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        <title type="volume" n="vol-40">Die Theologie Zwinglis 1922/1923</title>
        <title type="content">§ 5 Zwinglis Ausgang</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: § 5 Zwinglis Ausgang, in: Die Theologie Zwinglis 1922/1923, 27. Februar 1923</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/40007 (Stand: 25. August 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Die Theologie Zwinglis 1922/1923, hrsg. v. Freudenberg, Matthias (Gesamtausgabe, Abt. II), Zürich 2004, S. 498_510.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Die Theologie Zwinglis 1922/1923</title>
          <title type="text">§ 5 Zwinglis Ausgang</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Freudenberg, Matthias</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2004</date>
          <biblScope unit="page">498_510</biblScope>
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        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Barth, Karl, Die Theologie Zwinglis, 2. November 1922. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/6608">KBA 1666</ref>. </bibl>
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        <date type="creation" when="1923-02-27">27. Februar 1923</date>
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          <term>lecture</term>
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                <head>§ 5  <persName ref="kbga-actors-443">ZWINGLIS</persName> AUSGANG</head>
              <div type="session">
                <p><date rend="right">27.II.23<note xml:id="n01"> Bleistiftnotizen am Mskr.-Rand:  «Historisches Nachspiel. Nicht fertig und letztes Wort. Vom fahrenden Eisenbahnzug aus betrachtet. Wechselnde Ansicht. Neues zu sehen. Ideal einer geschichtlichen Darstellung: der Mensch in 
                  sich ganz <hi rend="italic">gerechtfertigt.</hi> <ref type="o">Erkenntnis</ref>: so <hi rend="italic">möchte</hi> er sein. Darin freilich auch ganz <hi rend="italic">gerichtet</hi>. Dieses Ideal unvollkommen verwirklicht. Immer noch zu viel <hi rend="italic">entweder</hi> gerechtfertigt <hi rend="italic">oder</hi> gerichtet worden. Ich hoffe, etwas gesehen von dem Menschen, der, wie er ist, lebendig und tot, Gottes ist.»</note></date> <persName ref="kbga-actors-443">Zwinglis</persName> letzte Lebensjahre sind charakterisiert durch den Versuch, den er mit seinem Blute hat bezahlen müssen: den Versuch, der politisch-militärisch immer bedrohlichere Formen annehmenden Gegenreformation mit ihren eigenen Waffen, also ebenfalls politisch-militärisch, die Spitze zu bieten. 
                Von systematisch-theologischen Schriften von ihm aus dieser Zeit besitzen wir nur noch die beiden kurzen Zusammenfassungen seiner Dogmatik, die er, die eine, die  «<bibl corresp="kbga-bibls-257">Fidei ratio</bibl>»<note xml:id="n02"> <bibl corresp="kbga-bibls-257"><persName ref="kbga-actors-443">H. Zwingli</persName>, <hi rend="italic">Fidei ratio</hi> (1530), Z 6/II,790-817</bibl>  (= <bibl corresp="kbga-bibls-17">BSRK 79-94</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-17"><choice><sic ed="pga">BSRefK</sic><corr type="misprint" resp="pz">BSRefK I,</corr></choice> 425,1-446,40</bibl>).</note>, 1530 dem Kaiser <persName ref="kbga-actors-2056">Karl V.</persName>, die andere, die  «<bibl corresp="kbga-bibls-2864">Fidei christianae expositio</bibl>»<note xml:id="n03"> <bibl corresp="kbga-bibls-2864"><persName ref="kbga-actors-443">H. Zwingli</persName>, 
                <hi rend="italic">Christianae fidei brevis et clara expositio ad regem Christianum</hi> (1531), Z 6/V,50-163</bibl>.</note> 1531 dem König <persName ref="kbga-actors-5108">Franz I.</persName> von <ref type="term">Frankreich</ref>, übergeben hat. Umso zahlreicher sind dafür seine Briefe, Eingaben und Gutachten meist politischen, 
                aber z. T. auch direkt militärisch-strategischen Inhalts aus dieser <ref type="term">Zeit</ref>. Er ist jetzt ganz, was wir ihn zur Zeit der Bauernwirren und der früheren Verhandlungen zwischen <ref type="term">Zürich</ref> und den katholisch gebliebenen Eidgenossen werden sahen: 
                der Prophet, der in kritischer Lage nicht anders kann als zum Volkstribun werden, der überlegene Kopf, ohne dessen Rat die zürcherische Regierung keinen wichtigeren Schritt tut, der aber auch aus eigener Initiative Schritte vorschlägt und durchsetzt. |</p>
                <p> Der oberste Gesichtspunkt, unter dem er selbst diese Tätigkeit betrachtete, und die Art, wie er damit gewisse andere Gesichtspunkte zu verbinden wußte, ist außerordentlich einfach. Wir besitzen z. B. einen 
                  Rapport von ihm über die Gründe und Zwecke des 1527 geschlossenen Christlichen Burgrechtes, eines  evangelischen Sonder<pb ed="pga" xml:id="p499" break="no"/>bündnisses zwischen <ref type="term"><placeName ref="kbga-places-66">Zürich</placeName></ref> und <ref type="term"><placeName ref="kbga-places-9">Bern</placeName></ref>, in das dann sukzessive <placeName ref="kbga-places-105">St. Gallen</placeName>, <ref type="term"><placeName ref="kbga-places-144">Biel</placeName></ref>, <ref type="term"><placeName ref="kbga-places-974">Mühlhausen</placeName></ref>, <ref type="term"><placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName></ref>, 
                <ref type="term"><placeName ref="kbga-places-57">Schaffhausen</placeName></ref> und 1530 auch <ref type="term"><placeName ref="kbga-places-149">Straßburg</placeName></ref> und der <persName ref="kbga-actors-319">Landgraf von <ref type="term">Hessen</ref></persName> aufgenommen wurden. <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName> nennt unter dem Titel  «Frommen und gutes dieses Handels» (<bibl corresp="kbga-bibls-1931">IIc,27f.</bibl>)<note xml:id="n04"> <bibl corresp="kbga-bibls-2866"><persName ref="kbga-actors-443">H. Zwingli</persName>, <hi rend="italic">Warum man sich mit Konstanz, Lindau, Straßburg usw. 
                in ein Burgrecht einlassen soll</hi> (1527), Z 6/I,200f.</bibl></note> in diesem Dokument folgende acht Punkte: 
                1. Erstlich dient es zur Ehre Gottes und Mehrung seines heiligen Wortes. Wiewohl es mit Menschenkräften nicht muß noch kann erhalten werden, sondern allein aus der Kraft Gottes, so gibt doch Gott den Menschen oft Hilfe und Schirm durch den Menschen als durch ein Instrument und Geschirr. 
                Wenn nun Gott es zuläßt, daß diese Einigung und Handel aufgerichtet werden, ist es offenbar, daß er ihn zum Guten brauchen will. 
                2. diene er als Schutzmaßregel gegen Übergriffe dem Frieden, der Ruhe, der Billigkeit und Gerechtigkeit, 3. der Erhaltung der verbündeten <ref type="term">Obrigkeit</ref>en in ihrer Autorität und ihrer Untertanen im schuldigen Gehorsam. 4. Er werde denen, die den Verbündeten anderweitig verbündet seien 
                (also z. B. den <ref type="term">Zürich</ref> verbündeten Eidgenossen) einen Zaum anlegen, ihnen gleichsam Schach bieten. 
                5. Er werde, wenn auch auf die süddeutschen Städte wie <ref type="term"><placeName ref="kbga-places-556">Konstanz</placeName></ref> und <ref type="term"><placeName ref="kbga-places-1163">Lindau</placeName></ref> erweitert, einen neuen <ref type="term">Schwaben</ref>krieg und seine Kosten verhindern. 
                6. Die Teilnahme von <ref type="term">Straßburg</ref> eröffne den Ausblick auf die von <ref type="term"><placeName ref="kbga-places-1361">Schlettstadt</placeName></ref> und <ref type="term"><placeName ref="kbga-places-918">Colmar</placeName></ref>. 
                7. Sollte der Kaiser je mit Krieg drohen, so wäre es eine Leichtigkeit, das unbewehrte <placeName ref="kbga-places-1186">Sundgau</placeName> und <placeName ref="kbga-places-199">Elsaß</placeName> mit Gott einzunehmen und so auf dem linken Rheinufer bis nach <ref type="term"><placeName ref="kbga-places-149">Straßburg</placeName></ref>  «<hi rend="italic">ein</hi> Volk und Bündnuß» dem Gegner entgegenzustellen. 
                8. Es könnte in diesem Kriegsfall ein doppelter Einbruch von je 15000 Mann in den <placeName ref="kbga-places-1185">Hegau</placeName> und in den <placeName ref="kbga-places-1186">Sundgau</placeName> gemacht werden  «wider einen Zug der fygenden, sy hinden und vor anzugreifen». Ich muß das alles nun für sich selber reden lassen. 
                Daß der Verfasser von  «De providentia» sich auch in diesem Rapport nicht verleugnet, sondern bewährt, das dürfte deutlich sein. |</p>
                <p> Am<note xml:id="n05"> Im folgenden Absatz wörtliche Anleihen aus der Zwingli-Vorlesung von <persName ref="kbga-actors-21">Fr. Barth</persName> (1903), 44c.</note>  15. Juli 1529 widmete <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName> den Räten der 
                Burgrechtsstädte seine lateinische Übersetzung und Erklärung des  <persName ref="kbga-actors-2204">Jesaja</persName> mit einer <pb ed="pga" xml:id="p500"/> Einleitung über die beste <ref type="term">Staat</ref>sform, die er in einer aus der Volkswahl hervorgegangenen Aristokratie zu 
                finden glaubt, während Oligarchie und Monarchie in jeder Form die Tendenz zur Tyrannis habe.<note xml:id="n06"> <bibl corresp="kbga-bibls-2867"><persName ref="kbga-actors-443">H. Zwingli</persName>, <hi rend="italic">Jesaja-Erklärungen. Epistola ad lectorem</hi> (1529), Z 14,5-14.</bibl></note> |</p>
                <p> Die Spannung der Verhältnisse in der <placeName ref="kbga-places-58">Schweiz</placeName> selbst war durch den 1528 erfolgten Übertritt <ref type="term">Bern</ref>s zur <ref type="term">Reformation</ref> nicht kleiner. Die katholischen Landkantone der Urschweiz, durch den 
                wirtschaftlichen und politischen Aufschwung der Städte ohnehin in ihrer Autorität innerhalb des Bundes bedroht, durch die gegen die fremden Söldnerdienste gerichtete Agitation <persName ref="kbga-actors-443">Zwinglis</persName> in ihrer wichtigsten Einnahmequelle bedroht, haben den Gegensatz so wenig <hi rend="italic">allein</hi> um des alten <hi rend="italic">Glaubens</hi> willen genährt, wie die Städte 
                ihrerseits allein um des <hi rend="italic">neuen</hi> Glaubens willen. Eine Quelle beständiger Reibungen waren die sogenannten Vogteien, eroberte Gebiete im <ref type="term"><placeName ref="kbga-places-152">Aargau</placeName></ref>, <ref type="term"><placeName ref="kbga-places-336">Thurgau</placeName></ref>, <placeName ref="kbga-places-572">Tessin</placeName>, die von beiden Teilen gemeinsam und z. T. abwechselnd verwaltet wurden. Die Länder fühlten sich nicht ganz 
                mit Unrecht in diesen ihren alten Mit-Rechten gefährdet durch den Expansionsdrang der Städte, und diese wiederum kritisierten nicht mit Unrecht die auf keiner hohen Stufe stehende Regierungs- und Verwaltungskunst, die die Länder in diesen Gebieten bewiesen. Alles zusammengenommen, mit ihrem Widerstand gegen das <ref type="term">Evangelium</ref>, der, wo sie die Macht hatten, auch zu Verfolgung und Unterdrückung werden 
                konnte, flößte <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName> die Überzeugung ein, daß eine  «tapfere Arznei» zur Einleitung des Wortes Gottes und  «Abtun der Tyrannei und unsinnigen <ref type="term">Leben</ref>s» am Platze sei (<bibl corresp="kbga-bibls-1931">IIc,100</bibl>).<note xml:id="n07"> <bibl corresp="kbga-bibls-2868"><persName ref="kbga-actors-443">H. Zwingli</persName>, <hi rend="italic">Zusätze zur  «Betrachtung der Verordneten»  für Verhandlungen mit den Städten des 
                Christlichen Burgrechtes</hi> (1531), Z 6/IV,130,16-131,3.</bibl></note> Jede <ref type="term">Gerechtigkeit</ref>, <ref type="term">Freiheit</ref> oder Macht sei nach göttlichen und menschlichen Rechten,  «so man sie 
                mißbraucht», abzutun. Und wie <orgName ref="kbga-actors-8538">Rom</orgName> <placeName ref="kbga-places-1362">Alba Longa</placeName>, die Latiner und Sabiner, aus denen es entsprungen, unter sich getan, so müßten nun auch die Gründer der <orgName ref="kbga-actors-8387">Eidgenossenschaft</orgName> durch Minderung ihres Stimmrechts in der Tagsatzung, durch Einschränkung ihrer Macht gemeistert und 
                  gezüchtigt, ja, wie <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName> mehrfach schreibt,  «usge<pb ed="pga" xml:id="p501" break="no"/>rütet» werden, während <ref type="term">Zürich</ref> und <ref type="term">Bern</ref> als die beiden Ochsen vor dem Wagen es übernehmen müßten, die Führung der eidgenössischen Dinge an sich zu ziehen. Denn  «wer nit ein Herr kann syn, ist billich, daß 
                er knecht sye» (<bibl corresp="kbga-bibls-1931">IIc,102[-107]</bibl>).<note xml:id="n08"> <bibl corresp="kbga-bibls-2869"><persName ref="kbga-actors-443">H. Zwingli</persName>, <hi rend="italic">Was Zürich und Bernn not ze betrachten sye in dem fünförtischen handel</hi> (1531), Z 6/V,222-253; Zitate: 227,13;228,9; vgl. 234,7; 248,3f.</bibl></note> Und dieses Ziel soll mit allen Mitteln, ausgenommen 
                das allzu gehässige und zweischneidige der Lebensmittelsperre, am besten durch ein rasch durchgreifendes Überziehen mit <hi rend="italic">Krieg</hi> erreicht werden. Diese Gedanken stammen zwar alle erst aus Schriftstücken des Jahres des zweiten Kappeler Krieges, 1531, sie 
                zeigen aber, in welcher Richtung die Gedanken <persName ref="kbga-actors-443">Zwinglis</persName> liefen. Der gemütvolle altschweizerische Patriotismus, mit dem er sich einst an <persName ref="kbga-actors-9340">Valentin Compar</persName> in <ref type="term"><placeName ref="kbga-places-1187">Uri</placeName></ref><note xml:id="n09"> <bibl corresp="kbga-bibls-2870"><persName ref="kbga-actors-443">H. Zwingli</persName>, <hi rend="italic">Eine 
                Antwort, Valentin Compar gegeben</hi> (1525), Z 4,48-159.</bibl></note> oder an die Landsgemeinde in <ref type="term"><placeName ref="kbga-places-495">Schwyz</placeName></ref><note xml:id="n10"> <bibl corresp="kbga-bibls-2871"><persName ref="kbga-actors-443">H. Zwingli</persName>, <hi rend="italic">Eine göttliche Vermahnung an die Eidgenossen zu Schwyz</hi> (1522), Z 1,165-188.</bibl></note> gewendet, hat jetzt kälteren, praktischeren, weitsichtigeren Erwägungen Platz gemacht. |</p>
                <p> Am<note xml:id="n11"> Im folgenden Absatz wörtliche Anleihen aus der Zwingli-Vorlesung von <persName ref="kbga-actors-21">Fr. Barth</persName> (1903), 45.</note> 22. April 1529 hatten die katholischen Orte ihrerseits zu <ref type="term"><placeName ref="kbga-places-81">Waldshut</placeName></ref> ein Bündnis mit <ref type="term"><orgName ref="kbga-actors-9694">Österreich</orgName></ref> abgeschlossen mit dem ausgesprochenen Zweck, die neue 
                <ref type="term">Lehre</ref> in der ganzen Schweiz zu unterdrücken. <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName> seinerseits war entschlossen, den Aussatz des Söldnerwesens ebenso in der ganzen <placeName ref="kbga-places-58">Schweiz</placeName> zu unterdrücken, die Macht <orgName ref="kbga-actors-9841"><ref type="term">Zürich</ref>s</orgName> bis an den <placeName ref="kbga-places-850">Bodensee</placeName> zu erweitern und so dem Worte Gottes freie Bahn zu machen. |</p>
                <p> Ebenfalls im April 1529 unterstützte <ref type="term"><orgName ref="kbga-actors-9841">Zürich</orgName></ref> die bei Anlaß des Todes des <persName ref="kbga-actors-9840">Abts von St. Gallen</persName> erfolgte Auflehnung der Stadt <placeName ref="kbga-places-105">St. Gallen</placeName> gegen das <placeName ref="kbga-places-1191">Kloster</placeName>, setzte sich über die Schirmvogtrechte, die außer ihm und <ref type="term"><orgName ref="kbga-actors-9842">Glarus</orgName></ref> auch <ref type="term"><orgName ref="kbga-actors-8415">Luzern</orgName></ref> und 
                <ref type="term"><orgName ref="kbga-actors-8346">Schwyz</orgName></ref> in <placeName ref="kbga-places-105">St. Gallen</placeName> besaßen, hinweg und besetzte das ganze Gebiet. Andererseits unterstützten die Unterwaldner einen Aufstand im bernischen <placeName ref="kbga-places-1232">Hasletal</placeName>, worauf <ref type="term">Bern</ref> und <ref type="term">Zürich</ref> gemeinsam dem unterwaldnerischen Landvogt das Aufziehen im freien Amt 
                  verwehrten. Und als dann - Schlag und Gegenschlag folgten sich ununterbrochen - die <ref type="term">Schwyz</ref>er im Mai den zür<pb ed="pga" xml:id="p502" break="no"/>cherischen Pfarrer <persName ref="kbga-actors-9341">Kaiser</persName> abfingen und trotz <ref type="term">Zürich</ref>s 
                Drohungen in <ref type="term"><placeName ref="kbga-places-495">Schwyz</placeName></ref> verbrannten, da war der Krieg, der sogenannte 1. Kappelerkrieg, unvermeidlich geworden. Am 8. Juli<note xml:id="n12"> Tatsächlich erfolgte die Kriegserklärung am 8. Juni 1529.</note> erfolgte die 
                Kriegserklärung. Der Feldzugsplan dazu ist aus <persName ref="kbga-actors-443">Zwinglis</persName> Hand erhalten, und was zu Wasser und zu Lande, mit Geschütz und Mannschaft zu bedenken und zu tun sei, das findet man darin, unter Beifügung einer primitiven Landkarte sogar, wohl erwogen.<note xml:id="n13"> <bibl corresp="kbga-bibls-2872"><persName ref="kbga-actors-443">H. Zwingli</persName>, <hi rend="italic">Ratschlag über den Krieg</hi> (1529), Z 6/II,433-440.</bibl></note> 
                <ref type="term">Bern</ref> hielt zurück, dafür waren die übrigen Burgrechtsstädte zugezogen, während die Hilfe <orgName ref="kbga-actors-9694"><ref type="term">Österreich</ref>s</orgName> an die Katholiken versagte. Die Evangelischen in großer Übermacht, stand man sich bei <ref type="term"><placeName ref="kbga-places-894">Kappel</placeName></ref>, in der großen Mulde zwischen 
                <ref type="term"><placeName ref="kbga-places-1190">Albis</placeName></ref> und <placeName ref="kbga-places-464">Zugersee</placeName>, kampfbereit gegenüber, eine bernische Armee abwartend bei <ref type="term"><placeName ref="kbga-places-487">Bremgarten</placeName></ref>. <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName> war zu Pferd, mit einer Helleparte über der Schulter mitausgezogen; es war ihm jetzt bitterer Ernst. 
                Da kam es im letzten Augenblick zu einer Vermittlung durch den glarnerischen Landammann <persName ref="kbga-actors-4534">Äbli</persName>, dann zu wochenlangen Verhandlungen. Die außerordentlich strenge Mannszucht, die im zürcherischen Heer damals waltete, hat viel von sich reden gemacht: man sah keine Dirne, man 
                hörte kein Fluchen, es wurde weder Karten noch Würfel gespielt, dafür wurde die Mannschaft täglich zur <ref type="term">Predigt</ref> zusammengetrommelt, ein Vorbild dessen, was später in den Puritanerheeren  <persName ref="kbga-actors-524">Cromwells</persName><note xml:id="n14"> <seg type="bio"><persName ref="kbga-actors-524">Oliver  Cromwell</persName> (1599–1658) führte den militärischen Kampf des englischen Parlaments gegen König <persName ref="kbga-actors-5494">Karl I.</persName> in 
                den Jahren 1644-1649 und leitete das Heer nach puritanischen ethischen und religiösen Maximen.</seg></note> 
                üblich wurde, und ein Beweis dafür, daß die <ref type="term">Verkündigung</ref> <persName ref="kbga-actors-443">Zwinglis</persName> in seiner Umgebung Wurzeln geschlagen hatte. Damals ist auch von  <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName> für seine 
                Soldaten das berühmte Lied  «Herr, nun heb den Wagen selbst» gedichtet worden<note xml:id="n15"> <bibl corresp="kbga-bibls-2873"><persName ref="kbga-actors-443">H. Zwingli</persName>, <hi rend="italic">Das Kappeler Lied</hi> (1531), Z 6/V,395-408. Das Lied hat in der endgültigen verbreiteten Weise folgenden Wortlaut nach Z 6/V,396-398</bibl>: 
                    <q rend="block">
                        <lg> 
                            <l>1</l>
                            <l><hi rend="italic">Herr</hi>, nun heb den wagen selb.</l>
                            <l>Schelb wird sust all unser fart;</l> 
                            <l>das brächt lust der widerpart</l> 
                            <l>die dich </l> 
                            <l>veracht so frävenlich.</l> 
                            <l>2</l>
                            <l><hi rend="italic">Gott</hi>, erhöch den Namen din </l> 
                            <l>in der straaff der bösen böck.</l> 
                            <l>Dine schaaf widrumb erweck,</l> 
                            <l>die dich </l> 
                            <l>liebhabend innigklich.</l> 
                            <l>3</l>
                            <l><hi rend="italic">Hilff</hi>, das alle bitterkeit </l> 
                            <l>scheid in dfer und alte trüw </l> 
                            <l>widerkeer unnd werde nüw, </l> 
                            <l>das wir </l> 
                            <l>ewig lobsingind dir.</l>
                        </lg>
                    </q>
                Die These, daß <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName> dieses Lied während des ersten Kappeler Kriegs im Juni 1529, als die Zürcher und die Innerschweizer Truppen bei <ref type="o"><placeName ref="kbga-places-894">Kappel</placeName></ref> gegenüberlagen, im 
                Feldlager gedichtet und vertont habe, geht zurück auf <bibl corresp="kbga-bibls-3055"><persName ref="kbga-actors-1506">H.  Bullinger</persName>, <hi rend="italic">Reformationsgeschichte</hi>, a.a.O. (oben <ref type="pub" target="../volume/40/p122#fn_n61">S. 122, Anm. 61</ref>), Bd. II, S. 182 (Nr. 309)</bibl>.  <persName ref="kbga-actors-1506">Bullinger</persName> seinerseits bezieht sich dabei auf <bibl corresp="kbga-bibls-2874"><persName ref="kbga-actors-9530">J.  Stumpf</persName>, <hi rend="italic">De Huldrichi Zuinglii fortissimi herois ac theologi doctissimi vita et obitu</hi> (1536), dt. Übers.: <hi rend="italic">Chronica vom Leben und Wirken des Ulrich Zwingli</hi>, hrsg. von
                L. Weisz, Zürich 1931, S. 63</bibl>. Tatsächlich jedoch läßt die stilistische und inhaltliche Verwandtschaft des Kappeler Liedes mit den beiden anderen Liedern <persName ref="kbga-actors-443">Zwinglis</persName> - dem 69. Psalm und dem <ref type="o">Pest</ref>lied - vermuten, daß dieser auch sein drittes Lied um 1525 geschaffen hat.</note> 
                mit der Schlußstrophe  «Hilf, daß alle Bitterkeit scheide fern und alte Treu <pb ed="pga" xml:id="p503"/> wiederkehr und werde neu, daß wir ewig lobsingen dir!» Die Melodie dazu stammt nicht, wie man überall liest, von <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName>, sondern ist die auf einen anderen Rhythmus 
                gebrachte Weise eines älteren <ref type="term">Liebe</ref>sliedes.<note xml:id="n16"> <persName ref="kbga-actors-443">Zwinglis</persName> kunstvollstes Lied ist in einer Basler Handschrift mit zwei Melodien überliefert, einer ursprünglichen um 1525 im Hofweisen-Stil und einer zweiten 1529 von mehr 
                volksliedhaftem <ref type="o">Charakter</ref>. Diese zweite Melodie, die entgegen <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Erklärung doch wohl eine originale <ref type="o">Schöpfung</ref> <persName ref="kbga-actors-443">Zwinglis</persName> ist, könnte durchaus im Feld bei <ref type="o"><placeName ref="kbga-places-894">Kappel</placeName></ref> als für den Soldatengesang geeignet entstanden sein. 
                Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-2876"><persName ref="kbga-actors-4764">M.  Jenny</persName>, <hi rend="italic">Zwinglis Lieder</hi>, in: Jahrbuch für Liturgik und Hymnologie, Jg. 14 (1969), S. 63–102</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-2879">ders., <hi rend="italic">Luther, Zwingli, Calvin in ihren Liedern</hi>, Zürich 1983, S. 173–214</bibl>.</note> Damals ebenfalls ist zwischen den beiderseitigen Vorposten die <ref type="term">Kappel</ref>er Milchsuppe verzehrt worden, eine Mahlzeit, 
                die als Symbol schweizerischer  Einigkeit mitten im Zank und religiöser Toleranz mitten im finsteren Glaubensstreit in den modernen schweizerischen Schulgeschichtsbüchern außerordentlich rührend geschildert ist. Nach dem <ref type="term">Herz</ref>en 
                <persName ref="kbga-actors-443">Zwinglis</persName> war sie durchaus nicht. Er hat damals dem glarnerischen <ref type="term">Friede</ref>nsstifter grollend zugerufen:  «Gevatter Ammann, du wirst Gott noch müssen Rechenschaft geben! Solange die Feinde <pb ed="pga" xml:id="p504"/> schwach und ungerüstet sind, geben sie gute Worte; da glaubst du ihnen und stiftest Frieden. Wenn sie aber gerüstet 
                sind, werden sie unser nicht schonen, und dann wird niemand Frieden machen!»<note xml:id="n17"> <bibl corresp="kbga-bibls-3055"><persName ref="kbga-actors-1506">H.  Bullinger</persName>, <hi rend="italic">Reformationsgeschichte</hi>, a.a.O., Bd. II, S. 170.</bibl></note> Sein weitangelegter Plan, der damals der Verwirklichung nahe war, wurde durch diesen vorschnellen Frieden in der Tat vereitelt, denn zum zweiten Mal kehrte die günstige Situation nicht wieder. Die fünf Orte machten einige Konzessionen, ohne daß doch das ganze 
                Verhältnis grundsätzlich geregelt und erträglich gemacht worden wäre. <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName> hat damals in gründlichem Überdruß an den schweizerischen Verhältnissen - schweizerischen Nationalismus wird man ihm überhaupt nicht vorwerfen können - mit <persName ref="kbga-actors-711">Oekolampad</persName> den Gedanken erwogen, ob es 
                nicht besser wäre, mit den Süddeutschen eine neue Eidgenossenschaft einzugehen, da ja von der alten doch nur noch der Name übrig sei.<note xml:id="n18"> Briefe von <persName ref="kbga-actors-711">Johannes Oekolampad</persName> an 
                <persName ref="kbga-actors-443">Huldrych Zwingli</persName> (17.4.1529), <bibl corresp="kbga-bibls-2941">Z 10,101-103, bes. S. 101, Z. 5f. (Nr. 834)</bibl>; (22.5.1529), <bibl corresp="kbga-bibls-2941">Z 10,130 (Nr. 844)</bibl>; Briefe von <persName ref="kbga-actors-3992">Wolfgang  Capito</persName> an <persName ref="kbga-actors-443">Huldrych Zwingli</persName> (13.5.1529), <bibl corresp="kbga-bibls-2941">Z 10,119-121 (Nr. 840)</bibl>; (18.5.1529), <bibl corresp="kbga-bibls-2941">Z 10,124-126 (Nr. 842)</bibl>; vgl.  <bibl corresp="kbga-bibls-2852"><persName ref="kbga-actors-4167">R. Staehelin</persName>, a.a.O. (oben <ref type="pub" target="../volume/40/pr014#fn_33">S. XIV, Anm. 33</ref>), Bd. II, S. 381–387, bes. S. 385</bibl>.</note> |</p>
                <p>Am<note xml:id="n19"> Im folgenden Absatz wörtliche Anleihen aus der Zwingli-Vorlesung von <persName ref="kbga-actors-21">Fr. Barth</persName> (1903), 45c-46c.</note>  Reichstag von <ref type="term"><placeName ref="kbga-places-645">Augsburg</placeName></ref> 1530 reichten der <persName ref="kbga-actors-9840">Abt von St. Gallen</persName> und die fünf Orte eine Klage gegen <ref type="term">Zürich</ref> an den Kaiser ein. 
                Die Lutheraner ließen im Artikel 10 ihrer dort eingereichten Konfession die Zwinglianer auch dem katholischen Gegner gegenüber fallen<note xml:id="n20"> <bibl corresp="kbga-bibls-13"><hi rend="italic">Confessio Augustana</hi> (1530), Art. 10; BSLK 64,1-8</bibl>:  «X. Vom heiligen Abendmahl. Von dem Abendmahl des Herren wird also gelehrt, 
                daß wahrer Leib und Blut Christi wahrhaftiglich unter der Gestalt des Brots und Weins im Abendmahl gegenwärtig sei und da ausgeteilt und genommen werde. Derhalben wird auch die Gegenlehre verworfen.»</note>, und <ref type="term"><placeName ref="kbga-places-149">Straßburg</placeName></ref>, <ref type="term"><placeName ref="kbga-places-556">Konstanz</placeName></ref>, <ref type="term"><placeName ref="kbga-places-1277">Memmingen</placeName></ref> 
                und <ref type="term"><placeName ref="kbga-places-1163">Lindau</placeName></ref> sonderten sich von <ref type="term"><placeName ref="kbga-places-66">Zürich</placeName></ref> ab durch Eingabe eines die zwinglische Abendmahlslehre bedenklich verschleiernden Sonder<ref type="term">bekenntniss</ref>es, der sogenannten 
                Confessio Tetrapolitana<note xml:id="n21"> <bibl corresp="kbga-bibls-2882"><hi rend="italic">Confessio Tetrapolitana</hi> (1530), BSRK 55-78</bibl> (= <bibl corresp="kbga-bibls-20">BSRefK 456,1-494,25</bibl>). Die vier oberdeutschen Städte <ref type="o"><placeName ref="kbga-places-149">Straßburg</placeName></ref>, <ref type="o"><placeName ref="kbga-places-556">Konstanz</placeName></ref>, <ref type="o"><placeName ref="kbga-places-1163">Lindau</placeName></ref> und <ref type="o"><placeName ref="kbga-places-1277">Memmingen</placeName></ref>, die sich aufgrund des in <bibl corresp="kbga-bibls-13">CA</bibl> X vertretenen Abendmahlsverständnisses nicht zur Aufnahme 
                der <ref type="o">Augsburg</ref>ischen Konfession bereiterklärten, schalteten sich mit der von <persName ref="kbga-actors-66">Martin Bucer</persName> und <persName ref="kbga-actors-3992">Wolfgang Capito</persName> verfaßten Confessio Tetrapolitana in die Augsburger Religionsverhandlungen ein. Sie sollte eine Mittelstellung zwischen der lutherischen und der zwinglischen Position darstellen.</note>. 
                  Damals entstand <persName ref="kbga-actors-443">Zwinglis</persName>  «<foreign xml:lang="lat">Fidei ra<pb ed="pga" xml:id="p505" break="no"/>tio</foreign>»<note xml:id="n22"> <bibl corresp="kbga-bibls-257">Z 6/II,790-817</bibl>; siehe oben <ref type="pub" target="../volume/40/p498#p498">S. 498</ref>.</note>, in der er  seinerseits noch einmal rücksichtslos seine Sache darlegte mit dem Vorspruch  «<foreign xml:lang="lat">veritas vincat</foreign>»<note xml:id="n23"> <bibl corresp="kbga-bibls-257">Z 6/II,784 (Titelblatt)</bibl> (= <bibl corresp="kbga-bibls-17">BSRK 79,7</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-20"><choice><sic ed="pga">BSRefK</sic><corr type="misprint" resp="pz">BSRefK I,</corr></choice> 425,7</bibl>).</note>, und als Antwort auf eine Gegenschrift von <persName ref="kbga-actors-9106">Eck</persName>:  
                «<foreign xml:lang="lat">De conviciis Eccii</foreign>»<note xml:id="n24"> <bibl corresp="kbga-bibls-2883"><persName ref="kbga-actors-443">H. Zwingli</persName>, <hi rend="italic">De convitiis Eckii</hi> (1530), Z 6/III,249-291</bibl>; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-2884"><persName ref="kbga-actors-9106">J. Eck</persName>, <hi rend="italic">Repulsio articulorum Zuuinglii</hi> (1530)</bibl>.</note>. Die Haltung <persName ref="kbga-actors-2056">Karls V.</persName> war unfreundlich und drohend dem <hi rend="italic">ganzen</hi> oberländischen Kreis gegenüber. So unternahm <persName ref="kbga-actors-66">Butzer</persName> neue Schritte, um eine Verständigung 
                zwischen <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> und <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName> herbeizuführen. Er hat <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName> gebeten, er möchte doch seine Krallen etwas einziehen und das Vorhandensein von Leib und Blut Christi in den Elementen in irgendeinem Sinn zugeben.<note xml:id="n25"> Brief an <persName ref="kbga-actors-443">Huldrych Zwingli</persName> (18.9.1530), <bibl corresp="kbga-bibls-3185">Z 11,140,23-26 (Nr. 1099)</bibl>.</note> <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName> hat dieses Ansinnen als eine  «Vermuslung der <ref type="term">Wahrheit</ref>»<note xml:id="n26"> Brief an <persName ref="kbga-actors-9348">Markus Röist</persName> (20.11.1530), <bibl corresp="kbga-bibls-3185">Z 11,250,5f. (Nr. 1136)</bibl>.</note> 
                mannhaft abgelehnt, und als man <ref type="term">Zürich</ref> bald darauf für den Schmalkaldischen Bund gewinnen wollte um den Preis einer Abschwächung von <persName ref="kbga-actors-443">Zwinglis</persName> Abendmahlslehre, wies er auch dies entschieden zurück, da wir  «<foreign xml:lang="lat">non nostro isti seculo, non principibus, sed domino</foreign>» leben und der <ref type="term">Wahrheit</ref> nichts vergeben dürfen.<note xml:id="n27"> Brief an <persName ref="kbga-actors-3992">Wolfgang Capito</persName> und <persName ref="kbga-actors-66">Martin Bucer</persName> (12.2.1531), <bibl corresp="kbga-bibls-3185">Z 11,340,3-6 (Nr. 1168)</bibl>.</note> 
                Er gab zu bedenken, man könnte mit verschiedenen Formeln vom Abendmahl gegen Rom zusammenstehen, wie man ja auch mit den Katholiken gegen die Türken zusammenstehe.<note xml:id="n28"> Brief an <persName ref="kbga-actors-9348">Markus Röist</persName> (20.11.1530), <bibl corresp="kbga-bibls-3185">Z 11,250,14-17 (Nr. 1136)</bibl>.</note> Aber für eine Bruderschaft in diesem Sinn war man, wie schon in <placeName ref="kbga-places-41">Marburg</placeName>, so auch jetzt auf der <hi rend="italic">anderen</hi> Seite nicht zu haben. So konnten sie zusammen nicht kommen und gingen 
                nun vereinzelt dem Verderben oder doch der gründlichsten Stillegung der evangelischen Sache entgegen. Damals nach dem <ref type="term">Augsburg</ref>er Reichstag war es, daß <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName> mit <persName ref="kbga-actors-319">Philipp von <ref type="term">Hessen</ref></persName> jene z. T. nach 
                Diplomatenart in Geheimschrift geführte Korrespondenz unterhielt über ein großes antihabsburgisch-antirömisches Bündnis mit <ref type="term"><orgName ref="kbga-actors-9628">Venedig</orgName></ref>, <ref type="term"><orgName ref="kbga-actors-9844">Mailand</orgName></ref> und <ref type="term"><orgName ref="kbga-actors-7856">Frankreich</orgName></ref>.<note xml:id="n29"> Diese mit Geheimsiglen versehene Korrespondenz umfaßt
                folgende Briefe: <persName ref="kbga-actors-319">Landgraf Philipp von <ref type="o">Hessen</ref></persName> an Huldrych <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName> (17.2.1530), <bibl corresp="kbga-bibls-2941">Z 10,443-445 (Nr. 974)</bibl>; (10.3.1530), <bibl corresp="kbga-bibls-2941">Z 10,501-503 (Nr. 994)</bibl>; (15.3.1530), <bibl corresp="kbga-bibls-2941">Z 10,516 (Nr. 999)</bibl>; (4.9.1530), <bibl corresp="kbga-bibls-3185">Z 11,111-113 (Nr. 1088)</bibl>; (25.1.1531), <bibl corresp="kbga-bibls-3185">Z 11,322-324 (Nr. 1162)</bibl>. 
                <persName ref="kbga-actors-443">Huldrych Zwingli</persName> an <persName ref="kbga-actors-319">Landgraf Philipp von <ref type="o">Hessen</ref></persName> (9.3.1530), <bibl corresp="kbga-bibls-2941">Z 10,497-499 (Nr. 992)</bibl>; (12.3.1530), <bibl corresp="kbga-bibls-2941">Z 10,512-515 (Nr. 998a)</bibl>; (13.7.1530), <bibl corresp="kbga-bibls-3185">Z 11,21f. (Nr. 1061)</bibl>; (22.7.1530), <bibl corresp="kbga-bibls-3185">Z 11,35f. (Nr. 1067)</bibl>; (30.8.1530), <bibl corresp="kbga-bibls-3185">Z 11,95-97 (Nr. 1084)</bibl>; (20.9.1530), <bibl corresp="kbga-bibls-3185">Z 11,144f. (Nr. 
                1100)</bibl>; (13.10.1530), <bibl corresp="kbga-bibls-3185">Z 11,193f. (Nr. 1115a)</bibl>; (11.2.1531), <bibl corresp="kbga-bibls-3185">Z 11,337f. (Nr. 1167)</bibl>; (28.4.1531), <bibl corresp="kbga-bibls-3185">Z 11,422-424 (Nr. 1200a)</bibl>.</note> Im Hintergrund <pb ed="pga" xml:id="p506"/> wurde aber bereits auch von <ref type="term"><orgName ref="kbga-actors-9845">Dänemark</orgName></ref> und <orgName ref="kbga-actors-8733">England</orgName>, von <orgName ref="kbga-actors-9846">Böhmen</orgName> und 
                <ref type="term"><orgName ref="kbga-actors-8530">Ungarn</orgName></ref>, ja sogar vom Türken geredet, also von einem wahren Völkerbund. Die entsprechenden Versuche sind gemacht worden, und der Entwurf zu einem Vertrag mit <ref type="term">Frankreich</ref> war schon vorhanden. Er sah u.A. 
                die Zahlung von französischen Subsidien an die Städte vor, was <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName> damit rechtfertigte, daß es sich nicht wie bei den Pensionen um Privatpersonen, sondern um Gemeinwesen handle, wie ja der König  <persName ref="kbga-actors-2245">Salomo</persName> ebenfalls die Geschenke der <persName ref="kbga-actors-9343">Königin von Saba</persName> unbedenklich und mit Recht angenommen habe [<ref type="can" subtype="bible" target="1.Kön.10.10 1.Kön.10.13">1.Kön. 10,10–13</ref>]. |</p>
                <p> In diesen  Zusammenhang gehört die <persName ref="kbga-actors-5108">Franz I.</persName> gewidmete, an das <ref type="term">Apostolikum</ref> sich anschließende  «<foreign xml:lang="lat">Fidei christianae expositio</foreign>» von 1531.<note xml:id="n30"> <bibl corresp="kbga-bibls-2864">Z 6/V,50-163</bibl>; siehe oben <ref type="pub" target="../volume/40/p498#p498">S. 498</ref>.</note> Zustandegekommen ist von all dem Geplanten schließlich <hi rend="italic">nichts.</hi> Es war um 
                die Stellung <ref type="term">Zürich</ref>s und <persName ref="kbga-actors-443">Zwinglis</persName> seit 1529 nicht mehr gut bestellt. <ref type="term">Bern</ref> verfolgte Sonderinteressen im Westen (die später zu der Eroberung des <placeName ref="kbga-places-348">Waadtlandes</placeName> führten) eifriger als die Sache des <ref type="term">Evangelium</ref>s in der <placeName ref="kbga-places-922">Ostschweiz</placeName>, wo es ohnehin <ref type="term">Zürich</ref> nicht allzusehr aufkommen lassen wollte, und 
                stand der hohen <ref type="term">Politik</ref> <persName ref="kbga-actors-443">Zwinglis</persName> mit gründlicher Kühle gegenüber. Aber auch in <ref type="term"><placeName ref="kbga-places-66">Zürich</placeName></ref> selbst hatte der <ref type="term">Toggenburg</ref>er mit seinem unheimlichen Einfluß auf die Regierung und mit seinen Sittenmandaten, die denn doch auch dort nicht nach jedermanns Sinn 
                waren, seine offenen und heimlichen Gegner. Kein <ref type="term">Wunder</ref>, auch angesichts der Überanstrengung durch Arbeit aller Art, an der er litt, daß sein <ref type="term">Wesen</ref> in dieser letzten <ref type="term">Zeit</ref> etwas Gereiztes und Aufgeregtes bekam.  «Bischof des ganzen Vaterlandes und 
                Auge des Herrn»<note xml:id="n31"> Brief an <persName ref="kbga-actors-443">Huldrych Zwingli</persName> (24.10.1530), <bibl corresp="kbga-bibls-3185">Z 11,204,13f. (Nr. 1120)</bibl>.</note> hat ihn <persName ref="kbga-actors-4719">Berthold Haller</persName> damals genannt und ein anderes Mal  «Wächter nicht nur des Vaterlandes, sondern des ganzen christlichen Gemeinwesens»<note xml:id="n32"> Brief 
                  an <persName ref="kbga-actors-443">Huldrych Zwingli</persName> (15.8.1530), <bibl corresp="kbga-bibls-3185">Z 11,62,9f. (Nr. 1075)</bibl>.</note>; aber solche Anerkennung war doch nur die Kehr<pb ed="pga" xml:id="p507" break="no"/>seite der schweren Sorge, die <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName> mit dem, was für ihn Reformation bedeutete, auf sich genommen hatte und die wie ein dunkler Schatten über dieser seiner letzten Zeit liegt. Das Zerwürfnis mit den katholischen Schweizerorten kam 
                trotz oder wegen des <ref type="term">Kappel</ref>er Landfriedens nicht zur Ruhe, gegenseitige Schikanen folgten sich in ununterbrochener Reihe. Die katholischen Orte knüpften neue Beziehungen zu <ref type="term"><orgName ref="kbga-actors-9694">Österreich</orgName></ref> an. Wieder 
                drängte <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName> dazu, die Sache durch einen energisch geführten <hi rend="italic">Krieg</hi> zum Abschluß zu bringen, und schon entwarf er ein Programm über die nachher einzuführende neue Ordnung der schweizerischen Verhältnisse unter der Vormacht von <ref type="term"><orgName ref="kbga-actors-9841">Zürich</orgName></ref> und <ref type="term"><orgName ref="kbga-actors-8351">Bern</orgName></ref>. Die reformierten Orte 
                beschlossen aber auf Vorschlag <ref type="term">Bern</ref>s, nur eine Lebensmittelsperre gegen die Urkantone durchzuführen, eine Maßregel, die <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName> als halb, grausam und aufreizend bekämpft hat. (Das Urteil, das bei  <persName ref="kbga-actors-1294">Tschackert</persName> und  <persName ref="kbga-actors-179">Hermelink</persName> zu lesen ist, daß <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName> für diese Maßregel verantwortlich sei, ist also unrichtig.)<note xml:id="n33"> <bibl corresp="kbga-bibls-2885"><persName ref="kbga-actors-1294">P.  Tschackert</persName>, a.a.O. (oben S. 26, Anm. 60), S. 238</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-1905"><persName ref="kbga-actors-179">H.  Hermelink</persName>, a.a.O.
                (oben S. 4, Anm. 8), S. 106</bibl>.</note> <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName> war so sehr <hi rend="italic">nicht</hi> einverstanden mit der Haltung seiner Regierung, daß er am 26. Juli 1531 seine Demission einreichte, die aber ehrenvoll abgelehnt wurde. Er konnte es aber nicht hindern, daß die Lust zum Kriege angesichts der bedrohlichen europäischen Lage in <ref type="term"><placeName ref="kbga-places-66">Zürich</placeName></ref> 
                selbst wie in <ref type="term"><placeName ref="kbga-places-9">Bern</placeName></ref> trotz seiner Bemühungen sehr gering war und daß andererseits die Durchführung der Lebensmittelsperre den hungernden inneren Kantonen den Krieg fast unvermeidlich machte. Es wird Manches erzählt von Todesahnungen, die 
                ihn in jenem Spätsommer 1531 bewegt haben sollen. Ein Komet stand am <ref type="term">Himmel</ref> und beunruhigte auch in <ref type="term">Zürich</ref> nicht Wenige.<note xml:id="n34"> <bibl corresp="kbga-bibls-3028"><hi rend="italic">Actensammlung zur Geschichte 
                    der Zürcher Reformation in den Jahren 1519-1533</hi>, a.a.O. (oben S. 120, Anm. 57), S. 760f. (Nr. 1780) und S. 762 (Nr. 1782).</bibl></note> <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName> soll zu Einem, der ihn darüber befragte, gesagt haben:  «Mein Jörg, mich und manchen Ehrenmann wird es kosten, und wird die <ref type="term">Wahrheit</ref> und die Kilch Not leiden, doch von Christus werden wir nicht verlassen.»<note xml:id="n35"><bibl corresp="kbga-bibls-539"><persName ref="kbga-actors-1506">H.  Bullinger</persName>, <hi rend="italic">Reformationsgeschichte</hi>, a.a.O. (oben S. 122, Anm. 61), Bd. III, S. 46.</bibl></note> |</p>
                <p> Als am 9. Oktober die Kriegserklärung der fünf Orte eintraf, war man in <ref type="term"><placeName ref="kbga-places-66">Zürich</placeName></ref> bestürzt und unsicher. Am 10. Oktober zog die Vorhut <pb ed="pga" xml:id="p508"/> den bekannten Weg über den <ref type="term"><placeName ref="kbga-places-1190">Albis</placeName></ref> dem bei <placeName ref="kbga-places-1084">Zug</placeName> sich sammelnden Feind entgegen, unter Führung eines Mannes, <persName ref="kbga-actors-9345">Georg  Göldli</persName>, der ein Gegner <persName ref="kbga-actors-443">Zwinglis</persName> und wahrscheinlich direkt ein Verräter gewesen ist. Am 11. Oktober folgte das Hauptheer unter <persName ref="kbga-actors-6317">Rudolf Lavater</persName>, es fehlte an Mannschaft, es fehlte an <ref type="term">Ordnung</ref>, es fehlte an Pferden zur genügenden Bespannung der Artillerie, es fehlte vor Allem an jener Entschlossenheit, mit der man 1529 desselben 
                Wegs gezogen war. Wieder ist <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName> mit ausgeritten, angetan mit jenem Eisenhut, der noch heute im Museum in <ref type="term"><placeName ref="kbga-places-66">Zürich</placeName></ref> zu sehen ist, aber mit einer klaffenden Verletzung, bewaffnet mit Schwert und Faustrohr, im Lederzeug des Pferdes fehlte 
                auch eine kleine Bibel nicht. Die Frage, ob dies sein Ort und sein Weg sei, war für ihn keine Frage, auch abgesehen von der alten Sitte, nach der einer der Stadtpfarrer das ausziehende Hauptbanner zu begleiten hatte. Als man über den <ref type="term"><placeName ref="kbga-places-1190">Albis</placeName></ref> kam, fand man die Vorhut bereits in ungünstigster Stellung im Treffen. Man beratschlagte, ob 
                man erst die dringend nötige Verstärkung abwarten wolle. <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName> war aufs Entschiedenste dagegen. So ließ man die Pferde zurück, und der verhängnisvolle letzte Weg wurde angetreten. 1500 Zürcher standen gegen 8000 Innerschweizer. Als man sich nachmittags 3 Uhr zum Treffen ordnete und auch <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName> sich in Reih und Glied stellte, redete ihn ein vorlauter Zürcher an:  
                «Meister Ulrich, wie gefällt euch diese Sache? Sind die Rüben gesalzen? Wer will es ausessen?» <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName> antwortete:  «Ich und mancher Biedermann, der hier steht in Gottes Hand, des wir lebendig und tot sind.» Darauf der Andere:  «Auch ich will es helfen ausessen, und Leib und Leben trostlich wagen.»<note xml:id="n36"> <bibl corresp="kbga-bibls-539">A.a.O., Bd. III, S. 137f.</bibl></note> Ein Flankenangriff, der die Zürcher zum vornherein in Nachteil versetzte, brachte den 
                Zusammenstoß, dem nach homerischer Sitte eine Flut von gegenseitigen Beschimpfungen vorausging. Ketzer, Kelchdiebe!, riefen die Innerschweizer, Päpstler, Götzenknechte! die Zürcher. <persName ref="kbga-actors-443">Zwinglis</persName> letzte Worte vor dem wüsten Zusammenprall sollen gewesen sein:  «Biderbe Leute, seid trostlich und fürchtet euch nicht. Müssen wir gleich leiden, so ist die Sache gut. 
                Befehlt euch Gott, der kann unser und der Unsern pflegen, Gott walts!»<note xml:id="n37"> <bibl corresp="kbga-bibls-539">A.a.O., Bd. III, S. 127.</bibl></note> Man wird ja darüber streiten können, ob die damalige oder <pb ed="pga" xml:id="p509"/> die heutige Art, sich im Kriege massenweise vom <ref type="term">Leben</ref> zum <ref type="term">Tod</ref>e zu bringen, grauenerregender ist. Den Humanisten, der als solcher zum Reformator wurde, den 
                ernsthaften Gegner <persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName>, den Verfasser von  «<foreign xml:lang="lat">De providentia</foreign>» inmitten dieses Bildes sich zu denken, bleibt ein schwer vollziehbarer Gedanke. Aber die Wirklichkeit ist öfters so schwer zu denken. Das Ergebnis war eine vernichtende Niederlage der Zürcher. Mit <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName> 
                blieben nicht weniger als 25 andere reformierte Theologen und 500 sonstige Zürcher auf der Walstatt. <persName ref="kbga-actors-443">Zwinglis</persName> Hingang ist in Dichtung und <ref type="term">Wahrheit</ref> oft geschildert worden.<note xml:id="n38"> Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-3186"><persName ref="kbga-actors-4656">E.  Egli</persName>, <hi rend="italic">Die Schlacht von Cappel 1531</hi>, Zürich 1873</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-3187">ders., <hi rend="italic">Zwinglis Tod. Nebst einem Anhang: Nachlese 
                zu Die Schlacht von Kappel</hi>, Zürich 1893</bibl>.</note> Zweimal schon verwundet, hätte ihn ein mächtiger Streich auf den Kopf niedergestreckt, ein Hauptmann von <placeName ref="kbga-places-399">Unterwalden</placeName> namens  <persName ref="kbga-actors-9346">Vokinger</persName> hat am Abend der Schlacht, als man ihn noch lebend fand, die tödliche Waffe zum 
                letzten Mal gegen ihn gebraucht, nachdem er den geistlichen Beistand eines Priesters verweigert hatte.<note xml:id="n39"> <bibl corresp="kbga-bibls-539"><persName ref="kbga-actors-1506">H.  Bullinger</persName>, <hi rend="italic">Reformationsgeschichte</hi>, a.a.O., Bd. III, S. 136f.</bibl></note> Sein Leichnam wurde gevierteilt, mit Unrat vermischt und 
                verbrannt.<note xml:id="n40"> <bibl corresp="kbga-bibls-539">A.a.O., Bd. III, S. 166f.</bibl></note> Mit anderen Toten jenes Tages ist noch Gräßlicheres getan worden. Es war ein Untergang in Nacht und Grauen, unzweideutig irdisch, wie <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName> immer gewesen war.</p>
                <p> Eine<note xml:id="n41"> Im folgenden Absatz wörtliche Anleihen aus der <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName>-Vorlesung von <persName ref="kbga-actors-21">Fr. Barth</persName> (1903), 47c.</note> zweite Niederlage der Zürcher kurz darauf besiegelte den unglücklichen Ausgang dieses Krieges. Der <ref type="term">Friede</ref>, der 
                ihm folgte, kam einer Kapitulation gleich: Das Christliche Burgrecht wurde aufgehoben, die Evangelischen und die gemeinsamen Herrschaften der Willkür der Katholiken preisgegeben, das <placeName ref="kbga-places-1191">Kloster St. Gallen</placeName> wiederhergestellt, die Reformierten aus <ref type="term"><placeName ref="kbga-places-492">Solothurn</placeName></ref> vertrieben, <ref type="term"><orgName ref="kbga-actors-9841">Zürich</orgName></ref> mußte die Kriegslasten bezahlen. |</p>
                <p> Es war, in ganz Europa teils mit Schmerz, teils mit Jubel begrüßt, das erste sichtbare Zeichen, daß die <ref type="term">Reformation</ref> zum Stehen gekommen war. Unter den Jubelnden war nicht nur <persName ref="kbga-actors-2056">Karl V.</persName>, nicht nur <persName ref="kbga-actors-9347">Clemens VII.</persName>, nicht nur <persName ref="kbga-actors-971">Erasmus</persName>, sondern 
                auch <hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName>.</hi> Er hat <persName ref="kbga-actors-443">Zwinglis</persName> Tod eine Strafe Gottes genannt, seine ewige <ref type="term">Seligkeit</ref> in Abrede gestellt oder doch nur insofern als möglich zugegeben, als man auch <pb ed="pga" xml:id="p510"/> einen vom <ref type="term">Gericht</ref> verurteilten Übeltäter nicht zur Hölle 
                verurteilen könne, da bei Gott kein Ding unmöglich sei. Er hat es offen und ausdrücklich bedauert, daß der Sieg der Schweizer wider die Zwingler nicht mit einem <ref type="term">Friede</ref>nsschluß geendigt habe, durch den der zwinglische Glaube unterdrückt, d. h. also die Reformation in der <placeName ref="kbga-places-58">Schweiz</placeName> vernichtet worden wäre. Er hat 
                durch das Ereignis von <ref type="term"><placeName ref="kbga-places-894">Kappel</placeName></ref>  «unsern Glauben bestätigt» gesehen und die Nutzanwendung gezogen, es sei  «fährlich und erschrecklich, etwas zu hören oder zu gläuben wider einträchtig Zeugnis, Glaube und <ref type="term">Lehre</ref> der ganzen heiligen christlichen <ref type="term">Kirche</ref>n, so von Anfang her, nu uber 1500 Jahre in aller Welt einträchtiglich 
                gehalten hat» (<bibl corresp="kbga-bibls-496">E.A. 54,286-288</bibl>).<note xml:id="n42"> <bibl corresp="kbga-bibls-3188"><persName ref="kbga-actors-261">M. Luther</persName>, <hi rend="italic">An den Fürsten und Herrn Albrecht von Preußen. Ein Sendbrief D. Martin Luthers wider etliche Rottengeister</hi> (1532), WA 30/III,550-552; Zitate: 551,34;552,12-15.</bibl></note> Es war <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> in diesem fatalen Brief an den Herzog <persName ref="kbga-actors-1339">Albrecht von <ref type="term">Preußen</ref></persName> um den 
                Nachweis zu tun, daß der Tod <persName ref="kbga-actors-443">Zwinglis</persName> nicht, wie man in <ref type="term"><placeName ref="kbga-places-66">Zürich</placeName></ref> behauptete, ein Märtyrertod gewesen sei.<note xml:id="n43"> <bibl corresp="kbga-bibls-3188">WA 30/III,550,26f.33–551,7.</bibl></note> Die Behauptung war gleich überflüssig wie die Bestreitung. Was heißt Märtyrertod? Wer stirbt ganz und gar nur in Gottes und wer ganz und gar nur in seiner sündigen, verkehrten eigenen Sache? Das Andere, was <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> gesagt hat, aber kommt aus einer 
                Finsternis, die mit der des Abends von <ref type="term"><placeName ref="kbga-places-894">Kappel</placeName></ref> wetteifert. Ein <ref type="term">Gericht</ref>, das göttliche Siegel auf die Tatsache, daß es so nicht geht, ist der Tod eines Menschen immer und auf alle Fälle. Aber wer den Tod eines anderen Menschen ein <ref type="term">Gericht</ref> gerade über 
                diesen Menschen nennen<note xml:id="n44"> <bibl corresp="kbga-bibls-3188">WA 30/III,550,20-22.</bibl></note> und sich selbst dadurch bestätigt fühlen kann, der bezeugt damit, daß er <hi rend="italic">auch</hi> gerichtet ist. Als <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName> starb, da starb mit ihm, dem überhörten Wächter, dem abgelehnten Widersprecher auch 
                der eigentlich lebendige, der prophetische, der reformatorische <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName>. Was übrigblieb, das gehört in die Kirchengeschichte. Ich habe mich bemüht, Alles geltend zu machen, was auch gegen diesen Wächter geltend gemacht werden <hi rend="italic">muß</hi>, und es war nicht Weniges. 
                Ich hoffe aber, Sie gerade damit überzeugt zu haben, daß das Überhören und Ablehnen seiner Stimme kein gutes Tun sein kann. Er hat ja schließlich so wenig wie <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> in seinem eigenen Namen geredet.</p>
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