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        <title type="volume" n="vol-39">Predigten 1919</title>
        <title type="content">Epheser 6,18-20</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: Epheser 6,18-20, 31. August 1919</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/39039 (Stand: 25. August 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Predigten 1919, hrsg. v. Schmidt, Hermann (Gesamtausgabe, Abt. I), Zürich 2003, S. 325.</title>
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      <editionStmt>
        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
      </editionStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
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        <idno type="url">https://kbga.karl-barth.ch/texts/39039</idno>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Predigten 1919</title>
          <title type="text">Epheser 6,18-20</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Schmidt, Hermann</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2003</date>
          <biblScope unit="page">325</biblScope>
          <!--position within a volume-->
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        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Barth, Karl, Predigt: Eph 6,18-20, 31. August 1919. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/1923">KBA 1466</ref>. </bibl>
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        <date type="creation" when="1919-08-31">31. August 1919</date>
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      <div type="sermon">
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          <head><idno>484</idno></head>
          <dateline>
            <placeName ref="kbga-places-54"><hi rend="italic">Safenwil</hi></placeName><note xml:id="n01">Im <ref corresp="A">Mskr.</ref>
              ursprünglich: «und <placeName ref="kbga-places-382">Ürkheim</placeName>»; dann durchgestrichen. Offensichtlich entfiel die
              Vertretungspredigt.</note>, Sonntag, den <date when="1919-08-31">31. August
              1919</date>
          </dateline>


          <epigraph>
            <cit>
              <ref type="can" subtype="bible" target="Eph.6.18 Eph.6.20">Epheser 6,18-20</ref>
              <quote><hi rend="italic" resp="kb">Betet mit <hi rend="spaced">ganzem</hi> Fleiß und
                  Verlangen, und das zu <hi rend="spaced">jeder</hi> sich bietenden Zeit, und das im
                    <hi rend="spaced">Geiste</hi>! Und dazu <hi rend="spaced">wachet</hi> mit allen
                  Anliegen und Fürbitten für alle Heiligen. Und so auch für <hi rend="spaced">mich</hi>, daß mir das Wort gegeben werde, <hi rend="spaced">ganz</hi> offen zu
                  reden und <hi rend="spaced">freudig</hi> das Geheimnis des Evangeliums kundzutun,
                  dem ich jetzt als Gefangener diene - daß ich <hi rend="spaced">freudig</hi> werde
                  in ihm, es auszusprechen, wie es <hi rend="spaced">sein</hi> muß.</hi></quote>
            </cit>
          </epigraph>

        </div>
        <div type="main">
          <p><hi rend="italic">1.</hi> Es kann darüber heute kein Zweifel bestehen: <hi rend="italic">die Welt wartet</hi> darauf, das Evangelium zu hören. Wer die Zeit, in
            der wir leben, auch nur ein wenig kennt und versteht, der kann jetzt ganz unmöglich nur
            den <hi rend="italic">wüsten Lärm</hi> der Sieger und der Besiegten, der Mächtigen und
            der Schwachen hören. Auch nicht nur den <hi rend="italic">tollen Spektakel</hi> einer
            gewissen frechen Lebenslust, der sich die Menschen nun, da das eine Gewitter vorüber ist
            und ein anderes droht, hinzugeben scheinen. Auch nicht nur all die klugen und weniger
              <hi rend="italic">klugen Reden</hi>, die nun gehalten werden über das, was nun zur
            Verbesserung der Welt und der Menschen geschehen sollte. Wer unsere Zeit kennt, der hört
            durch all den Jammer und all die Torheit hindurch <hi rend="italic">ein einziges großes
              Seufzen.</hi> Es hat <hi rend="italic">tausend Stimmen</hi> und Töne, es kommt zum
            Teil auf sehr <hi rend="italic">seltsame</hi>, wüste, befremdende Art zum Ausdruck. Es
            ist vielfach <hi rend="italic">nicht so ehrlich</hi> und tief gemeint, wie es aussieht.
            Aber <hi rend="italic">es ist da</hi>, in allen Völkern, Ländern und Klassen, auf allen
            Stufen der Bildung und der Standpunkte, es ist auch in uns allen, in euch und in mir. Es
            ist überall <hi rend="italic">das Eine, das Gleiche</hi> gemeint, wo immer die Menschen
            jetzt, durch die große Erschütterung unseres ganzen Lebens bewegt, klagen, streiten,
            weinen, hoffen, nachdenken, eifern. Wir müssen <hi rend="italic">die Unterschiede</hi>
            der Art, in der sich das bei den verschiedenen Menschen und an den verschiedenen Orten
            zeigt, nicht so ernst nehmen, sie sind viel weniger groß als noch vor einigen Jahren.
            Immer deutlicher tritt heute der <hi rend="italic">eine</hi> Zug, die <hi rend="italic">eine</hi> Richtung, der <hi rend="italic">eine</hi> Sinn hervor in der Not und in der
            Hoffnung <hi rend="italic">aller</hi> Menschen.</p>
          <!-- leerzeile -->
          <p rend="margin-top"><pb ed="pga" xml:id="p317" rend="noPipe"/><hi rend="italic">2.</hi>
            Das, was uns allen fehlt und was Alle eigentlich hören und haben möchten, ist das, was
            in der Bibel <hi rend="italic">das Evangelium</hi> genannt wird. Das heißt auf deutsch:
            die frohe Botschaft. Es ist merkwürdig, wie das, was die Bibel meint, wenn sie von der
            frohen Botschaft redet, übereinstimmt
            mit dem Einen, was heute uns allen fehlt und wonach wir alle uns sehnen. Wir sind heute
            aller <hi rend="italic">bloßen Ideen</hi> und Meinungen, und wenn es die schönsten
            wären, <hi rend="italic">müde</hi> geworden. Wir haben gegenüber den gewaltigen
            Ereignissen und Machtverhältnissen unserer Zeit ein <hi rend="italic">Mißtrauen</hi>
            bekommen gegen alle Gedanken und Theorien, gegen die alten und gegen die neuen. Wir
            spüren, daß das, was uns helfen würde, <hi rend="italic">auch eine Macht</hi>, eine
            Kraft sein müßte. <hi rend="italic">Das stimmt</hi> zu dem, was <hi rend="italic">die
              Bibel</hi> <note xml:id="n02">Hervorhebung durch einen Halbkreis.</note> als ihre
            «Frohe Botschaft» beschreibt, da ist auch eine Macht, eine Lebensmacht, nicht bloß eine
            gescheite Meinung. Wir sind dessen müde geworden, daß man uns immer sagt, wir müßten nur
            die rechte, ernste, tüchtige <hi rend="italic">Gesinnung</hi> haben, durch <hi rend="italic">Charakterbildung</hi> und Erziehung würde der Menschheit schon geholfen
            werden. Ach, es ist wenigstens in den letzten 200 Jahren <hi rend="italic">soviel
              versucht</hi> und getan worden zur Erziehung des Menschengeschlechts! Wie ist es nur
            möglich, daß wir trotzdem in den <hi rend="italic">Abgrund</hi> hineinlaufen konnten, in
            dem wir uns jetzt befinden? Liegt’s nicht daran, daß man erzog und erzog, ohne recht zu
            wissen, <hi rend="italic">zu was denn</hi> eigentlich die Menschen erzogen werden
            sollten, daß man so viel von Charakter und Persönlichkeit redete, ohne daran zu denken,
            daß <hi rend="italic">das Formen</hi> sind, die vor Allem einen Inhalt haben müßten?
            Wenn das Leben <hi rend="italic">wieder einen Sinn</hi> hätte, wenn wir seinen Sinn
            wieder ganz genau erkennen würden, dann würden wir wohl von selbst auch die rechte
            Gesinnung bekommen. Und gerade das meint auch das <hi rend="italic">Evangelium</hi><note xml:id="n03">Hervorhebung durch einen Halbkreis.</note>, die frohe Botschaft: sie ist
            keine Predigt von Charakter und Tüchtigkeit, sie zeigt und gibt uns aber den Sinn des
            Lebens wieder. |</p>
          <p>Wir sind auch mißtrauisch geworden gegen das viele Reden von der <hi rend="italic">Natur.</hi> Ja, die Berge sind großartig, und der Frühling ist lieblich, und der Wald
            ist schön, aber wir werden wahrscheinlich in den nächsten Jahrzehnten von diesen Dingen
              <hi rend="italic">etwas stiller</hi> werden. In dem, was wir in unserer Zeit mit der
            Menschheit erlebt haben, ist uns zu deutlich <pb ed="pga" xml:id="p318"/> der <hi rend="italic">Unterschied</hi> zwischen uns und der Natur bewußt geworden, der durch
            kein noch so rührendes Singen und Sagen von Vogelsang und Blumenduft überbrückt werden
            kann. Das Geheimnis der Natur liegt eben nicht in dem, was wir an ihr bewundern und
            preisen, sondern <hi rend="italic">in dem, was sie hat</hi> und wir nicht recht haben,
            in dem Freien, Lebendigen, Schöpferischen ihres Daseins. Davon kann man nicht viel
            reden, das muß man <hi rend="italic">haben oder bekommen.</hi> Uns Menschen der heutigen
            Zeit macht die Natur <hi rend="italic">sehnsüchtig</hi>, sehnsüchtig nach der Schöpfung,
            nach dem Leben. Und auch da begegnen wir uns mit dem <hi rend="italic">Evangelium</hi><note xml:id="n04">Hervorhebung durch einen Halbkreis.</note>. Es ist
            auch nichts zum Anstaunen und Genießen. Es ist Leben und will lebendig machen. |</p>
          <p>Und ähnlich geht es uns mit der Bewunderung von den Leistungen
               und Fortschritten der menschlichen
              <hi rend="italic">Kultur.</hi> Denkt daran, mit welcher <hi rend="italic">Ehrfurcht</hi> man noch vor fünf Jahren auf der <orgName ref="kbga-actors-8708">schweizerischen
              Landesausstellung</orgName><note xml:id="n05">Im Sommer 1914 hatte in <placeName ref="kbga-places-9">Bern</placeName> die «<orgName ref="kbga-actors-8708">Schweizerische
              Landesausstellung</orgName>» ihre Pforten geöffnet. <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> sah sie sich an und hielt dazu am
              <date when="1914-06-07">7. Juni</date> eine Predigt, die in den «Neuen Wegen» abgedruckt wurde. Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-2034">Predigten 1914,
              <ref type="pub" target="../volume/05/p287#p287">S. 287-314</ref></bibl>.</note> all die Maschinen und anderen Produkte betrachtet hat. ­Ich will
            nicht sagen, daß wir heute diese Ehrfurcht nicht mehr haben, ­aber es hat sich da doch
            etwas <hi rend="italic">umgedreht</hi> in uns. Wir haben es unterdessen erlebt, wie der
            Mensch auf dem Gipfel der Kultur <hi rend="italic">zur Bestie</hi> geworden ist und wie
            er die schönsten Fortschritte dazu verwendet hat, seinen Mitmenschen <hi rend="italic">Tod und Verderben</hi> zu bereiten. Wir fragen heute ­unwillkürlich: Ja, aber was
            wird nun bei dem allem, was wir wissen und können, <hi rend="italic">aus dem
              Menschen?</hi> Wird er besser, glücklicher, vernünftiger? Der Mensch ist doch nicht
            für den <hi rend="italic">Fortschritt</hi> da, sondern der Fortschritt muß für den <hi rend="italic">Menschen</hi> ein Fortschritt sein, sonst ist er ein Rückschritt. Und da
            ist wieder <hi rend="italic">das Evangelium</hi><note xml:id="n06">Hervorhebung durch
              einen Halbkreis.</note> und bestätigt uns: ja, eben der <hi rend="italic">Mensch</hi>,
            der Mensch selbst, nicht die Sache, nicht das Geld, die <hi rend="italic">Befreiung</hi>
            des Menschen von der Sklaverei unter das, was nicht er ist, nicht das Leben, sondern nur
            das Beiwerk des Lebens, <hi rend="italic">darum gerade</hi> handelt es sich. |</p>
          <p>Wir sind mißtrauisch geworden gegen alle Lehren, Ansichten und Vorschläge, die entweder
            nur das <hi rend="italic">Äußerliche,</hi> Sterbliche, Materielle des <pb ed="pga" xml:id="p319"/> Menschenlebens in Betracht ziehen oder ebenso einseitig und unwahr nur
            das Seelische, das Geistige, <hi rend="italic">das Innere.</hi> Wir empfinden wieder
            deutlich, daß der Mensch <hi rend="italic">ein Ganzes</hi> ist, ein Ganzes mit zwei
            Seiten allerdings, aber nicht aus zwei Teilen zusammengesetzt, sondern in allen
            Beziehungen und Verhältnissen Leib <hi rend="italic">und</hi> Seele, Geist <hi rend="italic">und</hi> Materie und daß ihm nicht getrennt, sondern nur <hi rend="italic">im Ganzen geholfen</hi> werden kann, wenn es überhaupt eine Hilfe gibt.
            Und <hi rend="italic">das Evangelium</hi><note xml:id="n07">Hervorhebung durch einen
              Halbkreis.</note> scheint nur darauf gewartet zu haben, daß wir zu dieser Einsicht
            kommen, denn wahrhaftig, die frohe Botschaft vom ewigen Leben kennt keine solchen
            Trennungen, sondern sie geht das ganze Menschenleben an. |</p>
          <p>Weiter: Wir können heute nicht mehr recht mit, wenn man uns etwas anpreist auf irgend
            einem Gebiet, von dem wir das Gefühl haben, das ist ja <hi rend="italic">für
              Einzelne,</hi> Wenige, Auserlesene, das ist nur für Vermögliche<note xml:id="n08">=
              Vermögende, Wohlhabende.</note>, <hi rend="italic">nur für</hi> Fromme, nur für
            Gebildete, nur für die, die ein besonderes Interesse daran haben. Wir wittern da
            unwillkürlich <hi rend="italic">Sackgassen</hi>, Nebenwege. Wir leiden darunter, daß
            sich die Interessen der Menschen so <hi rend="italic">zersplittern</hi>, daß jeder immer
            noch mit seinem Fähnlein davonlaufen will in irgend einen Winkel. Was <hi rend="italic">etwas Rechtes ist</hi>, das muß [und] kann nicht nur Einzelne angehen. Das muß
            irgendwie für Alle sein, an Alle sich richten. Und nun ist <hi rend="italic">das
              Evangelium</hi><note xml:id="n09">Hervorhebung durch einen Halbkreis.</note> gerade
            darin durchaus modern, daß es <hi rend="italic">nicht im geringsten</hi> eine
            Privatsache, eine Spezialangelegenheit
            ist, sondern <hi rend="italic">hineingreift</hi> in die Not und Hoffnung aller Menschen,
              <hi rend="italic">verstanden</hi> werden könnte von Jedem, der verstehen will. Und
            wenn wir <hi rend="italic">scharfe Augen</hi> bekommen haben für den Unterschied von
            Hauptsache und <hi rend="italic">Nebensachen,</hi> wenn wir uns nicht mehr so <hi rend="italic">rasch begeistern</hi> lassen für irgend eine Wahrheit, die nur eine
            halbe Wahrheit ist, wenn wir <hi rend="italic">etwas nüchterner</hi> geworden sind in
            unserer Stellungnahme zu Fragen, die uns früher brannten und heute nur noch lau
            berühren, wenn wir dafür die Sehnsucht bekommen haben nach einer <hi rend="italic">Antwort</hi>, die Alles beantwortet, nach einer <hi rend="italic">Hilfe</hi>, die
            ganz hilft, so ist das, was <hi rend="italic">das Evangelium</hi><note xml:id="n10">Hervorhebung durch einen Halbkreis.</note> uns sagen will, ja gerade diese eine
            gesammelte <hi rend="italic">Antwort</hi>, diese durchgreifende <hi rend="italic">Hilfe</hi>, die Er<pb ed="pga" xml:id="p320" break="no"/>scheinung der <hi rend="italic">Hauptsache</hi> mitten in dem Gewimmel der Nebensachen, deren wir müde
            sind. |</p>
          <p>So stehen wir heute endlich auch dem <hi rend="italic">Christentum,</hi> der Religion,
            der Kirche gegenüber. Wir empfinden heute stärker als je den <hi rend="italic">Widerspruch</hi> zwischen diesen Erscheinungen<note xml:id="n11">Im <ref corresp="A">Mskr.</ref>
              ursprünglich: «zwischen dem, was». <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> hat dann aus «dem» ein «diesen» gemacht, aber
              versäumt, das Wörtchen «was» zu streichen.</note> und dem, was eigentlich dahinter
            verborgen ist und an den Tag möchte. Könnten wir doch alle christlichen Worte drangeben
            gegen ein einziges wirklich <hi rend="italic">göttliches Wort</hi>, alles religiöse
            Leben gegen eine Spur von wahrhaft <hi rend="italic">göttlichem Leben</hi>, alle
            kirchliche Gemeinschaft gegen ein kleines Stücklein realer <hi rend="italic">Gemeinschaft mit Gott und in Gott.</hi> Ja aber - <hi rend="italic">Gott</hi>, dieses
            Große, das in allem christlichem Wesen ja immer nur gemeint und verborgen ist und das
            wir gerade da besonders schmerzlich <hi rend="italic">vermissen</hi>, ist in diesem viel
            mißbrauchten Wort «Gott» nicht doch schließlich <hi rend="italic">Alles enthalten</hi>,
            was wir überhaupt heute entbehren und suchen? <hi rend="italic">Gott</hi> - das ist’s
            ja, die <hi rend="italic">Kraft</hi>, die nicht bloß Theorie ist, der <hi rend="italic">Sinn</hi> des Daseins, der <hi rend="italic">Schöpfer</hi> des Lebens, der <hi rend="italic">Erlöser</hi> der Menschen, des <hi rend="italic">ganzen</hi> Menschen,
              <hi rend="italic">aller</hi> Menschen, die große <hi rend="italic">Hauptsache</hi>,
            die einmal in die Mitte treten müßte und sollte - <hi rend="italic">Gott</hi>, was sucht
            und meint der heutige Mensch auf allen seinen tausend Wegen im Grunde Anderes, was kann
            man Anderes suchen? Und wiederum, was ist denn <hi rend="italic">das
              Evangelium</hi><note xml:id="n12">Hervorhebung durch einen Halbkreis.</note> anderes,
            als eben die Botschaft von Gott, nicht von dem Gott, den alle <hi rend="italic">Kirchen
              und Gemeinschaften</hi> immer nur im Verborgenen meinen und in machtlosen Worten
            beschreiben, nicht von dem Gott, den die Menschen <hi rend="italic">immer ernst</hi> und
            doch nie ganz ernst nehmen, nicht von dem Gott, von dem <hi rend="italic">die Einen
              sagen</hi>, er sei, und die Anderen, er sei nicht - das alles ist ja gar nicht Gott -,
            sondern die Botschaft von dem <hi rend="italic">lebendigen</hi> Gott, an dem man <hi rend="italic">nicht zweifeln</hi> kann, über den man <hi rend="italic">nicht
              verschiedener</hi> Meinung sein kann, der <hi rend="italic">keine Fragen</hi>, Sorgen
            und Bedenken übrig läßt, der die Menschen nicht auseinander, sondern <hi rend="italic">zueinander</hi> bringt, der uns erkannt hat, <hi rend="italic">bevor wir</hi> ihn
            erkannten [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.13.12">1.Kor. 13,12</ref>], und lieb gehabt, 
            <hi rend="italic">bevor wir</hi> ihn liebten [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="1.Joh.4.10">1.Joh. 4,10</ref>], Gott, der sich <hi rend="italic">finden</hi>
            läßt von denen, die ihn von ganzem Herzen suchen [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Jer.29.13 Jer.29.14">Jer. 29,13f.</ref>], und den wir nicht suchen <pb ed="pga" xml:id="p321"/>
            würden, wenn wir ihn nicht <hi rend="italic">schon gefunden</hi> hätten<note xml:id="n13">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-1341"><persName ref="kbga-actors-720">B. Pascal</persName>, <hi rend="italic">Pensées</hi>, Fragment 553
              (Brunschvicg)</bibl>: <foreign xml:lang="fre">Le Mystère de Jésus. «Console-toi, tu ne me chercherais pas, si tu ne
              m’avais trouvé</foreign>».</note>, Gott, offenbart <hi rend="italic">in Jesus Christus.</hi>
            Seht, so nahe sind wir heute, wenn wir unsere Zeit und uns selbst verstehen, <hi rend="italic">das Evangelium wieder zu hören.</hi></p>
          <!-- leerzeile -->
          <p><hi rend="italic">3.</hi>
            <hi rend="italic">Warum hören wir es dann nicht?,</hi> werdet ihr fragen. Warum sind wir
            Menschen der heutigen Zeit immer noch <hi rend="italic">bloß müde</hi>, mißtrauisch,
            zurückhaltend nach allen Seiten? Warum sind wir nicht weiter, als daß wir angefangen
            haben, zu so und so vielen Irrtümern und Schwachheiten <hi rend="italic">Nein zu
              sagen?</hi> Warum vernehmen wir <hi rend="italic">das große Ja</hi> nicht? Warum sind
            wir nur immer im <hi rend="italic">Fragen und Suchen</hi>, statt die Antwort zu
            vernehmen? Warum wird die dünne Wand, die uns vom Evangelium, von der frohen Botschaft
            trennt, <hi rend="italic">nicht durchgestoßen?</hi> Warum wird uns diese Botschaft vom
            lebendigen Gott nicht <hi rend="italic">von allen Kanzeln</hi> zugerufen? Warum
            drängt [?] es nicht in allen <hi rend="italic">Tageszeitungen</hi> zur Aussprache dieses
            Einen, Aktuellen, Notwendigen? Warum redet man nicht <hi rend="italic">in allen
              Häusern</hi> und auf allen Straßen von dem, was wir doch alle meinen und was uns ja in
            Christus gegeben ist? Warum nicht?</p>
          <p>Seht, wenn euch dieses <hi rend="italic">Warum nicht?</hi>
            <hi rend="italic">jetzt so packen würde</hi>, daß <hi rend="italic">ihr alle
              aufstehen</hi> und es mir von allen Seiten zurufen müßtet: Ja, warum nicht? wir wollen
            es wissen! Wenn ihr alle mir heute und morgen und übermorgen <hi rend="italic">das Haus
              überlaufen</hi> müßtet, jedes mit der Frage: warum höre ich denn diese Botschaft von
            Gott, in der Alles enthalten ist, nicht? Warum sprichst du sie nicht aus? Wozu bist du
            der Pfarrer, wenn du <hi rend="italic">das</hi>, dieses Eine, Einzige, nicht sagst? Wenn
            ihr <hi rend="italic">alle mit dem</hi>
            <hi rend="italic">gleichen Ernst</hi>
            <hi rend="italic">euch selber fragen</hi> würdet: Ja, warum <hi rend="italic">hören</hi>
            wir es nicht? Warum sind wir <hi rend="italic">draußen</hi> statt drinnen? Warum <hi rend="italic">denken</hi>, leben, laufen wir alle, ohne bis zum Ende, bis auf den
            Grund zu gehen? Warum tun wir den <hi rend="italic">Schritt</hi> nicht von unseren
            Fragen zu der Antwort des Evangeliums? Und wenn dann [?] weiter <hi rend="italic">in
              Allem, was ihr denkt und miteinander redet</hi>, diese Erschütterung, diese Unruhe
            wäre: wie kommt es nur, daß uns das <hi rend="italic">fehlt</hi><note xml:id="n14">Im
              <ref corresp="A">Mskr.</ref> ursprünglich: «daß wir uns nach dem»; <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> hat dann «nach» gestrichen und «dem»
              in «das» korrigiert, aber vergessen, «wir» zu streichen.</note>, was uns doch nicht zu
            fehlen bräuchte, daß wir uns nach dem <hi rend="italic">sehnen</hi> müssen, was wir doch
            haben, daß wir <hi rend="italic">fragen</hi>
            <pb ed="pga" xml:id="p322"/> und fragen müssen, wo doch die Antwort da ist? Wenn dieses
            große «Warum denn nicht?» in <hi rend="italic">uns alle hineinführe</hi> und - statt daß
            wir jetzt hier in der Kirche ein bißchen darüber nachdenken - <hi rend="italic">die
              große Frage und Sorge</hi> und Angelegenheit würde, die uns Tag und Nacht nachginge,
            bei der Arbeit und bei Tisch und auf dem Felde, wenn das <hi rend="italic">unser
              einziges starkes Anliegen</hi> wäre, diese Mauer, die uns von Gott trennt, müßte durchstoßen werden - <hi rend="italic">wenn das alles</hi> oder auch nur etwas davon geschehen, wirklich geschehen würde,
              <hi rend="italic">das wär’s</hi>, was <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> in unserem Text von den Ephesern
            verlangte. Es ist <hi rend="italic">nichts Fernliegendes</hi>, Fremdartiges, was er von
            ihnen verlangt, es ist das Allernaheliegendste. Es ist die Frage und Bewegung, in die
            wir <hi rend="italic">sofort geraten müßten</hi>, wenn es uns klar würde: es <hi rend="italic">fehlt</hi> uns etwas, wir <hi rend="italic">suchen</hi> etwas, und
            dieses Etwas kommt uns <hi rend="italic">entgegen, ist da, ist zu haben</hi> - o nein,
            wir <hi rend="italic">haben es noch nicht.</hi></p>
          <!-- leerzeile -->
          <p><hi rend="italic">4.</hi>
            <hi rend="italic">Betet!</hi>, sagt er. Er erläßt gleichsam ein <hi rend="italic">Aufgebot.</hi> Er steht an einer <hi rend="italic">Arbeit.</hi> Er <hi rend="italic">sieht</hi> die Not der Welt, aber auch ihre Hoffnung. In den Lauf der Geschichte, in
            das ganze irdische Treiben will das <hi rend="italic">Licht von oben</hi> fallen. In das
            Denken, Reden und Tun der Menschen will <hi rend="italic">Kraft aus der Höhe</hi>
            kommen. <hi rend="italic">Gottes Macht</hi> will auf der Erde zur Geltung kommen. <hi rend="italic">Gottes Herrlichkeit</hi> will hier noch einmal leuchten. Das ist
            Christus: diese <hi rend="italic">Begegnung Gottes mit den Menschen.</hi> Es gibt genug
            Menschen, die <hi rend="italic">im Menschlichen</hi> irgendwie stecken bleiben. Es gibt
            auch genug Menschen, die sich nur mit dem Göttlichen beschäftigen, ohne den <hi rend="italic">Weg zu den Menschen</hi> wieder zu finden. Die <hi rend="italic">Begegnung Gottes mit den Menschen</hi>, da ist der Heiland, darum zu <hi rend="italic">sinnen</hi> [?], dafür sich selbst zu <hi rend="italic">öffnen</hi>,
            dafür <hi rend="italic">Wege</hi> zu suchen, <hi rend="italic">nach Gott zu fragen</hi>
            im Gedanken an den Menschen und <hi rend="italic">unter den Menschen zu sein</hi> im
            Gedanken an Gott, das ist Heilandsarbeit, Apostelarbeit. <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> <hi rend="italic">fühlte
              sich allein</hi>, verlassen bei dieser Arbeit. Er ruft Alle auf, ihm zu helfen.
            Betet!, sagt er. Beten heißt flehend und verlangend <hi rend="italic">an die Schwelle
              treten</hi>, wo jenseits des menschlichen Denkens und Wollens und Fühlens das
            göttliche Licht leuchtet, die göttliche Macht wirkt. Beten heißt sich bewußt und nie
            fertig <hi rend="italic">auf jene Mitte</hi> hin richten, in der die Strahlen des Lebens
            von allen Seiten zusammenlaufen. Beten heißt <hi rend="italic">an Gott denken</hi> und
            dabei die Sache der Menschen auf dem Herzen tragen. Beten ist <hi rend="italic">nicht
              eine Flucht aus der bösen Welt</hi> zu Gott, <pb ed="pga" xml:id="p323"/> sondern
            Beten heißt mitten im Leid und in der Unruhe der Welt Gott suchen, mitten in der Welt
            sich von Gott finden lassen. 
          </p>
          <p>Gott sucht gleichsam <hi rend="italic">Eingangspforten</hi> in der
            Welt, Freistätten, Bauplätze, wo er das Neue beginnen kann, das er schaffen will auf der
            Erde. <hi rend="italic">Betende Menschen</hi> sind solche Eingangspforten, Freistätten
            und Bauplätze. Beten ist <hi rend="italic">nicht eine Erleichterung</hi>, die man sich
            verschafft, nicht ein Ausruhen, es ist nicht ein persönlicher Gewinn, der da zu
            erwarten, sondern ein Dienst, der da zu tun, ein Kampf, der da zu kämpfen ist. Für
            diesen Dienst und Kampf müssen <hi rend="italic">Menschen gewonnen werden</hi>,
            Freiwillige, die daran gehen wollen, die Brücke zu bauen. Je deutlicher es wird, was die
              <hi rend="italic">Menschen ihrerseits</hi> suchen und was <hi rend="italic">Gott
              seinerseits tun und geben</hi> will, um so nötiger wird es, daß betende Menschen
            vorhanden sind, <hi rend="italic">priesterliche Seelen</hi>, die die Sache Gottes und
            der Menschen als eine <hi rend="italic">persönliche Last</hi> auf sich nehmen
            wollen.</p>
          <!-- leerzeile -->
          <p><hi rend="italic">5.</hi> Da liegt nun auch <hi rend="italic">die Antwort</hi> auf die
            Frage, warum wir heute das Evangelium <hi rend="italic">noch nicht</hi> oder noch nicht
            recht hören, warum es nicht mächtiger <hi rend="italic">hervorbricht</hi> in jeder
            Predigt, aber auch in jedem Gespräch, in jedem Zeitungsartikel, überall, wo Menschen
            miteinander reden: <hi rend="italic">Gott in Jesus Christus</hi> unsere Macht, unsere
            Sonne [?], unser Leben, unser Licht, unsere Freiheit. <hi rend="italic">Viele möchten
              es</hi> aussprechen und Viele möchten es hören. Es ist aber ein <hi rend="italic">Geheimnis,</hi> wie <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> sagt, das nur unter besonderen Bedingungen, in einem
            besonderen Licht und [einer besonderen] Umgebung aus der Verborgenheit offenbar werden
            kann. Es ist <hi rend="italic">etwas ganz Besonderes</hi>, etwas Neues, ein Ereignis,
            wenn der Mund sich findet, das Evangelium auszusprechen, und die Ohren, es zu hören. Man
            darf das Evangelium <hi rend="italic">nicht verwechseln</hi> mit dem, was etwa sonst
            über das Menschenleben und auch über Gott geredet wird. Man kann ja <hi rend="italic">viel Schönes und Wahres sagen</hi>, um das Fragen und Suchen der Menschenseele nach
            dem Mittelpunkt von allen Seiten vorwärts zu treiben auf den Mittelpunkt hin. Aber wenn
            wir so von der Welt ausgehen, bleiben wir immer wieder <hi rend="italic">gerne in der
              Welt stecken</hi>, und der Mittelpunkt wird nicht sichtbar bei unserer Rede. Und man
            kann umgekehrt <hi rend="italic">viel Schönes oder Großes über Gott</hi> und den Heiland
            oder auch über den Geist und die Ideale sagen, und es <hi rend="italic">wird</hi> ja
            auch überall viel davon gesagt. Aber wenn wir so vom Göttlichen ausge<pb ed="pga" xml:id="p324" break="no"/>hen, geschieht’s gar leicht, daß wir die wirkliche Welt, <hi rend="italic">das Leben, den Menschen nicht erreichen</hi>, daß all die hohen
            Wahrheiten keine Antwort sind auf unsere eigentliche Frage. Habt ihr nicht auch schon
            bemerkt dieses merkwürdige <hi rend="italic">Schwanken in dem, was die Menschen
              sagen</hi>, in den Büchern und Zeitungen, die wir lesen, in den Predigten, die wir
            hören, auch schon in meinen Predigten: bald ist’s zu niedrig, zu menschlich und erreicht
            jene Schwelle nicht, wo <hi rend="italic">Gott</hi> zu den Menschen redet; bald ist’s
             zu hoch, zu göttlich und steigt nicht
            herunter zu dem Punkt, wo Gott zu den Menschen redet. Und beidemal ist’s <hi rend="italic">noch nicht das Evangelium</hi>, noch nicht Gottes Wort, noch nicht
            Christus. Alles, was wir heute reden und schreiben und hören und lesen, <hi rend="italic">leidet unter diesem «Noch nicht»</hi>, bald von dieser, bald von jener
            Seite. Es ist immer noch nicht, oder höchst, höchst selten ein wenig, Gottes Wort. <hi rend="italic">Christus selbst</hi>, der die Welt mit Gott versöhnt [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="2.Kor.5.19">2.Kor. 5,19</ref>]. Das ist das
            Geheimnis des Evangeliums.</p>
          <!-- leerzeile -->
          <p><hi rend="italic">6.</hi> Dieses Geheimnis kann sich nur öffnen dadurch, daß wieder
            Heilandsarbeit und Apostelarbeit getan wird, [daß] Menschen jenen Kampf und jenen Dienst
              <hi rend="italic">auf sich nehmen,</hi> von dem in unserem Text die Rede ist. <hi rend="italic">Es geht Alle an</hi>, die es merken, wie die Dinge stehen, Alle, die die
            Not und das Suchen der Menschen und der Liebe Gottes <hi rend="italic">verstehen</hi>,
            Alle, die unter jenem «Warum nicht?» <hi rend="italic">seufzen</hi> und leiden. <hi rend="italic">Wir Pfarrer</hi> dürfen euch nicht anklagen, wenn ihr das Evangelium
            noch nicht hört. Und <hi rend="italic">ihr dürft auch uns</hi> Pfarrer nicht anklagen,
            wenn wir euch das Evangelium noch nicht sagen können, wenn all unsere Worte entweder zu
            tief oder zu hoch gehen. <hi rend="italic">Niemand darf den Anderen</hi> anklagen, weil
            das, was er sagt, noch nicht Gottes Wort ist. Niemand, der merkt, um was es geht, darf
            in dieser Sache <hi rend="italic">bloß Zuschauer</hi> sein, der über Andere sein Urteil
            abgibt. Als <hi rend="italic">gemeinsame Last und Sorge</hi> und Aufgabe müssen alle
            lebendigen Menschen diese Lage auf sich nehmen und in sich bewegen. <hi rend="italic">Beten müssen wir füreinander</hi>, daß uns das Wort gegeben werde, ganz offen und
            freudig zu reden und so, wie es sein muß, nicht nur die Pfarrer, sondern Alle, Alle,
            welche - und wenn es nur unter vier Augen wäre - den Mund auftun. Denn <hi rend="italic">alles unser Reden miteinander</hi> ist ein kümmerlicher Versuch, das große Geheimnis
            auszusprechen, vor dem wir stehen. Wenn wir dazu kommen, einander <hi rend="italic">gegenseitig zu tragen</hi> durch Eintreten und Fürbit<pb ed="pga" xml:id="p325" break="no"/>ten mit <hi rend="italic">ganzem</hi> Flehen und Verlangen, dann werden
            die <hi rend="italic">Bedingungen</hi> geschaffen zur Eröffnung des Geheimnisses, dann
              <hi rend="italic">bleibt es nicht</hi> bei dem bloßen Versuchen, zu reden und zu
            hören. Dann <hi rend="italic">wird es ausgesprochen</hi> werden ohne Irrtum und gehört
            ohne Mißverständnis, das Große, was jetzt noch nicht oder kaum ausgesprochen und gehört
            wird: <persName ref="kbga-actors-10433">Immanuel</persName>! Gott mit uns! [<ref type="can" subtype="bible" target="Jes.7.14">Jes. 7,14</ref> / <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.1.23">Mt. 1,23</ref>].</p>
        </div>
        <div type="songs">
          <head>Lieder:</head>
          <listBibl type="songs">
            <bibl corresp="kbga-songs-88" type="song"> Nr. 83 «Zeuch an die Macht, du Arm des Herrn»
              von <persName ref="kbga-actors-1389">Fr. Oser</persName>, Strophen 1-2 (GERS [1952] 194,1.3; EG 377,1-2 «Zieh an … »)</bibl>
            <bibl corresp="kbga-songs-15" type="song">Nr. 142 «Jesus Christus herrscht als König» von
              <persName ref="kbga-actors-2192">Ph. Fr. Hiller</persName>, Strophen 1.3.11 (RG [1998] 492,1.5.11; EG 123,1.5.11)</bibl>
          </listBibl>
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      </div>
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</TEI>
