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        <title type="volume" n="vol-29">Predigten 1916</title>
        <title type="content">Predigt: Matthäus 13,44 (Hochzeit von Karl Guggenheim und Nelly Zollikofer)</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: Predigt: Matthäus 13,44 (Hochzeit von Karl Guggenheim und Nelly Zollikofer), 19. September 1916</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/29057 (Stand: 25. August 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Predigten 1916, hrsg. v. Schmidt, Hermann (Gesamtausgabe, Abt. I), Zürich 1998, S. 444–450.</title>
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      <editionStmt>
        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
      </editionStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
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        <idno type="url">https://kbga.karl-barth.ch/texts/29057</idno>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Predigten 1916</title>
          <title type="text">Predigt: Matthäus 13,44 (Hochzeit von Karl Guggenheim und Nelly Zollikofer)</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Schmidt, Hermann</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">1998</date>
          <biblScope unit="page">Pp. 444-450</biblScope>
          <!--position within a volume-->
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        <!-- The first digital edition (data from xml and database) -->
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          <title type="edition">Princeton Barth Project edition</title>
          <title type="text">electronic edition of Karl Barth, Gesamtausgabe I.29, Predigten 1916, Kasualreden-b</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>James R. Adair, Jr.</editor>
          <editor>Timothy J. Finney</editor>
          <editor>Christian Kelm</editor>
          <pubPlace>Princeton</pubPlace>
          <publisher>Alexander Street Press</publisher>
          <date type="publication">2001</date>
        </bibl>
        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Barth, Karl, Predigt: Mt 13,44 (Trauung): "[Guggenheim / Zollikofer, Altenklingen]", 19. September 1916. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/2119">KBA 1337.1</ref>. </bibl>
        <bibl xml:id="B" type="source">B (Weitere Vorlage): Barth, Karl, Predigt: Mt 13,44 (Trauung): "[Guggenheim / Zollikofer, Altenklingen]", 19. September 1916. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/2120">KBA 1337.2</ref>. </bibl>
        <!-- we should provide more types: <bibl type="not-found-in-kba"></bibl> <bibl type="not-in-kba"></bibl>  -->
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        <date type="creation" when="1916-09-19">19. September 1916</date>
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        <language ident="ger">German</language>
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          <term>sermon</term>
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      <div type="sermon">
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      <div type="opener">
        <dateline>
                        <date when="1916-09-19">19. September 1916</date>, <placeName ref="kbga-places-743">Altenklingen</placeName><note xml:id="n01">
                            <p>
                                <persName ref="kbga-actors-586">Karl Guggenheim</persName> aus <placeName ref="kbga-places-105">St. Gallen</placeName> (<date from="1884" to="1955">1884–1955</date>) war wie <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> und <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> Mitglied der Studentenverbindung <orgName ref="kbga-actors-2687">Zofingia</orgName>. Er war als promovierter Jurist in <placeName ref="kbga-places-66">Zürich</placeName> und <placeName ref="kbga-places-105">St. Gallen</placeName> tätig. Als Hauptmann der <orgName ref="kbga-actors-8712">schweizerischen Armee</orgName> nahm er <date when="1915">1915</date> am Manöver in <placeName ref="kbga-places-54">Safenwil</placeName> teil und logierte u. a.  im Pfarrhaus (<bibl>Bw.Th. I, <ref type="pub" target="../volume/03/p052#p052">S. 52</ref>.<ref type="pub" target="3048">61</ref>.<ref type="pub" target="../volume/03/p065#p065">65f.</ref></bibl>). Die in dieser Begegnung erneuerte Freundschaft führte dazu, daß <persName ref="kbga-actors-586">Guggenheim</persName> am <date when="1915-11-07">7.11.1915</date> Pate von <persName ref="kbga-actors-24">Markus Barth</persName> wurde und daß <persName ref="kbga-actors-2151">Karl Barth</persName> gebeten wurde, bei der Trauung <persName ref="kbga-actors-586">Guggenheims</persName> mit <persName ref="kbga-actors-587">Nelly Zollikofer</persName> aus <placeName ref="kbga-places-105">St. Gallen</placeName> (<date from="1893" to="1987">1893–1987</date>) zu amtieren. Die Trauung fand in der Schloßkapelle des im Besitz der Familie Zollikofer befindlichen <placeName ref="kbga-places-743">Schlosses Altenklingen</placeName> im <placeName ref="kbga-places-336">Thurgau</placeName> statt; vgl. die farbige Schilderung <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> (<bibl>Bw.Th. I, <ref type="pub" target="../volume/03/p154#p154">S. 154</ref></bibl>).</p>
                            <p><lb/><lb/>Im <orgName ref="kbga-actors-8253">Karl Barth-Archiv</orgName> befindet sich ein an ca. 50 Stellen vom Manuskript abweichendes Typoskript der Hochzeitspredigt. Auf einer ebenda aufbewahrten Postkarte vom <date when="1916-09-28">28.9.1916</date> hatte <persName ref="kbga-actors-586">Guggenheim</persName> <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> gebeten, seiner Frau und ihm die Traurede zu schicken, «die für uns doch die schönste und wichtigste Erinnerung an unsere Hochzeit bedeutet», und hinzugefügt: «Mit der Schrift brauchtest Du Dich nicht besonders anzustrengen, da wir nun doch schon einige Übung im Entziffern Deiner Manuskripte erworben haben.» <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> wird der Bitte umgehend entsprochen und dabei stilistische Verbesserungen an seinem Manuskripttext vorgenommen haben. Das – wie die Schreibmaschinentypen beweisen – Jahre später gefertigte Typoskript dürfte auf diese verbesserte Fassung zurückgehen. Es bezeugt nun zwar mögliche Selbstkorrekturen <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName>, enthält aber auch eine Vielzahl von z.T. sinnstörenden Lesefehlern. <persName ref="kbga-actors-586">Guggenheim</persName> – oder wer sonst die Predigt getippt hat – hatte offenbar mit <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Handschrift mehr Mühe als erwartet. Unsere Wiedergabe hält sich an <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Manuskript und verzeichnet in den Anmerkungen nur diejenigen Abweichungen, die u. E. mit großer Wahrscheinlichkeit auf der Reinschrift <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> beruhen.</p>
                        </note>
                    </dateline>
        <head type="event">Hochzeit von <persName ref="kbga-actors-586">Karl Guggenheim</persName> und <persName ref="kbga-actors-587">Nelly Zollikofer</persName>
                    </head>
        
    
        <epigraph>
        <cit>
                            <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.13.44">Matthäus 13,44</ref>
                        </cit>
        </epigraph>
      </div>
      <div type="main">
        <p>Sollte man glauben, daß <hi rend="italic">im Acker des Lebens der Schatz des Himmelreichs</hi> verborgen ist? Daß eine große Freude zu haben ist für alle Menschen, für jedes einzelne Menschenkind? Daß die Armen die Fülle haben und die <pb xml:id="p445" ed="pga"/> Törichten weise sein und die Kranken gesund und die Betrübten fröhlich werden dürfen? Daß die Sonne der Wahrheit über Allem und in Alles hinein leuchten will?</p>
        <p>Es <hi rend="italic">sieht oft so gar nicht danach aus</hi>. Ist nicht die Erde voll Blut und Schrecken? Möchte man nicht an den Menschen verzweifeln und ihre höhere Bestimmung am liebsten vergessen, wenn man sie ein wenig näher kennen lernt? Wird man nicht auch mit sich selbst merkwürdig rasch fertig, sowie man sich auch nur ein wenig aufrichtig mit seinem eigenen Charakter und bisherigen Leben beschäftigt? Stehen wir nicht alle wie vor einem verschlossenen Tor, wenn wir es wagen, das Wort «Himmelreich» auch nur für einen Augenblick da aus der Bibel herauszunehmen und in unser reales Leben hineinzustellen? Sind nicht die Philister und die Streber und die ganz platten, gedankenlosen Leute die Einzigen, die in dieser Welt eine große Freude haben können, weil sie als leichte Ware überall so recht obenauf schwimmen?</p>
        <p>Das alles kann richtig sein, und dann ist da doch etwas in uns, das sich <hi rend="italic">dagegen wehrt und trotz Allem an das verborgene Himmelreich glaubt</hi>. Und dann gibt es Momente, Erfahrungen, Wendungen in unserem Leben, wo wir einfach daran glauben müssen, glauben an einen Sinn des Daseins, glauben an die Menschen, glauben an uns selber, glauben an Gott, der hinter all dem Entsetzlichen, Zweifelhaften, Närrischen der Welt verborgen sein Werk treibt und dem wir mit unserem kleinen Dasein in Freud und Leid dienen dürfen. Es gibt Menschen, die erleben durch eigene oder fremde Schuld wenig solche Momente, und ihr Leben liegt da wie eingehüllt in einen Nebel von Unsicherheit und Unbefriedigung. Das sind die Armen, denen wir unendlich viel schuldig sind. Es gibt aber Andere, deren Leben reich ist an solchen Durchblicken und Aussichten in das Ewige und Göttliche, die immer wieder Gelegenheit gehabt haben, hineinzusehen in die Welt der großen Freude. Das sind die Bevorzugten, die Begnadeten, ich möchte sagen: die Auserwählten Gottes. Das sind die, auf denen darum auch eine besondere, große Verantwortlichkeit ruht.</p>
        <p>
                        <pb xml:id="p446" ed="pga" rend="noPipe"/>Liebe Freunde! <hi rend="italic">Ich rechne euch zwei zu den Bevorzugten und Verantwortlichen</hi>. Ihr braucht nicht gedankenlos und hoffnungslos über den Acker des Lebens zu gehen. Euch soll das Himmelreich und seine rechte, echte Freude nichts Fremdes sein. Ihr kommt her aus einer Jugendzeit, die euch beiden viel reiche Erlebnisse und Begegnungen gebracht hat, die euch wie gezwungen haben, an Gott zu glauben und seiner Güte zu vertrauen für euch selbst und für die anderen Menschen. Und ganz weit geht die Türe des Himmelreichs auf vor euch, wenn ihr an das denkt, was nun zwischen euch zwei entstanden und gewachsen ist, und an das gemeinsame Leben, in das ihr nun hineingehen dürft. O, die Liebe und die Ehe, wenn man sie freudig und bewußt antritt, wird der Ort, wo Gott das feinste und eindringlichste Wort mit uns redet von seiner verborgenen Herrlichkeit, das Wort für jedes Einzelne, daß es sich selbst ganz viel zutraut und ohne Hochmut nie irre wird an sich selber, das Wort, das uns die Menschen verstehen lehrt nicht so, wie sie sich leider gewöhnlich geben, sondern wie sie sind in der Tiefe ihres Wesens, das Wort, durch das sich uns der Sinn der Welt eröffnet, durch das wir begreifen lernen, daß sie wahrhaftig kein Narrenhaus ist, sondern eine Arbeitsstätte des ewigen, guten Geistes, der sich durch die Nacht hindurchringt zu einem wunderbaren Lichte. In allen diesen Offenbarungen steht ihr mitten drin, seit ihr eins zum anderen gesagt habt: du bist mir lieb und ich will dein sein!<note xml:id="n02">
                            <ref corresp="B">Tskr.</ref>: «ich will dein und du sollst mein sein!»</note>, und ihr könnt mir glauben, daß ihr mit allen freudigen Entdeckungen, die ihr schon gemacht haben mögt, doch erst ganz am Anfang steht und daß es nachher schöner und immer schöner wird. Und seht, dieses Neue, das euch da geschenkt wird, im Verein mit dem Alten, das ihr schon vorher gewußt habt und gewesen seid, das muß nun in euch zu einer starken Gegenwehr gegen den Unsinn und die Traurigkeit des Lebens werden, zu einem inneren Zwang zu dem Glauben, der das Himmelreich nicht nur findet, sondern stürmisch an sich reißt [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.11.12">Mt. 11,12</ref>], für euch selbst und die Anderen, und diesen Glauben hat heute die Welt nötiger als alles Andere.</p>
        <p>Ihr steht heute vor uns als <hi rend="italic">Menschen, die eine Zukunft und eine Hoffnung haben</hi> in einem ganz besonders tiefen und ernsten Sinn. Ich möchte euch sagen, daß wir auch etwas ganz Besonderes von euch erwarten. Ich möchte euch eben an eure Verantwortlichkeit erinnern, daran, daß ihr das Himmelreich nicht umsonst und nicht nur für euren Privatgebrauch <pb xml:id="p447" ed="pga"/> sollt gefunden haben, sonst wäre es eben gar nicht das Himmelreich. Ich möchte euch im Namen Gottes sagen, daß mit all dem Großen und Freudigen, was ihr erlebt habt und erleben werdet, ein Vertrauen in euch gesetzt ist, das ihr rechtfertigen müßt. Denkt nur an alle die Unzähligen da draußen, die innerlich nicht so reich und stark sein können wie ihr, dann wißt ihr, was ihr mit dem, was ihr wißt und erlebt habt, zu tun haben werdet. Denkt nur an all die bösen Geister, die in der Welt spuken, dann wißt ihr, was ihr im Namen des guten Geistes, den ihr kennt, in eurem Leben zu schaffen habt. Euer Weg muß ein Weg des Lichtes und des Segens sein in einem tiefen und mächtigen Sinn. Ihr seid nicht die Ersten Besten, darum muß das Himmelreich, die Wahrheit des Lebens in eurem Haus zu einem außerordentlichen Durchbruch, zu einer hellen Erscheinung kommen. Wem viel gegeben ist, von dem wird viel gefordert werden [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Lk.12.48">Lk. 12,48</ref>]. Und weil wir wissen, daß euch viel gegeben ist, darum freuen wir uns heute aufrichtig mit euch!<note xml:id="n03">
                            <ref corresp="B">Tskr.</ref>: «mit euch im Blick auf eure Zukunft.»</note>
            </p>
        <p>Und nun erlaubt mir im Anschluß an die Worte des vorhin gelesenen Gleichnisses noch zwei kurze Erinnerungen.</p>
        <p>Es heißt da vom Himmelreich, daß es ein <hi rend="italic">verborgener</hi> Schatz sei. Es können alle Menschen glückliche Finder des Himmelreichs werden. Aber es werden es in Wirklichkeit nur die, die einen Sinn dafür haben, daß gerade das Verborgene das Wertvollste und Größte ist. Das Geheimnis des Lebens kann nicht auf dem Markt ausgerufen werden. Das Feinste und Tiefste, das wir suchen und gewinnen können, liegt nicht auf der Oberfläche dessen, was wir sagen und tun. Und die große Freude, zu der wir durchdringen, ist nicht auf den Wegen, die der Herr Jedermann läuft. Diesem Sinn für die verborgene Größe Gottes müßt ihr euch immer tiefer eröffnen, gerade in den wichtigen ersten Zeiten eurer Ehe. Und in diesem Sinn euch gegenseitig zu bestärken, wird eine der wichtigsten inneren Aufgaben eures ganzen Lebens sein. Denkt daran, daß die sogenannte gute Gesellschaft euch das nicht geben kann, im Gegenteil: daß sie euch davon abführt.<note xml:id="n04">Bei diesen Worten <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> – so berichtet <persName ref="kbga-actors-6190">H. G. Guggenheim</persName>, der Sohn der Brautleute von damals, in einem Brief vom <date when="1996-11-14">14.11.1996</date> an <persName ref="kbga-actors-397">H. Stoevesandt</persName> – sei eine hintere Bank in der Schloßkapelle unter dem Gewicht einiger Zollikofer zusammengekracht. «Fügung?!» Jedenfalls Anlaß zum Lachen.</note> Denkt daran, daß die ganze Oberfläche des Lebens, so wichtig und dringend ihre Fragen und Aufgaben sein mögen, <pb xml:id="p448" ed="pga"/> zunächst eine Gefahr ist für das eigentliche, das innere Leben, für die Wurzeln des Daseins. Denkt daran, daß, wenn es sich um die entscheidenden Dinge im Leben, um die Grundrichtung und das Ziel handelt, bei der Mehrheit noch immer der Unsinn gewesen ist<note xml:id="n05">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-3386"><persName ref="kbga-actors-764">Fr. von Schiller</persName>, <hi rend="italic">Demetrius</hi>, 1. Aufzug (Sapieha)</bibl>:<q rend="block">
                                    <lg>
                                        <l>Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn;</l>
                                        <l>Verstand ist stets bei wen’gen nur gewesen.</l>
                                    </lg>
                                  </q></note>. Ihr müßt einsame Menschen werden, weil ihr zu Gott gehört. Ihr müßt eure eigenen, besonderen Augen und Ohren bekommen, um das zu sehen und zu hören, was wichtig ist<note xml:id="n06">
                            <ref corresp="B">Tskr.</ref>: «was richtig und was wichtig ist».</note>. Ihr müßt euer eigenes, persönliches Wort finden, um das auszusprechen, was richtig ist.<note xml:id="n07">Der Satz fehlt im <ref corresp="B">Tskr.</ref>
                        </note> Ihr müßt es unternehmen, ganz euch selber zu finden, schon wenn es in eurem persönlichen Zusammenleben<note xml:id="n08">
                            <ref corresp="B">Tskr.</ref>: «in euerm persönlichen Leben zu zweit».</note> wirklich weitergehen soll von Freude zu Freude. Und ihr müßt es erst recht wagen, ganz euch selber zu sein<note xml:id="n09">
                            <ref corresp="B">Tskr.</ref>: «zu sein, eigene Seelen mit einem eigenen persönlichen Wert zu werden und zu bleiben».</note>, um den großen Aufgaben gerecht zu werden, die ganz sicher in eurem Leben von außen an euch herantreten werden. Im Freiwerden von allem Fremden und bloß Angeeigneten, im Finden eures eigenen Tones müßt ihr Gott finden.</p>
        <p>Das Andere, was ich euch noch sagen möchte, liegt darin, daß der Mensch, der das Himmelreich findet, <hi rend="italic">Alles muß drangeben können</hi>, um es an sich zu reißen und zu behalten. Gerade darüber möchte ich nicht viele Worte machen<note xml:id="n10">
                            <ref corresp="B">Tskr.</ref>: «machen, obwohl das die Hauptsache ist».</note>, sondern da müßt ihr mich verstehen ohne das. Denn da handelt es sich um das innerste Heiligtum des Lebens. Wir machen, wenn es sich um das Streben nach dem Höchsten handelt, zunächst alle den Fehler, daß wir meinen, wir könnten dabei vorwärtskommen, ohne daß wir uns selbst und uns selbst<note xml:id="n11">
                            <ref corresp="B">Tskr.</ref>: «und zwar uns selbst».</note> ganz einsetzen. Wir setzen vielleicht unseren Verstand oder unser Gefühl oder unseren Willen ein und halten uns selbst noch wie abwartend im Hintergrund. Solange wird uns dann auch das Himmelreich nicht zu eigen, es wartet seinerseits auf uns, bis wir selber kommen, mit unserer ganzen Seele. Oder wir suchen den großen Fragen des Lebens beizukommen durch allerlei kleine, vorläufige Lösungen, die vielleicht an sich ganz richtig sind, und denken, wir wer<pb xml:id="p449" ed="pga" break="no"/>den durch viele vorläufige Wahrheiten hindurch schließlich zur Wahrheit selber vordringen. Und dabei müssen wir dann merken, wie sich die Wahrheit, die nicht vorläufig ist, sondern definitiv, die erlösende, befreiende, segensreiche Wahrheit, die Wahrheit, mit der man leben kann, immer wieder und immer weiter vor uns zurückzieht. «Er ging hin vor Freuden und verkaufte Alles, was er hatte, und kaufte den Acker.» Das Größte ist auch nur um den größten Preis zu haben. Es gibt für die mancherlei Fragen des Lebens keine Speziallösungen, sondern wir müssen sie auf einen Generalnenner bringen<note xml:id="n12">
                            <ref corresp="B">Tskr.</ref>: «bringen: Gott!»</note>, dann ergibt sich alles Einzelne von selbst.</p>
                            <q rend="block">
                                <lg>
                                    <l>Wer sich den Mittelpunkt zum Wohnsitz hat erkiest,</l>
                                    <l>der sieht mit einem Blick, was in dem Umschweif ist.<note xml:id="n13">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-2401">
                                                Angelus Silesius (Johannes Scheffler), «<hi rend="italic">Cherubinischer Wandersmann</hi>. <edition rend="normal">Kritische Ausgabe</edition>, hrsg. von L. Gnädinger, Stuttgart 1984, II/24, S. 70</bibl>:
                                                <q rend="block">
                                                    <lg>
                                                        <l>Wer jhm den Mittelpunct zum wohnhauß hat erkiest /</l> 
                                                        <l>Der siht mit einem Blik was in dem Umbschweif ist.</l>
                                                    </lg>
                                                </q></note>
                                    </l>
                                </lg>
                            </q>
                            <p>Gott tritt aus seiner Reserve heraus mit seinem ganzen Segen, wenn auch wir alle Reserve ihm gegenüber haben fahren lassen, alle Vorbehalte haben fahren lassen<note xml:id="n14">
                            <ref corresp="B">Tskr.</ref>: «wenn auch wir alle Reserve, alle Vorbehalte ihm gegenüber aufgeben».</note>. Und seht, da ist nun die Ehe der Ort, wo wir auf die einfachste und wundervollste Weise zu dieser Hauptsache hingeleitet werden. Die Ehe fordert beständig von uns, daß wir uns drangeben können. Die Ehe gibt sich nicht zufrieden mit Abschlagszahlungen und vorläufigen Lösungen. Die Ehe will uns mit Gewalt aus allem Halben herausreißen<note xml:id="n15">
                            <ref corresp="B">Tskr.</ref>: «heraus- und ins Ganze hinein-reißen».</note>, alles Eigensinnige und Eigenwillige uns nehmen und es umschmelzen in ein Gemeinsames. Es ist etwas Stürmisches<note xml:id="n16">
                            <ref corresp="B">Tskr.</ref>: «Stürmisches, Verworrenes,»</note>, Furchtbares um die Ehe, bevor wir bewußt und freudig daran gehen, ihre Fragen und Aufgaben aus <hi rend="italic">einem</hi> Sinn und <hi rend="italic">einer</hi> Kraft heraus zu lösen. Sie wird aber zum eigentlichen Höhepunkt des Lebens und wie zu einer Keimzelle des Reiches Gottes, wenn wir das gemerkt haben, wenn wir es in ihr lernen, lieb zu haben. Alle Lebensideale sind leer, wenn wir dies nicht lernen. Lernen wir es aber, dann wird die Liebe aller Ideale Erfüllung, und die Türe des Himmelreichs geht weit auf.</p>
        <p>Und seht, das ist’s, was wir alle euch beiden heute wünschen, und das <pb xml:id="p450" ed="pga"/> ist’s, was Gott wahrhaftig euch beiden schenken will, daß ihr durch das Türlein der Liebe hineinsehen und hineingehen möchtet in das Reich des wahren Lebens, für das wir alle bestimmt sind.</p>
        <closer>
          <salute>Amen.<ref><note xml:id="n17">Auf der Rückseite des letzten Manuskriptblattes findet sich eine Skizze zum Ablauf des Traugottesdienstes, die im folgenden wortgetreu wiedergegeben wird.</note>
                            </ref>
               </salute>
        </closer>
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                        <hi rend="italic">Anfang</hi>: Versammelt – Bund antreten in Gedanken<lb/> 
                        – Geber aller guten Gaben – freuen uns mit ihnen<lb/> 
                        Verheißung: gegeben, finden, aufgetan – bist bereit, willst segnen, Freude machen – Stunde nicht umsonst – unter uns <lb/> 
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          <cell><hi rend="italic">Trauung</hi> </cell>
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          <cell>Lobe d. Herrn </cell> <cell>u. was in mir ist </cell>
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              <cell rend="center"> " " </cell> <cell> u. vergiss nicht</cell>
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             <cell> der dir alle deine </cell><cell>..u. heilet</cell>
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             <cell>der dein Leben.. </cell> <cell>der d. krönet …</cell>
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               <cell/> <cell> Liebe und Größe [?] verbindet </cell>
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                      <cell>L. Fr. denket an Alles: </cell> <cell>versprochen – schuldig </cell>
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                     <cell/><cell>von einander erwartet</cell>
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                      <cell/><cell>gemeinsame erhofft!</cell>
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                         <cell> Reichet d. Hand z. Zeichen </cell><cell>hl. Ernst vor Gott</cell>
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                          <cell>Seid ihr entschlossen </cell><cell>einander recht lieb zu haben</cell>
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                         <cell/><cell>einander gute Freunde zu sein</cell>
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                         <cell/><cell>gemeinsam auf Gott zu vertrauen</cell>
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                        Leben in d. Dienst s. Reiches zu stellen,</cell>
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                <cell rend="center"><hi rend="italic">Ja</hi></cell>  <cell/>         
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            seiner Ehre zu eurem Heil u. zu unser<lb/>
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