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        <title type="volume" n="vol-50">Unveröffentlichte Texte zur Kirchlichen Dogmatik</title>
        <title type="content">[Die natürliche Theologie unter der Geduld Gottes]</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: [Die natürliche Theologie unter der Geduld Gottes], kein Datum</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/50008 (Stand: 25. August 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Unveröffentlichte Texte zur Kirchlichen Dogmatik, hrsg. v. Stoevesandt, Hinrich / Trowitzsch, Michael (Gesamtausgabe, Abt. II), Zürich 2014, S. 563.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
      </editionStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Unveröffentlichte Texte zur Kirchlichen Dogmatik</title>
          <title type="text">[Die natürliche Theologie unter der Geduld Gottes]</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Stoevesandt, Hinrich</editor>
          <editor>Trowitzsch, Michael</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2014</date>
          <biblScope unit="page">563</biblScope>
          <!--position within a volume-->
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        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Barth, Karl, [II/1] §26 Gottes Geduld und die natürliche Theologie, kein Datum. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/1137">KBA 25001</ref>. </bibl>
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        <date type="creation">kein Datum</date>
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    <head>II. Die kleineren Fragmente<lb/> [Die natürliche Theologie unter der Geduld Gottes]</head>
  <div type="abstract">
     <p>Dieses Fragment aus dem Vorlesungstyposkript<note xml:id="n01"><idno type="kba-objects-identifier">KBA 25001</idno> (CD-ROM, Text-Nr. 1).</note> vom Ende des
      Wintersemesters 1937/38 gehörte zu <bibl corresp="kbga-bibls-2">KD II/1</bibl>, § 26: «Die
      Erkennbarkeit Gottes». Dort war es ursprünglich wohl im zweiten Abschnitt («Die Bereitschaft
      des Menschen»<note xml:id="n02"><bibl corresp="kbga-bibls-2">KD II/1,
       S. 141–200</bibl>.</note>) eingefügt, «wahrscheinlich vor der auf S. 188 in der vorletzten
      Zeile beginnenden Schlussdarlegung»<note xml:id="n03">So die Rekonstruktion von <persName ref="kbga-actors-3664">Hans-Anton Drewes</persName> (<ref type="pub" target="../volume/50/p682#p682">Begleitheft, S. 2 [Anhang, S. 682]</ref>). Diese
       Rekonstruktion wird gestützt u. a. auch durch das Fragment des Barmen-Exkurses (s. unten,
        <ref type="pub" target="../volume/50/p564#p564">S. 564–570</ref>), das eindeutig zuzuordnen
       und auf demselben Papier geschrieben ist wie das hier vorliegende.</note>.</p>
  </div>
  <div>
  <div>
      
     
    <div>
      <head>[Die natürliche Theologie unter der Geduld Gottes]</head>
     <p>das eben im Begriff steht, von dem vorangehenden, überlegenen, entscheidenden «Schon» der
      Ewigkeit angegriffen und aufgezehrt zu werden, das auch gar keinen anderen Sinn mehr hat als
      eben diesen, von dem «Schon» der <term ref="kbga-keywords-1247">Ewigkeit</term> angegriffen
      und aufgezehrt zu werden, auf das wir also <hi rend="italic">keinen</hi> Rechtsanspruch und in
      dessen Besitz wir <hi rend="italic">keine</hi> Sicherheit haben, das wir <hi rend="italic">weder</hi> rechtfertigen <hi rend="italic">noch</hi> verteidigen, <hi rend="italic">noch</hi> jenem «Schon» gegenüber in irgend einem Sinn behaupten können und dürfen, in dem
      uns niederzulassen und zu befestigen wir <hi rend="italic">keine</hi> legitime Möglichkeit
      haben – das wir aber (und das ist die Geduld in der Gnade <term key="Gnade, Gottes G. als Geduld">Gottes</term>!) als solches <hi rend="italic">haben</hi>
      dürfen, das uns – ganz und gar nur um des ewigen «Schon» willen: als Gnadenzeit, d. h. als
      Zeit für die Gnade, als Zeit, in der wir es lernen sollen, an die <term ref="kbga-keywords-36">Gnade</term> zu glauben – <hi rend="italic">gelassen</hi> ist. Eben indem uns in diesem Sinn
      Zeit gelassen ist, ist uns nun recht Vieles zu sein, zu haben und zu tun überlassen, was wir
      in der Gestalt, in der wir es sind, haben und tun, im Lichte der in Jesus Christus geschehenen
       <term ref="kbga-keywords-240">Versöhnung</term> nur als nichtiges Experiment unserer in ihm
      aufgehobenen Feindschaft gegen <term key="Mensch, Feindschaft gegen Gott">Gott</term>
      verstehen können – und was uns nun dennoch nicht einfach genommen, sondern <pb xml:id="p561" ed="pga"/> eben mit der einzigen Bestimmung, dass es von dem übermächtigen «Schon» der
      Ewigkeit angegriffen und aufgezehrt werden soll – auf eine kleine Weile – <hi rend="italic">gewährt</hi>: nicht von einem abstrakten Schöpfergott und auch nicht vom <term key="Teufel">Teufel</term>, sondern von dem, der uns in Jesus Christus ewig geliebt hat, liebt und lieben
       <term ref="kbga-keywords-37">wird</term>, gewährt ist. So ist es uns gewährt, dass es, immer
      nur angesichts seiner kommenden Aufhebung, aber eben so nun doch in Wirklichkeit, <hi rend="italic">sein darf</hi>. Unser ganzes natürliches <term key="Mensch, Dasein">Dasein</term>, aber auch alles das, was man unter dem Begriff der <term ref="kbga-keywords-1184">Kultur</term> zusammenfassen kann, gehört zu diesem uns Gewährten,
      das unter der Geduld <term ref="kbga-keywords-482">Gottes</term> sein darf. Obwohl und indem
      sie doch die Natur und Kultur des gottfeindlichen Menschen als solchen sind und mehr oder
      weniger deutlich in ihrem ganzen Bestand und in ihrer <pb ed="A" n="328"/> ganzen Aktion das
      Sein und die Art dieses ihres Subjektes verraten. Sie sind uns doch nicht einfach genommen,
      sondern zunächst gelassen. Noch können und dürfen wir menschliche <term key="Mensch, Natur">Natur</term> und <term ref="kbga-keywords-1184">Kultur</term> haben und betätigen. Zu diesem
      unter der Geduld Gottes noch auf eine kleine Weile zugelassenen Sein, Haben und Tun des
      Menschen als solchen dürfte nun auch die natürliche <term ref="kbga-keywords-65">Theologie</term> gehören: auch sie ohne Recht, ohne Grund, ohne Würde in sich selber, auch
      sie – unter allen menschlichen Funktionen gerade sie am meisten – ein Exponent unserer <term key="Theologie, natürliche, Exponent unserer Gottesfeindschaft">Gottesfeindschaft</term>,
      auch sie nur zur Aufhebung, nicht zum Abbau bestimmt, auch sie nur als Exponent des «Noch»,
      der Dämmerung, die kraft des Lichtes des kommenden «Schon» der <term ref="kbga-keywords-8">Offenbarung</term> der Gnade Jesu <term key="Gnade, Jesu Christi">Christi</term> zum
      Verschwinden bestimmt ist: in diesem Sinn und innerhalb dieser Grenze aber ein von Gott
      erlaubtes Sein, Haben und Tun des Menschen, mit dessen direktem Verbieten und Vertilgen wir
      der Offenbarung der Gnade – die sie zu ihrer Zeit schon selber vertilgen und verbieten wird –
      vorgreifen, mit dem wir uns unsererseits an der Gnade, sofern sie immer auch Geduld <term key="Gnade, Gottes G. als Geduld">Gottes</term> ist, vergreifen würden. Was heißt Ablehnung
      der natürlichen Theologie, wenn Gott sie etwa nicht einfach ablehnt? Und da Gott den Menschen
      als solchen, indem er ihn in Jesus Christus einmal und in <term ref="kbga-keywords-1247">Ewigkeit</term> schon aufgehoben hat, nun doch nicht einfach ablehnt, sondern ihm
      offenkundig Zeit <term key="Zeit, dem Menschen gelassene">lässt</term> – ist es dann nicht so,
      dass er auch die natürliche <term ref="kbga-keywords-65">Theologie</term> nicht einfach
      ablehnt? Lehnt er sie aber nicht einfach ab, folgt er also dem Rat jener Knechte (<ref type="can" subtype="bible" target="Mt.13.24 Mt.13.30">Matth. 13,24f[f].</ref>) nicht, die
      hingehen und das vom Feind zwischen den Weizen gesäte <pb xml:id="p562" ed="pga"/> Unkraut
      ausjäten möchten, befiehlt er ihnen vielmehr, beides miteinander wachsen zu lassen bis zu der
      noch nicht vorhandenen Zeit der Ernte, in der es dann gewisslich gesammelt und in Bündlein
      verbrannt werden soll – dann bedeutet das gewiss nicht, dass das Unkraut auch seine positive
      Bedeutung und Funktion habe im Reiche <term ref="kbga-keywords-434">Gottes</term>, und also
      gewiss nicht, dass noch mehr Unkraut ge<pb ed="A" n="329" break="no"/>sät werden und dass das
      schon vorhandene noch besonders mit Nahrung versehen und verpflegt werden solle – wohl aber,
      dass seine Beseitigung und also das Verbot und die Vertilgung der natürlichen <term key="Theologie, natürliche, ihr Verbot ist Sache Gottes">Theologie</term> Gottes und nicht
      unsere Sache sein soll, dass wir uns unsererseits des Ungehorsams schuldig machen, dass wir
      unsererseits zu Unkraut säenden Feinden werden würden, wenn wir uns an jenen Befehl nicht
      halten würden.</p>
    </div>
    <div type="excursus">
     <p rend="margin-top">Die natürliche Theologie ist ein <term key="Theologie, natürliche, ein Traum">Traum</term>.
      Sie ist ein <term key="Theologie, natürliche, ein Spiel">Spiel</term>. Anders können wir sie
      im Lichte der <term ref="kbga-keywords-8">Offenbarung</term> der Gnade Jesu <term key="Gnade, Jesu Christi">Christi</term> nicht ansehen. Mehr als das zu sein, kann ihr nicht
      zugestanden werden. Es muss ihr aber zugestanden werden, dass sie als Traum und Spiel kraft
      der Gnade Gottes, die auch <term key="Gnade, Gottes G. als Geduld">Geduld</term> ist, noch da
      sein darf: noch da sein, wie der Mensch als solcher immer noch da sein darf. Wenn dieser
      Mensch am herrlichsten träumt, dann träumt er eben den Traum von seiner ursprünglichen
      Gottverbundenheit. Und wenn er am schönsten spielt, dann spielt er unmittelbare <term ref="kbga-keywords-14">Gotteserkenntnis</term> und unmittelbaren Gottesdienst. Und Gott lässt
      ihn träumen und spielen; da werden wir es ihn wohl auch tun lassen müssen. In diesem Traum und
      Spiel wird er dann wohl zum Philosophen, zum Dichter, zum Künstler. In diesem Traum und Spiel
      wird er im Kleinen und im Großen, im privaten und im politischen Raum, zum Lebenskünstler.
      Welches große oder kleine menschliche Werk könnte ganz und gar ohne natürliche <term ref="kbga-keywords-65">Theologie</term> getan werden, welches anders als so, dass es in
      seiner Spitze auf diesen Traum, auf dieses Spiel hinausläuft, wenn man nicht gar sagen muss,
      dass es von diesem <term key="Theologie, natürliche, ein Traum">Traum</term> oder <term key="Theologie, natürliche, ein Spiel">Spiel</term> immer schon herkommt? Woher hätten wir
      aber die Vollmacht, das in dieser Weise gipfelnde oder schon begründete Werk des Menschen
      deshalb als solches zu verwerfen und unter Verbot zu <pb ed="A" n="330"/>stellen? Wie sollten
      wir uns seiner nicht vielmehr – in der unendlichen Wehmut, die es gerade von seinem letzten
      Ziel oder von seinem ersten Anfang her ausstrahlt – jedenfalls auch freuen dürfen? Nichts an
      diesem Werk ist zu retten, sofern es eben das Werk des gegen Gott streitenden <term key="Mensch, Feindschaft gegen Gott">Menschen</term> ist. Eben darum kann man sich seiner nur
      in unendlicher <hi rend="italic">Wehmut</hi> freuen. Aber eben weil dieser Mensch in Jesus
      Christus schon aufgehoben, schon mit Gott <term ref="kbga-keywords-240">versöhnt</term> ist,
      ist es ihm noch – auf eine kleine Weile – erlaubt, dieses Werk zu tun und sich seiner in
      Wehmut zu <hi rend="italic">freuen</hi>. Und nicht des Menschen Sache kann es sein, diesem
      seinem Werk ein Ziel zu setzen. Es ist als Inhalt der uns noch, der uns freilich immer weniger
      gelassenen <term key="Zeit, dem Menschen gelassene">Zeit</term>, es ist darum, weil diese
      unsere Zeit in Gottes <term key="Zeit, unsere Z. in Gottes Händen">Händen</term> ist [vgl.
       <ref type="can" subtype="bible" target="Ps.31.16">Ps. 31,16</ref>], es ist im <pb xml:id="p563" ed="pga"/> Hinblick auf die <term ref="kbga-keywords-1247">Ewigkeit</term>, von
      der diese unsere Zeit herkommt und der sie entgegeneilt, begründet, ohne einen eigenen Grund
      zu haben, berechtigt ohne eigenes Recht, notwendig ohne innere Notwendigkeit: so, wie jenes
      zurückliegende, untergeordnete, beiläufige «Noch nicht» überhaupt begründet, berechtigt und
      notwendig ist – obwohl und gerade indem es von ausgesprochener und unausgesprochener
      natürlicher Theologie vom Anfang bis zum Ende bestimmt und getragen ist. Man muss wohl sagen,
      dass vielmehr gerade der Traum und das Spiel der natürlichen Theologie, sofern sie die Spitze
      und Krone und auch die Wurzel alles menschlichen Werks in dieser Zeit ist, für dessen
      vorläufiges Zugelassensein gerade ganz besonders charakteristisch und repräsentativ ist. Wie
      sollte denn der Mensch, nachdem er Gottes Gnade von sich gestoßen, nachdem ihm Gott
      unerkennbar geworden ist, anders existieren können als mit Hilfe des Ersatzes, den er sich in
      jenem Traum und Spiel zu verschaffen versucht? Gottes <term ref="kbga-keywords-482">Geduld</term> besteht zum Höchsten gerade darin, dass es ihm, solange und sofern die Gnade
      noch nicht übermächtig geworden ist [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Röm.5.20">Röm. 5,20</ref>], gelassen ist, gerade diesen <term key="Theologie, natürliche, ein Traum">Traum</term> zu träumen, gerade dieses <term key="Theologie, natürliche, ein Spiel">Spiel</term> zu spielen.</p>
     </div>
     <div>
     <p rend="margin-top">Solange und sofern die Gnade noch nicht übermächtig geworden ist, solange und insofern darf
      es noch natürliche <term ref="kbga-keywords-65">Theologie</term> geben, darf also von
      ursprünglicher Gottverbundenheit und unmittelbarer <term ref="kbga-keywords-14">Gotteserkenntnis</term> phantasiert werden und kann jeder Versuch, dies zu verbieten und zu
      vertilgen – als ob das noch besonders durch uns geschehen müsste und könnte –, nur bedeuten,
      dass wir uns selber der allein heilsamen (auch polemisch allein heilsamen!) Gnade <term ref="kbga-keywords-36">Gottes</term> in Jesus Christus widersetzen würden. – Gerade darum,
      weil ihre Be-</p>
     </div>
    </div>

    </div>
   </div>
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