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        <title type="volume" n="vol-27">Predigten 1915</title>
        <title type="content">Predigt: Jesaia 53,7-9</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: Predigt: Jesaia 53,7-9, 28. März 1915</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/27014 (Stand: 25. August 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Predigten 1915, hrsg. v. Schmidt, Hermann (Gesamtausgabe, Abt. I), Zürich 1996, S. 121–131.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Predigten 1915</title>
          <title type="text">Predigt: Jesaia 53,7-9</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Schmidt, Hermann</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">1996</date>
          <biblScope unit="page">Pp. 121-131</biblScope>
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        <!-- The first digital edition (data from xml and database) -->
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          <title type="edition">Princeton Barth Project edition</title>
          <title type="text">electronic edition of Karl Barth, Gesamtausgabe I.27, Predigten 1915, sermon 265</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>James R. Adair, Jr.</editor>
          <editor>Timothy J. Finney</editor>
          <editor>Christian Kelm</editor>
          <pubPlace>Princeton</pubPlace>
          <publisher>Alexander Street Press</publisher>
          <date type="publication">2001</date>
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        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Barth, Karl, Predigt: Jes 53,7-9, 28. März 1915. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/1706">KBA 1243</ref>. </bibl>
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        <date type="creation" when="1915-03-28">28. März 1915</date>
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                        <placeName ref="kbga-places-54">Safenwil</placeName>, Sonntag, den <date when="1915-03-28">28. März 1915</date>
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      <epigraph>
        <cit>
                            <ref type="can" subtype="bible" target="Jes.53.7 Jes.53.9">Jesaja 53,7–9</ref>
          <quote>Da er gestraft und gemartert ward, tat er seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer und seinen Mund nicht auftut. In Drangsal und Gericht ward er hingerafft: doch wer von seinem Geschlecht besann sich darüber: — daß er ausgetilgt ward aus dem Lande der Lebendigen, für unsere Missetaten zu Tode getroffen, daß ihm bei den Frevlern sein Grab gegeben wurde und bei den Übeltätern sein Haus — obgleich er keine Gewalttat getan und kein Trug in seinem Munde war?!<note xml:id="n01">Die Übersetzung der <ref type="can" subtype="bible" target="Jes.53.8 Jes.53.9">V. 8–9</ref> schließt sich an die von <persName ref="kbga-actors-5728">E. Kautzsch</persName> (s. oben <ref type="pub" target="27010#fn_n01">S. 79f., Anm. 1</ref>) an.</note>
                            </quote>
                        </cit>
      </epigraph>
          <salute>Liebe Freunde!</salute>
        </div>
        <div type="main">
        <p>Wer will uns scheiden von der Liebe Gottes? [<ref type="can" subtype="bible" target="Röm.8.35">Röm. 8,35</ref>]. Von dieser schöpferischen Lebenskraft voller Wahrheit und Freiheit, Freude und Kraft, von diesem Strom, der aus derTiefee kommt und uns das Leben bringt, von dieser ewigen Erlösungsmacht, die unser Innerstes findet und mit Frieden erfüllt und unser ganzes Dasein umfaßt und Gerechtigkeit auf die Erde bringt? Wer will uns scheiden von der Liebe Gottes, wer uns entreißen ihrem gewaltigen, unwiderstehlichen Einfluß, wer zunichte machen, was sie an uns schafft — wenn einmal der Heilige Gottes vom Kreuz her sein Wort an uns gerichtet hat?, wenn uns einmal die Augen aufgegangen sind für das, was auf <placeName ref="kbga-places-405">Golgatha</placeName> geschehen ist, was immer geschehen ist und immer geschehen wird überall, wo Gottes Knecht leiden muß in der Welt? Christus, das Opfer der Menschheit, wird ihr Held und Befreier. Der zusammengebrochen ist unter der Last <pb xml:id="p122" ed="pga"/> unserer gemeinsamen Schuld, wird die Kraft, die uns gemeinsam reinigt vom Bösen. Unsere Strafe lag auf ihm, auf daß wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt [<ref type="can" subtype="bible" target="Jes.53.5">V. 5</ref>]. Vor seinen Augen öffnet sich der Abgrund zwischen Himmel und Hölle, zwischen Gott und Widergott, zwischen Menschenwahrheit und Menschenlüge. Und er muß schaudernd hinunterblicken in seine tiefsten Tiefen. Die Nacht der Gottesfremde und Gottesferne lagert schon über seiner Seele. Die graue Hoffnungslosigkeit der Welt, ihres Geistes und ihrer Ordnungen will ihn ersticken. Die Gerechtigkeit und Frömmigkeit der Menschen hat ihn mit ihrem Urteil zu Boden gestreckt, und sie können nicht anders urteilen: mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? [<ref type="can" subtype="bible" target="Ps.22.2">Ps. 22,2</ref>]. Aber, meine Freunde, auch den Himmel sieht er, und der Himmel ist größer und höher als die Hölle. Auch Gott sieht er, und Gott ist stärker als alle Widergötter. Und das tiefe, echte, wahre Menschliche sieht er, das aus den Fesseln der Verlogenheit und Verblendung nur befreit werden muß und befreit werden wird. Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist [<ref type="can" subtype="bible" target="Lk.23.46">Lk. 23,46</ref>] — und vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun [<ref type="can" subtype="bible" target="Lk.23.34">Lk. 23,34</ref>]. Nicht mit gleicher Gewalt kommen die Reiche des Bösen und des Guten auf <placeName ref="kbga-places-405">Golgatha</placeName> zum Ausbruch. Nicht zweifelnd können wir mehr dastehen, wenn wir das Kreuz gesehen haben. Keine Fragen und Probleme und Untersuchungen sind mehr nötig darüber, ob dem Teufel die Welt gehört oder Gott. Sondern klar ist’s da geworden, daß Gott den Sieg hat. Der Tod ist verschlungen in den Sieg Gottes [<ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.15.55">1.Kor. 15,55</ref>].</p>
        <p>Von diesem Sieg Gottes im Kreuze Christi wollen wir heute hören. Wie ist’s dazu gekommen? Dadurch, daß Gottes Knecht in seiner tiefen Not, als er gestraft und gemartert ward, seinen Mund nicht auftat wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer. Jesu Wehrlosigkeit — etwas vom Geheimnisvollsten und Größten in seinem Wesen. Wir wollen uns gleich eingestehen, daß uns dieser Zug an ihm zunächst durchaus nicht verständlich und lieb ist. Sollte Gottes Herrlichkeit gerade hierin sich offenbaren, Gottes Wille gerade darin triumphieren, daß Christus dem Bösen nicht widerstanden, nichts getan hat, um sein Schicksal, die Folge menschlicher Schuld, von sich abzuwehren? Schon das Bild vom Lamm, das seinen Mund nicht auftut, entfernt sich weit, weit von dem, was wir zunächst für recht und notwendig ansehen. Und erst das, was <pb xml:id="p123" ed="pga"/> damit gemeint ist: diese Geduld ohne Widerrede, ohne Ausschlagen, ohne Gegenunternehmungen gegenüber den Menschen, die aus Torheit oder Bosheit das Böse reden und tun! Unzählige wackere, brave Christen haben dieses Lamm Gottes und das, was damit gemeint ist, ganz bewußt aus ihrem <term ref="kbga-terms-807">Christentum</term> gestrichen als etwas, mit dem nichts anzufangen sei. Kaum daß in einem Ecklein ihrer Seele noch ein Bewußtsein davon lebt, daß hier noch eine Wahrheit zu haben wäre, ein verborgenes, ganz großes Gut, etwas entscheidend Wichtiges: der seinen Mund nicht auftat — der wehrlos war gegenüber dem Bösen. Aber sie glauben nicht daran, sie lassen es nicht gelten. Sie — wir alle sind ja in diesem Fall.</p>
          <p>Und unsere Staaten, die ja auch noch einigermaßen christliche Staaten sein wollen, haben dieses Stück aus dem Christentum gestrichen oder kümmern sich doch nicht darum. Daß dem Volk die Religion erhalten bleibe<note xml:id="n02">1887 schrieb Kaiser <persName ref="kbga-actors-427">Wilhelm I.</persName> in die Altarbibel der Siegesdankkirche zu Altwasser/Schlesien: «Dem Volke muß die Religion erhalten bleiben» (<bibl corresp="kbga-bibls-2449"><persName ref="kbga-actors-5867">R. Zozmann</persName>, <hi rend="italic">Zitatenschatz der Weltliteratur</hi>, Königstein/Ts. 1980 (Nachdruck der 12. Aufl.), S. 381</bibl>).</note>, daß die Traurigen getröstet und die Unwissenden zu allerlei Tugenden ermahnt werden, das wollen sie gerne; aber nicht widerstehen dem Bösen [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.5.39">Mt. 5,39</ref>], [wie er,] «der seinen Mund nicht auftat», Christus, der hinter dem, was die Menschen ihm Leides antun, Gottes Willen schweigend vernehmen kann? — das will der Staat nicht — kein Staat. Was würde da aus Gesetz und Polizei, aus Militär und Vaterlandsliebe? Was würde aus unseren verschiedenen Parteien und Interessengruppen, die einander gegenüberstehen und bekämpfen? Was aus den Gegensätzen der Nationen, die nun einmal da sind? Das alles heißt doch widerreden, sich entgegenstemmen, Gegenschläge führen gegen das Böse und das Unrecht. Und das alles kann ja gar nicht anders sein. Wir können uns nicht einmal vorstellen, wie es irgendwie anders sein könnte, geschweige denn, daß wir es ausführen könnten. Unser ganzes öffentliches Leben lebt davon, daß wir es anders machen als Christus. Das ist sonnenklar. Und doch sind wir alle nicht beruhigt dabei. Und doch glauben wir eigentlich alle nicht daran, daß das das Wahre sei, dieses Wesen von Zwang und Drohung und Gewalt und Strafe, mit dem wir im Kleinen und Großen die Ordnung in der Welt aufrechterhalten.</p>
        <p>Eigentlich müßte es anders sein, sagt eine Stimme in uns. Und gern <pb xml:id="p124" ed="pga"/> flüchten wenigstens unsere Gedanken in ein Gebiet, wo wir stille sein und warten dürfen [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Ps.37.7">Ps. 37,7</ref>], statt zu antworten und dreinzuschlagen mit Worten und Taten. Aber dieses Gebiet muß ganz verborgen und unbedeutend sein, wir glauben nicht daran, wir fügen sofort hinzu: ja, damit kommt man nicht durch! Auch diejenigen glauben nicht recht daran, die die heutige Welt in Manchem anders haben und verbessern möchten, die für mehr Gerechtigkeit, für menschenfreundlichere Verhältnisse, für den Frieden eintreten mit großem und schönem Eifer. Denkt daran, wie gerade wir jetzt so gerne uns zu Richtern aufwerfen über die Ursachen und Urheber des Krieges, wie wir denen und jenen eine gerechte Bestrafung gönnen, wie wir z.T. ganz getrost von Revolution und Totschießen reden im Gedanken an die Fürsten und Regierungen, die wir für die Schuldigen halten, wie wir böse, scheltende Worte brauchen über die Kriegführenden, ihre Unvernunft und Leidenschaft — und denken dabei ganz fröhlich, daß das ganz christlich und recht sei.</p>
        <p>Liebe Friedensfreunde und Weltverbesserer, ich zähle mich auch zu euch und bekenne mich zu eurer Fahne<note xml:id="n03">Im «Karl Barth-Stübli» im ehemaligen Pfarrhaus in <placeName ref="kbga-places-54">Safenwil</placeName> wird eine Fahnenstange gezeigt, die bei den Umzügen der Arbeiter am 1. Mai die rote Fahne getragen haben soll. Laut <bibl corresp="kbga-bibls-134">
                                <persName ref="kbga-actors-1513">Busch</persName>, S. 119</bibl>, ist <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> am 1. Mai 1919 hinter dieser Fahne mit seinen Arbeitern nach <placeName ref="kbga-places-360">Zofingen</placeName> marschiert.</note>; aber das ist sicher und das müssen wir uns ehrlich gestehen: Christus hat es anders gemacht: er tat seinen Mund nicht auf, als der Abgrund des Bösen sich vor ihm auftat. Er schalt nicht, da er gescholten wurde [<ref type="can" subtype="bible" target="1.Petr.2.23">1.Petr. 2,23</ref>]. Er hat keine Reden gehalten und keine Revolution gemacht, nicht einmal eine Partei gegründet gegen die gottlosen Herren von <placeName ref="kbga-places-37">Jerusalem</placeName>. Nicht wahr, ganz wohl ist es auch uns nicht dabei — so wenig als es den Patrioten und Regenten wohl sein kann bei ihrer Gewalts- und Zwangspolitik — ganz wohl ist es auch uns nicht, solange wir gegenüber der bösen Welt nichts Anderes kennen als Zorn und Schelten und Drohungen. Nicht wahr, auch wir meinen im Grunde, daß eigentlich etwas Anderes die böse Welt überwinden müßte. Seht, <hi rend="italic">so</hi> groß ist das Geheimnis des Sieges Gottes im Kreuz Christi. Größer als alle unsere Gedanken, auch unsere besten und tiefsten. So hoch steht Christus über uns.</p>
          <p>Es war an dem Tag, der seither zur Erinnerung «Palmsonntag» genannt wurde, als Jesus unter dem Jubel seiner Jünger, der Pilgerscharen aus <placeName ref="kbga-places-780">Galiläa</placeName> und der Bevölkerung von <placeName ref="kbga-places-37">Jerusalem</placeName> in die Stadt <persName ref="kbga-actors-2172">Davids</persName> ein<pb xml:id="p125" ed="pga" break="no"/>zog [<ref type="can" subtype="bible" target="Mk.11.1 Mk.11.11">Mk. 11,1–11</ref> par.]. Es war ein seltsamer, denkwürdiger Vorgang. Schon da, nicht erst am Karfreitag trat deutlich auseinander, was menschlich und was göttlich ist. Warum rissen sie denn Zweige von den Palmen, warum riefen sie Hosiannah, warum begrüßten sie Jesus als den König der Verheißung? O, das war keine Heuchelei, keine falsche Begeisterung. Darin kam eine große, echte Liebe und Verehrung für Jesus zum Vorschein, die sicher von weiten Volkskreisen geteilt wurde. Sein gewaltiges Reden von Gott und seiner Wahrheit, die segensvollen Wirkungen, die von ihm ausgingen, seine Offenheit und Tapferkeit, die Alles beim rechten Namen nannte, hatten ihm manches Herz zugewandt. Und nun erwarteten sie alle, daß er nun etwas Großes, Entscheidendes tun werde. Was? einen «Aufruf an mein Volk»<note xml:id="n04">Am 6.8.1914 richtete Kaiser <persName ref="kbga-actors-839">Wilhelm II.</persName> einen «Aufruf» an das Deutsche Volk; abgedruckt in: <bibl corresp="kbga-bibls-2448">
                                <hi rend="italic">Deutschland im Ersten Weltkrieg. Texte und Dokumente 1914-1918</hi>, hrsg. von U. Cartarius, München 1982, S. 13.</bibl>
               </note> zur Befreiung von der Heidenknechtschaft — oder eine Sammlung der wahren Gläubigen zur Stiftung einer neuen Religion, besser als die des Tempels und Gesetzes — oder eine Wundertat, um allen Widerstrebenden die Augen zu öffnen für das nahe Reich Gottes? Jedenfalls eine Tat gegen den Widerstand, der ihm geboten wurde, gegen die Geldmächte, Staatsmächte, Religionsmächte, die ihm entgegenstanden, einen kühnen Angriff, irgend etwas, das einen Fortschritt oder doch den Beginn eines Fortschritts bedeuten würde gegenüber den Gewalten der Tyrannei, des Hochmuts, der Heuchelei, der Ungerechtigkeit, die ja jedermann sah, auf deren Überwindung ja jedermann hoffte. Jetzt wird er etwas tun!, dachten sie alle. Was wird er tun?, fragten sie sich in freudiger Spannung. Darum schwangen sie die Palmen, darum riefen sie Hosiannah, darum machten sie seinen Einzug zu einem Königseinzug. Ob wohl die, die ihn näher kannten, seine Jünger z.B., ganz ruhig waren bei dieser Hoffnung, ob sie innerlich so sicher waren, daß er nun wirklich etwas «tun» werde gegen das Reich des Bösen? Ob die, die ihm in die Augen sehen konnten, im Ernst erwarteten, daß es nun zu Taten kommen werde? Würde Einer, der etwas Großes anstellen wollte, in jenem Augenblick auf einem Eselein dahergekommen sein? Vielleicht war in jenem Rufen und Palmenschwingen, in jener ganzen aufgeregten Begrüßung weniger Hoffnung und sichere Erwartung als vielmehr ein <pb xml:id="p126" ed="pga"/> drängendes, treibendes Wünschen: Nun mach etwas, nun laß etwas geschehen, nun zeige es uns bitte endlich, daß du wirklich der Große bist, als den wir dich ansehen! So ist’s nun einmal: wenn die Menschen jemand ihr Vertrauen schenken, dann erwarten sie von ihm, mag er sagen, was er will, große Taten in Worten und Werken. Wenn das Reich Gottes verkündigt wird, dann möchten sie sehen, wie nun irgend etwas angestellt oder doch angefangen wird zur Bekämpfung bestimmter Ungerechtigkeiten, Übelstände und Heucheleien. Das nennt man dann «praktische Arbeit», «segensreiches Wirken», «aufopferungsvolle Tätigkeit» und lobt und anerkennt es. Und darum hat man auch nicht Jesus allein, sondern den Knecht Gottes zu allen Zeiten mit Güte und Gewalt dazu treiben wollen, Politiker zu werden oder Reformator oder Vereinspräsident oder Sittenverbesserer, Kämpfer gegen irgend einen sichtbaren Feind der Menschheit, Schöpfer irgend einer guten Bestrebung, Gründer irgend einer nützlichen Unternehmung. Und wie manches reine, edle Gotteskind hat das Hosiannah gehört, das die Menschen solchem Tun zollen, und ist das geworden, was man von ihm erwartete.</p>
        <p>Seht, und nun hat Jesus gerade <hi rend="italic">das nicht</hi> getan, was seine Freunde und seine Feinde von ihm erwarteten. Er hat nichts unternommen in <placeName ref="kbga-places-37">Jerusalem</placeName>, er hat keine Fahne erhoben gegen das Regiment des Teufels, er hat keine Schläge geführt gegen seine Ordnungen, so sicher ihm der Erfolg winken mochte. Er hat nur getan, was er längst in <placeName ref="kbga-places-780">Galiläa</placeName> getan hatte: er hat mit denen, die ihm zuhören wollten, von Gott und von Gottes Ruf an die Menschen geredet, er ist umhergezogen und hat wohlgetan, indem er allen, die sehen mochten, Gottes Reich und das wahrhaftige Leben <hi rend="italic">zeigte</hi> — er tut nichts, sagten Alle und waren enttäuscht und machten ihm im Stillen Vorwürfe. Seine vielen Freunde verliefen sich und wurden wieder zu einem kleinen Trüpplein von sehr unsicheren Leuten. Seine Feinde frohlockten und atmeten erlöst auf: denn, sagten sie zueinander, wenn er nichts <hi rend="italic">tut</hi>, so ist er nicht gefährlich, so können wir leicht mit ihm fertig werden. Und <persName ref="kbga-actors-2301">Judas</persName> ging hin in dieser großen Enttäuschung und verriet seinen Herrn um 30 Silberlinge [<ref type="can" subtype="bible" target="Mt.26.14 Mt.26.16">Mt. 26,14–16</ref> par.]. Jesus tat nichts. Und das wurde nun nicht anders bis zu dem Augenblick, wo er am Kreuze sein Haupt neigte und verschied [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Joh.19.30">Joh. 19,30</ref>]. Jesus sah, wie das Gewitter sich über seinem Haupte zusammenzog, und tat nichts, ihm auszuweichen. Jesus sah, wie die vorher begei<pb xml:id="p127" ed="pga" break="no"/>sterte Masse nach und nach wieder von ihm abfiel, und tat keinen Schritt, um dem entgegenzuwirken. Jesus sah, wie er verdächtig wurde auch in den Augen der römischen Obrigkeit, und rührte sich nicht, um diesen Verdacht von sich abzuwälzen. Und als der Schlag dann gegen ihn fiel, da hat er seinen Jüngern verboten, für ihn zum Schwert zu greifen [<ref type="can" subtype="bible" target="Mt.26.52">Mt. 26,52</ref> par.], da hat er selbst sich widerstandslos in die Hände seiner Feinde überliefert, da hat er auf das schlichteste Wörtlein zu seiner Verteidigung verzichtet, da hat er jede, auch die letzte Gelegenheit verpaßt, die Herzen seiner Richter oder des Volkes oder seiner Henker zu gewinnen. Er hat dem ganzen Werk des Bösen gegen ihn vollständig den Lauf gelassen, den es notwendig, nach seinem natürlichen Gesetz gleichsam, nehmen mußte. Er hat nichts getan als gelitten. Er tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird. Das begeisterte Hosiannah vom Palmsonntag, das ihm zurief: nun mach etwas, so wollen wir dir glauben!, hat ihn keinen Schritt abgebracht von seinem Wege der Wehrlosigkeit. Das ist ganz, ganz anders, als wir es in solchen Lagen machen würden, ganz, ganz anders, als die edelsten, besten Menschen in ähnlicher Lage es gemacht haben.</p>
        <p>Aber wie sollen wir diesen Weg der Wehrlosigkeit verstehen? Wie dazu kommen, den Sieg Gottes zu sehen, der gerade darin liegt, daß Jesus diesen und keinen anderen Weg ging? O, wir müssen sehr tief hineinblicken in das eigenartige Verhältnis Jesu zu seinem Vater und zu den Menschen, tief hinein in die geheimnisvolle Art und Weise des Wirkens des ewigen Gottes, um darüber klar zu werden. Aber warum sollten wir nicht schärfere, klarere Augen bekommen für das Wirken Gottes, das nun einmal anders ist als Menschenwirken? Wahrlich, eine Kunst ist’s nicht, in diese Tiefen Gottes zu blicken. Sie sind ja im Grunde das Allereinfachste und Allerwahrste, was wir nur gewöhnlich vor lauter Zweifeln, Bedenken und Fragen nicht zu sehen vermögen. Wir sind’s, die Künsteleien machen. Gott ist schlicht und groß. Gott ist kindereinfach.</p>
        <p>Warum hat Jesus wehrlos gelitten? Weil seine Sache die Sache Gottes war. Für Gott kann man nicht eifern, nicht zürnen, nicht zanken, nicht schelten, nicht dreinschlagen. Wenn wir Menschen das tun, dann tun wir es immer für uns selbst, für unser Recht vielleicht, für unsere Interessen, manchmal auch für unsere Schwächen und Launen. Aber nicht für Gott. Wenn ihr es recht verstehen wollt, möchte ich sagen: für Gott können wir überhaupt nichts tun, können nur Gott wirken lassen. Das <pb xml:id="p128" ed="pga"/> hat Jesus getan. Sein Tun, das die Menschen enttäuscht für Nichtstun hielten, bestand darin, daß er Gott anerkannte und Gott walten ließ.</p>
        <p>Doch wir wollen es klarer sagen: <hi rend="italic">Jesus tat etwas</hi>, er wußte, was wirkliches, ernsthaftes Tun ist, weil er wußte, wer Gott ist, daß Gott Geist ist [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Joh.4.24">Joh. 4,24</ref>]. Gott ist keine Sache, keine Einrichtung, kein Zustand. Gott ist quellendes, strömendes geistiges Leben. Gott ist Gerechtigkeit, Wahrheit und Freude, die als innere Kraft die Herzen der Menschen und danach ihr Leben erfassen und verwandeln und zuletzt einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Jes.65.17">Jes. 65,17</ref>]. Gott ist unsichtbarer Trieb, unhörbare Frage, zu der die Seelen der Menschenkinder Ja oder Nein sagen müssen. Und darum kann man für Gott nicht agitieren und recht haben und sich wehren und revoluzzen. Man kann ihn nicht herbeiholen und nicht bei Anderen erzwingen. Der Geist ist eben da und weht, wo er will [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Joh.3.8">Joh. 3,8</ref>], und nicht, wo wir und wie wir wollen. Den Geist kann man bloß zeigen, wenn man ihn hat, wie es Jesus getan hat. Dieses Licht kann man bloß leuchten lassen [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.5.16">Mt. 5,16</ref>], wo es ist. Und das kann nicht anders geschehen als eben wieder in geistiger Weise: durch das stille Reden vom Einen zum Anderen, wie es Jesus gemacht hat in seinen Sprüchen und Gleichnissen für die, die hören konnten und wollten — und durch den ebenso stillen Beweis durch ein Leben, dem man etwas anspürt von Geist und Kraft. Wo die Menschen den Geist leuchten lassen, da wirkt er dann schon weiter, und schafft und wehrt sich und agitiert und revoluzzt, und reißt das alte Gemäuer nieder und baut neue Fundamente und hochragende Türme; ja, das tut der Geist, das tut Gott, der Geist ist: er arbeitet schon, wir brauchen keine Angst zu haben, wenn er es auch oft sehr anders macht, als wir es uns vorstellen.</p>
        <p>Dazu kommt nun ein Zweites: <hi rend="italic">Was wäre geworden</hi>, wenn Jesus damals nach den Wünschen der Hosiannahrufer vom Palmsonntag gehandelt hätte? Eine Bewegung wäre vielleicht entstanden, eine Partei oder eine Gemeinschaft, eine Sekte mit irgend einem schönen Glaubensbekenntnis und Programm. O, das hätte seine Freunde gefreut! Aber auch seine Feinde. Denn habt ihr jemals ein solches Unternehmen gesehen auf irgend einem Gebiet, wo nicht notwendig sofort eine Menge menschlicher Schwachheiten und Bosheiten mituntergelaufen wäre? Da muß man sich wehren, muß sich durchsetzen, muß Recht haben um jeden Preis, muß gar allerlei Mittel anwenden, um Leute zu gewinnen <pb xml:id="p129" ed="pga"/> und stark zu sein. Da können die frömmsten und besten Absichten nicht fleckenlos bleiben. Denkt daran, wie es in allen christlichen Vereinen zugeht, um von anderen solchen Unternehmungen nicht zu reden. Wie hätten sich Jesu Feinde gefreut, wenn er irgend etwas unternommen hätte zu Schutz und Trutz der guten Sache! Wie hätten sie dann mit dem Finger darauf hinweisen und sagen können: es menschelet überall! Gott sei Dank, daß Jesus keinen christlichen Verein gegründet hat zur Verteidigung seiner Interessen. Gott sei Dank, daß er nur durch den Geist und die Kraft hat wirken wollen. Dafür hat er freilich leiden müssen, dafür steht er so herzlich unpraktisch da vor unseren Augen, aber dafür ist er auch fleckenlos rein geblieben, und unter seinen Waffen ist keine einzige, deren er sich zu schämen hätte. Ahnen wir etwas, daß diese Art, mit Ehren und in göttlicher Reinheit zu verstummen und «nichts» zu tun, die größere Tat ist als all unser Laufen und Reden und Machen, dem die Unschuld fehlt?</p>
          <p>Doch wir könnten ja anzunehmen versuchen, Jesus hätte sich auch <hi rend="italic">mit Ehren verteidigen</hi>, in reiner Glut einen Angriff eröffnen können auf das Reich des Bösen, wie er einst am Anfang seines Wirkens in edlem Zorn den Tempel reinigte [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Joh.2.13 Joh.2.17">Joh. 2,13–17</ref>]. Aber was wäre entstanden, wenn er die Römer verjagt, die Herrschaft der Heuchler in <placeName ref="kbga-places-37">Jerusalem</placeName> gebrochen, einen Wohlfahrtsstaat in <placeName ref="kbga-places-871">Palästina</placeName> aufgerichtet und durch die Gewalt seines Geistes sogar eine große Menge Volks zu seiner Lehre bekehrt hätte? Was dann? War denn das Gottes Wille, daß auf jenem Flecklein Landes die Menschen etwas glücklicher und gesitteter, einige Mißbräuche abgeschafft, einige Verbesserungen eingeführt würden? Und würde sich das alles bewährt und gehalten haben? Wären auch nur diese Menschen Gott wirklich näher gewesen? Was hat denn eigentlich ein <persName ref="kbga-actors-77">Calvin</persName> erreicht, der es fertiggebracht hat, mit rechten und unrechten Mitteln sein Genf für ein paar Jahrzehnte zu einer Gottesstadt zu machen<note xml:id="n05">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-33">
                                <persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName>, <hi rend="italic">Die Theologie Calvins</hi> 1922. Vorlesung Göttingen Sommersemester, in Verbindung mit <persName ref="kbga-actors-5178">A. Reinstädtler</persName> hrsg. von H. Scholl (Gesamtausgabe, Abt. II), Zürich 
                        1993, <ref type="pub-" target="../volume/23/p153#p153">S. 153</ref>.<ref type="pub-" target="../volume/23/p163#p163">163f</ref>.<ref type="pub-" target="../volume/23/p271#p271">271</ref>.<ref type="pub-" target="../volume/23/p278#p278">278</ref>.</bibl>
               </note>? O wir mit unserer Moral und unseren Verbesserungen, mit unseren guten Gesetzen und Bestrebungen, an denen uns so schrecklich viel gelegen ist! Jesus hatte Größeres im Sinn als das Abstellen von ein paar Fehlern und die Einführung von ein paar neuen Tugenden. Er sah hin auf Gott, der eine neue Welt, einen neuen Menschen schaffen will. <pb xml:id="p130" ed="pga"/> Er wollte nicht Früchte ernten mitten im Winter, sondern neue Bäume pflanzen. Er wollte nicht einen Knäuel auflösen, der hoffnungslos, sinnlos verwirrt ist, sondern einen neuen Faden spinnen. Er wollte nicht seinen neuen Wein in alte Schläuche gießen [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Mk.2.22">Mk. 2,22</ref> par.], sondern neue Gefäße schaffen für den neuen Wein. Er wollte nicht flicken und reparieren am alten Wesen, sondern hervorbringen das neue Wesen der Menschen, das das alte Wesen Gottes ist. Und darum hat er dem alten Menschenwesen seinen Lauf gelassen, er hat die Heuchelei der Priester und die Charakterlosigkeit des <persName ref="kbga-actors-2239">Pilatus</persName> und den Verrat des <persName ref="kbga-actors-2301">Judas</persName> und die Untreue des Volkes und die Verleugnung des <persName ref="kbga-actors-1814">Petrus</persName> hingenommen als Dinge, die ja in der alten Menschenwelt gar nicht anders sein können, ohne sich darüber aufzuregen und sich dagegen zu wehren. Er hat diese ganze Last auf sich genommen — o, nicht aus Feigheit, nicht aus krankhafter, bequemlicher Schwäche und Sanftmut, sondern weil er der größere, der radikalere Umstürzer war als alle Revolutionäre der Welt, die bloß geflickt haben, statt Neues zu schaffen. Er vertraute darauf, daß er durch sein Leiden und Sterben das deutlichere «Nein» sprechen werde gegenüber der Menschenwelt und das deutlichere «Ja» für Gott, als er es mit allem noch so eifrigen Protestieren und Reformieren damals hätte tun können. Und darum hat er gelitten und seinen Mund nicht aufgetan.</p>
        <p>O meine Freunde, spüren wir es nicht, wie recht er hatte? Spüren wir es nicht, wie er, das leidende, stumme Gotteslamm, der größere, entschiedenere Weltüberwinder ist als alle noch so gewaltig polternden Weltverbesserer? Daß er ganze Arbeit getan hat eben damit, daß er damals dem Bösen gegenüber nichts getan hat? O wenn er etwas «getan» hätte damals, etwas Anderes als das stille Leuchtenlassen des Geistes, dann hätte er wirklich nichts getan. Er wäre dann ein Menschenfreund und Menschenverbesserer gewesen wie viele Andere. Nun aber steht er kraft seines Leidens vor uns als der Erlöser, als der Bringer der ganzen ungebrochenen, ungeteilten, ungetrübten Wahrheit, als der Bringer der neuen Welt. Gott sei Dank, daß er nichts getan hat.</p>
        <p>Was hat er denn getan? <hi rend="italic">Er hat auf Gott gewartet</hi>, gewartet nicht nur bis an den Tod heran, sondern bis in den Tod hinein. Er hat einfach darauf vertraut, daß Gottes Wille geschehen werde, wenn er nur ganz Gottes Willen tue [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Mk.14.36">Mk. 14,36</ref> par.]. Er hat darauf vertraut, daß er mit seinem Schweigen und Leiden und mit der Hingabe seines Lebens eine <pb xml:id="p131" ed="pga"/> Saat auswerfe, die eines Tages aufgehen müsse. Er hat darauf vertraut, daß aus dieser Saat all die goldenen Früchte hervorgehen müßten, die es jetzt zu pflücken noch zu früh war: Wahrhaftigkeit und Recht und Liebe unter den Menschen, Friede auf Erden unter der Herrschaft des ewigen Gottes. In diesem Vertrauen hat er sich anspeien und schlagen und kreuzigen lassen, hat er alles schreiende Unrecht auf sich genommen, hat er auf Gott gewartet, bis er seufzen konnte: es ist vollbracht [<ref type="can" subtype="bible" target="Joh.19.30">Joh. 19,30</ref>].</p>
        <p>Liebe Freunde, was ist stärker: dieses vertrauende Warten auf Gott, dieses stille Wirkenlassen der Wahrheit mitten in der dunklen Welt, oder unser unruhiges, drängendes Schelten und Kämpfen gegen das Böse und gegen die bösen Menschen? Sehen wir den Sieg, den Gott da errungen hat, die unvergleichliche Herrlichkeit Gottes, die vom Kreuz seines Heiligen ausstrahlt? Ich kann ja nur fragen: euch und mich fragen — gerade wie der Prophet in unserem Text auch nur fragt: wer von diesem Geschlecht besann sich darüber, sah es ein, daß dieser Ausgetilgte, zu Tode getroffen, unter Verbrechern als Verbrecher Verworfene der Überwinder und Befreier war? Den Sieg Gottes kann man nicht beweisen. Wer ihn überhören und übersehen will, der kann es. Wer nach wie vor gegen die Übel der Welt, auch gegen das große Unrecht, von dem jetzt die Welt voll ist, anrennen will auf andere Weise als in <hi rend="italic">dem</hi> Geist und in <hi rend="italic">der</hi> Kraft, die am Kreuze Christi offenbar wurden, der kann es. Selig die, die es merken, daß es keinen anderen Weg gibt. Seliger die, die heimlich auf diesem Weg <hi rend="italic">sind</hi>. Ihrer ist das Himmelreich [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.5.3">Mt. 5,3</ref>]. Sie haben den Frieden und bringen ihn.</p>
        </div>
        <div type="closer">
          <salute>Amen.</salute>
        </div>
        <div type="songs">
          <head>Lieder:</head>
          <listBibl type="songs">
            <bibl corresp="kbga-songs-82" type="song">Nr. 107: «Wenn dir dein Zion Palmen streut» von <persName ref="kbga-actors-8799">K. Menzel</persName> (1834–1890), Strophen 1-3</bibl>
            <bibl corresp="kbga-songs-83" type="song">Nr. 121: «Wenn mich die Sünden kränken» von <persName ref="kbga-actors-8800">J. Gesenius</persName>, Strophen 1-3 (= GERS [1952] 145,1.3.4; EG 82,1.4.5 «Wenn meine Sünd’ mich kränken»)</bibl>
          <!--<item><ref type="pub" subtype="bib1-ein1919" target="b0107">Nr. 107</ref>: «Wenn dir dein Zion Palmen streut» von K. Menzel (<date from="1834" to="1890">1834–1890</date>), Strophen
1-3</item>
          <item><ref type="pub" subtype="bib1-ein1922" target="b0121">Nr. 121</ref>: «Wenn mich die Sünden kränken» von J. Gesenius, Strophen 1-3 (<bibl><title level="m">GERS
[1952]</title> 145, 1.3.4</bibl>; <bibl><title level="m">EG</title> 82, 1.4.5</bibl> «Wenn meine Sünd’ mich kränken»)</item>-->
          </listBibl>
        </div>
      </div>
    </body>
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</TEI>
