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      <titleStmt>
        <title type="volume" n="vol-50">Unveröffentlichte Texte zur Kirchlichen Dogmatik</title>
        <title type="content">Über [das] Sein des Menschen in Jesus Christus</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: Über [das] Sein des Menschen in Jesus Christus, kein Datum</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/50017 (Stand: 25. August 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Unveröffentlichte Texte zur Kirchlichen Dogmatik, hrsg. v. Stoevesandt, Hinrich / Trowitzsch, Michael (Gesamtausgabe, Abt. II), Zürich 2014, S. 652.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
      </editionStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Unveröffentlichte Texte zur Kirchlichen Dogmatik</title>
          <title type="text">Über [das] Sein des Menschen in Jesus Christus</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Stoevesandt, Hinrich</editor>
          <editor>Trowitzsch, Michael</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2014</date>
          <biblScope unit="page">652</biblScope>
          <!--position within a volume-->
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        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Barth, Karl, [IV/1] §58,2 Über das Sein im Menschen in Jesus Christus, kein Datum. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/1151">KBA 25019</ref>. </bibl>
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   <div type="paper">
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    <head>II. Die kleineren Fragmente<lb/>Über [das] Sein des Menschen in Jesus Christus</head>
    <div type="abstract">

     <p>Diese beiden Teilfragmente<note xml:id="n01"><idno type="kba-objects-identifier">KBA
        25019</idno> (CD-ROM, Text Nr. 13).</note> – in <persName ref="kbga-actors-223">Charlotte
       von Kirschbaums</persName> Handschrift als «Zurückgestellt aus IV, 1» gekennzeichnet<note xml:id="n02">Tskr., S. 155.</note> – gehörten zum im Sommersemester 1951 vorgetragenen
      Abschnitt § 58,1: «Die Gnade Gottes in Jesus Christus».<note xml:id="n03"><bibl corresp="kbga-bibls-2">KD IV/1, S. 83–98</bibl>.</note> Da beim ersten Teil<note xml:id="n04">Tskr., S. 155–161.</note> sowohl der Beginn als auch das Ende des nicht zum
      Druck gekommenen Stückes ausnahmsweise erhalten blieben, lässt sich dessen ursprünglicher Ort
      sehr genau angeben: <bibl corresp="kbga-bibls-2">KD IV/1, S. 95</bibl>, zwischen den im Druck
      durch eine Leerzeile getrennten Absätzen. Das zweite Teilstück, im Typoskript nur wenige
      Seiten vom ersten entfernt,<note xml:id="n05">Tskr., S. 166–169.</note> wird seinen Ort am
      Ende dieses Abschnittes gehabt haben (<bibl corresp="kbga-bibls-2">KD IV/1,
       S. 98</bibl>).<note xml:id="n06">So die Vermutung von <persName ref="kbga-actors-3664">Hans-Anton Drewes</persName> (Begleitheft, S. 10 [Anhang, <ref type="pub-" target="../volume/04/p690#p690">S. 690</ref>]).</note></p>
     <p><hi rend="italic">Die Überschrift, die den Fragmenten von <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Hand gegeben wurde: «Über
      </hi>Sein des Menschen in Jesus Christus<hi rend="italic">», könnte auch ein Hinweis auf den
       Grund sein, aus dem beide Teile «zurückgestellt» wurden, ist sie doch beinahe identisch mit
       der des zweiten Abschnitts von § 58: «Das Sein des Menschen in Jesus Christus».<note xml:id="n07"><bibl corresp="kbga-bibls-2">KD IV/1, S. 98–133</bibl>.</note> Im Blick auf
       diesen eigenen Abschnitt zum selben Thema werden <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> die hier vorliegenden kürzeren
       Ausführungen für den Druck entbehrlich erschienen sein.</hi></p>

    </div>
    <div>
     <pb xml:id="p642" ed="pga" rend="noPipe"/>
     <head>Über [das] <hi rend="italic">Sein des Menschen in Jesus Christus</hi></head>
     <head>[I.]</head>

     <p>Was ist er faktisch? Welches ist der Stand des in Jesus Christus
      begnadigten und also dem <term key="Nichts / Nichtiges">Nichts</term>, der <term key="Mensch, Feindschaft gegen Gott">Gottesfeindschaft</term> entrissenen, des in Jesus
      Christus in den Frieden mit Gott versetzten <term key="Mensch, Frieden mit Gott">Menschen</term>: des Menschen, der in Ihm und durch Ihn ein Mensch <term key="Mensch, M. Gottes">Gottes</term> ist? Setzen wir jetzt voraus – ohne diese Voraussetzung
      hätten wir ja schon von der <term ref="kbga-keywords-240">Versöhnung</term> als dem göttlichen
       <term ref="kbga-keywords-1244">Souveränitätsakt</term> kein Wort sagen können und können wir
      natürlich auch von dem durch Gott mit ihm versöhnten Menschen kein Wort sagen – setzen wir
      voraus, wir nähmen das Zeugnis der <term ref="kbga-keywords-110">Bibel</term> an, wir hörten
      es nicht als eine Theorie, sondern<note xml:id="n08">Bis zu diesem Seitenwechsel ist der Text
       im Typoskript durchgestrichen, um dem Setzer zu signalisieren, dass er nicht mit gedruckt
       werden soll.</note>
      <pb ed="A" n="156"/> als verbindliche Ankündigung dessen, was wirklich Gott wirklich für uns
      selbst getan hat, was also zwischen Gott und uns selbst wirklich <hi rend="italic">ist</hi>!
      Wir sähen, wir hätten gefunden, uns wäre begegnet, wir hätten erkannt, was Viele nicht gesehen
      zu haben scheinen, was die <term ref="kbga-keywords-378">Welt</term>, zu der wir im Übrigen
      auch gehören, noch nicht erkannt haben und dessen Erkenntnis sie sich mehr oder weniger
      ausdrücklich, mehr oder weniger wissend, was sie tut [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Lk.23.34">Lk. 23,34</ref>], verweigern mag! Wir seien in der Lage, von der in Jesus
      Christus geschehenen Versöhnung nach ihrer objektiven und eben darum auch nach ihrer
      subjektiven Seite mit den biblischen Zeugen aus eigener Sicht, Erfahrung und Erkenntnis und
      also nicht als Unkundige zu reden! Was ist dann von dem Menschen zu sagen, der auf Grund jenes
      göttlichen <term ref="kbga-keywords-1244">Souveränitätsaktes</term> der mit Gott <hi rend="italic">versöhnte Mensch</hi> ist?</p>
     

     <p rend="margin-top">Zwei<note xml:id="n09">Von hier bis zum Ende des ersten Teiles befindet sich am Rand eine
       schwach erkennbare, eventuell wieder radierte rote Markierung, die darauf hindeuten könnte,
       dass <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> dieses Stück, bevor es «zurückgestellt» wurde und obwohl es nicht in Rot getippt
       ist, in Petit drucken lassen wollte.</note> kritisch, aber auch positiv wichtige <hi rend="italic">Abgrenzungen</hi> müssen hier vorausgehen.</p>
     <p> (1) Dieser Mensch hat <hi rend="italic">Jesus Christus</hi> vor Augen und blickt auf Ihn; er
      hört Ihn als das Wort, das ihm erlaubt und gebietet, sich an ihn zu <pb xml:id="p643" ed="pga"/> halten, d. h. daran, dass die in Ihm geschehene <term ref="kbga-keywords-240">Versöhnung</term> ein für allemal auch seine eigene ist. Er gehorcht Ihm als diesem Wort.
      Und in diesem <term key="Mensch, Gehorsam">Gehorsam</term> lebt er von der in Ihm auch ihm
      selber zugewendeten Gnade <term ref="kbga-keywords-36">Gottes</term>. Er findet in Ihm auch
      sich selbst Gott zugekehrt und also als Gottes treuen <term key="Mensch, Bundesgenosse Gottes">Bundesgenossen</term>. Er hat in Ihm radikal und endgültig Frieden mit Gott [<ref type="can" subtype="bible" target="Röm.5.1">Röm. 5,1</ref>]. Aber <hi rend="italic">er</hi> ist <hi rend="italic">nicht selbst</hi> Jesus Christus. Er ist nicht der vom Vater hergegebene, von
      oben gekommene <term ref="kbga-keywords-235">Sohn</term>. Und die Versöhnung der Welt mit Gott
      geschah nicht in ihm: auch als seine eigene nicht in ihm! Er kann sich, indem er Frieden mit
       <term key="Mensch, Frieden mit Gott">Gott</term> haben darf, indem er sich als Gott zugekehrt
      und als Gottes treuen <term key="Mensch, Bundesgenosse Gottes">Bundesgenossen</term> vorfinden
      darf, nicht seiner selbst rühmen. Er kann darum auch nicht an sich selbst glauben und auch
      nicht an seine Versöhnung, auch nicht an Gottes Gnade, sofern sie <pb ed="A" n="157"/> Sache
      seines Sehens, seiner Erfahrung und Erkenntnis sein mag und faktisch ist. Gerade wer sie als
      solche wirklich sieht, erfährt und erkennt, wird sich nicht etwa dadurch von Anderen, von der
      Welt unterscheiden wollen, dass er in diesem erweiterten Sinn an sich selbst – sagen wir also:
      an sich selbst als ihren Empfänger, an seine Begnadigung, an seinen Gnadenstand, sein Leben
      aus der Gnade und dergleichen glaubt. Denn gerade darin <hi rend="italic">besteht</hi> sein
      Leben aus der <term key="Mensch, Leben aus Gnade">Gnade</term>, das als solches unmöglich
      Gegenstand irgend eines Ruhms [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.1.31">1.Kor. 1,31</ref> u. ö.] oder gar des <term key="Glaube">Glaubens</term> werden kann: dass
      er von sich selbst weg, auf <hi rend="italic">Jesus Christus</hi> blicken, sich an ihn halten
      und davon, dass er sich an ihn hält, leben darf. Er glaubt <hi rend="italic">an</hi> Jesus
      Christus, «<foreign xml:lang="lat">in Jesum Christum, Filium Dei unicum, Dominum nostrum</foreign>»<note xml:id="n10">Aus dem
       zweiten Artikel des <bibl corresp="kbga-bibls-3640">Symbolum Apostolicum</bibl>; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-544">BSLK,
        S. 20,9f</bibl>. (dort: «<foreign xml:lang="lat">filium ejus unicum</foreign>»).</note>. In
      diesem <hi rend="italic">an</hi>, gerade an der in diesem «an» angezeigten fruchtbaren Distanz
      zwischen ihm und Jesus Christus liegt die ganze Kraft seines Versöhntseins. Und eben indem er
       <hi rend="italic">an</hi> ihn glaubt, erfährt und erkennt er ihn als seinen Versöhner, sich
      selbst als den in ihm Versöhnten, bekommt sein menschliches Dasein die spezifisch christliche
       <term key="Mensch, Dasein, christliche Dimension">Dimension</term>, unterscheidet er sich von
      der <term ref="kbga-keywords-378">Welt</term>, die noch nicht glaubt, und wird er in der Welt
      zum Zeugen der ihr widerfahrenen <term ref="kbga-keywords-240">Versöhnung</term>. Denn nur
      indem er <hi rend="italic">an</hi> Jesus Christus glaubt, indem er sich <hi rend="italic">Seiner</hi> rühmt, nur indem er das anerkennt und <pb xml:id="p644" ed="pga"/> allen
      Lobpreis, alle <term ref="kbga-keywords-1684">Dankbarkeit</term>, alle <term ref="kbga-keywords-1458">Freudigkeit</term>, auch alle <term ref="kbga-keywords-725">Buße</term> und <term ref="kbga-keywords-1270">Demut</term> dem zuwendet, dass die Welt und
      er selbst <hi rend="italic">dort</hi>, in <hi rend="italic">Ihm</hi>, versöhnt ist, nur indem
      er auch die Anderen, die Brüder in der <term ref="kbga-keywords-249">Gemeinde</term> und die
      Menschen in der Welt, daraufhin ansieht und ihnen von der Voraussetzung aus begegnet, dass in
      Ihm alles Entscheidende und Nötige für ihn selbst wie für sie getan ist und in Geltung steht –
      nur darin und so nimmt er selbst teil an der von Gott auf den Plan geführten Existenz des
      neuen Menschen, ist er selbst ein neuer <term key="Mensch, neuer M.">Mensch</term>. Nur dann
      und nur so! müssen wir sagen. Nur in dieser fruchtbaren <hi rend="italic">Distanz</hi> Jesu
      Christi ihm <term key="Jesus Christus, fruchtbare Distanz zum Menschen">gegenüber</term> ist
      es wahr, dass er – mit allen Konsequenzen, die das hat, – <hi rend="italic">in Ihm</hi> ist.
      Alle Aufhebung dieser Distanz würde sein versöhntes Sein in Ihm nur bedecken und zerstören.
      Alles Mehr würde sofort ein Weniger sein: ein Heraustreten aus dem Frieden mit Gott, ein
      Zurückfallen in die <term key="Mensch, Bundbrüchigkeit">Bundbrüchigkeit</term>. Denn dass der
      Mensch den <term key="Bund">Bund</term> hält, das ist für ihn genau insofern wahr, als Jesus
      Christus der <hi rend="italic">Andere</hi> ist, der ihn in <hi rend="italic">seiner</hi>
      Person gültig auch für ihn gehalten hat, und als er selbst sich eben daran hält, dass <hi rend="italic">Er</hi> ihn gehalten hat.</p>
     <p><pb ed="A" n="158"/> (2) Der mit Gott versöhnte <term ref="kbga-keywords-240">Mensch</term> kann nicht im
      Singularis existieren, sondern er existiert mit Vielen zusammen und in unauflöslicher
      Verbundenheit mit diesen. Versöhnt sein ist keine <term key="Versöhnung, Versöhnt sein keine Privatangelegenheit">Privatangelegenheit</term>. In der
      Wirklichkeit der von Jesus Christus gehaltenen und bewährten <term key="Mensch, Bundestreue">Bundestreue</term>, des in ihm hergestellten Friedens mit <term key="Mensch, Frieden mit Gott">Gott</term>, des in ihm auf den Plan geführten neuen <term ref="kbga-keywords-1576">Menschen</term> steht und lebt niemand für sich, als Monade ohne
       Fenster<note xml:id="n11">Vgl. oben, <ref target="../volume/50/p522#fn_n109" type="pub">S. 522, Anm. 109</ref>.</note>. Das gilt für das, was jeder Mensch auf Grund der in Jesus
      Christus geschehenen Versöhnung immer schon <hi rend="italic">ist</hi>, und gilt natürlich
      erst recht für alles eigene <hi rend="italic">Erfahren</hi> und <hi rend="italic">Erkennen</hi> dieser Wirklichkeit. Man kann ruhig sagen, dass Versöhntsein und partikulares
      Fürsichsein Begriffe sind, die sich gegenseitig ausschließen. Versöhntsein ist in jedem Sinn
      und in jeder Hinsicht eine <hi rend="italic">gemeinschaftliche</hi>
      <term key="Versöhnung, Versöhntsein ist gemeinschaftliche Angelegenheit">Angelegenheit</term>.
      Versöhntsein ist ein im weiteren wie im engeren Umkreis <hi rend="italic">solidarisches</hi>
      <term key="Versöhnung, Versöhntsein ist solidarisches Sein">Sein</term>.</p>
     <p>Wir denken zuerst daran, dass das Objekt der in Jesus Christus geschehenen Versöhnung ja
      kein einzelner Mensch als solcher, sondern der <hi rend="italic">Kosmos</hi> ist [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="2.Kor.5.19">2.Kor. 5,19</ref>]: die <term key="Versöhnung, Menschenwelt"><hi rend="italic">Menschenwelt</hi></term>, der Einzelne <pb xml:id="p645" ed="pga"/> immer nur als eines ihrer Glieder, als einer ihrer Repräsentanten,
      als ein Mensch unter und mit <term key="Mensch, Mitmenschlickeit">Mitmenschen</term> – so dass
      seine Sache auch die ihrige, die ihrige auch die seine ist und bleibt. Ihnen <hi rend="italic">miteinander</hi> ist das widerfahren, was Gott in Jesus Christus als das Werk ihrer <term ref="kbga-keywords-240">Versöhnung</term>, ihrer Umkehrung zu ihm hin getan hat, wie sie ja
      auch ohne Gottes <term ref="kbga-keywords-36">Gnade</term>
      <hi rend="italic">miteinander</hi>
      <term key="Mensch, Bundbrüchigkeit">Bundbrüchige</term>, <hi rend="italic">miteinander</hi> im
      selben <term ref="kbga-keywords-107">Elend</term> sind. <hi rend="italic">Ein</hi> Mensch ist
      im Zusammenhang der Versöhnung, in ihrem Lichte gesehen, <hi rend="italic">kein</hi> Mensch.
      Gerade in Jesus Christus – und eigentlich und ernsthaft nur in ihm – ereignet sich und
      offenbart sich die Zusammengehörigkeit der Menschen im Bösen wie im <term key="Mensch, und Menschheit">Guten</term>. Im <term ref="kbga-keywords-174">Bösen</term>,
      sofern in ihm, in der Last, die er an Stelle aller Menschen auf sich genommen hat, alle
      Menschen miteinander zusammengefasst sind als fehlbar, angeklagt und verloren, zusammengefasst
      in ihrer ganzen hoffnungslosen Armut. Im <term ref="kbga-keywords-829">Guten</term>, sofern
      sie in ihm, wiederum zusammengefasst, alle miteinander von Gott ins Recht, an den ihnen
      zukommenden Ort, in die ihrem Verhältnis zu ihm angemessene Verfassung gesetzt und damit reich
      und herrlich gemacht sind. In ihm versöhnt sein ist<note xml:id="n12"> Tskr.: «ist ein» (nach
       einer Änderung <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> weiter hinten im Satz irrtümlich stehen geblieben).</note> im Blick auf
      dieses Gute wie auf jenes Böse ein Sein des <pb ed="A" n="159"/> Menschen zusammen mit allen
      anderen <term key="Versöhnung, Versöhntsein ist gemeinschaftliche Angelegenheit">Menschen</term>. Jesus Christus ist ja für Jeden und für die sämtlichen in ihm mit Gott
      versöhnten Menschen Derselbe: ihrer aller Gerechtigkeit vor <term key="Jesus Christus, aller Menschen Gerechtigkeit vor Gott">Gott</term>, wie er auch ihrer
      aller Übertretungen auf sich genommen hat. Eben in ihm sind sie also auch zur <term ref="kbga-keywords-892">Solidarität</term> untereinander verbunden. Niemand kann das, was
      jeder Mensch in ihm ist, <hi rend="italic">allein</hi> sein, und niemand kann das, was jeder
      Mensch ohne ihn und außer ihm ist, <hi rend="italic">nicht</hi> sein wollen. Wie das, was er
       <hi rend="italic">für</hi> einen <hi rend="italic">Jeden</hi> ist, dasselbe ist, das er auch
       <hi rend="italic">für</hi> alle <hi rend="italic">Anderen</hi> ist, wie es also nach
      Kommunikation zwischen ihm und jenen ruft, so ist das, was <hi rend="italic">ohne</hi> ihn <hi rend="italic">allen</hi> fehlt, dasselbe, was <hi rend="italic">ohne</hi> ihn auch jedem <hi rend="italic">Einzelnen</hi> fehlt, so steht dieser auch von daher in Gemeinschaft mit allen
       <term key="Mensch, und Menschheit">Menschen</term>. Man muss gerade auch dieses Letzte
      betonen: indem Jesus Christus der Heiland der <term key="Jesus Christus, Heiland der Welt">Welt</term> ist [<ref type="can" subtype="bible" target="Joh.4.42">Joh. 4,42</ref>], kann er
      auch des einzelnen Menschen <term ref="kbga-keywords-82">Versöhner</term> nur sein, sofern
      dieser an der <term ref="kbga-keywords-263">Schuld</term> und Not der ganzen Welt beteiligt
      ist. Wollte und könnte er das nicht – wollte und könnte er ein für seine Person Unschuldiger
      <pb xml:id="p646" ed="pga"/> und Seliger sein, dann würde das bedeuten, dass Jesus Christus
      sein Heiland nicht ist. Gerade wer seine eigene Versöhnung in ihm erfährt und erkennt, wird
      also bestimmt der Erste sein, sich zur Welt, zu allen anderen Menschen und darum gerade zu
      ihrer Schuld und Not, in der sie der Versöhnung und des Versöhners bedürftig sind, zu
      bekennen, und zwar rückhaltlos zu bekennen. Und merkwürdigerweise wird ihn gerade das von der
      Welt, die ihre in Jesus Christus geschehene <term ref="kbga-keywords-240">Versöhnung</term>
      noch nicht erkennt, am deutlichsten unterscheiden. Gerade von ihrer <term ref="kbga-keywords-892">Solidarität</term> in <term ref="kbga-keywords-263">Schuld</term> und
      Not will diese ja, sofern sie Jesus Christus nicht erkennt, bestimmt nichts wissen. Der ihn
      kennt, wird inmitten der Anderen immer derjenige sein, der weiß, dass er nicht besser ist als
      sie und dass er schon von daher ganz und gar zu ihnen gehört.</p>
     <p>Und nun entsteht ja neben dieser weiteren eben dadurch noch eine <hi rend="italic">engere</hi> Solidarität versöhnter Menschen untereinander, dass es unter ihnen solche gibt –
      und die mögen nun die <term key="Christen"><hi rend="italic">Christen</hi></term> heißen –,
      die Jesus Christus und die in ihm geschehene Versöhnung der <term ref="kbga-keywords-378">Welt</term> als solche <pb ed="A" n="160"/> erfahren und erkennen – nämlich als ihre eigene
      Versöhnung erfahren und erkennen dürfen – im <term key="Glaube">Glauben</term> an ihn, in
      jener fruchtbaren Distanz ihm <term key="Jesus Christus, fruchtbare Distanz zum Menschen">gegenüber</term>, und gerade so in ihm ihre eigene, aber auch der ganzen Welt Versöhnung.
      Und da kann es nun erst recht kein Alleinsein eines Einzelnen geben. Denn einmal bedeutet die
      Freiheit solcher Erfahrung und Erkenntnis für die, denen sie zuteil wird, ein <hi rend="italic">gemeinsames Herausgerufenwerden</hi> aus der Blindheit und Taubheit, in der sie
      zuvor der übrigen Welt gleich waren; einmal wird solche Erfahrung und Erkenntnis sie also
      inmitten der übrigen Menschen absondern und isolieren und eben damit unter sich zusammenführen
      und zusammenschließen. Sodann gibt es ja solche Erfahrung und Erkenntnis für keinen Einzelnen
      anders als in der Weise, dass sie ihm <hi rend="italic">durch das Zeugnis Anderer</hi>, die
      sie vor ihm hatten und neben ihm haben, vermittelt und auch immer wieder bestätigt wird. Und
      endlich verbindet solche Erkenntnis und Erfahrung die, denen sie zuteil wird, notwendig und
      sofort zur Inangriffnahme einer ihnen allen aufgetragenen, sie <hi rend="italic">gemeinsam
       verpflichtenden Aufgabe</hi>: sie sind jetzt unter sich vereinigt durch den Auftrag, ihre
      eigene Versöhnung als die <term ref="kbga-keywords-240">Versöhnung</term> der <term ref="kbga-keywords-378">Welt</term> (die sie ja ursprünglich und eigentlich ist) eben der
      Welt, die sie als solche noch nicht erfahren und erkannt hat, kund zu <pb xml:id="p647" ed="pga"/> geben und bekannt zu machen. Man muss wieder sagen: <hi rend="italic">ein</hi>
      <term key="Christen">Christ</term> ist <hi rend="italic">kein</hi> Christ, d. h. privates
       <term ref="kbga-keywords-807">Christentum</term> ist überhaupt kein Christentum, für sich
      persönlich versöhnt sein hätte mit der wirklichen in Jesus Christus geschehenen Versöhnung gar
      nichts zu tun (wir erinnern uns an die unauflösliche Verbindung zwischen der Versöhnung und
      dem Dienst der Versöhnung bei <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="2.Kor.5.18">2.Kor. 5,18</ref>])! Gerade der, der an den
      Sohn <term ref="kbga-keywords-235">Gottes</term> glauben darf und also nicht verloren ist,
      sondern das ewige Leben hat [<ref type="can" subtype="bible" target="Joh.3.16">Joh. 3,16</ref>
      <ref type="can" subtype="bible" target="Joh.3.16">Joh. 3,16</ref>], gerade der Christ
      existiert – nicht erst nachträglich, nicht nur fakultativ, nicht nur äußerlich, sondern von
      Haus aus notwendig und schlechthin im Innersten seiner christlichen Existenz – in der <term key="Christen, existieren notwendig in der Gemeinde"><hi rend="italic">Gemeinde</hi></term>,
      ist von Natur, in selbstverständlicher <term ref="kbga-keywords-1684">Dankbarkeit</term> und
       <term ref="kbga-keywords-305">Verantwortlichkeit</term> ihr Glied: so und nur so auch in
      Christus, ein Glied seines<note xml:id="n13">Der noch folgende Text dieses Teiles ist als
       Hinweis für den Setzer wiederum durchgestrichen (s. oben, <ref type="pub" target="#fn_n08">Anm. 8</ref>).</note>
      <pb ed="A" n="161"/> Leibes. Ein abstraktes «<foreign xml:lang="lat">Christus pro
      me</foreign>» ist auch als solches ohnmächtig. Es kann nur als Konsequenz aus dem ihm
      vorgeordneten «<foreign xml:lang="lat">Christus pro nobis</foreign>» echt sein, in welchem der
      Einzelne mit dem <hi rend="italic">Volke</hi>
      <term key="Gemeinde, Volk Gottes">Gottes</term> zusammengeschlossen ist. Und dann also erst
      recht – das zuerst Genannte bleibt ja nicht etwa zurück, sondern tritt nun erst recht in Kraft
      – gerade als <term key="Christen">Christ</term> auch mit der <term ref="kbga-keywords-378">Welt</term>, in seiner <term ref="kbga-keywords-240">Versöhnung</term> die ihrige bezeugend,
      in seiner Erfahrung und Erkenntnis die ihrige gewissermaßen vorwegnehmend, in seinem <term key="Glaube">Glauben</term> vorläufig stellvertretend für sie <term key="Christen, glauben stellvertretend für die Welt">glaubend</term> – und in dem allem: ihre
       <term ref="kbga-keywords-263">Schuld</term> und Not auch als seine eigene erkennend und <term ref="kbga-keywords-146">bekennend</term>. – Das ist das Zweite, was über das Sein des
      versöhnten Menschen abgrenzend zu bemerken ist.</p>
    </div>
    <div>
     <head>[II.]</head>

     <p>[ver]<pb ed="A" n="166" break="no"/>hältnismäßig selten dazu gekommen ist, dass ernste
      Christen sich bei solchen Abstraktionen behaften lassen, dem neuen <term key="Mensch, neues Sein">Sein</term>, dessen sie sich mit Recht rühmten, nun wirklich eine
      Jesus Christus gegenüber selbständige Existenz in ihnen selbst zuschreiben wollten. Sondern
      immer wieder – sogar vom römisch-katholischen <term ref="kbga-keywords-467">Bereich</term> ist
      das zu sagen – hat sich die Grunderkenntnis (mindestens in Form von formalen Vorbehalten und
      feierlichen Kommemorationen) gemeldet <pb xml:id="p648" ed="pga"/> und wenigstens teilweise
      auch durchgesetzt: «<foreign xml:lang="lat">per Jesum Christum Dominum nostrum</foreign>»<note xml:id="n14">Vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Röm.5.21">Röm. 5,21</ref>; <ref type="can" subtype="bible" target="Röm.7.25">7,25</ref>; <ref type="can" subtype="bible" target="Jud.1.25">Jud. 1,25</ref> (nach Vulgata); die Wendung ist häufig Teil der
       Schlussformel in Gebeten der römischen Messe.</note> und nicht anders sind wir, was wir sind:
      «Er hat uns gemacht und nicht wir selbst zu seinem Volk und zu Schafen seiner Weide» [<ref type="can" subtype="bible" target="Ps.100.3">Ps. 100,3</ref>]. Wir haben nur eben dies allen
      katholischen, <term ref="kbga-keywords-1307">mystischen</term>, <term key="Pietismus">pietistischen</term>, <term ref="kbga-keywords-415">romantisch</term>-spekulativen
      Undeutlichkeiten und drohenden Verwechslungen gegenüber grundsätzlich ins Licht zu stellen:
      dass eine Abstraktion des dem <hi rend="italic">Menschen</hi> geschenkten neuen Seins von dem
      Sein, das in <hi rend="italic">Jesus Christus</hi> das seinige ist (das er haben darf, indem
      er Ihn hat) nicht möglich ist. Dort, in Ihm, in Diesem und in Ihm allein ist das Sein des
      neuen Menschen das <term key="Mensch, neues Sein in Jesus Christus">unsrige</term>, ist es von
      Gott als das unsrige geschaffen und uns geschenkt, ist es also gerade als unser eigenes
      wahrzunehmen, zu suchen, zu finden und zu haben. Kein Mensch hat es anders, als indem es auch
      für ihn, auch als das seinige, dort, in Ihm, in Diesem und in Ihm allein verborgen,
      verschlossen, aufbewahrt ist, keiner anders als in der fruchtbaren <hi rend="italic">Distanz</hi> gegenüber diesem <hi rend="italic">Anderen, <term key="Jesus Christus, fruchtbare Distanz zum Menschen">Fremden</term></hi>, vom ihm selbst
       <hi rend="italic">Verschiedenen</hi>, von Gott auch zu ihm Gesandten, auch für ihn
      Dahingegebenen, keiner anders als in der <hi rend="italic">Begegnung</hi> und immer wieder im
       <hi rend="italic">Gegenüber</hi> mit Ihm.</p>
     <p>Es würde also selbstverständlich auf lauter Illusionen hinauslaufen, wenn man das neue Sein
      des mit Gott versöhnten Menschen <pb ed="A" n="167"/> in der <term ref="kbga-keywords-402">Menschheit</term> oder vielleicht in einzelnen Gruppen oder auserlesenen Exemplaren der
      Menschheit, oder in bestimmten Zügen ihrer geschichtlichen <term ref="kbga-keywords-398">Entwicklung</term> oder in den Werken ihrer <term ref="kbga-keywords-1184">Kultur</term>,
      ihrer <term ref="kbga-keywords-841">Geistigkeit</term>, ihrer <term ref="kbga-keywords-1294">Sittlichkeit</term>, ihrer <term key="Jurisprudenz">Rechtsbildung</term> direkt wahrnehmen
      und aufweisen zu können meinte. Wer an Jesus Christus glaubt, der wird freilich eben damit
      auch an das neue Sein glauben, das in Ihm gerade der <term key="Welt, neues Sein in Gott">Welt</term>, der <term key="Menschheit, neues Sein in Gott">Menschheit</term> als solcher in
      Gott geschenkt, in Ihm gerade ihr höchst real mitgeteilt und gegenwärtig ist. Er wird also an
      der Menschenwelt auf keinen Fall verzweifeln können. Er weiß, was sie in ihrer ganzen
      Zerrissenheit im Innersten zusammenhält.<note xml:id="n15">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-647"><persName ref="kbga-actors-136">J. W. von Goethe</persName>, <hi rend="italic">Faust I</hi>, V. 382f. (Nacht)</bibl>: <q rend="block"><lg>
         <l>Daß icherkenne, was die Welt</l>
         <l>Im Innersten zusammenhält.</l>
        </lg></q>
      </note> Er kennt das Erste und Letzte, was auch in ihr und für sie wahr ist und gilt. Er weiß
      ja, was gerade über sie beschlossen und gerade für sie geschehen ist. Er weiß ja um ihre <term ref="kbga-keywords-240">Versöhnung</term> mit Gott. Von da aus kann er nicht vergessen, dass
      sie in aller ihrer Verkehrtheit <pb xml:id="p649" ed="pga"/> und Jämmerlichkeit Gottes gute
       <term key="Welt, Gottes gute Schöpfung">Schöpfung</term> ist. Und von da aus hofft er auch
      für sie. Von da aus sieht er wohl auch immer wieder Indizien der <term ref="kbga-keywords-276">Hoffnung</term>, die Andere so nicht sehen können, weil sie den Grund aller Hoffnung auch
      für die <term key="Welt, Hoffnung für die W.">Welt</term> nicht kennen, von da aus aber auch
      notwendige Probleme und Aufgaben, an deren Bearbeitung und Lösung sich zu beteiligen gerade er
      sich nicht weigern kann. Aber das Alles im <term key="Glaube"><hi rend="italic">Glauben</hi></term>, und zwar nicht in irgend einem Glauben an die Welt als solche, an das
       <term ref="kbga-keywords-829">Gute</term> im Menschen, an den Wert seiner Errungenschaften,
      an die Größe dieser und jener Personen, an diese und jene geschichtlichen <term ref="kbga-keywords-1368">Fortschritts-</term> und Entwicklungsmöglichkeiten, sondern das
      Alles im Glauben an Jesus Christus und an das neue Sein des Menschen, das in Ihm <term key="Mensch, neues Sein">erschienen</term> und wirksam ist. Verdrossen und müde wird er,
      indem er von daher kommt und denkt, nicht werden, aber Illusionen über den Menschen und den
      Lauf der <term ref="kbga-keywords-378">Welt</term> wird er sich, gerade indem er von daher
      kommt und denkt, allerdings auch nicht machen können. Er wird nüchtern sein und seine Hoffnung
      – eine im Unterschied zu allen Illusionen nicht zu enttäuschende <term ref="kbga-keywords-276">Hoffnung</term>! – nach <ref type="can" subtype="bible" target="1.Petr.1.13">1.Petr. 1,13</ref> wirklich völlig auf die <term key="Gnade, Jesu Christi">Gnade</term> und
      also auf das <term ref="kbga-keywords-8">Offenbarwerden</term> Jesu Christi setzen.</p>
     <p>Was für die Welt gilt, muss aber in gleicher, oder besser: in noch größerer Strenge auch für
      die <term key="Christen">Christen</term> selbst, ihr menschliches <pb ed="A" n="168"/> Dasein
      und Wirken gelten; für den christlichen Bereich in der Menschheit, für die <term ref="kbga-keywords-33">Kirche</term>, ihre <term ref="kbga-keywords-464">Geschichte</term>,
      ihre Existenz und ihren Dienst als die Gemeinde Jesu <term key="Kirche, Gemeinde Jesu Christi">Christi</term>. Es würde wirklich auch da auf schwerste Illusionen hinauslaufen, wenn man
      das Sein des neuen Menschen in irgend einer Abstraktion suchen und finden wollte: etwa im
       <term key="Mensch, Seelengrund">Seelengrund</term><note xml:id="n16">Der in der deutschen
       Mystik zentrale Begriff «Seelengrund» geht wohl auf <persName ref="kbga-actors-2124">Johannes
        Tauler</persName> (um 1300–1361) zurück; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-5057">V. Leppin,
        Art. «Tauler, Johannes», in: TRE 32, S. 745–748, dort S. 746,6–14.</bibl></note> (in der
       <term key="Mensch, «Personmitte»">«Personmitte»</term><note xml:id="n17">Der heute
       gewöhnliche und häufig verwendete Ausdruck «Personmitte» scheint sich erst Mitte des 20.
       Jahrhunderts etabliert zu haben, stammt wohl aus dem Umfeld bzw. der Rezeption der
       Psychologie <persName ref="kbga-actors-6004">Carl Gustav Jungs</persName> und stellt einen
       der Versuche dar, den bei Jung zentralen, aber aus der Sicht seiner Kritiker nicht umfassend
       genug bestimmten Begriff des «Selbst» zu umschreiben. 
        
        <p><persName ref="kbga-actors-10206">Hans Trüb</persName> (1889–1949) etwa, ehemaliger Schüler Jungs und Psychologe in
         Zürich, gelangte – erkennbar unter dem Einfluss
         <persName ref="kbga-actors-934">Martin Bubers</persName> – zu folgender Definition: «Zum
        Unterschied von Jung gehen wir von der Erwartung aus, daß der Schlüssel zum zentralen und
        ganzheitlichen Verständnis des Menschen in seinem partnerischen Verhältnis zum Gegenüber zu
        finden sei: nämlich daß der Mensch nur zu sich selbst kommt und er selbst wird, insofern als
        er von einer transzendenten Stelle her angerufen ist und darauf antwortet. In Anruf und
        Antwort wird seine Personmitte, die wir – in anderer Verwendung des Terminus als bei Jung –
        als ‹Selbst› bezeichnen, aktualisiert, und erst in dieser Aktualität des Selbst verwirklicht
        er, der Mensch, seine ‹Individuation›» (<bibl corresp="kbga-bibls-5058"><persName ref="kbga-actors-10206">H. Trüb</persName>, <hi rend="italic">Heilung aus der Begegnung.
          Eine Auseinandersetzung mit der Psychologie C. G. Jungs</hi>, mit einem Geleitwort von M.
         Buber, aus dem Nachlaß hrsg. von E. Michel / A. Shorowitz, Stuttgart 1951, S. 39; vgl. auch
         S. 19.26</bibl>). Über Martin Buber, mit dem Trüb befreundet war, kam er auch in Kontakt
        mit <persName ref="kbga-actors-63">Emil Brunner</persName>; im Hause Trübs trafen sich Brunner und Buber am <date when="1928-06-17">17. Juni 1928</date> zu einer «Aussprache» über «Das menschliche Handeln und seine
        Problematik» (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-5059"><persName ref="kbga-actors-934">M.
          Buber</persName> / <persName ref="kbga-actors-63">E. Brunner</persName>, <hi rend="italic">Das menschliche Handeln und seine Problematik</hi>, in: Freiburger Rundbrief. Zeitschrift
         für christlich-jüdische Begegnung. Neue Folge, Jg. 6 [1999], S. 23–53</bibl>; vgl. dazu
         <bibl corresp="kbga-bibls-5060">B. Casper, <hi rend="italic">Zur Einführung in eine
          Aussprache zwischen Martin Buber und Emil Brunner</hi>, in: a.a.O., S. 23</bibl>).</p>
       <p>Vom lutherischen Dogmatiker <persName ref="kbga-actors-932">Peter Brunner</persName>
        (1900–1981) findet sich im KBA ein persönlich gewidmeter, von <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> mit Korrekturen und
        Unterstreichungen versehener Sonderdruck eines Textes, in dem er denselben Ausdruck
        pointiert im Rahmen seiner Ausführungen zur Taufe aufnahm, die er auf einer Tagung des
        «<orgName ref="kbga-actors-10376">Ökumenischen Arbeitskreises Evangelischer und Katholischer Theologen</orgName>» im Oktober 1950
        vorgetragen hatte (<bibl corresp="kbga-bibls-5061"><persName ref="kbga-actors-932">P.
          Brunner</persName>, <hi rend="italic">Die evangelisch-lutherische Lehre von der Taufe.
          Eine kontroverstheologische Anfrage an das Dogma und die Dogmatik der römisch-katholischen
          Kirche</hi>, in: MThZ 2 [1951], S. 77–101</bibl>): «Der Glaube ist also auf die Sache
        gesehen primär ein Akt des Pneuma im Menschen, freilich in der Personmitte des Menschen. Man
        darf den Glauben als Akt des Pneuma in der Personmitte des Menschen nicht ohne weiteres in
        eins setzen mit selbstbewußten Akten der menschlichen Person. […] Glaube als actio spiritus
        sancti ist sehr wohl an die Personmitte des Menschen gebunden, aber […] nicht an das der
        Reaktion fähige Selbstbewußtsein gebunden. Die Person ist weiter und umfassender als das
        Selbst» (<bibl corresp="kbga-bibls-5061">a.a.O., S. 96f.</bibl>). Bezogen auf die
        Kindertaufe hieß es <bibl corresp="kbga-bibls-5061">a.a.O., S. 97</bibl>, weiter: «Der bei
        dem Kind in der Taufe erweckte Glaube ist nichts anderes als die fides als reine actio
        spiritus sancti in der Personmitte des Kindes.»</p></note>) 
      
      oder auch in den indi<pb xml:id="p650" ed="pga" break="no"/>viduellen und kollektiven Erlebnissen und Verrichtungen
      der christlich <term ref="kbga-keywords-457">Frommen</term>, oder in der Funktion und
      Auswirkung der kirchlichen <term key="Amt, Ämter der Kirche">Ämter</term>, Institutionen,
       <term ref="kbga-keywords-253">Sakramente</term>, oder in der Autorität und dem Einfluss
      kirchlicher Kundgebungen. Am «christlichen» Wesen wird weder die <term ref="kbga-keywords-378">Welt</term> noch auch nur die <term ref="kbga-keywords-807">Christenheit</term> und <term ref="kbga-keywords-33">Kirche</term> selbst genesen.<note xml:id="n18">Anspielung auf das
       1861 von <persName ref="kbga-actors-1362">Emanuel Geibel</persName> verfasste Gedicht
       «Deutschlands Beruf», das mit den häufig – und beinahe ebenso häufig falsch – zitierten
       Worten schließt: «Und es mag am deutschen Wesen / Einmal noch die Welt genesen.» Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-828"><persName ref="kbga-actors-1505">Büchmann</persName>,
       S. 213</bibl>.</note> Das Sein der <term key="Christen">Christen</term> und der Kirche ist
      Eines, das Sein des neuen <term key="Mensch, neuer M.">Menschen</term> ein Anderes. Es liegt
      der Christenheit immer wieder nahe, sich hier der Verwechslungen schuldig zu machen. Sie mag
      sich mit dem Anspruch und Anschein, das neue Sein zu haben und darzustellen, vorübergehend
      eine gewisse Herrlichkeit nach außen oder mindestens eine gewisse Stärkung ihres
      Selbstbewusstseins der Welt gegenüber verschaffen. Auf die Länge kann sie sich gerade damit
      nur ihrer Sache unsicher <pb xml:id="p651" ed="pga"/> und nach außen unglaubwürdig machen. Noch
      schlimmer: auf die Länge könnte sie sich damit nur zu einer Gestalt des <term ref="kbga-keywords-1071">Anti-Christ</term> entwickeln. Gerade in ihr muss es doch klar sein,
      dass die Ehre des neuen Seins nur die ihres Herrn und <term ref="kbga-keywords-200">Hauptes</term> und also nicht eine solche sein kann, die sie in dieser oder jener Form sich
      selbst zuschreiben dürfte. Gerade sie kann es doch nur im <term key="Glaube">Glauben</term> an
      ihn haben wollen. Gerade sie wird also in der fruchtbaren Distanz ihm <term key="Jesus Christus, fruchtbare Distanz zum Menschen">gegenüber</term> verharren müssen: um
      sich nun gerade so ihrer allerdings höchst besonderen Teilnahme an dem bewusst sein zu dürfen,
      was in Jesus Christus der <term ref="kbga-keywords-378">Welt</term> geschenkt ist. Sie sieht
      und hört ihn ja als den, in welchem die Umkehrung des Menschen zu Gott hin gültig für Alle
      vollzogen ist. Sie existiert in der <term ref="kbga-keywords-1684">Dankbarkeit</term> und in
      der Verpflichtung, die dieses Sehen und Hören nach sich zieht, und vor allem: im Dienste des
      Zeugnisses von diesem Geschehen der noch blinden und tauben Welt gegenüber. Das Alles vom Ihm
      her und zu Ihm hin und also Alles in größter <term ref="kbga-keywords-1270">Demut</term>, in
      rückhaltloser Anerkennung der Menschlichkeit auch ihres Daseins und <term key="Kirche, Menschlichkeit ihres Daseins und Werkes">Werkes</term>, <pb ed="A" n="169"/> der
      menschlichen Problematik, der auch sie unterworfen ist, der menschlichen Bedürftigkeit, in der
      sie der Welt gleich ist und die sich ihr sogar unverhältnismäßig viel stärker aufdrängen muss
      als der ganzen übrigen Welt. Sie wird um ihre eigene Teilnahme an dem, was der Welt in Ihm
      geschenkt ist, gerade dann ganz gewiss und freudig wissen, sie wird sich in dieser Sache
      gerade dann durch niemand und nichts irre machen lassen, wenn sie, was sie ist, tut und hat,
      nur von Ihm her und zu Ihm hin sein, tun und haben und also sich eben der Anerkennung ihrer
      eigenen <term key="Kirche, Bedürftigkeit">Bedürftigkeit</term> für keinen Moment und in keiner
      Hinsicht entziehen will. Nicht die in sich selbst reiche oder nach solchem Reichtum begierige,
      sondern die arme und ihrer Armut frohe <term key="Kirche, reiche und arme Kirche">Kirche</term> ist die starke Kirche, die in der <term ref="kbga-keywords-378">Welt</term>
      leiden und trotzen, geduldig und mutig sein, stehen und immer wieder auferstehen kann, indem
      sie ihres in ihrem <term ref="kbga-keywords-200">Herrn</term> verborgenen, verschlossenen und
      aufbewahrten Seins bewusst und eben so wahrhaft reich ist.</p>
     
     <p rend="margin-top">Die Frage: ob das nun nicht doch eine Einschränkung und Abschwächung dessen bedeuten möchte,
      was wir zuvor über das wahre und wirkliche <hi rend="italic">Sein</hi> des mit Gott versöhnten
       <term key="Mensch, Sein des mit Gott versöhnten M.">Menschen</term> gesagt haben, muss mit
      einigem Nachdruck an die so Fragenden zurückgegeben werden. Sie werden ja sicher den <term key="Glaube">Glauben</term> an Jesus Christus auch für sich in Anspruch nehmen. Wie aber kann
      ein Mensch, der an Ihn glaubt, auch nur auf den Gedanken kommen, gerade sein wahres und
      wirkliches Sein als neuer <term ref="kbga-keywords-1576">Mensch</term> anderswo als in Ihm zu
      suchen und zu finden? Wie auf das Misstrauen, es könnte eine Minderung und Beschränkung seines
      eigenen neuen Seins bedeuten, wenn es so sein sollte, dass es ganz und ausschließlich in Ihm
      wahr und wirklich, gerade in Ihm und nur so auch das seinige ist? Wie auf den ausgefal<pb xml:id="p652" ed="pga" break="no"/>lenen Wunsch, seiner auch noch anders, besser, intimer,
      eigentlicher, mächtiger als in Ihm ansichtig und habhaft zu werden: in irgend einem Besitz der
       <term ref="kbga-keywords-402">Menschheit</term> oder doch der <term key="Christenheit">Christenheit</term>, in irgend welchen Gegebenheiten der <term ref="kbga-keywords-398">Weltgeschichte</term> oder doch der <term ref="kbga-keywords-464">Kirchengeschichte</term>
      oder doch der christlichen <term key="Christen, Lebensgeschichte">Lebensgeschichte</term>? Wie
      kann, wer an Jesus Christus glaubt, auch nur</p>
    </div>
   </div>
  </body>
 </text>
</TEI>
