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        <title type="volume" n="vol-03">Karl Barth – Eduard Thurneysen. Briefwechsel Bd I 1913–1921</title>
        <title type="content">Karl Barth an Eduard Thurneysen</title>
        <title type="citation_line_1">Karl Barth an Eduard Thurneysen, 16. Februar 1921</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/3399 (Stand: 25. August 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Karl Barth – Eduard Thurneysen. Briefwechsel Bd I 1913–1921, hrsg. v. Thurneysen, Ernst (Gesamtausgabe, Abt. V), Zürich 1973, S. 467a–469.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
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        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Karl Barth – Eduard Thurneysen. Briefwechsel Bd I 1913–1921</title>
          <title type="text">Karl Barth an Eduard Thurneysen</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Thurneysen, Ernst</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">1973</date>
          <biblScope unit="page">Pp. 467a-469</biblScope>
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          <title type="edition">Princeton Barth Project edition</title>
          <title type="text">electronic edition of Karl Barth, Gesamtausgabe V.3, Karl Barth-Eduard Thurneysen Briefwechsel Band I 1913-1921, letter 388</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>James R. Adair, Jr.</editor>
          <editor>Timothy J. Finney</editor>
          <editor>Christian Kelm</editor>
          <pubPlace>Princeton</pubPlace>
          <publisher>Alexander Street Press</publisher>
          <date type="publication">2001</date>
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        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Barth, Karl, Karl Barth an Eduard Thurneysen, 16. Februar 1921. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/10996">KBA 9270.295</ref>. </bibl>
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          Barth
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          <salute>Lieber <persName ref="kbga-actors-403">Eduard</persName>!</salute>
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        <p>Hier marschiert nun vor allem <hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-2144">Adam</persName></hi> auf mit allen seinen Vorder- und Hintergründen [<bibl corresp="kbga-bibls-48"><ref type="pub-" target="47013">Röm 5</ref></bibl>]. Auch er hat alle Gutmütigkeit, die ihm etwa in der <bibl corresp="kbga-bibls-1497">ersten Auflage</bibl> noch anhaftete, fahren lassen und sich in weltferne Unanschaulichkeit verpflanzen lassen müssen. Es hat mich gerade 10 Tage angestrengtester Arbeit gekostet, und ich bin froh, daß ich dieses Couloir hinter mir habe. Sieh aber genau nach, ob alles in Ordnung ist: etwa wie die Wagenkontrolleure auf den Bahnhöfen, die mit langen Hämmern an jedes Rad klopfen, ob es nicht etwa einen Sprung habe! Ich war über deine letzten Anmerkungen wieder sehr froh und habe sie alle zu Ehren gezogen. Nur keine Umstände, wenn irgendwo ein Schaden ist; man übersiehts in der Hitze des Gefechts gar leicht, wenn irgendwo ein Sprung ist. Ich frage mich oft, ob und <pb xml:id="p468" ed="pga"/> wo und wann ich wohl das <hi rend="italic">nächste</hi> Mal an allen diesen Klippen und seltsamen Löchern vorbei den nachgerade wohl bekannten Weg durch den Römerbrief zu ziehen habe? Nun jedenfalls war ich die ganze Woche sehr viel aufmerksamer und eifriger in diesen urgeschichtlichen Zonen, mit den berühmten Katzenaugen <persName ref="kbga-actors-312">Overbecks</persName> im Dunkel Umschau haltend als in</p>
        <p><hi rend="italic"><placeName ref="kbga-places-27">Göttingen</placeName></hi>. Hier hast du den ganzen diesbezüglichen Kurier. Ohne <persName ref="kbga-actors-787">[Ernst] Staehelins</persName> Beilagen, die wenig Wichtiges enthalten außer der Tatsache, daß <persName ref="kbga-actors-495">Bertholet</persName> wahrscheinlich entschieden lieber ihn gehabt hätte. Letzte Woche herrschte bei uns entschieden mehr Stimmung zum Abbrechen der Verhandlungen. Die miesen Seiten stellten sich eine um die andere hervor. Du ersiehst sie selbst aus den Briefen. Es ist alles ziemlich power und fragwürdig, durchaus kein glänzender Ruf und dortseits offenbar auch nicht <hi rend="italic">allzu</hi> große Freudigkeit mich aufzunehmen. Ob man mich z. B. nach <placeName ref="kbga-places-41">Marburg</placeName> in ein Licentiaten-Examen schleppen will, oder was soll das mit der «Graduierung»? Das mit dem Vortrag sah mich auch <hi rend="italic">gar</hi> nicht gut an, eine Art Probevorlesung sollte das doch wohl sein. Ich habe das abgelehnt: 1. habe ich keine Zeit, jetzt ins Blaue hinein einen Vortrag zu machen. Bei uns in der Schweiz habe man nämlich keinen solchen im Ärmel,<note xml:id="n01">Im Ärmel haben = aus dem Ärmel schütteln.</note> 2. seien mehrere Vorträge von mir gedruckt zu haben, 3. sei ich jetzt noch Pfarrer, und man könne nicht von mir verlangen, daß ich mich jetzt schon als Akademiker ausweise, 4. sei ich aber bereit, wenn es ihnen Freude mache, mich zu hören, am <date when="1921-02-27">27.</date> in Göttingen zu predigen, wonach ich überhaupt auch im Hinblick auf eine Dozentur am liebsten beurteilt sei. Wenn dieser Bescheid sie abschrecken sollte, so ists klar, daß ich besser unberufen bleibe. Die Liste <persName ref="kbga-actors-787">Staehelin</persName> — ich — <persName ref="kbga-actors-594">Max Haller</persName><note xml:id="n02"><seg type="bio"><persName ref="kbga-actors-594">Max Haller</persName> (1879–1949), Privatdozent, später Prof. für A. T. in Bern.</seg></note> macht ja wirklich einen seltsamen Eindruck von Unklarheit über das, was sie dort eigentlich wollen. Ich fürchte, <persName ref="kbga-actors-170">Heilmann</persName><note xml:id="n03"><seg type="bio"><persName ref="kbga-actors-170">Johann Adam Heilmann</persName> (1860–1930), 1896-1920 Pastor der reformierten Gemeinde in Göttingen, seit 1907 Moderator der Konföderation reformierter Kirchen in Niedersachsen, maßgeblich beteiligt an der Errichtung des Lehrstuhls für reformierte Theologie in <placeName ref="kbga-places-27">Göttingen</placeName> und an <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Berufung.</seg></note> hat kaum etwas von mir gelesen, sondern will mich einfach «im Glauben», teilweise im Glauben an die trefflichen Männer in <placeName ref="kbga-places-9">Bern</placeName> und <placeName ref="kbga-places-19">Erlangen</placeName>. Nun, das wird sich nun bald alles aufklären. Am Mittwoch breche ich hier auf, zunächst bis <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName>, um dann am Donnerstag in hohe See zu gehen, nicht ohne Pfeife, <pb xml:id="p469" ed="pga"/> Proviant und angemessene Lektüre. Von Sonntag <date when="1921-02-27">27.</date> an bin ich dann auf der Rückreise. Mach, daß du ungefähr am Dienstag in <placeName ref="kbga-places-43">München</placeName> bist (ich mache jedenfalls Halt in <placeName ref="kbga-places-19">Erlangen</placeName>, um <persName ref="kbga-actors-283">Müller</persName> aufzusuchen). Wir werden jedenfalls über vieles zu reden und zu lachen haben, mag es mir so oder so gegangen sein mit <persName ref="kbga-actors-393">Stange</persName>, <persName ref="kbga-actors-808">Titius</persName><note xml:id="n04"><seg type="bio"><persName ref="kbga-actors-808">Arthur Titius</persName> (1864–1936), Prof. für systematische Theologie, verließ Göttingen und folgte einem Ruf nach Berlin zum Wintersemester 1921/22, als Barth seine Göttinger Professur antrat.</seg></note> und anderen Würdenträgern. […]</p>
        <p>Wir sind durchaus in ruhiger Verfassung, im ganzen geneigt, die Sache, sehe sie uns an wie sie wolle, wenn es irgend geht, <hi rend="italic">ernst</hi>- und <hi rend="italic">an</hi>zunehmen, aber sofort bereit, zurückzutreten, wenn dort oder hier etwas nicht klappt, was klappen <hi rend="italic">müßte</hi>. […] Die Notwendigkeit, zuerst eine Zeitlang Extraordinarius oder sogar Honorarprofessor zu sein, macht mir schließlich nicht viel aus; wenn wir ja nur leben können. Wir überlegen viel an den praktischen Fragen herum und ich im Stillen an den sachlichen. Ich stelle mir vor, daß ich zunächst <hi rend="italic">kein</hi> systematisches Hauptkolleg lesen würde, sondern etwas Präludierendes, etwa «Die Auferstehung der Toten als Voraussetzung christlicher Theologie, im Anschluß an <ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.15">1.Kor. 15</ref>» oder so etwas. Dazu vielleicht eine <persName ref="kbga-actors-77">Calvin</persName>-Vorlesung und in den Übungen <bibl corresp="kbga-bibls-16">Institutio</bibl>. Aber die Wolkenbilder, die mir dazu durch den Kopf ziehen, können sich noch oft verschieben. Meine Hauptsorge in <placeName ref="kbga-places-27">Göttingen</placeName> wird sein, mir Ellenbogenfreiheit zu verschaffen, damit niemand mich hindern kann, die merkwürdigsten Themata anzukündigen und Disziplinen <hi rend="italic">nicht</hi> zu behandeln, die es nach unsrer Lehre gar nicht geben darf. Wenn aus allem gar nichts wird, so werden wir keine Tränen vergießen. Wir haben <hi rend="italic">zuviel</hi> aufzugeben in der <placeName ref="kbga-places-58">Schweiz</placeName>, als daß das nun sein <hi rend="italic">müßte</hi>. Vielleicht, daß ich mich mit der Predigt dort unmöglich mache. Ich gedenke eine zu bauen über «Gebt dem Kaiser …» [<ref type="can" subtype="bible" target="Mt.22.15 Mt.22.22">Mt 22,15–22</ref>], wobei vielleicht einige Mitteilungen über unsre Stellung zur Theologie einfließen könnten, im ganzen eine Passionspredigt […]. Mißlingts mir, so nehme ich eine von den schon gehaltenen. Es kommt auch darauf nicht viel an.</p>
        <closer>
          <salute>Das <orgName ref="kbga-actors-9887">Pastoralblätterheft</orgName> wurde auch bei uns froh herumgereicht.
Ein andermal mehr; es ist spät. […] Herzlich grüßen wir euch
Beide!</salute>
          <salute>Dein</salute>
          <signed><persName ref="kbga-actors-2151">Karl</persName></signed>
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