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        <title type="volume" n="vol-39">Predigten 1919</title>
        <title type="content">Johannes 14,1-3</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: Johannes 14,1-3, 19. Januar 1919</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/39007 (Stand: 25. August 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Predigten 1919, hrsg. v. Schmidt, Hermann (Gesamtausgabe, Abt. I), Zürich 2003, S. 38.</title>
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      <editionStmt>
        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
      </editionStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Predigten 1919</title>
          <title type="text">Johannes 14,1-3</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Schmidt, Hermann</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2003</date>
          <biblScope unit="page">38</biblScope>
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        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Barth, Karl, Predigt: Joh 14,1-3, 19. Januar 1919. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/1891">KBA 1434</ref>. </bibl>
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        <date type="creation" when="1919-01-19">19. Januar 1919</date>
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        <language ident="ger">German</language>
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          <head><idno>452</idno></head>
          <dateline>
            <placeName ref="kbga-places-54">Safenwil</placeName>, Sonntag, den <date when="1919-01-19">19. Januar 1919</date>
          </dateline>

          <epigraph>
            <cit>
              <ref type="can" subtype="bible" target="Joh.14.1 Joh.14.3">Johannes 14,1-3</ref>
              <quote><hi rend="italic" resp="kb">[Jesus sprach zu seinen Jüngern: Euer Herz
                  erschrecke nicht! Glaubet an Gott und glaubet an mich! In meines Vaters Hause sind
                  viele Wohnungen. Wenn’s nicht so wäre, so wollte ich zu euch sagen: Ich gehe hin,
                  euch die Stätte zu bereiten. Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, so
                  will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, auf daß ihr seid, wo ich
                bin.]</hi></quote>
            </cit>
          </epigraph>

        </div>
        <div type="main">
          <p>
            <hi rend="italic">1.</hi> Der ganze Trost dieser Worte liegt in der <hi rend="sans-serif">Kraft,</hi> mit der Jesus gesagt hat: ich gehe! und: ich will
            wiederkommen! Da werden keine Gedanken gesponnen, keine Gefühle gepflegt. Da wird
            gehandelt.</p>
          <p>Wir sehen die <hi rend="sans-serif">Welt,</hi> deren Finsternis unser Herz
            erschrecken möchte, die für die ewige Sehnsucht, die wir in uns tragen, viel zu eng und
            zu klein ist. Wir sehen den <hi rend="sans-serif">Menschen,</hi> der mit seinem
            Unverstand und seinem schlechten Willen schuld daran ist, daß die Welt so ist, denn die
            Welt ist seine Welt. Wir sehen <hi rend="sans-serif">unser Leben,</hi> grau
            einförmig, furchtbar weit weg von den Wohnungen im Hause des Vaters, von den göttlichen
            Freiheiten, die uns da verheißen werden.</p>
          <p>Und nun ist da mitten unter uns Einer, der das alles noch viel stärker und ernster
            empfunden hat als wir. Aber er <hi rend="sans-serif">erschrickt</hi> nicht davor
            wie wir, er geht seinen Weg trotzdem. Er ist <hi rend="sans-serif">nicht
              ratlos,</hi> er weiß eine Antwort. Er ist <hi rend="sans-serif">nicht
              machtlos,</hi> er kann etwas Überlegenes, Starkes, etwas Erlösendes, Befreiendes,
            Hilfreiches tun, und er tut es. Jesus ist so gar <hi rend="sans-serif">kein Denker
              und Redner,</hi> sondern durch und durch ein Täter. Alles liegt bei ihm in dieser Tat:
            Ich gehe! und ich will wiederkommen! Das Eine, das: ich gehe! ist schon geschehen. Das
            Andere, das: ich will wiederkommen! muß sich erst erfüllen. Wir stehen <hi rend="sans-serif">mitten drin</hi> zwischen dem, was schon Tatsache, und dem,
            was erst Verheißung ist, müssen auf jene zurückblicken, um an diese recht fest glauben
            zu können. Es gehört aber <hi rend="sans-serif">Beides zueinander.</hi> Wir stehen
            mitten in einer großen Geschichte drin. Mitten in der großen Geschichte, wie Jesus die
            Tür des Gefängnisses aufgerissen hat und ins Freie getreten ist, um dann zurückzutreten
            und alle Gefangenen ins Freie zu führen. Das ist der <hi rend="sans-serif">Trost,</hi> mit dem Jesus uns tröstet. Er sagt uns: Ihr steht mitten in der
            Erlösungsgeschichte. Seht auf das, <pb ed="pga" xml:id="p034"/> was schon geschehen ist,
            und seht auf das, was noch kommen wird.</p>
          <!-- leerzeile -->
          <p rend="margin-top"><hi rend="italic">2.</hi> Der Sinn dieser Erlösungsgeschichte ist der, daß
            ein <hi rend="sans-serif">Durchgang</hi> eröffnet wird von der Erde in den Himmel
            und vom Himmel auf die Erde. Wir können uns je länger je weniger <hi rend="sans-serif">zufrieden geben</hi> mit einem anderen Trost. <hi rend="italic">Im
              Hause des Vaters</hi> ist uns geholfen, sonst nirgends. Denn nur dort ist Freiheit und
            Leben. Die <hi rend="italic">Sehnsucht in uns</hi> ist nun einmal auf das himmlische Wesen
            gerichtet und kann sich mit allem, was weniger, kleiner ist als der Himmel, nicht
            begnügen. Und ich möchte sagen: <hi rend="italic">im</hi>
            
            <hi rend="italic">Himmel selbst</hi> ist eine Sehnsucht, eine Kraft, die drückt nach der Erde
            hin; es soll auch von dort aus nicht sein, daß die Erde ewig eine Stätte des Schattens,
            der Sünde und des Todes bleibt. Diese Spannung zwischen Himmel und Erde, die darauf
            beruht, daß jetzt Hindernisse und Schranken zwischen beiden sind, wird <hi rend="italic">aufgehoben</hi> durch die Erlösungsgeschichte, wie sie angefangen hat und wie sie
            sich einst vollenden wird. Alles, <hi rend="italic">was weniger</hi>, kleiner ist als
            Erlösung, kann uns nicht trösten, weil es uns nicht hilft. Es ist uns nicht damit
            geholfen, daß unsere jetzigen irdischen Verhältnisse durch allerlei Betrachtungen und
            Erklärungen einen <hi rend="sans-serif">besseren Schein</hi> bekommen. Wir leben
            nicht vom Schein, sondern von der Wahrheit. Jesus hat die Welt nicht verschönt durch
            hohe Gedanken, sondern er hat sie aufgefaßt und genommen, wie sie ist, um sie zu
            verwandeln durch das, was er tut. Es ist uns nicht damit geholfen, daß man uns darauf
            verweist, die Torheiten und Schrecknisse des jetzigen Lebens seien <hi rend="sans-serif">von Gott so gewollt.</hi> Das ist’s gerade, wogegen das
            göttliche Fünklein in uns<note xml:id="n01">Die Vorstellung vom «Seelenfünklein»
              (<foreign xml:lang="lat">scintilla animae</foreign>) bzw. von göttlichen Lichtfunken in der Seele findet sich in der
              Gnosis, im Neuplatonismus und in vielen Spielarten der Mystik; vgl. z. B.
              <bibl corresp="kbga-bibls-2447">M. A. Schmidt, Art. «Eckehart», in: RGG<hi rend="sup">3</hi> II, Sp. 305</bibl>. <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> hat den
              Gedanken öfter aufgenommen; vgl. z. B. <bibl corresp="kbga-bibls-2031">Predigten 1915, S. <ref type="pub" target="../volume/27/p136#p136">136</ref>.<ref type="pub" target="../volume/27/p147#p147">147</ref>.<ref type="pub" target="../volume/27/p167#p167">167</ref>.<ref type="pub" target="../volume/27/p306#p306">306</ref></bibl>.</note>
            protestiert, solange es brennt, was wir nicht glauben können, wenn wir auch nur ein
            wenig an Gott glauben. Jesus hat auch nicht so geredet, sondern er verkündigt uns den
            Willen Gottes als etwas Neues, als eine Veränderung der jetzigen Lage, die vom Himmel
            auf die <pb ed="pga" xml:id="p035"/> Erde kommt. Es ist uns nicht damit geholfen, daß in
            unseren Verhältnissen und an uns selbst <hi rend="sans-serif">dies und das
              verbessert</hi> wird. Das mag und das muß geschehen, aber das löst unsere
            Gefangenschaft nicht auf. Jesus hat nichts verbessert auf der Erde, um Alles zu
            verbessern. Es ist uns auch damit nicht geholfen, daß uns gesagt wird: es <hi rend="sans-serif">gibt eine andere Welt,</hi> aber sie ist jetzt nicht für uns,
            wir müssen zuerst sterben, um sie zu sehen und in ihr zu leben. Denn das ist gerade der
            Widerspruch, unter dem wir leiden, daß wir im Gefängnis sind, während draußen freie Luft
            ist, daß wir sterben müssen, ohne gelebt zu haben, ohne das Leben zu kennen. Jesus hat
            uns nicht so wohlfeil getröstet. <hi rend="sans-serif">Er antwortet</hi> auf das
            tiefste, ernsthafteste <hi rend="italic">Verlangen</hi>, er entspricht dem größten, scheinbar
            unmöglichen <hi rend="italic">Wunsch</hi> in uns. Er zeigt uns gerade das, was wir jetzt für
              <hi rend="italic">unmöglich</hi>, ausgeschlossen, undurchführbar halten: ein anderes Leben,
            ein vollkommenes, ein ganzes Leben. Er zeigt es nicht nur, er macht es <hi rend="italic">möglich.</hi> Er macht es nicht nur möglich, er läßt es <hi rend="italic">anfangen.</hi>
            Er macht einen <hi rend="italic">Weg</hi> vom Diesseits ins Jenseits und vom Jenseits ins
            Diesseits, und er stellt uns auf diesen Weg. Er stellt uns in die Erlösungsgeschichte
              <hi rend="italic">hinein.</hi> Das ist sein Trost.</p>
          <!-- leerzeile -->
          <p rend="margin-top"><hi rend="italic">3.</hi> Seht auf das, was schon geschehen ist!, sagt er
            uns. «Ich gehe hin,  euch die Stätte zu
            bereiten.» Das ist schon geschehen. «Ich gehe hin», hat er zu seinen Jüngern gesagt, und
            dann ist er <hi rend="sans-serif">gerade auf das losgegangen</hi>, was ihm Schande
            bereitete, hinein in ein <hi rend="italic">Ende</hi> von Erfolglosigkeit, Schande und Leid,
            wie es noch kein Mensch erlebt hat. Wenn wir wissen wollen, <hi rend="italic">wie
              finster</hi> die Welt ist, müssen wir dorthin sehen, wohin Jesus gegangen ist. Alle
            Finsternis, unter der wir leiden, ist nur ein kleiner Teil von der Finsternis, die sich
            ihm entgegenstellte. Denn <hi rend="italic">je reiner</hi> das Göttliche ist in einem
            Menschen, <hi rend="italic">um so schwerer</hi> ist auch der Widerstand, der sich ihm
            entgegenstellt. Wer von uns nur <hi rend="sans-serif">gelegentlich</hi> versucht,
            Gott ein wenig gehorsam zu sein, der muß mit vielen bösen Geistern rechnen, die sich ihm
            dabei widersetzen. Wer eine <hi rend="sans-serif">Leidenschaft für Gott</hi> in
            sich trägt wie die Propheten der Bibel, der muß auf einen ganzen Aufmarsch böser
            Gewalten gegen sich gefaßt sein. Wer aber überhaupt nur den <hi rend="italic">Willen Gottes
              kennt</hi> als Speise, von der er lebt, wie Jesus [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Joh.4.34">Joh. 4,34</ref>], zu dem sagt die ganze Welt Nein, für den
            gibt es nichts als das Kreuz. Diese Tatsache ist wie eine <hi rend="italic">Warnung:</hi> Laß
            dich auf das Göttliche nicht ein, denn je mehr du dich <pb ed="pga" xml:id="p036"/>
            darauf einlässest, um so sicherer führt es dich ins Verderben. Wir lassen uns nur zu
            gerne warnen. Darum ist es etwas Seltenes, daß wir Gott wirklich gehorchen. Darum hat es
            immer nur wenig Propheten gegeben. Darum hat es nur einen Sohn Gottes gegeben. Dieser
            aber hat gesagt: ich gehe hin! und ist gegangen. <hi rend="sans-serif">Damit ist
              den Menschen geholfen worden.</hi> Die <hi rend="italic">Furcht</hi> vor dem Göttlichen
            hilft nicht; wenn wir ihr nachgeben, bleibt Alles, wie es ist. Das <hi rend="italic">gelegentliche</hi> Gehorchen hilft auch nicht, es kann nichts Neues schaffen. Das <hi rend="italic">große</hi> Gehorchen der Propheten konnte auch nicht helfen, es konnte das
            Neue wohl zeigen, aber nicht bringen. Die <hi rend="italic">Übermacht Gottes</hi> aber in
            einem Menschen, das hilft. Diese Übermacht Gottes <hi rend="italic">war in Jesus.</hi> Darum
            hat er gesagt: ich gehe! Gerade <hi rend="sans-serif">weil er es wagte,</hi> dem
            größten Widerstand der Welt die Spitze zu bieten, war in ihm etwas, was größer war als
            dieser Widerstand. Das Wagnis selbst ist das Größere. Gerade darum war es freilich nicht
            seine eigene Tat, daß er ging, sondern <hi rend="sans-serif">Gottes Tat durch
              ihn.</hi> Gott <hi rend="italic">ging</hi>, als Jesus ging. Gott ging und <hi rend="italic">siegte</hi> über die größte Finsternis der Erde. Gott <hi rend="italic">schuf</hi> ein
            Neues, Gott schuf Leben auf der Erde im Kampf gegen die höchste Anstrengung des Todes.
            Jesus hat nichts getan, als daß er <hi rend="italic">kühn genug</hi> war, Gott gehen und
            schaffen zu lassen. Jesus wagte es nicht von sich aus, nur <hi rend="italic">mit Gott.</hi>
            Das war seine Tat. <hi rend="italic">Darum</hi> hatte er Übermacht. <hi rend="italic">Darum</hi>
            ist er im Kampf nicht unterlegen. <hi rend="italic">Darum</hi> ist er auferstanden von den
            Toten. <hi rend="italic">Darum</hi> hat er mit seinem Hingang eine Stätte für uns bereitet,
               einen freien Raum hinter der dunklen
            Wand von Sünde und Tod, auf den wir jetzt hinsehen können, statt immer nur die Wand
            selbst anzustarren. Der Himmel hat einmal <hi rend="italic">triumphiert</hi> auf der Erde.
            Das Neue hat <hi rend="italic">Wurzel</hi> geschlagen in der alten Welt. Gott hat in Jesus
            die <hi rend="italic">Türe geöffnet</hi>, die vom Diesseits ins Jenseits führt.</p>
          <!-- leerzeile -->
          <p rend="margin-top"><hi rend="italic">4.</hi> Und nun fährt Jesus fort: Seht auf das, was
            kommen wird! «Wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, so will ich wiederkommen
            und euch zu mir nehmen, auf daß ihr seid, wo ich bin.» Das ist noch nicht geschehen.
            «Ich will wiederkommen!» <hi rend="sans-serif">Die Jünger Jesu hatten es
              schwerer</hi> als wir, das zu fassen, weil sie das Hingehen Jesu <hi rend="italic">noch
              nicht vor Augen</hi> hatten, weil sie <hi rend="italic">nur erschrecken</hi> mußten vor
            dem, was Jesus wagte, weil sie den <hi rend="italic">Sieg</hi>, den er errungen, noch nicht
            kannten und die <hi rend="italic">Stätte</hi> der Freiheit, die er uns bereitet, noch nicht
            sahen. <hi rend="sans-serif">Wir können das</hi>
            <pb ed="pga" xml:id="p037"/>
            <hi rend="sans-serif">alles sehen.</hi> Für uns sind die <hi rend="italic">Liebe</hi>,
            mit der Jesus sich geopfert hat mit geschlossenen Augen, die <hi rend="italic">Übermacht</hi>
            Gottes, die in ihm war, der <hi rend="italic">Sieg</hi> über Sünde und Tod, der da errungen
            wurde, der <hi rend="italic">freie Raum</hi>, der auf der Erde entstanden ist, bereits
            offenbare Tatsachen. Wir können uns auf diese Tatsachen stellen und es <hi rend="sans-serif">fassen,</hi> daß die Erlösungsgeschichte noch nicht fertig
            ist, daß noch mehr geschehen wird. <hi rend="sans-serif">Der Sohn Gottes ist nicht
              privatim [?]</hi> von der Erde in den Himmel gegangen. Die <hi rend="italic">Ereignisse</hi> vom Karfreitag und vom Ostertage sind gar nicht zu begreifen bloß als
            ein einmaliges Aufblitzen in dunkler Nacht. Sie leuchten uns, und es muß ihnen weiteres
            Licht folgen. Die Sehnsucht von der Erde zum Himmel und der Druck vom Himmel gegen die
            Erde hin ist durch jene Ereignisse aus einem verborgenen, unbewußten Verhältnis zu einer
              <hi rend="italic">offenen Straße</hi> geworden, auf der weitere Ereignisse einfallen
            werden. Wir können den Sieg Gottes <hi rend="italic">nicht mehr vergessen</hi>, der einst
            gewonnen worden ist von seinem Sohn. Und Gott selbst kann ihn noch viel weniger
            vergessen. Wir gehören für Gott <hi rend="italic">mit Jesus zusammen</hi> und Jesus mit uns.
            Wir müssen <hi rend="italic">rufen nach einer Fortsetzung</hi> und Vollendung der Hilfe, die
            in Jesus begonnen, und Jesus <hi rend="italic">will kommen</hi>, um sie zu vollenden. Diese
              <hi rend="sans-serif">Fortsetzung und Vollendung ist jetzt freilich noch
              nicht</hi> da. Diese weitere Stunde wird erst <hi rend="italic">schlagen</hi> an der Uhr
            Gottes. Wir sind jetzt im Zustand des <hi rend="italic">Wartens</hi>, und das merken wir
            schmerzlich an der <hi rend="italic">Unvollkommenheit</hi> unseres Lebens, an der Macht, die
            die Sünde und der Tod noch haben über uns, an der <hi rend="italic">Spärlichkeit</hi> des
            Lichts, das wir jetzt haben. Wir dürfen uns <hi rend="italic">nicht selbst trösten</hi> über
            diesen Zustand, uns nicht beruhigen, als ob es dabei bleiben könnte und dürfte. Wir
            dürfen es aber auch <hi rend="italic">nicht vergessen</hi>, daß wir
               von Gott getröstet sind durch das, was
            uns von Gott bereits gegeben ist als Unterpfand der Hoffnung [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="2.Kor.5.5">2.Kor. 5,5</ref>]. Wir stehen <hi rend="italic">in der neuen
              Zeit</hi>, in der Gott durch Jesus Gewalt bekommen hat auf der Erde [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.28.18">Mt. 28,18</ref>], und wenn wir dessen wohl
            bewußt sind, wenn wir Menschen dieser neuen Zeit sein und werden wollen, dann blicken
            wir von selbst vorwärts <hi rend="italic">auf die letzte Zeit</hi>, wo die Gewalt Gottes das
            Einzige sein wird auf der Erde, wo Jesus uns Gott übergeben wird, wie ein Feldherr ein
            erobertes Volk seinem König übergibt [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.15.23 1.Kor.15.28">1.Kor. 15,23-28</ref>]. Wir können das Vorläufige, Unbefriedigende, Jetzige <hi rend="italic">ertragen</hi>, weil wir das Zukünftige vor uns haben. Und wir können freudig
            auf das Zukünftige <hi rend="italic">warten</hi>, weil schon im Jetzigen ein <pb ed="pga" xml:id="p038"/> Anfang dafür da ist. Der Durchbrecher aller Bande<note xml:id="n02">Vgl. das <bibl type="song" corresp="kbga-songs-60">Lied Nr. 297 «O Durchbrecher aller Bande» von <persName ref="kbga-actors-1342">G. Arnold</persName> (GERS [1952] 306;
              EG388)</bibl>.</note> wird nicht säumen, uns auch nach Jerusalem zu führen.</p>
        </div>
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        <div type="songs">
          <head>Lieder<note xml:id="n03">Strophenangaben fehlen.</note>:</head>
          <listBibl type="songs">
            <bibl corresp="kbga-songs-330" type="song"> Nr. 293 «Geduld ist euch vonnöten» von
              <persName ref="kbga-actors-131">P. Gerhardt</persName></bibl>
            <bibl corresp="kbga-songs-152" type="song">Nr. 343 «Jerusalem, du hochgebaute Stadt» von
              <persName ref="kbga-actors-1384">J. M. Meyfart</persName> (RG [1998] 851; EG 150)</bibl>
          </listBibl>
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</TEI>
