<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="kbga-texts-50012">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title type="volume" n="vol-50">Unveröffentlichte Texte zur Kirchlichen Dogmatik</title>
        <title type="content">Bilderfrage</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: Bilderfrage, kein Datum</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/50012 (Stand: 25. August 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Unveröffentlichte Texte zur Kirchlichen Dogmatik, hrsg. v. Stoevesandt, Hinrich / Trowitzsch, Michael (Gesamtausgabe, Abt. II), Zürich 2014, S. 609.</title>
      </titleStmt>
      <editionStmt>
        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
      </editionStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
        </availability>
        <idno type="url">https://kbga.karl-barth.ch/texts/50012</idno>
      </publicationStmt>
      <sourceDesc>
        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
        <bibl type="pga" xml:id="pga">
          <title type="volume">Unveröffentlichte Texte zur Kirchlichen Dogmatik</title>
          <title type="text">Bilderfrage</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Stoevesandt, Hinrich</editor>
          <editor>Trowitzsch, Michael</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2014</date>
          <biblScope unit="page">609</biblScope>
          <!--position within a volume-->
          <biblScope unit="part">12</biblScope>
        </bibl>
        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Barth, Karl, [II/1] §31 Bilderfrage, kein Datum. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/1142">KBA 25006</ref>. </bibl>
        <!-- we should provide more types: <bibl type="not-found-in-kba"></bibl> <bibl type="not-in-kba"></bibl>  -->
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
    <profileDesc>
      <creation>
        <date type="creation">kein Datum</date>
      </creation>
      <textClass>
        <keywords>
          <term>paper</term>
        </keywords>
      </textClass>
    </profileDesc>
    <revisionDesc>
      <change when="2026-08-25T09:04:37+02:00">teiHeader was automatically produced from the database 2026-08-25T09:04:37+02:00</change>
    </revisionDesc>
  </teiHeader>
  <text>
  <body>
   <div type="paper">
<pb xml:id="p589" ed="pga" rend="noPipe"/>
    <head>II. Die kleineren Fragmente<lb/> Bilderfrage</head>
    <div type="abstract">

     <p>Die ersten 16 Seiten des in <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Handschrift mit «Bilderfrage» überschriebenen
       Fragments<note xml:id="n01"><idno type="kba-objects-identifier">KBA 25006</idno> (CD-ROM,
       Text Nr. 5).</note> gehörten ursprünglich zu § 31: «Die Vollkommenheiten der göttlichen
      Freiheit», und waren dort in Abschnitt 1: «Gottes Einheit und Allgegenwart» an den in Petit
      gesetzten Text <bibl corresp="kbga-bibls-2">KD II/1, S. 502f</bibl>., angehängt.<note xml:id="n02">Dies geht aus dem Satzende hervor, das noch mit auf der ersten erhaltenen Seite
       des Typoskripts steht und die letzten Worte des zum Druck gekommenen Teils des Exkurses
       enthält: «[…] auf festem, auf einem nicht preiszugebenden Boden.» (Tskr., S. 912, Z. 1f.);
       zum Anschluss an diesen Text vgl. unten, <ref type="pub" target="#fn_n16">Anm. 16</ref>.</note> In dieser im Wintersemester 1938/39 im Kolleg vorgetragenen, stark
      theologiegeschichtlichen und auf reformatorische Positionen eingehenden Art und Weise sollte
      <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> die hier angesprochene Thematik nicht wieder behandeln. Jahre später fand das Thema
      «Bilderverbot», nun auf exegetischer Grundlage, innerhalb der Schöpfungslehre seinen
      endgültigen dogmatischen Ort: <bibl corresp="kbga-bibls-2">KD III/1, S. 225–229</bibl>.</p>
     <p><hi rend="italic">Das erhalten gebliebene Fragment aber wurde von <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> Jahre später
       erweitert bzw. verändert.</hi></p>
     <!-- leerzeile -->
     <p rend="margin-top">Die Erweiterung um zwei Seiten<note xml:id="n03">Tskr., S. 927/1 und
       927/2</note> und wohl auch einige der kleineren Einfügungen lassen sich auf den Streit um die
      «Basler Münsterscheiben» 1951/52 zurückführen:</p>
     <p><hi rend="italic">Von Ende 1950 bis Anfang 1952 wurde in der Basler Öffentlichkeit intensiv
       um die Erneuerung der «Münsterscheiben», d. h. um die Glasmalereien für die Fenster im
       renovierungsbedürftigen Chor des <placeName ref="kbga-places-859">Basler Münsters</placeName> gestritten. Auch das eigene Haus sei davon
       betroffen gewesen, wie <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> seinem Sohn <persName ref="kbga-actors-19">Christoph</persName>
       berichtete: «Stürmisch ging […] ein ganz Basel bis aufs Tiefste aufwühlender und auch unser
       Haus in zwei Parteien spaltender Kampf um die von Kirchenrat und Synode empfohlenen
       Münsterfensterscheiben von <persName ref="kbga-actors-3278">Ch. Hindenlang</persName>.
       Referendumskomitee. Kirchl. Volksabstimmung. Zeitungsfehde nach Mitteilung aller Blätter so
       intensiv wie seit Menschengedenken bei keiner polit. Entscheidung.»<note xml:id="n04">Brief
        vom <date when="1952-03-09">9.3.1952</date> (<idno type="kba-objects-identifier">KBA 9252.39</idno>). – <persName ref="kbga-actors-3278">Charles Hindenlang</persName>
        (1894–1960), Basler Maler und Glasmaler, hatte den schon 1946 initiierten Wettbewerb für
        künstlerische Entwürfe zur Gestaltung der Scheiben gewonnen. – In den «<orgName ref="kbga-actors-5804">Basler Nachrichten</orgName>»
        hieß es am <date when="1952-01-23">23. Januar 1952</date> angesichts bis dahin eingegangener
        76 Einsendungen zum Thema: «Die Flut sprengt alle Dämme» (zit. nach <bibl corresp="kbga-bibls-5101"><persName ref="kbga-actors-7233">P. Meyer</persName>, <hi rend="italic">Der Meinungsstreit um die Basler Münsterscheiben</hi>, in: Schweizerische
         Bauzeitung, 70. Jg., 1952, S. 205–212, dort S. 206</bibl>).</note></hi></p>
     <p><pb xml:id="p590" ed="pga" rend="noPipe"/>
      In diese Diskussion griff <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> schließlich selbst mit einem am <date when="1952-01-22">22. Januar 1952</date> veröffentlichten Leserbrief an die «<orgName ref="kbga-actors-5804">Basler
       Nachrichten</orgName>» ein,<note xml:id="n05"><bibl corresp="kbga-bibls-312"><persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName>, <hi rend="italic">«Du sollst Dir kein Bildnis
          – noch irgendein Gleichnis machen». Eine Erklärung zur Diskussion über die
          Münsterscheiben</hi>, in: Basler Nachrichten, Nr. 32, <date when="1952-01-22">22.1.1952</date>, 2. Beilage (Abdruck: O.Br. 1945–1968, S. 294–297</bibl>).</note> in dem
       er sich bewusst nicht an der künstlerischen Auseinandersetzung beteiligte, sondern
       grundsätzlich die Frage stellte, «ob die Anbringung von <hi rend="text-recte">Abbildungen Jesu Christi</hi> und des nach dem christlichen Bekenntnis in ihm vollbrachten Heilsgeschehens
       im gottesdienstlichen Raum einer Kirche reformierter Konfession überhaupt und als solche ein
       <hi rend="text-recte">mögliches</hi> Unternehmen sei».<note xml:id="n06"><bibl corresp="kbga-bibls-312">A.a.O., S. 295</bibl>. Seine Meinung zur künstlerischen Ausführung
        ist aber aus seinem Brief an <persName ref="kbga-actors-19">Christoph Barth</persName>
        (<ref type="pub" target="#fn_n04">Anm. 4</ref>) ersichtlich, in dem es weiter hieß: «vorgesehen war eine riesige Maria mit Kind,
        eine Kreuzigung und eine Auferstehung, in der man Christus, umgeben von fledermausähnlichen
        Engeln aus einer das Grab vorstellenden Röhre senkrecht gen oben schießen sah; aber eben:
        ich stellte mich auf den Boden des ‹irgendein›, beteiligte mich also nicht an dem
        allgemeinen Kunstgerede».</note></p>
     <p><hi rend="italic">Das Ergebnis der Abstimmung vom <date when="1952-01-27">27. Januar
        1952</date> erbrachte eine Zweidrittelmehrheit gegen die neuen Fenster,<note xml:id="n07">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-5101">Meyer
         (<ref type="pub" target="#fn_n04">Anm. 4</ref>), S. 206</bibl>. Vgl. zum Ganzen auch <bibl corresp="kbga-bibls-312">O.Br.
         1945–1968, <ref type="pub-" target="../volume/15/p294#p294">S. 294</ref>.</bibl></note> und die schließlich gefundene Lösung – Einsetzung von
       Fensterglas, das 1960 auf der Außenseite mit einem Rautenmuster bemalt wurde – entsprach
       weitgehend dem, wofür <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> sich in seinem Leserbrief ausgesprochen hatte: «Meine Sympathie
       ist bei denen, die von Anfang an […] für die Anbringung von schönen, allenfalls mäßig
       dekorierten, aber im Ganzen blanken Glasfenstern eingetreten sind.»<note xml:id="n08"><bibl corresp="kbga-bibls-312">A.a.O., <ref type="pub-" target="../volume/15/p297#p297">S. 297</ref></bibl>.</note></hi></p>
     <p><hi rend="italic">Die auf den beiden hinzugefügten Seiten enthaltenen Anspielungen weisen
       klar daraufhin, dass <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> das ursprüngliche Typoskript mit Blick auf diese
       Auseinandersetzung erweitert hat. Dasselbe gilt ver<pb xml:id="p591" ed="pga" break="no"/>mutlich auch für einige der am ursprünglichen Typoskript angebrachten Einfügungen.<note xml:id="n09">Auf diese Einfügungen wird – abweichend vom sonst üblichen Verfahren – in den
        Fussnoten hingewiesen.</note> Es scheint, dass <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> damit einen eigenen, umfassenderen
       Beitrag vorbereiten wollte. Möglicherweise wollte er auf einen Vortrag antworten, den sein
       Fakultätskollege <persName ref="kbga-actors-1807">Hendrik van Oyen</persName> am <date when="1951-10-15">15. Oktober 1951</date> in <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName> gehalten und in dem er – auf die aktuelle Frage eingehend – vor einem
       «Bruch zwischen Religion und Kunst» gewarnt hatte.<note xml:id="n10">So die These von
         <persName ref="kbga-actors-3664">Hans-Anton Drewes</persName>; vgl. Begleitheft, S. 6
        (Anhang, <ref type="pub" target="../volume/50/p685#p685">S. 685</ref>). Jedenfalls finden
        sich auf den hinzugefügten Seiten deutliche Anspielungen auf <persName ref="kbga-actors-1807">van Oyen</persName>s Vortrag; vgl. unten, <ref type="pub" target="#fn_n63">Anm. 63</ref>.<ref type="pub" target="#fn_n67">67</ref>. Zitat: <bibl corresp="kbga-bibls-5102"><persName ref="kbga-actors-1807">H. van Oyen</persName>, <hi rend="italic">Zur Frage der christlichen Kunst. Vortrag im Schweizerischen
          evangelisch-kirchlichen Verein in Basel am <date when="1951-10-15">15. Oktober
          1951</date></hi>, in: ThZ 7 (1951), S. 423–445, dort S.  423</bibl></note></hi></p>

     <!-- leerzeile -->
     <p rend="margin-top"><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> nahm an diesem Text aber
      noch eine weitere Aktualisierung vor, die sich eindeutig einem anderen, wiederum erheblichen
      Zündstoff bergenden Konflikt zuordnen lässt: dem «Bildersturm von Pratteln» im Januar
      1953:</p>
     <p><hi rend="italic">In der spätmittelalterlichen Dorfkirche in <term key="Pratteln BL"><placeName ref="kbga-places-412">Pratteln</placeName></term> (Kanton Basel-Landschaft) waren bereits <date when="1927">1927</date> im Zuge einer
       Renovation Reste eines Freskenzyklus entdeckt, teilweise freigelegt und von Kunsthistorikern
       als sehr wertvoll beurteilt worden. Da jedoch der Ortspfarrer <persName ref="kbga-actors-521">Lukas Christ</persName></hi>
      <hi rend="italic">theologische Bedenken geltend gemacht hatte, war die Malerei neuerlich
       übertüncht worden. Im Herbst <date when="1952">1952</date> nun wurden die Fresken bei weiteren Arbeiten partiell
       wieder sichtbar. Alsbald löste die «Frage der Belassung spätmittelalterlicher Bilder in einem
       protestantischen Kirchenraum […] unter den Kirchgemeindegliedern heftige Auseinandersetzungen
       aus und spaltete die Gemeinde in zwei Lager».</hi><note xml:id="n12"><bibl corresp="kbga-bibls-5103">E. Gruber, <hi rend="italic">Die Malereien in der Kirche zu
         Pratteln</hi>, in: Baselbieter Heimatbücher, Bd. 6, Liestal 1954, S. 219–231, dort
        S. 230</bibl>. – Die Hrsg. danken <persName ref="kbga-actors-6869">Markus Christ</persName>,
       Sissach, für den Hinweis auf diesen Artikel.</note>
      <hi rend="italic">Als schließlich Ende Januar 1953 «eine Kommission aus Mitgliedern der am
       Umbau beteiligten Instanzen zum letzten und endgültigen Entscheid in der Kirche zusammentrat,
       musste sie feststellen, <pb xml:id="p592" ed="pga"/> dass die Bilder zerstört waren. Der
       <orgName ref="kbga-actors-10462">Jungen Kirche</orgName> nahestehende Burschen hatten sie mit Bürsten heruntergekratzt und mit Hämmern
       zerschlagen».</hi><note xml:id="n13"><bibl corresp="kbga-bibls-5103">A.a.O.,
       S. 231f</bibl>.</note></p>
     <p><hi rend="italic">Auf diese Aktion beziehen sich einige der Einfügungen, die mit
       Kugelschreiber auf den beiden zum ursprünglichen Fragment hinzugefügten Seiten angebracht
       sind, direkt. Inhaltlich liegt es aber auch nahe, dass einige der mit Bleistift vorgenommenen
       Einfügungen an den ursprünglichen 16 Seiten sich diesen Pratteler Ereignissen zuordnen
       lassen.</hi><note xml:id="n14">Auch diese Einfügungen werden in Fussnoten
      ausgewiesen.</note></p>
     <p><hi rend="italic">Nicht sicher entscheiden lässt sich daher, ob beide Überarbeitungen
       wirklich mit größerem zeitlichen Abstand voneinander (1951/52 bzw. 1953) oder in einem
       engeren zeitlichen Zusammenhang erfolgten (erst 1953), bei dem dann lediglich die
       verschiedenen benutzten Stifte ein gewisses Nacheinander nahelegen.</hi></p>
     <p><hi rend="italic">Warum <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> nach der
       Niederschrift des neuen Schlusses und den weiteren Ergänzungen und Zuspitzungen nicht auch
       den Einstieg in den Text deutlicher dahin veränderte, dass sich ein neuer, völlig
       eigenständiger Beitrag ergab, ist ebenso wenig geklärt wie die Frage, warum er schließlich
       doch von einer Veröffentlichung absah.<note xml:id="n15">Der Hinweis von <persName ref="kbga-actors-3664">Hans-Anton Drewes</persName> (Begleitheft, S. 6 [Anhang, <ref type="pub" target="../volume/50/p686#p686">S. 686</ref>]), dass eine solche vor der
        entscheidenden Abstimmung wohl nicht mehr möglich gewesen ist, lässt die zusätzliche
        Überarbeitung angesichts der Pratteler Ereignisse außer Acht, kommt somit nur für die
        Überarbeitung 1951/52 in Betracht und erklärt nicht, warum es auch 1953 nicht zu einer
        Veröffentlichung kam.</note></hi></p>
    </div>

    <div>
     <head><term key="Bilderfrage">Bilderfrage</term></head>
<div type="excursus">
     <p>Es bedarf aber, bevor wir weitergehen, der bei unserer Übersicht<note xml:id="n16">Eine
       Übersicht, auf die hier Bezug genommen werden könnte, findet sich im gedruckten Text vor
        <bibl corresp="kbga-bibls-2">KD II/1, S. 503</bibl>, nicht; anscheinend – das im Typoskript
       auf S. 912, Z. 1 gestrichene Wort «Unbegreiflichkeit» ist ein Indiz dafür – hat <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> (wie auch sonst öfters), als er entschied, den hier
       edierten «historischen Exkurs» nicht mit zum Druck zu bringen, auch im vorangehenden Text
       Veränderungen vorgenommen. <persName ref="kbga-actors-3664">Hans-Anton Drewes</persName>
       vermutet, dass im ursprünglichen Kolleg-Vortrag zuvor die drei Bestimmungen traktiert wurden,
       «die nach der reformierten Dogmatik die <foreign xml:lang="lat">simplicitas</foreign> Gottes umfasst: <foreign xml:lang="lat">­spiritualitas,
       invisibilitas, incomprehensibilitas</foreign>» (Begleitheft, S. 4 [Anhang, <ref type="pub" target="../volume/50/p684#p684">S. 684</ref>]).</note> zuletzt erwähnte Punkt: die <hi rend="italic">Nicht</hi>-<hi rend="italic">Abbildbarkeit</hi>
      <term key="Gott, Nicht-Abbildbarkeit">Gottes</term>
      <anchor type="note" xml:id="fn-17"/>angesichts der darüber auch im neuen <term key="Protestantismus, neuer">Protestantismus</term> aufgekommenen Unsicherheit<note n="17" target="fn-17" type="textcritical" xml:id="n17">
       Bleistift-Einfügung. Möglicherweise handelt es sich hier bereits um eine Anspielung auf die
       Auseinandersetzungen um die Münsterscheiben, jedoch hat <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> sich auch früher schon entsprechend geäußert. Vgl. etwa <bibl corresp="kbga-bibls-2">KD I/1, S. 64</bibl>, wo er <persName ref="kbga-actors-406">Paul
        Tillich</persName> zitierte: «Wort ist nicht nur da, wo gesprochen und begriffen wird, […].
        <hi rend="italic">Verbum</hi>, Offenbarungswort, kann (!) in allem sein, worin der Geist
       sich ausdrückt, auch in den schweigenden Symbolen der Kunst» (<bibl corresp="kbga-bibls-5104"><persName ref="kbga-actors-406">P. Tillich</persName>, <hi rend="italic">Kirche und
         Kultur</hi> [SGV 111], Tübingen 1924, S. 19f.</bibl>), um dann kommentierend fortzufahren:
       «Welche von den verschiedenen zu wählenden Sprachen hat heute am meisten ‹Symbolkraft›? das
       wird jetzt die feierliche Frage […], farbige Fensterscheiben [!] als Symbole des ‹Lichts vom
       ungeschaffnen Lichte› und allerlei freundliche Dinge ähnlicher Art bekommen nun Gelegenheit,
       mit der weniger zeitgemäß gewordenen Predigt in nicht ganz aussichtslose Konkurrenz zu treten
       […].» <p>Auch bei einem seiner letzten öffentlichen Auftritte in <placeName ref="kbga-places-151">Deutschland</placeName>, als er auf der <orgName ref="kbga-actors-8439">Freien Reformierten <term key="Synoden, Freie Reformierte Siegen 1935">Synode</term> in Siegen</orgName> am <date when="1935-03-26">26. März 1935</date> über <ref type="can" subtype="bible" target="Ex.20.4 Ex.20.6">Ex. 20,4–6</ref> predigte, hieß es: «Wir werden […] nicht leicht
        davon lassen können, auch unsere lutherischen Brüder gelegentlich immer wieder zu fragen:
        mit welcher Erlaubnis oder auf Grund welches Gebotes eigentlich sie nun doch ein von Händen
        gemachtes Bild unseres Herrn und Heilands durchaus auf ihren Altären sehen wollen? Und wenn
        es gar immer noch auch reformierte Gemeinden gibt, die von der Anbringung bunter
        Fensterscheiben mit allerhand biblischen und symbolischen Darstellungen in ihren Kirchen
        eine Erhöhung der Schönheit und Erbaulichkeit ihres Gottesdienstes erwarten, so wird solchen
        reformierten Gemeinden in aller Deutlichkeit zu sagen sein, daß sie sich damit mindestens
        einer groben Gedankenlosigkeit schuldig machen und daß sie mindestens Anlaß hätten, sich
        gründlich darüber zu besinnen, was diese Pracht in ihrer Mitte nun eigentlich solle.»</p>
        (<bibl corresp="kbga-bibls-245">Predigten 1921–1935, <ref type="pub-" target="../volume/31/p431#p431">S. 431</ref></bibl>).</note> noch eines
      kurzen historischen Exkurses. Wir wissen nichts davon, dass die Kirche der <pb xml:id="p593" ed="pga"/> ersten <term ref="kbga-keywords-672">Jahrhunderte</term> – merkwürdigerweise also
      gerade die Kirche der Zeit, in der die Versuchung, den christlichen Gottesbegriff auf die
      allgemeine Idee eines «<foreign xml:lang="lat">ens vere unum</foreign>»<note xml:id="n18">In <bibl corresp="kbga-bibls-2">KD
        II/1, S. 503</bibl>, zitiert <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> als Beispiel
       dafür, dass mit «ähnlichen Begründungen» wie schon <persName ref="kbga-actors-14">Augustin</persName> und <persName ref="kbga-actors-9">Anselm von Canterbury</persName> auch
       «die altprotestantische Orthodoxie die Einfachheit Gottes an die Spitze ihrer
       Eigenschaftslehre zu stellen» pflegte, <bibl corresp="kbga-bibls-264"><persName ref="kbga-actors-3018">J. Wolleb</persName>, <hi rend="italic">Christianae Theologiae
         Compendium</hi>, Basel 1626, S. 9 (Ausgabe E. Bizer, Neukirchen 1935, S. 8)</bibl>:
        «<foreign xml:lang="lat">Simplicitas est, qua Deus ens vere unum omnisque compositionis
        expers intelligitur</foreign>.»</note> zu begründen, durch die Nähe der biblischen Bot<pb xml:id="p594" ed="pga" break="no"/>schaft noch kräftiger paralysiert war als später –<note xml:id="n19">Die eckigen Klammern, in die <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>
       die Parenthese im Tskr. mit Bleistift gesetzt hat, könnten als Hinweis darauf gedeutet
       werden, dass sie – und damit die Rückbindung an den Kollegvortrag (s. <ref type="pub" target="#fn_n17">vorige Anm</ref>.) – bei der
       Überarbeitung zu streichen gewesen wäre.</note> von der Möglichkeit, Gott oder Christus
      abzubilden, einen nennenswerten Gebrauch gemacht hätte. Wir wissen aber, dass von ihrer
      offenbar stillschweigend ablehnenden Haltung her noch tief in alle folgenden Jahrhunderte
      hinein ein ziemlich nachdrücklicher Widerstand gegen dieses ganze Unternehmen als solches und
      vor allem in seinem Zusammenhang mit dem christlichen <term ref="kbga-keywords-96">Gottesdienst</term> wirksam gewesen [ist]. |</p>
     <p>Man findet bei <persName ref="kbga-actors-1063"><hi rend="italic">Irenäus</hi></persName>
      (Adv. o. h. I 25,6)<note xml:id="n20"><bibl corresp="kbga-bibls-4855">FChr 8/1, S. 314,3–10</bibl>. – Der hier einsetzende
       «historische Exkurs» orientiert sich zunächst – bis hin zu den angeführten Belegstellen –
       überwiegend an <bibl corresp="kbga-bibls-5135"><persName ref="kbga-actors-923">N.
         Bonwetsch</persName>, Art. «Bilderverehrung und Bilderstreitigkeiten», in: RE<hi rend="sup">3</hi> 3, S. 221–226 (in Barths Exemplar stark bearbeitet)</bibl>; vgl. zu <persName ref="kbga-actors-1063">Irenäus</persName>
       <bibl corresp="kbga-bibls-2896">a.a.O., S. 222,19–21</bibl>.</note> einen entrüsteten Bericht
      über die Sekte der <persName ref="kbga-actors-10359">Karpokratianer</persName>, bei denen angeblich zeitgenössische Bilder Jesu neben denen
      des <persName ref="kbga-actors-2480">Pythagoras</persName>, des <persName ref="kbga-actors-322">Plato</persName>, des <persName ref="kbga-actors-11">Aristoteles</persName> u. a. Philosophen zur Schau gestellt, bekränzt und nach heidnischer
      Weise verehrt wurden: kein entschuldigendes Wort verrät, dass Ähnliches oder Entsprechendes
      etwa auch in den dem <persName ref="kbga-actors-1063">Irenäus</persName> bekannten
      christlichen Gemeinden vorgekommen sei. Um die Wende vom dritten zum vierten Jahrhundert
      scheint das dann doch der Fall gewesen zu sein. Aber noch wird das von <bibl corresp="kbga-bibls-5308"><persName ref="kbga-actors-4662"><hi rend="italic">Euseb</hi></persName> (Hist. eccl. VII 18)</bibl> als eine
       <foreign xml:lang="el-GR">ἐθνικὴ συνήθεια</foreign> getadelt, der der Rat entgegengestellt
      wird, Christus doch lieber in der <term ref="kbga-keywords-110">Schrift</term> zu suchen.<note xml:id="n21">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-5308"><persName ref="kbga-actors-4662">Eusebius</persName>, <hi rend="italic">Historia ecclesiastica</hi> VII, 18,4 (GCS.NF 6,2, S. 672)</bibl> ; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-5135">Bonwetsch, S. 222,32–36</bibl>.</note> Noch dekretiert die <hi rend="italic"><orgName ref="kbga-actors-10360">Synode von Elvira</orgName></hi> (313, can. 36):
       «<foreign xml:lang="lat">Placuit, picturas in ecclesia esse <hi rend="italic">non</hi>
       debere, ne quod colitur et adoratur in parietibus depingatur</foreign>.»<note xml:id="n22"><bibl corresp="kbga-bibls-2932">PL
       84, col. 306;</bibl> vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-5135">Bonwetsch, S. 222,25–32</bibl>.</note> Und
      noch wird von <persName ref="kbga-actors-2838"><hi rend="italic">Epiphanius</hi></persName>
      berichtet, dass er einen mit einem Bilde Christi oder eines Heiligen gemalten Vorhang in einer
      Dorfkirche unter Berufung auf das alttestamentliche <term key="Bilderverbot">Bilderverbot</term> mit eigenen Händen zerrissen habe.<note xml:id="n23">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-5135">Bonwetsch,
        S. 222,39–42</bibl>.</note> Aber die Schleusen sind <pb ed="A" n="913"/> um diese Zeit in
      der Tat geöffnet worden, entscheidend wohl von der orientalischen <term key="Kirche, orientalische">Kirche</term> her, wo die alexandrinische <term key="Christologie, alexandrinische">Christologie</term> mit ihrer Lehre von der Durchdringung
      der menschlichen Natur Christi durch die <term key="Jesus Christus, Zwei Naturen">göttliche</term> vielleicht ebensowohl Folge wie neue Ursache des überhandnehmenden
      Bildermachens und Bilderdienstes gewesen ist. Was die eigentliche und primäre Ursache dieser
      Neuerung gewesen ist, ist bis jetzt m. W. noch nicht aufgeklärt worden. Sicher ist, dass ihr
      von der Theologie her bald kein ernsthafter Widerstand mehr entgegengesetzt wurde, sondern <anchor type="note" xml:id="fn-24"/>dass die Theologie – dieselbe Theologie, deren <pb xml:id="p595" ed="pga"/>
      Gottesbegriff jetzt so abstrakt <term key="Gottesbegriff, abstrakt metaphysisch">metaphysisch</term> zu werden begann – sie<note n="24" target="fn-24" type="textcritical" xml:id="n24"> Tskr.:
       «dass ihn die Theologie – […] –»; von den Hrsg. in Angleichung an den durch den Einschub des
       vorangegangenen Satzes entstandenen Wechsel des Bezugswortes (jetzt: «Neuerung»)
       korrigiert.</note> vielmehr alsbald mit allerlei Argumenten zu stützen begann: daraufhin,
      dass die Sache sich in der Kirche offenbar unwiderstehlich durchzusetzen im Begriffe war. Es
      war ein, wie sich aus dem Zusammenhang ergibt, ursprünglich als Erklärung des Verhältnisses
      zwischen Vater und Sohn in der <term ref="kbga-keywords-70">Trinität</term> gemeintes Wort des
       <persName ref="kbga-actors-2791"><hi rend="italic">Basilius</hi></persName>, das das
      Leitmotiv abgab, auf das in der Folge die fatale Lehre von der Abbildbarkeit Gottes, Jesu
      Christi, der Engel und der <term key="Bilderfrage">Heiligen</term> und von dem Sinn und der
      Berechtigung einer gewissen Verehrung ihrer <term key="Bilderverehrung">Bilder</term> auch in
      der christlichen Kirche ziemlich allgemein abgestimmt wurde. Die Stelle lautet: <foreign xml:lang="el-GR">ἡ τῆς εἰκόνος τιμὴ ἐπὶ τὸ πρωτότυπον διαβαίνει</foreign> (<bibl corresp="kbga-bibls-5311">De Spir. sanct.
       18,45</bibl>).<note xml:id="n25"><bibl corresp="kbga-bibls-4855">FChr 12, S. 210,3f.</bibl>; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-5135">Bonwetsch (<ref type="pub" target="#fn_n20">Anm. 20</ref>), S. 223,1–4</bibl>.</note> Weil
      Basilius, immer von der <term ref="kbga-keywords-70">Trinität</term> redend, kurz vorher
      exemplifiziert hatte: die Existenz eines Königs und seines Bildes bedeute ja auch nicht die
      Existenz zweier Könige, meinte man folgern zu dürfen: Gemeint und verehrt würde ja auch im
      Gottesbilde natürlich kein anderer als eben Gott selbst, den das Bild abbilde, eine Verletzung
      seiner <term key="Gott, Einheit">Einheit</term>, <term key="Gott, Einzigkeit">Einzigkeit</term> und <term key="Gott, Einfachheit">Einfachheit</term> könne also in der
       <term key="Bilderverehrung">Bilderverehrung</term> nicht vorliegen. Erbaulich ausgedrückt:
       <foreign xml:lang="el-GR">εἰ ποιοῦμεν ὁμοίωμα τοῦ Χριστοῦ</foreign>, so tun wir das <foreign xml:lang="el-GR">ἵνα ἡ διάνοια ἡμῶν πρὸς τὸν πόθον αὐτοῦ ἀναπτερωθῇ</foreign> (<hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-2279">Cyrill v. Alex</persName></hi>., Zu <ref type="can" subtype="bible" target="Ps.113.16">Ps. 113,16</ref>).<note xml:id="n26"><bibl corresp="kbga-bibls-5309">Cyrillus
        Alexandrinus, <hi rend="italic">Explanatio in Psalmos</hi>, in: PG 69,
       col. 717–1273, Zitat col. 1268</bibl>.</note> Die dem Bilde zugewendete Proskynese gelte nicht ihm
      als solchem, sondern der durch das Bild dargestellten <foreign xml:lang="el-GR">ὑπόστασις</foreign>; in diesem Sinn aber müsse sie den Bildern, schon angesichts ihrer
      vielfach bezeugten Wunderwirkungen, zugewendet werden, so verkündigte später (787) das <orgName ref="kbga-actors-10361"><hi rend="italic">zweite nicaenische</hi>
      <pb ed="A" n="914"/>
      <hi rend="italic">Konzil</hi></orgName> (Denz.
       302<note xml:id="n27">
       <bibl corresp="kbga-bibls-25">DH 601</bibl>.</note>). Die in derselben Zeit über 100 Jahre
      dauernden <term key="Bilderstreit">Bilderstreitigkeiten</term> in der orientalischen Kirche,
      in welchen immer der Kaiser <hi rend="italic">gegen</hi>, die Mönche und die Kaiserinnen aber
       <hi rend="italic">für</hi> die Bilder waren, endigten in der Sache mit dem Siege dieser
      letzteren Partei, und es ist nicht einmal sicher, ob man nachträglich mit der ersten
      sympathisieren kann, weil ihre Opposition vielleicht mit dem byzantinischen <term key="Caesaropapismus, byzantinischer">Cäsaropapismus</term>, vielleicht auch mit dem eben
      damals im Osten mächtig aufkommenden <term ref="kbga-keywords-1185">Islam</term> in einem
      Zusammenhang stand, der ihren Gegnern wenigstens den Schein eines Rechtes geben konnte.<note xml:id="n28">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-5135">Bonwetsch (Anm. 20), S. 223f</bibl>.</note> Noch hörte man freilich in der
       <term key="Kirche, Westkirche">Westkirche</term> Stimmen wie die der <hi rend="italic">Karolinischen <term key="Karolinische Bücher">Bücher</term></hi> (ca. 790), in denen im
      Gegensatz zu den Beschlüssen von <placeName ref="kbga-places-1450">Nicaea</placeName>
      wenigstens festgehalten wird, dass ein «<foreign xml:lang="lat">officium ad peragenda nostrae salutis mysteria</foreign>» den
      Bildern nicht zugeschrieben werden könne, dass ihre Existenz oder Nicht-Existenz in den
      Kirchen also keine Glaubensfrage sei (II, 21).<note xml:id="n29">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-5310"><hi rend="italic">Opus
        Caroli regis contra synodum (Libri Carolini)</hi>, hrsg. von A.
        Freeman (MGH, Concilia, tom. II, suppl. I), Hannover 1998, S. 275,9f</bibl>.; vgl.
       <bibl corresp="kbga-bibls-5135">Bonwetsch, S. 224,42–47</bibl>.</note> Was sich aber durchsetzte, war genau das Gegenteil: Bilder
      dürfen nicht nur, sondern <hi rend="italic">müssen</hi> sein. |</p>

     <p><pb xml:id="p596" ed="pga" rend="noPipe"/>Das konnte im <hi rend="italic">Westen</hi>
      praktisch begründet werden mit dem berühmten, schon von <hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-1364">Gregor d. Gr.</persName></hi> geltend gemachten Argument: «<foreign xml:lang="lat">quod
      legentibus est scriptura, hoc idiotis praestant pictura cernentibus</foreign>».<note xml:id="n30">Vgl.
        <persName ref="kbga-actors-1364">Gregorius [Magnus]</persName>, <hi rend="italic">Epistolarum libri</hi> XI, Ep. XIII: <bibl corresp="kbga-bibls-2932"><hi rend="italic">Ad <persName ref="kbga-actors-10365">Serenum</persName> Massiliensem
        Episcopum</hi> (PL 77, col. 1128–1130)</bibl>: «<foreign xml:lang="lat">quod legentibus scriptura, hoc idiotis praestat
       pictura cernentibus</foreign>» (col. 1128); vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-5135">Bonwetsch, S. 222,47–50</bibl>.</note> Viel tiefsinniger aber
      im <hi rend="italic">Osten</hi> durch die merkwürdige Lehre des <hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-2894">Johannes Damascenus</persName></hi><note xml:id="n31"><persName ref="kbga-actors-2894">Johannes von Damaskus</persName> (ca. 650–?) widmete dem Thema
       «drei Reden an die Schmäher der hl. Ikonen»; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-5314">B.
        Kotter, Art. «Johannes von Damaskus», in: TRE 37, S. 127–132, dort S. 128,8–14</bibl>;
        <bibl corresp="kbga-bibls-5135">Bonwetsch,
        S. 223,52–57</bibl>.</note>, des Patriarchen <hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-10362">Nicephorus</persName></hi><note xml:id="n32"><persName ref="kbga-actors-10362">Nikephorus von
        Konstantinopel</persName> (ca. 750–829) wurde, «bis dahin noch Laie, 806 Patriarch von
       Konstantinopel, 815 jedoch von dem bilderfeindlichen Kaiser <persName ref="kbga-actors-10369">Leo dem Armenier</persName> wieder entsetzt» (<bibl corresp="kbga-bibls-5317"><persName ref="kbga-actors-10370">K. Schwarzlose</persName>, Art. «Nikephorus von Konstantinopel», in:
        RGG<hi rend="sup">2</hi> IV, Sp. 559)</bibl>.</note> und des Abtes <hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-10363">Theodor v.
       Studion</persName></hi><note xml:id="n33"><persName ref="kbga-actors-10363">Theodor von
        Studion</persName> (759–826) wurde vom byzantinischen Kaiser <persName ref="kbga-actors-10369">Leo V.</persName> von 814 bis 821 in die Verbannung geschickt,
       weil er «als der kraftvollste Verteidiger der Bilderverehrung und der Freiheit der Kirche von
       der kaiserlichen Oberherrschaft auftrat» (<bibl corresp="kbga-bibls-5318"><persName ref="kbga-actors-10370">K.
        Schwarzlose</persName>, Art. «Theodor von Studion», in: RGG<hi rend="sup">2</hi> V,
       Sp. 1109</bibl>).</note>, wonach das Bild neben dem Wort nicht nur dem Ungebildeten, sondern auch
      dem Gebildeten das unmittelbare Schauen des Ewigen zu vermitteln habe. Das Bild sei Träger des
      Urbildes, d. h. seines Gegenstandes, und habe von ihm her dessen lebenspendende und vor dem
      Verderben schützende Kraft. Wie der den Vater nicht kenne, der den Sohn verwerfe, so kenne der
      den Sohn nicht, der die Bilder bestreite. Denn wie in der Menschwerdung des Logos Gott in die
      Erscheinungswelt getreten sei, so sei nun der <term key="Jesus Christus, Erlöser">Erlöser</term> in den Bildern in ihr gegenwärtig. Es sei das Bild wie das <term key="Sakramente">Sakrament</term> eine Fortsetzung des Eingehens göttlicher Wesenheit in das
      Irdische, um es mit seiner eigenen Unvergänglichkeit zu erfüllen. Es sei darum die Lehre der
       <term key="Ikonomachen">Ikonomachen</term> eine schwerste, den Umsturz der ganzen
      Heilsökonomie nach sich ziehende <term ref="kbga-keywords-266">Häresie</term>. Das <hi rend="italic"><orgName ref="kbga-actors-10364">vierte konstantinopolitanische Konzil</orgName></hi> (869) erklärte –
      wie oft haben wir das seither wieder gehört –, <pb ed="A" n="915"/> die Sprache der Farbe habe
      ein Wort so gut wie die Sprache der Rede, und darum müsse ihr, wenn ihr Wort das <term ref="kbga-keywords-59">Evangelium</term> sei, dieselbe Ehre und <term key="Bilderverehrung">Adoration</term> zukommen wie jener. Wer die <term key="Ikonen">Christusikone</term> nicht
      adorieren wolle, der solle dereinst auch die Gestalt des wiederkommenden Christus nicht sehen,
      «<foreign xml:lang="lat">sed alienus sit a communione ipsius et claritate</foreign>». Dasselbe gelte aber auch von den Bildern
      der <persName ref="kbga-actors-2224">Maria</persName>, der <term ref="kbga-keywords-977">Engel</term>, der <term ref="kbga-keywords-273">Apostel</term> und <term key="Propehten">Propheten</term>, der <term ref="kbga-keywords-483">Heiligen</term>. <foreign xml:lang="el-GR">Καὶ οἱ μὴ οὕτως ἔχοντες</foreign>
      <hi rend="italic"><foreign xml:lang="el-GR">ἀνάθεμα</foreign></hi>
      <foreign xml:lang="el-GR">ἔστωσαν</foreign> (Can. c. Phot. 3, Denz. 337<note xml:id="n34"><bibl corresp="kbga-bibls-25">DH 655f</bibl>.; die Canones sind auf den <date when="1870-02-28">28. Februar 870</date> datiert.</note>). Und es versichert doch auch das
       <term key="Tridentinum"><hi rend="italic">Tridentinum</hi></term>, bereits im Gegen<pb xml:id="p597" ed="pga" break="no"/>satz zur <term ref="kbga-keywords-61">Reformation</term>:
      Es wohne zwar den Bildern keine «<foreign xml:lang="lat">divinitas vel virtus</foreign>» inne,
       «<foreign xml:lang="lat">propter quam sint colendae, vel quod ab eis sit aliquid petendum,
       vel quod fiducia in imaginibus sit figenda, veluti olim fiebat a gentibus</foreign>», ihnen
      sei aber «<foreign xml:lang="lat">honor et veneratio</foreign>» darum und insofern
      darzubringen, <hi rend="italic">«<foreign xml:lang="lat">quoniam honos, qui eis exhibetur,
        refertur ad prototypa, quae illae repraesentant</foreign>:</hi>
      <foreign xml:lang="lat">ita ut <hi rend="italic">per imagines</hi>, quas osculamur et coram
       quibus caput aperimus et procumbimus, <hi rend="italic">Christum</hi> adoremus, et sanctos,
       quorum illae similitudinem gerunt, veneremur</foreign>». Die Sache sei dienlich zur Belehrung
      und Bestärkung des <hi rend="italic">Volkes</hi> «<foreign xml:lang="lat">in articulis fidei
       commemorandis et assidue recolendis... ad adorandum et<note xml:id="n35">Im Tskr. von «ad» zu
        «et» korrigiert; i. Orig.: «ac».</note> diligendum Deum et ad pietatem colendam. Si quis
       autem his decretis contraria docuerit aut senserit: <hi rend="italic">anathema</hi>
       sit</foreign>» (Sess. XXV 1563; Denz. 986f.<note xml:id="n36"><bibl corresp="kbga-bibls-25">DH 1823f</bibl>. (i. Orig. keine Hervorhebungen).</note>). Das Anathema, das schließlich im
      Westen wie im Osten die Sache zu Ende bringt, sagt, dass sie, im Gegensatz zu der Neutralität,
      die ihr in den Karolinischen <term key="Karolinische Bücher">Büchern</term> zugeschrieben
      wurde, zuletzt doch auch hier zum Inhalt eines <hi rend="italic">Glaubenssatzes</hi> geworden
      ist. Die Theologie, mit der man sie im Westen begründete, war, wie die Sätze des Tridentinums
      verraten, vorsichtiger und zurückhaltender als die des Ostens, und so hat die <term key="Ikonen">«Ikone»</term> auch in der Praxis des römischen <term ref="kbga-keywords-467">Katholizismus</term> nie die prinzipielle, die geradezu konstitutive Bedeutung gewonnen <pb ed="A" n="916"/> wie im Kultus und in der Frömmigkeit der <term key="Kirche, Ostkirche">Ostkirche</term>, was aber wieder nicht ausschließt, dass sie im Einzelnen, sozusagen von
      Fall zu Fall, in der weniger von der Theologie als von der Kirchenleitung begünstigten
      Popularreligion auch hier eine weithin sichtbare Rolle gespielt hat und noch spielt, bei der
      es – man denke etwa an den Kult der großen und kleinen <term key="Wallfahrtsheiligtümer">Wallfahrtsheiligtümer</term> – nicht recht durchsichtig wird, in welcher Weise die das <term key="Tridentinum">Tridentinum</term> immerhin kennzeichnenden Vorbehalte nun eigentlich
      wirksam oder unwirksam sind.</p>
     <p>Die Haltung <persName ref="kbga-actors-261"><hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName></hi></persName> in
      dieser wie in mehr als einer ähnlichen <term key="Bilderfrage">Frage</term> hat sich so
      ziemlich schlechthin im Gegensatz zu den <term key="Schwärmer"><hi rend="italic">Schwärmern</hi></term> gebildet. Sie besteht rein sachlich genommen in einer Rückkehr zu
      dem neutralen Standpunkt der Karolinischen <term key="Karolinische Bücher">Bücher</term>,
      wobei sich aber doch die Neutralität faktisch ungleich mehr nach der einen Seite, nämlich in
      der Bekämpfung des <term key="Bildersturm">Bildersturms</term> auswirkt und darum im Ergebnis
      auf die <hi rend="italic">Erhaltung</hi> mehr als auf die Beseitigung der Bilder hinausläuft,
      obwohl ein positives Interesse an ihrer Erhaltung bei ihm tatsächlich nicht oder fast gar
      nicht wahrzunehmen ist. Es waren die dritte und vierte der Invocavit-Predigten von 1523 (<bibl corresp="kbga-bibls-3126">W.A. 10/III, 26f.30f.</bibl>)<note xml:id="n37">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-3126"><persName ref="kbga-actors-261">M. Luther</persName>, <hi rend="italic">Ein ander Sermon, Am dinstag
        nach Invocavit</hi> [11.3.1522] (WA 10/III, S. 21–30)</bibl>, dort S. 26–30: «Von Byldtnussen»;
       ders., <hi rend="italic">Ein Sermon, Mittwoch nach Invocavit gepredigt</hi> [12.3.1522] (WA
       10/III, 30–40), bes. 30–36.</note>, sein Brief an die Straßburger vom <date when="1524-12-15">15. Dezember 1524</date> (<bibl corresp="kbga-bibls-2077">W.A. 15,395,5</bibl>)<note xml:id="n38"><bibl corresp="kbga-bibls-2077"><persName ref="kbga-actors-261">M. Luther</persName>, <hi rend="italic">Ein Brief an die
         Christen zu Straßburg wider den Schwärmergeist. 1524</hi> (WA 15, 380–397)</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-2077">a.a.O., 395,5–16</bibl>, wird das «bildstürmen»
       angesprochen.</note>, die Schrift <pb xml:id="p598" ed="pga"/> «Wider die himmlischen
      Propheten» von 1525 (<bibl corresp="kbga-bibls-3144">W.A. 18,67f.</bibl>)<note xml:id="n39"><bibl corresp="kbga-bibls-2044"><persName ref="kbga-actors-261">M.
       Luther</persName>, <hi rend="italic">Wider die himmlischen Propheten, von den Bildern und Sakrament.
        1525</hi> (WA 18, 37–214); a.a.O., 67–84</bibl>, der Abschnitt: «Von dem Bildsturmen».</note>, die
      «Auslegung der zehn Gebote» 1524 (<bibl corresp="kbga-bibls-5312">W.A. 16,437f.</bibl>)<note xml:id="n40"><bibl corresp="kbga-bibls-5321"><persName ref="kbga-actors-261">M. Luther</persName>, <hi rend="italic">Auslegung der zehn Gebote</hi>, in: ders., <hi rend="italic">Predigten über das zweite Buch Mose. 1524–1527</hi> (WA 16, 393–528)</bibl>. Die
       Auslegungen zum ersten Gebot (a.a.O., 421–464) sind auf den 17. und 24. September sowie den
        <date when="1525-10-01">1. Oktober 1525</date> datiert; darin findet sich auf den oben
       angegebenen Seiten der Abschnitt «Das ist der Titel von den Bilden» (a.a.O., 437–443).</note>
      und die «Auslegung über etliche Kapitel des fünften Buches Mose» von 1529 (<bibl corresp="kbga-bibls-3120">W.A. 28,552f.</bibl>)<note xml:id="n41"><bibl corresp="kbga-bibls-5320"><persName ref="kbga-actors-261">M. Luther</persName>, <hi rend="italic">Auslegung uber etliche Capitel
        des fünfften Buchs Mosi, Gepredigt zu Wittenberg. 1529</hi> (WA 28, 509–763)</bibl>; die Auslegung
       von Dtn. 4,15–19 findet sich a.a.O., 551–556.</note>, in denen er sich ausführlich zu der
       <term key="Bilderfrage">Sache</term> geäußert hat. Seine Meinung lässt sich dahin
      zusammenfassen: Bilder sind unnötig. Es ist freigelassen, sie zu haben oder nicht zu haben. Um
      des Missbrauchs willen wäre es besser, keine zu haben. Es gibt aber auch nach dieser Seite
      kein Müssen. Wir sollten nicht so kühn sein, in dieser Sache «wider Gottes Freiheit» (!) ein
      Gebot oder Verbot zu machen.<note xml:id="n42">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-3126">WA 10/III,
        26,11–13</bibl>.</note> In dem altkirchlichen <term key="Bilderstreit">Bilderstreit</term>
      haben also nach <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> beide Parteien gleich sehr
      gefehlt. Was das biblische <term key="Bilderverbot">Bilderverbot</term> meint und trifft, ist
      nach ihm – so hören wir es ja auch heute wieder – <pb ed="A" n="917"/> nicht das <hi rend="italic">Machen</hi>, sondern das <hi rend="italic">Anbeten</hi> der Bilder.<note xml:id="n43">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-3144">WA 18, 67–70</bibl>.</note> Gelegentlich
      scheint er freilich geneigt, dieses Verbot überhaupt nur als den <term ref="kbga-keywords-783">Juden</term> gegeben verstehen zu wollen<note xml:id="n44">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-5321">WA 16, 441f.</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-3144">WA 18,
        75–82</bibl>.</note> und also als ein solches, auf dem wörtlich zu beharren ebenso
      schwärmerisch wäre, als wenn man einem Erwachsenen verböte – was den Kindern zu verbieten
      sinnvoll ist – ein Brotmesser in die Hand zu nehmen.<note xml:id="n45">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-5321">WA 16, 442,14–19</bibl>.</note> Gibt es übrigens – auch das hat
      schon <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> gewusst! – nicht auch im Alten <term ref="kbga-keywords-568">Testament</term> Altäre, die eherne Schlange [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Num.21.8 Num.21.9">Num. 21,8f.</ref>], die Cherubim über der Bundeslade [vgl.
       <ref type="can" subtype="bible" target="Ex.25.18 Ex.25.22">Ex. 25,18–22</ref>]?<note xml:id="n46">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-3126">WA 10/III, 27,10f. 28,2</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-3144">WA 18, 70,1f.</bibl></note> Es bleibt natürlich bei <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> ebenso
      wie im <term key="Tridentinum">Tridentinum</term> (und doch auch nach der jenes <persName ref="kbga-actors-2791">Basilius</persName>-Wort interpretierenden griechischen Theologie)
      dabei: von <hi rend="italic">Anbetung</hi> der Bilder <hi rend="italic">als solcher</hi> kann
      nicht die Rede sein und so auch von keinem auf sie zu setzenden Vertrauen usw. Den
      eigentlichen <hi rend="italic">Missbrauch</hi> der Bilder sucht <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> darin, dass man mit
      ihrer Errichtung als einem <hi rend="italic">guten <term ref="kbga-keywords-831">Werk</term></hi> Gott einen <hi rend="italic">Dienst</hi> zu tun meint, wo man das dazu
      verwendete Geld besser den Armen geben würde.<note xml:id="n47">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-3126">WA 10/III, 30,17–32,11</bibl>.</note> Um dieses Missbrauchs willen
      kann auch er sich gelegentlich für die <hi rend="italic">Entfernung</hi> der <term key="Bilderfrage">Bilder</term> aus den Kirchen aussprechen. Er drängt <pb xml:id="p599" ed="pga"/> aber darauf: solche Abschaffung darf unter keinen Umständen den Charakter eines
      Aufruhrs des Pöbels annehmen, sondern sie kann nur Sache der ordentlichen <term ref="kbga-keywords-1145">Obrigkeit</term> sein.<note xml:id="n48">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-3144">WA 18, 72f.</bibl></note> Sie darf auch nicht zu einem Gesetzeswerk
      gemacht werden, als tue man etwa <hi rend="italic">damit</hi> ein gottwohlgefälliges <term ref="kbga-keywords-831">Werk</term>, dass man die Bilder <hi rend="italic">stürzt</hi>, statt
      sie zu verehren.<note xml:id="n49">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-2077">WA 15,
       395,7–12.</bibl></note> Der eigentliche, der königliche Weg zu ihrer Beseitigung besteht aber
      darin, die <hi rend="italic">Herzen</hi> von ihnen abzulenken. Im <hi rend="italic">Herzen</hi> der Menschen leben ja die falschen Gottesbilder; in ihren Herzen also müssen sie
      gestürzt werden. Das kann aber nicht anders geschehen als durch die <term ref="kbga-keywords-67">Predigt</term> des Wortes <term ref="kbga-keywords-50">Gottes</term>,
      und mit deren Ausrichtung meint <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> mehr gegen die Bilder getan zu haben, als etwa
       <persName ref="kbga-actors-1081">Karlstadt</persName> mit seinem direkten und also
      äußerlichen <term key="Bildersturm">Bildersturm</term>. Würde das Volk richtig darüber
      belehrt, dass dem Menschen vor Gott nichts hilft als seine <term ref="kbga-keywords-36">Gnade</term> und <term ref="kbga-keywords-115">Barmherzigkeit</term>, dann würden die Bilder
      von selbst fallen und in Verachtung und Vergessenheit geraten, <pb ed="A" n="918"/> während
      ein äußerliches Stürmen und Abreißen nur zu leicht die Folge haben kann, dass das Volk in dem
      Dienst der in seinem Herzen aufgerichteten Bilder erst recht bestärkt wird.<note xml:id="n50">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-3126">WA 10/III, 28,16–29,9</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-5321">WA 16, 440</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-3144">WA
       18,67f.</bibl></note> Eben jener <hi rend="italic">königliche</hi> Weg zur Beseitigung ihres
      Missbrauchs eröffnet nun aber paradoxerweise auch die Möglichkeit, ihre äußere Beseitigung
      schließlich ebenso gut <hi rend="italic">unterlassen</hi> wie durchführen zu können. Hängt das
      Herz nicht mehr an ihnen, warum soll es dann nicht auch Bilder <hi rend="italic">geben</hi>
      dürfen? Und das eben wird nun zum praktischen Skopus des ganzen Votums <persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName> zu dieser Sache: trotz allem – und vor allem den
       <term key="Schwärmer">Schwärmern</term> zum Trotz – <hi rend="italic">stehen</hi> lassen!
      Anders als durch das <term ref="kbga-keywords-67">Wort</term> und durch den <term key="Glaube">Glauben</term> kann hier doch nicht wirklich Wandel geschafft werden; bis dahin hat es
      keinen Wert, führt es nur in die Irre, äußerlich Wandel schaffen zu wollen. Wird aber durch
      das <hi rend="italic">Wort</hi> und durch den <hi rend="italic">Glauben</hi> Wandel
      geschaffen, wer weiß, ob es dann äußerlich überhaupt noch <hi rend="italic">notwendig</hi>
      ist? Also: stehen lassen! Und indem <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> hier endigt – nicht an den <term key="Bilderfrage">Bildern</term> interessiert, wohl aber in heftiger Abneigung gegen die <term ref="kbga-keywords-821">Werkgerechtigkeit</term> des <term key="Bildersturm">Bildersturms</term> und in leidenschaftlichem Eifer darum, dass in der Kirche alles allein
      durch das <term ref="kbga-keywords-67">Wort</term> und den <term key="Glaube">Glauben</term>
      geschehen dürfe –, kann er dann wohl gelegentlich doch auch geradezu ein <hi rend="italic">positives</hi> gutes Wort für die Bilder finden und es für schön und nützlich erklären: «das
      wyr auch solche bilder mügen an die wende malen umb gedechtnis und besser verstands willen,
      Syntemal sie an den wenden ja so wenig schaden als ynn den büchern, Es ist yhe besser, man
      male an die wand, wie Gott die wellt schuff, wie Noe die arca bawet und was mehr guter
      historien sind, denn das man sonst yrgent welltlich unverschampt ding malet, Ja wollt Gott,
      ich kund die herrn und die reychen da hyn bereden, das sie die gantze Bibel ynnwendig und
      auswendig an den heusern fur ydermans augen malen liessen, das were eyn Christlich werck. – So
      weys ich auch gewiss, das Gott wil haben, man solle seyn werck hören und lesen, sonderlich <pb xml:id="p600" ed="pga"/> das leyden Christi. Soll ichs aber hören odder gedenken, <pb ed="A" n="919"/> so ist
      myrs unmöglich, das ich nicht ynn meym hertzen sollt bilde davon machen, denn ich wolle, odder
      wolle nicht, wenn ich Christum hore, so entwirfft sich ynn meym hertzen eyn mans bilde, das am
      creutze henget, gleich als sich meyn antlitz naturlich entwirfft ynns wasser, wenn ich dreyn
      sehe, Ist nu nicht sunde sondern gut, das ich Christus bilde ym hertzen habe. Warumb sollt
      sunde seyn, wenn ichs ynn augen habe? syntemal das hertze mehr gillt denn die augen und
      weniger soll mit sunden befleckt seyn denn die augen, als das da ist der rechte sitz und
      wonunge Gottes» (<bibl corresp="kbga-bibls-3144">W.A. 18,82,27</bibl>)<note xml:id="n51"><bibl corresp="kbga-bibls-3144">WA 18, 82,27–83,15</bibl> (im Exemplar <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> in eckige Klammern gesetzt).</note>. |</p>
     <p><persName ref="kbga-actors-77"><hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-77">Calvin</persName></hi></persName> hat in dieser Sache
      – soll man sagen: kindlicher oder unkindlicher? soll man sagen: radikaler oder
      oberflächlicher? – gedacht und geredet: Die Schrift unterscheidet Gott von den <term key="Gott, und die Götter">Götzen</term>. Warum? Weil diese von den Menschen fabriziert sind
      nach deren eigener Spekulation. Es gilt aber: «<foreign xml:lang="lat">Deus ipse solus est de
       se idoneus testis</foreign>.» Jede menschliche Formung Gottes aus geschöpflicher Materie
      bedeutet als solche eine Lüge, durch die die Ehre <term ref="kbga-keywords-28">Gottes</term>
      verletzt wird, wobei es auf Gradunterschiede von besseren und schlechteren «<foreign xml:lang="lat">imagines</foreign>» nicht
      ankommt, sondern auf das verkehrte Prinzip, das allen «<foreign xml:lang="lat">imagines</foreign>» zugrunde liegt (Inst. I,
       11,1).<note xml:id="n52">In der von <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>
       benutzten Ausgabe – <bibl corresp="kbga-bibls-41"><persName ref="kbga-actors-77">J.
         Calvin</persName>, <hi rend="italic">Opera selecta</hi>, Vol. III, ed. P. Barth / W.
        Niesel, München 1928</bibl> – sind die in diesem Satz und im Folgenden verwendeten Zitate in
       der Regel unterstrichen (hier: <bibl corresp="kbga-bibls-41">a.a.O., S. 88,25</bibl>).</note>
       «<foreign xml:lang="lat">Quicquid statuarum erigitur vel imaginum pingitur ad Deum
       figurandum, simpliciter ei displicere ceu quaedam maiestatis suae dedecora</foreign>», <hi rend="italic">denn</hi>: Gott ist «<foreign xml:lang="lat">incorporeus</foreign>», «<foreign xml:lang="lat">invisibilis</foreign>», «<foreign xml:lang="lat">spiritus</foreign>»,
       «<foreign xml:lang="lat">immensus</foreign>» (ib. 2).<note xml:id="n53"><bibl corresp="kbga-bibls-41">A.a.O., S. 89,23–25</bibl>; die Aufzählung der Eigenschaften lautet
       im Original: «<foreign xml:lang="lat">Ex Prophetis sufficet unus Iesaias qui in hac
        demonstratione plurimus est, ut doceat indecora et absurda fictione foedari Dei maiestatem,
        dum incorporeus materia corporea, invisibilis visibili simulachro, spiritus re inanimata,
        immensus exigui ligni, lapidis, vel auri frusto assimilatur</foreign>» (<bibl corresp="kbga-bibls-41">a.a.O., S. 89,13–18</bibl>).</note> Hat Gott selbst nach der <term ref="kbga-keywords-110">Schrift</term> bisweilen auch in sichtbaren <term ref="kbga-keywords-946">Zeichen</term> gesprochen, so tat er es nicht, um ein Bild seiner
      selbst zu geben, sondern immer nur in Begleitung und Erläuterung seines <term ref="kbga-keywords-50">Wortes</term> und immer so, dass die Zeichen selbst und als solche
      zugleich seine Unbegreiflichkeit bezeugten. Erschien der Heilige <term ref="kbga-keywords-179">Geist</term> nach <ref type="can" subtype="bible" target="Matth.3.16">Matth. 3,16</ref> in
      Gestalt einer Taube, so war das offenkundig ein «symbolum unius momenti», erschien er im Alten
       <term ref="kbga-keywords-568">Testament</term> gelegentlich in Menschengestalt, so war das
      ein «<foreign xml:lang="lat">praeludium futurae in Christo revelationis</foreign>». Die
      Cherubim auf der Bundeslade bedeckten ja gerade mit ihren Flügeln den Gnadenstuhl: «<foreign xml:lang="lat">ut non <pb ed="A" n="920"/> oculos modo humanos, sed omnes sensus prohiberent
       a Dei intuitu</foreign>» (ib. 3).<note xml:id="n54">Zitate: vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-41">a.a.O., S. 90,20.23f.</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-41">91,7f.</bibl></note> Zum <term key="Bilderfrage">Bildermachen</term> werden wir mit dem
      Allem gerade <hi rend="italic">nicht</hi> angeleitet, vielmehr zu der Erkenntnis, «<foreign xml:lang="lat">quidquid proprio sensu concipimus de Deo, insipidum esse figmentum. ... Nihil
       minus consentaneum quam velle Deum, qui <hi rend="italic">immensus</hi> est <pb xml:id="p601" ed="pga"/> ac <hi rend="italic">incomprehensibilis</hi>, redigere ad quinque pedum
       mensuram</foreign>» (<ref type="can" subtype="bible" target="Matth.11.4">11,4</ref>):<note xml:id="n55">Zitate: <bibl corresp="kbga-bibls-41">a.a.O., S. 92,4–6.30–32</bibl> (i. Orig.
       keine Hervorhebungen).</note> Es ist also nicht wahr, dass die Bilder die Bibel der
      Ungebildeten seien. Denn was die Menschen aus Bildern über Gott lernen können, das kann als
      solches nur <hi rend="italic">falsch</hi> sein (ib. 5). Es können die Bilder letztlich nur zur
      Verachtung Gottes erziehen (ib. 6). Durch <term ref="kbga-keywords-67">Wort</term>, <term ref="kbga-keywords-68">Taufe</term> und <term ref="kbga-keywords-69">Abendmahl</term> will
      Gott allen und so auch den Ungebildeten verkündigt sein. Würde wirklich der gekreuzigte <term ref="kbga-keywords-129">Christus</term> verkündigt, dann würden wir es eben damit als
      überflüssig, aber auch als unmöglich erkennen, ihn auch noch in Holz und Stein, Gold und
      Silber zur Schau stellen zu wollen (ib. 7). Woher stammt das Bildermachen? Ganz einfach aus
      der Unruhe des Fleisches, das sich eines Gottes vergewissern und trösten will, der ihm selber
      gleich ist, und das darum bei der Gestaltung des Gottesbildes, dessen Urbild ja letztlich es
      selber ist, nie in Verlegenheit kommen wird (ib. 8). Ist aber das Bild einmal da, dann kann
      auch seine religiöse <term key="Bilderverehrung">Verehrung</term> gar nicht ausbleiben, wobei
      es ganz auf dasselbe herauskommt, ob das Bild als Gott oder Gott – nach Anweisung jener
       <persName ref="kbga-actors-2791">Basilius</persName>-Stelle – im Bilde verehrt wird. Die
      Argumentation, laut welcher dies einen Unterschied ausmachen soll, ist so originell nicht, wie
      sie sich gibt. Denn dass das Bild nicht selbst Gott ist, sondern nur der Repräsentant des
      Gottes, das wussten auch die Israeliten, als sie
      das goldene Kalb anbeteten [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Ex.32.1 Ex.32.6">Ex. 32,1–6</ref>], das wussten
      und wissen aber auch nahezu alle <term ref="kbga-keywords-109">Heiden</term> (ib. 9). Und nun
      sehe man sich den heidnischen, aber auch den römischen <term key="Gottesdienst, römisch-katholischer">Gottesdienst</term> erst noch darauf an: ob es sich
      da nicht faktisch beständig doch um die theoretisch verleugnete direkte Verehrung des <term key="Bilderverehrung">Bildes</term> selbst handelt (ib. 10)?! ob die angebliche bloße
       <foreign xml:lang="el-GR">εἰδωλοδουλία</foreign>
      <pb ed="A" n="921"/> nicht faktisch doch in der <foreign xml:lang="el-GR">εἰδωλολατρεία</foreign> besteht (ib. 11)? Auch <persName ref="kbga-actors-77">Calvin</persName> will nicht etwa die bildende <term ref="kbga-keywords-1171">Kunst</term>
      als solche verwerfen. «<foreign xml:lang="lat">Sed <hi rend="italic">quia</hi> sculptura et
       pictura Dei dona sunt, purum et legitimum usum utriusque requiro</foreign>.» Mögen die Maler
      und Bildhauer das darstellen, «<foreign xml:lang="lat">quorum <hi rend="italic">capaces</hi>
       sunt oculi</foreign>»! Das ganze Reich der <term ref="kbga-keywords-398">Geschichte</term>
      und der <term ref="kbga-keywords-328">Natur</term> steht ihnen offen. «<foreign xml:lang="lat">Dei maiestas, quae oculorum sensu longe superior est, ne indecoris spectris
       corrumpatur</foreign>»! Denn von dem Wert, den die Werke der <term ref="kbga-keywords-1171">Kunst</term> auf jenem ihnen von <hi rend="italic">Natur</hi> zugewiesenen Feld haben
      können, kann hier keine Rede sein (ib. 12).<note xml:id="n56">Zitate: vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-41">a.a.O., S. 100,27f</bibl>.; <bibl corresp="kbga-bibls-41">101,5f.6f.</bibl> (i. Orig. keine Hervorhebungen).</note> Die Christenheit der ersten fünf
       <term key="Christentum, der ersten fünf Jahrhunderte">Jahrhunderte</term>, so meinte <persName ref="kbga-actors-77">Calvin</persName>
      zu wissen, kannte keine Bilder in ihren Kirchen. Welche Gründe damals zu ihrer Einführung
      geführt haben mögen – ein Grund, diese Veränderung zu anerkennen, liegt nicht vor. Man denke
      an den Zweck des christlichen <term key="Kirchen (Gebäude)">Kirchengebäudes</term> und mache
      sich klar, dass es seiner Heiligkeit unwürdig ist, andere <term key="Bilderfrage">Bilder</term> zu beherbergen als die lebendigen, vom Herrn selbst durch sein <term ref="kbga-keywords-50">Wort</term> geweihten Bilder der <term ref="kbga-keywords-68">Taufe</term> und des <term ref="kbga-keywords-69">Abendmahls</term> (ib. 13). Die Autorität
      des nicaenischen <term key="Konzilien, zweites nicaenisches 787">Konzils</term>? Aber wie ist
      dort argumentiert worden! Dass Gott den Menschen schuf nach seinem Bilde [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Gen.1.26">Gen. 1,26</ref>], das sollte dort beweisen, dass der Mensch
      mit Gott dasselbe tun dürfe! Aus dem Wort «Niemand zündet ein Licht an und setzt es unter <pb xml:id="p602" ed="pga"/> einen Scheffel» [<ref type="can" subtype="bible" target="Mk.4.21">Mk. 4,21</ref>] wurde dort gefolgert, dass die Bilder auf die Altäre in den <term key="Kirchen (Gebäude)">Kirchen</term> gehören, und aus <ref type="can" subtype="bible" target="1.Joh.1.1">1.Joh. 1,1</ref>: «Was wir gehört und gesehen haben...», dass wir Gott
      nicht nur im Wort zu hören, sondern auch im Bilde zu sehen haben. Weil Gott nach <ref type="can" subtype="bible" target="Ps.68.36">Ps. 68,36</ref> wunderbar ist in seinen <term ref="kbga-keywords-483">Heiligen</term>, muss er es auch in den Bildern sein usw. Ein Konzil,
      das mit der heiligen <term ref="kbga-keywords-110">Schrift</term> so knabenhaft («<foreign xml:lang="lat">pueriliter</foreign>»<note xml:id="n57"><bibl corresp="kbga-bibls-41">A.a.O.,
        S. 104,9</bibl>.</note>) umgegangen ist, sie so schändlich zerrissen hat, hat jede
      Glaubwürdigkeit und Autorität verloren (ib. 14–15)! <persName ref="kbga-actors-77">Calvins</persName> Abhandlung schließt ib. 16 mit einem zornigen Gelächter über die
      verschiedenen Anathematismen, mit denen die diesem offenkundigen Übel verfallene Kirche den
      Widerspruch dagegen zu belegen gewagt hat. <pb ed="A" n="922"/> Wenn man es versuchen will,
      sich zwischen den sich scheinbar so widersprechenden Stellungnahmen <persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName> und <persName ref="kbga-actors-77">Calvins</persName> zurechtzufinden, so wird man sich vor
      allem deutlich machen müssen, wie verschieden das <hi rend="italic">Interesse</hi> ist, das
      die beiden diesen Problemen zugewendet haben. Die eigene Entscheidung wird dann wohl von der
      Entscheidung in der Vorfrage abhängen, welches Interesse in dieser Sache – das <persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName> oder
      das <persName ref="kbga-actors-77">Calvins</persName> – das sachlich vordringliche und also
      ernsthaftere ist.</p>
     <p>Geht man mit <hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName></hi> davon
      aus, dass die Verneinung der Abbildbarkeit <term key="Gott, Nicht-Abbildbarkeit">Gottes</term>
      nur ja auf keinem anderen Wege als auf dem der <term ref="kbga-keywords-67">Predigt</term> des
      Wortes <term ref="kbga-keywords-50">Gottes</term> und des darauf gegründeten <term key="Glaube">Glaubens</term> erfolgen dürfte, dass ihr eigentlicher Sinn die Verneinung aller
      (aber wirklich aller, auch aller negativen!) menschlichen <term ref="kbga-keywords-821">Werkgerechtigkeit</term> sein müsse, dass sie also primär in einem in den menschlichen
      Herzen zu vollziehenden <term key="Bildersturm">Bildersturm</term> zu bestehen habe, dann kann
      man freilich mit <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> zu dem paradoxen
      praktischen Ergebnis kommen, dass es, solange diese eigentliche Negation der Gottesbilder
      mangels der rechten Predigt und mangels des rechten Glaubens doch noch nicht vollzogen sei,
      Gottesbilder ebenso gut auch <hi rend="italic">geben</hi> dürfe, dann mag man ihrer Existenz,
      wie <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> es in doppeltem Paradox gewagt hat, sogar diesen und jenen Nutzen und Vorzug
      zuschreiben. Man bemerke aber, wenn man der Lehre <persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName> sich zu freuen geneigt sein sollte,
      dass auch sie die prinzipielle <hi rend="italic">Negation</hi> des vom Menschen errichteten
       <term key="Bilderfrage">Gottesbildes</term> faktisch in sich schließt. <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> hat sich wohl gehütet, sich etwa die griechische
      Theorie von der in den <term key="Ikonen">Ikonen</term> sich fortsetzenden <term key="Inkarnation">Inkarnation</term> des göttlichen <term key="Logos">Logos</term> oder auch
      nur die im <term key="Tridentinum">Tridentinum</term> vorgetragene Lehre von der praktischen
      Heilsnotwendigkeit der Bilder zu eigen zu machen. Er hat bei seiner Verteidigung der Bilder
      auch mit jenem viel zitierten <persName ref="kbga-actors-2791">Basilius</persName>-Wort <hi rend="italic">nicht</hi> gearbeitet! Er ärgert sich an ihrer Bekämpfung durch <persName ref="kbga-actors-1081">Karlstadt</persName> und
      Genossen, weil er in ihr eine neue negative <term ref="kbga-keywords-821"><hi rend="italic">Werkgerechtigkeit</hi></term> zu erkennen glaubt. Aber was er ihr entgegenstellt, das ist
      doch eigentlich nur eine <hi rend="italic">bessere</hi>, <hi rend="italic">gründlichere</hi>,
      der Sa<pb ed="A" n="923" break="no"/>che <hi rend="italic">mehr</hi> entsprechende Bekämpfung,
      nicht aber eine ernst gemeinte positive Gegenbehauptung. Man wird nämlich jenes letzte
      doppelte Paradox, in welchem <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> es gewagt hat, nach Bildern geradezu zu rufen, wie noch
      andere derartige Sätze <persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName> mehr als einen im Grunde <hi rend="italic">nur</hi> polemisch
      gemeinten Trotz-Satz, man <pb xml:id="p603" ed="pga"/> wird ihn jedenfalls schon angesichts
      der Isoliertheit seines Auftretens gerade nicht systematisch verstehen dürfen. Es bedeutet
      eine Eintragung, wenn man <persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName> Stellungnahme nachträglich durch die Theorie von seiner oder
      des lutherischen <term key="Luthertum">Christentums</term> besonderen Sinnen-, Gestalt- und
      Farbenfreudigkeit oder gar auch noch <term ref="kbga-keywords-553">christologisch</term> zu
      unterbauen bzw. für gewisse in diese Richtungen weisende moderne Tendenzen in Anspruch zu
      nehmen versucht. Unterstützung dieser Tendenzen mag man bei der orientalischen <term key="Theologie, orientalische">Theologie</term>, man soll sie aber, aufrichtig an die
      Lutherschen Texte sich haltend, <hi rend="italic">nicht</hi> bei <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> suchen. Will man sich mit <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> für die Bilder
      einsetzen, dann soll man sagen, dass man ihre Beseitigung für vorläufig gefährlich, weil
      übereilt, weil zu <term key="Gesetzlichkeit">gesetzlichen</term> Missverständnissen Anlass
      gebend ansieht; man soll dann aber auch mit <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> in Aussicht stellen, dass die <term ref="kbga-keywords-67">Predigt</term> des Wortes <term ref="kbga-keywords-50">Gottes</term>
      und der zunehmende <term key="Glaube">Glaube</term> sie von selbst <hi rend="italic">überflüssig</hi> machen und also <hi rend="italic">beseitigen</hi> werden; man soll dann
      also auch eingestehen, dass diese Predigt und dass der Glaube eigentlich und grundsätzlich <hi rend="italic">ohne</hi>, ja sogar <hi rend="italic">gegen</hi> diese Bilder sind. Ebenso
      verkehrt wäre es natürlich, <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> wegen dieser
      seiner Stellungnahme etwa prinzipiell angreifen zu wollen. Man darf ruhig feststellen, dass er
      alles das, was <persName ref="kbga-actors-77">Calvin</persName> gegen die Bilder gesagt hat,
      auch gewusst und grundsätzlich bejaht hat. Sondern es kann die an ihn bzw. an eine seine
      Stellungnahme erneuernde Lehre zu richtende Frage nur die sein: Mit welchem Recht wird das
      Problem der rechten Art der Verwerfung der <term key="Bilderfrage">Bilder</term> hier <hi rend="italic">so in den Vordergrund</hi> geschoben, dass ihre Verwerfung als solche praktisch
       <hi rend="italic">verdunkelt</hi>, ja schließlich geradezu ihrerseits <hi rend="italic">verworfen</hi> wird? Kann und darf die Furcht vor der <term ref="kbga-keywords-821">Werkgerechtigkeit</term>, kann und darf die Sorge darum, dass das grundsätzlich Richtige
      doch nur ja allein auf Grund des Wortes <term ref="kbga-keywords-50">Gottes</term> im <term key="Glaube">Glauben</term> gewagt und getan werde, so weit getrieben <pb ed="A" n="924"/> werden, dass es zu
      dem Ratschlag kommen darf, vorläufig überhaupt nichts oder vielmehr vorläufig lieber das
      grundsätzlich als <hi rend="italic">unrichtig</hi> Erkannte <hi rend="italic">fernerhin</hi>
      zu sagen und zu tun? |</p>
     <p>Man kann es nun umgekehrt der Pädagogik und Seelsorge <persName ref="kbga-actors-77">Calvins</persName> zum Vorwurf machen, dass er der Frage nach der rechten Art und Weise der
      Verneinung der Bilder in jenem Institutio-Kapitel keine Zeile gewidmet hat, dass ihm jene
      Furcht und Sorge <persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName> in diesem Zusammenhang so gänzlich fremd gewesen zu sein scheint. Was
       <persName ref="kbga-actors-77">Calvin</persName> beschäftigt, das ist in der Tat ganz allein
      die <term ref="kbga-keywords-474"><hi rend="italic">Wahrheits</hi>frage</term>. Man bemerke
      aber, dass er in ihrer Beantwortung nun doch nichts Anderes sagt als das, was die
      zurückgestellte Voraussetzung auch der Lehre <hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName></hi> ist: dass die <term ref="kbga-keywords-67">Predigt</term> des <term ref="kbga-keywords-59">Evangeliums</term> und der auf sie gegründete <term key="Glaube">Glaube</term> sich grundsätzlich und letztlich mit der Erstellung von <term key="Bilderfrage">Gottesbildern</term>
      <hi rend="italic">nicht</hi> verträgt. Und man bemerke: der Nerv dieser Verneinung besteht
      auch bei <persName ref="kbga-actors-77">Calvin</persName> in der Ablehnung der in allem Bildermachen und Bilderdienst wirksamen
      menschlichen <hi rend="italic">Eigenmächtigkeit</hi> gegenüber dem Willen Gottes, wie er in
      seinem Wort offenbart ist und den rechten Gottesdienst von sich aus bestimmen will. Auch sie
      richtet sich also entscheidend gerade gegen die <term ref="kbga-keywords-821"><hi rend="italic">Werkgerechtigkeit</hi></term> alles Bildermachens und Bilderdienstes. Nur dass
      <persName ref="kbga-actors-77">Calvin</persName> eben diese ihm mit <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> gemeinsame
      Voraussetzung in den <hi rend="italic">Vorder<pb xml:id="p604" ed="pga" break="no"/>grund</hi>
      gestellt, das grundsätzlich und eigentlich als wahr Erkannte theoretisch und praktisch
      rücksichtslos <hi rend="italic">geltend</hi> gemacht hat. Das hat zur Folge, dass die nun
      einmal nicht wegzuleugnende Tatsache, dass die (wenn nicht fünf, so doch drei) ersten
      Jahrhunderte die Bilder und den Bilderdienst nicht oder kaum gekannt haben, bei <persName ref="kbga-actors-77">Calvin</persName> zur
      gebührenden kritischen Geltung kommt. Und dass die Künstlichkeit der <term ref="kbga-keywords-672">altkirchlichen</term> und mittelalterlichen Konstruktionen zu ihrer
      Verteidigung bei ihm aufgedeckt, die Reformation der <term key="Kirche, Reformation">Kirche</term> also nicht aufgeschoben, sondern energisch in <hi rend="italic">Angriff</hi>
      genommen wird.</p>
     <p>Wer sich zwischen <pb ed="A" n="925"/> diesen beiden Stellungnahmen <hi rend="italic">entscheiden</hi> will, der wird sich zunächst fragen müssen, ob es angeht, die
      Wahrheitsfrage in der Weise zugunsten pädagogisch-seelsorgerlicher Erwägungen in den
      Hintergrund zu stellen, wie es bei <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> nun
      immerhin geschehen ist? Nicht zu reden davon, wenn es heute etwa um die Alternative zwischen
      der <term ref="kbga-keywords-474">Wahrheitsfrage</term> und den Fragen des <term key="Heimatschutz">Heimat</term>- und <term key="Denkmalschutz">Denkmalschutzes</term> gehen
       sollte!<note xml:id="n58">Die Erwähnung des Heimat- und Denkmalschutzes in diesem von
        <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> am Typoskript-Rand ergänzten Satz deutet
       darauf hin, dass er erst im Zuge der Neubearbeitung ab 1951/52 formuliert wurde, vermutlich
       sogar erst nach den Pratteler Ereignissen 1953 (vgl. oben, <ref type="pub" target="../volume/50/p591#p591">S. 591f.</ref>): Zwar hatte sich auch in
       die Diskussion um die Münsterscheiben der Heimatschutz eingeschaltet, aber das doch nur als
       einer unter vielen (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-5101"><persName ref="kbga-actors-7233">Meyer</persName> [<ref type="pub" target="#fn_n04">Anm. 4</ref>], S. 206</bibl>);
       in der Pratteler Diskussion um die Frage des rechten Umgangs mit den endeckten Fresken aber
       war mit den Belangen des Heimat- und Denkmalschutzes intensiv gegen die theologischen
       Bedenken argumentiert worden, so dass man hier viel eher zu der Einschätzung kommen kann,
       diese Belange hätten der «Wahrheitsfrage» gegenübergestanden (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-5103">Gruber [Anm. 12], S. 219.230f</bibl>.; <bibl corresp="kbga-bibls-5319"><persName ref="kbga-actors-7454">R. Stickelberger</persName>, <hi rend="italic">Der Bildersturm von
        Pratteln</hi>, in: reformatio 2 [1953], S. 185–187</bibl>).</note> Oder ob es in dieser wie in
      anderen Angelegenheiten nicht geboten ist, alles Weitere vorbehalten, zunächst einmal in der
       <hi rend="italic">Wahrheitsfrage</hi> reinen Tisch zu schaffen? Tut man das und muss man sie
      in dieser Sache so beantworten, wie <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> und <persName ref="kbga-actors-77">Calvin</persName> es schließlich doch gemeinsam getan haben, dann ist freilich auch nicht
      recht einzusehen, wie man dieser ihrer Beantwortung ihr Gewicht wieder nehmen kann, indem man
      ihre theoretisch-praktische Auswirkung aus Furcht vor drohender <term key="Gesetzlichkeit">Gesetzlichkeit</term> und Werkgerechtigkeit vorläufig doch wieder aufhält, wie man in
      Theorie und Praxis vorläufig dann doch so entscheiden kann, als ob die Beantwortung der <term ref="kbga-keywords-474">Wahrheitsfrage</term> ganz anders gelautet hätte. Woher meinte <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName>
      schließlich darum zu wissen, dass es mit der <term ref="kbga-keywords-67">Predigt</term> des
       <term ref="kbga-keywords-59">Evangeliums</term> und mit dem <term key="Glaube">Glauben</term>
      in der Kirche so und so weit sei oder noch nicht sei, dass die Folgerungen aus seiner eigenen
      Beantwortung der grundsätzlichen Frage gezogen werden könnten? Mit welchem Recht glaubte er
      über die Auswirkung dieser Beantwortung verfügen zu können? Darf die Furcht vor drohender
       <term ref="kbga-keywords-821">Werkgerechtigkeit</term> jemals als zureichender Grund dafür
      geltend gemacht werden, sich dem Gehorsam gegen eine als solche erkannte Wahrheit auch nur
      vorläufig zu entziehen? Mochte denn auf die rechte Art und Weise der <pb xml:id="p605" ed="pga"/> Verneinung des Bildermachens und Bilderdienstes alles Gewicht gelegt <term key="Bilderfrage">werden</term> – und mag gegen <persName ref="kbga-actors-77">Calvin</persName> zu sagen sein, dass er das hier
      entstehende Problem nicht genug beachtet und vielleicht einer <term key="Gesetzlichkeit">Gesetzlichkeit</term> wie der, die <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> bei
      <persName ref="kbga-actors-1081">Karlstadt</persName> wahrzunehmen meinte, Vorschub geleistet hat –, so durfte doch die hier nötige
      Verneinung selbst und als solche auf keinen Fall unterlassen bzw. aufgehalten werden, wenn man
      nicht Gefahr laufen wollte, dem als solchen schon erkannten Irrtum und Missbrauch indirekt
      neue Nahrung zu geben. Konnte und musste er in <hi rend="italic">Weisheit</hi> verneint werden
      – sei es denn in größerer Weisheit als die, <pb ed="A" n="926"/> die aus <persName ref="kbga-actors-77">Calvins</persName> wohl allzu
      geradlinigen Ausführungen zu dieser Sache ersichtlich ist –, so musste er doch vor allem
      bestimmt verneint werden, und dass dies bei <persName ref="kbga-actors-77">Calvin</persName>
      offen und folgerichtig geschehen ist, das wird man bei allen Vorbehalten, die man anmelden
      kann, seiner Stellungnahme zugute halten müssen.</p>
     <p><anchor type="note" xml:id="fn-59"/>Theologisch gesehen ist seine Stellungnahme die lehrreichere und
      fruchtbarere. In schlichter Explikation und Applikation des <term ref="kbga-keywords-110">biblischen</term> Zeugnisses wäre die Kirche ja niemals auf den Gedanken gekommen, dass ihr
      das Abbilden der göttlichen Wirklichkeit geboten oder auch nur erlaubt sei.<note n="59" target="fn-59" type="textcritical" xml:id="n59"> Tskr. ursprünglich, von <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> dann korrigiert: «Wir betrachten die ganze Sache hier unter dem
       Gesichtspunkt der Gotteslehre. Unter diesem Gesichtspunkt kann gar kein Zweifel darüber
       bestehen, dass die Stellungnahme <persName ref="kbga-actors-77">Calvin</persName>s – sachlich
       identisch mit <persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName>, aber eben sachlicher orientiert als diese – die lehrreichere und
       fruchtbarere ist.» – Dass durch die Änderung der Bezug zur Gotteslehre und damit zum
       ursprünglichen Kontext der Vorlesung verloren geht, könnte ein Indiz dafür sein, dass auch
       diese Ergänzung erst bei der aktualisierenden Neubearbeitung vorgenommen wurde und nicht
       bereits in der Phase der Überarbeitung zum Druck.</note> Die älteste <term key="Kirche, älteste">Kirche</term> enthielt sich dieses Unternehmens. Seine <term ref="kbga-keywords-672">altkirchliche</term> und mittelalterliche Verteidigung war notorisch
      eine nachträgliche, dem in die Kirche wieder eindringenden <term ref="kbga-keywords-109">Heidentum</term> folgende Sophistik, die mit ihrer Unterscheidung zwischen <foreign xml:lang="el-GR">δουλεία</foreign> und <foreign xml:lang="el-GR">λατρεία</foreign> die Spur
      des bösen Gewissens zu deutlich an sich trägt, als dass man sie theologisch ernst nehmen
      könnte. Wiederum kann man aber auf dem Standpunkt des Kompromisses, wie ihn die Karolinischen
       <term key="Karolinische Bücher">Bücher</term> und nachher in anderer Weise <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> eingenommen haben, jedenfalls dann nicht verharren
      wollen, wenn man der <term ref="kbga-keywords-474">Wahrheitsfrage</term> einmal ernstlich
      ansichtig geworden ist. Gottes <term key="Gott, Einfachheit">Einfachheit</term> bedeutet
      freilich nicht dies, dass Gott gestaltlos und bildlos wäre. Schließt sie doch den ganzen
      Reichtum seines Seins und Lebens in sich. Schließt sie doch vor allem dies in sich, dass er
      als der Vater im Sohne, mit diesem eins durch den Heiligen <term ref="kbga-keywords-70">Geist</term>, wie es jenes <persName ref="kbga-actors-2791">Basilius</persName>-Wort in
      seinem ursprünglichen Zusammenhange sagte, sein ewiges Ebenbild <hi rend="italic">hat</hi> und
      dass er sich in eben diesem Ebenbild und in dessen von ihm selbst angeordneter Bezeugung in
       <term ref="kbga-keywords-67">Predigt</term>, <term ref="kbga-keywords-68">Taufe</term> und
       <term ref="kbga-keywords-69">Abendmahl</term> dem Menschen <term ref="kbga-keywords-8">offenbart</term>
      <pb ed="A" n="927"/> hat. Aber eben damit, dass der lebendige Jesus Christus, in und von
      seiner lebendigen <term ref="kbga-keywords-249">Gemeinde</term> bezeugt, das von Gott selbst
      aufgerichtete <pb xml:id="p606" ed="pga"/>
      <term key="Jesus Christus, von Gott aufgerichtetes Gottesbild">Gottesbild</term> ist, ist uns
      geboten: «dass wir Gott in keiner Weise <term key="Bilderverbot">abbilden</term> noch irgend
      anders verehren sollen, als er in seinem Worte befohlen hat» (<bibl corresp="kbga-bibls-439">Heid.Kat. Fr. 96</bibl>)<note xml:id="n60">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-17">BSRK, S. 710</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-440">RBKS 2/2,
      S. 201</bibl>.</note>, «denn wir sollen nicht weiser sein als Gott, welcher seine <term ref="kbga-keywords-807">Christenheit</term> nicht durch stumme Götzen, sondern durch die
      lebendige <term ref="kbga-keywords-67">Predigt</term> seines <term ref="kbga-keywords-50">Wortes</term> unterwiesen haben will» (ib. Fr. 98)<note xml:id="n61">Vgl.<bibl corresp="kbga-bibls-17"> ebd</bibl>.</note>.<note xml:id="n62">Den auf dem überwiegenden Rest der Seite stehenden Text hat <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> gestrichen, um
       ihn auf der ersten der beiden hinzugefügten Seiten zunächst beinahe wörtlich zu wiederholen,
       ab etwa dem Ende des ersten Drittels dieser Seite dann aber auf den aktuell gewordenen Skopus
       hin abzuändern. <p>Da der nachfolgende, später hinzugefügte Text nichts mehr mit dem
        ursprünglichen Zusammenhang zu tun hat und dementsprechend nicht mit dem für Petit zu
        setzenden Text verwendeten roten Farbband getippt worden ist, wird er auch hier im
        Normaldruck präsentiert.</p></note> |927/1| </p>
       </div>
      </div>
        <div>
        <p>Nicht an der von <persName ref="kbga-actors-77">Calvin</persName> etwas rationalistisch betonten Unkörperlichkeit, Unsichtbarkeit und
      Geistigkeit Gottes als solcher scheitert das Unternehmen der <term key="Gott, Nicht-Abbildbarkeit">Abbildung</term> seiner Wirklichkeit. Dagegen könnte ja immer
      noch erinnert werden, dass er doch, indem sein Wort <term key="Inkarnation">Fleisch</term>
      wurde, auch Körperlichkeit, Sichtbarkeit, Leiblichkeit und also Abbildbarkeit angenommen habe.
      Es scheitert aber an der gerade damit, gerade in <hi rend="italic">Jesus Christus</hi>
      geschehenen Inkraftsetzung des <term ref="kbga-keywords-568">alttestamentlichen</term> und so
      auch des zweiten <term key="Gebote, zweites Gebot">Gebotes</term>: Du sollst dir kein Bildnis
      noch irgend ein Gleichnis machen! [<ref type="can" subtype="bible" target="Ex.20.4">Ex.
       20,4</ref>]. Gerade von da aus ist zu sagen, dass Gott nur durch sich selbst abbildbar ist
      und dass er sich selbst in der einmaligen Geschichte, in der sein Wort Fleisch <term key="Inkarnation">wurde</term>, so abgebildet hat, dass alle weiteren Versuche, ihn
      abzubilden, ob sie nun von <term ref="kbga-keywords-977">Engeln</term> oder Menschen
      unternommen werden könnten, <hi rend="italic">erledigt</hi> sind. Gottes <term key="Gott, Selbstabbildung in Jesus Christus">Selbstabbildung</term> bedarf keiner
      Repräsentation, keiner Reproduktion, keiner Transfiguration.<note xml:id="n63">Mit diesem Satz
       beginnt der Text auf der ersten der hinzugefügten Seiten sich vom zuvor gestrichenen Text des
       ursprünglichen Typoskripts (S. 927) deutlich zu entfernen, und er enthält auch sogleich eine
       aktuelle Anspielung auf <persName ref="kbga-actors-1807">Hendrik van Oyens</persName> in Basel gehaltenen Vortrag (s. oben, <ref type="pub" target="../volume/50/p591#p591">S. 591</ref>); vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-5"><persName ref="kbga-actors-1807">van Oyen</persName> (<ref type="pub" target="#fn_n10">Anm. 10</ref>), S. 425</bibl>: «Die Kunst ahmt also nicht
       aufs neue ein Stück der Wirklichkeit nach, sondern transfiguriert die Wirklichkeit nach dem
       Erleben des Künstlers.» Das Motiv der «Transfiguration» nimmt auch in den weiteren
       Ausführungen van Oyens eine zentrale Stellung ein (vgl. a.a.O., <bibl corresp="kbga-bibls-5102">S. 425–429.434.436–439
       u. ö.</bibl>). Dis Aspekte «Repräsentation» und «Reproduktion» werden von van Oyen, a.a.O.,
       <bibl corresp="kbga-bibls-5102">S. 437f.</bibl>, thematisiert.</note> Sie ist präsent, indem sie sich <pb xml:id="p607" ed="pga"/>
      selber präsentiert. Sie ist im Heiligen <term ref="kbga-keywords-179">Geist</term> in ihrer
      ganzen Einmaligkeit gestrige wie heutige Geschichte. Sie erträgt es aber auch nicht, jenen
      elenden – auf sie angewendet wirklich elenden! – Prozeduren unterworfen zu werden. Sie
      verbittet sich alles Repräsentieren, Reproduzieren, Transfigurieren. Sie wehrt sich dagegen.
      Sie kann da, wo man sie diesen Prozeduren dennoch unterwirft, gerade nur verleugnet, verraten,
      zuschanden gemacht werden. Die <term key="Bilderstürmer">«Bilderstürmer»</term> des 16.
      Jahrhunderts – was auch gegen ihre subjektiven Motive und gegen die Art ihres Vorgehens zu
      sagen sein mag – waren <hi rend="italic">objektiv</hi>, sie waren <hi rend="italic">theologisch</hi> gesehen im <hi rend="italic">Recht</hi>. Und ich zögere nicht, das – mit
      demselben selbstverständlichen Vorbehalt – auch von den Bilderabkratzern von <term key="Pratteln BL">Pratteln</term> zu sagen.<note xml:id="n64">Dieser und der vorige Satz sind
       am Rand des Typoskripts mit Kugelschreiber nachgetragen und spielen direkt auf die Pratteler
       Ereignisse (s. oben, S. 591f.) an.</note> Was ist die Geschichte des <term key="Christusbild">Christusbildes</term> Anderes als eine einzige Schreckensgalerie?<note xml:id="n65">Vgl.
       schon <bibl corresp="kbga-bibls-2">KD II/1, S. 751</bibl>: «Und das ist die <hi rend="italic">crux</hi> jedes Versuches, dieses Angesicht darzustellen, das Geheimnis der peinlichen
       Geschichte des <hi rend="italic">Christusbildes</hi>. Sie konnte und kann nur eine peinliche
       Geschichte sein. Gerade den leidenden Gott und den triumphierenden Menschen – sie gerade in
       ihrer Einheit! – gerade die Schönheit Gottes, die die Schönheit Jesu Christi ist, sollte
       keine menschliche Kunst wiedergeben wollen. Und daß sie doch dieses unselige Unternehmen – um
       der Schönheit Gottes willen – endlich <hi rend="italic">aufgeben</hi> möchten, das ist der
       einzige, aber dringliche Wunsch, den wir an dieser Stelle an alle noch so wohlmeinenden,
       begabten und genialen christlichen Künstler zu richten haben. <hi rend="italic">Dieses</hi>
       Bild, das eine echte Bild – echt in seinem Gegenstand und echt in dessen Wiedergabe – kann
       selbst nicht wieder abgebildet werden, gerade weil es für sich selber – auch in seiner
       Schönheit für sich selber spricht!»</note> Und gilt dasselbe nicht auch von der Geschichte
      des <persName ref="kbga-actors-2224">Marien</persName>-, des <term ref="kbga-keywords-273">Apostelbildes</term>?<note xml:id="n66">Dieser Satz ist nachträglich mit Kugelschreiber in
       den Text eingefügt und verweist deutlich auf den «Pratteler Bildersturm», denn die dort
       zerstörten Fresken zeigten neben <persName ref="kbga-actors-2206">Johannes dem
        Täufer</persName>
       <persName ref="kbga-actors-2224">Maria</persName>, deren Bildnis besonders gut erhalten
       schien, und die zwölf <term ref="kbga-keywords-273">Apostel</term>; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-5103">Gruber (<ref type="pub" target="#fn_n12">Anm. 12</ref>),
       S. 222–230</bibl>.</note> «Bild ist geronnene Wirklichkeit.»<note xml:id="n67">So <bibl corresp="kbga-bibls-5102">van Oyen
       (Anm. 10), S.  437</bibl>. <persName ref="kbga-actors-1807">Van Oyen</persName> formulierte dies im
       Anschluss an <bibl corresp="kbga-bibls-5315"><persName ref="kbga-actors-1113">G. van der Leeuw</persName>, <hi rend="italic">Wegen en grenzen. De verhouding van religie en kunst</hi>, Amsterdam 1955<hi rend="sup">3</hi>, S. 363</bibl>: «<foreign xml:lang="nld">In het Beeld is de Beweging Gods tot dynamische stilstand gekomen. Het
       Beeld is niet bewegingsloos, maar het is gestremde [= geronnene] beweging</foreign>.» Zur deutschen
       Übersetzung von «stremmen» in: <bibl corresp="kbga-bibls-5316"><persName ref="kbga-actors-1113">G. van der Leeuw</persName>,
        <hi rend="italic">Vom Heiligen in der Kunst</hi>, Gütersloh 1957</bibl>, vgl. Begleitheft, S. 6
        (Anhang, <ref type="pub" target="../volume/50/p685#p685">S. 685f</ref>.).</note> Das ist es ja! Das Christusbild <anchor type="note" xml:id="fn-68"/>und im <pb xml:id="p608" ed="pga"/> Zusammenhang mit ihm das Marien-, das Apostelbild<note n="68" target="fn-68" type="textcritical" xml:id="n68"> Nachträglich mit Kugelschreiber eingefügt; vgl. oben,
         <ref type="pub" target="#fn_n66">Anm. 66</ref>.</note> ist der Versuch, irgend einen Moment jener einmaligen Geschichte aus deren
      Bewegung herauszunehmen, für sich sehen und festhalten, in Zeichnung, Farbe und Gestalt als
      diesen Moment umreißen zu wollen. Möglich jeder anderen, von Grund aus unmöglich der
      Wirklichkeit Gottes gegenüber, die in dieser einmaligen Geschichte besteht, die Jesus <term key="Jesus Christus, einmalige Geschichte der Wirklichkeit Gottes">Christus</term> heißt. Das
      ist es, was auch das schlechteste Wort über ihn auch vor den besten seiner versuchten Bilder
      voraushat: dass es wenigstens nicht zum Gerinnsel werden, sondern nur eben erklingen und
      wieder verklingen kann, um von anderen sich ablösen zu lassen. Mit dem lebendigen Jesus
      Christus hat das |927/2| Gerinnsel seiner <anchor type="note" xml:id="fn-69"/>und seiner <persName ref="kbga-actors-2224">Mutter</persName>, seiner <term ref="kbga-keywords-273">Apostel</term><note n="69" target="fn-69" type="textcritical" xml:id="n69"> Nachträglich mit Kugelschreiber
       eingefügt; vgl. oben, <ref type="pub" target="#fn_n66">Anm. 66</ref>.</note> Abbildung nichts zu tun. Er kann in ihm gerade nur
      verkannt werden. Er will nicht abgebildet, er will – und das ist etwas ganz Anderes – <hi rend="italic">bezeugt</hi>
      <term key="Jesus Christus, will nicht abgebildet sondern bezeugt sein">sein</term>. Er will
      nicht begafft, sondern er will als das Wort, als das er sich in jener einmaligen Geschichte
      ausgesprochen hat und noch <term key="Jesus Christus, einmalige Geschichte der Wirklichkeit Gottes">ausspricht</term> – <hi rend="italic">gehört</hi> und <hi rend="italic">geglaubt</hi> sein. <anchor type="note" xml:id="fn-70"/>Der
      isolierte, der abstrahierte, der für sich gesehene und dargestellte Moment der geschichtlichen
      Wirklichkeit Gottes ist der Abgott, der Götze. Es ist, gelehrt dogmatisch ausgedrückt, die
      «Anhypostasie» der menschlichen Natur <term ref="kbga-keywords-233">Christi</term> und also
      auch seiner Leiblichkeit, die deren abstrakte Betrachtung und Darstellung unmöglich macht,
      verbietet.<note n="70" target="fn-70" type="textcritical" xml:id="n70"> Nachträglich mit Kugelschreiber
       eingefügt.</note> Dass es in Gottes <term ref="kbga-keywords-101">Freiheit</term> steht, auch
       <term ref="kbga-keywords-174">Böses</term> zum Guten zu wenden, dass er sich also je und dann
      auch des üblen Gerinnsels des <term key="Christusbild">Christusbildes</term> bedienen, es
      seiner üblen Art zuwider zur <term ref="kbga-keywords-252">Verkündigung</term> seines <term ref="kbga-keywords-50">Wortes</term> machen kann, das ist eine Sache für sich. Er hat ja auch
      jenen Hohepriester einmal die Wahrheit verkündigen lassen [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Joh.11.49 Joh.11.51">Joh. 11,49–51</ref>]. Aber etwas Anderes ist
      Gottes <term ref="kbga-keywords-101">Freiheit</term>, etwas Anderes die unsrige: etwas Anderes
      das wunderbar <note xml:id="n71">Nachträglich mit Kugelschreiber eingefügt.</note> heilende
      Walten seiner Vorsehung, etwas Anderes sein <term key="Gebote">Gebot</term>, dem wir
      verantwortlich sind. Wer sein <term ref="kbga-keywords-50">Wort</term> hört, dem muss und wird
      der Gedanke, ihn in einem anderen Bilde als eben in seiner Selbstabbildung sehen, erkennen,
      direkt oder indirekt <term key="Bilderverehrung">verehren</term> zu wollen, und vollends der
      Gedanke, sich und Anderen solche Bilder zu machen, ein <pb xml:id="p609" ed="pga"/> Gedanke
      sein, für den er keine Verwendung hat. Er stammt aus der Zerstreutheit und kann nur zu neuer
      Zerstreutheit führen. Die Stellungnahme zu den bereits gemachten Bildern aber wird schlicht in
      der Bitte bestehen dürfen und müssen: Führe uns nicht in <term ref="kbga-keywords-176">Versuchung</term>! [<ref type="can" subtype="bible" target="Mt.6.13">Mt. 6,13</ref>].</p>
      <p> Was ist nun eigentlich <anchor type="note" xml:id="fn-72"/>seit der <term ref="kbga-keywords-61">Reformation</term> – vielleicht speziell in unseren erleuchteten Zeiten –<note n="72" target="fn-72" type="textcritical" xml:id="n72"> Nachträglich mit Kugelschreiber eingefügt.</note> Ernsthaftes
      passiert – welches sind nun eigentlich die neuen kirchengeschichtlichen oder gar
      heilsgeschichtlichen Ereignisse, Offenbarungen, Erschließungen, Entdeckungen, die es mit sich
      gebracht haben, dass wir heute mitten in der nach Gottes Wort reformierten <term key="Kirche, nach Gottes Wort reformierte">Kirche</term> wieder vor einer mit ernsten
      Gesichtern zu diskutierenden <term key="Bilderfrage">«Bilderfrage»</term> stehen? Gehört sie
      nicht zu den theologischen Problemen, die wir in großer Heiterkeit als ein für allemal <hi rend="italic">erledigt</hi> betrachten dürften?</p>
    </div>
   </div>
  </body>
 </text>
</TEI>
