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        <title type="volume" n="vol-39">Predigten 1919</title>
        <title type="content">Epheser 6,5-9</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: Epheser 6,5-9, 17. August 1919</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/39037 (Stand: 25. August 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Predigten 1919, hrsg. v. Schmidt, Hermann (Gesamtausgabe, Abt. I), Zürich 2003, S. 305.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
      </editionStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Predigten 1919</title>
          <title type="text">Epheser 6,5-9</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Schmidt, Hermann</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2003</date>
          <biblScope unit="page">305</biblScope>
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        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Barth, Karl, Predigt: Eph 6,5-9, 17. August 1919. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/1921">KBA 1464</ref>. </bibl>
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        <date type="creation" when="1919-08-17">17. August 1919</date>
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          <head><idno>482</idno></head>
          <dateline>
            <placeName ref="kbga-places-54"><hi rend="italic">Safenwil</hi></placeName> und
              <placeName ref="kbga-places-382"><hi rend="italic">Ürkheim</hi></placeName><note xml:id="n01">Am <date when="1919-08-17">17.</date> und am <date when="1919-08-24">24. August</date> predigte <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> auch im Nachbardorf <placeName ref="kbga-places-382">Ürkheim</placeName> in Vertretung des Ortspfarrers <persName ref="kbga-actors-763">Paul Schild</persName>.</note>, Sonntag, den <date when="1919-08-17">17. August 1919</date>
          </dateline>


          <epigraph>
            <cit>
              <ref type="can" subtype="bible" target="Eph.6.5 Eph.6.9">Epheser 6,5-9</ref>
              <quote><p><hi rend="italic" resp="kb">Ihr Knechte, gehorchet euren irdischen Herren
                    mit Furcht und Zittern aus aufrichtigem Herzen, als Christus selbst, nicht mit
                    Augendienst, um den Menschen zu gefallen, sondern als Knechte Christi –</hi></p>
                <p><hi rend="italic" resp="kb">die den Willen Gottes aus eigenem Herzen
                  tun,</hi></p>
                <p><hi rend="italic" resp="kb">die mit gutem Willen dienen, weil es dem Herrn
                    geschieht und nicht den Menschen,</hi></p>
                <p><hi rend="italic" resp="kb">die wissen, daß jedem, der etwas Gutes tut, vom Herrn
                    vergolten wird, er sei ein Knecht oder ein Freier.</hi></p>
                <p><hi rend="italic" resp="kb">Und ihr Herren, handelt ebenso gegen jene und laßt
                    das Drohen, als die da wissen, daß ihr und euer Herr im Himmel ist und ist bei
                    ihm kein Ansehen der Person.</hi></p></quote>
            </cit>
          </epigraph>

        </div>
        <div type="main">
          <p>Es trifft sich merkwürdig, daß uns nun gerade heute <hi rend="italic">gerade dieser
              Text</hi> begegnen muß, nachdem am letzten Sonntag unsere Gemeindeversammlung so
            lebhaft bewegt worden ist von der Frage, um die es sich da handelt. Den <hi rend="italic">besonderen Anlaß</hi> wollen wir nun freilich ruhen lassen.<note xml:id="n02">Bei der Kirchgemeindeversammlung vom <date when="1919-08-10">10.8.1919</date> ging es vor allem um die Frage, ob das Budget mit einer Erhöhung
              der Pfarrerbesoldung genehmigt werden solle oder ob die Besoldung des Pfarrers «wegen
              seiner Amtsführung nicht zu erhöhen» sei, weil er «den <orgName ref="kbga-actors-9755">Spartakismus</orgName> und <orgName ref="kbga-actors-8745">Bolschewismus</orgName>»
              «verherrliche», «sozialistische Propaganda» treibe und «dadurch sein Amt als
              Seelsorger» «vernachlässige». Das Budget wurde schließlich mit der Besoldungserhöhung
              in geheimer Abstimmung mit 153 Ja- gegen 99 Nein-Stimmen angenommen (Protokoll im
              Protokoll-Buch der Kirchgemeinde <placeName ref="kbga-places-54">Safenwil</placeName>).</note> Es war ja ganz natürlich und recht, daß dieser kleine
            Streit einmal ausgetragen wurde. Wir wollen aber die Sache nicht wichtiger nehmen, als
            sie ist. Sie ist ja nur eine kleine Spitze in dem großen Sturm unserer Zeit. Es ist
            damit nichts besser und nichts schlimmer geworden, es ist nur Einiges an den Tag
            gekommen. Die Spitze verschwindet, der Sturm geht weiter. Wohl aber können wir, weil es
            sich nun einmal so trifft, versuchen, zu sehen, wie in der Bibel <hi rend="italic">die
              Frage selbst</hi>, die Hauptsache an der Sache, auf den rechten Boden gestellt wird,
            auf einen Boden, wo man nicht mit der Stange im Nebel herumfahren und sich gegenseitig
            anschreien muß, sondern freie Ausblicke bekommt nach allen Seiten.</p>
          <!-- leerzeile -->
          <p rend="margin-top"><pb ed="pga" xml:id="p297" rend="noPipe"/>
            <hi rend="italic">1.</hi> Das Verhältnis zwischen Herren und Knechten, oder wie man
            jetzt sagt, zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, selbständig und unselbständig
            Erwerbenden, ist heute in allen Teilen und <hi rend="italic">von Grund aus ein
              anderes</hi> als das, das <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> in unserem Text als die Regel aufgestellt hat. Das
            ist der erste Eindruck, den man beim Lesen oder Hören der Worte empfängt. Ohne Aufregung
            und Verwirrung reden und hören! Man würde sich aber schwer irren, wenn man darum sagen
            wollte: Der Epheserbrief <hi rend="italic">paßt eben nicht mehr</hi> zu unserer Zeit!
            Gerade das Gegenteil ist wahr: unsere Zeit <hi rend="italic">paßt</hi>
            <hi rend="italic">noch nicht</hi> zum Epheserbrief! <hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> beschreibt
              die Gottesordnung</hi>, die in dieser Sache eigentlich gilt, <hi rend="italic">das
              Natürliche</hi>, Einfache, Schlichte, Vernünftige, das in diesem Verhältnis walten
            sollte und könnte, den <hi rend="italic">Sinn und die Richtung</hi>, die es vom Himmel
            her bekommt unter Menschen, die guten Willens sind [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Lu.2.14">Luk. 2,14</ref> Vg.]. <hi rend="italic">Unsere Zeit</hi> aber hat
            auch in dieser Sache die Ordnung Gottes <hi rend="italic">noch nicht gefunden</hi>, oder
            sie hat sie wieder verloren. Wir sind <hi rend="italic">weit weg</hi> von dem, was
            natürlich und vernünftig wäre. Wir haben wohl auch Herren und Knechte, aber der <hi rend="italic">hohe Sinn in diesem Verhältnis fehlt</hi> uns und muß erst wieder
            gefunden werden, wie wir es an den letzten Sonntagen von dem Verhältnis von Männern und
            Frauen, Eltern und Kindern gehört haben.</p>
          <!-- leerzeile -->
          <p rend="margin-top"><hi rend="italic">2.</hi>
            <hi rend="italic">Eine gestörte Gottesordnung,</hi> darum handelt es sich in der
            sozialen Frage. <hi rend="italic">Darum brennt</hi> und bewegt und beunruhigt sie uns
            so. Darum müssen sich alle lebendigen Geister der Menschheit auf sie <hi rend="italic">einlassen</hi> und um sie mühen. Darum zieht sie so <hi rend="italic">weite
              Kreise</hi>, daß man allmählich auch im hintersten Bergdörflein davon reden hört.
            Darum möchten wir sie so gerne <hi rend="italic">loswerden</hi>, wenn wir nur könnten,
            und müssen doch immer wieder darauf zurückkommen. Darum alle die <hi rend="italic">Vorschläge und Versuche</hi>, sie zu lösen, bald ruhig und behutsam, bald stürmisch
            und gewaltsam. Darum die tieferen, schneidenden <hi rend="italic">Gegensätze</hi> mit
            all den schrecklichen und beklagenswerten Erfahrungen solcher Gegensätze unter den
            Menschen, die sie hervorruft. All diese Bewegungen, all dieser ziellose Widerstreit der
            Gedanken, all diese jähen Zuckungen des ganzen Körpers der menschlichen Gesellschaft,
            sie würden sich <hi rend="italic">gar nicht erklären</hi> lassen, wenn es sich zwischen
            Herren und Arbeitern, Unabhängigen und Abhängigen wirklich nur um etwas Oberflächliches,
            Äußerliches handeln würde, wie manche mei<pb ed="pga" xml:id="p298" break="no"/>nen, und
            nicht um etwas höchst Tiefes und Bedeutsames. Häuser und Türme fallen nicht um, es
            geschehe denn ein Erdbeben; es geschieht aber kein Erdbeben ohne wichtige Vorgänge und
            Veränderungen im Inneren unseres Planeten. Weil eine Gottesordnung <hi rend="italic">verdunkelt</hi> und verloren gegangen ist und unter Schmerzen wieder <hi rend="italic">gesucht</hi> werden muß, darum macht uns die soziale Frage so zu
            schaffen. <hi rend="italic">Wenn man das weiß</hi>, wird man <hi rend="italic">ernst und
              eifrig</hi> in dieser Sache, zugleich aber auch ruhig und im Innersten friedlich. Man
              <hi rend="italic">weicht ihr dann nicht mehr aus</hi>, sondern sieht ihr ins Gesicht
            und verliert sich doch nicht, als ob es nur diese Frage und keine andere gäbe. Man sieht
            dann nicht so sehr auf <hi rend="italic">die Menschen</hi>, die heute zufällig auf der
            einen oder anderen Seite stehen, sondern auf die Sache, von der alle Menschen auf allen
            Seiten umgetrieben sind. Man achtet
            dann nicht nur <hi rend="italic">auf das Einzelne</hi>, sondern bei allem Einzelnen auf
            das Ganze.</p>
          <p>Das ist jedenfalls der zweite Eindruck und die zweite Mahnung, die uns unser Text gibt:
            es handelt sich auch in der sozialen Frage um <hi rend="italic">die Gottesfrage</hi>, an
            die man <hi rend="italic">nicht eilfertig</hi>, voreingenommen, geschwätzig und
            streitlustig herantreten kann, sondern mit der Ehrfurcht und Erschütterung, mit der man
            eben an das Göttliche herantreten muß. Und <hi rend="italic">dieser Standpunkt</hi> ist
            nicht veraltet, sondern er ist, wenn wir ihn recht verstehen, das Allernötigste und
            Allermodernste, das wir für unsere Zeit wieder gewinnen müßten.</p>
          <!-- leerzeile -->
          <p rend="margin-top"><hi rend="italic">3.</hi> Also eine gestörte Gottesordnung, die
            wieder zurechtkommen muß. Wir dürfen uns <hi rend="italic">an dieser Erkenntnis nicht
              irremachen lassen</hi> durch die allzu naheliegende <hi rend="italic">Behauptung</hi>,
            daß die ganze Frage des Verhältnisses von Arbeitgebern und Arbeitnehmern ja doch nur
            eine <hi rend="italic">Magenfrage</hi>, eine materielle Frage sei, auf die man sich
            besser nicht einlasse, weil man als Mensch und als Christ nach Höherem zu trachten habe.
            Dieses allzu schnelle Urteil gibt vielen ernsthaften Menschen <hi rend="italic">den
              Grund</hi> und vielen weniger ernsthaften wenigstens <hi rend="italic">die
              Ausrede</hi>, sich von dieser Frage im Innersten <hi rend="italic">nicht</hi> bewegen
            zu lassen, weil sie eben das Innerste nichts angehe. So haben z. B. jüngst die
            Mitglieder der apostolischen Gemeinschaft in <hi rend="italic"><placeName ref="kbga-places-116">Lenzburg</placeName></hi><note xml:id="n03">Gemeint ist die neuapostolische Gemeinschaft, die im <placeName ref="kbga-places-152">Aargau</placeName> fast überall vertreten ist, wenn auch nur
              als kleine Minderheit.</note> den Beitritt zu einer <pb ed="pga" xml:id="p299"/>
            Arbeiterorganisation verweigert mit der Begründung, sie seien im Himmel organisiert und
            hätten das nicht nötig. Wer mit den Gedanken der Bibel ein wenig vertraut ist, der weiß,
            daß dieser Gedanke schon wahr ist, aber eben doch nur <hi rend="italic">halb wahr.</hi>
            Das ist ja eben <hi rend="italic">das Beunruhigende und zugleich Hoffnungsvolle</hi> an
            unserer Lage, daß die Dinge, Verhältnisse und Ordnungen, die <hi rend="italic">im Himmel
              gelten</hi>, nach und nach und schließlich im Ganzen auch auf der Erde <hi rend="italic">zur Geltung kommen</hi> wollen. Himmel und Erde sind in Christus <hi rend="italic">keine völlig getrennten</hi> Gebiete mehr, sondern der Himmel ist nun
            gleichsam in Bewegung der Erde entgegen, daß ein neuer Himmel und eine neue Erde werde
            [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Jes.65.17">Jes. 65,17</ref>]. Ja, unser
            Leben ist jetzt <hi rend="italic">verborgen mit Christo in Gott</hi> [<ref type="can" subtype="bible" target="Kol.3.2">Kol. 3,2</ref>], aber es will nicht immer verborgen
            bleiben, sondern was in Gott verborgen ist, das drängt bei uns zur Geburt. Wir sagen
            doch z. B. auch von der <hi rend="italic">rechten Ehe</hi> und von der <hi rend="italic">rechten Erziehung</hi> nicht, daß sie nur im Himmel möglich und wirklich seien und
            daß sie uns darum nichts angehen, sondern wenn wir aufrichtige Menschen sind, strecken
            wir uns danach aus, daß das Himmlische im Irdischen zu erscheinen beginne. Das
            Himmelreich, von dem es heißt: <hi rend="italic">mein Reich ist nicht von dieser Welt</hi> [<ref type="can" subtype="bible" target="Joh.18.36">Joh. 18,36</ref>]!, ist als Same auf den Acker
            geworfen, von dem es heißt: <hi rend="italic">der Acker ist die Welt</hi> [<ref type="can" subtype="bible" target="Mt.13.38">Mt. 13,38</ref>]!, und in der Welt, nicht
            im Himmel muß und wird er aufgehen. Und wenn nun gerade <hi rend="italic">in dieser
              Zeit</hi> die ganz irdischen, materiellen Fragen, mag man sie denn Magenfragen heißen,
            stark in Bewegung kommen, so ist das nicht ein schlechtes, sondern ein gutes Zeichen für
            unsere Zeit. Es ist ein Zeichen dafür, daß es <hi rend="italic">anfängt, Ernst zu
              werden</hi> mit der Bewegung des Himmels gegen die Erde hin. <hi rend="italic">Die
              Bibel</hi> nimmt eben im Alten und Neuen Testament das Leibliche, das Alltägliche <hi rend="italic">viel ernster</hi>, als wir es im Christentum gewohnt sind. Sie
            verkündigt uns <hi rend="italic">eine neue, andere Welt</hi>, aber diese neue Welt
            schwebt nicht irgendwo über den Sternen, sondern sie fährt vom Himmel hernieder auf die
            Erde, als eine geschmückte Braut ihrem Mann, siehe, ich mache <hi rend="italic">Alles</hi> neu!, wie es in der Offenbarung Johannes [<ref type="can" subtype="bible" target="Apk.21.2">21,2</ref>.<ref type="can" subtype="bible" target="Apk.21.5">5</ref>] heißt. Darum haben schon die Propheten des Alten Testaments z. B. <hi rend="italic">die Gerechtigkeit</hi> zwischen Reichen und Armen höchst wichtig
            genommen als eine gar nicht weltliche, sondern sehr «religiöse» Angelegenheit [vgl.
            z. B. <ref type="can" subtype="bible" target="Jes.10.1 Jes.10.2">Jes. 10,1f.</ref>;
              <ref type="can" subtype="bible" target="Am.8.4 am.8.7">Amos 8,4-7</ref>]. Darum hat
            der Heiland den Menschen den Samen des Himmelreichs gezeigt, nicht nur mit wun<pb ed="pga" xml:id="p300" break="no"/>derbaren geistigen Bekehrungen - davon hören wir
            sehr wenig -, sondern mit vielen <hi rend="italic">leiblichen Heilungen</hi> leiblich
            Kranker. Darum gehen die <hi rend="italic">großen letzten Verheißungen</hi> der Bibel
            alle auf ein ewiges Leben, das nicht ein nebelhaftes geistiges Leben für sich ist,
            sondern ein durch den Geist geschaffenes, aus dem Geist erneuertes Leibesleben. <hi rend="italic">«Ist die Auferstehung der Toten nichts</hi>, so ist auch Christus nicht
            auferstanden» [<ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.15.13">1.Kor. 15,13</ref>]. |</p>
          <p>Es gab nun <hi rend="italic">freilich lange Zeiten</hi> im Christentum, wo man gar
            nicht merkte, wie weit man sich von Christus entfernte, indem man die leiblichen,
            irdischen Verhältnisse so gleichgiltig und vornehm ihren <hi rend="italic">eigenen Lauf
              nehmen ließ.</hi> Man beschäftigte sich aufs lebhafteste mit den kirchlichen und
            später mit den politischen <hi rend="italic">Formen</hi>, mit den Glaubens<hi rend="italic">lehren</hi>, mit philosophischen <hi rend="italic">Gedanken</hi>, mit
            den Fragen des persönlichen <hi rend="italic">inwendigen</hi> Lebens, mit allerlei <hi rend="italic">Kunst</hi> und <hi rend="italic">Wissenschaft.</hi> Der Sauerteig des
            Evangeliums [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.13.33">Mt. 13,33</ref>] hat
            freilich auch da seine Wirkung getan, aber es war doch eine große <hi rend="italic">Versäumnis und Schuld</hi> dabei, daß man das Geistige für sich so <hi rend="italic">ins Kraut schießen</hi> ließ während all der Jahrhunderte, ohne zu beachten, wie
            unterdessen die irdischen Verhältnisse, an die man nicht im Ernst denken wollte, immer
            mehr in <hi rend="italic">Unordnung und Verwirrung</hi>, in Lüge und Ungerechtigkeit
            hineingerieten. Diesen <hi rend="italic">Fehler wollen wir nun nicht verewigen</hi>,
            sondern endlich einsehen und besser
            machen. Heute stehen nämlich die Dinge so, daß nun endlich einmal die leiblichen,
            irdischen Dinge <hi rend="italic">ernsthaft zur Sprache kommen.</hi> Das allzulange
            Vernachlässigte <hi rend="italic">rächt sich nun</hi> und verlangt stürmisch,
            berücksichtigt zu werden. Daß es dabei nicht eben lieblich, sondern eher <hi rend="italic">höllenmäßig</hi> zugeht, darf uns nicht darin irremachen, daß es nun
            gilt, aufmerksam zu werden. Eine Explosion kann nichts Schönes sein, vernünftige
            Menschen lassen sich aber dadurch nicht abhalten, in Zukunft besser Acht zu geben. Auch
            das darf uns nicht veranlassen, gleichgiltig zu bleiben, daß die <hi rend="italic">Wortführer bei dieser Explosion</hi> und die Massen derer, die dabei in Bewegung
            gekommen sind, nicht eben gute Christen und oft nicht einmal gute Menschen sind, ja daß
            es dabei glücklich [?] soweit gekommen ist, daß das Christentum mit einem gewissen Haß
            auf die Seite geschoben wird. Wer einmal gemerkt hat, wieviel <hi rend="italic">im
              sogenannten Christentum vergessen und versäumt</hi> worden ist, der wird sich darüber
            nicht wundern, jedenfalls darüber nicht zum Pharisäer werden, son<pb ed="pga" xml:id="p301" break="no"/>dern an die Buße denken, die uns allen not wäre. Es liegt
            eben doch <hi rend="italic">ein großes göttliches Vorwärts! darin</hi>, daß es heute
            nicht mehr laue [?] geistige und religiöse Fragen sind, die uns beunruhigen, sondern die
            Frage, die für Christus, für seine Propheten und Apostel das Ziel und der Sinn aller
            Fragen war, die Erneuerung der Erde und ihrer Verhältnisse. Gerade <hi rend="italic">der
              entscheidende Punkt im Christentum</hi>, der Punkt, in dem es sich von allen
            «Religionen» unterscheidet, nämlich die Auferstehung, der lebendige Gott, die Erlösung
            des ganzen Lebens, meldet sich heute zum Wort und will zu Ehren kommen. Es <hi rend="italic">kommt nur wenig darauf an</hi>, ob wir uns zum Sozialismus bekennen oder
            nicht, das ist nur eine äußere Frage, in der nicht jeder die gleiche Stellung und
            Aufgabe hat. Wohl aber <hi rend="italic">kommt Alles darauf an</hi>, daß wir jenes große
            göttliche Vorwärts einmal hören, das in aller Verwirrung unserer Zeit doch deutlich zu
            hören ist. Alle Verwirrungen können uns doch nur um so deutlicher sagen, daß die Welt
            und auch das Christentum an jenem entscheidenden Punkt im Rückstand sind und vorwärts
            sollten. Im gleichen Maß, als wir das hören, wird auch die Verwirrung sich mindern. Wir
            müssen einmal <hi rend="italic">weich, zerknirscht, bußfertig</hi> werden gegenüber
            dieser ungeheuren ungelösten Frage, statt immer noch gerecht und stolz darüberzustehen,
            als hätten wir keine Verantwortung dafür, daß sie da ist.</p>
          <!-- leerzeile -->
          <p rend="margin-top"><hi rend="italic">4.</hi> Über die göttliche Ordnung der sozialen
            Verhältnisse und wie sie verloren gegangen ist, möchte ich an Hand unseres Textes nur
            wenig sagen. Das Göttliche und Vernünftige zeichnet sich vor Allem immer dadurch
              aus, daß sich nur wenig darüber sagen
            läßt, und auch das Ungöttliche und Unvernünftige ist bald beschrieben. <hi rend="italic">Das Göttliche und Vernünftige</hi> besteht hier darin, daß Arbeitgeber und
            Arbeitnehmer darin <hi rend="italic">gleich sind</hi>, daß sie miteinander das Gleiche
            wollen, nämlich leben, ihr täglich Brot haben - und darin <hi rend="italic">ungleich</hi>, daß dabei der Eine vorangeht und befiehlt, der Andere nachfolgt und
            gehorcht. Ihr und euer Herr ist im Himmel, und bei ihm ist kein Ansehen der Person!
            Darin liegt die <hi rend="italic">Gleichheit</hi>, und das sagt <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> den Herren. Seid
            gehorsam mit Furcht und Zittern, aus aufrichtigem Herzen! Darin liegt die <hi rend="italic">Ungleichheit</hi>, und das sagt <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> den Arbeitern. Über den Herren
            und über den Arbeitern aber steht die Erkenntnis, daß die gemeinsame Arbeit <hi rend="italic">für den Herrn</hi> geschieht. Sie ist <hi rend="italic">ein irdisches
              Abbild</hi> eines <pb ed="pga" xml:id="p302"/> höheren Verhältnisses, wie die Ehe
            [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Eph.5.23">Eph. 5,23</ref>]. <hi rend="italic">Christus befiehlt und sein Jünger gehorcht</hi>, beides um Gottes
            willen. Wenn das irdische Abbild diesem höheren Verhältnis <hi rend="italic">gleicht</hi>, dann ist’s gut. Gott der Herr will, daß wir <hi rend="italic">leben.</hi> Wollen wir leben, so müssen wir <hi rend="italic">arbeiten.</hi> Arbeiten
            wir um des Lebens willen, dann ist’s <hi rend="italic">natürlich und recht</hi>, daß der
            eine übergeordnet, der andere untergeordnet ist, es ist keine Schmach dabei, es wird
            dabei kein Unrecht geschehen und kein gerechter Anlaß zur Auflehnung sein. Da <hi rend="italic">darf</hi> man befehlen, und da <hi rend="italic">kann und muß</hi> man
            gehorchen. |</p>
          <p>Wir müssen sagen, daß sich dieses natürliche Verhältnis bis vor kurzem und zum Teil bis
            heute erhalten hat im <hi rend="italic">Bauernstand.</hi> Und das ist ein ernster Grund,
            weshalb gerade die Bauern die Lage derer besonders gut und teilnehmend verstehen
            sollten, die nicht so gut dran sind. Denn im Ganzen ist nun eben dieses natürliche
            soziale Verhältnis <hi rend="italic">nicht mehr vorhanden.</hi> Arbeitgeber und
            Arbeitnehmer wollen in unseren Verhältnissen <hi rend="italic">nicht mehr das
              Gleiche.</hi> An die Stelle des lebendigen irdischen Herrn ist nämlich das tote <hi rend="italic">Geld</hi> getreten. Das Geld ist ein überaus geschicktes <hi rend="italic">Werkzeug</hi> für die Arbeit und darum für das Leben. Aber in unseren
            Verhältnissen ist es nicht Mittel und Werkzeug, sondern selbst <hi rend="italic">Ziel
              und Zweck</hi>, und die Arbeit und das Leben müssen ihm dienen. Das Geld will sich <hi rend="italic">vermehren</hi>, dem hat sich Alles unterzuordnen. Das Geld ist <hi rend="italic">selbst der Herr</hi> geworden. Auch die sogenannten Herren müssen ihm
            dienen. Das ist das offenkundige Geheimnis des ganzen wirtschaftlichen Lebens. <hi rend="italic">Daraus entsteht die soziale Frage:</hi> Das Geld möchte nur laufen und
            sich vergrößern wie eine Lawine. Der Mensch, und zwar der Herr und der Arbeiter möchten
            leben. Daraus entsteht der <hi rend="italic">Klassenkampf</hi>, keine Sozialisten machen
            ihn, ganz von selbst ist er da zwischen denen, die dem <hi rend="italic">Gelde gern und
              mit Freuden dienen</hi>, weil es ihnen immer noch erträglich dabei geht, und den
            Anderen, die ihm 
            <hi rend="italic">ungern dienen</hi>, weil sie <hi rend="italic">unter</hi> der Lawine
            sind, weil sie am lebendigen Leib erfahren, wie hart, wie unbarmherzig, wie
            selbstsüchtig das Geld ist. Nun ist eben <hi rend="italic">keine Gleichheit</hi> mehr
            da, kein Herr im Himmel, der über Herr und Knecht steht, weil das Geld selbst zum
            Herrgott geworden ist. Und wo die göttliche Gleichheit nicht mehr besteht, da kann <hi rend="italic">auch die göttliche Ungleichheit nicht Bestand</hi> haben. Nun muß der
              <hi rend="italic">böse, nörgelnde Zweifel</hi> auftreten, ob denn der Herr wirklich
            das Recht habe, den Herrn zu spielen, wo er <pb ed="pga" xml:id="p303"/> gar nicht mehr
            der Herr ist, sondern seinerseits ein Sklave der Profitrate. Das Verhältnis eines
            heutigen Fabrikanten zu seinen Arbeitern ist eben wirklich nicht ein Abbild des
            Verhältnisses Jesu zu seinen Jüngern, sondern etwas total Anderes. Einem Menschen kann
            man sich <hi rend="italic">willig und freudig unterordnen</hi>, aber wie kann man
            zufrieden sein, wenn man einmal gemerkt hat, daß es ja im Grunde doch nur um das goldene
            Kalb geht? Und nun <hi rend="italic">verschwindet aus diesem Verhältnis</hi> Zug um Zug
            alles Freundliche, Gute, das es natürlicher Weise an sich haben könnte. Wer kann denn
            heute in abhängiger Stellung seine <hi rend="italic">Arbeit aus eigenem Herzen tun</hi>,
            wie <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> sagt, wenn er doch sieht, daß er als Mensch mit einem Herzen da gar nicht in
            Betracht kommt, sondern nur als ein Stück Maschine, das man heute ein- und morgen
            ausschaltet? Wie kann man in dieser Lage <hi rend="italic">mit gutem Willen
              arbeiten</hi>, wo man doch nur den Götzen Mammon sich gegenüber hat, der sicher keinen
            guten Willen hat auch gegen seine eifrigsten Verehrer? Wie kann man im modernen
            Wirtschaftsleben <hi rend="italic">uneigennützig sein</hi>, wo Alles auf den Eigennutzen
            eingerichtet ist und nach Eigennutzen verlangt, weil der Gott dieses Lebens der
            Eigennutzen selbst ist? Nun kehrt sich Alles um. Nun kann der Knecht <hi rend="italic">nicht mehr ohne weiteres gehorchen</hi>, sondern muß darauf sinnen, seine eigene
            Sache zu führen gegen seinen Herrn statt mit ihm. Nun sind <hi rend="italic">die besten
              Knechte für den Herrn</hi> gerade die, die das treiben, vor dem <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> gewarnt hat,
            den Augendienst, um den Menschen zu gefallen, und umgekehrt <hi rend="italic">die
              besten, das heißt erfolgreichsten Herren</hi> die, die es am besten verstehen zu
            drohen, wie <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> das genannt hat, das heißt, die Knechte in möglichst stummer,
            bewußtloser Abhängigkeit zu erhalten.</p>
          <p><hi rend="italic">Das ist das Verderben</hi>, unter dessen Herrschaft unsere Zeit
            steht. Das ist <hi rend="italic">das Gift</hi>, das an unserem sozialen Körper frißt,
              <hi rend="italic">der Wurm</hi>, der das Gebäude unternagt [?], in dem wir wohnen. Wir
            wollen jetzt nicht untersuchen, wie es so hat kommen können, und nicht beschreiben, was
            die Folgen davon sind. Genug, daß <hi rend="italic">es so ist</hi> und daß wir es heute
              <hi rend="italic">verspüren</hi> müssen, daß es so ist. Man hat <hi rend="italic">lange genug gesagt</hi>, die 
            irdischen Verhältnisse seien gleichgiltig, man kann auch sonst in den Himmel kommen. Man
            hat das solange gesagt, bis es <hi rend="italic">auf der Erde so aussah</hi>, daß man an
            den Himmel gar nicht mehr recht zu glauben wagt.</p>
          <!-- leerzeile -->
          <p rend="margin-top"><pb ed="pga" xml:id="p304" rend="noPipe"/>
            <hi rend="italic">5.</hi> Und wenn wir uns nun zum Schluß fragen, wie es zur <hi rend="italic">Wiederherstellung</hi> jener Gottesordnung von Gleichheit und
            Ungleichheit kommen könnte, so können wir auch darüber nur Weniges sagen. <hi rend="italic">Jedenfalls nicht damit</hi>, daß man denen <hi rend="italic">ihre Sünde
              vorhält</hi>, die in der gegenwärtigen Lage die Meistbetroffenen sind. Sie können die
            Anklage zehnfach zurückgeben, und es wird dadurch nichts anders, und wenn man dann noch
            einmal zehnfach recht behielte gegen sie. Auch damit nicht, daß man darauf hinweist, daß
            es <hi rend="italic">doch immer noch Einzelne gibt</hi>, Herren und Arbeiter, die sich
            trotz des allgemeinen Giftes im Ganzen gesund erhalten haben. Ausnahmen bestätigen die
            Regel. Ganz unberührt ist überdies niemand von der allgemeinen Unordnung, und wer bürgt
            uns dafür, wie die Söhne solcher Väter sein werden? Auch die <hi rend="italic">Fortschritte und Milderungen</hi> helfen nicht, die im Einzelnen in diesem Verhältnis
            erzielt werden mögen, weder Lohnerhöhungen noch Arbeitszeitverkürzungen noch
            Arbeiterfürsorge. <hi rend="italic">Helfen kann allein das</hi>, daß <hi rend="italic">die Dinge wieder umgekehrt werden</hi>, wie sie eigentlich stehen sollten. Gut ist
            Alles, was dazu hilft, <hi rend="italic">die Menschen wieder stärker zu machen</hi> als
            das Geld. Gut ist Alles, was <hi rend="italic">die Macht des Geldes schwächen kann</hi>,
            was ihm einen Damm entgegensetzt. Gut ist Alles, was den Menschen wieder <hi rend="italic">verantwortlich macht für den Menschen.</hi> Gut ist Alles, was <hi rend="italic">die Arbeit selbst und das Leben selbst wieder wertvoll macht</hi> für
            den Menschen. Das sind keine politischen Ansichten, meine Freunde, das sind
            Notwendigkeiten, die heute einfach jedermann einsehen sollte. Aber damit dieses Gute
            kommen kann, muß <hi rend="italic">die Einsicht</hi> kommen. Wir müssen das Alte
            merken [?], das zurückbleiben muß, und das Neue, das zu verstehen und zu tun ist. Wer
            sich heute über <orgName ref="kbga-actors-8745">Bolschewisten</orgName> und <orgName ref="kbga-actors-9755">Spartakisten</orgName>, über Revolution und Generalstreik<note xml:id="n04">Im November 1918 wurde in der <placeName ref="kbga-places-58">Schweiz</placeName> der Generalstreik ausgerufen. Auf das Gerücht hin, <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> habe den Generalstreik verherrlicht,
              demissionierten am <date when="1918-11-20">20.11.1918</date> vier der sechs
              Kirchenpfleger (= Presbyter). Noch im August 1919 mußte <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> sich gegen den Vorwurf verteidigen,
              sozialistische Propaganda getrieben zu haben (s. oben <ref target="../volume/39/p296#fn_n02" type="pub">S. 296, Anm.2</ref>; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-134">Busch, S. 118f.</bibl>).</note> empört und entsetzt, soll
            sich fragen, ob [er] denn <hi rend="italic">schon hindurchgegangen ist</hi> durch die
            enge Pforte dieser Einsicht in das, was vergangen ist und was kommen muß. Und den
            Arbeitern auf der anderen Seite ist zu sagen, daß sie vielleicht <hi rend="italic">ihre
              eigene Sache noch gar nicht verstanden</hi> haben, weil nicht nur Einiges, sondern
            Alles <pb ed="pga" xml:id="p305"/> anders werden muß, wenn ihnen wirklich und nicht nur
            auf den Augenblick geholfen werden soll. <hi rend="italic">Einsichtige Menschen</hi>
            braucht es heute auf allen Seiten. Das hat mit der Parteistellung gar nichts zu tun. Es
            braucht heute solche Menschen in allen Ständen und Parteien. Es ist aber ein <hi rend="italic">großes Erwachen</hi> nötig, wenn es nun einmal
               zu dieser Einsicht kommen soll. Ja
            was ist nun gut? was böse?, fragt ihr. Ich will es euch sagen: <hi rend="italic">Gut ist
              Alles</hi>, was uns da wirklich aufweckt und uns umtreibt, auch in dieser Sache zu
            Gott zu schreien. <hi rend="italic">Böse ist Alles</hi>, was uns da wieder einschläfert
            und beruhigt und uns die Meinung gibt, wir könnten an Gott glauben, ohne diese Sache auf
            dem Herzen zu tragen. <hi rend="italic">Sollte uns wirklich</hi> das Gute heute nicht
            näher liegen als das Böse?</p>
          <!-- leerzeile -->
        </div>
        <div type="songs">
          <head>Lieder:</head>
          <listBibl type="songs">
            <bibl corresp="kbga-songs-52" type="song">In der einen Gemeinde Nr. 35 «Dir, dir, Jehovah
              will ich singen» von <persName ref="kbga-actors-5919">B. Crasselius</persName>, Strophen 1-3 (RG [1998] 243,1-3; EG 328,1-3 «Dir,
              dir, o Höchster … »)</bibl>
            <bibl corresp="kbga-songs-97" type="song">Nr. 151 «O Gott, o Geist, o Licht des Lebens»
              von <persName ref="kbga-actors-797">G. Tersteegen</persName>, Strophen 1-3 (RG [1998] 510,1-3 mit geringen
              Textabweichungen)</bibl>
              </listBibl>
              </div>
              
            <div type="songs">
            <!-- leerzeile -->
             <listBibl type="songs">
            <bibl corresp="kbga-songs-137" type="song">In der anderen Gemeinde Nr. 5 «Nun danket all’
              und bringet Ehr’» von <persName ref="kbga-actors-131">P. Gerhardt</persName>, Strophen 1-5 (RG [1998] 235,1-5; EG 322,1-5)</bibl>
            <bibl corresp="kbga-songs-160" type="song">Nr. 177 «Jehovah, Jehovah, Jehovah, deinem
              Namen sei Ehre, Macht und Ruhm», Strophen 1-2. Strophe 1 von <persName ref="kbga-actors-8814">G. K. Pfeffel</persName>
              (1736-1809)</bibl>
          </listBibl>

        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
