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        <title type="volume" n="vol-29">Predigten 1916</title>
        <title type="content">Predigt: Genesis 15,6 (Christliche Studentenkonferenz in Aarau): "Das Eine Notwendige"</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: Predigt: Genesis 15,6 (Christliche Studentenkonferenz in Aarau): "Das Eine Notwendige", 13. März 1916</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/29014 (Stand: 25. August 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Predigten 1916, hrsg. v. Schmidt, Hermann (Gesamtausgabe, Abt. I), Zürich 1998, S. 109–124.</title>
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      <editionStmt>
        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
      </editionStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
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        <idno type="url">https://kbga.karl-barth.ch/texts/29014</idno>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Predigten 1916</title>
          <title type="text">Predigt: Genesis 15,6 (Christliche Studentenkonferenz in Aarau): "Das Eine Notwendige"</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Schmidt, Hermann</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">1998</date>
          <biblScope unit="page">Pp. 109-124</biblScope>
          <!--position within a volume-->
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        <!-- The first digital edition (data from xml and database) -->
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          <title type="edition">Princeton Barth Project edition</title>
          <title type="text">electronic edition of Karl Barth, Gesamtausgabe I.29, Predigten 1916, sermon 316</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>James R. Adair, Jr.</editor>
          <editor>Timothy J. Finney</editor>
          <editor>Christian Kelm</editor>
          <pubPlace>Princeton</pubPlace>
          <publisher>Alexander Street Press</publisher>
          <date type="publication">2001</date>
        </bibl>
        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Karl Barth: Das Eine Notwendige [Predigt über Gen. 15,6], in: Die XX. Christliche Studenten-Konferenz. Aarau 1916. Den 13. bis 15. März, Bern 1916, S. 5-15 </bibl>
        <bibl xml:id="B" type="source">B (Weitere Vorlage): Barth, Karl, Predigt: Gen 15,6 (Christliche Studentenkonferenz in Aarau): "Das Eine Notwendige", 13. März 1916. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/1757">KBA 1294</ref>. </bibl>
        <!-- we should provide more types: <bibl type="not-found-in-kba"></bibl> <bibl type="not-in-kba"></bibl>  -->
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        <date type="creation" when="1916-03-13">13. März 1916</date>
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        <language ident="ger">German</language>
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          <term>sermon</term>
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                        <placeName ref="kbga-places-1">Aarau</placeName>, Montag, den <date when="1916-03-13">13. März 1916</date>
          </dateline>
          <head type="header">Das Eine Notwendige<note xml:id="n01">An den <orgName ref="kbga-actors-5240">Christlichen Studentenkonferenzen in Aarau</orgName> – <persName ref="kbga-actors-2151">Karl Barths</persName> Vater <persName ref="kbga-actors-21">Fritz Barth</persName> gehörte zu den Begründern – nahm <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> häufig teil. <date when="1906">1906</date> hatte er einen
            Bericht über die X. Konferenz geschrieben (<bibl corresp="kbga-bibls-218"><hi rend="italic">Vorträge und kleinere Arbeiten 1905-1909</hi>,
  in Verbindung mit H. Helms hrsg. von H.-A. Drewes und H. Stoevesandt [Gesamtausgabe, Abt. III], Zürich
                     1992, <ref type="pub-" target="../volume/21/p120#p120">S. 120–125</ref></bibl>; dort auch Näheres über Entstehung und
Ziele der Veranstaltung). <date when="1920">1920</date> und <date when="1927">1927</date> war er mit großen Vorträgen beteiligt. Die
Predigt über <ref type="can" subtype="bible" target="Gen.15.6">Gen. 15,6</ref> wurde abgedruckt in:
            <bibl corresp="kbga-bibls-2390"><hi rend="italic">Die XX. Christliche Studenten-Konferenz. Aarau 1916. Den 13. bis 15. März</hi>,
              Bern 1916, S. 5–15.</bibl> Unter dem Titel steht: «Predig von <persName ref="kbga-actors-2151">Karl Barth</persName>, Pfarrer in <placeName ref="kbga-places-54">Safenwil</placeName>.» Die Seitenzahlen des Erstdrucks sind zwischen
 in den Text eingefügt. Für den Druck hat <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> die Predigt nicht unerheblich
redigiert. Abweichende Lesarten des Manuskripts sind im ersten Apparat verzeichnet;
siehe dazu das Vorwort, oben <ref type="pub" target="../volume/29/pr010#pr010">S. X</ref>.</note>
            </head>

          <epigraph>
            <cit>
                            <ref type="can" subtype="bible" target="Gen.15.6">1. Mose 15,6</ref>
              <quote>
                                <persName ref="kbga-actors-444">Abraham</persName> glaubte dem Herrn, und das rechnete er ihm zur Gerechtigkeit.</quote>
                        </cit>
          </epigraph>
          <salute>[Liebe Freunde!]</salute>
        </div>
        <div type="main">
        <p>
                        <persName ref="kbga-actors-444">Abraham</persName> glaubte dem Herrn. Er sah, was kein Auge gesehen, und hörte, was kein Ohr gehört hat [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.2.9">1.Kor. 2,9</ref>]. Er hoffte, wo nichts zu <pb xml:id="p110" ed="pga"/> hoffen war [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Röm.4.18">Röm. 4,18</ref>]. Er gehorchte, ohne zu ahnen, wohin er geführt wurde. Er tat das Unmögliche.</p>
          <p>
                        <persName ref="kbga-actors-444">Abraham</persName> glaubte dem Herrn, und aus seinem Glauben heraus lebte er<note xml:id="na">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «und weil er glaubte, konnte er leben».</note>. Gott beantwortete für ihn die Fragen seines Lebens. Gott erhellte, was da war an Dunkelheiten. Gott gab seinem Leben einen Sinn und eine Richtung. Gott führte ihn über den Berg. Gott machte ihn zu einer neuen Kreatur. Es hat ihm wohl zeitlebens ein wenig an den rechten Begriffen von Gott und der Welt, an den klaren Grundsätzen und Überzeugungen gefehlt, er hat es wohl nie<note xml:id="nb">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «zeitlebens nie».</note> zu einer richtigen «religiös-sittlichen» Lebensauffassung gebracht, wie wir sie haben oder haben möchten. Aber unterdessen lebte er und tat in einfacher Lebenskraft allerlei, was wir ihm nicht so bald nachmachen: zog aus aus seinem Vaterland und ⌜von⌝ seiner Freundschaft in das Land, das Gott ihm zeigen wollte [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Gen.12.1 Gen.12.4">Gen. 12,1–4</ref>], hielt Frieden mit seinem störrischen Verwandten [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Gen.13.8 Gen.13.9">Gen. 13,8f.</ref>] und errettete ihn heldenmütig aus der Hand seiner Feinde [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Gen.14.12 Gen.14.16">Gen. 14,12–16</ref>], redete mit Gott und tat Fürbitte für die Ungerechten [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Gen.18.22 Gen.18.32">Gen. 18,22–32</ref>], bewies zuletzt, wie er sein Liebstes nicht lieber hatte als Gott [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Gen.22.1 Gen.22.18">Gen. 22,1–18</ref>]. Und das tat er Alles aus seinem Glauben heraus. Es blieb wohl allerlei Schwieriges, Fragliches, Zweifelhaftes in seinem Leben, aber es blieb auch hinter ihm zurück, es führte ein Weg hindurch, und <persName ref="kbga-actors-444">Abraham</persName> ist ihn gegangen. Gott war mit ihm.<note xml:id="nc">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «war mit ihm, und <persName ref="kbga-actors-444">Abraham</persName> glaubte an Gott.»</note> Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? [<ref type="can" subtype="bible" target="Röm.8.33">Röm. 8,33</ref>].</p>
          <p>
                        <persName ref="kbga-actors-444">Abraham</persName> glaubte dem Herrn, und kraft seines Glaubens hat er nicht nur selber gelebt, sondern<note xml:id="nd">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «sondern auch».</note> Geschichte gemacht. <persName ref="kbga-actors-444">Abrahams</persName> Glaube war eine von den schöpferischen Taten der Freiheit, die dem Gang der Menschheit durch die Jahrtausende den Sinn und die Richtung geben. <persName ref="kbga-actors-444">Abrahams</persName> Glaube war nicht Erscheinung<note xml:id="ne">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «eine historische Erscheinung».</note>, sondern Wesen<note xml:id="n02">Das Begriffspaar Erscheinung / Wesen bzw. «Ding in der Erscheinung» / «Ding oder Wesen an sich» ist grundlegend für <persName ref="kbga-actors-216">Kants</persName> transzendentalen Idealismus; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-454">
                                H. Herring, Art. «<hi rend="italic">Ding an sich I</hi>» in: Historisches Wörterbuch der Philosophie, hrsg. von J. Ritter, Bd. II, Darmstadt 1972, Sp. 251f.</bibl>
          </note>, nicht Fluß, sondern Gefäll und Schwergewicht, nicht Wirkung, sondern Ursache. <pb n="6" ed="A"/> <persName ref="kbga-actors-444">Abrahams</persName> Glaube schuf die Voraussetzungen, auf Grund deren unter <pb xml:id="p111" ed="pga"/> ungeborenen Geschlechtern, zahllos wie die Sterne des Himmels [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Gen.15.5">Gen. 15,5</ref>], etwas geschehen konnte, nicht Weltgeschichte, nicht Krieg und Staatsaktionen und Kulturfortschritte, aber Gottesgeschichte, Menschengeschichte, Lebensgeschichte, das Geschehen, das bis heute geschieht in den Herzen aller Sehenden und Lebendigen, bis es einst offenbar werden kann, sichtbar im Himmel <hi rend="italic">und</hi> auf Erden<note xml:id="nf">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «auf der Erde».</note>. Es ist begreiflich genug, daß die Historiker einen solchen <persName ref="kbga-actors-444">Abraham</persName><note xml:id="ng">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Gestalten wie <persName ref="kbga-actors-444">Abraham</persName>».</note> lieber gleich ausschalten aus dem Mosaikbild von toten Steinchen, das sie Geschichte nennen. Diese<note xml:id="nh">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «nennen, denn diese».</note> Gestalten sind immer eine Verlegenheit für die bewährte Methode. Aber ist’s nicht so: da, wo den Historikern der Atem ausgeht, da gerade wird die Geschichte wichtig und wahr, da gerade fließen die Quellen des Lebens?!</p>
          <p>⌜Liebe Kommilitonen,⌝ was soll ich euch sagen vom Glauben? Es klingt<note xml:id="ni">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «vom Glauben?, l[iebe] Comm[ilitonen]! Es tönt».</note> so wunderbar einfach: <persName ref="kbga-actors-444">Abraham</persName> glaubte dem Herrn! Und Glauben ist auch wirklich etwas Einfaches, das Einfachste<note xml:id="nj">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Allereinfachste».</note> von der Welt. Glauben ist Sonnenschein, Atmen, Kinderlachen, Vogelgezwitscher, «wie die zarten Blumen willig sich entfalten und der Sonne stille halten»<note xml:id="n03">Aus der <bibl corresp="kbga-songs-11" type="song">
                                6. Strophe von <persName ref="kbga-actors-797">G. Tersteegens</persName> Lied «Gott ist gegenwärtig» (Nr. 174; GERS [1952] 201,5; EG 165,6)</bibl>.</note>, Wachsen, Dasein<note xml:id="nk">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «und Dasein».</note>. Glauben ist nicht nur <hi rend="italic">wie</hi> das alles, sondern Glauben <hi rend="italic">ist</hi> das alles. Das große Leben, Weben und Sein der Schöpfung Gottes will nicht mehr bloß äußerlich sein, sondern im Menschen innerlich werden. Und der innerliche Mensch will nicht mehr einsam sein in seiner Innerlichkeit, sondern hineinstehen in die große Bewegung von Gott her da draußen<note xml:id="nl">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «von Gott her, die draußen ist».</note>, ⌜für die er bestimmt ist,⌝ will nicht mehr leer und verschlossen sein, sondern sich eröffnen dem tiefsten, umfassendsten Lebensvorgang. ⌜Der Herr «ist nicht ferne von einem jeglichen unter uns» – so soll es denn gelten und wahr sein: nicht ferne! Wir können nicht leben und weben und sein in ihm – als täten wir es nicht! Wir können nicht göttlichen Geschlechtes sein [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Act.17.27 Act.17.28">Act. 17,27f</ref>] – als ob es gar nicht wahr wäre! Alle diese Möglichkeiten sollen real werden. In die «Zeit der Unwissenheit» <pb xml:id="p112" ed="pga"/> [<ref type="can" subtype="bible" target="Act.17.30">Act. 17,30</ref>], der Kompliziertheit, Künstlichkeit, Götzendienerei hinein ertönt der göttliche Ruf an alle Menschen an allen Enden, Buße zu tun [ebd.].⌝ Glauben heißt Gott reden lassen<note xml:id="nm">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Gott wirken lassen».</note>. Glauben heißt das Einfache tun. Glauben heißt leben wollen<note xml:id="nn">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Glauben heißt Leben.»</note>. Es ist eine Zusage Gottes da, daß wir ihn hören <hi rend="italic">können</hi>, daß wir das Einfache tun <hi rend="italic">können</hi>, daß wir leben <hi rend="italic">können</hi>, eine Zusage mit der größten Verheißung.<note xml:id="no">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Die Wirkung Gottes, das Einfache, das Leben ist die Zusage Gottes an uns, die im Glauben ergriffen sein will.»</note> ⌜Aber⌝ so ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder<note xml:id="np">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «So ihr nicht umkehrt und Gott wirken laßt, einfach werdet und lebt wie die Kinder».</note>, werdet ihr nicht in das Reich Gottes kommen [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.18.3">Mt. 18,3</ref>].
                    </p>
          <p> <pb n="7" ed="A"/> Die Zusage Gottes an uns Menschen lautet: ich lebe, und ihr sollt auch leben! [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Joh.14.19">Joh. 14,19</ref>]. So hat sie schon <persName ref="kbga-actors-444">Abraham</persName> vernommen. Gott hat ihn herausgenommen aus Irrtum und Lüge<note xml:id="nq">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «aus der Lüge und aus dem Irrtum».</note> und hat ihn in die Wahrheit hineingestellt. Gott hat ihn frei gemacht vom Fluch der Vergänglichkeit und hat ihm Zukunft und Hoffnung gegeben. Gott hat zu ihm gesagt: ich bin! und: ich wirke! und: ich habe noch viel vor! und: du darfst mein Werkzeug sein! und: du darfst mir jetzt dein Herz schenken! Und <persName ref="kbga-actors-444">Abraham</persName> «zweifelte nicht an der Verheißung Gottes durch Unglauben, sondern ward stark im Glauben und gab Gott die Ehre und wußte aufs allergewisseste, daß, was Gott verheißt, das kann er auch tun» [<ref type="can" subtype="bible" target="Röm.4.20 Röm.4.21">Röm. 4,20f.</ref>]. Die Zusage Gottes an uns ist keine andere geworden: wir sollen eben wissen, daß er Gott ist, daß wir zu ihm gehören, daß<note xml:id="nr">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «daß er Gott ist; wir sollen eben wissen, daß wir zu ihm gehören, wir sollen eben wissen, daß».</note> er an der Arbeit ist, um seine Herrlichkeit noch einmal ganz groß werden zu lassen auf Erden wie im Himmel, daß er uns, dich und mich, in seinem Dienst haben und brauchen will<note xml:id="ns">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «im Himmel; wir sollen eben wissen, daß er uns, dich und mich dazu brauchen will».</note>. Und nun wird es sich eben auch für uns ⌜nur⌝ darum handeln müssen, daß wir stark werden im Glauben und Gott die Ehre geben, daß<note xml:id="nt">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «geben. Es wird sich auch für uns darum handeln müssen, daß».</note> wir die Zusage Gottes ganz ernst nehmen und als das Allergewisseste gelten lassen. Das ist der wunderbar einfache Vorgang des Glaubens.</p>
          <p>
                        <pb xml:id="p113" ed="pga" rend="noPipe"/>Ja, da hat <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> den <persName ref="kbga-actors-444">Abraham</persName> verstanden: im Glauben werden wir stark.<note xml:id="nu">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «den <persName ref="kbga-actors-444">Abraham</persName> gut verstanden: Glauben bedeutet Starkwerden.»</note> Wenn wir uns vor Gott stellen und auf ihn hören und seine Zusage ernst nehmen, dann beginnt zu fließen ein ganzer Strom von Klarheit, Freudigkeit, Liebe, Schlagkraft, Demut, Tapferkeit⌜, Treue⌝. Dann füllen sich die leeren Kammern unseres Lebens, unsere leeren Begriffe, unser leerer guter Wille, unsere leeren Gefühle. Dann werden uns die bösen Geister, die in uns sind, untertan [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Lk.10.17">Lk. 10,17</ref>] und müssen mitsamt den Kräften, die ihnen eigen sind, Gottes Diener<note xml:id="nv">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «unsere Diener».</note> werden. Dann gehen uns die Augen auf, daß wir weit und tief sehen können. Dann regt sich Macht in unseren Gliedern. Dann wird es uns möglich, uns zu orientieren in der Fülle der Erscheinungen, möglich, ruhige, sichere Gedanken zu fassen, möglich, schließlich selber einmal in das Getriebe der Welt<note xml:id="nw">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Getriebe des Lebens».</note> einzugreifen «am kleinsten Punkte mit der größten Kraft»<note xml:id="n04">Vgl. aus der <bibl corresp="kbga-bibls-2391">
                                2. Strophe von <persName ref="kbga-actors-764">Fr. von Schillers</persName> Gedicht «<hi rend="italic">Breite und Tiefe</hi>»</bibl>:
            
                                <q rend="block">
              <lg>
                                        <l>Wer etwas Treffliches leisten will,</l>
                <l>Hätt’ gern was Großes geboren,</l>
                <l>Der sammle still und unerschlafft</l>
                <l>Im kleinsten Punkte die höchste Kraft.</l>
                                    </lg>
                                </q>
                         
          </note>. ⌜Im Glauben wird der Mensch stark.⌝ Der Glaube <hi rend="italic">ist</hi> ⌜– von Gottes wegen –⌝  der Sieg, der die Welt überwindet [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="1.Joh.5.4">1.Joh. 5,4</ref>]. Der Glaube <hi rend="italic">ist</hi> neues, wahrhaftiges, ursprüngliches Leben, das an Stelle des jetzigen scheinbaren Lebens treten will. Es ist  ⌜– von Gottes wegen –⌝  genug Kraft im Glauben, um spielend fertig zu werden mit den Mächten und Gewalten und Gespenstern, die jetzt die Welt erfüllen und regieren. O wie <pb n="8" ed="A"/> könnten wir stark sein: allein durch den Glauben, allein durch das stille Merken auf die Zusage<note xml:id="nx">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «die Zusagen».</note> Gottes. Eine Hand voll<note xml:id="ny">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «O eine Handvoll».</note> Menschen nur, die wie <persName ref="kbga-actors-444">Abraham</persName> nur <hi rend="italic">das</hi> wollten<note xml:id="nz">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «die wie <persName ref="kbga-actors-444">Abraham</persName> stark werden möchten im Glauben».</note>, was wäre das für eine Antwort auf die Nöte und Verwirrungen unserer Zeit! Hundert junge Ärzte, Pfarrer, Lehrer, Beamte, ⌜Offiziere,⌝ deren Stärke ihr Glaube wäre, ihr einfaches Ernstnehmen Gottes, – wahrhaftig, unser Volk wartet auf solche Führer, denn nur solche Führer können wirklich führen<note xml:id="naa">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «denn nur sie können es wirklich führen».</note>. Gescheite Köpfe, tüch<pb xml:id="p114" ed="pga" break="no"/>tige Redner, fleißige Arbeiter haben wir in allen Berufen genug<note xml:id="nab">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «haben wir genug in allen diesen Berufen».</note>, wir haben aber ⌜überall⌝ zu wenig von der schlichten erneuernden Kraft ⌜und Sachlichkeit⌝ solcher<note xml:id="nac">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «der»</note> Menschen, die sich, abgesehen von den Künsten, die sie auch beherrschen und üben mögen, aufrichtigerweise von Gott wollen stark machen lassen<note xml:id="nad">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «abgesehen von den vielen Künsten, von Gott wollen aufrichtig machen lassen.»</note>. Es sind durch die Katastrophen unserer Tage Viele ganz nahe an diese Aufrichtigkeit herangeführt worden. Die<note xml:id="nae">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Alle die Menschen, die nahe daran sind, aufrichtig zu werden und Gott die Ehre zu geben – und die Katastrophen unserer Tage haben Viele von uns nahe daran herangeführt, die».</note> müssen jetzt sich selber finden. ⌜Die⌝ müssen sich auch gegenseitig finden, kennen lernen, verständlich machen, behilflich sein. Die müssen gemeinsam den Durchgang suchen zum Glauben an Gott. Alles, damit jene schlichte erneuernde Kraft entbunden werde in ihnen, damit sie stark werden und ein Starkwerden von ihnen ausgehe auf die kranke Zeit.<note xml:id="naf">Statt der letzten 3 Sätze heißt es im <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «müssen sich auch gegenseitig finden zu tiefer freudiger Gemeinschaft, damit jene schlichte erneuernde Kraft entbunden werde und in Tätigkeit trete – die müssen nun gemeinsam durchbrechen zum Glauben an Gott, damit ein Starkwerden von ihnen ausgehe auf unsere kranke Zeit.»</note> Das ist das innere Handeln<note xml:id="nag">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Tun».</note>, das heute das Eine Notwendige ist [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Lk.10.42">Lk. 10,42</ref>]. Und es ist dringend notwendig<note xml:id="nah">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «nötig».</note>, daß gerade die Studenten von heute es begreifen<note xml:id="nai">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «die Studenten von heute, die morgen als Wirkende ins Leben eintreten wollen, es heute begreifen».</note>, daß dieses Tun das Eine Notwendige ist. Denn auf sie wird es, menschlich geredet, stark ankommen, ob morgen in der Seele unseres Volkes etwas Reales geschehen wird.<note xml:id="naj">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Denn von ihnen, wird es … stark abhängen, ob unser Volk morgen den Weg einer realen Erneuerung betreten wird».</note> Glaubt es ihnen nicht, wenn sie es euch sagen<note xml:id="nak">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Laßt euch nicht irre machen, wenn man euch sagt».</note>, daß jetzt andere äußere Aufgaben, etwa die patriotischen und militärischen, wichtiger seien als dieses sich Finden und sich Sammeln ⌜und den Durchgang Suchen⌝ im Glauben, als könnte dieses auf spätere, bessere ⌜und ruhigere⌝ Zeiten verschoben werden! Zum Starkwerden im Glauben ist immer der gegenwärtige Augenblick der <pb xml:id="p115" ed="pga"/> rechte. Laß ihn verrinnen, und es wird sich sofort rächen<note xml:id="nal">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «und die Zukunft wird dir bittere Früchte davon bringen».</note>. Benütze ihn, und die anderen Aufgaben, wie sie auch heißen mögen, werden gerade dann zu ihrem Rechte kommen<note xml:id="nam">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «werden darüber nicht zu kurz kommen».</note>. «Heute, so ihr seine Stimme hören werdet, so verstocket eure Herzen nicht!» [<ref type="can" subtype="bible" target="Hebr.4.7">Hebr. 4,7</ref>]. Heute ist der Tag, kräftig zu werden!</p>
          <p>Denn täuschen wir uns ⌜nur⌝ nicht: Wir sind zu jenen Quellen des Lebens noch nicht hinzugetreten. Wir wünschen uns zwar alle, mit Kraft edel zu sein, hilfreich und gut<note xml:id="n05">Vgl. aus der <bibl corresp="kbga-bibls-117">
                                1. Strophe von <persName ref="kbga-actors-136">J. W. von Goethes</persName> Gedicht «<hi rend="italic">Das Göttliche</hi>»</bibl>: 
                                <q rend="block">
                                    <lg>
                                        <l>Edel sei der Mensch,</l>
                                        <l>Hilfreich und gut!</l>
                                    </lg>
                                </q>
          </note>, trotz des Bewußtseins unserer persönlichen Schranken, trotz des Widerstandes, den wir von der stumpfen Welt erwarten<note xml:id="nan">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «trotz des Widerstands der stumpfen Welt<note xml:id="n06">Vgl. aus der <bibl corresp="kbga-bibls-1871">
                                    7. Strophe von <persName ref="kbga-actors-136">J. W. von Goethes</persName> «<hi rend="italic">Epilog zu Schillers Glocke</hi>»</bibl>: 
                                    <q rend="block">
                                        <lg>
                                            <l>Nun glühte seine Wange rot und röter</l>
                                            <l>Von jener Jugend, die uns nie entfliegt,</l>
                                            <l>Von jenem Mut, der, früher oder später,</l>
                                            <l>Den Widerstand der stumpfen Welt besiegt …</l>
                                        </lg>
                                    </q>
          </note>».</note>, trotz der Größe und Höhe dessen, was wir da von uns selber <pb n="9" ed="A"/> verlangen, trotz aller Schwierigkeit, es ins praktische Leben umzusetzen. Wer von uns Akademikern ⌜besonders⌝ möchte heute nicht bei<note xml:id="nao">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «in».</note> aller Bescheidenheit einen wertvollen Baustein herbeitragen zum Bau einer besseren Zukunft? ⌜Ja, wir wünschen, wir möchten!⌝ Aber wir begehen immer aufs neue den verhängnisvollen Irrtum, daß wir nicht real genug mit dem Anfang anfangen. Wir wollen denken und handeln, Beobachtungen machen, Urteile fällen und Probleme bearbeiten<note xml:id="nap">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «lösen».</note>, ⌜wollen historische und psychologische,⌝ theologische und philosophische, politische und soziale Behauptungen aufstellen und vertreten und womöglich gleich die praktischen Versuche dazu wagen, ⌜– <hi rend="italic">bevor</hi> wir das alles – von Gottes wegen – <hi rend="italic">dürfen</hi>,⌝ bevor das lebendige Wasser sich in uns gesammelt und gestaut hat<note xml:id="naq">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «die lebendigen Wasser … haben».</note>, um dann mit wirklicher Gewalt, wirklich schöpferisch, wirklich segensvoll nach außen zu brechen. Wir wollen so oder so Berge von Schwierigkeiten versetzen, bevor wir in den Maßen des Senfkorns an Gott geglaubt haben [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.17.20">Mt. 17,20</ref>]. Wir spüren es eigentlich ganz gut, <pb xml:id="p116" ed="pga"/> daß es nur<note xml:id="nar">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «uns».</note> hier fehlt. Wir spüren es an den Widersprüchen unseres Denkens, in die wir uns verwickeln, je mutiger<note xml:id="nas">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «kühner».</note> und konsequenter wir vorgehen. Wir spüren es an dem jähen Wandel und Wechsel unserer Überzeugungen, dem wir uns ausliefern<note xml:id="nat">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «dem wir da ausgeliefert sind».</note>, je freier und beweglicher wir uns dabei innerlich erhalten ⌜wollen⌝. Wir spüren es an den ⌜sinnlosen, freudlosen Schlacken, die uns unsere tüchtigsten Historiker als Wahrheit und Reichtum vorsetzen, an den müden,⌝ mühsamen, gequälten Kompromissen unserer besten ethischen Denker<note xml:id="nau">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Ratgeber».</note> ⌜und Lehrer⌝, an den hilflosen Luftsprüngen unserer liebsten Idealisten. Wir spüren es in unserem Kirchentum, in unseren nationalen Fragen und Bemühungen, in unserem Erziehungswesen, in den Bewegungen, die unser Sozialismus heute durchmacht – immer das Gleiche: wir haben nicht mit dem Anfang angefangen. Darum immer wieder unsere Irrtümer, Unzulänglichkeiten und Zusammenbrüche. Es fehlt uns nicht an Scharfsinn, es fehlt uns nicht an gutem Willen, es fehlt uns nicht an vaterländischer Treue, es fehlt uns nicht an Idealismus und nicht an gediegener Christlichkeit. Es fehlt uns aber am Einfachsten, am Glauben, der allem Denken und Handeln vorangeht und es erst möglich macht, am Glauben an Gott, der Wollen und Vollbringen in uns schaffen will [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Phil.2.13">Phil. 2,13</ref>]. Gottes Zusage an uns will <hi rend="italic">a priori, vor</hi> Allem ernst genommen sein.<note xml:id="nav">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Vor Allem, a priori will Gottes Zusage an uns ernst genommen sein.»</note> ⌜Die Wahrheit liegt in der Grundlegung.⌝ «<hi rend="italic">Im Anfang</hi> war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort»<note xml:id="naw">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Im Anfang war und wird sein das Wort, und das Wort ist bei Gott, und Gott ist das Wort».</note> [<ref type="can" subtype="bible" target="Joh.1.1">Joh. 1,1</ref>]. ⌜Das ist keine metaphysische Konstruktion, sondern die tiefste <pb n="10" ed="A"/> praktische Lebenserkenntnis. Im Anfang!⌝ <hi rend="italic">Dann</hi> heran an das ⌜Sehen und Feststellen,⌝ Begreifen ⌜und⌝ Verstehen, Anwenden und Ausführen, <hi rend="italic">dann</hi> heran an die Fragen und Aufgaben und Konflikte! Denn, spricht die Weisheit, «der Herr hat mich gehabt <hi rend="italic">im Anfang</hi> seiner Wege, <hi rend="italic">ehe</hi> er etwas schuf, war ich da. Ich bin eingesetzt von Ewigkeit, von Anfang, vor der Erde» [<ref type="can" subtype="bible" target="Spr.8.22 Spr.8.23">Spr. 8,22f.</ref>]. «Da war ich der Werkmeister bei ihm und hatte meine Lust täglich und <pb xml:id="p117" ed="pga"/> spielte vor ihm allezeit» [<ref type="can" subtype="bible" target="Spr.8.30">Spr. 8,30</ref><note xml:id="nax">Im <ref corresp="B">Mskr.</ref> steht hier noch der Vers <ref type="can" subtype="bible" target="Spr.8.31">Spr. 8,31</ref>: «und spielte auf seinem Erdboden, und meine Lust ist bei den Menschenkindern.»</note>]. ⌜Wollen wir klüger sein als der Herr?⌝ Es ist gefährlich, so zu tun, als ob das Einfachste sich von selbst verstünde. Es ist gefährlich, darüber hinweg zu irgend einer Tagesordnung überzugehen, auch wenn wir voll guten Willens und voller Begeisterung sind. Es ist gefährlich, etwas machen zu wollen, bevor wir uns jenes Werkmeisters versichert haben. Solange wir nicht <hi rend="italic">vor</hi> Allem <hi rend="italic">zu</hi> Gott gehen, werden wir auch schwerlich <hi rend="italic">trotz</hi> Allem <hi rend="italic">mit</hi> ihm gehen, so gern wir es wollten. Und wir haben uns eben noch nicht so vor Gott gestellt, daß der Strom des Lebens schon ruhig und voll fließen könnte. Wir haben die innere Aufgabe, uns um Gott zu mühen, uns seiner zu freuen, zu ihm zu beten – «ich lasse dich nicht, du segnest mich denn» [<ref type="can" subtype="bible" target="Gen.32.27">Gen. 32,27</ref>] –, noch nicht eigentlich angetreten. Wir sind noch nicht recht still geworden vor ihm, damit er einmal ⌜in uns⌝ reden kann. Wir haben Gott noch nicht einfach gelten lassen. Unsere Ohnmacht und unsere Ratlosigkeit sind<note xml:id="nay">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «ist».</note> der Beweis dafür.</p>
          <p>Und dieses Einfache Notwendige, das noch nicht geschehen ist, ist doch nicht schwer. Nicht wahr, wir wollen uns doch nicht den Weg dazu verbauen, indem wir nun, weil wir akademische Leute sind, vor Allem nach<note xml:id="naz">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «indem wir nun wieder von vorne anfangen und, weil wir Studenten sind, nach».</note> Definitionen und Begriffen verlangen: wer ist Gott? und was ist sein Reich? und wie kommt es? und was ist Glaube? und wie gelange ich zum Glauben? Als ob wir das alles nicht recht gut wüßten! Unsere logischen Bedürfnisse in Ehren – und sie sollen zu Ehren kommen<note xml:id="nba">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: « – und auch sie werden ganz sicher nicht zu kurz kommen».</note> –, aber, liebe Freunde, wir wollen diese unsere logischen Bedürfnisse doch ja nicht verwechseln mit unserem verhängisvollen natürlichen Trieb, uns die Entscheidung für Gott und seine Sache durch solche ⌜scheinbar unvermeidlichen⌝ Fragen vom Leibe zu halten. Es wird eben unser persönliches Leben nicht in Ordnung kommen, wir werden<note xml:id="nbb">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «kommen, und wir werden solange selber keine Geschichte machen, wir werden».</note> im Umkreis weilen und nicht im Mittelpunkt, wir werden ewig probieren und nie<note xml:id="nbc">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «wir werden solange bloß probieren und nicht».</note> wirken, ⌜wir <pb xml:id="p118" ed="pga"/> werden nie Geschichte machen –⌝  solange<note xml:id="nbd">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «als».</note> wir uns weigern, einmal fröhlich mit dem Anfang anzufangen, bevor die Definition dazu fertig ist<note xml:id="nbe">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «die Definitionen dazu fertig sind».</note>. Nicht wahr, so wollen wir uns <pb n="11" ed="A"/> doch nicht selbst aufhalten? Was ist denn Glauben? Anerkennen<note xml:id="nbf">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Ist denn Glauben etwas Anderes, als anerkennen».</note>, daß Gott Gott ist! Anerkennen, daß er nicht ferne ist!<note xml:id="nbg">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Gott Gott ist und daß er nicht ferne ist einem jeglichen unter uns» [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Act.17.27">Act. 17,27</ref>].</note> ⌜Anerkennen, daß er recht hat gegen uns, für uns!⌝ Haben wir etwa die Zusage Gottes nicht, die uns diese Anerkennung ins Herz schreibt und auf die Lippen legt? Ist<note xml:id="nbh">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «die uns das verheißt, und ist …»</note> sie nicht in sich selbst ganz klar und unmittelbar überzeugend? Haben wir nicht <hi rend="italic">mehr</hi>, als <persName ref="kbga-actors-444">Abraham</persName> hatte? Oder ist euer<note xml:id="nbi">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «unser».</note> Gewissen stumm? «Oder erkennet ihr euch selbst nicht, daß Jesus Christus in euch ist?» [<ref type="can" subtype="bible" target="2.Kor.13.5">2.Kor. 13,5</ref>]. Der Glaube ist ja eben kein besonderes umwälzendes Erlebnis, auf das man warten müßte, sondern ein schlichtes Ernstnehmen dessen, was man schon weiß, und das kann jeden Augenblick anfangen. Steht<note xml:id="nbj">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Oder steht».</note> nicht Gottes gütiges Bild ganz deutlich vor uns, wenn wir für einen Augenblick nur still werden und statt auf das, was in unseren Köpfen, in unseren Büchern, in unseren Systemen wahr ist, achten auf das, was<note xml:id="nbk">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «achten auf das, was eigentlich wahr, was».</note> in unseren Herzen wahr ist? Redet Gott etwa nicht zu einem jeden von uns mit ganzer Liebe und ganzer Bereitschaft, sofort auf uns einzugehen, wenn wir aus unseren wissenschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen<note xml:id="nbl">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «sozialen».</note> Irrgärten, in denen wir uns tummeln und müde machen, und aus den privaten Irrgärtlein, die wir uns alle noch persönlich erbaut haben, die Augen erheben zu seinen Sternen [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Gen.15.5">Gen. 15,5</ref>]? Leuchtet uns nicht auch in den schlimmsten Abgründen, in die wir uns starr und steif und stolz mögen verlaufen haben, die warme, lachende Sonne seiner Barmherzigkeit, die ja gar nicht will, daß wir verloren gehen, sondern daß uns allen geholfen werde [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="1.Tim.2.4">1.Tim. 2,4</ref>]? Sagt uns nicht auch in der dunkelsten Nacht von Torheit, Sünde, Leid und Tod das fröhliche Wachstum des kleinsten Gräsleins, daß es eben etwas Anderes gibt und geben wird als das große Weh, das <pb xml:id="p119" ed="pga"/> jetzt in uns und um uns ist, eine ganze Welt von Leben, das keine Bosheit zerbrechen und kein Sterben auflösen kann?<note xml:id="nbm">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «auflösen kann, weil es eben die Wahrheit ist?»</note> Ja, ist diese Welt des wahrhaftigen Lebens nicht schon jetzt da in uns und um uns, leben wir etwa auch in unseren trübsten und<note xml:id="nbn">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «oder».</note> schlechtesten Augenblicken tatsächlich von etwas anderem als wenigstens von der Erinnerung an diese Welt? Ist’s nicht schon in dieser jetzigen Welt, in der wir des Vollkommenen erst warten, tatsächlich so, daß wir im Lichte Gottes Licht sehen [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Ps.36.10">Ps. 36,10</ref>], wenn es auch erst ganz wenig und zerstreutes Licht ist? Und wie ist all dieser Ernst und all diese Liebe Gottes für uns hervorgebrochen in der Erscheinung Jesu Christi, der doch sichtbar und erkennbar<note xml:id="nbo">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «diese Liebe Gottes, die uns beständig ganz nahe sind, in Jesus Christus, der doch auch sichtbar und unverkennbar».</note> genug vor uns steht, wenn wir nur sehen und erkennen wollen. <pb n="12" ed="A"/> Er gehört doch auch in unser Leben hinein so gut wie all die anderen Faktoren und Momente, denen wir so viel Nachdenken und Aufmerksamkeit widmen, die wir beständig so bitter ernst nehmen. Er sagt uns doch so deutlich, wie er es vor 2000 Jahren gesagt hat: Kehret um, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.4.17">Mt. 4,17</ref>]. Und dieses ⌜sein großes⌝ «nahe» bedeutet keine fahle apokalyptische Wunderbotschaft, sondern heute wie damals die freundliche Einladung, nun einmal mit ihm persönlich hineinzustehen in das ⌜so unendlich naheliegende⌝ neue Leben von Gott her, das ist und das kommen will. Dieser<note xml:id="nbp">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Und dieser».</note> Einladung folgen ist nicht schwer. Glauben ist kein Laufen und Rennen. Glauben ist keine erknorzte mystische oder eschatologische Stimmung. Glauben ist keine Narkose und kein Traum. Glauben heißt die Augen auftun. Glauben heißt wahrhaftig werden. Glauben heißt gelten lassen, was eigentlich ist. Glauben heißt im Realen leben. Drängt uns etwa nicht alles dazu? Ist es uns denn etwa so viel natürlicher, Alles, Alles ernst zu nehmen, nur Gott nicht, Gottes Wahrheit immer erst dann zu Worte kommen zu lassen, wenn wir alle unsere Bedenken, Vorbehalte, Vorsichtigkeiten dagegen<note xml:id="nbq">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «gegen sie».</note> ausgespielt haben? Ist es denn etwa praktischer, Gort immer nur zu guter Letzt als den solennen Hintergrund unserer Ideen in Anspruch zu nehmen? Haben wir denn etwa Ruhe, Klarheit, Zielstrebigkeit⌜, Durchschlagskraft⌝ bei diesem <pb xml:id="p120" ed="pga"/> ganzen Verfahren<note xml:id="nbr">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «bei diesem unserem ganzen Verfahren ihm gegenüber».</note>? Oder stellt nicht gerade unsere ganze heutige Situation in der Welt und im Vaterland an den Tag, daß es so nicht geht, daß es leichter, natürlicher, auf der Hand liegender wäre, nun einmal von unten auf zu bauen und mit dem Anfang anzufangen? Sollte auf einmal das Einfachste schwierig, das Nächste fernliegend, das Natürliche künstlich geworden sein? Noch einmal: «erkennet ihr euch selbst nicht, daß Jesus Christus in euch ist?» Könnt ihr denn anders als den Weg des Glaubens betreten? «Kommt, denn Alles ist bereit!» [<ref type="can" subtype="bible" target="Lk.14.17">Lk. 14,17</ref>].</p>
          <p>
                        <persName ref="kbga-actors-444">Abraham</persName> glaubte dem Herrn, und <hi rend="italic">das</hi> rechnete er ihm zur Gerechtigkeit. Weil <persName ref="kbga-actors-444">Abraham</persName> Gottes Zusage so kindlich ernst nahm, darum konnte Gott ihn segnen und zum Segen machen [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Gen.12.2">Gen. 12,2</ref>]. Sein Leben<note xml:id="nbs">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Was <persName ref="kbga-actors-444">Abraham</persName> getan hat in seinem langen Leben, in der Lebenskraft, die er sich von Gott schenken ließ, das war groß und wunderbar. Es war möglich, weil <persName ref="kbga-actors-444">Abraham</persName> glaubte. <persName ref="kbga-actors-444">Abrahams</persName> Leben».</note> war ein tätiges, fruchtbares, reiches, lebendiges Leben, ein Leben, zu dem Gott sich bekennen konnte, denn <persName ref="kbga-actors-444">Abraham</persName> glaubte<note xml:id="nbt">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «weil er glaubte.»</note>. ⌜Was wird Gott <hi rend="italic">uns</hi> zur Gerechtigkeit rechnen können?⌝ Vor unserem Denken und Wollen, liebe Freunde, stehen sehr andere Probleme und Konflikte als vor dem des Patriarchen. Wenn ich recht sehe, <pb n="13" ed="A"/> sind unter uns jüngeren Leuten heute besonders zwei Geistesrichtungen vertreten. Es sind die Augen der Einen von uns vornehmlich auf all das Große und Wertvolle gerichtet, was wir in Staat und Vaterland, Kirche und Kultur bereits haben, und es geht ihr Bemühen vor allem darauf, das alles zu erwerben, um es zu besitzen<note xml:id="n07">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-647">
                                <persName ref="kbga-actors-136">J. W. von Goethe</persName>, <hi rend="italic">Faust I</hi>, V. 682f. (Nacht)</bibl>:
                                <q rend="block">
                                    <lg>
                                        <l>Was du ererbt von deinen Vätern hast,</l>
                                        <l>Erwirb es, um es zu besitzen.</l>
                                    </lg>
                                </q>
          </note>, es zu erhalten, zu pflegen, mit Sorgfalt und Treue auszubauen, wenn es sein muß, zu<note xml:id="nbu">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «auszubauen, im Notfall zu».</note> verteidigen. Und es blicken wir anderen vornehmlich in die Zukunft auf das, was werden will, und fühlen uns dort zu Hause, wo ⌜–⌝ tastend und stammelnd und revolutionär ⌜vielleicht –⌝ gerungen wird um ein neues Volk und Vaterland, um neue Verhältnisse in Staat und Gesellschaft, auch um ein Reden von Gott in neuen Zungen [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Act.2.3 Act.2.11">Act. 2,3–11</ref>]. Und es werden wohl auch solche unter uns sein, die gerne Beides, das Rückwärts- und das Vorwärtsschau<pb xml:id="p121" ed="pga" break="no"/>en<note xml:id="nbv">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «die gerne beide Geistesarten».</note> sich berühren und sich ergänzen lassen würden. Ich möchte nun ⌜aber⌝ gerade nicht zu einem solchen ⌜eiligen⌝ Friedensschluß raten. Ihr müßt eure und wir müssen unsere Wege ruhig weitergehen<note xml:id="nbw">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «euren und wir müssen unseren Weg zu Ende gehen».</note>, wenn etwas Lebendiges und Fruchtbares aus der gegenwärtigen Gärung hervorgehen soll. Wohl aber möchte ich beide Geistesarten unter die Verheißung stellen<note xml:id="nbx">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «unter das Wort Gottes stellen».</note>, daß Gott die segnen und zum Segen machen will, die ihm glauben. Gott wird euch nicht ⌜euer «historisches Denken» und⌝ euren Heimatschutz und eure helvetische Vaterlandsliebe<note xml:id="n08">Anspielung auf die am <date when="1914-02-01">1.2.1914</date> in <placeName ref="kbga-places-9">Bern</placeName> gegründete «<orgName ref="kbga-actors-6206">Neue Helvetische Gesellschaft</orgName>», der <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Bruder <persName ref="kbga-actors-27">Peter</persName> angehörte. Sie verstand sich als eine «freundschaftliche Vereinigung, außerhalb und über jeder Partei, zum Wohle des Vaterlandes». Ihre Ziele waren, «die nationale Erziehung zu fördern, das öffentliche Gewissen im Kampfe gegen das Eindringen eines ausschließlichen Materialismus zu schärfen, engere Beziehungen der Angehörigen verschiedener Landesteile und der Schweizer im Auslande unter sich und mit der Heimat zu pflegen.» Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-2392">
                                C. Guanzini / P. Wegelin, <hi rend="italic">Kritischer Patriotismus – Neue Helvetische Gesellschaft 1914-1989</hi>, Bern
            1989; Zitate S. 103 und 138.</bibl>
                        </note> zur<note xml:id="nby">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «und eure Staatsbürgerlichkeit zur».</note> Gerechtigkeit rechnen und uns nicht unseren Radikalismus und Sozialismus, sondern euch und uns den Glauben an ihn, wenn wir ihn haben⌜, das «göttliche Werk in uns» [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Phil.1.6">Phil. 1,6</ref>], wenn es geschieht⌝. Es ist möglich, von Gott aus sehr verschiedene Wege einzuschlagen, wenn wir nur wirklich von Gott aus unterwegs sind. Es ist möglich, das Leben mehr vom Gegenwärtigen oder mehr vom Zukünftigen aus<note xml:id="nbz">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «her».</note> anzugreifen, wenn dabei nur wirklich die Kräfte Gottes hinter uns stehen und nicht ⌜etwa bloß⌝ die Mächte und Gewalten, die diese Welt überschatten, oder gar nur die Macht und Gewalt ⌜und Wichtigkeit⌝ unserer kleinen Person. Es wird auch darin<note xml:id="nca">
<ref corresp="B">Mskr.</ref>: «auch für uns».</note> das Wort gelten: Alles ist euer, ihr aber seid Christi [<ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.3.22 1.Kor.3.23">1.Kor. 3,22f.</ref>]! ⌜Denn⌝ dieses Wort ist kein Kompromiß, sondern die radikale Einladung<note xml:id="ncb">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Aufforderung:».</note>: Mensch, werde wesentlich!<note xml:id="n09">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-2401">
                                <persName ref="kbga-actors-864">Angelus Silesius (Johann Scheffler)</persName>, <hi rend="italic">Cherubinischer Wandersmann</hi>. <edition rend="normal">Kritische Ausgabe</edition>, hrsg. von L. Gnädinger, Stuttgart
              1984, II, 30, S. 76</bibl>: 
                                <q rend="block">
                                    <lg>
                                        <l>Mensch werde wesentlich: Denn wann die Welt vergeht /</l>
                                        <l>So fällt der Zufall weg / das wesen das besteht.</l>
                                    </lg>
                                </q>
                        </note> Die gilt aber <pb xml:id="p122" ed="pga"/> allen.<note xml:id="ncc">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Dieser Radikalismus ist für die sog. Historisch-Denkenden so unentbehrlich wie für uns andere.»</note> ⌜Und darum,⌝ liebe Freunde, wollen wir nun<note xml:id="ncd">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «wir wollen».</note>, wes Geistes Kinder wir auch seien, hingehen und ⌜in aller Stille ein klein wenig⌝ damit anfangen<note xml:id="nce">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «anfangen damit».</note>, Gott ernster zu nehmen als alles Andere. ⌜Es ist um die ersten Schritte zu tun auf dem inneren Weg, der sich da auftut, sie werden uns nicht reuen, sie werden ihre Ergebnisse haben.⌝ Dann wird sich Gott zu uns bekennen, wer wir auch seien. ⌜Dann kann er <pb n="14" ed="A"/> uns brauchen für seine Sache, wo und wie wir zunächst ansetzen mögen.⌝ Wir wollen uns auf diesem inneren Weg<note xml:id="ncf">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «in dieser unserer Sache».</note> nicht irre machen lassen durch unsere persönlichen Fehler und durch die Verständnislosigkeit der Menschen, die uns zunächst begegnen wird<note xml:id="ncg">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «der Menschen um uns her».</note>, und durch die Möglichkeit, immer und immer wieder zu irren und zu scheitern. Gott will uns unsere Sünden vergeben<note xml:id="nch">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Gott vergibt uns unsere Sünden».</note>, Gott will<note xml:id="nci">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «wird».</note> uns den Weg zu den Menschenherzen zeigen und auftun<note xml:id="ncj">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «eröffnen».</note>, Gott will<note xml:id="nck">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «wird».</note> uns nicht ganz zugrunde gehen lassen. Wir brauchen das alles nicht tragisch<note xml:id="ncl">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «nicht so wichtig».</note> zu nehmen, wenn wir es mit Gott halten wollen. Wir wollen uns auch dadurch nicht irre machen lassen, daß man uns vorhalten kann<note xml:id="ncm">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «daß man uns vorhält».</note>, es sei gefährlich, seine Sache so anspruchsvoll Gott anheim zu stellen<note xml:id="ncn">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «wie gefährlich es für einen Menschen sei, sich so anspruchsvoll vor Gott hin zu stellen und seine Sache zur eigenen zu machen».</note>, vielleicht ohne die nötigen persönlichen Gegengewichte zu besitzen, die einen solchen<note xml:id="nco">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «solchen radikalen».</note> Anspruch rechtfertigen. O ja, das ist gefährlich, und daran wollen wir Tag und Nacht denken, und das wollen wir keinen Augenblick leicht nehmen. Aber<note xml:id="ncp">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «O wir wollen diese Gefahr sehen und nicht träge und leichtsinnig sein ihr gegenüber, aber».</note> wir wollen uns dadurch nicht abhalten lassen zu tun<note xml:id="ncq">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «das zu tun».</note>, was wir tun müssen. Gott verträgt es an uns, wenn wir leider manchmal ein wenig aus dem Gleichgewicht <pb xml:id="p123" ed="pga"/> kommen<note xml:id="ncr">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «geraten».</note>, wie er es schon an <persName ref="kbga-actors-444">Abraham</persName> und ⌜eigentlich⌝ an allen seinen Leuten vertragen hat. ⌜Gottes Kraft will auch in den Schwachen mächtig sein [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="2.Kor.12.9">2.Kor. 12,9</ref>], nicht nur in den großen, reifen, fertigen Persönlichkeiten. Gott will uns schon verhelfen zu den persönlichen Gegengewichten, wenn wir nur nicht faul und unaufrichtig werden.⌝ Gott verträgt nur Eines nicht an uns<note xml:id="ncs">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Er verträgt es aber nicht an uns».</note>: daß wir uns seiner Wahrheit verschließen. Und wir wollen uns auch dadurch nicht irre machen lassen, daß wir, wenn wir diesen Weg antreten, ⌜manchmal⌝ von rechts und von links her in den Schein einer fatalen Untätigkeit, Teilnahmslosigkeit ⌜und⌝ Ratlosigkeit gegenüber wichtigen aktuellen Problemen und Aufgaben kommen werden.<note xml:id="nct">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «… von links und von rechts manchmal Untätigkeit, Teilnahmlosigkeit, Ratlosigkeit … wird vorwerfen können.»</note> Es ist wahr: wer den inneren Weg zu gehen versucht, wird<note xml:id="ncu">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «wer von Gott her das Leben angreifen möchte, der wird».</note> zunächst zu Vielem schweigen müssen, wozu Andere viele und vortreffliche Worte zu sagen haben, wird zunächst an mancher Stelle Zuschauer sein<note xml:id="ncv">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «an manchem Ort zusehen,».</note>, wo Andere eine rege Betriebsamkeit entfalten können. Wir wollen uns das nicht reuen lassen. Gott bekennt sich auch zum Schweigen und zum sich Zurückhalten, wenn es aus dem Glauben kommt.<note xml:id="ncw">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Und wir wollen uns das nicht reuen lassen, aus Glauben manchmal auch zu schweigen und uns zurückzuhalten und vor vieler Augen als unfruchtbare Nörgler oder Romantiker dazustehen, wo wir gerne gleich reden und etwas tun würden.»</note> Unterdessen ist es trotz des bösen Scheins<note xml:id="ncx">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Unterdessen ist es doch».</note> «ein lebendig, geschäftig, tätig, mächtiges Ding um den Glauben, also daß es ganz unmöglich ist, daß er nicht ohne Unterlaß sollte Gutes wirken.»<note xml:id="n10">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-3126">
                                <persName ref="kbga-actors-261">M. Luther</persName>, <hi rend="italic">Predigt über Lk. 16,1-9</hi> (1522), WA 10/III, 285, 27-30</bibl>: «Darumb ist er [scil. der Glaube] auch gar eyn mechtig, thettig, unrugig, schefftig ding, der den menschen gleych verneuwert, anderweitt gepyrtt und gantz ynn eyn new weyße unnd weßen furet, alßo das unmuglich ist, das der selb nicht sollt on unterlas gutts thun.»</note> Wer glaubt, der tut immer etwas, tut das Eine Notwendige, und dann kann er auch warten, bis manche Dinge reif sind, um ausgesprochen und angepackt zu werden.<note xml:id="ncy">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «… Notwendige, aber er kann auch warten, bis manche Sachen reif sind, um gesagt und getan zu werden.»</note> «Mit dem Reiche Gottes ist es also, als wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft und schläft <pb xml:id="p124" ed="pga"/> und stehet auf Nacht und Tag; und der Same gehet auf und wächst, daß er’s nicht weiß. Denn die Erde bringt von ihr selbst zum ersten das Gras, darnach die Ähren, darnach den vollen Weizen in den Ähren. Wenn sie aber die Frucht gebracht hat, schickt er bald die Sichel hin; denn die Ernte ist da» [<ref type="can" subtype="bible" target="Mk.4.26 Mk.4.29">Mk. 4,26–29</ref>]. Wer den inneren Weg einmal angetreten hat<note xml:id="ncz">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Nein, wer diesen Weg einmal betreten hat».</note>, der kehrt nicht mehr um, läßt<note xml:id="nda">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «der läßt».</note> sich nicht ⌜mehr⌝ irre machen. Denn hier bekommt sein kleines Menschenleben einen Sinn für sich selber und für das Ganze der Gotteswelt. Ihn hat Gott in der Arbeit und läßt ihn nicht mehr los. Wer<note xml:id="ndb">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Liebe Freunde, wer».</note> will uns scheiden von der Liebe Gottes? [<ref type="can" subtype="bible" target="Röm.8.35">Röm. 8,35</ref>].</p>
        </div>
        <div type="closer">
          <salute>[Amen.<note xml:id="n11">
            Lieder:
              <bibl corresp="kbga-songs-112" type="song">Nr. 23 «O Höchster, deine Gütigkeit» von <persName ref="kbga-actors-5724">M. Jorissen</persName> nach Ps. 36, Strophen 1.3 (GERS [1952] 10,1.3);</bibl>
              <bibl corresp="kbga-songs-104" type="song">Nr. 225 «Ist Gott für mich, so trete» von <persName ref="kbga-actors-131">P. Gerhardt</persName>, Strophen 4-6 (GERS [1952] 259,4-6; EG 351,6.7.9 mit teilweise abweichendem Text).</bibl>
              </note>]
          </salute>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
