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        <title type="volume" n="vol-47">Der Römerbrief 1922</title>
        <title type="content">Vorwort zur ersten Auflage</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: Vorwort zur ersten Auflage, in: Der Römerbrief 1922, August 1918</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/47003 (Stand: 25. August 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Der Römerbrief 1922, hrsg. v. van der Kooi, Cornelis / Tolstaja, Katja (Gesamtausgabe, Abt. II), Zürich 2010, S. 3–4.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Der Römerbrief 1922</title>
          <title type="text">Vorwort zur ersten Auflage</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>van der Kooi, Cornelis</editor>
          <editor>Tolstaja, Katja</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2010</date>
          <biblScope unit="page">Pp. 3–4</biblScope>
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        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Karl Barth: Der Römerbrief, 4.-7. Tsd., Zweiter Abdruck der neuen Bearbeitung, München 1923 </bibl>
        <bibl xml:id="B" type="source">B (Weitere Vorlage): Karl Barth: Der Römerbrief. Zweite Auflage in neuer Bearbeitung, München 1922 Urtext</bibl>
        <bibl xml:id="C" type="source">C (Weitere Vorlage): Barth, Karl, Der Römerbrief. Zweite Auflage in neuer Bearbeitung, 1921. Druckmanuskript<ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/91174">KBA 12375</ref>. </bibl>
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        <date type="creation" when="1918-08">August 1918</date>
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    <head>Vorwort zur ersten Auflage</head>
   
        <p><persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> hat als Sohn seiner Zeit zu seinen Zeitgenossen geredet. Aber <hi rend="italic">viel</hi> wichtiger als diese Wahrheit ist die andere, dass er als Prophet<term type="begriffe" key="Prophet"/> und Apostel<term type="begriffe" key="Apostel/Apostelamt"/> des Gottesreiches<term type="begriffe" key="Reich Gottes"/> zu allen Menschen aller Zeiten redet. Die Unterschiede von einst und jetzt, dort und hier, wollen beachtet sein. Aber der Zweck der Beachtung kann nur die Erkenntnis sein, dass diese Unterschiede im Wesen der Dinge <hi rend="italic">keine</hi> Bedeutung haben. Die historisch-kritische Methode der Bibelforschung<term type="begriffe" key="Exegese, historisch-kritische"/> hat ihr Recht: sie weist hin auf eine Vorbereitung des Verständnisses, die nirgends überflüssig ist. Aber wenn ich wählen müsste zwischen ihr und der alten Inspirationslehre<term type="begriffe" key="Inspirationslehre"/>, ich würde entschlossen zu der Letzteren greifen: sie hat das größere, tiefere, <hi rend="italic">wichtigere</hi> Recht, weil sie auf die Arbeit des Verstehens<term type="begriffe" key="Hermeneutik, Arbeit des Verstehens"/> selbst hinweist, ohne die alle Zurüstung wertlos ist. Ich bin froh, nicht wählen zu müssen zwischen beiden. Aber meine ganze Aufmerksamkeit war darauf gerichtet, durch das Historische<term type="begriffe" key="Historische, das"/> <hi rend="italic">hindurch</hi>zusehen in den Geist der Bibel<term type="begriffe" key="Bibel, Geist der"/>, der der ewige Geist<term type="begriffe" key="Bibel, ewiger Geist der"/> ist. Was einmal ernst gewesen ist, das ist es auch heute noch, und was heute ernst ist und nicht bloß Zufall und Schrulle, das steht auch in unmittelbarem Zusammenhang mit dem, was einst ernst gewesen ist. Unsere Fragen sind, wenn wir uns selber recht verstehen, die Fragen des <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName>, und des <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> Antworten müssen, wenn ihr Licht uns leuchtet, unsere Antworten sein.</p> 
        <q rend="block">
            <lg>
        <l>Das Wahre war schon längst gefunden,</l> 
        <l>Hat edle Geisterschaft verbunden,</l> 
        <l>Das alte Wahre – faß es an!<note xml:id="n01"> <bibl corresp="kbga-bibls-2139"><persName ref="kbga-actors-136">J. W. von Goethe</persName>, «Vermächtnis», Anfang der 2. Strophe.</bibl></note></l>
            </lg>
        </q>
    <p>Geschichtsverständnis<term type="begriffe" key="Geschichtsverständnis"/> ist ein fortgesetztes, immer aufrichtigeres und eindringenderes Gespräch zwischen der Weisheit<term type="begriffe" key="Weisheit"/> von gestern und der Weisheit von morgen, die eine und dieselbe ist. Ehrerbietig und dankbar gedenke ich hier meines Vaters, Professor <hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-21">Fritz Barth</persName></hi><note xml:id="n02"> <persName ref="kbga-actors-21">Fritz Barth</persName> (1856–1912), Pfarrer in <placeName ref="kbga-places-417">Reitnau</placeName> (Aargau, 1879-1886), Lehrer an der Evangelischen Predigerschule <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName> (1886–1889), 1889 Privatdozent, 1891 außerordentlicher Professor, 1895 ordentlicher Professor für ältere und mittlere Kirchengeschichte und für Neues Testament in <placeName ref="kbga-places-9">Bern</placeName>. Vgl. das biographische Vorwort von <bibl corresp="kbga-bibls-3461"><persName ref="kbga-actors-657">M. Lauterburg</persName> in <persName ref="kbga-actors-21">Fr. Barth</persName>, <hi rend="italic">Christus unsere Hoffnung. Sammlung von religiösen Reden und Vorträgen</hi>, Bern 1913, S. III­-XVIII</bibl>.</note>, dessen ganzes Lebenswerk eine Betätigung dieser Einsicht gewesen ist.</p> 
    <p><pb ed="pga" xml:id="p004" rend="noPipe"/> Das ist sicher, dass allen nach Gerechtigkeit<term type="begriffe" key="Gerechtigkeit"/> hungernden und dürstenden [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.5.6">Mt. 5,6</ref>] Zeiten natürlicher war, sich sachlich beteiligt neben <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName>, statt im gelassenen Abstand des Zuschauers ihm gegenüberzustellen. Vielleicht gehen wir jetzt in eine solche Zeit hinein. Wenn ich mich darin nicht täusche, dann kann dieses Buch jetzt schon seinen bestimmt umschränkten Dienst tun. Man wird es ihm anspüren, dass es mit Entdeckerfreude<term type="begriffe" key="Entdeckerfreude"/> geschrieben ist. Die kräftige Stimme des <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> <pb ed="A" n="VI"/> war mir neu, und es ist mir, sie müsste auch manchen andern neu sein. Aber dass da noch vieles ungehört und unentdeckt ist, das ist mir am Ende dieser Arbeit ganz klar. Sie will darum nicht mehr sein als eine Vorarbeit, die um Mitarbeit bittet. Wenn doch recht viele und Berufenere sich einfinden würden, um daselbst Brunnen zu graben [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Ps.84.7">Ps. 84,7</ref>]. Sollte ich mich aber täuschen in der freudigen Hoffnung auf ein gemeinsames neues Fragen und Forschen nach der biblischen Botschaft, dann hat dieses Buch Zeit, zu  – warten. Der Römerbrief<term type="begriffe" key="Römerbrief"/> selbst wartet ja auch. </p>
    <closer>
        <dateline rend="left"><hi rend="italic"><placeName ref="kbga-places-54">Safenwil</placeName></hi>, im August 1918</dateline>
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