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        <title type="volume" n="vol-39">Predigten 1919</title>
        <title type="content">Matthäus 9,20-22</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: Matthäus 9,20-22, 23. Februar 1919</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/39012 (Stand: 25. August 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Predigten 1919, hrsg. v. Schmidt, Hermann (Gesamtausgabe, Abt. I), Zürich 2003, S. 88.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
      </editionStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Predigten 1919</title>
          <title type="text">Matthäus 9,20-22</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Schmidt, Hermann</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2003</date>
          <biblScope unit="page">88</biblScope>
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        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Barth, Karl, Predigt: Mt 9,20-22, 23. Februar 1919. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/1896">KBA 1439</ref>. </bibl>
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        <date type="creation" when="1919-02-23">23. Februar 1919</date>
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        <language ident="ger">German</language>
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          <head><idno>457</idno></head>
          <dateline>
            <placeName ref="kbga-places-54"><hi rend="italic">Safenwil</hi></placeName>, Sonntag, den <date when="1919-02-23">23. Februar 1919</date>
          </dateline>

          <epigraph>
            <cit>
              <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.9.20 Mt.9.22">Matthäus 9,20-22</ref>
              <quote><hi rend="italic" resp="kb">[Und siehe, ein Weib, das zwölf Jahre den Blutgang
                  gehabt, trat von hinten zu ihm und rührte seines Kleides Saum an. Denn sie sprach
                  bei sich selbst: Möchte ich nur sein Kleid anrühren, so würde ich gesund. Da
                  wandte sich Jesus um und sah sie und sprach: Sei getrost, meine Tochter; dein
                  Glaube hat dir geholfen. Und das Weib ward gesund zu derselben
                Stunde.]</hi></quote>
            </cit>
          </epigraph>

        </div>
        <div type="main">
          <p>
            <hi rend="italic">1.</hi> Das Reich Gottes, das Jesus verkündigt und offenbart hat, ist
              <hi rend="italic">etwas Ganzes.</hi> Jesus hat die Menschen vor eine Wahl, vor eine
            <hi rend="italic">Entscheidung</hi> gestellt: Ja oder Nein! Alles oder nichts!<note xml:id="n01">Siehe oben <ref target="../volume/39/p077#fn_n05" type="pub">S. 77, Anm.5</ref>.</note> Wenn das, was <hi rend="italic">heutzutage</hi> in Kirche und Kapelle<note xml:id="n02">Vgl. oben <ref target="../volume/39/p051#fn_n01" type="pub">S. 51,
              Anm.1</ref>.</note> gepredigt wird, wirklich Jesus ist, dann kann es auch heute nicht anders
            sein. Wenn wir es nicht merken, daß es ums Ganze geht und daß wir vor eine Wahl gestellt
            sind, dann ist’s ein Zeichen dafür, das wir noch etwas Anderes predigen als das, was
            Jesus gepredigt hat, oder aber ein Zeichen dafür, daß wir die Ohren noch nicht haben, um
            das wirkliche Wort Jesu zu hören. Wir können das Reich Gottes <hi rend="italic">nicht
              halb verstehen</hi>, wir verstehen es ganz oder dann gar nicht. Wir können Jesus nicht
            halb annehmen; wir nehmen ihn ganz an oder dann gar nicht. Die Tür ist entweder offen
            oder geschlossen; etwas drittes gibt es nicht. Wir können das Himmelreich <hi rend="italic">nicht verbinden</hi> mit irgendwelchen irdischen Anschauungen,
            Gewohnheiten und Verhältnissen. Wie man’s auch ansehen mag, das Göttliche entweicht
            dabei immer, und was zurückbleibt, ist immer etwas sehr Menschliches. Wir haben volle
              <hi rend="italic">Freiheit</hi>, die Finger zu lassen vom Göttlichen, und sind nicht
            notwendig schlechtere oder unglücklichere Menschen, wenn wir von dieser Freiheit
            Gebrauch machen. Wir haben aber nicht die Freiheit, das Göttliche uns anzupassen, denn
            es will sich selber<note xml:id="n03">= es selber.</note> sein und seinen eigenen Weg
            mit uns gehen. Das Reich Gottes drängt sich uns nicht auf, es läßt aber auch nicht mit
            sich markten. Wir machen uns selbst und die Welt <hi rend="italic">nicht im geringsten
              besser</hi>, wenn wir aus dem neuen Kleid des Gottesreiches ein Stück, das uns paßt,
            herausschneiden, um unser altes Kleid damit zu flicken. Und <pb ed="pga" xml:id="p080"/>
            wir leisten Gott nicht den geringsten Dienst, wenn wir den neuen Wein seiner Wahrheit in
            alte Schläuche gießen.<note xml:id="n04">Vgl. <ref type="pub" target="../volume/39/p069#p069">die Predigt Nr. 456</ref>.</note> Im Gegenteil:
            das Vermitteln, das Ausgleichen, das Anpassen und Verbinden schadet uns, vermehrt die
            Verwirrung in der Welt, macht Gott Unehre, und wenn wir die beste Absicht dabei hätten.
            Wie es in dem Liede heißt: Wir spinnen Luftgespinste und suchen viele Künste und kommen
            weiter von dem Ziel!<note xml:id="n05">Aus <bibl type="song" corresp="kbga-songs-169">Strophe 4 des Liedes Nr. 52 «Der Mond ist
              aufgegangen» von <persName ref="kbga-actors-947">M. Claudius</persName> (RG [1998] 599; EG 482)</bibl>.</note></p>
          <!-- leerzeile -->
          <p rend="margin-top"><hi rend="italic">2.</hi> Wenn wir uns das haben sagen lassen, dann
            können wir uns jetzt auch etwas Anderes sagen lassen. Jesus hat das Reich Gottes mit
            Vorliebe mit kleinen, feinen, <hi rend="italic">unscheinbaren Dingen verglichen:</hi>
            nicht mit einem Bergsturz, der auf einmal kommt und Alles zudeckt, nicht mit einem
               Wolkenbruch, der einem nur die Wahl
            läßt, durch und durch naß zu werden oder in ein Haus zu flüchten, nicht mit einem
            Meteorstein, der aus einer unbekannten Sternenwelt auf die Erde gesaust kommt: So da bin
            ich, macht mit mir, was ihr wollt - sondern mit ein wenig Salz [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.5.13">Mt. 5,13</ref>], mit einem Lichtlein, das in einem dunklen
            Hause scheint [<ref type="can" subtype="bible" target="Mt.5.15">Mt. 5,15</ref>], mit einem
            Stück Sauerteig mitten in drei Scheffel Mehl [<ref type="can" subtype="bible" target="Mt.13.33">Mt. 13,33</ref> par.] und besonders gern mit dem Samenkörnlein, das still unter der
            harten Erde auf seine Stunde wartet [<ref type="can" subtype="bible" target="Mk.4.31 Mk.4.32">Mk. 4,31f.</ref> par.; <ref type="can" subtype="bible" target="Mk.4.26 Mk.4.29">Mk. 4,26-29</ref>].
            Und auch in unserem Text hören wir von einem kleinen, feinen, <hi rend="italic">unscheinbaren Auftreten</hi> des Gottesreiches, von der kranken Frau, die von hinten
            an Jesus herantrat und den Saum seines Kleides anrührte, und die von Jesus nicht eine
            Anklage hören muß wegen ihrer Schwachheit oder Halbheit oder Unentschiedenheit, sondern
            das schöne, hilfreiche Wort: Sei getrost (eigentlich: Sei mutig! Sei stark!), meine
            Tochter, dein Glaube hat dir geholfen!</p>
          <p>Da lernen wir nun <hi rend="italic">etwas Neues.</hi> Das Reich Gottes, das mit seinem
            entschiedenen: Alles oder Nichts! so gewaltig seinen eigenen Weg geht, ist doch zugleich
            etwas <hi rend="italic">Barmherziges</hi>, Geduldiges, Feines. Es ist <hi rend="italic">gewaltig</hi>, aber nicht grob. Es ist <hi rend="italic">kriegerisch</hi>, aber nicht
            zänkisch. Es ist so <hi rend="italic">hoch</hi> über uns wie der Himmel über der Erde
            [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Jes.55.9">Jes. 55,9</ref>], aber ist nicht
            vornehm und unhöflich wie manche Leute, denen es zu wohl ist. <pb ed="pga" xml:id="p081"/> Es <hi rend="italic">paßt sich uns nicht</hi> an, aber es kommt uns entgegen, es geht
            auf uns ein. Es stellt uns vor eine Wahl, aber es <hi rend="italic">preßt uns nicht an
              die Wand</hi>, und es setzt uns nicht den Revolver auf die Brust. Es will uns in eine
              <hi rend="italic">Bewegung</hi> versetzen, aber damit verlangt es nicht etwas
            Unnatürliches von uns, sondern im Gegenteil, daß wir ganz natürlich seien. Alles
            Gewaltsame, <hi rend="italic">Erzwungene</hi>, Gemachte, Künstliche ist ihm im Tiefsten
            zuwider, und wenn es noch so schön wäre. Man kann das Reich Gottes nicht schlimmer <hi rend="italic">mißverstehen</hi>, als wenn man meint, man müsse allerlei Gedanken
            annehmen, die man nicht für wahr hält, man müsse allerlei tun, von dessen Richtigkeit
            und Notwendigkeit man doch gar nicht überzeugt ist, man müsse allerlei Gefühle,
            Erfahrungen und Erlebnisse haben, die einem im Grunde fremd sind. Das Reich Gottes kommt
            zu uns mit einer wahrhaft <hi rend="italic">mütterlichen Schonung.</hi> Von neuem
            geboren [<ref type="can" subtype="bible" target="Joh.3.3">Joh. 3,3</ref>]! Wie die Kinder
              [<ref type="can" subtype="bible" target="Mt.18.3">Mt. 18,3</ref>]!<note xml:id="n06">Die
              beiden biblischen Anspielungen hat <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> nachträglich als Stichworte eingefügt.</note>
            Es läßt jedes Menschenkind mit seinem Charakter und in seinen Verhältnissen und mit
            seinem besonderen Lebenslauf durchaus <hi rend="italic">gelten.</hi> Es verlangt nicht
            von uns, daß wir <hi rend="italic">Purzelbäume</hi> schlagen und den Hochstand machen.
            Es verlangt nicht von uns, daß wir unser Leben <hi rend="italic">umkrempeln</hi> in ein
            schnurstracks göttliches  Leben voll
            Glaube, Liebe und Hoffnung [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Mk.16.15">Mk. 16,15</ref>)]. Lasset euer Licht leuchten [vor den Leuten (<ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.13.13">1.Kor. 13,13</ref>] und unsere Welt in eine schnurstracks
            göttliche Welt voll Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit<note xml:id="n07"><foreign xml:lang="fre">Liberté,
              égalité, fraternité</foreign>! war die Devise der französischen Revolution; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-2429">Büchmann,
              S. 647</bibl>.</note>. So tönt es freilich in manchen Bekehrungspredigten, und so versuchen
            sie jetzt in Rußland und da und dort in Deutschland, das Reich Gottes aufzurichten<note xml:id="n08">Im November 1918 hatten sich in ca. 50 deutschen Städten als oberste
              politische Organe Arbeiter- und Soldatenräte gebildet; <persName ref="kbga-actors-761">Ph. Scheidemann</persName> hatte in
              <placeName ref="kbga-places-8">Berlin</placeName>, <persName ref="kbga-actors-540">K. Eisner</persName> in <placeName ref="kbga-places-43">München</placeName> die Republik ausgerufen. Die Revolution hatte in
              <placeName ref="kbga-places-151">Deutschland</placeName> allerdings keine Chance. Bereits im Januar 1919 wurden die Führer der <orgName ref="kbga-actors-8624">KPD</orgName>,
              <persName ref="kbga-actors-1117">K. Liebknecht</persName> und <persName ref="kbga-actors-1381">Rosa Luxemburg</persName>, im Februar <persName ref="kbga-actors-540">K. Eisner</persName> ermordet.</note>. Da ist
            allerdings das Alles oder nichts! des Gottesreiches bis zu einem gewissen Grad
            verstanden. Aber gerade das Freie, Natürliche, Gütige des Gottesreiches wird da nicht
            verstanden. Im Neuen Testament geht es entschieden <hi rend="italic">anders zu</hi> als
            bei den geistlichen Erweckungsbewegungen und bei den weltlichen Revolutionsbewe<pb ed="pga" xml:id="p082" break="no"/>gungen. Jesus wirft den Menschen nicht um. Er ist
              <hi rend="italic">zufrieden</hi>, wenn nur ein <hi rend="italic">wenig</hi> Salz, ein
              <hi rend="italic">kleines</hi> Licht, ein <hi rend="italic">kleiner</hi> Same da ist.
            Die kranke Frau <hi rend="italic">bekommt Recht</hi>, obwohl sie nur von hinten den Saum
            seines Kleides berührt. Das ist nicht viel, das ist schwach, ängstlich, ein wenig
            abergläubisch. Keine Bekehrung, kein Glaubensbekenntnis, keine Heilserfahrung, kein
            moralischer Aufschwung! Sie berührte den Saum seines Kleides. Für Jesus ist das
            genug.</p>
          <p>Wir sollen offenbar ins Reich Gottes, das uns etwas so absolut Neues bringt, nicht
            hineingeworfen werden wie Buben, die man schwimmen lehren will, sondern wir sollen die
            Freiheit haben, einmal <hi rend="sans-serif italic">einen Anfang zu machen,</hi> einen
              <hi rend="italic">schüchternen</hi>, verlegenen, furchtsamen, ungeschickten Anfang,
            wenn’s nur ein Anfang ist. Wir haben volle Freiheit anzufangen, <hi rend="italic">wo wir
              wollen</hi>, bei einer eigenen Not oder bei der Not Anderer, im inneren Leben oder im
            äußeren, bei der aufmerksamen Betrachtung der Bibel oder bei der ebenso aufmerksamen
            Betrachtung der Weltereignisse, beim Beten oder beim Arbeiten, es ist alles recht,
            wenn’s nur ein Anfang ist. Wir können’s bei solchem Anfang auch <hi rend="italic">ganz
              natürlich</hi> halten, wie es uns entspricht, der eine stürmischer und der andere
            gemächlicher, der eine mehr in seinen Gedanken, der andere mehr durch frisches Tun -
            wenn’s eben nur ein Anfang ist. Wir werden darum nicht gescholten, weil es nur ein
            Anfang und <hi rend="italic">nicht das Ganze</hi> ist. Wenn’s ein rechter Anfang ist,
            dann ist’s eben doch der Anfang des Ganzen. Es sind ja alles <hi rend="italic">nur
              Säume</hi> am Kleid des Heilands, die wir jetzt anrühren, einerlei, wenn’s nur der
            Heiland ist, dann gehört auch der Saum zu ihm, und indem wir ihn anrühren, wird uns
            geholfen. <hi rend="italic">Es kann in einem ganz kleinen</hi> Verstehen das große,
            volle Verstehen stecken und in einem kleinen Annehmen das große, ganze Annehmen, wie
            eben im Samen verborgen ein ganzer Baum mit hunderten von Früchten stecken kann. <hi rend="italic">Wenn wir dieses Kleine haben</hi>, in dem das Große enthalten ist, so
            kann sofort auch zu uns gesagt werden: Sei getrost, dein Glaube hat dir geholfen! Und
              <hi rend="italic">niemand ist zu schwach</hi>,  niemand zu alt, niemand zu unverständig, niemand zu ungläubig, um dieses
            Kleine zu haben. Es wird wohl von Gott aus betrachtet nicht anders sein, als daß <hi rend="italic">wir alle nur ein solches Kleines</hi> haben. Wir wollen froh sein, daß
            wir darum nicht verworfen, sondern mit diesem Kleinen angenommen sind. Das ist die
            Barmherzigkeit, die Geduld, die Langmut des Gottesreiches.</p>
          <!-- leerzeile -->
          <p rend="margin-top"><pb ed="pga" xml:id="p083" rend="noPipe"/>
            <hi rend="italic">3.</hi> Aber bei dem <hi rend="italic">Ja oder Nein!</hi>, Entweder -
            Oder! des Heilands muß es darum doch bleiben. <hi rend="sans-serif">Es bleibt
              dabei:</hi> die Tür ist entweder offen oder zu, ein drittes gibt es nicht. Wir dürfen
            schamhaft, hilflos, unklar anfangen und sind alle darauf angewiesen, daß wir das dürfen.
            Aber wir müssen anfangen. Es kann sich <hi rend="italic">nicht wieder darum
            handeln</hi>, daß wir eben doch vom Heiland, vom Christentum, von der Wahrheit nehmen,
            was gerade uns paßt. Sondern <hi rend="italic">darum handelt es sich</hi>, daß er uns
            vorläufig soviel geben kann, als er gerade uns geben kann. Wir können nicht gleich die
            ganze <hi rend="italic">Wahrheit</hi> erkennen und unser Leben danach gestalten, niemand
            verlangt das von uns. Wohl aber müssen wir einmal erkennen, merken, zugeben, daß die
            Wahrheit die Wahrheit ist.</p>
          <p>Wir müssen merken, daß <hi rend="sans-serif">es nur</hi>
            <hi rend="italic">eine</hi>
            <hi rend="sans-serif">Quelle</hi> gibt, die unseren Durst, und nur <hi rend="italic">ein</hi> Brot, das unseren Hunger stillen kann. Wir müssen merken, daß
            es nur <hi rend="italic">einen</hi> Gott gibt. <hi rend="italic">Wieviel wir
              trinken</hi> von diesem Wasser und essen von diesem Brot, wie stark oder schwach wir
            glauben an diesen <hi rend="italic">einen</hi> Gott, darauf kommt so viel zunächst nicht
            an. Wohl aber müssen <hi rend="italic">wir es lassen, daneben</hi> immer noch anderes
            Brot zu essen, Wasser zu trinken, Götter anzubeten. Es darf z. B. nicht sein, daß wir
            neben der erkannten Wahrheit dann noch eine <hi rend="italic">eigene Meinung</hi> haben,
            so schön das sonst ist, sonst haben wir eben die Wahrheit nicht erkannt. Es geht nicht
            an, daß wir neben der Weisheit Gottes auch noch eine besondere <hi rend="italic">Zeitungsweisheit</hi> anerkennen, sonst haben wir eben Gott nicht verstanden. Es geht
            nicht an, daß wir auf Gott vertrauen und ungefähr ebenso stark auf unsere gesicherte <hi rend="italic">finanzielle Stellung</hi>, sonst vertrauen wir eben nicht auf Gott. Es
            geht nicht an, daß wir das Christentum eine schöne, ernste Sache sein lassen und uns
            daneben imponieren lassen von <hi rend="italic">Büchern und Tagesgrößen</hi>, die bei
            Lichte besehen oft gerade das Gegenteil des Christentums vertreten. Wie wir Stellung
            nehmen wollen zu dem <hi rend="italic">Einen</hi>, was wir nötig haben, darin haben wir
            weiteste Freiheit, aber es muß einmal die <hi rend="italic">Erkenntnis in uns
              durchbrechen</hi>, daß wir nur <hi rend="italic">Eines</hi> nötig haben, nur auf <hi rend="italic">Eines</hi> hoffen können [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Lk.10.42">Lk. 10,42</ref>]. Wenn wir neben dem Einen immer auch noch etwas Anderes
            haben wollen, dann haben wir das Eine 
            sicher nicht. Man kann und darf ein sehr unvollkommener Christ sein, aber man kann <hi rend="italic">nicht zwei Herren dienen</hi> [<ref type="can" subtype="bible" target="Mt.6.24">Mt. 6,24</ref> par.]. Sonst sind wir eben draußen und nicht drinnen.</p>
          <p><pb ed="pga" xml:id="p084" rend="noPipe"/> Wenn wir <hi rend="sans-serif">das
              einmal gemerkt haben,</hi> ich muß drinnen sein, ich muß von dem Einen Alles erwarten
            und Alles von dem Einen, dann ist’s ganz <hi rend="italic">unmöglich</hi>, daß wir vom
            Christentum fernerhin [?] so naschen und pflücken mögen, was uns paßt, dann sind wir <hi rend="italic">in der Lage</hi>, von Gott zu empfangen, soviel er gerade uns gerade
            jetzt geben kann. In dieser fruchtbaren [?] Lage war aber <hi rend="italic">jene kranke
              Frau.</hi> «Sie sprach bei sich selbst: Wenn ich nur sein Kleid anrühre, so werde ich
            gesund werden.» Das war ihre offene Tür. Sie hat sich von dem Vielen abgewandt und dem
            Einen zugewandt. Im Markusevangelium lesen wir von ihr: «Sie hatte viel erlitten von
            vielen Ärzten und hatte all ihr Gut darob verzehrt und half ihr nichts, sondern vielmehr
            ward es ärger mit ihr» [<ref type="can" subtype="bible" target="Mk.5.26">Mk. 5,26</ref>]. Ja,
            so kann es einem gehen mit den Herren Ärzten, aber nicht nur mit den Ärzten, sondern
            überhaupt mit den anderen Meinungen, Weisheiten und Wahrheiten, die <hi rend="italic">neben</hi> der einen etwas sein und gelten wollen. Und da besteht nun das Entweder -
            Oder des Gottesreiches darin, daß wir das Vielerlei einmal von Herzen <hi rend="italic">satt bekommen</hi> und zu <hi rend="sans-serif">uns selbst sprechen:</hi> Ich
            bin <hi rend="italic">schwach</hi> und dumm und ungeschickt, und in weiter, weiter <hi rend="italic">Ferne</hi> nur sehe ich den Heiland und Erlöser der Welt, so daß ich <hi rend="italic">Mühe habe</hi>, auch nur den Saum seines Kleids zu berühren, aber das
            alles soll mich nun <hi rend="italic">nicht mehr abhalten</hi>, Alles hinter mich zu
            werfen und es auf ihn allein abzusehen! <hi rend="italic">Ich habe viel</hi> von mir
            selbst erwartet, viel von den Menschen, viel von meiner Familie und von meinen
            Gesinnungsgenossen, viel vom natürlichen Fortschritt und von glücklichen Zufällen. Ich
            habe viele Hoffnungen kommen und wieder gehen sehen. Ich bin nun eigentlich <hi rend="italic">auf dem Punkt</hi>, zu versinken in dumpfer Enttäuschung oder in einer
            ebenso dumpfen, faulen Zufriedenheit. Nun aber will ich’s <hi rend="italic">mit Gott
              wagen</hi> und mit dem, den er gesandt hat, Jesus Christus [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Joh.17.3">Joh. 17,3</ref>], will Alles darauf <hi rend="italic">abstellen</hi>, daß bei ihm Licht ist und Kraft ist und daß am Ende der Welt er
            stehen wird als der Sieger und so auch am Ende meines Lebens, und wenn’s so ist, so kann
            und will ich ihm mein Leben jetzt schon anvertrauen, obwohl ich’s nicht verdiene, eine
            der Seinigen zu sein. Verdient oder unverdient, würdig oder unwürdig, bei ihm werde ich
            gesund werden! Seht, so <hi rend="sans-serif">kurz [?] und direkt und kühn</hi>
            hat die kranke Frau ihre Augen auf den Heiland geworfen: <hi rend="italic">Das</hi> ist
            mein Mann! <hi rend="italic">Das</hi> ist der <hi rend="italic">Eine</hi>, der mir
            helfen kann. Sie war <hi rend="italic">schwach</hi>, abergläubisch, töricht - was man
            will, aber es war in ihren Gedanken <pb ed="pga" xml:id="p085"/> und in ihrem Herzen ein
              <hi rend="italic">freies</hi>, 
            verwegenes Stürmen des Himmelreichs [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.11.12">Mt. 11,12</ref>], ähnlich wie bei jenem Aussätzigen (Wenn du willst [, kannst du mich
            wohl reinigen (<ref type="can" subtype="bible" target="Mk.1.40">Mk. 1,40</ref> par.)].) und
            beim Hauptmann von <placeName ref="kbga-places-862">Kapernaum</placeName> (Sprich nur ein Wort [, so wird mein Knecht gesund (<ref type="can" subtype="bible" target="Mt.8.8">Mt. 8,8</ref> par.)].), nur wahrscheinlich viel
            direkter und persönlicher noch als bei jenen, weil sie eine Frau war.</p>
          <p>Das heißt <hi rend="sans-serif">Anfangen mit dem Reich Gottes.</hi> Wir dürfen
            anfangen. Wir sollen gar nicht mit der Tür ins Haus fallen. Nicht dazu sollen wir uns
            entscheiden, <hi rend="italic">vollkommen</hi> zu werden, aber dazu, einmal anzufangen.
            Nicht dazu, <hi rend="italic">fromm</hi> zu werden, aber dazu, Christen zu werden, d. h.
            Christusleute, Leute, die in Christus die eine Wahrheit und Hilfe erkannt haben. In
            dieser Hinsicht bleibt’s also dabei: <hi rend="italic">Ja oder Nein!</hi> Alles oder
            nichts! Die Geduld und Güte Gottes, die unsere Schwachheit erträgt, darf uns nicht
            vergessen machen, daß eben sie uns <hi rend="italic">zur Buße leiten</hi> will [vgl.
              <ref type="can" subtype="bible" target="Röm.2.4">Röm. 2,4</ref>] und nicht in eine
            andauernde Verstocktheit hinein.</p>
          <p>Denn bemerken wir wohl: nicht der Schwachheit und Torheit und nicht dem Aberglauben
            dieser Frau hat <hi rend="sans-serif">Jesus Recht gegeben,</hi> nicht das hat er
            an ihr <hi rend="italic">gerühmt und anerkannt</hi>, daß sie nur den Saum seines Kleides
            berührte und sich nicht getraute, sich frei und offen an ihn zu wenden. Sondern das hat
            er gerühmt an ihr, was nicht Schwachheit und Furcht war, das bißchen <hi rend="italic">Glauben</hi>, das sie trotz Allem hatte, das <hi rend="italic">Energische</hi>,
            Entschiedene, Einseitige an ihr, das sich ihm zuwandte. Er hat ihre <hi rend="italic">Unvollkommenheit</hi> übersehen und geschont, aber er hat ihr nicht gesagt: deine
            Unvollkommenheit hat dir <hi rend="italic">geholfen</hi>, sondern: dein Glaube hat dir
            geholfen! Ein <hi rend="italic">wenig Salz</hi> genügt, aber es muß Salz sein und nicht
            Sand oder Sägmehl. Ein <hi rend="italic">kleines Licht</hi> genügt, aber es muß ein
            Licht sein und nicht Finsternis. Ein <hi rend="italic">Samenkörnlein</hi> genügt, aber
            es muß lebendiger Same sein und nicht ein Kieselsteinchen. <hi rend="italic">Glaube wie
              ein Senfkorn</hi> genügt, aber es muß Glaube sein [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.17.20">Mt. 17,20</ref> par.]. Die Masse tut’s nicht, die Größe,
            die Hitze, die Gewalt des Geistes tut’s nicht, aber es muß <hi rend="italic">lebendiger
              Geist</hi> sein und nicht totes Fleisch, was in uns ist. Gott ist <hi rend="italic">zufrieden</hi>, wenn er jenes Kleine bei uns findet. Aber nicht darum ist er damit
            zufrieden, <hi rend="italic">weil es klein ist</hi>, sondern weil es <hi rend="italic">das Große in sich enthält.</hi> Wenn es das Große nicht enthält, dann ist alle
            Barmherzigkeit, mit der Gott uns schont und aufnimmt und trägt, vergeblich.</p>
          <!-- leerzeile -->
          <p rend="margin-top"><pb ed="pga" xml:id="p086" rend="noPipe"/>
            <hi rend="italic">4.</hi> Zum Schluß einige Worte über <hi rend="italic">die Kraft
              Gottes in Jesus.</hi>
            <hi rend="italic">Sei getrost, meine Tochter!</hi> Sei kühn, sei mutig, sei stark! Da
            sehen wir’s, <hi rend="italic">er verachtet sie nicht</hi> wegen ihres schwachen
            Benehmens, wie wir uns  verachten müssen
            gegenseitig wegen unseres Benehmens. Ja, wir <hi rend="italic">müssen.</hi> Wir stehen
            unter einem unglückseligen Zwang, daß wir einander nicht verstehen, daß wir so oft <hi rend="italic">nicht sehen</hi>, wie in dem Kleinen, das wir aneinander wahrnehmen, das
            Große verborgen ist. Wir sehen und hören <hi rend="italic">nur das Stammeln und
              Stolpern</hi> der Anderen und <hi rend="italic">trauen ihnen nicht zu</hi>, daß so ein
            lebendiger Anfang zum Gottesreich in ihnen verborgen sein könnte. Darum bleibt denn so
            viel Göttliches, Zukunftsvolles <hi rend="italic">verborgen</hi> in den Menschen. Wir
            sollten uns <hi rend="italic">helfen</hi>, es an den Tag zu bringen, statt uns zu
            verachten. Jesus hat der Frau auch helfen müssen. Das war seine <hi rend="italic">Gotteskraft</hi>, daß er durch die Hülle von Schwachheit hindurchbrechen und ihr
            helfen konnte, obwohl sie schwach und töricht war.</p>
          <p>Aber eben, <hi rend="italic">er läßt sie auch nicht</hi> in der Schwachheit, er billigt
            es durchaus nicht, wie sie sich benimmt, er stellt sie auf einen <hi rend="italic">anderen Weg.</hi> Wir bringen’s noch etwa so weit, daß wir einander verstehen, aber
            dann lassen wir uns <hi rend="italic">erst recht sitzen</hi> in unserer Schwachheit. Er
            ist einmal so, man muß es ihm lassen! Das ist nicht die Barmherzigkeit des
            Gottesreiches. Wir sollten uns nicht nur dulden und ertragen, wir sollten uns
            gegenseitig <hi rend="italic">auf die Füße helfen.</hi> Jesus hat das Benehmen [?]
            dieser Frau <hi rend="italic">nicht als etwas Definitives</hi> anerkannt, er hat ihr
            gesagt: Das Beste, das in dir ist, das du <hi rend="italic">im Grunde hast, muß nun
              hervorbrechen</hi>, das Große aus dem Kleinen, die Fortführung aus dem
            verheißungsvollen Anfang. <hi rend="italic">Sei nur, was du im Grunde bist</hi><note xml:id="n09">Vgl. oben <ref target="../volume/39/p022#fn_n05" type="pub">S. 22, Anm.5</ref>.</note>, nimm ihn ernst, deinen Glauben! Solches
            Reden miteinander wäre Gotteskraft, wenn wir’s könnten.</p>
          <p><hi rend="italic">Dein Glaube!</hi> Es war der Frau sicher <hi rend="italic">etwas
              Neues</hi>, daß das, was in ihr war, Glaube sei. Es ist noch anderen Leuten so
            gegangen: sie hörten es zuerst aus dem Munde Jesu, daß sie gläubig seien [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Mk.10.52">Mk. 10,52</ref>; <ref type="can" subtype="bible" target="Lk.7.50">Lk.7,50</ref> u. ö.]. Es muß über sie gekommen sein wie die große <hi rend="italic">Überraschung, wie ein Geschenk:</hi> Wahrhaftig, er sagt: ich glaube!
            Ich hätte mich gar nie getraut von mir aus, dieses Kühne und doch so Furchtsame, dieses
            Freie und doch so Verborgene da in mir Glauben zu <pb ed="pga" xml:id="p087"/> heißen.
            Es <hi rend="italic">war auch ein Geschenk.</hi> Sie hatte sich nicht <hi rend="italic">vorgesetzt:</hi> ich will glauben! Sondern der Glaube war in ihr <hi rend="italic">geschaffen</hi> worden, sie mußte glauben. Ihr Verdienst war nur der [?], daß sie
            sich <hi rend="italic">nicht wehrte</hi>, als sie glauben mußte. Denken wir daran: die
            Kraft <hi rend="italic">Gottes</hi> schafft den Glauben. Ein Glaube, den wir uns selbst
            machen, ist nicht Glaube. Wenn wir glauben, so ist’s eine <hi rend="italic">Gabe
              Gottes</hi>, die da ist, <hi rend="italic">bevor</hi> wir den rechten Namen dafür
            wissen, und wenn wir ihn wissen, werden wir uns nichts darauf einbilden. Es ist eine
            sehr ernste Frage, ob Jesus von <hi rend="italic">dem, was in uns ist</hi>, sagen würde:
            dein Glaube; dein Glaube <hi rend="italic">hat dir geholfen.</hi> Es ist eine <hi rend="italic">Treue Gottes</hi>,  eine
            Gnade, eine Barmherzigkeit, wenn ein Mensch glaubt. <hi rend="italic">Eben darum</hi>,
            weil Gott dabei die Hauptsache ist und nicht der Mensch, hilft der Glaube. Er hat schon
            geholfen. Es ist eine neue <hi rend="italic">Lage</hi> geschaffen, wo man glaubt. Wenn
            geglaubt wird auf der Erde, kann Gott <hi rend="italic">vom Himmel her wirken.</hi>
            Nicht durch Suggestion oder Magnetismus<note xml:id="n10">«<foreign xml:lang="lat">Magnetismus animalis</foreign>» nannte
              der Arzt Fr. A. Mesmer (1734-1815) sein stets umstrittenes, aber teilweise
              erfolgreiches Heilverfahren, dessen Wirkung auf einem universellen, von Mensch zu
              Mensch mit Hilfe von Magneten oder magnetisierten Gegenständen übertragbaren Fluidum
              beruhen sollte. Mesmer gilt als Vorläufer der Hypnotherapie.</note>, nicht durch
            heftiges Beten, sondern damit, daß er <hi rend="italic">Gott ist auf Erden</hi> wie im
            Himmel. Wo geglaubt wird, da kann Gott auch Verderbensmächten wie einer solchen
            Krankheit <hi rend="italic">Halt gebieten.</hi> Diese Mächte gehören nicht notwendig zur
            Welt, nur zur Welt ohne Gott. Wenn Gott <hi rend="italic">wieder zu seinem Recht
              kommt</hi> in der Welt, wird ihnen ein Ziel gesetzt. Solange wir sie ohne Ziel und
            Schranken wüten sehen, müssen wir denken, daß es mit dem, was Jesus Glauben genannt hat,
              <hi rend="italic">auch nicht weit her</hi> sein kann unter uns. Wenn wir die Kraft
            Gottes einmal wieder erkennen würden, wird sie <hi rend="italic">nicht nur Glauben</hi>
            in uns schaffen, sondern durch den Glauben <hi rend="italic">auch Hilfe</hi>,
            Gesundheit, Freude. Doch wir wollen nicht mit einem <hi rend="italic">Seufzer</hi>
            schließen, sondern uns <hi rend="italic">freuen</hi> darüber, daß diese Gotteskraft
            einmal auf der Erde erschienen ist und uns gezeigt hat, <hi rend="italic">wohin der Weg
              führt.</hi> Wollen uns freuen über jeden <hi rend="italic">Lichtstrahl</hi>, der von
            dort her auch zu uns dringt, und in Aufrichtigkeit das Unsere tun, daß ihrer <hi rend="italic">mehrere</hi> werden können.</p>
          <!-- leerzeile -->
        </div>
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          <pb ed="pga" xml:id="p088"/>
          <head>Lieder:</head>
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            <bibl corresp="kbga-songs-142" type="song"> Nr. 147 «O heiliger Geist, o heiliger Gott»
              von <persName ref="kbga-actors-1360">A. E. Fröhlich</persName> (1796-1865), Strophen 1-3 (RG [1998] 507, 1-2) </bibl>
            <bibl corresp="kbga-songs-103" type="song">Nr. 352 «Ich hab von ferne, Herr, deinen Thron
              erblickt» von <persName ref="kbga-actors-4392">J. T. Hermes</persName> (1738-1821), Strophen 1.2.5 (Reichs-Lieder 565)</bibl>
          </listBibl>
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