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      <titleStmt>
        <title type="volume" n="vol-50">Unveröffentlichte Texte zur Kirchlichen Dogmatik</title>
        <title type="content">§ 29 Gottes Vollkommenheiten</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: § 29 Gottes Vollkommenheiten, kein Datum</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/50010 (Stand: 25. August 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Unveröffentlichte Texte zur Kirchlichen Dogmatik, hrsg. v. Stoevesandt, Hinrich / Trowitzsch, Michael (Gesamtausgabe, Abt. II), Zürich 2014, S. 574.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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      <publicationStmt>
        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Unveröffentlichte Texte zur Kirchlichen Dogmatik</title>
          <title type="text">§ 29 Gottes Vollkommenheiten</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Stoevesandt, Hinrich</editor>
          <editor>Trowitzsch, Michael</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2014</date>
          <biblScope unit="page">574</biblScope>
          <!--position within a volume-->
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        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Barth, Karl, [II/1] §29 Gottes Vollkommenheit, kein Datum. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/1139">KBA 25003</ref>. </bibl>
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        <date type="creation">kein Datum</date>
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    <head>II. Die kleineren Fragmente<lb/> § 29 Gottes Vollkommenheiten</head>
    <div type="abstract">
     
     <p>Dieses mitten im Satz abbrechende Fragment<note xml:id="n01"><idno type="kba-objects-identifier">KBA 25003</idno> (CD-ROM, Text Nr. 3).</note> enthält
      den im Sommersemester 1938 vorgetragenen ursprünglichen Anfang des Paragraphen. Auf dem
      dritten und letzten der erhaltenen Blätter hat <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> notiert: «Abgelegt aus Dogm. II 1».<note xml:id="n02">Tskr., S. 634 (Rückseite).</note> Für die Drucklegung wurde die hier vorgelegte
      Problementfaltung erheblich erweitert und mit einem neuen, anders akzentuierten Leitsatz
       versehen.<note xml:id="n03"><bibl corresp="kbga-bibls-2">KD II/1, S. 362ff.</bibl></note></p>
    </div>
    <div>
     <head>§ 29 Gottes Vollkommenheiten</head>
     
     <p><hi rend="italic">Der eine Gott ist, der er ist, in der Fülle der
       Vollkommenheiten seiner <term ref="kbga-keywords-37">Liebe</term></hi>
      <hi rend="italic">und seiner Freiheit. Er ist es als Gott in der Weise, dass jede seiner <term key="Gott, Vollkommenheiten">Vollkommenheiten</term></hi>
      <hi rend="italic">wirklich je gerade diese, zugleich aber sowohl mit jeder anderen, als auch mit
       der Fülle aller anderen, als auch mit Gott selbst identisch ist.</hi></p>
     
     
     <p rend="margin-top">Wir haben uns in diesem Paragraphen und den folgenden mit dem großen
      Fragenkomplex zu beschäftigen, den die alte <term ref="kbga-keywords-7">Dogmatik</term> unter
      dem Titel der Lehre von den Eigenschaften: «<foreign xml:lang="lat">appellationes</foreign>», «<foreign xml:lang="lat">virtutes</foreign>», «<foreign xml:lang="lat">attributa</foreign>»,
      «<foreign xml:lang="lat">proprietates</foreign>», «<foreign xml:lang="lat">perfectiones</foreign>»<note xml:id="n04">Zu der hier (wie auch <bibl corresp="kbga-bibls-2">KD II/1, S. 362</bibl>)
       verwendeten, aus der altprotestantisch-reformierten Theologie übernommenen Begrifflichkeit
       vgl. vor allem: <bibl corresp="kbga-bibls-263"><hi rend="italic">Die Dogmatik der evangelisch-reformierten Kirche</hi>,
       dargestellt und aus den Quellen belegt von <persName ref="kbga-actors-1038">H. Heppe</persName>, neu durchgesehen und hrsg. von E. Bizer, Neukirchen 1935 (1958<hi rend="sup">2</hi>), S. 45–86 (Locus V: De proprietatibus Dei)</bibl>.</note>
      <term key="Gott, Eigenschaften">Gottes</term> behandelt hat. Wir wählen aus diesem Angebot von
      Begriffen – indem wir uns vorbehalten, auch die anderen gelegentlich zu verwenden – den
      letzten: Gottes <term key="Gott, Vollkommenheiten"><hi rend="italic">Vollkommenheiten</hi></term>.
      Einmal darum, weil damit statt bloß <pb xml:id="p572" ed="pga"/> formal sofort sachlich
      geredet ist, sodann darum, weil damit sehr gut die Einsicht zum Ausdruck gebracht wird, auf
      die es hier von Anfang an ankommt: wir können in dem nun zu betretenden Komplex von Fragen und
      Antworten auf alle Fälle nur fortfahren, uns daran zu halten, <hi rend="italic">wer</hi> Gott ist
      bzw. dass er dieser ist, kein Anderer als der, der er in seiner <term ref="kbga-keywords-8">Offenbarung</term> und in <term ref="kbga-keywords-1247">Ewigkeit</term> ist. Eben als
      dieser ist er <hi rend="italic">vollkommen</hi>. Dass er der Liebende in der <term key="Gott, Liebender in der Freiheit">Freiheit</term> ist, dies ist seine Vollkommenheit. Und
      als <hi rend="italic">seine</hi> Vollkommenheit zugleich der Inbegriff <hi rend="italic">aller</hi>
      Vollkommenheit. Immer ist Gott in seinem Gegenüber zu allem Anderen der Vollkommene, durch
      dessen Existenz der Mangel dieses Anderen aufgedeckt, aber auch gestillt, durch den alles
      Andere als in seinem Wesen mangelhaft offenbart wird, während er selbst nicht nur keinen
      Mangel leidet, nicht nur in diesem Verhältnis vollkommen ist, sondern darum in diesem
      Verhältnis, weil er es zuvor in sich selber ist. Die Lehre von Gottes Vollkommenheiten kann
      also nichts Anderes, nichts Neues sagen über das hinaus, dass Gott <pb ed="A" n="633"/> der
      Liebende in der Freiheit ist. Sie kann nur fortfahren in der Erkenntnis, dass er eben dieser
      und als solcher der Vollkommene und der Inbegriff aller Vollkommenheit ist. Wir müssen – darin
      besteht die Berechtigung und Notwendigkeit dieses Teils der <term key="Gotteslehre">Gotteslehre</term> – in dieser Erkenntnis tatsächlich fortfahren. Wir müssen, um recht von
      Gottes <hi rend="italic">Vollkommenheit</hi> zu reden, von seinen <term key="Gott, Vollkommenheiten"><hi rend="italic">Vollkommenheiten</hi></term> reden. Wir müssen
      einen Weg antreten und gehen, um auf diesem Wege als solchem der Wirklichkeit Gottes die Ehre
      zu geben, die ihr zukommt. Und das nicht nur, wie man hier von den ältesten Zeiten her oft
      gesagt hat, darum, weil wir unvermögend sind, das Eine Gottes in seiner <term key="Gott, Einheit">Einheit</term> zu erfassen, weil wir es, der Beschränktheit unserer
      Erkenntnis entsprechend, nur in der Verschiedenheit und Folge der gebrochenen Strahlen des
      einen Lichtes uns zu eigen machen können.<note xml:id="n05">Das Bild von den «Strahlen des
       einen Lichtes» ist schon bei Tertullian belegt (<bibl corresp="kbga-bibls-4914"><persName ref="kbga-actors-798">Tertullianus</persName>, <hi rend="italic">Adversus Praxean</hi> 8,5 (CChr.SL 2,
       S. 1167f.</bibl>).</note> Dass Gottes Wesen uns <term key="Gott, Verborgenheit seines Wesens"><hi rend="italic">verborgen</hi></term> ist, das ist die eine Bedingung, unter der unsere Erkenntnis
       <term key="Mensch, Gotteserkenntnis">Gottes</term> immer steht. Die andere aber besteht
      darin, dass er uns sein Wesen in seiner ganzen Verborgenheit <term ref="kbga-keywords-8"><hi rend="italic">offenbart</hi></term> hat. Dass wir seine Vollkommenheit auf jenem Wege, in seinen
      Vollkommenheiten, zu erkennen haben, das ist also wohl eine Not, sofern es uns an die <pb xml:id="p573" ed="pga"/> Schranken unserer Erkenntnis und überhaupt an die Schranken des
      Menschen Gott gegenüber erinnert. Es ist aber nicht nur eine Not, und mit dem Bild von den
      gebrochenen Strahlen des einen Lichtes ist hier gerade nicht alles erklärt. Sondern <hi rend="italic">dadurch</hi> ist uns das Problem objektiv gestellt: dass Gott <hi rend="italic">in sich
       selber</hi> und ganz abgesehen von den Schranken unseres Erkenntnisvermögens vollkommen ist
      in einer Fülle von Vollkommenheiten, dass seine <term key="Gott, Einheit">Einheit</term> und
       <term key="Gott, Einfachheit">Einfachheit</term> (von der wir <pb ed="A" n="634"/> noch
      besonders zu reden haben werden<note xml:id="n06">Siehe <bibl corresp="kbga-bibls-2">KD II/1, S. 498–518</bibl>.</note>) durch
      diese seine <term ref="kbga-keywords-1063">Fülle</term> nicht bedroht wird, weil sie als seine
      Fülle wohl wahrhaftig Fülle, aber darum nicht Trennung und Widerspruch, ja nicht einmal
      Verschiedenheit bedeutet, weil sie also nicht die Einheit und Einfachheit der Leere, der
      Armut, sondern die <term key="Gott, Einheit">Einheit</term> und <term key="Gott, Einfachheit">Einfachheit</term> seines Reichtums ist. Weil dem so ist, darum kann und darf die <term key="Gotteslehre">Gotteslehre</term> nicht dabei stehen bleiben, Eines zu sagen, Gottes Wesen
      als solches zu bezeichnen und zu beschreiben, wie wir es im vorangehenden Paragraphen getan
       haben;<note xml:id="n07"><bibl corresp="kbga-bibls-2">KD II/1, S. 288–361</bibl> (§ 28: Gottes Sein als der Liebende in der
       Freiheit).</note> darum muss sie fortfahren, Vieles sagen, und so zur Lehre von Gottes <term key="Gott, Vollkommenheiten">Vollkommenheiten</term> werden.</p>
     
     <p rend="margin-top">Wir haben uns freilich schon in unserer Erörterung des Wesens Gottes
        bemüht, uns von der an dieser Stelle wie ein Bann auf der Geschichte der <term ref="kbga-keywords-7">Dogmatik</term> liegenden <term key="Neuplatonismus">neuplatonischen</term> Überlieferung zu lösen, nach welcher letztlich ein höchstes, aber
        leeres, nur in Negationen zu bestimmendes Sein das Wesen <term key="Gott, Wesen">Gottes</term> darstellen würde.<note xml:id="n08">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-2">KD II/1, S. 341f</bibl>.</note> Wir haben,
        indem wir uns bei unserer Bestimmung des Wesens Gottes konkret an seine <term ref="kbga-keywords-8">Offenbarung</term> in Jesus Christus und begrifflich an die <term key="Trinitätslehre">Trinitätslehre</term> hielten, an der Stelle jenes leeren Seins von
        dem in seiner Freiheit liebenden <term key="Gott, Liebender in der Freiheit">Gott</term>
        geredet und also diesen als den <term key="Gott, der Vollkommene">Vollkommenen</term>
        bezeichnet. Aber eben dass und inwiefern dieser der Vollkommene ist, das haben auch wir noch
        nicht gesagt.</p>
     
    
     <p rend="margin-top"> Indem uns in Gottes <term ref="kbga-keywords-8">Offenbarung</term> gesagt ist, wer Gott
      ist, ist uns nicht nur gesagt, <hi rend="italic">was</hi>, sondern auch <hi rend="italic">wie</hi> er
      ist: nicht als ein Anderes und Zweites neben dem, was er ist, nicht als eine zu seinem Wesen
      hinzukommende Qualität, wohl aber als die Eigentümlichkeit seines Wesens selbst und als
      solchen. Eben seinem Wesen selbst und als solchem würden wir nicht gerecht werden, wollten wir
      uns damit be<pb xml:id="p574" ed="pga" break="no"/>gnügen, es als das Sein des Liebenden in der <term key="Gott, Liebender in der Freiheit">Freiheit</term> bezeichnet zu haben. Eben als solches
      will es nicht nur bezeichnet, sondern in seiner Eigentümlichkeit, nämlich in seiner
      Vollkommenheit, beschrieben und gewürdigt sein. Seine Vollkommenheit</p>
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