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        <title type="volume" n="vol-47">Der Römerbrief 1922</title>
        <title type="content">15. und 16. Kapitel: Der Apostel und die Gemeinde</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: 15. und 16. Kapitel: Der Apostel und die Gemeinde, in: Der Römerbrief 1922, 1922</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/47021 (Stand: 25. August 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Der Römerbrief 1922, hrsg. v. van der Kooi, Cornelis / Tolstaja, Katja (Gesamtausgabe, Abt. II), Zürich 2010, S. 701–713.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Der Römerbrief 1922</title>
          <title type="text">15. und 16. Kapitel: Der Apostel und die Gemeinde</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>van der Kooi, Cornelis</editor>
          <editor>Tolstaja, Katja</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2010</date>
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        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Karl Barth: Der Römerbrief, 4.-7. Tsd., Zweiter Abdruck der neuen Bearbeitung, München 1923 </bibl>
        <bibl xml:id="B" type="source">B (Weitere Vorlage): Karl Barth: Der Römerbrief. Zweite Auflage in neuer Bearbeitung, München 1922 Urtext</bibl>
        <bibl xml:id="C" type="source">C (Weitere Vorlage): Barth, Karl, Der Römerbrief. Zweite Auflage in neuer Bearbeitung, 1921. Druckmanuskript<ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/91174">KBA 12375</ref>. </bibl>
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<head>15. und 16. Kapitel<lb/>
DER APOSTEL UND DIE GEMEINDE</head>
<head type="sub"><ref type="can" subtype="bible" target="Röm.15.14 Röm.15.33">15,14–33</ref>; <ref type="can" subtype="bible" target="Röm.16.1 Röm.16.24">16,1–24</ref></head>

<p> <hi rend="bold"><ref type="can" subtype="bible" target="Röm.15.14">V. 14</ref> Ich bin aber, meine Brüder, ohnehin ganz überzeugt, dass ihr selber voll guter Gesinnung seid, im Vollbesitz der Erkenntnis und fähig, euch gegenseitig das Rechte nahezulegen.</hi></p>
<p>Der Römerbrief<term type="begriffe" key="Römerbrief, Anfang/Ende und Inhalt des R."/> bietet keine neue, sondern die alte, keine fremde, sondern die bekannte, keine persönliche, sondern die universale Wahrheit<term type="begriffe" key="Wahrheit, universale"/>. Er erhebt nicht den Anspruch, originell, tief oder geistreich zu sein, er lässt sich aber mit seinem wirklichen Anspruch auch nicht unter diesem Vorwand abweisen. Er ist keine Dogmatik<term type="begriffe" key="Dogmatik"/>, es dürfte ihm aber eben darum auch nicht mit antidogmatischen Tiraden zu antworten und beizukommen sein. Er proklamiert nicht die Autorität des <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName>, er ist aber auch nicht zu erledigen durch die Entdeckung, dass dies alles eben doch im besten Fall nur – <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> sei; denn dass <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> nicht Christus<term type="begriffe" key="Jesus Christus"/> ist, das ist eine gänzlich banale und eindruckslose Wahrheit; Christus steht in <hi rend="italic">keinem</hi> Buche, und an den zu «glauben», der den Römerbrief<term type="begriffe" key="Römerbrief"/> schrieb, oder an das, was er schrieb, das kommt keinen Augenblick in Frage; man kann nur an <hi rend="italic">Gott</hi> glauben<term type="begriffe" key="Glaube, an Gott"/>! Eben das ist die These des Römerbriefs<term type="begriffe" key="Römerbrief, Standpunkt des R."/>, die These des «Paulinismus»<term type="begriffe" key="Paulinismus"/>, mit der er sich selbst aufhebt, lange bevor seine Widersacher zu ihren ängstlichen Warnungen auch nur den Atem gefunden haben. Wer sich gegen den Paulinismus als «System»<note xml:id="n01"> Siehe oben <ref type="pub" target="../volume/47/p673#fn_n97">S. 673, Anm. 97</ref>.</note> noch ereifern kann, der kämpft gegen Windmühlen und beweist nur, dass er nichts gelernt und nichts vergessen hat. Der Römerbrief<term type="begriffe" key="Römerbrief, Ermahnung durch den R."/> appelliert weder an einen Autoritätsglauben, noch an ein Vermögen konstruktiven Denkens, noch an einen Sinn für höhere Welten<term type="begriffe" key="Welten, höhere"/><note xml:id="n02"> Siehe oben <ref type="pub" target="../volume/47/p137#fn_n19">S. 137, Anm. 19</ref>.</note>, noch an eine besondere Erlebnisfähigkeit<term type="begriffe" key="Erlebnisfähigkeit"/>, noch an ein kultiviertes Gewissen<term type="begriffe" key="Gewissen, kultiviertes"/>, noch an ein religiöses Gefühl<term type="begriffe" key="Gefühl, religiöses"/>, sondern an den <foreign xml:lang="lat">sensus communis</foreign><term type="begriffe" key="sensus communis"/>, an das «allgemeine Wahrheitsgefühl» (<persName ref="kbga-actors-306">Oetinger</persName>)<note xml:id="n03"> Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-3728"><hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-306">Friedrich Christoph Oetingers</persName></hi> <hi rend="italic">Leben und Briefe, als urkundlicher Commentar zu dessen Schriften</hi>, hrsg. von K. Chr. E. Ehmann, Stuttgart 1859, S. 198–204</bibl> (<bibl corresp="kbga-bibls-3729">«Die Untersuchung über das allgemeine Wahrheitsgefühl»: Bericht Oetingers über seine Schrift <hi rend="italic">Inquisitio in sensum communem et rationem [...]</hi>, Tübingen 1753</bibl>), und <bibl corresp="kbga-bibls-3730"><persName ref="kbga-actors-4215">C. A. Auberlen</persName>, <hi rend="italic">Die Theosophie Friedrich Christoph Oetinger’s</hi>, mit einem Vorwort von R. Rothe, Basel 1859<hi rend="sup">2</hi>, S. 65–82</bibl> (beide Bücher in <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Bibliothek, mit ausführlichen Unterstreichungen).</note>, an die kindliche Einfalt (ja wohl!) derer, die die <pb ed="pga" xml:id="p702"/> Verworrenheit der vermeintlichen «Einfachheit»<note xml:id="n04"> Vgl. oben <ref type="pub" target="../volume/47/p009#p009">S. 9</ref> und <ref type="pub" target="../volume/47/pr032#pr032">S. XXXII</ref>.</note>, deren sich dieses Geschlecht rühmt, durchschaut haben und ihrer satt sind, an die <hi rend="italic">Ehrlichkeit</hi> der <hi rend="italic">Heiden</hi><term type="begriffe" key="Heide"/>, an ihre Willigkeit, sich einer sachlichen Betrachtung der menschlichen Lebenslage nicht ohne Weiteres, nicht gänzlich zu entziehen. Er redet die «Brüder»<term type="begriffe" key="Bruder"/> an in den Adressaten, den existentiell Einen in <pb ed="A" n="512"/> Allen. Er rechnet auf <hi rend="italic">die</hi> Teilnahme, auf <hi rend="italic">das</hi> Verständnis, auf <hi rend="italic">die</hi> Mitarbeit, die niemand im Ernst verweigern kann, der, allen Ideologien<term type="begriffe" key="Ideologie"/> abhold, die Dinge «einfach» nehmen will, wie sie sind. Er spricht aus, was jeder schon gehört hat. Er sagt, was jeder sich selbst sagen kann. Er deckt auf, was immer und überall wahr ist. Er belehrt die Belehrten. Er ist eine Mitteilung an die Wissenden. Er ermahnt, die guten Willens sind. Nur gleichnisweise betritt er die Szene, entfaltet er seine Fahne, vollzieht er seinen Aufmarsch, erledigt er seine Gegner, behauptet er das Feld. Er verlässt es nach geschehener
Tat, als ob nichts geschehen wäre. Wer gegen ihn Recht haben will, dem ist es – auf seine eigene Verantwortung – durchaus unverwehrt. <hi rend="italic">«Ich bin ganz überzeugt, dass ihr selber voll guter Gesinnung seid, im Vollbesitz der Erkenntnis.»</hi> Also, frommer Mann, nimm dir’s nicht an!<note xml:id="n05"> Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-2963"><persName ref="kbga-actors-2083">O. Myconius</persName>, <hi rend="italic">Vom Leben und Sterben <persName ref="kbga-actors-443">Huldrych Zwinglis</persName></hi>. <hi rend="italic">Das älteste Lebensbild Zwinglis.</hi> Lateinischer Text mit Übersetzung, Einführung und Kommentar, hrsg. von E. G. Rüsch (Mitteilungen zur Vaterländischen Geschichte, Bd. 50), St. Gallen 1979, S. 48</bibl>: «<foreign xml:lang="lat">Dum verbis ardentioribus detonaret [sc. Zuinglius] in ocium, et pensiones, [...] adiecerat semper:</foreign> Frommer man, nim dichs nit an». Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-2871">H. Zwingli, Sämtliche Werke, Bd. 1 (= CR 88), Berlin 1905, S. 174, Z.10</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-3731">S. 576, Z.16</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-3732">Bd. 3 (= <choice><sic ed="pga">CR100</sic><corr type="misprint" resp="sm">CR  90</corr></choice>), Leipzig 1914, S. 485, Z.9f</bibl>.</note> Sei du deines Standpunktes froh, wenn du es kannst! Verstopfe dir doch die Ohren vor den gestellten Fragen, solange du es fertig bringst! Wir sind ja – es ist ernst gemeint – viel einverstandener, als du es glauben willst. Den Ausbrüchen eines antiorthodoxen <hi rend="italic">Ressentiments</hi><term type="begriffe" key="Ressentiment"/> aber kann eine andere als <hi rend="italic">humoristische</hi> Bedeutung wirklich nicht länger zugebilligt werden.</p> 
<p><pb ed="pga" xml:id="p703" rend="noPipe"/><hi rend="bold"><ref type="can" subtype="bible" target="Röm.15.15 Röm.15.16">V. 15‒16</ref> Ich habe euch teilweise etwas kühner geschrieben, um euch wieder zu erinnern kraft der mir von Gott gegebenen Gnade als Priester des Christus Jesus an den Heiden, der den heiligen Dienst versieht an der Heilsbotschaft Gottes, damit die Heiden eine wohlaufgenommene Opfergabe würden, geheiligt durch den heiligen Geist.</hi></p>
<p>Der Standpunkt des Römerbriefs<term type="begriffe" key="Römerbrief, Standpunkt des R."/> ist in der Tat ein <hi rend="italic">«teilweise etwas kühner»</hi> Standpunkt. Friedlicher lebt es sich in andern Hürden als im Schatten <hi rend="italic">dieser</hi> Möglichkeit. Erschreckend dünn ist der Faden des wissenden Nicht-Wissens<term type="begriffe" key="Nicht-Wissen"/>, der uns hier geboten wird, unheimlich nahe dem Abgrund<term type="begriffe" key="Abgrund"/> der Weg, den wir hier geführt, bedenklich scharf das Entweder-Oder, vor das wir hier auf Schritt und Tritt gestellt werden. <hi rend="italic">Muss</hi> das so sein? Muss denn durchaus dieser extreme, dieser exponierte Standpunkt (der <hi rend="italic">kein</hi> Standpunkt ist!) eingenommen sein? Muss denn alles, was nicht «Antwort in der <hi rend="italic">Frage</hi>» ist, muss denn jeder freundliche, friedliche, praktische, historisch und psychologisch einleuchtende Mittelweg durchaus ausgeschlossen, muss denn gerade diese steilste Grenzmöglichkeit gewählt sein? Wir antworten: durchaus nicht! Wir sind weit davon entfernt<note n="a" type="textcritical" xml:id="na"><ref corresp="B">1. Abdruck</ref> (1922<hi rend="sup">2</hi>): «weit entfernt davon».</note>, etwa das, was als menschliche Haltung, Möglichkeit und Methode auch im Römerbrief<term type="begriffe" key="Römerbrief"/> unvermeidlicherweise anschaulich wird, als den <pb ed="A" n="513"/> normalen Weg hinstellen zu 
wollen, schon darum, weil wir vor <hi rend="italic">allen</hi> «normalen Wegen» als solchen in tiefstem Ernst nur <hi rend="italic">warnen</hi> können. Wir legen nicht den geringsten Wert darauf, radikal zu reden und eine radikale Silhouette zu bieten. Wir wiederholen nochmals, dass der Paulinismus<term type="begriffe" key="Paulinismus"/> auch sich selbst nur ins Unrecht setzen kann, dass auch die steilste Grenzmöglichkeit, die er in der Reihe der verschiedenen Standpunkte darstellt, als solche nicht sein Sinn, sondern nur sein Gleichnis ist. Wir wissen aber auch die andern relativeren und harmloseren Betrachtungsmöglichkeiten in ihrer möglichen Bedeutsamkeit und Fruchtbarkeit durchaus zu schätzen. Wir sind in der Lage, uns freundlich neben den Katholiken<term type="begriffe" key="Katholiken"/>, den «Positiven»<term type="begriffe" key="Theologie, positive"/>, den Kulturprotestanten<term type="begriffe" key="Kulturprotestant"/>, den Völkerbundstheologen<term type="begriffe" key="Völkerbundtheologe"/><note xml:id="n06"> Vgl. oben <ref type="pub" target="../volume/47/p642#fn_n70">S. 642, Anm. 70</ref>, und <ref type="pub" target="../volume/47/p332#fn_n13">S. 332, Anm. 13</ref>.</note> (ja und neben wen nicht?) zu stellen und ihm das <pb ed="pga" xml:id="p704"/> Beruhigende, das überall so Erwünschte zu sagen: Du hast Recht! – unter der beunruhigenden Bedingung nämlich, dass auch du Unrecht hast! Hier beginnt unser «teilweise etwas kühnes» Reden und das dringende Interesse, das wir daran haben, es uns nicht nehmen zu lassen. Sollte es sich nämlich etwa darum handeln, von <hi rend="italic">Gott</hi> zu reden – nicht davon, wie wir uns trösten und helfen wollen, <anchor type="note" xml:id="fn-b"/>nicht davon, womit wir «religiös vorwärtskommen» (<persName ref="kbga-actors-420">Wernle</persName>)<note xml:id="n07"> Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-3418"><persName ref="kbga-actors-420">Wernle</persName>, S. 169</bibl>.</note>, nicht davon<note n="b" target="fn-b" type="textcritical" xml:id="nb"><ref corresp="B">1. Abdruck</ref> (1922<hi rend="sup">2</hi>): «nicht von dem  […], nicht von dem».</note>, womit wir «etwas anfangen» können, nicht von jenem metaphysischen X<term type="begriffe" key="X, metaphysisches"/>, das <hi rend="italic">wir</hi> zum Träger unsrer Postulate gemacht haben, sondern – von <hi rend="italic">Gott</hi>, wie er uns in der Wirklichkeit unsres Lebens, authentisch interpretiert in Jesus Christus<term type="begriffe" key="Jesus Christus"/> (gleichviel ob es uns willkommen und annehmbar ist oder nicht!), begegnet: als der <hi rend="italic">unbekannte</hi>, der heilige Gott<term type="begriffe" key="Gott, heilig"/>, der Herr über Leben und Sterben<term type="begriffe" key="Gott, Herr über Leben und Tod"/>, sollte es sich bei allen jenen relativeren und harmloseren Betrachtungsmöglichkeiten <hi rend="italic">letzten</hi> Endes eben doch <hi rend="italic">auch</hi> um die ehrlich gestellte und zu stellende Existenzfrage<term type="begriffe" key="Existenzfrage"/> des Menschen handeln, sollte <hi rend="italic">das</hi> das Anliegen <hi rend="italic">alles</hi> möglichen Redens und Hörens von Gott sein, uns <hi rend="italic">«wieder zu erinnern»</hi>, weil wir alle <hi rend="italic">vergessen</hi> haben des unbekannten Gottes<term type="begriffe" key="Gott, unbekannter"/>, <hi rend="italic">vergessen</hi> des Einen, <hi rend="italic">vergessen</hi> der freimachenden Wahrheit – dann muss (von jedem
möglichen Standpunkt aus) das «teilweise etwas Kühne» des Römerbriefs<term type="begriffe" key="Römerbrief, Kühnheit des R."/> <hi rend="italic">gesagt</hi>, dann muss <hi rend="italic">scharf</hi> geschossen werden, dann gilt es (durchaus in der Meinung, <hi rend="italic">keiner</hi> unsrer Nachbarn könne und werde da zurückbleiben!), rücksichtslos, gänzlich «unfromm», unbeirrt sachlich, die Frage aller Fragen aufzurollen, das Paradox des gekreuzigten und auferstandenen Heilands<term type="begriffe" key="Heiland"/> aufzuweisen, Alles, aber auch Alles an den <hi rend="italic">einen</hi> Faden des Glaubens<term type="begriffe" key="Glaube"/> zu hängen, alle, aber auch alle Hilfsvorstellungen, <persName ref="kbga-actors-9661">potemkin</persName>schen Dörfer<term type="begriffe" key="Potemkinsche Dörfer"/>, Scheinrealitäten als solche abzuwerten und abzubauen, unentwegt gerade den Weg zwischen den <pb ed="A" n="514"/> beiden Abgründen zu betreten und zu gehen. Dann mitleidslose Schärfe gegen allen Kitsch, dann keine Konzessionen, keine Scheu vor den «gefährlichsten» Konsequenzen. Dann: «Brennet im Geiste!» (<ref type="can" subtype="bible" target="Röm.12.11">12,11</ref>). Wobei wir sehr wohl wissen, dass es zwar ein «kühnes», aber nur ein «<hi rend="italic">teilweise</hi> etwas kühnes» Reden von Gott  gibt, dass das existentielle<term type="begriffe" key="existentiell"/> Ereignis der Wiedererinnerung<term type="begriffe" key="Erinnerung, Wiedererinnerung als existentieller Akt"/> nicht als  Akt <pb ed="pga" xml:id="p705"/> neben Akten stattfindet, dass es zu absoluten Worten des Durchbruchs unter keinen Umständen kommen kann und wird, denn das wäre das Ende aller Dinge<term type="begriffe" key="Ende, aller Dinge"/>, das an die Hand zu nehmen wir uns nicht erdreisten sollen. Immerhin: es besteht neben jenen ordentlichen, regulären, «bürgerlichen» Betrachtungsmöglichkeiten (nein, nicht <hi rend="italic">neben</hi> ihnen, sondern tragikomischer- und hoffnungsvollerweise <hi rend="italic">in</hi> ihnen <hi rend="italic">allen!</hi>) die außerordentliche, die irreguläre, die – im gewichtigsten Sinn gesagt – revolutionäre Möglichkeit, jenen Vorstoß<note n="c" type="textcritical" xml:id="nc"><ref corresp="A">2. Abdruck</ref> (1923<hi rend="sup">3</hi>): «Verstoß».</note> zu wagen. Dieser Vorstoß, unternommen im <hi rend="italic">tiefsten</hi> Einverständnis mit dem Einen in <hi rend="italic">Allen</hi><term type="begriffe" key="Der Eine im Andern, in Allen"/><note n="d" type="textcritical" xml:id="nd"><ref corresp="B">1. Abdruck</ref> (1922<hi rend="sup">2</hi>): «<hi rend="italic">Allem</hi>». Korrektur in <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Handexemplar.</note>, ist der Römerbrief<term type="begriffe" key="Römerbrief, Vorstoss des R."/>, das Gespräch über Gott<term type="begriffe" key="Gott, Gespräch über G."/>, die Theologie<term type="begriffe" key="Theologie"/>. Sie ist unter allen andern möglichen Fällen (und als der Fall <hi rend="italic">aller</hi> Fälle!) – <hi rend="italic">«kraft der mir von Gott gegebenen Gnade als Priester des Christus Jesus an die Heiden, der den heiligen Dienst versieht an der Heilsbotschaft Gottes, damit die Heiden eine wohlaufgenommene Opfergabe würden, geheiligt durch den Heiligen Geist»</hi> – der außerordentliche, der irreguläre, der revolutionäre Fall. Noch einmal: auch dieser Fall <hi rend="italic">nur</hi> ein Gleichnis<term type="begriffe" key="Gleichnis"/>! Aber immerhin ein Gleichnis! Die Theologie<term type="begriffe" key="Theologie"/> hat es mit der Gnade<term type="begriffe" key="Gnade"/> zu tun, mit dem «absoluten Moment»<note xml:id="n08"> Siehe oben <ref type="pub" target="../volume/47/p268#fn_n15">S. 268, Anm.15</ref>.</note>, mit der gefräßigen Dialektik<term type="begriffe" key="Dialektik von Zeit und Ewigkeit"/> von Zeit und Ewigkeit, vor der sich alle andern Wissenschaften<term type="begriffe" key="Wissenschaft"/> mit mehr oder weniger Glück in Sicherheit zu bringen gewusst haben und die sie doch alle<note n="e" type="textcritical" xml:id="ne"><ref corresp="B">1. Abdruck</ref> (1922<hi rend="sup">2</hi>): «doch sie alle».</note> bedroht. In <hi rend="italic">ihrer</hi> Rechnung figuriert <hi rend="italic">der</hi> Posten, der kein Posten sein kann, die unmögliche Möglichkeit Gottes<term type="begriffe" key="Möglichkeit, göttliche / Möglichkeit, unmögliche"/>, und <hi rend="italic">dieser</hi> Posten droht in jedem Augenblick die ganze übrige Rechnung umzuwerfen. Sie ist ein «Priesterdienst an den <hi rend="italic">Heiden</hi><term type="begriffe" key="Heide"/>», d. h. sie wendet sich an den anschaulichen, geschichtlichen, konkreten, einzelnen Menschen, um ihn über sich selbst zu belehren, dass er der eine, unanschauliche, unbekleidet vor Gott stehende Mensch ist. <hi rend="italic">Nur</hi> der Heide (der <hi rend="italic">Heide</hi> im Heiden und Nicht-Heiden!) interessiert
sie, nur der Mensch, sofern er <hi rend="italic">Gott</hi> dargebracht werden kann und muss als «Opfergabe», nur seine Heiligung<term type="begriffe" key="Heiligung"/> durch den <hi rend="italic">heiligen</hi> Geist<term type="begriffe" key="Geist, Heiliger G."/>, seine Entfesselung, seine Erlösung, seine Freiheit in Gott<term type="begriffe" key="Gott, Freiheit"/>. Ein gänzlich unpraktisches und unreligiöses Unter<pb ed="pga" xml:id="p706" break="no"/>nehmen, gerade weil es sich um das praktischste aller Anliegen, um den (jenseitigen!) Sinn <pb ed="A" n="515"/> aller Religion<term type="begriffe" key="Religion, Sinn der R."/> handelt. Unendlich absichtsvoll und höchsten Erfolges gewiss, muss die Theologie<term type="begriffe" key="Theologie"/> <hi rend="italic">ganz</hi> absichtslos auftreten, darf <hi rend="italic">keinen</hi> etwaigen Erfolg als solchen je anerkennen. Selber das <hi rend="italic">letzte</hi> Wagnis des Menschen, muss sie sich scharf vor Augen halten, dass <hi rend="italic">alles</hi> Wagen der<note n="f" type="textcritical" xml:id="nf"><ref corresp="B">1. Abdruck</ref> (1922<hi rend="sup">2</hi>): «des».</note> Menschen <hi rend="italic">nur</hi> Demonstration und Gleichnis sein kann. Sie ist aber, was sie ist, eben als dieses <hi rend="italic">letzte</hi> Wagnis, als der «heilige Dienst an der Heilsbotschaft Gottes». Ist sie das nicht, getraut sie sich nicht zu sein, was sie ist, so täte sie besser, heute noch zu liquidieren als erst morgen. Denn nur diesem ihrem Wesen als dem notwendig zu wagenden letzten <hi rend="italic">Wagnis</hi>, als dem außerordentlichen, irregulären, revolutionären <hi rend="italic">Vorstoß</hi> verdankt sie ihr geschichtliches Dasein und so auch ihre Stellung in der universitas litterarum. Und das Wagnis und der Vorstoß <hi rend="italic">allein</hi> (nicht ihre Abzweckung auf den Dienst der <hi rend="italic">Kirche</hi><term type="begriffe" key="Kirche, Dienst der K."/> und noch weniger etwa ihr großes unvermeidliches Anleihen bei der <hi rend="italic">historischen</hi> Wissenschaft<term type="begriffe" key="Wissenschaft, historische"/>!) vermag ihr diese Stellung zu erhalten. Wissenschaftlichkeit bedeutet Sachlichkeit. Sachlichkeit in der Theologie<term type="begriffe" key="Theologie, sachliche"/> ist der unbedingte Respekt vor der Einzigartigkeit des hier gewählten Themas: der Mensch in seiner letzten Not und Hoffnung, der Mensch vor Gott<term type="begriffe" key="Beziehung, von Gott und Mensch"/>. Wissenschaftliche Theologie<term type="begriffe" key="Theologie, wissenschaftlich"/> ist Buße<term type="begriffe" key="Buße"/>, Umdenken<term type="begriffe" key="Denken, Um-Denken"/>, «erneuertes Denken»<term type="begriffe" key="Denken, erneuertes"/> (<ref type="can" subtype="bible" target="Röm.12.2">12,2</ref> man beachte die Kautelen, mit denen dieser Begriff dort gesichert ist). Sie ist Frage- und Ausrufzeichen am äußersten Rande der Universität<term type="begriffe" key="Universität"/> (wahrhaftig von jedem Einsichtigen dort irgendwie zu setzen!), wie die Kirche<term type="begriffe" key="Kirche"/> in derselben Rolle am äußersten Rande der menschlichen Kultur<term type="begriffe" key="Kultur"/> überhaupt ihr notwendiges Wesen treiben muss. Sehr wohl aufzuwerfen ist immer wieder die Frage, ob Theologie<term type="begriffe" key="Theologie"/> und Kirche<term type="begriffe" key="Kirche"/> nicht in der Tat besser täten, zu liquidieren, weil sie ja doch den Mut nicht aufbringen, zu sein, was sie sind. Sind sie aber mutig genug, <hi rend="italic">nicht</hi> zu liquidieren, dann, bei aller dämpfenden Erinnerung<term type="begriffe" key="Erinnerung, an die Banalität des menschlichen Tuns"/> an die notwendige Banalität alles menschlichen Tuns, wenigstens keine allzu große, wenigstens keine bewusste, wenigstens keine triumphierende Banalität! Dann, im Gedenken an die Linie des Römerbriefes<term type="begriffe" key="Römerbrief, Kühnheit des R."/> ein wenigstens «teilweise etwas kühnes» Reden! Wohl Jedem, der nicht an einer dieser gefährlichen Stellen zu stehen braucht. Aber wehe Jedem, der dort steht und nicht <hi rend="italic">weiß</hi>, was er tut!</p> 
<p><pb ed="pga" xml:id="p707" rend="noPipe"/><hi rend="bold"><ref type="can" subtype="bible" target="Röm.15.17 Röm.15.21">V. 17‒21</ref> So habe ich nun meinen Ruhm, im Christus Jesus, vor Gott nämlich. Denn ich würde mich nicht unterstehen, von Dingen zu reden, die nicht Christus durch mich vollbracht hätte, um die Heiden zum Gehorsam zu bringen, durch Wort und Tat, durch die Kraft von Zeichen und Wundern, durch die Kraft des Heiligen Geistes, so dass ich von <placeName ref="kbga-places-37">Jerusalem</placeName> im Bogen bis nach</hi> <pb ed="A" n="516"/> <hi rend="bold">Illyrien die</hi> Verkündigung der <hi rend="bold">Heilsbotschaft vollendet habe. Wobei ich meine Ehre darein setzte, nicht da zu predigen, wo der Name «Christus» schon bekannt war, um nicht auf fremder Grundlage aufzubauen, sondern wie geschrieben steht: Es sollen sehen die, denen noch nichts von ihm verkündigt worden, und die noch nichts gehört haben, sollen’s verstehen!</hi> (<ref type="can" subtype="bible" target="Jes.52.15">Jes. 52,15</ref>).</p>
<p>Oder sollte etwa der paulinische <hi rend="italic">«Ruhm»</hi>, das Selbstbewusstsein, in dem hier geschrieben ist, einen Schatten auf den Inhalt des Römerbriefs<term type="begriffe" key="Römerbrief, Anfang/Ende und Inhalt des R."/> werfen, einen Vorwand, ihm auszuweichen, bieten? Ja, es ist<note n="g" type="textcritical" xml:id="ng">Druckmanuskript: «<hi rend="italic">ist</hi>».</note> ein Selbstbewusstsein, das aus diesen Blättern redet. Es fragt sich nur: <hi rend="italic">wessen</hi> Selbstbewusstsein? Das des <hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName>?</hi> Sicher auch, wie sollte es anders sein, dass da, wo ein <hi rend="italic">Mensch</hi> von Gott redet, und wenn er noch so ausdrücklich<note n="h" type="textcritical" xml:id="nh">Druckmanuskript: «ausdrücklich und eindrücklich».</note> von <hi rend="italic">Gott</hi> redete, auch dieses <hi rend="italic">Menschen</hi> Selbstbewusstsein ausgiebig und störend genug zu Worte kommt? Es könnte aber kraft der Vergebung der Sünden<term type="begriffe" key="Vergebung, der Sünden"/> sein, <anchor type="note" xml:id="fn-i"/>dass sich in diesem menschlichen Selbstbewusstsein zugleich ein ganz anderes Selbstbewusstsein spiegelte<note n="i" target="fn-i" type="textcritical" xml:id="ni"><ref corresp="B">1. Abdruck</ref> (1922<hi rend="sup">2</hi>): «daß in diesem [...] ein ganz anderes Selbstbewußtsein sich spiegelte».</note>. Es könnte sein, dass die Kritik und die Wünsche der Bescheidenen hier auf Granit stoßen angesichts der Tatsache, dass <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> gar nicht dort steht, wo sie ihn suchen, dass er seinen Ruhm <hi rend="italic">«in Christus Jesus</hi><term type="begriffe" key="Jesus Christus"/><hi rend="italic">, vor Gott»</hi> hat. Wer ist <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName>? <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> ist preiszugeben. Die Höhe, auf der <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> etwa stehen mag, ist nicht allzu beträchtlich. Was <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> «erfahren» hat, weiß, sagt und vollbracht hat<note n="j" type="textcritical" xml:id="nj"><ref corresp="B">1. Abdruck</ref> (1922<hi rend="sup">2</hi>): «vollbrachte».</note>, davon <hi rend="italic">«werde ich mich nicht unterstehen zu reden»</hi>. <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> ist nichts. Aber vielleicht ist <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> gerade von dort aus so gefährlich, wohin er sich mit diesem «nicht» zurückzieht. Vielleicht ist das, was als paulinischer «Ruhm» so missfällig vermerkt wird, nur das Zeugnis von einem «im <pb ed="pga" xml:id="p708"/> Christus vor Gott» bestehenden Ruhm, dessen Licht sich eben nicht ganz unter den Scheffel stellen lässt. Vielleicht ist <hi rend="italic">er</hi> es, der so provozierend wirkt auf die bescheidenen Unbescheidenen, der das paulinische Auftreten in der Tat so unerträglich macht. Und vielleicht ist dies bei der Beurteilung der ganzen geschichtlichen Mission des <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> und des Paulinismus<term type="begriffe" key="Paulinismus"/> in Anschlag zu bringen. Es ist doch klar, dass dieser Apostel<term type="begriffe" key="Apostel/Apostelamt"/> eben wegen seines Selbstbewusstseins kein sympathischer, kein gewinnender Mensch gewesen ist; wen er überzeugte, den muss er irgendwie gegen sich selbst und nicht durch sich selbst überzeugt haben. Und so sein Evangelium<term type="begriffe" key="Evangelium"/>: es ist ein störendes Element in der Geistesgeschichte<term type="begriffe" key="Geistesgeschichte"/>, es könnte gern und leicht aus der Entwicklung weggedacht werden; denn es ist nirgends eigentlich in sie eingegangen; es liegt überall nur als Sandkorn und oft als Kieselstein zwischen den friedlich ineinander greifenden Rädern; seine geschichtliche Wirksamkeit muss darauf zurückzuführen sein, dass <pb ed="A" n="517"/> hier eine ganz andere inkommensurable Größe, Jesus Christus<term type="begriffe" key="Jesus Christus"/>, unheimlich gut verstanden ist. Darauf zurückzuführen ist wohl auch das bezeichnendste und unliebenswürdigste Merkmal des Paulinismus<term type="begriffe" key="Paulinismus"/>: sein stolzes <hi rend="italic">Verschmähen</hi> des <hi rend="italic">«Bauens auf fremden Grundlagen»</hi>. <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> denkt gründlich unhistorisch (denn sein Verhältnis zum Alten Testament<term type="begriffe" key="Altes Testament"/> wird man doch nicht etwa zum Beweis des Gegenteils anrufen wollen!). Er knüpft in der unfriedlichsten Weise <hi rend="italic">nicht</hi> an an die gegebenen Christlichkeiten<term type="begriffe" key="Christentum"/>. Er führt die ehrwürdigsten Traditionen <hi rend="italic">nicht</hi> fort. Er sagt <hi rend="italic">nicht</hi> direkt Ja zu den größten historischen Größen, auch nicht zu der allergrößten, dem «Christus nach dem Fleische»<term type="begriffe" key="Jesus Christus, nach dem Fleische"/> [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="2.Kor.5.16">2.Kor. 5,16</ref>]. Er zeigt eine seltsame, spöttische Bedenklichkeit gegen alle schon stehenden «Säulen» (<ref type="can" subtype="bible" target="Gal.2.9">Gal. 2,9</ref>). Er hat sich nicht mit Fleisch und Blut beraten, er ist höchst grundsätzlicherweise nicht hinauf nach <placeName ref="kbga-places-37">Jerusalem</placeName><term type="begriffe" key="Jerusalem"/>, sondern ab nach Arabien<term type="begriffe" key="Arabien"/> gegangen (<ref type="can" subtype="bible" target="Gal.1.16 Gal.1.17">Gal. 1,16–17</ref>). Er erlaubt sich
durchaus und ausdrücklich die Feststellung, dass er sein Evangelium<term type="begriffe" key="Evangelium"/> von keinem Menschen gelernt noch empfangen habe (<ref type="can" subtype="bible" target="Gal.1.11 Gal.1.12">Gal. 1,11–12</ref>). Jeder Schlag, den die «gesunde» theologisch-kirchliche Mittelmäßigkeit<term type="begriffe" key="Mittelmäßigkeit, theologisch-kirchliche"/> zu irgend einer Zeit gegen «geschichtslose Schwärmerei<term type="begriffe" key="Schwärmerei, geschichtslose"/>»<note xml:id="n09"> Möglicherweise ein Echo auf entsprechende Kritik an <bibl corresp="kbga-bibls-119">Römerbrief I</bibl>; vgl. z. B. <bibl corresp="kbga-bibls-111"><persName ref="kbga-actors-210">Jülicher</persName>, Paulus-Ausleger («Schriftauslegung» verstanden als «Sache der Pneumatiker, der Offenbarungsträger allein» [S. 94; vgl. S. 95]</bibl>, die «keine historisch-kritische Spreu» mit einlassen [S. 89]); vgl. auch oben <ref type="pub" target="../volume/47/p032#fn_n01">S. 32, Anm. 1</ref>.</note> geführt hat, traf ge<pb ed="pga" xml:id="p709" break="no"/>wollt oder ungewollt auch den <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName>. An sich ist ja alles dieses Fremdartige wirklich so gar nicht wichtig, so deutlich ein historisches Phänomen wie ein anderes. Es könnte aber bedeutsam sein; es könnte Zeugnis sein von einer ganz andern Fremdartigkeit. Wie überflüssig und gefährlich wäre es dann, sich <hi rend="italic">darüber</hi> aufzuhalten! Wie viel besser täte dann die Theologie<term type="begriffe" key="Theologie"/>, dem ihr hier gegebenen Wink zu folgen.</p>
<p><hi rend="bold"><ref type="can" subtype="bible" target="Röm.15.22 Röm.15.29">V. 22‒29</ref> Deshalb war ich auch immer wieder verhindert, zu euch zu kommen. Jetzt aber, da ich keinen Raum mehr in diesen Gegenden habe, und da ich seit vielen</hi><note n="*1" type="original" xml:id="s1"> <foreign xml:lang="grc" rend="Ell">πολλῶν</foreign> mochte einem Abschreiber als Übertreibung erscheinen und wurde durch <foreign xml:lang="grc" rend="Ell">ἱκανῶν</foreign> ersetzt.</note> <hi rend="bold">Jahren das Verlangen hatte, zu euch zu kommen, um nach Spanien zu reisen - - denn ich hoffe, euch auf der Durchreise zu sehen und bei euch Begleiter dorthin zu finden, nachdem ich mich ein wenig an euch erquickt habe –, jetzt aber reise ich nach <placeName ref="kbga-places-37">Jerusalem</placeName>.</hi> Die Gemeinden von <hi rend="bold">Mazedonien und Achaja haben nämlich eine Hilfeleistung</hi><note n="k" type="textcritical" xml:id="nk"><ref corresp="B">1. Abdruck</ref> (1922<hi rend="sup">2</hi>): «<hi rend="bold">Hilfsleistung</hi>».</note> <hi rend="bold">beschlossen zugunsten der Armen der Heiligen in <placeName ref="kbga-places-37">Jerusalem</placeName>. Sie haben es beschlossen und sind es ihnen ja auch schuldig. Denn wenn die Heiden im Geistigen ihre Hilfe erfahren haben, so sind sie schuldig, ihnen auch im Äußerlichen zu dienen. Wenn ich das erledigt und ihnen den Ertrag sicher überbracht habe, dann werde ich über euch nach <placeName ref="kbga-places-736">Spanien</placeName> gehen und weiß, dass ich, wenn ich zu euch komme, in der Fülle des Segens des Christus kommen werde.</hi></p>
<p><pb ed="A" n="518"/> Persönliche Begegnung und Fühlungnahme bei sachlicher Gemeinschaft ist eine schöne Sache (<ref type="can" subtype="bible" target="Röm.1.9 Röm.1.13">1,9–13</ref>) und ist als Station auf  den Wegen des Dienstes freudigst zu erwünschen und willkommen zu heißen. Bezeichnenderweise ist aber auch dazu der kleine Umweg <placeName ref="kbga-places-1081">Korinth</placeName>-<placeName ref="kbga-places-37">Jerusalem</placeName>-<placeName ref="kbga-places-53">Rom</placeName> in Aussicht zu nehmen. Den Christen<term type="begriffe" key="Christ"/> in <placeName ref="kbga-places-37">Jerusalem</placeName> soll zunächst jene schon erwähnte (<ref type="can" subtype="bible" target="Röm.12.13">12,13</ref>) Kollekte<term type="begriffe" key="Kollekte für Gemeinde in Jerusalem"/> abgeliefert werden als Kundgebung gerade für die<note n="l" type="textcritical" xml:id="nl"><ref corresp="B">1. Abdruck</ref> (1922<hi rend="sup">2</hi>): «diejenige».</note> Einheit der Heiden<term type="begriffe" key="Heide"/> und Juden<term type="begriffe" key="Jude"/>, der Nahen und Fernen, der Bekannten und Unbekannten, die das Thema des Römerbriefs<term type="begriffe" key="Römerbrief, Thema des R."/> ist. Ein demonstrativer Ausfall nach dem Ende der Ökumene, nach Spanien, ist das nächste Projekt des  Mannes, <pb ed="pga" xml:id="p710"/> der diesseits von <placeName ref="kbga-places-35">Italien</placeName> bereits «keinen Raum mehr» sieht. Auf diesem wirklich mehr apokalyptisch als rational entworfenen Plan figuriert dann auch der Punkt, <anchor type="note" xml:id="fn-m"/>wo sich Verfasser und Leser dieses Briefes persönlich<note n="m" target="fn-m" type="textcritical" xml:id="nm"><ref corresp="B">1. Abdruck</ref> (1922<hi rend="sup">2</hi>): «wo Verfasser und Leser [...] sich persönlich».</note> sehen und wiedersehen sollen.</p>
<p><hi rend="bold"><ref type="can" subtype="bible" target="Röm.15.30 Röm.15.33">V. 30‒33</ref> Ich ermahne euch aber, Brüder, bei unserm Herrn Jesus Christus und bei der Liebe des Heiligen Geistes, mit mir zu kämpfen, indem ihr für mich betet zu Gott, dass ich errettet werde vor den Ungläubigen in <placeName ref="kbga-places-1064">Judäa</placeName> und dass mein Dienst für <placeName ref="kbga-places-37">Jerusalem</placeName> von den Heiligen wohl aufgenommen werde, damit ich dann mit Freuden zu euch kommen und mich, so Gott will, bei euch erholen möge. Der Gott des Friedens sei mit euch allen. Amen.</hi></p>
<p>Nicht eben leicht und gefahrlos scheint jener Umweg. Wie wird es <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> dort ergehen? Einen «Kampf»<term type="begriffe" key="Kampf"/> nimmt er auf alle Fälle in Aussicht. <placeName ref="kbga-places-1064">Judäa</placeName>-<placeName ref="kbga-places-37">Jerusalem</placeName> ist ja in jeder Beziehung die Hochburg der – Kirche<term type="begriffe" key="Kirche"/>. Es drohen die Schikanen der Juden<term type="begriffe" key="Jude"/>, aber auch der gute Empfang bei den «Heiligen»<term type="begriffe" key="Heilige"/> scheint trotz der zu überbringenden Kollekte<term type="begriffe" key="Kollekte für Gemeinde in Jerusalem"/> keineswegs so sicher zu sein, dass<note n="n" type="textcritical" xml:id="nn"><ref corresp="B">1. Abdruck</ref> (1922<hi rend="sup">2</hi>): «so sicher, daß».</note> nicht auch dafür – gebetet werden müsste. Ein Fremdling wird der, der hier redet, sein, wo er auch hinkommt. Er ruft Alle, die ihm wohlwollen, an, seiner furchtbaren Einsamkeit vor Gott teilnehmend zu gedenken.</p>
<p><hi rend="bold"><ref type="can" subtype="bible" target="Röm.16.1 Röm.16.16">V. 1‒16</ref> Ich empfehle euch unsre Schwester <persName ref="kbga-actors-9745">Phoebe</persName>, die<note n="o" type="textcritical" xml:id="no"><ref corresp="B">1. Abdruck</ref> (1922<hi rend="sup">2</hi>): «<hi rend="bold">welche</hi>».</note> ja <note n="*2" type="original" xml:id="s2"><foreign xml:lang="grc" rend="Ell">καὶ</foreign> nach <foreign xml:lang="grc" rend="Ell">οὖσαν</foreign> ist nicht zu streichen. <persName ref="kbga-actors-248">Lietzmann</persName><note xml:id="n10"><bibl corresp="kbga-bibls-3581"><persName ref="kbga-actors-248">Lietzmann</persName>, S. 118.</bibl></note> macht darauf aufmerksam, dass <foreign xml:lang="grc" rend="Ell">καὶ</foreign> bei <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> öfters zur Betonung des folgenden Wortes verwendet wird und auch <ref type="can" subtype="bible" target="Röm.8.24">8,24</ref> wegkorrigiert ist.</note>
Dienerin der Gemeinde von <placeName ref="kbga-places-1335">Kenchreae</placeName> ist, dass ihr sie im Herrn aufnehmt, wie es sich unter Heiligen geziemt, und ihr in jedem Geschäft, worin sie euer bedarf, beisteht. Ist sie doch selber Vielen zum Beistand geworden und so auch mir. Grüßt die <persName ref="kbga-actors-9715">Priska</persName></hi> <hi rend="bold">und den <persName ref="kbga-actors-9716">Aquila</persName>, meine Mitarbeiter in Christus Jesus (die für mein Leben ihren Hals gewagt haben, denen<note n="p" type="textcritical" xml:id="np"><ref corresp="B">1. Abdruck</ref> (1922<hi rend="sup">2</hi>): «<hi rend="bold">welchen</hi>».</note> nicht nur ich dankbar bin, sondern alle heidnischen Gemeinden) und ihre  Hausgemeinde.</hi>  <pb ed="pga" xml:id="p711"/>  <hi rend="bold"><pb ed="A" n="519"/> Grüßt meinen lieben <persName ref="kbga-actors-9714">Epänetus</persName></hi><hi rend="bold">, der<note n="q" type="textcritical" xml:id="nq"><ref corresp="B">1. Abdruck</ref> (1922<hi rend="sup">2</hi>): «<hi rend="bold">welcher</hi>».</note> der Erstling Asiens für Christus ist. 
Grüßt die <persName ref="kbga-actors-9717">Mirjam</persName></hi><hi rend="bold"><note n="*3" type="original" xml:id="s3"> Aus <foreign xml:lang="grc" rend="Ell">Μαριάμ</foreign> konnte <foreign xml:lang="grc" rend="Ell">Μαρίαν</foreign> entstehen, nicht umgekehrt.<note xml:id="n11"> Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-3467"><persName ref="kbga-actors-846">Zahn</persName>, S. 607</bibl> (in <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Exemplar unterstrichen).</note>  </note>, die sich viel um uns<note n="*4" type="original" xml:id="s4">Lies <foreign xml:lang="grc" rend="Ell">ἡμᾶς</foreign>, nicht <foreign xml:lang="grc" rend="Ell">ὑμᾶς</foreign>. Ein Lob dieser Frau wegen ihrer Bemühungen um die Adressaten fiele hier ganz aus der Reihe und würde sich auch an sich seltsam ausnehmen.<note xml:id="n12"> Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-3467"><persName ref="kbga-actors-846">Zahn</persName>, ebd.</bibl></note></note>

 bemüht hat. Grüßt den <persName ref="kbga-actors-9718">Andronikus</persName> und den <persName ref="kbga-actors-9719">Junias</persName>, meine Landsleute und Mitgefangenen, die bei den Aposteln einen guten Namen haben und schon vor mir Christen gewesen sind<note n="r" type="textcritical" xml:id="nr"><ref corresp="B">1. Abdruck</ref> (1922<hi rend="sup">2</hi>): «<hi rend="bold">Christen waren</hi>».</note>. Grüßt den <persName ref="kbga-actors-9758">Ampliatus</persName>, der mir im Herrn lieb ist. Grüßt den <persName ref="kbga-actors-9720">Urbanus</persName>, unsern Mitarbeiter, in Christus, und meinen lieben <persName ref="kbga-actors-9721">Stachys</persName>. Grüßt den in Christus bewährten <persName ref="kbga-actors-9722">Apelles</persName>. Grüßt die vom Gesinde des <persName ref="kbga-actors-9723">Aristobul</persName>. Grüßt meinen Landsmann <persName ref="kbga-actors-9724">Herodion</persName>. Grüßt die Christen vom Gesinde des <persName ref="kbga-actors-9725">Narzissus</persName>. Grüßt die <persName ref="kbga-actors-9726">Tryphäna</persName> und die <persName ref="kbga-actors-9727">Tryphosa</persName></hi><note n="s" type="textcritical" xml:id="ns"><ref corresp="B">1. Abdruck</ref> (1922<hi rend="sup">2</hi>): «<hi rend="bold">und Tryphosa</hi>».</note> <hi rend="bold">in ihrer Mühe im Herrn. Grüßt die liebe <persName ref="kbga-actors-9728">Persis</persName>, die im Herrn so viel Mühe hatte. Grüßt den <persName ref="kbga-actors-9729">Rufus</persName>, diesen Trefflichen im Herrn und seine (und meine!) Mutter. Grüßt den <persName ref="kbga-actors-9730">Asynkritus</persName>, den <persName ref="kbga-actors-9731">Phlegon</persName>, den <persName ref="kbga-actors-9732">Hermes</persName>, den <persName ref="kbga-actors-9733">Patrobas</persName>, den <persName ref="kbga-actors-9734">Hermas</persName> und die Brüder, die mit ihm sind. Grüßt den <persName ref="kbga-actors-9735">Philologus</persName> und die <persName ref="kbga-actors-9736">Julia</persName>, den <persName ref="kbga-actors-9737">Nereus</persName> und seine Schwester und den <persName ref="kbga-actors-9738">Olympas</persName> und alle Heiligen, die mit ihm sind. Grüßt einander mit dem heiligen Kuss. Es grüßen euch alle Gemeinden des Christus.</hi></p>
<p>Eine kleine Welt von Leiden, Tapferkeit und Bewährung (im Herrn!), von gegenseitiger Hilfe und Hochachtung (im Herrn!) tut sich hier vor uns auf. Hier wäre allenfalls nachzufragen nach den den «Worten» des Römerbriefs<term type="begriffe" key="Römerbrief"/> entsprechenden «Taten und Tatsachen»<term type="begriffe" key="«Taten und Tatsachen»"/>. Hier ist das im Römerbrief so oft vermisste einfache «Leben»<term type="begriffe" key="Leben"/>. Die Leser selbst sind die Antwort auf <hi rend="italic">diese</hi> Frage, jeder in seiner Weise, bis auf diesen Tag. Über das antiquarisch Interessante und Problematische dieser Grußliste geben vor allem <persName ref="kbga-actors-846">Zahn</persName><note xml:id="n13"><bibl corresp="kbga-bibls-3467"><persName ref="kbga-actors-846">Zahn</persName>, S. 603–611.</bibl></note> und <persName ref="kbga-actors-248">Lietzmann</persName><note xml:id="n14"><bibl corresp="kbga-bibls-3581"><persName ref="kbga-actors-248">Lietzmann</persName>, S. 119f.</bibl></note> alle <pb ed="pga" xml:id="p712"/> wünschenswerten Auskünfte. Die Vermutung, sie sei der Hauptbestandteil eines an die Gemeinde<term type="begriffe" key="Gemeinde"/> von <placeName ref="kbga-places-809">Ephesus</placeName> gerichteten, versehentlich in den Römerbrief<term type="begriffe" key="Römerbrief, Anfang/Ende und Inhalt des R."/> geratenen Schreibens ist schon darum unsympathisch, weil es wünschenswert ist, ausdrücklich festzustellen, dass der Römerbrief<term type="begriffe" key="Römerbrief, Leser des R."/> sich durchaus an bestimmte Menschen mit irdischem<note n="t" type="textcritical" xml:id="nt"><ref corresp="B">1. Abdruck</ref> (1922<hi rend="sup">2</hi>): «mit einem irdischen».</note> Gesicht und Namen wendet. Gerade so <hi rend="italic">muss</hi> es sein. Eine Gemeindeschwester hat ihn um die Mitte der fünfziger Jahre des ersten Jahrhunderts von <placeName ref="kbga-places-1081">Korinth</placeName> nach <placeName ref="kbga-places-53">Rom</placeName> gebracht. Männer und Frauen, Griechen, Römer und Juden, Herren und Sklaven sind seine Adressaten. Die Möglichkeit, dass etwa <persName ref="kbga-actors-9726">Tryphäna</persName> und <persName ref="kbga-actors-9727">Tryphosa</persName> und die andern «Laien» (um von allfälligen «Theologen»<term type="begriffe" key="Theologe"/> in dieser langen Reihe nicht zu reden!) <hi rend="italic">das</hi> nicht verstehen sollten, scheint hier nicht <pb ed="A" n="520"/> in Frage zu kommen. Es scheint (dies gilt auch dann, wenn jene Vermutung Recht hat!), dass es einmal ein Publikum gegeben hat, dem man den Römerbrief<term type="begriffe" key="Römerbrief, Leser des R."/> zumuten konnte, dem er eine Antwort auf seine eigenen Fragen war, das ihn irgendwie verstanden und geschätzt haben muss. Es scheint, dass diesem Publikum die Theologie<term type="begriffe" key="Theologie"/> (<hi rend="italic">diese</hi> Theologie!) ohne weiteres <hi rend="italic">das</hi> aktuelle Thema war. Es scheint, dass die Probleme dieses Publikums dort anfingen, wo die Probleme manches andern (auch manches theologischen!) Publikums aufzuhören pflegen. Es scheint, dass diese Geister sehr freie, sehr weite, sehr bewegliche Geister waren. Wir wundern uns über dieses Publikum mehr als über die andern historischen Probleme, die uns durch den Römerbrief<term type="begriffe" key="Römerbrief, Leser des R."/> etwa gestellt werden. Und wir wundern uns nicht darüber, dass unter <hi rend="italic">diesen</hi> Menschen sogar der «heilige Kuss» eine Möglichkeit war.</p>
<p><hi rend="bold"><ref type="can" subtype="bible" target="Röm.16.17 Röm.16.20">V. 17‒20</ref> Ich ermahne euch aber, Brüder, wachsam zu sein gegen die, die Abspaltungen und Ärgernisse anrichten gegen die Lehre, in der ihr unterrichtet seid, – und rücket ab von ihnen! Denn diese dienen nicht unserm Herrn Christus, sondern ihrem Bauche, und mit ihren großen Sprüchen und Segensworten täuschen sie die Herzen der Arglosen. Denn euer Gehorsam ist überall bekannt. An euch kann ich mich jetzt nur freuen. Ich möchte aber, dass ihr weise seid gegenüber dem Guten, einfältig gegenüber dem Bösen. Der Gott des Friedens wird den Satan unter eure Füße tun in Schnelligkeit. Die Gnade unsres Herrn Jesus sei mit euch!</hi></p> 
<p><pb ed="pga" xml:id="p713" rend="noPipe"/>Ein letzter dringender Anruf. Wahrhaftig auch er kein Fremdkörper im Römerbrief<term type="begriffe" key="Römerbrief, Anfang/Ende und Inhalt des R."/>, sondern nur die Zusammenfassung seiner Polemik<term type="begriffe" key="Polemik"/> (und wo wäre er <hi rend="italic">nicht</hi> polemisch?) zu <hi rend="italic">einem</hi> Schlag. Hütet euch vor den Verwechslungen und vor den nächstliegenden<note n="u" type="textcritical" xml:id="nu"><ref corresp="B">1. Abdruck</ref> (1922<hi rend="sup">2</hi>): «naheliegendsten».</note> und einleuchtendsten am meisten! Hütet euch vor dem religiösen Jahrmarkt<term type="begriffe" key="Religion, Jahrmarkt"/> mit seinem glänzenden Budenbetrieb! Gerade, <hi rend="italic">weil</hi> ihr mitten drin seid und euch durch <hi rend="italic">kein</hi> Kriterium als durch die «Wiedererinnerung» (<ref type="can" subtype="bible" target="Röm.15.15">15,15</ref>) von denen, die «nicht unserm Herrn Christus<term type="begriffe" key="Jesus Christus, Herr"/>, sondern ihrem Bauche» dienen, abheben und absondern könnt! Hütet euch – vor euch selbst! In der «Wiedererinnerung<term type="begriffe" key="Erinnerung, Wiedererinnerung als Kriterium"/>» 
ist die Kraft zu jener weisen Offenheit und einfältigen Verschlossenheit, die den Menschen im Gewimmel der Meinungen nicht ganz ertrinken lässt. «<foreign xml:lang="lat">Etiam cultores saepe veritatis ea, quibus haud assuevere, tardius admittunt. Cum pridem audierunt: <hi rend="italic">Hoc est!</hi> quaerunt denique: <hi rend="italic">Quid est?</hi> cumque demonstratio defluxit, postulata sibi proponi queruntur. Nonnulli obitu demum suo veritati, in parte non agnita, officere desinunt. Veruntamen non frustra laboratur: dum alii praeter opinionem desunt, alii praeter <pb ed="A" n="521"/> opinionem se dedunt vel dedent. Lux crescit in dies: per adversa ad victoriam enititur veritas</foreign>» (<persName ref="kbga-actors-38">Bengel</persName>).<note xml:id="n15"><bibl corresp="kbga-bibls-3520"><persName ref="kbga-actors-38">Bengel</persName>, Bd. II, S. 724 (aus der «Conclusio operis»)</bibl>; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-119">Römerbrief I, <ref type="pub-" target="../volume/16/p004#fn_n03">S. 4, Anm.3</ref></bibl>.</note> «Der Gott des wahren, nicht des einschläfernden Friedens<term type="begriffe" key="Gott, Friede"/> muß das Beste tun und tut es oft in Kurzem, wenn man nur ein wenig Geduld haben kann und nicht zu schnell mit seinem Beifall zufährt» (<persName ref="kbga-actors-9647">Steinhofer</persName>).<note xml:id="n16"> <bibl corresp="kbga-bibls-3487"><persName ref="kbga-actors-9647">Steinhofer</persName>, S. 99</bibl>; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-3485"><persName ref="kbga-actors-3717">Rieger</persName>, S. 231</bibl> (dort: «muß das Beste tun», während es bei Steinhofer heißt: «muß das Meiste tun»).</note> Wer Ohren hat, zu hören, der hört [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.11.15">Mt. 11,15</ref>; <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.13.9">13,9</ref> par.].</p>
<p><hi rend="bold"><ref type="can" subtype="bible" target="Röm.16.21 Röm.16.24">V. 21‒24</ref> Es grüßen<note n="v" type="textcritical" xml:id="nv"><ref corresp="B">1. Abdruck</ref> (1922<hi rend="sup">2</hi>): «<hi rend="bold">grüßt</hi>».</note> euch <persName ref="kbga-actors-4503">Timotheus</persName>, mein Mitarbeiter, und <persName ref="kbga-actors-9739">Lucius</persName> und <persName ref="kbga-actors-9740">Jason</persName> und <persName ref="kbga-actors-9741">Sosipatros</persName>, meine Landsleute. Ich <persName ref="kbga-actors-3735">Tertius</persName>, der den Brief geschrieben, grüße euch im Herrn. Es grüßt euch <persName ref="kbga-actors-9742">Gajus</persName>, mein und der ganzen Gemeinde Gastgeber. Es grüßt euch <persName ref="kbga-actors-9743">Erastus</persName>, der Stadtverwalter, und der Bruder <persName ref="kbga-actors-9744">Quartus</persName>. Die Gnade unsers Herrn Jesus Christus sei mit euch allen. Amen.</hi><note n="*5" type="original" xml:id="s5"> <ref type="can" subtype="bible" target="Röm.16.24">V. 24</ref> ist nicht zu streichen, wohl aber die «Doxologie» <ref type="can" subtype="bible" target="Röm.16.25 Röm.16.27">16,25–27</ref>. Vgl. darüber die Anmerkung <ref type="pub" target="../volume/47/p694#fn_s6">S. 694–697</ref>.</note></p> 
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