<note xml:id="n15">Tskr.: «auch nicht» (in einem handschriftlichen Zusatz); Streichung des
       überzähligen «nicht» durch die Hrsg.</note> annähernd nicht an dem, dass sie «ihm gleich»
      waren (<ref type="can" subtype="bible" target="1.Joh.3.2">1.Joh. 3,2</ref>).</p>
     </div>
<div type="excursus">
     <p rend="margin-top"><pb xml:id="p660" ed="pga" rend="noPipe"/>Wir sahen: auch diese Verborgenheit bedeutete kein
      Minus. Dass in und mit Jesus Christus auch sie schon auferweckt, schon lebendig gemacht, schon
      auferstanden <term key="Menschheit, schon auferstanden">waren</term>, galt trotzdem. Der
      Schluss von <ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.15">1.Kor. 15</ref> und von <ref type="can" subtype="bible" target="Röm.8">Röm. 8</ref> und der Anfang von Eph. 1 konnten und
      mussten auch unter diesen Umständen geschrieben werden. Aber kein Zweifel: dieser Stand der
      Dinge auch in den 40 Tagen, auch in der Zeit jenseits der 40 Tage, das Verhältnis des Standes
      auch der Zeugen der <term ref="kbga-keywords-393">Auferstehung</term> zu dem des
      auferstandenen Jesus <term key="Jesus Christus, Auferstandener">Christus</term> selbst,
      bedeutete: es war für sie auch die Zeit der 40 Tage die Zeit eines <hi rend="italic">verborgenen</hi> Lebens aus und von der Gnade seiner Auferstehung und insofern: die Zeit
      eines verborgenen Lebens auch des Auferstandenen selber.</p>
     </div>
     <div>
     <p rend="margin-top"><pb ed="A" n="327"/>Das <hi rend="italic">Offenbarsein</hi> dieses Verborgenen – also (a)
      die direkte, die unmittelbare Gegenwart Jesu Christi vor den Augen und Ohren <hi rend="italic">aller</hi> Menschen und (b) deren eigenes, wieder direktes und unmittelbares Leben mit ihm,
      ihre Teilnahme an der «Gleichgestalt auch mit seiner <term ref="kbga-keywords-393">Auferstehung»</term> (<ref type="can" subtype="bible" target="Röm.6.5">Röm. 6,5</ref><note xml:id="n16">Tskr. fälschlich: «<ref type="can" subtype="bible" target="Röm.6.3">Röm.
        6,3</ref>».</note>), ihr Verwandeltsein in sein Bild (<ref type="can" subtype="bible" target="2.Kor.3.18">2.Kor. 3,18</ref>), ihre Gleichheit mit ihm (<ref type="can" subtype="bible" target="1.Joh.3.2">1.Joh. 3,2</ref>) – das Offenbarsein Jesu Christi in der
       <hi rend="italic">ganzen</hi> Welt und so auch in und an uns <hi rend="italic">selber</hi> –
      das wird <term key="Jesus Christus, Offenbarsein am Ende der Zeit">sein</term>: die Eigenart
      der Zeit seiner <term key="Parusie"><hi rend="italic">Wiederkunft</hi></term>, das Ereignis
      jenes Nu, jenes Augenblicks der letzten Posaune [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.15.52">1.Kor. 15,52</ref>]. Indem er sich <hi rend="italic">endgültig</hi>
      offenbaren wird, wird er sich <hi rend="italic">Allen</hi> und wird er sein Leben als ihr <hi rend="italic">eigenes</hi> offenbaren, wird er einerseits die <term ref="kbga-keywords-252">Verkündigung</term> von ihm überflüssig machen, zum Verstummen bringen und ablösen durch
      seine dann ganz allein maßgebliche und unfehlbar wirksame <term key="Jesus Christus, Selbstverkündigung am Ende der Zeit">Selbstverkündigung</term> – und
      wird er andererseits das Geschenk des <term key="Glaube, Geschenk">Glaubens</term> überbieten
      durch das des Schauens, das uns jetzt gewährte Sehen wie im Spiegel durch das Sehen von
      Angesicht zu Angesicht [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.13.12">1.Kor. 13,12</ref>]. Es werden dann Alle, ob sie von dem ihnen jetzt vorläufig Gegebenen
      Kunde gehabt und Gebrauch gemacht haben oder nicht, ihn und in ihm sich selbst erkennen: so
      wie sie von Gott in ihm jetzt schon erkannt sind [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.13.12">ebd.</ref>].</p>
     <p>Eben von da aus ergibt sich nun der <hi rend="italic">dritte</hi> Gesichtspunkt zur
      Unterscheidung der beiden Zeiten. Es ist der der Unterscheidung zwischen der nur <hi rend="italic">partiellen Aktualität</hi>, in der Jesus Christus, in der die in ihm
      vollbrachte <term ref="kbga-keywords-240">Versöhnung</term> der <term ref="kbga-keywords-378">Welt</term> mit Gott und damit einerseits: der ewige Grund der menschlichen <term key="Existenz, menschliche">Existenz</term> und des ganzen <term key="Kosmos">Kosmos</term>,
      andererseits: die Realität der geschehenen Veränderung der mensch<pb xml:id="p661" ed="pga" break="no"/>lichen, der Weltsituation <hi rend="italic">jetzt erkannt wird</hi> – und der <hi rend="italic">totalen Aktualität</hi>, in der Jesus Christus und in ihm das Alles einst, <hi rend="italic">dann erkannt werden wird</hi>. Wir sahen: die <term key="Zeit, Ende der Zeit">Endzeit</term> als Ganzes ist die Zeit, in der Jesus Christus in der <term ref="kbga-keywords-402">Menschheit</term> erkannt werden kann: darum <hi rend="italic">kann</hi>, weil sie von seiner Erscheinung in der <term ref="kbga-keywords-398">Geschichte</term>, von der Fleischwerdung des Wortes [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Joh.1.14">Joh. 1,14</ref>] herkommt. Sie ist die Zeit, in der er, ein konkretes
      Element der mensch<pb ed="A" n="328" break="no"/>lichen Geschichte geworden, in deren Raum
      bekannt sein und bekannt gemacht werden kann. Mehr noch: in der er von der <term ref="kbga-keywords-274">Osterzeit</term> her wenigstens teilweise auch bekannt gemacht worden
       <hi rend="italic">ist</hi> und bis hin zu seiner <term key="Parusie">Wiederkunft</term>
      wenigstens teilweise auch bekannt gemacht werden <hi rend="italic">wird</hi>. Das Problem
      unserer dritten Unterscheidung ist das des Verhältnisses zwischen diesem Können und dem ihm
      entsprechenden Werden und Sein.</p>
     <p> Denken wir zunächst speziell an die <term ref="kbga-keywords-274">Osterzeit</term> als
      solche, so wird man sagen müssen, dass dieses Potential damals wenigstens insofern eine höchst
       <hi rend="italic">außerordentliche</hi> Aktualität hatte, als es sich damals jedenfalls
      innerhalb des besonderen Kreises derer, unter denen der <term key="Jesus Christus, Auferstandener">­Auferstandene</term> als solcher erschienen ist,
      wenigstens extensiv als unbedingt wirksam erwiesen hat. Wird uns zwar auch in den
      neutestamentlichen Berichten von dieser Zeit von Zögernden und Zweifelnden erzählt, so doch
      von keinem Einzigen unter denen, die Zeugen ihrer Ereignisse waren, der nicht schließlich –
       <persName ref="kbga-actors-3001">Thomas</persName> nach <ref type="can" subtype="bible" target="Joh.20.24 Joh.20.31">Joh. 20,24f[f]</ref>. als Letzter – durch das Faktum der
      Gegenwart des lebendigen Herrn überwunden worden wäre, der ihn also damals nicht auch faktisch
      als solchen <hi rend="italic">erkannt</hi> hätte. Eine auch nur <hi rend="italic">extensiv
       totale</hi> Aktualität wird seiner Erkenntnis freilich schon dort nicht zugeschrieben: sind
      es doch eben nur seine <term ref="kbga-keywords-272">Jünger</term>, denen er sich dort, wenn
      auch ihnen in einer unwiderstehlichen Weise, zu erkennen gegeben hat.</p>
     <p> Denkt man dann weiter an die <term ref="kbga-keywords-391">Pfingstgeschichte</term> und an
      die ganze mit ihr angehende Geschichte der <term ref="kbga-keywords-273">Apostel</term> und
      der durch ihr Wort begründeten und von ihrem Wort lebenden <term ref="kbga-keywords-249">Gemeinde</term> bis auf diesen Tag, dann darf und muss man freilich wieder und wieder von
      einer <hi rend="italic">Aktualität</hi>, dann kann und muss man aber offenbar – sowohl in
      extensiver wie in intensiver Hinsicht – nur noch (oder eben erst!) von einer <hi rend="italic">partiellen</hi> Aktualität jenes die Endzeit auszeichnenden Potentials reden. Es hat sich
      wohl als mächtig erwiesen, es tut das noch <pb xml:id="p662" ed="pga"/> heute und wird das
      auch fernerhin tun. Die Erscheinung des <term ref="kbga-keywords-82">Versöhners</term> der
      Welt in der <term ref="kbga-keywords-398">Geschichte</term> ist nicht umsonst geschehen und
      auch die Aussendung seiner <term ref="kbga-keywords-273">Apostel</term> in diese Welt hinein,
      die Begründung, die Existenz <pb ed="A" n="329"/> und Aktion der christlichen <term ref="kbga-keywords-249">Gemeinde</term> in der <term ref="kbga-keywords-378">Welt</term> ist
      nicht vergeblich gewesen. Viele sind von Anfang an und Viele sind ja auch später und bis an
      diesen Tag zum <term key="Glaube">Glauben</term> an Jesus Christus erweckt und also seiner
      Erkenntnis teilhaftig geworden. «Der Herr tat täglich solche hinzu, die gerettet wurden» (<ref type="can" subtype="bible" target="Act.2.47">Act. 2,47</ref>). Das ist die jenem Potential
      wenigstens partiell entsprechende <hi rend="italic">extensive</hi> Aktualität. Und wer wollte
      im Blick auf das, was derselbe Herr in der Vergangenheit getan hat und auch in unserer
      Gegenwart tut – wer, dem es etwa widerfahren wäre, dass er ihn selbst hinzugetan hat, wollte
      bezweifeln, dass auch in Zukunft noch Viele seiner Erkenntnis teilhaftig werden mögen? Aber
      diesen Vielen standen ja schon im <placeName ref="kbga-places-37">Jerusalem</placeName> der
       <term ref="kbga-keywords-391">Pfingstgeschichte</term>, standen in der Zeit und in den Räumen
      der Taten der <term ref="kbga-keywords-273">Apostel</term> und standen dann auch in der Zeit
      der späteren <term ref="kbga-keywords-249">Gemeinde</term> in der Welt bis auf diesen Tag noch
      viel mehr Andere gegenüber, die keineswegs «hinzugetan» wurden, die keineswegs zur Erkenntnis
      Jesu Christi kamen: teils weil er ihnen faktisch nicht bekannt gemacht wurde, teils weil sie,
      obwohl und indem er ihnen bekannt gemacht wurde, nicht zum <term key="Glaube">Glauben</term>
      an ihn erweckt wurden, nicht zu seiner Erkenntnis vordringen konnten und wollten. Was war und
      ist das kleine Häuflein der an ihn Glaubenden und ihn Erkennenden, das sich die Gemeinde
       nennt<note xml:id="n17">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-2037"><persName ref="kbga-actors-261">M. Luther</persName>, <hi rend="italic">Hauspostille 1544</hi>, in: WA 52, 1–733, dort
        156,2f.</bibl>: «Also gehets noch heutiges tages, die rechte Kirch ist ein armes, kleines,
       ellendes, verachtetes heufflin, das hat seinen trost an Gott unnd seinem wort». Vgl. auch aus
       Luthers Erklärung des dritten Artikels im Großen Katechismus: «Ich gläube, daß da sei ein
       heiliges Häuflein und Gemeine auf Erden» (<bibl corresp="kbga-bibls-14">BSLK, S. 657,26–28</bibl>).</note> – und was wird es auch
      in Zukunft und bis ans Ende aller <term key="Zeit, Ende aller Tage">Tage</term> sein: im
      Verhältnis zu der erdrückenden Majorität all der Menschen, die seit der ersten <term key="Parusie">Parusie</term> Jesu Christi jenem mächtigen Potential zum Trotz gelebt haben,
      leben und leben werden, «als wäre nichts <term key="«als wäre nichts geschehen»">geschehen»</term><note xml:id="n18">Vgl. oben, <ref target="../volume/50/p072#fn_n62" type="pub">S. 72, Anm. 62</ref>.</note>? Darf und muss man also im Blick auf den Anfang und
      die Mitte der mit der Erscheinung Jesu Christi in der <term ref="kbga-keywords-398">Geschichte</term> eröffneten <term key="Zeit, Endzeit">Endzeit</term> wohl von einer <hi rend="italic">Aktualität</hi>, von einer <pb xml:id="p663" ed="pga"/> Verwirklichung der uns
      Menschen damit gegebenen Möglichkeit seiner Erkenntnis reden, so kann sie doch schon in
      extensiver Hinsicht schon im Blick auf den Anfang und so auch im Blick auf die ganze
      Fortsetzung dieser Zeit nur eine <hi rend="italic">partielle</hi> Aktualität genannt werden.
      Was wird aus und mit all den Anderen?</p>
     <p>Und diese Schranke besteht nun erst recht in <hi rend="italic">intensiver</hi> Hinsicht. Was
      müsste das denn heißen: an Jesus Christus glauben und ihn erkennen? Ein <pb ed="A" n="330"/>
      klares, mehr oder weniger überzeugtes <hi rend="italic">Wissen</hi> um seine Existenz als
       <term ref="kbga-keywords-82">Versöhner</term> der <term ref="kbga-keywords-378">Welt</term>,
      als Haupt der <term key="Jesus Christus, Haupt der Kirche">Kirche</term> und als Erretter auch
      der eigenen <term ref="kbga-keywords-356">Seele</term>? Das offenbar <hi rend="italic">auch</hi>: eben das <term ref="kbga-keywords-146">Bekenntnis</term> zu diesem Wissen ist ja
      die äußere, Anderen erkennbare Bedingung zur <term ref="kbga-keywords-68">Taufe</term> eines
      Menschen, das äußere Merkmal seiner Zugehörigkeit zur christlichen <term ref="kbga-keywords-249">Gemeinde</term>. Aber an Jesus Christus glauben und ihn erkennen
      heißt doch offenbar viel <hi rend="italic">mehr</hi> als das: heißt offenbar <term ref="kbga-keywords-757">Nachfolge</term>, und zwar unbedingte Nachfolge Jesu Christi,
      «Verwandlung in sein Bild» [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Röm.8.29">Röm. 8,29</ref>], <term key="Mensch, Gehorsam">Gehorsam</term>, und zwar völliger Gehorsam
      gegenüber den Imperativen, die sich aus seinem <term ref="kbga-keywords-129">Tod</term> für
      uns und aus seiner <term ref="kbga-keywords-393">Auferstehung</term>, aus der in ihm
      erkennbaren ewigen <term ref="kbga-keywords-1077">Erwählung</term> des <term key="Mensch, ewige Erwählung in Jesus Christus">Menschen</term> und aus der in ihm
      erkennbaren radikalen Veränderung der menschlichen Situation ergeben. Das müsste sich in den
      Vielen, die er «hinzugetan» hat, heute «hinzutun» und noch «hinzutun» wird, darstellen. Das
      hieße an ihn glauben und ihn erkennen. Was heißt es aber faktisch? Die Frage stellen, heißt
      sie beantworten, wobei wir besser nicht an die vielen sogenannten Tauf- und Namenchristen,
      nicht an die problematische Masse der Millionen und Abermillionen derer denken wollen, die
      eine allzu summarische Statistik auf Grund einer allzu verlotterten kirchlichen Praxis in
      alter und neuer Zeit als «Christen» in Anspruch genommen und also jenem kleinen Häuflein
      zugerechnet hat. Gerade von denen, die etwa selber mit Ernst <term key="Christen">Christen</term> sein möchten,<note xml:id="n19">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-675"><persName ref="kbga-actors-261">M. Luther</persName>, <hi rend="italic">Deutsche
         Messe</hi> (1526), in: WA 19, 72–113, dort 75,16–18</bibl>: «Kurtzlich / wenn man die leute
       und personen hette, die mit ernst Christen zu seyn begerten, […].» Vgl. auch <bibl corresp="kbga-bibls-675">a.a.O., Z. 3–8.</bibl></note> wird doch keiner bestreiten wollen,
      dass man auch im Blick auf ihn und seinesgleichen, im Blick auf Alle, die jenes Potential als
      solches überhaupt erkennen, nur von einer <hi rend="italic">partiellen Aktualität</hi> seiner
      Erkenntnis reden kann. Es wäre nicht <pb xml:id="p664" ed="pga"/> Nüchternheit, sondern
      defaitistischer Unglaube, wenn man mit einer solchen nicht rechnen wollte. Es war <hi rend="italic">nicht nichts</hi>, was seit den Tagen der <term ref="kbga-keywords-273">Apostel</term> in der christlichen <term ref="kbga-keywords-249">Gemeinde</term> im Versuch,
      an ihn zu glauben und ihn zu erkennen und also nicht nur um ihn zu wissen, sondern ihm
      nachzufolgen, unter seinem <term ref="kbga-keywords-387">Gericht</term> und von seiner <term key="Gnade, Jesu Christi">Gnade</term> zu leben, gelitten, gestritten, getan und wohl auch
      triumphierend ausgerichtet worden ist. Es war aber, wie gerade die Besten immer wieder bekannt
      haben, immer und überall eine <hi rend="italic">partielle</hi> und insofern doch uneigentliche
      Aktualität der Erkenntnis Jesu Christi: dem der <term ref="kbga-keywords-402">Menschheit</term> und <term ref="kbga-keywords-807">Christenheit</term> vorgegebenen
      Potential nicht von ferne entsprechend. Es ist bekannt, wie <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> sich, von seiner eigenen apostolischen Person redend, <ref type="can" subtype="bible" target="Röm.7.7 Röm.7.25">Röm. 7,7–25</ref> über die widerspruchsvolle
      Teilhaftigkeit der christlichen <term key="Existenz, christliche">Existenz</term> geäußert
      hat. Und das Neue <term ref="kbga-keywords-74">Testament</term> gibt uns auch sonst wie keinen
      Anlass, mit einer Christenheit zu rechnen, die mehr sein könnte als eine «kleine Herde» [<ref type="can" subtype="bible" target="Lk.12.32">Lk. 12,32</ref>], so auch keinen, von einer auch
      nur von ferne vollkommenen, auf der Höhe jenes Potentials und also ihrer Gabe und Aufgabe
      stehenden <term ref="kbga-keywords-807">Christenheit</term> zu träumen.</p>
     <p> Also: die Aktualisierung der der Menschheit in dieser <term key="Zeit, Endzeit">Endzeit</term> möglichen <pb ed="A" n="331"/> Erkenntnis Jesu Christi ist, indem sie in
      gewissen Grenzen stattgefunden hat, extensiv und intensiv immer eine bescheidene Sache
      gewesen, und es besteht wirklich kein Grund, anzunehmen, dass das – nachdem es im <placeName ref="kbga-places-37">Jerusalem</placeName> der <term ref="kbga-keywords-391">Pfingstgeschichte</term> und im Leben des Apostels <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> und dann herunter durch die ganze <term ref="kbga-keywords-464">Kirchengeschichte</term> bis auf unsere Tage nicht anders wurde – im weiteren Verlauf dieser
       <term ref="kbga-keywords-1008">Zeit</term> grundsätzlich anders werden möchte.</p>
     <p>Eben die extensiv und intensiv <hi rend="italic">totale</hi> Erkenntnis Jesu Christi wird
      aber das Ereignis seiner <term key="Parusie"><hi rend="italic">Wiederkunft</hi></term> sein.
      Nicht das Resultat christlicher <term ref="kbga-keywords-210">Mission</term> und <term ref="kbga-keywords-358">Evangelisation</term> also, nicht das Resultat einer vertieften
      kultischen und persönlichen christlichen <term ref="kbga-keywords-457">Frömmigkeit</term> oder
      eines verschärften individuellen, sozialen und politischen christlichen <term key="Ethos, christliches">Ethos</term> und gewiss auch nicht das Resultat einer vielleicht
      aufs höchste zu verbessernden christlichen <term ref="kbga-keywords-487">Theologie</term>! Auf
      allen diesen Linien hat zwar die <term ref="kbga-keywords-249">Gemeinde</term> der <term key="Zeit, Endzeit">Endzeit</term> ihre Aufgabe und wird sie sich um partielle
      Aktualisierungen fernerhin mit letztem Ernst, aber auch in illusionsloser <term ref="kbga-keywords-1270">Demut</term> bemühen müssen. Die Verwirklichung der in jenen beiden
      Dimensionen <hi rend="italic">totalen</hi> und also eigentlichen Erkenntnis <pb xml:id="p665" ed="pga"/> Jesu Christi aber – <hi rend="italic">die</hi> Aktualität dieser Erkenntnis, die
      dem Potential seiner <term key="Inkarnation">Menschwerdung</term>, der in ihm geschehenen
       <term ref="kbga-keywords-240">Versöhnung</term> und der in dieser vollzogenen Veränderung der
      menschlichen, der ganzen Weltsituation entsprechen wird – sie wird wie die Menschwerdung, die
      Versöhnung und diese Veränderung selbst als Letztes in der <term ref="kbga-keywords-1008">Zeit</term> nicht von unten, sondern von oben, vom Himmel, von Gott her, nicht durch die
       <term ref="kbga-keywords-33">Kirche</term>, nicht von den <term key="Christen">Christen</term> und auch nicht von einer christianisierten und natürlich auch nicht in Kraft
      der Ideen, Systeme und Unternehmungen der übrigen <term ref="kbga-keywords-402">Menschheit</term>, sondern von <hi rend="italic">Jesus Christus selbst her</hi> Ereignis
      werden. Diesem Ziel, dem Reiche <term ref="kbga-keywords-434">Gottes</term>, geht die <term ref="kbga-keywords-378">Welt</term> und geht in der Welt die <term ref="kbga-keywords-249">Gemeinde</term> zwar entgegen, sie wird es aber nicht anders erreichen, als indem es, indem
      Jesus Christus selbst ihr in freier eigener Initiative entgegenkommt in derselben ihm vom
      Vater geschenkten <term ref="kbga-keywords-1257">Herrlichkeit</term> als Sieger über <term ref="kbga-keywords-64">Sünde</term> und <term ref="kbga-keywords-177">Tod</term> wie in den
       <term ref="kbga-keywords-274">Ostertagen</term>. Nun aber nicht bloß in einem einzelnen,
      sondern in einem alles Geschehen aller Zeiten post und ante Christum natum umfassenden und
      abschließenden Weltereignis, in einer Zusammenfassung aller Dinge in und unter sich selbst als
      dem Haupte (<foreign xml:lang="el-GR">ἀνακεφαλαιώσασ τὰ πάντα</foreign>, <ref type="can" subtype="bible" target="Eph.1.10">Eph. 1,10</ref>). Nun um die Schickung im Zusammenhang<note xml:id="n20">Vgl. <bibl type="song" corresp="kbga-songs-290">Strophe 4 des Liedes «Nach einer Prüfung kurzer Tage erwartet uns die
       Ewigkeit» von <persName ref="kbga-actors-1000">Christian Fürchtegott Gellert</persName> (<hi rend="italic">Gesangbuch für die Evangelisch-reformierte
         Kirche der deutschen Schweiz</hi> [eingeführt 1891], Nr. 348)</bibl>: <q rend="block"><lg>
         <l>Da werd’ ich das im Licht erkennen,</l>
         <l>Was ich auf Erden dunkel sah,</l>
         <l>Das wunderbar und heilig nennen,</l>
         <l>Was unerforschlich hier geschah;</l>
         <l>Da denkt mein Geist mit Preis und Dank</l>
         <l>Die Schickung im Zusammenhang.</l>
        </lg></q>
      </note>, das Mysterium der Natur- und <term key="Geschichte, Mysterium">Weltgeschichte</term>
      zu enthüllen, im Lichte dessen, was er für Gottes Kreatur getan hat, darzustellen. Und nun um
      auch die einzelnen Menschen, die Lebenden und die <pb ed="A" n="332"/> Toten nicht bloß unter
      sein <term ref="kbga-keywords-387">Gericht</term> und Urteil zu stellen, sondern um sie
      selbst, indem er ihnen allen offenbar werden wird, ihrerseits vor ihren eigenen und vor Aller
      Augen offenbar zu machen, sie in der Tiefe und Eigentlichkeit dessen, was sie gewesen sind, zu
      richten, ihre in ihm geschehene Umkehrung zu ihrem Erschrecken und zu ihrer <term ref="kbga-keywords-1458">Freude</term> in Gerechtigkeit und <term ref="kbga-keywords-124">Barmherzigkeit</term> an den Tag <pb xml:id="p666" ed="pga"/> zu bringen, das Rätsel und die
      Rätsel ihrer Existenz zu ihrer Beschämung und zu ihrem Troste aufzulösen, in seiner Strenge
      und Milde sie alle ganz, bis aufs letzte, zu durchleuchten und so seinem Vater darzubringen
      als die, die sie waren und wurden, so ihrer aller ganzes Gewesensein in der <term ref="kbga-keywords-1008">Zeit</term> zu überführen in ihr ewiges Sein vor Gott und mit Gott!
      Dies wird sein die Vollendung seiner in seiner eigenen <term ref="kbga-keywords-393">Auferstehung</term> anhebenden <term key="Parusie">Parusie</term>: die Auferweckung aller
       <term key="Auferweckung, der Toten">Toten</term>, das <term ref="kbga-keywords-387">Gericht</term> und das ewige <term ref="kbga-keywords-726">Leben</term>. Dies ist das Ziel,
      der Augenblick, dem die in der <term ref="kbga-keywords-274">Osterzeit</term> begonnene <term key="Zeit, Endzeit">Endzeit</term> entgegeneilt und dem die <term ref="kbga-keywords-249">Gemeinde</term> der Endzeit mit erhobenen Häuptern (<ref type="can" subtype="bible" target="Lk.21.28">Lk. 21,28</ref>) entgegensehen darf: «<foreign xml:lang="lat">iterum venturus est, iudicare vivos
      et mortuos</foreign>»<note xml:id="n21">Aus dem zweiten Artikel des Symbolum Apostolicum (<bibl corresp="kbga-bibls-544">BSKL, S. 21,16f.</bibl>; dort: «<foreign xml:lang="lat">inde
        venturus est iudicare vivos et mortuos</foreign>») bzw. Symbolum Nicaenum (<bibl corresp="kbga-bibls-14">BSLK, S. 26,20f.</bibl>; dort: «<foreign xml:lang="lat">iterum
        venturus est in gloria iudicare vivos et mortuos</foreign>»).</note>, der Tag seiner nicht
      nur partiellen, sondern totalen Erkenntnis.</p>
        </div>
     <div type="excursus">
     <p rend="margin-top">Wir fassen das zu diesen drei Unterscheidungen und Beziehungen der beiden Zeiten Jesu <term key="Zeit, Zeiten Jesu Christi">Christi</term> Gesagte – sie zielen ja alle auf denselben
      Punkt – zusammen in der Erinnerung an einige unter sich sachlich eng benachbarte
      neutestamentliche Texte.</p>
     <p>Es heißt von Jesus Christus am Ende der Rede des <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> vor <persName ref="kbga-actors-6511">Agrippa</persName> (der letzten Paulusrede der Apostelgeschichte) <ref type="can" subtype="bible" target="Act.26.23">Act. 26,23</ref>: er sei von <persName ref="kbga-actors-2228">Mose</persName> und den <term key="Propheten">Propheten</term>
      angezeigt worden als der, der als «Erster aus der Auferstehung» (<foreign xml:lang="el-GR">πρῶτος ἐξ ἀναστάσεως</foreign>) dem Volk Israel
      und den <term ref="kbga-keywords-109">Heiden</term> «das Licht verkündigen» werde. <term ref="kbga-keywords-734">«Auferstehung»</term> ist hier offenbar verstanden als ein
      allgemeines, von Gott gewolltes und beschlossenes, Israel und den Heiden zugedachtes radikales
      und abschließendes Heilsgeschehen, verborgen in Gottes Willen und verborgen in der Zukunft,
      ihnen also unbekannt, so dass ihnen dieses ihr Ziel jetzt nicht leuchtet, so dass sie, dieses
       <pb ed="A" n="333"/> Gotteswillens und dieser ihrer Zukunft nicht gewahr, im Finstern
      wandern. <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> bezeugt Jesus Christus als den, der dieser <term ref="kbga-keywords-402">Menschheit</term> «das Licht verkündigt». Und Jesus Christus tut das durch seine Existenz
      als «Erster aus der Auferstehung», d. h. als der, der mitten in der <term ref="kbga-keywords-1008">Zeit</term>, die ihre, die menschliche Zeit ist, an diesem für sie
      erst künftigen Geschehen schon Anteil haben sollte und faktisch gehabt hat. Er für sich
      allein? Nein, er als der Erste von Vielen, denen durch seine Existenz als von den Toten <term key="Jesus Christus, Auferstandener">Auferstandener</term> ihre eigene Zukunft und eben damit
      das ihnen schon jetzt gegebene Licht auf ihrem Weg [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Ps.119.105">Ps. 119,105</ref>] <hi rend="italic">verkündigt</hi> wird. <foreign xml:lang="el-GR">Πρῶτος</foreign> schließt Beides in sich: dass er als primus inter pares,
      als der Erste unter seinesgleichen, zu <hi rend="italic">ihnen</hi> gehört und dass er als der
      in <hi rend="italic">dieser</hi> Sache <pb xml:id="p667" ed="pga"/> Erste, als der ihnen <hi rend="italic">dieses</hi> Licht Verkündigende mit dem Willen, dem Beschluss <hi rend="italic">Gottes</hi> in einer besonderen Beziehung und insofern ihnen gegenüber, über ihnen steht. Im
      selben Sinn heißt er <ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.15.20">1.Kor. 15,20</ref>
      die <foreign xml:lang="el-GR">ἀπαρχή τῶν κεκοιμημένων</foreign> und <ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.15.23">1.Kor. 15,23</ref> die <foreign xml:lang="el-GR">ἀπαρχή</foreign> in der Ordnung, der Folge (dem <foreign xml:lang="el-GR">τάγμα</foreign>)
      der Auferstehung. Der Ausdruck ist derselbe, der <ref type="can" subtype="bible" target="Röm.8.23">Röm. 8,23</ref> auf den den <term key="Christen">Christen</term>
      geschenkten Heiligen <term ref="kbga-keywords-179">Geist</term> angewendet wird, der dort als
      das ihnen schon in der Gegenwart mitgeteilte Unterpfand der künftigen <term ref="kbga-keywords-8">Offenbarung</term> ihrer <term key="Heiliger Geist, Unterpfand der Offenbarung der Gotteskindschaft">Gotteskindschaft</term>
      beschrieben ist. Auch <foreign xml:lang="el-GR">ἀπαρχή</foreign> besagt, auf Jesus Christus
      bezogen, dass er, eine Vorfrucht der künftigen ganzen Ernte, als der inmitten unzähliger
      anderer «Entschlafener» <hi rend="italic">eine</hi>
      <term key="Jesus Christus, Auferweckter">Auferweckte</term> allen Anderen Zeuge, Verkündiger –
      aber der Ausdruck ist stärker als <ref type="can" subtype="bible" target="Act.26.23">Act. 26,23</ref>: lebendig gegenwärtige <term key="Jesus Christus, lebendige Bürgschaft der Verheißung"><hi rend="italic">Bürgschaft</hi></term> dessen ist, was in ihm auch ihnen in aller Form und Gewissheit
      verheißen und zugesagt ist. Und nun taucht <ref type="can" subtype="bible" target="Röm.8.29">Röm. 8,29</ref> erst der eigentlich bezeichnende Begriff auf: er ist der <hi rend="italic"><foreign xml:lang="el-GR">πρωτότοκος</foreign></hi>, und zwar <foreign xml:lang="el-GR">ὲν
       πολλοῖς ἀδελφοῖς</foreign>. Dieser Zusatz bestätigt: als primus inter pares, als Erster unter
      seinesgleichen, ist er ihnen, was er ist. Aber der Zusammenhang, in dem der Ausdruck
      auftaucht, bestätigt auch seine hervorgehobene Stellung unter ihnen: diese Vielen sind darum
      seine Brüder, weil sie in Gottes ewigem <term key="Gott, Ratschluss">Ratschluss</term> (als
       <foreign xml:lang="el-GR">προωρισθέντες</foreign>) dazu erwählt sind, seinem Bilde – dem
      Bilde des Sohnes <term ref="kbga-keywords-235">Gottes</term> – gleichgestaltet <pb ed="A" n="334"/> zu werden: seinem Tod nicht nur, wie <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> es <ref type="can" subtype="bible" target="Röm.6.5">Röm. 6,5</ref> und
       <ref type="can" subtype="bible" target="Phil.3.10">Phil. 3,10</ref> gesagt hat, sondern, wie
      ja auch dort sofort hinzugefügt wird: seinem Leben als <term key="Jesus Christus, Auferstandener">Auferstandener</term> und ewig Lebender. Ihnen als
      seinen Brüdern und also den zur Gleichgestaltung mit ihm Bestimmten ist auch das bestimmt: in
      ihm ihre Zukunft zu haben, im Blick auf <hi rend="italic">seine</hi> Auferstehung ihrer <hi rend="italic">eigenen</hi> entgegenzugehen. Dass das die Meinung von <ref type="can" subtype="bible" target="Röm.8.29">Röm. 8,29</ref> ist, bestätigen <ref type="can" subtype="bible" target="Apk.1.5">Apok. 1,5</ref> und vor allem <ref type="can" subtype="bible" target="Kol.1.18">Kol. 1,18</ref>, wo Jesus Christus ausdrücklich als
       <foreign xml:lang="el-GR">ἀρχή</foreign> (hier vermutlich für <foreign xml:lang="el-GR">ἀπαρχή), πρωτότοκος</foreign>
      <hi rend="italic"><foreign xml:lang="el-GR">ἐκ νεκρῶν</foreign></hi> genannt wird. <ref type="can" subtype="bible" target="Kol.1.18">Kol. 1,18</ref> ist darum besonders interessant,
      weil Jesus Christus dort wenige Verse vorher (<ref type="can" subtype="bible" target="Kol.1.15">v 15</ref>) der <foreign xml:lang="el-GR">πρωτότοκος
       πάσης</foreign>
      <hi rend="italic"><foreign xml:lang="el-GR">κτίσεως</foreign></hi> heißt, in welchem das
      himmlische und das irdische, das sichtbare und das unsichtbare All (<foreign xml:lang="el-GR">τὰ πάντα</foreign>) schon geschaffen wurde, der (<ref type="can" subtype="bible" target="Kol.1.17">v 17</ref>) vor dem All war und der das All zu
      einem Ganzen gestaltet hat (<foreign xml:lang="el-GR">συνέστηκεν</foreign>). Wieder wird hier
      also (wie im Zusammenhang von <ref type="can" subtype="bible" target="Röm.8.29">Röm. 8,29</ref>) auf die allem geschöpflichen Sein und seiner Zeit vorangehende göttliche
      Wahl und Entschließung verwiesen und erscheint Jesus Christus als deren eigentlicher, alle
      übrigen in sich begründender und in sich schließender <term key="Jesus Christus, göttliche Erwählung vor aller Zeit">Gegenstand</term>. Eben er – der
      Anfang und das Ende aller Dinge greifen in dieser Stelle in dem einen Namen Jesus Christus
      mächtig ineinander – ist nun auch der <term key="Jesus Christus, Erstgeborener">«Erstgeborene</term> aus den <hi rend="italic">Toten</hi>». Eben als solcher wird er <ref type="can" subtype="bible" target="Apk.1.5">Apok. 1,5</ref>, hier offenbar vorwärts, auf das
      letzte Ende blickend, der «Herrscher über alle Könige der Erde» genannt. |</p>
     <p>Was besagt in diesen Stellen das Wort «<hi rend="italic">Erstgeborener</hi>»? Zunächst
      gewiss dasselbe wie <foreign xml:lang="el-GR">πρῶτος</foreign> und <foreign xml:lang="el-GR">ἀπαρχή</foreign> in den zuerst genannten Stellen. Aus der Mitte aller, die starben und noch
      sterben werden, ist dieser Eine – selbst ganz und gar einer der Ihrigen – als Lebender
      hervorgegangen: ihnen zum Verkün<pb xml:id="p668" ed="pga" break="no"/>diger, Zeugen und
      Bürgen ihrer eigenen künftigen <term key="Jesus Christus, Bürge der Auferstehung">Auferstehung</term>. Aber der Begriff bedeutet sicher eine Präzisierung: Der «Erstgeborene»
      ist ja kein «Einziggeborener» (<foreign xml:lang="el-GR">μονογενής</foreign>; <ref type="can" subtype="bible" target="Joh.1.14">Joh. 1,14</ref> etc.). «<hi rend="italic">Einzigg</hi>eborener» ist Jesus Christus als Sohn <term ref="kbga-keywords-235">Gottes</term>
      des Vaters; von ihm dahingegeben und in die Welt gesandt, <pb ed="A" n="335"/> als sein
      fleischgewordenes Wort aber ist er der «<hi rend="italic">Erst</hi>geborene», d. h. der
      Älteste jener «vielen Brüder» (<ref type="can" subtype="bible" target="Röm.8.29">Röm. 8,29</ref>). Als solcher, an der Spitze dieser Vielen, ihnen voran und mit ihnen
      zusammen, ist er im Anfang aller Dinge der Gegenstand der ewigen göttlichen Wahl und <term key="Jesus Christus, göttliche Erwählung vor aller Zeit">Entschließung</term> und wird er an
      deren Ende als der «Herrscher über alle Könige der Erde» offenbar werden. Alsact solcher ist
      er nun auch der «Erstgeborene aus den <hi rend="italic">Toten</hi>». Ihm als solchem wird (das
      ist die eine mögliche Deutung des Begriffs) in seiner <term key="Auferweckung, Jesu Christi">Auferweckung</term> sein Anteil an dem allen Söhnen gemeinsam zustehenden ewigen Erbe
      zugesprochen und ausgehändigt: nach israelitischem Recht das<note xml:id="n22">Tskr.: «der»;
       Änderung durch die Hrsg.</note> Doppelte des Anteils, den jeder seiner jüngeren Brüder zu
      erwarten hat. Eben damit, dass ihm, dem Ältesten, dieser ihm zukommende Anteil ausgehändigt
      wird, wird aber seinen jüngeren Brüdern von dem ihnen zustehenden Anteil nicht nur Kenntnis
      gegeben, sondern auch für dessen künftigen Empfang in aller Form Gewähr geleistet. Die
      Anschauung von <ref type="can" subtype="bible" target="Act.26.23">Act. 26,23</ref>: Jesus
      Christus als der «Erste aus der Auferstehung», der als solcher die Anzeige und Gewähr der
      künftigen Auferweckung auch der <term key="Auferweckung, der Toten">Anderen</term> ist, wäre
      dann – worauf ja auch der Begriff <foreign xml:lang="el-GR">τάγμα</foreign>
      <ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.15.23">1.Kor. 15,23</ref> hinweisen kann – eine
      Anschauung <hi rend="italic">rechtlicher</hi> Natur. Der Begriff <foreign xml:lang="el-GR">πρωτότοκος</foreign> erinnert aber auch an ein Element der israelitischen <term key="Opfer"><hi rend="italic">Opfer</hi>sprache</term>: mit den Erstlingen, die der Israelit seinem
      Gott aus seinem Stall und von seinem Feld darbringt, bezeugt er, dass er Alles, was als sein
      Eigentum lebt und wächst, als in Wahrheit Gottes Eigentum und Leihgabe betrachtet. Und
      umgekehrt: nimmt Gott diese Erstlinge gnädig an, so bezeugt er damit sein Wohlgefallen an
      allen dem Opfernden gehörenden Früchten und Lebewesen, verheißt er ihm seinen <term ref="kbga-keywords-1051">Segen</term> für sein ganzes Leben und Wirken. Indem dieser jene
      Pflicht erfüllt, empfängt er also auch diese <term ref="kbga-keywords-72">Verheißung</term>.
      Der Ausdruck <foreign xml:lang="el-GR">πρωτότοκος ἐκ νεκρῶν</foreign> würde bei dieser Deutung
      mehr als bei jener ersten auf den zuvor geschehenen <term key="Jesus Christus, Stellvertretung">stellvertretenden</term> Tod Jesu <term ref="kbga-keywords-129">Christi</term> als solchen zurückblicken: Wurde der Erstling <term key="Jesus Christus, Erstgeborener">Christus</term> für alle Menschen in den Tod gegeben, <pb ed="A" n="336"/>so ist er im Erweis des göttlichen <term ref="kbga-keywords-1040">Wohlgefallens</term> an seinem <term ref="kbga-keywords-727">Gehorsam</term>, wieder als
      ihrer aller Repräsentant, eine lebendige Verheißung für sie alle, von den Toten erweckt
      worden. Und man könnte endlich auch daran denken, dass im Alten <term ref="kbga-keywords-568">Testament</term> (etwa <ref type="can" subtype="bible" target="Ex.4.22">Ex. 4,22</ref>) das
      Volk <hi rend="italic">Israel</hi> als solches
      Gottes «Erstgeborener» unter den <term key="Israel, Gottes Erstgeborener unter den Völkern">Völkern</term> genannt wird, das er nun in der Person Jesu Christi, seine ihm zugewendete
      Verheißung erfüllend und zugleich als <term ref="kbga-keywords-72">Verheißung</term> für alle
      anderen Völker, dem Totenreich, dem es ohne seine <term ref="kbga-keywords-1077">erwählende</term>
      <term ref="kbga-keywords-36">Gnade</term> mit allen anderen Völkern verfallen wäre, entrissen
      hat. – Man sieht, dass alle diese Stellen und speziell der Begriff <foreign xml:lang="el-GR">πρωτότοκος</foreign> in allen möglichen Deutungen (die erste dürfte doch die naheliegendste
      sein) auf denselben Sach<pb xml:id="p669" ed="pga" break="no"/>verhalt hinweisen: die
      Auferweckung Jesu <term key="Auferweckung, Jesu Christi">Christi</term> in ihrer Vereinzelung
      ist, indem sie diesem Einen, dem zum Haupt und Stellvertreter aller Anderen <term ref="kbga-keywords-1077">Erwählten</term>, widerfährt, die Kundgabe nicht nur, die
      Gewährleistung nicht nur, sondern das reale <hi rend="italic">Anheben</hi> (und als solches
      dann auch die <hi rend="italic">Kundgabe</hi> und <hi rend="italic">Gewährleistung</hi>) der
       <term key="Auferweckung, der Toten">Auferweckung</term>, die Gott ihnen allen zugedacht hat,
      und die der seinigen, da sie in ihm schon angehoben hat, in der Notwendigkeit der
      Vollstreckung eines und desselben göttlichen Gnadenaktes folgen wird.</p>
      </div>
     <div type="excursus">
     <p rend="margin-top"> Soviel über die Verschiedenheit der beiden Zeiten Jesu <term key="Zeit, Zeiten Jesu Christi">Christi</term>, von der man ja nicht reden kann, ohne immer
      wieder auf ihre Zusammengehörigkeit, ja Einheit zurückverwiesen zu werden.</p>
     <p>Wir nähern uns dem Ende unserer Untersuchung des <hi rend="italic">Zusammenhangs</hi>
      zwischen der Gottestat des im Gehorsam des <term ref="kbga-keywords-235">Sohnes</term> für
       <term key="Jesus Christus, Stellvertretung">uns</term> erlittenen Todes Jesu <term ref="kbga-keywords-129">Christi</term> und der Gottestat seiner Auferweckung von den <term key="Auferweckung, Jesu Christi">Toten</term> durch die Gnade des <term ref="kbga-keywords-36">Vaters</term> in der Macht des Heiligen <term ref="kbga-keywords-70">Geistes</term>. Wir sahen: dieser Zusammenhang ist ein <hi rend="italic">differenzierter</hi>. Ausgehend von dem <term ref="kbga-keywords-274">Osterereignis</term>
      und also von dem darin durch den Heiligen <term ref="kbga-keywords-179">Geist</term>
      vollzogenen und ausgesprochenen Gottesurteil über das <term ref="kbga-keywords-1411">Karfreitagsgeschehen</term> hatten wir freilich zunächst auf die <hi rend="italic">Gleichzeitigkeit</hi> jener beiden Gottestaten zu achten. Eben im Osterereignis koinzidieren
      sie ja: eben der <term key="Jesus Christus, Auferstandener">Auferstandene</term> ist ja kein
      Anderer als der für uns <pb ed="A" n="337"/>
      <hi rend="italic">Gekreuzigte</hi> in lebendiger, seinem Tode, dem Tode überhaupt und als
      solchem trotzender Gegenwart und Aktion. Und eben der Gekreuzigte ist ja kein Anderer als der
      Auferstandene: kein Gewesener und Verwesender, sondern der für Gott Lebende und als solcher zu
      jeder Zeit Redende und Handelnde. Aber gerade im Blick auf diesen Einen, der <hi rend="italic">«gestern und heute derselbe»</hi> [<ref type="can" subtype="bible" target="Hebr.13.8">Hebr. 13,8</ref>] ist: am Kreuz gestorben, als solcher den <term ref="kbga-keywords-272">Jüngern</term> in den 40 Tagen als Lebendiger erschienen, um mit ihnen «vom Reiche <term ref="kbga-keywords-434">Gottes</term> zu reden» &gt;[<ref type="can" subtype="bible" target="Act.1.3">Act. 1,3</ref>] – auf ihn, den in der Kraft jenes Urteils <term key="Gott, Urteil">Gottes</term> auch aus seiner Verborgenheit zur Rechten Gottes weiter
      redenden und regierenden <term ref="kbga-keywords-755">Herrn</term> der <term ref="kbga-keywords-249">Gemeinde</term> in der <term ref="kbga-keywords-378">Welt</term> –
      gerade im Blick auf diesen Einen konnte uns nun auch die <hi rend="italic">Ungleichzeitigkeit</hi> seines Seins nicht entgehen: die Unterscheidung, in der er eben
      nicht nur dieser: «gestern und heute derselbe», sondern auch «<hi rend="italic">in <term ref="kbga-keywords-1247">Ewigkeit»</term></hi> ist, nicht nur der Gekommene und als solcher
      Gegenwärtige, sondern auch der <hi rend="italic">Kommende</hi> und als solcher erst zu
      Erwartende – die Unterscheidung der Zeit des in ihm anhebenden und der Zeit des in ihm zu <hi rend="italic">vollenden<pb xml:id="p670" ed="pga" break="no"/>den</hi> Reiches <term ref="kbga-keywords-434">Gottes</term>. Wir sahen: diese Unterscheidung ist nicht willkürlich.
      Sie geht von Jesus Christus selber aus. Das eine in ihm vollzogene und gesprochene Urteil
       <term key="Gott, Urteil">Gottes</term> nötigt uns zu ihrer Anerkennung. Eben der «gestern und
      heute derselbe» ist, der als der Gekreuzigte Lebendige, verkündigt sich selbst als derselbe
      auch «in <term ref="kbga-keywords-1247">Ewigkeit»</term>, auch als der Künftige am Ende,
      vielmehr: sich selber als das Ziel und Ende aller Tage, als den Anhebenden und Fortwirkenden
      nicht nur, sondern auch als den Vollender, als den, der zur Rechten Gottes, des allmächtigen
       <term key="Gott, Allmacht">Vaters</term>, sitzt, nicht nur, sondern auch als den, der von
      dannen wiederkommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten.<note xml:id="n23">Vgl. den
       zweiten Artikel des Apostolischen Glaubensbekenntnisses (<bibl corresp="kbga-bibls-544">BSLK,
        S. 21,16–18</bibl>).</note> Wir versuchten es, uns deutlich zu machen, wie seine <hi rend="italic">eine</hi>
      <term key="Parusie">Parusie</term> diesen <hi rend="italic">doppelten</hi> Aspekt hat, wie er
      in diesen zwei verschiedenen Zeiten in verschiedener Gestalt, Form und Erscheinung der Eine
      ist, und wie sich das auch in einer verschiedenen Sicht der in ihm, durch sein Werk als <term ref="kbga-keywords-82">Versöhner</term> der <term ref="kbga-keywords-378">Welt</term> mit
      Gott veränderten menschlichen Situation spiegelt. Der <hi rend="italic">Zusammenhang</hi>
      zwischen seinem Tod und seiner <term key="Auferweckung, Jesu Christi">Auferweckung</term> hat
      sich uns also nicht aufgelöst. Im Gegenteil: gerade von der Einheit des <term ref="kbga-keywords-129">Gekreuzigten</term> und <term key="Jesus Christus, Auferstandener">Auferstandenen</term> mussten wir ja immer wieder ausgehen, auf sie immer wieder
      zurückkommen. Er hat sich uns aber tatsächlich als ein</p>
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