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      <titleStmt>
        <title type="volume" n="vol-19">Vorträge und kleinere Arbeiten 1922–1925</title>
        <title type="content">Ansatz und Absicht in Luthers Abendmahlslehre</title>
        <title type="citation_line_1">Ansatz und Absicht in Luthers Abendmahlslehre, 1923</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/19014 (Stand: 25. August 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Vorträge und kleinere Arbeiten 1922–1925, hrsg. v. Finze, Holger (Gesamtausgabe, Abt. III), Zürich 1990, S. 248–306.</title>
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      <editionStmt>
        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
      </editionStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Vorträge und kleinere Arbeiten 1922–1925</title>
          <title type="text">Ansatz und Absicht in Luthers Abendmahlslehre</title>
          <editor>Finze, Holger</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">1990</date>
          <biblScope unit="page">Pp. 248-306</biblScope>
          <!--position within a volume-->
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        <!-- The first digital edition (data from xml and database) -->
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          <title type="edition">Princeton Barth Project edition</title>
          <title type="text">electronic edition of Karl Barth, Gesamtausgabe III.19, Vorträge und kleinere Arbeiten 1922-1925, 1923 speech 12</title>
          <editor>James R. Adair, Jr.</editor>
          <editor>Timothy J. Finney</editor>
          <editor>Christian Kelm</editor>
          <pubPlace>Princeton</pubPlace>
          <publisher>Alexander Street Press</publisher>
          <date type="publication">2001</date>
        </bibl>
        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Karl Barth: Ansatz und Absicht in Luthers Abendmahlslehre, in: Zwischen den Zeiten Jg. 1, Heft 4 (1923), S. 17–51 </bibl>
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        <date type="creation" when="1923">1923</date>
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      <div type="paper">
        <pb xml:id="p248" ed="pga"/>
        <head>ANSATZ UND ABSICHT IN LUTHERS ABENDMAHLSLEHRE</head>
        <head type="sub">1923</head>
        <div type="abstract">
          <p>
                        <persName ref="kbga-actors-240">Hermann Kutter</persName><note xml:id="n01">
                            
                                <persName ref="kbga-actors-240">Hermann Kutter</persName>
                        (1863–1931), 1887–1898 Pfarrer in Vinelz (Kanton
                     Bern), 1898–1926 am Zürcher Neumünster.</note>, einem der
                  führenden Männer der schweizerischen religiös-sozialen Bewegung, der auf <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> und
                     <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> großen Einfluß ausgeübt
                     hatte<note xml:id="n02">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-931">Bw.Th. I, S. 536</bibl> (Register). <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> war
                     später als Nachfolger <persName ref="kbga-actors-240">Kutters</persName> (der
                     ihn selbst vorgeschlagen hatte) im <placeName ref="kbga-places-66">Zürcher</placeName> Neumünster-Pfarramt im Gespräch;
                     vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-932">Bw.Th. II, <ref type="pub-" target="4130">S. 337f</ref> 
                               (11.6.1925)</bibl> und <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName>
                     ablehnende Äußerung <bibl corresp="kbga-bibls-932">
                                <ref type="pub-" target="4131">S. 340f.</ref> (13.6.1925)</bibl>.</note>, sollte anläßlich
                  seines 60. Geburtstages am <date when="1923-09-12">12. September 1923</date> das Heft IV von «<orgName ref="kbga-actors-6169">Zwischen den Zeiten</orgName>» gewidmet werden. Bereits am <date when="1923-05-29">29. Mai 1923</date> fragte <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> bei <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> an: «Soll ich für unsre Kutter-Nummer einen Aufsatz über den ‹Ansatz
                  der lutherischen Abendmahlslehre›
                  erstellen? Es wäre vielleicht ein passendes Thema.<note xml:id="n03">Zu stud.
                     theol. <persName ref="kbga-actors-1134">Artur Mettler</persName> (vgl. unten <ref target="../volume/19/p427#fn_n08" type="pub">S. 427, Anm. 8</ref>) sagte <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> über seinen Aufsatz: «Meine historische Arbeit über
                        ‹<persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName> Abendmahlslehre› für
                     unsere Zeitschrift wird das Gelächter der ganzen Welt und das Stirnrunzeln
                     meiner Freunde hervorrufen. Was habe ich auf historischem Boden zu suchen, wird
                     man sagen – und vielleicht hat man damit auch recht. Sachlich ist es zwar
                     durchaus gedeckt: Ich habe nichts gesagt, was nicht aus <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> belegt wäre. (Eine kurze Arbeit von
                     mir mit 200 Anmerkungen! Man wird Kopf stehen.) Aber das beweist ja für das
                     Verständnis bekanntlich noch nichts. Übrigens ist es kein Zufall, daß diese
                     Arbeit gerade im <hi rend="italic">
                                <persName ref="kbga-actors-240">Kutter</persName></hi>-Heft erscheint! (Ich habe sie mit Absicht gerade für
                     diese Nummer ausgewählt.) Für die Leute, die es merken sollten: Dahinter steckt
                        <persName ref="kbga-actors-240">Kutter</persName>! Ob er’s wohl selbst
                     merkt? Früher hätte er sich sicher über diesen Zusammenhang gefreut; aber seit
                     ihm das vom ‹Unmittelbaren› aufgegangen ist, sind ihm seine Pferde
                     davongerannt, und er ist für alles andere blind geworden.» (Mitteilung von Pfr.
                        <persName ref="kbga-actors-1134">A. Mettler</persName>, <placeName ref="kbga-places-105">St. Gallen</placeName>, aus
                     seiner stenographischen Mitschrift vom <date when="1923-07-19">19.7.1923</date>). – Vgl. auch
                     eine Postkarte <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> an <persName ref="kbga-actors-246">Fritz Lieb</persName>
                     vom <date when="1923-06-30">30.6.1923</date> (<ref type="kba-objects-id" target="12245">Original im Karl Barth-Archiv</ref>, Basel): «Ich bin an
                     einer Arbeit über des jungen <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName>
                     Abendmahlslehre für <orgName ref="kbga-actors-6169">Zw. d. Z.</orgName>, von der ich aber noch nicht weiß, ob ich
                     herausbringe, was ich sagen will. Es giebt ein schwerfälliges Ding mit vielen
                     Anmerkungen, wie man es von mir noch nie gesehen hat und das vielleicht vom
                     Volk als Zeichen auch <hi rend="italic">meiner</hi> Verbürgerlichung begrüßt werden
                     wird.»</note> Schreib mir, ob dir das, was du in der Zwingli-Vorlesung<note xml:id="n04">
                            <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>
                     hatte im Wintersemester <date from="1922" to="1923">1922/23</date> vierstündig über «<ref type="pub" target="40001">Die Theologie
                        Zwinglis</ref>» gelesen.</note> darüber
                  gesehen, richtig und wichtig genug erscheint!»<note xml:id="n05"><bibl corresp="kbga-bibls-932">Bw.Th. II, <ref type="pub-" target="../volume/04/p173#p173">S. 173</ref>.</bibl></note>
                  <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> antwortete ihm <pb xml:id="p249" ed="pga"/> am <date when="1923-06-06">6. Juni</date>: «Steure doch ja zum Heft über <persName ref="kbga-actors-240">Kutter</persName>
                  deinen Aufsatz über den ‹Ansatz der lutherischen Abendmahlslehre› bei! Mir waren deine Erwägungen
                  darüber in der Vorlesung viel wert. Es ist ja nicht gesagt, daß alles in diesem
                  Heft Enthaltene eine direkte Beziehung zu <persName ref="kbga-actors-240">Kutter</persName> haben muß.<note xml:id="n06">Der
                     einzige direkt auf den Jubilar Bezug nehmende Aufsatz war dann: <bibl corresp="kbga-bibls-1920"><persName ref="kbga-actors-403">E. Thurneysen</persName>, <hi rend="italic">Hermann Kutter</hi>, in: ZZ, [Jg. 1] 1923, Heft IV, S. 3–13.</bibl></note> Ich wäre froh darüber namentlich auch der damit gegebenen weitern
                  Bearbeitung des Problems Wort – Offenbarung wegen.»<note xml:id="n07"><bibl corresp="kbga-bibls-932">Bw.Th. II, <ref type="pub-" target="4055">S. 174</ref>.</bibl></note> Zeitlich ins Gedränge geraten, teilte <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>
                  dann am <date when="1923-06-18">18. Juni</date> <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> mit: «Eben bin ich dran, meine letzte Predigt ins
                  Reine zu schreiben als Abschlagszahlung an <persName ref="kbga-actors-275">Georg
                     Merz</persName> [= Schriftleiter von <orgName ref="kbga-actors-6169">ZZ</orgName>] für den Fall, daß ich mit [dem]
                     <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> [-artikel] nicht in der
                  vorgesehenen Frist fertig würde.»<note xml:id="n08">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-932">
                                A.a.O., <ref type="pub-" target="../volume/04/p176#p176">S. 176</ref>.</bibl></note> Am <date when="1923-07-15">15. Juli</date>
                  konnte er dann doch vermelden, der Aufsatz sei «heute im Roh-Bau fertig»<note xml:id="n09">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-932">
                                A.a.O., <ref type="pub-" target="4058">S. 179</ref>.</bibl></note> geworden. «Die Sache ist eigentlich nur ein Bruchstück
                  von einem größeren Ganzen, das mir vorschwebt und an dem ich natürlich letztlich
                  nichts Anderes als das Problem der Offenbarung illustrieren möchte.»<note xml:id="n10"><bibl corresp="kbga-bibls-1921">Bw.B., <ref type="pub" target="../volume/01/p017#p017">S. 17</ref> 
                                (9.10.1923).</bibl></note>
               </p>
          <p>Weil man <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> «keine Korrektur mehr zu lesen» gegeben hatte, blieben im Erstabdruck «ein paar dumme Fehler stehen»<note xml:id="n11"><bibl corresp="kbga-bibls-932">Bw.Th. II, <ref type="pub-" target="4065">S. 191</ref> (undatiert; Anfang Oktober 1923).</bibl></note>, deren
                  Berichtigung erst im folgenden Heft V nachgereicht werden konnte.<note xml:id="n12"><bibl corresp="kbga-bibls-1924"><persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName>, <hi rend="italic">Berichtigung</hi>, in: ZZ, [Jg. 2]
                              1924, Heft V, S. 80</bibl>: «Aufmerksame Leser
                     bitte ich, in meinem <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName>-Aufsatz
                     in Heft IV folgende Berichtigungen anzubringen …» Angegeben sind 23 Korrekturen,
                     die im Abdruck in 
                                <bibl corresp="kbga-bibls-954">Th. u. K.</bibl>
                             berücksichtigt worden sind.</note>
               </p>
          <p rend="margin-top">Die zwischen senkrechten Strichen in den Text eingefügte Originalpaginierung ist
                  die des Wiederabdrucks in <bibl corresp="kbga-bibls-954">Th. u. K.</bibl>
                    </p>
        </div>
        <div>
         
            <head>Ansatz und Absicht in Luthers Abendmahlslehre</head>
          <head>I.</head>
          <p>«Ein Christen soll wissen, daß auf Erden kein größeres Heiltum ist, denn Gottes
                  Wort, denn auch <hi rend="italic">das Sakrament selbst durch Gottes Wort</hi>
                  <pb xml:id="p250" ed="pga"/>
                  <hi rend="italic">gemacht</hi> und gebenedeiet und geheiligt wird.»<note xml:id="na" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">22,42 (1522).</bibl><note xml:id="n13">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1955">
                                    <hi rend="italic">Das Hauptstück des ewigen und
                                 neuen Testaments</hi>, WA 10/III,70,28–30.</bibl></note> – Ich zitiere in der Regel nach der <bibl corresp="kbga-bibls-496">Erl.
                     Ausg. 1. Aufl.</bibl><note xml:id="n14">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-496">
                                    <hi rend="italic">Dr. Martin Luther’s sämmtliche
                        Werke</hi>, hrsg. von J. K. Irmischer und J. G. Plochmann, Erlangen 1826ff.</bibl>
                        (in den folgenden Anmerkungen des Hrsg. «E. A.»).</note>, die Bandnummern
                     der deutschen Schriften mit arabischen, die der Op. lat. var. arg. mit
                     römischen Ziffern. Die Sperrungen stammen vor mir. Belanglose orthographische
                     Archaismen habe ich stillschweigend korrigiert.</note> In dem Zusammenhang, in
                  dem <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> dies geschrieben hat, hat
                  der Gedanke <hi rend="italic">zunächst kritische</hi> Bedeutung. Ähnlich steht es in
                  seinen ältern Schriften überhaupt: <hi rend="italic">Nur</hi> durch das Wort Gottes und
                     <hi rend="italic">nicht sonst</hi> ist das Sakrament, was es ist. Nach zwei Seiten
                  hat <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> das geltend gemacht.</p>
          <p>Erstens zur Abwehr der Gleichung zwischen Sakrament und <hi rend="italic">Opfer</hi>.
                  Nicht ein Tun des Menschen für Gott begründet das Sakrament als solches, sondern
                  das im Wort zu einem Zeichen hinzutretende Tun Gottes für den Menschen. «In den
                  Sakramenten handelt, redet, wirkt durch den Priester dein Gott, Christus selbst
                  mit dir, und geschehen da nicht Menschenwerk oder Wort. Da geredt dir Gott selbst
                  alle Ding, die itzt von Christo gesagt sein.»<note xml:id="nb" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">21,266 (1519).</bibl><note xml:id="n15">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1941">
                                    <hi rend="italic">Ein Sermon von der Bereitung zum
                                 Sterben</hi>, WA 2,692,27–29</bibl>.</note></note> «Wenn der Mensch soll mit Gott zu Werk kommen und von ihm etwas empfangen,
                  so muß es also zugehen, daß nicht der Mensch anheb und den ersten Stein lege,
                  sondern Gott allein, ohne alles Ersuchen und Begehren des Menschen, muß zuvor
                  kommen und ihm eine <hi rend="italic">Zusagung</hi> tun. Dasselbe <hi rend="italic">Wort
                     Gottes</hi> ist das erst, der Grund, der Fels, <pb n="27" ed="A"/> darauf sich hernach alle Werk, Wort, Gedanken des
                  Menschen bauen; welches Wort der Mensch muß dankbarlich aufnehmen und der
                  göttlichen Zusagung treulich <hi rend="italic">glauben</hi> und soll nicht daran
                  zweifeln, <hi rend="italic">es sei und gescheh also</hi>, wie er zusagt.»<note xml:id="nc" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">27,144 (1520).</bibl><note xml:id="n16">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1956">
                                    <hi rend="italic">Ein Sermon von dem neuen
                                 Testament, das ist von der heiligen Messe</hi>, WA 6,356,3–10</bibl>: «… und je nit dran
                        zweifeln …».</note></note> Die Messe ist nichts anderes «denn ein Testament und Sakrament, darinnen
                  sich Gott <hi rend="italic">verspricht</hi> gegen uns und gibt Gnad und Barmherzigkeit;
                  so wird sich’s nicht fügen, daß wir ein gut Werk oder Verdienst sollten draus
                  machen. Denn ein Testament ist nicht ein <foreign xml:lang="lat">beneficium acceptum, sed datum,</foreign> es nimmt
                  nicht Wohltat von uns, sondern <hi rend="italic">bringt</hi> uns [Wohltat].» Ein
                  Testament anneh<pb xml:id="p251" ed="pga" break="no"/>men kann doch kein gutes
                  Werk sein? «Man wollt denn das ein gut Werk heißen, daß ein Mensch still hält und
                  läßt ihm wohltun, Essen und Trinken geben, kleiden und heilen, helfen und lösen.»
                  Also «ist hier nicht <foreign xml:lang="lat">officium, sed beneficium,</foreign> kein Werk oder Dienst, sondern
                  allein Genieß oder Gewinst.»<note xml:id="nd" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">Ebendas. 155f.</bibl><note xml:id="n17">
                                    <bibl corresp="kbga-bibls-1956">
                                    a.a.O., 364,17–21.24f.; 365,10f.</bibl>: «… Genieß und Gewinst».</note>; Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-496">V 46f.
                        (1520).</bibl><note xml:id="n18">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1957">
                                    <hi rend="italic">De captivitate Babylonica ecclesiae
                                 praeludium</hi>, WA 6,20ff.</bibl></note></note> Man kann «das hochwürdige Sakrament nicht höher schmähen und schänden,
                  denn daß man es nur für ein gut Werk halte»; es ist «nicht mein, sondern <hi rend="italic">Gottes Werk</hi>, damit ich nur mir dienen lasse und Wohltat empfahe.
                  Darum also weit Gottes und mein Werk voneinander sind, so weit ist auch das
                  voneinander geschieden, daß man dies Sakrament für Gottes Werk und für unser Werk
                     halte.»<note xml:id="ne" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">11,181 (1523)</bibl>.<note xml:id="n19">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1958">
                                    <hi rend="italic">Ain schöne Predig von
                                 empfahung des hailigen Sacramenti</hi>, WA 12,479,5f.8–11</bibl>; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-2041">
                                    WA 10/I,2,218.</bibl></note></note> Wohl hat <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> gelegentlich
                  den Versuch gemacht, den Opfergedanken <hi rend="italic">umzudeuten</hi>, statt zu
                  beseitigen. Wir sollen «opfern»; «<foreign xml:lang="lat">animam vacuam et esurientem</foreign>»<note xml:id="nf" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">II
                     314 = 17,55 (1518).</bibl><note xml:id="n20">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2046">
                                    <hi rend="italic">Sermo de digna praeparatione
                                 cordis pro suscipiendo sacramento eucharistiae</hi>, WA 1,330,11</bibl>: «<foreign xml:lang="lat">Quarto oportet, ut
                        animam vacuam et esurientem offeras …</foreign>» Der Wortlaut der deutschen
                        Übersetzung, wie <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> ihn nach <bibl corresp="kbga-bibls-496">E. A. («Predigt über die Epistel am grünen
                        Donnerstage, von der würdigen Bereitung zu dem hochwürdigen Sacrament»)</bibl>
                        wiedergibt, geht nicht auf <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName>
                        selbst zurück und ist darum in WA nicht enthalten (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-2046">
                                    WA 1,323).</bibl></note></note> oder: «uns selbst und alles, was wir haben, mit fleißigem Gebet», «Lob und
                  Dank». Aber gerade an der letztern Stelle wird es klar, daß die Umdeutung auf eine
                     <hi rend="italic">Beseitigung</hi> hinausläuft. Denn dieses Opfer sollen wir «nicht
                  durch uns selbst fürtragen vor Gottes Augen, sondern auf Christum legen und ihn
                  lassen dasselbe fürtragen», der «für uns bittet im Himmel, unser Gebet und Opfer
                  empfahet und durch sich selber, als ein frommer Pfaffe, vor Gott angenehm macht»,
                  so daß «wir nicht <hi rend="italic">Christum</hi>, sondern Christus <hi rend="italic">uns</hi>
                  <pb n="28" ed="A"/> opfert»<note xml:id="ng" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">27,160f. (1520).</bibl><note xml:id="n21">«Drumb sollen wir des Worts,
                        Opfer, wohl wahrnehmen, daß wir nit vormessen, etwas Gott zu geben in dem
                        Sacrament, so er uns darinnen alle Dingk gibt. Wir sollen geistlich opfern,
                        dieweil die leiblichen Opfer abgangen, und in Kirchen, Klöster, Spetal Güter
                        vorwandelt sein; was sollen wir denn opfern? uns selb, und Allis, was wir
                        haben mit fleißigem Gebet …; darzu ihm Lob und Dank opfern, aus ganzem
                        Herzen …» <bibl corresp="kbga-bibls-1956">
                                    <hi rend="italic">Ein
                                 Sermon von dem neuen Testament</hi> …, WA 6,368,1–6.81.27f.32–34;369,3f.</bibl></note></note>. Daß bei der Messe nach <pb xml:id="p252" ed="pga"/> Christi Vorbild
                  gebenedeit und gedankt wird, das heißt «<foreign xml:lang="lat">testari, sese accipere vel accepisse a
                  Deo, non autem offerre Deo</foreign>»<note xml:id="nh" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">VI 154 = 28,72 (1521/22).</bibl><note xml:id="n22">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2047">
                                    <hi rend="italic">De abroganda missa privata Martini Lutheri sementia</hi> (1521), 
                                    WA 8,438,5</bibl> –<bibl corresp="kbga-bibls-2045">
                                    <hi rend="italic">Vom Mißbrauch der Messe</hi>
                                 (1521), WA 8,513,20f.</bibl>; <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Angabe 
                              «<date when="1522">1522</date>» bezieht sich auf
                        das Erscheinungsjahr der deutschen Übersetzung, der der lateinische Text von
                           <date when="1521">1521</date> zugrunde liegt.</note></note>.</p>
          <p>Die zweite Abwehr, die durch den Verweis auf das Wort Gottes vollzogen wird,
                  richtet sich gegen die Gleichung von Sakrament und <hi rend="italic">sakramentalem
                     Element</hi>. Kein sakramentaler Charakter eines Elementes begründet das
                  Sakrament als solches, sondern das zum Element hinzutretende Wort. «<foreign xml:lang="lat">Si […] verbum
                  … capere non potes, sacramenta quoque non capias, absque verbo enim essent et
                  nulla quoque essent sacramenta.</foreign>»<note xml:id="ni" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">III 428 = 11,161 (1524?).</bibl><note xml:id="n23">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-496">
                                    <hi rend="italic">Sermon von der
                           Beichte und dem Sacrament</hi> (unter diesem Titel nur in E. A.</bibl>; vgl.
                           <bibl corresp="kbga-bibls-2049">
                                    WA 15,438ff.</bibl>), <bibl corresp="kbga-bibls-2049">
                                    WA 15,490,24–26</bibl>; die lateinische
                        Übersetzung (<bibl corresp="kbga-bibls-496"><hi rend="italic">Concio de confessione et
                                 Sacramento eucharistiae</hi>, E. A. III, 419–442</bibl>)
                        wurde wegen Zweifel an der Autorschaft <persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName> nicht in die WA aufgenommen (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-2049">
                                    WA 15,438–440</bibl>). <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Angabe «<date when="1524">1524</date>?» hat ihren Grund
                        wohl darin, daß der lateinische Text der E. A. mit <date when="1519">1519</date>, der
                        deutsche mit <date when="1524">1524</date> datiert ist.</note></note> «Wo … nicht das Wort Gottes bei dem Brod<note xml:id="n24">In den früheren
                     Drucken: «Blut»; Korrektur von <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> in seinem Handexemplar von <bibl corresp="kbga-bibls-954">Th. u. K.</bibl></note> und Wein wäre, möchte es keine geistliche Speise sein, noch den Glauben
                  üben. Darum ist es allenthalben einerlei Speise und Trank geistlich, <hi rend="italic">worin Gott sein Wort und Zeichen setzt</hi>, es sei wie äußerlich und leiblich
                  es wolle; und wenn Gott mich hieße einen Strohhalmen aufheben, so wäre alsbald an
                  dem Strohhalmen geistliche Speise und Trank; nicht um des Strohhalmen willen,
                  sondern um des Wortes und Zeichens willen göttlicher Wahrheit<note xml:id="nj" type="original">Sinngemäß ist zu umschreiben: «weil er durch das Wort ein Zeichen göttlicher
                     Wahrheit … ist.»</note> und Gegenwärtigkeit. Wiederum, <hi rend="italic">wenn Gottes
                     Wort und Zeichen nicht da ist, oder nicht erkennet wird, so hilft’s nicht, wenn
                     Gott gleich selbst da wäre</hi>; gleich wie Christus von sich selbst sagt <ref type="can" subtype="bible" target="Joh.6.63">Joh. 6,63</ref> ‹Das Fleisch ist
                  kein nütze›, weil sie nicht auf die <hi rend="italic">Worte</hi> achten, wie er in
                  seinem Fleische redet, welche <hi rend="italic">Worte</hi> machen seinen Leib zur
                  rechten Speise … Also muß man nicht so fast achten auf die Werke<note xml:id="n25">In den früheren Drucken: «Worte»; Korrektur nach <bibl corresp="kbga-bibls-496">E. A.</bibl></note>, Zeichen <pb xml:id="p253" ed="pga"/> und Wunder Gottes (wie die blinde Vernunft tut), als
                  auf die <hi rend="italic">Worte</hi> Gottes in denselbigen, wie der Glaube tut.» Ohne
                  das Wort sind die «Zeichen und Werke» Gottes entweder gar nicht da, «oder so sie
                  gleich da sind und ohne Wort allein mit den Augen angesehen werden, sperren sie
                  nur das Maul auf und machen ein zeitlich Verwundern wie alle andern neuen Dinge»,
                     <pb n="29" ed="A"/> ohne den Glauben zu fördern.<note xml:id="nk" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">8,94.96 (1525).</bibl><note xml:id="n26">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2050">
                                    <hi rend="italic">Fastenpostille 1525. Epistel
                                 des Sonntags Septuagesime. 1. Corinth. 9.</hi>, WA 17/II,132,13–29; 133,31–34.</bibl></note></note> Auch das Umgekehrte kann gelegentlich gesagt werden: daß Christus, der
                  wahrhaftig dies Brot ist, nicht zu genießen ist, «<hi rend="italic">Gott mach ihn denn
                     zu Worten</hi>, daß du ihn hören und also erkennen kannst. Denn daß er im
                  Himmel sitzt oder unter des Brots Gestalt ist, was hilft dir das? Er muß
                  zerteilet, angericht und zu Worten werden durch (!) das innerlich und äußerlich
                     Wort.»<note xml:id="nl" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">21,206 (1518).</bibl><note xml:id="n27">
                        <bibl corresp="kbga-bibls-2051">
                        <hi rend="italic">Auslegung deutsch
                        des Vaterunsers für die einfältigen Laien</hi>, WA 2,113,37–40.</bibl></note></note> Also auch unter diesem Gesichtspunkt! Das <hi rend="italic">Wort</hi> macht das
                  Sakrament zu <hi rend="italic">Worten</hi>, d. h. zum wirklichen Sakrament. «Tausend
                  mal mehr» liegt an den Worten als an den «Gestalten» des Sakraments, und ohne sie
                  ist es «ein Spott für Gott»<note xml:id="nm" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">28,305 (1522).</bibl><note xml:id="n28">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2052">
                                    <hi rend="italic">Von
                                 beider Gestalt des Sakraments zu nehmen</hi>, WA 10/II,29,21–24.</bibl></note></note>, «eitel Gebertlein und Geberden»<note xml:id="nn" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">28,374 (1522).</bibl><note xml:id="n29">«Denn wo das nicht da wäre, so
                        wäre das ander Gebertle und Geberden.» <bibl corresp="kbga-bibls-2053">
                                    <hi rend="italic">Antwort deutsch auf König Heinrichs
                                 Buch</hi>, WA 10/II,251,28.</bibl></note></note>, «ein Leib ohne Seele, ein Faß ohne Wein, eine Truhe ohne Geld, eine Figur
                  ohne Erfüllung, ein Buchstabe ohne Geist, eine Scheide ohne Messer»<note xml:id="no" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">27,153f. (1520).</bibl><note xml:id="n30">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1956">
                                    <hi rend="italic">Ein Sermon von dem neuen Testament …</hi>, WA 6,363,14f.</bibl>: «…
                              ein Tasch ahn Geld …».</note></note>. «Die Worte gehören in die Ohren, die Zeichen in den Mund»<note xml:id="np" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">22,39 (1522).</bibl><note xml:id="n31">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1955">
                                    <hi rend="italic">Das Hauptstück des ewigen und neuen Testaments</hi>, 
                                    WA 10/III,68,29f.</bibl></note></note> oder: «Die Worte sein göttlich Gelübd, Zusagung und Testament. Die Zeichen
                  sein Sakrament, d.i. heilige Zeichen»<note xml:id="nq" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">27,153 (1520).</bibl><note xml:id="n32">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1956">
                           <hi rend="italic">Ein Sermon von dem neuen Testament …</hi>, WA 6,363,4–6.</bibl></note>
                     <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> machte um diese Zeit
                     vorübergehend Miene, den Begriff «Sakrament» überhaupt zu ersetzen durch
                     «Testament» (= Messe = Wort + Zeichen) bzw. unter «Sakrament» nur das heilige
                     Zeichen für sich zu verstehen, das eben nach seinem frühern und spätern
                     Sprachgebrauch gerade <hi rend="italic">nicht</hi> Sakrament ist.</note>, und die
                  Folgerung lautet <pb xml:id="p254" ed="pga"/> in den beiden letzten Stellen: es
                  liegt «viel mehr an den Worten denn an den Zeichen». «Wo die Predigt nicht hätt
                  sollt sein, hätt er die Meß nimmermehr eingesetzt.»<note xml:id="nr" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">Ebendas. 167</bibl>.<note xml:id="n33">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1956">A.a.O.,
                                 WA 6,373,31f.</bibl></note></note> Woraus weiter folgt: «Die Zeichen mögen wohl nicht sein, daß dennoch der
                  Mensch die Worte habe und also <hi rend="italic">ohne Sakrament, doch nicht ohne
                     Testament selig werde</hi>.»<note xml:id="ns" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">Ebendas. 153.</bibl><note xml:id="n34">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1956">
                                    A.a.O., WA 6,363,7–9.</bibl></note> «<foreign xml:lang="lat">Potest homo verbum
                     seu testamentum habere et eo uti absque signo seu testamento</foreign>» <bibl corresp="kbga-bibls-496">V 43 (1520).</bibl><note xml:id="n35">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1957">
                                    <hi rend="italic">De captivitate Babylonica …</hi>, WA 6,518,18f.</bibl></note> «Das Zeichen
                     können wir entbehren, der Wort aber können wir nicht geraten» 
                     <bibl corresp="kbga-bibls-496">22,39 (1522).</bibl><note xml:id="n36">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1955">
                                    <hi rend="italic">Das Hauptstück des ewigen und neuen Testaments</hi>, 
                                    WA 10/III,68,31f.</bibl></note></note> Mit dieser Erwägung, daß am Wort mehr gelegen sei als am Zeichen, hat <pb n="30" ed="A"/>
                  <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> damals seine gewisse
                     Gleichgültigkeit<note xml:id="nt" type="original">«Wie wohl nicht viel dran gelegen ist … Nicht
                     daß ich drum einen Aufruhr wollt anheben»<bibl corresp="kbga-bibls-496"> 27,168</bibl><note xml:id="n37">«Darnach
                        haben sie uns die eine Gestalt des Weins gar genommen; wiewohl nicht viel
                        dran gelegen ist: denn es mehr an den Worten, dann am Zeichen gelegen ist …
                        Nit, daß ich drumb wollt einen Aufruhr anheben; denn mir an dem Wort mehr
                        Macht liegt, denn an dem Zeichen …» <bibl corresp="kbga-bibls-1956">
                                    <hi rend="italic">Ein Sermon von dem neuen
                              Testament …</hi>, WA 6,374,20–22.30–32.</bibl></note>; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-496">V 29 (1520</bibl><note xml:id="n38">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1957">
                                    <hi rend="italic">De captivitate
                                 Babylonica …</hi>, WA 6,507,21–27.</bibl></note>. Dieser nach <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> selbst so unwesentliche Punkt wäre
                        nach <persName ref="kbga-actors-4042">
                                <hi rend="italic">K. Goetz</hi></persName> «der sicherste Vorzug» seiner Lehre vor der
                        Scholastik.<note xml:id="n39">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1925">
                                    <persName ref="kbga-actors-4042">K. G. Goetz</persName>, <hi rend="italic">Die
                                 Abendmahlsfrage in ihrer geschichtlichen Entwicklung. Ein Versuch
                                 ihrer Lösung</hi>,
                              Leipzig 1904, S. 44</bibl>:
                        «Eine unbestreitbare Rückkehr hingegen zum geschichtlich Ursprünglicheren
                        ist es schließlich gewesen, daß <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> auf Grund des deutlichen, klaren Befehles Christi wie
                        der geistlichen Bedeutsamkeit der Sache den Genuß des Abendmahles unter
                        beider Gestalt wieder verlangt und eingeführt hat. Das ist wohl der
                        sicherste Vorzug in <persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName> Lehre
                        vom Abendmahlssakrament vor der Scholastik und geschichtlich wertvoller als
                        die stärkere Betonung von Testament und Sündenvergebung.»</note></note> gegenüber der die Zeitgenossen bewegenden Frage des <hi rend="italic">Laienkelches</hi> begründet. Die Hussiten «tun nicht recht, daß sie meinen, es
                     <hi rend="italic">muß</hi> also sein». Kann man doch ebensogut wie nur <hi rend="italic">eine</hi> auch <hi rend="italic">gar keine</hi> Gestalt des Sakraments empfangen,
                  «wie etlich Altväter in der Wüstenei getan»<note xml:id="nu" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">27,73.72 (1520).</bibl><note xml:id="n40">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2054"><hi rend="italic">Verklärung D. Martin Luthers etlicher Artikel in seinem Sermon von dem heiligen Sakrament</hi>, WA 6,80,4f.; 79,34.</bibl></note></note>. Noch in seiner ersten gegen die Signi<pb xml:id="p255" ed="pga" break="no"/>fikatisten gerichteten Abendmahlsschrift wiederholt <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName>, «daß am Sakrament das fürnehmste und
                  Hauptstück sei das Wort Christi», daß «weit mehr an diesen Worten gelegen ist,
                  denn am Sakrament selbst», daß «hoch von nöthen» wäre, «daß man die Leut wieder
                     von<note xml:id="n41">In den früheren Drucken irrtümlich: «in»; Korrektur nach
                     <bibl corresp="kbga-bibls-496">E. A.</bibl></note> dem Sakrament führet auf die Wort»<note xml:id="nv" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">28,390f. (1523).</bibl><note xml:id="n42">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2055">
                                    <hi rend="italic">Vom Anbeten des Sakraments des
                                 heiligen Leichnams Christi</hi>, WA 11,432,10f.; 433,3f.</bibl></note></note>.</p>
          <p>Man würde sich schwer täuschen, wenn man <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> auf Grund dieser kritischen Verwendung des Begriffes «Wort»
                  auf dem Wege einer mystisch-spiritualistischen Aufhebung des Begriffes «Sakrament»
                  sehen wollte. Kritik und Negation ist nur bei theologischen Dilettanten eins und
                  dasselbe. Negativ war weder die Unterscheidung zwischen Sakrament und Wort noch
                  die zwischen Sakrament und sakramentalem Zeichen gemeint. Viel zu sinnreich ist
                  die Unterscheidung, als daß sie nicht voll heimlicher Ineinssetzung wäre. Dem
                  Kontrast zwischen Wort Gottes und sakramentalem Tun und Zeichen läuft parallel der
                  andere Kontrast zwischen Wort Gottes und <hi rend="italic">Werk</hi> Gottes, Zusagung
                  und <hi rend="italic">Sein und Geschehen</hi>, Versprechen und <hi rend="italic">Geben</hi>,
                  Wohltat bringen und <hi rend="italic">Wohltat annehmen</hi><note xml:id="nw" type="original">Vgl. oben bei <ref type="pub" target="#fn_nb">Anm. b-e</ref>.</note>, zwischen dem «Strohhalmen», den
                  Gott uns aufheben heißen könnte, und dem, was er dann kraft dieses Wortes als
                  Zeichen «göttlicher Wahrheit und Gegenwärtigkeit» <hi rend="italic">wäre</hi>.<note xml:id="nx" type="original">Vgl. oben bei <ref type="pub" target="#fn_nj">Anm. j-k</ref>. <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> wird später von diesem Bilde folgenden Gebrauch machen:
                     «Wenn er gleich nur einen Strohhalm reichet und solche Wort spräche, <hi rend="italic">sollt ichs glauben</hi>» 29,341 (<date when="1526">1526</date>).<note xml:id="n43">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2058">
                                    <hi rend="italic">Sermon von dem Sakrament des Leibes und Blutes Christi, wider die
                                 Schwarmgeister</hi>, WA 19,496,17f.</bibl></note> Und auf dem <placeName ref="kbga-places-1000">Marburger Schloß</placeName>
                        <date when="1529">1529</date>, das Bild noch pointierend: «Wenn der Herr mir Holzöpfel
                     fürleite und hieße mich nehmen und essen, <hi rend="italic">söllt ich nit fragen:
                        warum?</hi>» (<bibl corresp="kbga-bibls-1926">Zwinglis Werke, ed.
                     Schul. und Schulth. II 3,48).</bibl><note xml:id="n44">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1926">
                                    <hi rend="italic">Das Religionsgespräch zu Marburg</hi>, in: <hi rend="italic">Huldreich
                                    Zwingli’s Werke</hi>, hrsg. von M. Schuler, Bd. II/3,
                                 Zürich 1841, S. 48 (nicht in
                              CR).</bibl></note></note> Dieser <hi rend="italic">zweite</hi>
                  <pb n="31" ed="A"/> Kontrast weist offenbar hin auf seine eigene
                  Überwindung. Sollte nun der <hi rend="italic">erste</hi> Kontrast zwischen (demselben!)
                  Wort und dem sakramentalen Tun und Zeichen (das ja selber jenen zweiten Kontrast
                  darstellt und verkündigt!) an dem Ausblick auf diese Überwindung nicht teilnehmen?
                  Sollte für <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> in dem augustinischen Kanon «<foreign xml:lang="lat">Accedit verbum ad
                  elementum et <pb xml:id="p256" ed="pga"/> fit sacramentum»</foreign><note xml:id="n45">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-1602">
                                <persName ref="kbga-actors-14">A. Augustinus</persName>, <hi rend="italic">In Ioannis evangelium</hi>, Tractatus 80, 3, MPL 35, 1840</bibl>: «<foreign xml:lang="lat">Accedit verbum ad elementum et fit
                     sacramentum, etiam ipsum tanquam visibile verbum.</foreign>»</note> das «<foreign xml:lang="lat">et fit</foreign>» nicht
                  wahrer und wichtiger gewesen sein als das kritische «<foreign xml:lang="lat">accedit</foreign>»?</p>
          <p>Eine weitere Reihe von Beobachtungen zeigt nun, daß <persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName> Gedanken über das Wort im Abendmahl in
                  der Tat in dieser Richtung gelaufen sind und laufen mußten. Es fällt zunächst auf,
                  daß an vielen der genannten Stellen statt vom «Wort» von den «Worten» die Rede
                  ist. Diese «Worte» sind aber, dafür bedarf es keines Beleges, die Einsetzungsworte Christi
                  beim Abendmahl nach der Relation der Synoptiker und des <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName>. Diese <hi rend="italic">geschriebenen</hi> Worte Gottes machen das Abendmahl zum <hi rend="italic">kräftigen</hi> Wort, zum <hi rend="italic">Wort und
                           Werk</hi> Gottes, zum <hi rend="italic">wirklichen</hi>
                     Sakrament.<note xml:id="ny" type="original">Oder im Sinn jenes zeitweilig veränderten
                     Sprachgebrauchs (vgl. oben <ref type="pub" target="#fn_nq">Anm. q</ref>): zum eröffneten und vollzogenen <hi rend="italic">Testament</hi>.</note> Hier wird <persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName> Position sichtbar, von der aus allein die vorhin
                  entwickelte Kritik verständlich ist: «Ich aber setze wider aller Väter Sprüch,
                  wider aller Engel, Menschen, Teufel Kunst und Wort die <hi rend="italic">Schrift</hi>
                  und das <hi rend="italic">Evangelium</hi>, darinnen die Meß klärlich erkennet wird, daß
                  sie ein <hi rend="italic">Wort und Werk</hi> Gottes sei, darinnen uns Gott verheißet
                  und zeichnet seine Gnade. Hie stehe ich, hie trotze ich, hie stolziere ich und
                  sage: <hi rend="italic">Gottes Wort</hi> ist mir über alles, göttliche Majestät stehet
                  bei mir, darum gebe ich nicht ein Haar drauf, wenn 1000 <persName ref="kbga-actors-14">Augustinus</persName>, 1000 Heinzen Kirchen dazu, wider
                  mich wären, und bin gewiß, daß die rechte Kirche mit mir hält an Gottes Wort und
                  läßt Heinzen Kirche an Menschenworten hängen.»<note xml:id="nz" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">28,379 (1522).</bibl><note xml:id="n46">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2053">
                                    <hi rend="italic">Antwort deutsch auf König
                                 Heinrichs Buch</hi>, WA 10/II,256,26–34.</bibl></note></note> Es hat eben mit <hi rend="italic">diesen</hi> geschriebenen Worten Gottes <pb n="32" ed="A"/> eine besondere Bewandtnis: in ihnen «<foreign xml:lang="lat">testatur
                  remissionem peccatorum donari omnibus, qui credunt, corpus eius tradi et sanguinem
                  eius fundi pro se</foreign>»<note xml:id="naa" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">V 42 (1520).</bibl><note xml:id="n47">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1957">
                                    <hi rend="italic">De
                                 capativitate Babylonica …</hi>, WA 6,517,35f.</bibl></note></note>. Sie enthalten <hi rend="italic">die</hi> «Zusagung» (<foreign xml:lang="lat">promissio</foreign>), in der
                     <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName>
                  <hi rend="italic">das</hi> Wort Gottes erkennt. Um dieses ihres spezifischen <hi rend="italic">Inhalts</hi> willen erklärt er, die ganze christliche Verkündigung sei
                  nichts anderes als eine Explikation der Abendmahlsworte: «Die <hi rend="italic">Predigt</hi> soll nichts anderes sein, denn Verklärung der Worte Christi, da
                  er sagt: Das <pb xml:id="p257" ed="pga"/> ist mein Leib … Was ist das ganze <hi rend="italic">Evangelium</hi> anders denn eine Verklärung dieses Testaments?»<note xml:id="nab" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">27,167</bibl><note xml:id="n48">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1956">
                                    <hi rend="italic">Ein Sermon von dem neuen
                              Testament …</hi>, WA 6,374,1–4.</bibl></note>; vgl. V 54 («<foreign xml:lang="lat">conciones populares non
                     aliud […] quam expositiones missae, i. e. declarationes promissionis huius
                        testamenti</foreign>»)<note xml:id="n49">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1957">
                                    <hi rend="italic">De captivitate Babylonica …</hi>, WA 6,526,1f.: «… aliud …
                        non …».</bibl></note> und <bibl corresp="kbga-bibls-496">20,232</bibl><note xml:id="n50">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2061">
                                    <hi rend="italic">Von den guten Werken</hi>,
                                 WA 6,231,16f.</bibl></note> (alles
                        <date when="1520">1520</date>); ferner <bibl corresp="kbga-bibls-496">VI 168 = 28,87 (1521/22)</bibl><note xml:id="n51">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2047">
                                    <hi rend="italic">De
                                 abroganda missa privata …</hi> (1521), WA 8,447,6ff.</bibl> – <bibl corresp="kbga-bibls-2045">
                                    <hi rend="italic">Vom Mißbrauch der
                                 Messe</hi> (1521), WA 8,524,22ff.</bibl>; zur Datierung vgl. oben <ref type="pub" target="#fn_n22">Anm. 22</ref>.</note></note> «<foreign xml:lang="lat">Hoc enim esset fidem docere et vere ecclesiam aedificare.</foreign>»<note xml:id="nac" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">V 54.</bibl><note xml:id="n52">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1957">
                                    <hi rend="italic">De captivitate Babylonica …</hi>, WA 6,526 2s.</bibl></note></note> Was kann dann aber die Messe, das sakramentale Tun und Zeichen, auf das
                  sich ja diese Worte Christi beziehen, sein, wenn nicht das in der Predigt zu
                  explizierende Testament <hi rend="italic">selbst</hi>, die höchst leibhaftige <hi rend="italic">Erfüllung</hi> jener Verheißungsworte? Daher offenbar die
                  Gleichsetzung Messe = <hi rend="italic">Neues Testament</hi> im Titel der wichtigen
                  Schrift von <date when="1520">1520</date><note xml:id="nad" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">27,139ff.</bibl><note xml:id="n53">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1956">
                                    <hi rend="italic">Ein Sermon von dem neuen
                                 Testament, das ist von der heiligen Messe</hi>
                                 (1520), WA 6,349–378.</bibl></note></note> oder die Bezeichnung der Messe als «Das <hi rend="italic">Hauptstück</hi> des
                  ewigen und neuen Testamentes» im Titel einer anderen von <date when="1522">1522</date><note xml:id="nae" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">22,38ff.</bibl><note xml:id="n54">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1955">
                                    WA 10/III,68–71.</bibl></note></note>. «<hi rend="italic">Diese Worte</hi>» sind Sinn und Inhalt der Messe. «<foreign xml:lang="lat">Dixi,
                  totam virtutem missae consistere <hi rend="italic">in verbis</hi> Christi.</foreign>»<note xml:id="naf" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">V 42 (1520).</bibl><note xml:id="n55">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1957">
                                    <hi rend="italic">De captivitate
                                 Babylonica …</hi>, WA 6,517,34.</bibl></note></note> «Wollen wir recht Meß halten und verstehen, so müssen wir alles fahren
                  lassen, was die Augen und alle Sinne in diesem Handel mögen zeigen …, bis daß wir
                  zuvor <hi rend="italic">die Wort</hi> Christi fassen und wohl bedenken, damit er die
                  Meß vollbracht und eingesetzt und uns zu vollbringen befohlen hat. Denn darinnen
                  liegt die Meß ganz, mit all ihrem Wesen, Werk, Nutz und Frucht, ohn welchen nichts
                  von der Meß empfangen wird.»<note xml:id="nag" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">27,144 (1520).</bibl><note xml:id="n56">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1956">
                                    <hi rend="italic">Ein
                                 Sermon von dem neuen Testament …</hi>, WA 6,355,21–28.</bibl></note></note> «Also willst du das Sakrament und Testament würdig empfangen, sieh zu, daß
                  du <hi rend="italic">diese lebendigen Worte</hi> Christi fürbringest, drauf du dich
                  bauest mit starkem Glauben <pb n="33" ed="A"/> und begehrest, was
                  dir Christus darinnen zugesagt hat: so wird dirs, <pb xml:id="p258" ed="pga"/> so
                  bist du sein würdig und wohl bereit.» Es gilt hier, <hi rend="italic">den Worten</hi>
                  Christi zu glauben und sie wahr sein zu lassen, alles liegt an ihnen, «die man
                  fürwahr sollt mit Gold und eitel Edelgestein fassen und nichts fleißiger vor den
                  Augen des Herzens haben»<note xml:id="nah" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">Ebendas. 151 und 150.</bibl><note xml:id="n57">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1956">A.a.O., WA 6,361,7–11; 360,30f.</bibl></note> «In Kraft
                  und Bedenken desselben Worts» soll der Mensch «das Sakrament empfangen und ja
                  nicht daran zweifeln, es geschehe ihm nach Laut und Inhalt <hi rend="italic">derselben Wort</hi> Christi» <bibl corresp="kbga-bibls-496">17,69 (1521).</bibl><note xml:id="n58">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2056">
                                    <hi rend="italic">Sermon von der würdigen Empfahung des heiligen wahren Leichnams Christi,
                  gethan am Gründonnerstag</hi>, WA 7,695,29–31.</bibl></note> «Wer zu diesem hochw[irdigen]
                     Sakr[ament] will gehen, der sehe zu, daß er <hi rend="italic">diese Wort</hi>
                     mitbring» <bibl corresp="kbga-bibls-496">22,40 (1522).</bibl><note xml:id="n59">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1955">
                                    <hi rend="italic">Das Hauptstück des ewigen und
                                 neuen Testaments</hi>, WA 10/III,69,13f.</bibl></note></note>. So sehr liegt <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> alles an
                  «den Worten», daß er das Abendmahl geradezu mit ihrem Inhalt identifizieren kann:
                  «<foreign xml:lang="lat">Vides ergo, quod <hi rend="italic">missa</hi> … sit <hi rend="italic">promissio</hi>
                  remissionis peccatorum, <hi rend="italic">a Deo nobis facta</hi>, et talis promissio,
                  quae per mortem filii Dei <hi rend="italic">firmata</hi> sit.</foreign>»<note xml:id="nai" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">V 37 (1520).</bibl><note xml:id="n60">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1957">
                                    <hi rend="italic">De captivitate Babylonica …</hi>, WA 6,513,34–36.</bibl></note></note> Diese <hi rend="italic">Zusage</hi> ist es, die das Sakrament (das neu- und
                  alttestamentliche) zum Sakrament macht, im Gegensatz zu einer bloßen «Figur». Gott
                  sagt zu, «daß, wer ihn habe, dies und das haben soll»<note xml:id="naj" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">24,66 (1521).</bibl><note xml:id="n61">«Das ist wohl wahr, die Figuren des alten Testaments gaben kein Gnade; aber die heißen nit Sakrament, wie sie
                  meinen, dann in den Figuren war kein Wort oder Zusagung Gottis; wilchs sein
                  muß, wo ein Sacrament sein soll: sondern ware bloße Figuren oder Zeichen.
                  Gleichwie noch itzt leiblicher Schmuck und Lust ist ein bloß Figur oder
                  Zeichen, darinn kein Wort oder solch Zusagen ist von Gott, daß, wer ihn
                  habe, dieß oder das haben soll …» <bibl corresp="kbga-bibls-2057">
                                    <hi rend="italic">Grund und Ursach aller Artikel D. Martin Luthers, so durch
                  römische Bulle unrechtlich verdammt sind</hi>, WA 7,326,23–29.</bibl></note> In dem latein. Grundtext dieser Schrift von <date when="1520">1520</date>
                     <hi rend="italic">fehlt</hi> (V 168) dieser Passus.<note xml:id="n62">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-2062">
                                    <hi rend="italic">Assertio omnium articulorum M. Lutheri per bullam Leonis X. novissimam damnatorum</hi>, WA 7,102.</bibl></note> Die Übersetzung stammt aber von <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> selbst und war bewußt eine Verbesserung (V 155).<note xml:id="n63">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-2062">
                                    a.a.O.</bibl>,
                        wo in der Einleitung des Hrsg. zur «Assertio» aus Briefen <persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName> an <persName ref="kbga-actors-4166">Spalatin</persName> vom <date when="1521-01-16">16.1.</date> («<foreign xml:lang="lat">Tu ne
                        iudices eam asperam, vernacula erit planior et simplicior</foreign>»; <bibl corresp="kbga-bibls-19">
                                    WA.Br. 2,249,9f.</bibl>) und <date when="1521-01-21">21.1.1521</date> («<foreign xml:lang="lat">melior est quam sit
                        latina</foreign>»; <bibl corresp="kbga-bibls-19">
                                    WA.Br. 2,251,8</bibl>) zitiert wird, in denen er
                        sich allgemein über das Verhältnis der lateinischen zur (späteren) deutschen
                        Fassung äußert.</note> – Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-496">V 63 (1520).</bibl><note xml:id="n64">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1957">
                                    <hi rend="italic">De
                                 captivitate Babylonica …</hi>, WA 6,532,19ff.</bibl></note></note>. Der Begriff «Testament», der für <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> um <date when="1520">1520</date> so wichtig wird, fügt sich nach einer spätern
                  knappen Formulierung folgendermaßen in diesen <pb xml:id="p259" ed="pga"/>
                  Zusammenhang: «<foreign xml:lang="lat">Testator Christus est moriturus, <hi rend="italic">verba testamenti</hi>
                  sunt, quae nunc verba consecrationis vocant. Hereditas est remissio peccatorum in
                  testamento promissa. Heredes sunt omnes qui credunt.</foreign>» Diese <hi rend="italic">vier</hi>
                  «<foreign xml:lang="lat">integrant testamentum</foreign>»<note xml:id="nak" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">VI 164 = 28,83 (1521/22)</bibl><note xml:id="n65">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2047">
                                    <hi rend="italic">De abroganda missa privata …</hi>
                                 (1521), WA 8,444,21–24.19–21</bibl>: «<foreign xml:lang="lat">Quatuor ergo integrant testamentum, testator,
                        verbum vel codex nuncupationis et promissionis, hereditas, heredes, quae in
                        hoc testamento videamus.</foreign>» – <bibl corresp="kbga-bibls-2045">
                                    <hi rend="italic">Vom Mißbrauch der Messe</hi> (1521),
                                 WA 8,521,20–24.18–20;</bibl> zur
                        Datierung vgl. oben <ref type="pub" target="#fn_n22">Anm. 22</ref>.</note>; breiter ausgeführt schon in <bibl corresp="kbga-bibls-496">27,145ff.</bibl><note xml:id="n66">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1956">
                                    <hi rend="italic">Ein Sermon von dem neuen Testament …</hi>,
                                 (1520), WA 6,356,20ff.</bibl></note>. Vgl. auch <bibl corresp="kbga-bibls-496">V 37 (1520).</bibl><note xml:id="n67">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1957">
                                    <hi rend="italic">De
                                 captivitate Babylonica …</hi>, WA 6,513,34–36.</bibl></note></note>. Die «<hi rend="italic"><foreign xml:lang="lat">verba testamenti</foreign></hi>» sind nach dieser
                  Begriffserklärung <persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName> selbst nicht
                  das <hi rend="italic">ganze</hi> «Testament»: sie weisen nach rückwärts, zurück auf den
                  Testator, nach vorwärts hin auf Erbgut und Erben. Es wird und kann also nicht
                  dabei bleiben, daß das als Testament verstandene Sakrament etwa nur «<foreign xml:lang="lat">promissio</foreign>»
                  wäre! Der Nachdruck ist nun auch auf die andre Seite zu verlegen: «<hi rend="italic">Diese Worte</hi>» sind <hi rend="italic">Sinn</hi> und <hi rend="italic">In</hi>
                        <pb n="34" ed="A"/>
                        <hi rend="italic">halt</hi> der Messe, sie <hi rend="italic">machen</hi> das Sakrament. Sie bedürfen nämlich (um unsretwillen!)
                  einer <hi rend="italic">Bekräftigung</hi> dessen, was sie uns zusagen. Da, wo die
                  Zusage dieser Bekräftigung auftritt, da ist Sakrament. Daß es im Notfall «in der
                     Wüstenei»<note xml:id="nal" type="original">Vgl. oben bei <ref target="#fn_nu" type="pub">Anm. u</ref>.</note> auch <hi rend="italic">ohne</hi> diese Bekräftigung gehen muß und geht, ändert nichts an der Regel,
                  daß wir sie nötig haben, nichts vor allem an der <hi rend="italic">Kraft</hi> der
                  «bekräftigten» Zusage. Die Möglichkeit, das Sakrament etwa als überflüssig zu
                  erklären, liegt ebensowenig in <persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName>
                  Gesichtskreis wie der Zweifel daran, daß das Wort Sakrament wirklich <hi rend="italic">macht</hi>. Beides: daß das Wort (notwendig) Sakrament <hi rend="italic">begründet</hi> und daß es in ihm seine (notwendige) <hi rend="italic">Bekräftigung</hi> erhält, geschieht nach <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> (auch hier im Anschluß an <persName ref="kbga-actors-14">Augustin</persName>: «<foreign xml:lang="lat">verbum visibile</foreign>»<note xml:id="n68">Vgl. z. B. <bibl corresp="kbga-bibls-1713">
                                <persName ref="kbga-actors-14">A.
                              Augustinus,</persName>
                                <hi rend="italic">C. Faustum Man.</hi> 19,16
                              (CSEL 25,513)</bibl>: «<foreign xml:lang="lat">Quid enim sunt
                     corporalia sacramenta nisi quaedam verba visibilia?</foreign>» Vgl. oben <ref type="pub" target="#fn_n45">Anm. 45</ref>.</note>)
                  dadurch, daß das Wort als Sakrament versichtbart, veröffentlicht, zur Schau
                  gestellt, sozusagen zu einer Angelegenheit <foreign xml:lang="lat">publici juris</foreign> wird, daß es aus der
                  Sphäre des bloß Hör- und Verstehbaren <hi rend="italic">auf die Schwelle</hi> der Welt
                  des Sicht- und Greifbaren tritt. (Genau so viel, nicht mehr und nicht weniger, muß
                  m. E. hier gesagt werden.) «Daraus folget, daß die Sakrament, d.i. die <hi rend="italic">äußerlichen</hi> Worte Gottes, durch ei<pb xml:id="p260" ed="pga" break="no"/>nen Priester gesprochen, gar ein großer Trost sind und gleich <hi rend="italic">ein sichtlich Zeichen</hi> göttlicher Meinung, <hi rend="italic">daran man
                     sich halten soll</hi> […] als an einen guten Stab, damit <persName ref="kbga-actors-2199">Jakob</persName>, der Patriarch,
                  durch den <placeName ref="kbga-places-926">Jordan</placeName> ging. Oder als ein Latern, <hi rend="italic">darnach man sich
                     richten</hi> und ein Aug auf haben soll mit allem Fleiß durch den finstern Weg
                  des Todes, Sünd und Höll.»<note xml:id="nam" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">21,266 (1519)</bibl>.<note xml:id="n69">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1941">
                                    <hi rend="italic">Ein
                                 Sermon von der Bereitung zum Sterben</hi>, WA 2,692,35–693,3.</bibl></note></note>
                  <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> hat die Elevation der Hostie dahin
                  gedeutet, sie sei nicht sowohl eine «<foreign xml:lang="lat">oblatio</foreign>» an Gott, als eine «<foreign xml:lang="lat">admonitio nostri,
                  quo provocemur ad fidem testamenti huius, quod tum verbis Christi protulit</foreign><note xml:id="n70">In den früheren Drucken irrtümlich: «<foreign xml:lang="lat">prohibit</foreign>»; Korrektur nach <bibl corresp="kbga-bibls-496">E. A.</bibl></note>
                        <foreign xml:lang="lat"> et exhibuit</foreign> (der zelebrierende Priester), <foreign xml:lang="lat">ut simul et signum eiusdem
                  ostendat et oblatio panis proprie respondeat huic demonstrativo: Hoc est corpus
                     meum</foreign>»<note xml:id="nan" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">V 52 (1520)</bibl><note xml:id="n71">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1957">
                                    <hi rend="italic">De captivitate
                                 Babylonica …</hi>, WA 6,524,24–27.</bibl></note>; und noch anschaulicher <bibl corresp="kbga-bibls-496">17,68
                        (1521)</bibl>: «Also daß den Laien mit dem Aufheben des Priesters und
                     Glöcklein gleich soviel bedeutet werde, <hi rend="italic">als hörten sie die Worte
                        Christi laut und klar, die der Priester heimlich gelesen hat</hi>.»<note xml:id="n72">
                        <bibl corresp="kbga-bibls-2056">
                           <hi rend="italic">Sermon von der würdigen Empfahung …</hi>, WA 7,694,29–31.</bibl></note></note>. Mit Vorliebe aber wird für das Verhältnis von Zu<pb n="35" ed="A"/> sage und Zeichen das an den Begriff des Testamentes
                  anknüpfende Bild des <hi rend="italic">Siegels</hi> verwendet: «Seine Worte sind uns
                  als ein Brief, seine Zeichen aber als ein <hi rend="italic">Siegel</hi> oder <hi rend="italic">Pitschat</hi>.»<note xml:id="nao" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">22,40 (1522).</bibl><note xml:id="n73">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1955">
                                    <hi rend="italic">Das
                         Hauptstück des ewigen und neuen Testaments</hi>, WA 10/III,69,7f.</bibl></note></note> «Das bedeutet der Priester, wenn er die Hostie aufhebt, damit er nicht so
                  fast Gott als uns anredet, als wollt er zu uns sagen: sehet da, das ist das <hi rend="italic">Siegel und Zeichen des Testaments</hi>, darinnen uns Christus beschieden hat Ablaß
                  aller Sünd und ewiges Leben.»<note xml:id="nap" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">27,149 (1520).</bibl><note xml:id="n74">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1956">
                                    <hi rend="italic">Ein
                                 Sermon von dem neuen Testament …</hi>, WA 6,359,22–25.</bibl></note></note> Durch dieses Siegel wird mir die Zusage <hi rend="italic">gegeben, bindend</hi>
                  gegeben, so daß ihr Inhalt (noch nicht mein Besitz, aber) mein rechtmäßiges
                  Eigentum ist, so daß also die <hi rend="italic">Zusage</hi> zur <hi rend="italic">Überweisung</hi> wird. «<foreign xml:lang="lat">Is sacramenti est usus, ut dicere hoc vere possis:
                  Habeo hic <hi rend="italic">apertum</hi> verbum</foreign> («da habe ich <hi rend="italic">öffentlich</hi> das Wort»), <foreign xml:lang="lat">remissa mihi esse peccata. Signum quoque accepi,
                  manducavi et bibi, id quod certo comprobare possum, feci <hi rend="italic">enim id in
                     conspectu Satanae et mundi</hi>.</foreign>»<note xml:id="naq" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">III 433 = 11,166 (1524?).</bibl><note xml:id="n75">
                     <bibl corresp="kbga-bibls-2049">
                     <hi rend="italic">Sermon von der Beichte und dem
                        Sacrament</hi>, WA 15,495,34–496,14</bibl>; vgl. oben <ref type="pub" target="#fn_n23">Anm. 23</ref>.</note></note> So, indem, um im Bilde <pb xml:id="p261" ed="pga"/> des «Testaments» zu
                  bleiben, <hi rend="italic">mir</hi> gesagt wird, daß <hi rend="italic">ich</hi> der Erbe und
                  das Erbgut <hi rend="italic">mein</hi> ist, hat offenbar auch das Wort, auf die
                  Schwelle der Sicht- und Greifbarkeit getreten, um mir <hi rend="italic">das</hi> zu
                  sagen, <hi rend="italic">aufgehört</hi>, gegenüber dem sakramentalen Tun und Zeichen
                  ein <hi rend="italic">Zweites</hi> zu sein. Die heimliche Ineinssetzung ist in Kraft
                  getreten – <foreign xml:lang="lat">
                            <hi rend="italic">et fit</hi> sacramentum</foreign>. «Sieh, das ist dann wahrhaftig
                  Gottes Wort. Christus ist das Brot, Gottes Wort ist das Brot; und doch <hi rend="italic">ein</hi> Ding, <hi rend="italic">ein</hi> Brot. Denn es ist <hi rend="italic">in
                     dem Wort</hi>, und das <hi rend="italic">Wort in ihm</hi>: und glauben […] dasselbe
                  Wort, das heißt essen das Brot; und wem Gott das gibt, der lebt ewiglich.»<note xml:id="nar" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">21,206f. (1518).</bibl><note xml:id="n76">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2051">
                                    <hi rend="italic">Auslegung deutsch des
                                 Vaterunsers für die einfältigen Laien</hi>, WA 2,113,40–114,4.</bibl></note></note> Göttliche Speise und Trank <hi rend="italic">ist</hi> nun an dem «Strohhalm» –
                  als an dem durch das <hi rend="italic">Wort</hi> begründeten Zeichen göttlicher
                  Wahrheit und Gegenwärtigkeit und nicht sonst –, aber gerade darum: es <hi rend="italic">ist</hi>, «<foreign xml:lang="lat">est</foreign>».
                    </p>
        </div>
        <div>
          <head>II.</head>
          <p> <pb n="36" ed="A"/> «<foreign xml:lang="lat"><hi rend="italic">Promissio et fides</hi> sunt correlativa, ut, ubi promissio non
                  fuerit, fides esse non possit, et ubi fides non fuerit, promissio nihil sit.</foreign>»<note xml:id="nas" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">VI 153 = 28,70 (1521/22).</bibl><note xml:id="n77">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2047">
                                    <hi rend="italic">De abroganda missa
                                 privata …</hi>, WA 8,436,28f.</bibl> – <bibl corresp="kbga-bibls-2045">
                                    <hi rend="italic">Vom Mißbrauch der Messe</hi> (1521),
                                 WA 8,511,37–512,1</bibl>; zur
                        Datierung vgl. oben <ref type="pub" target="#fn_n22">Anm. 22</ref>.</note></note> «Gott hat unserm <hi rend="italic">Glauben</hi> hie eine Weide, Tisch und
                  Mahlzeit bereit; der Glaub weidet sich aber nicht, denn allein von dem <hi rend="italic">Wort Gottes</hi>.»<note xml:id="nat" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">27,154</bibl><note xml:id="n78">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1956">
                                    <hi rend="italic">Ein Sermon von dem
                                 neuen Testament …</hi>, WA 6,363,28f.</bibl></note>; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-496">V 42 (1520)</bibl><note xml:id="n79">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1957">
                                    <hi rend="italic">De
                                 captivitate Babylonica …</hi>, WA 6,517,34–36.</bibl></note></note> Auch dieser zweite Pfeiler der lutherischen Abendmahlslehre: der von dem Worte Gottes sich
                  «weidende» <hi rend="italic">Glaube</hi> hat <hi rend="italic">zunächst kritische</hi>
                  Bedeutung. <hi rend="italic">Nur</hi> durch den Glauben und durch nichts sonst wird das
                  Sakrament empfangen. Die beiden Klärungen: <hi rend="italic">nicht</hi> durch
                  sakramentales Tun und <hi rend="italic">nicht</hi> durch Empfang der sakramentalen
                  Zeichen, würden sich auch hier sondern lassen. Es liegt aber in der Natur der
                  Sache, daß sie hier beständig ineinander übergehen. Wir können ohne Schaden für
                  die Deutlichkeit der Untersuchung von beiden gemeinsam reden.</p>
          <p>Den schärfsten Ausdruck hat diese kritische Klärung in einer Fron<pb xml:id="p262" ed="pga" break="no"/>leichnamspredigt über <ref type="can" subtype="bible" target="Joh.6">Joh. 6</ref> gefunden<note xml:id="nau" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">15,338ff. (1522).</bibl><note xml:id="n80">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2065">
                                    <hi rend="italic">Festpostille 1527. Am tag des
                                 heiligen warleichnams Christi, Euangelion Johannis: vj</hi>
                                 [1522], WA 17/II,435–441</bibl>; vgl. auch die abweichende Fassung <bibl corresp="kbga-bibls-1958">
                                    <hi rend="italic">Sermon auf unsers
                                 Herrn Fronleichnamstag</hi> (1523), WA 12,580–584.</bibl></note> Vgl. auch die
                     Predigt über denselben Text <bibl corresp="kbga-bibls-2064">Weim. Ausg. 4,700ff. (1519 od.
                        20).</bibl><note xml:id="n81">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2064">
                                    <hi rend="italic">De festo Corporis Christi Sermo</hi>, WA 4,700–706.</bibl></note> Von der Predigt von
                        <date when="1522">1522</date> hat <hi rend="italic">
                                <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName></hi> mehrfach gegen <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> Gebrauch gemacht, z. B. <bibl corresp="kbga-bibls-496">Fründlich Verglimpfung II 2,12</bibl><note xml:id="n82">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1929">
                                    <persName ref="kbga-actors-443">H.
                                 Zwingli</persName>, <hi rend="italic">Fründlich verglimpfung und
                                 ableinung über die predig des treffenlichen Martini Luthers wider die
                                 Schwärmer</hi>, in: <hi rend="italic">Huldreich Zwingli’s
                                 Werke</hi>, hrsg. von M. Schuler und J.
                                 Schultheß, Bd. II/2,
                                 Zürich 1832, S. 12</bibl>
                           (<bibl corresp="kbga-bibls-3116">CR 92
                              [= Zwinglis Werke 5],789,6f.).</bibl></note>; <bibl corresp="kbga-bibls-496">Daß diese Wort Jesu Christi II 2,85</bibl><note xml:id="n83">
                                    <bibl corresp="kbga-bibls-1931">
                                    <persName ref="kbga-actors-443">H. Zwingli</persName>, <hi rend="italic">Daß
                                 dise wort Jesu Christi: «Das ist myn lychnam, der für üch hinggeben
                                 wirt», ewiglich den altens einigen sinn haben werdend</hi>,
                              a.a.O., S. 85</bibl> (<bibl corresp="kbga-bibls-3117">CR 92 [= Zwinglis Werke 5],960,10ff.)</bibl>.</note>; <bibl corresp="kbga-bibls-496">Marburger Gespräch II 3,49</bibl><note xml:id="n84">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1931">
                                    <hi rend="italic">A.a.O.</hi>, Bd. II/3,
                                 Zürich
                              1841, S. 49 (nicht in CR).</bibl></note>. Das bei <ref type="pub" target="#fn_nav">Anm. av</ref> zitierte Wort ist
                     sogar (ohne Nennung der Fundstelle) in eine reformierte Bekenntnisschrift
                     übergegangen (<title level="m">Conf.
                                 Sigism.</title>
                                 <date when="1614">1614</date> bei <bibl corresp="kbga-bibls-17">
                                <persName ref="kbga-actors-287">K.
                           Müller</persName> S. 839,45).</bibl><note xml:id="n85">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-17">
                                    <hi rend="italic">Confessio Sigismundi</hi>,
                                 BSRK 839,42–48.</bibl></note> Vgl.
                     <ref type="pub" target="#fn_nba">Anm. ba</ref>.</note>
                  <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> protestiert darin gegen die
                  Beziehung dieser Stelle auf das Sakrament mit der Begründung: «Wiewohl das
                  Sakrament eine rechte Speise ist, doch wer es nicht nimmt im Herzen durch den
                  Glauben, dem hilft’s nicht: denn es machet niemand fromm noch gläubig, sondern es
                  erfordert, daß er zuvor fromm und gläubig sei.»<note xml:id="nav" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">15,343.</bibl><note xml:id="n86">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2065">
                                    <hi rend="italic">Festpostille 1527. Am tag des heiligen warleichnams Christi,
                                 Euangelion Johannis: vj</hi>, WA 17/II,439,38–440,2</bibl>; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-1958">
                                    WA 12,583,8–11.</bibl></note></note> Das Essen und Trinken dagegen, von dem 
                                    Joh. 6 redet, ist von vornherein
                  «nichts anderes, denn glauben an den Herrn Christum, der sein Fleisch und Blut
                  unserthalben dargegeben hat», es geschieht «im Herzen und nicht mit dem Maul. Das
                  Essen im Herzen betreuget nicht, aber das Essen mit dem Maul, <pb n="37" ed="A"/> das betreuget; das Essen mit dem Maul höret auf, das
                  andere aber währet ewig ohne Unterlaß»<note xml:id="naw" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">Ebendas. 341f.</bibl><note xml:id="n87">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2065">
                                    A.a.O., WA 17/II,438,19f.24–26</bibl>; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-1958">
                                    WA 12,582,11.13f.</bibl></note></note>. «Nütz» ist nicht das leibliche Essen des Fleisches, «sondern glauben, daß
                  dies Fleisch Gottes Sohn sei»<note xml:id="nax" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">Ebendas. 343.</bibl><note xml:id="n88">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2065">
                                    A.a.O., WA 17/II,439,21–23</bibl>; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-1958">
                                    WA 12,582,31f.</bibl></note></note>. In aller Form erklärt der Festprediger dem Ehrentag der sakramentalen
                  Gegebenheit, der ihn auf die Kanzel geführt hat, den Krieg: keinem Feste sei er
                  nie feinder gewesen <pb xml:id="p263" ed="pga"/> denn diesem; er wolle geraten
                  haben, es ganz und gar abzutun, denn es sei das allerschädlichste Fest im ganzen
                     Jahr.<note xml:id="nay" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">Ebendas. 341.</bibl><note xml:id="n89">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2065">A.a.O., WA 17/II,438,3.10–12</bibl>; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-1958">
                                    WA 12,581,31.</bibl></note></note> Das waren Dinge, die <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName>
                  <hi rend="italic">vor</hi> dem Ausbruch des Abendmahlsstreites hemmungslos herausgesagt
                  hat. Dahin gehört vor allem die berühmte Stelle aus dem Sermon vom Leichnam von
                  <date when="1519">1519</date>: «Denn schau auf! es ist dir mehr not, daß du des geistlichen, denn des
                  natürlichen Körpers Christi acht habest, und nöter der Glaub des geistlichen, denn
                  des natürlichen Korps; denn der natürlich ohn dem geistlichen hilft nichts in
                  diesem Sakrament.»<note xml:id="naz" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">27,40f.</bibl><note xml:id="n90">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2068">
                                    <hi rend="italic">Ein Sermon von dem
                                 hochwürdigen Sakrament des heiligen wahren Leichnams Christi und
                                 von den Brüderschaften</hi>, WA 2,751,13–16</bibl>: «Drumb schau auf! …»</note></note> Oder: «<hi rend="italic">Das Sakrament für sich selbst ohne den Glauben wirkt
                     nichts; ja Gott selber</hi>, der doch alle Dinge wirkt, <hi rend="italic">wirkt und
                     kann mit keinem Menschen Gutes wirken, er glaube denn</hi> ihm festiglich;
                  wieviel weniger das Sakrament.»<note xml:id="nba" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">27,164
                        (1520).</bibl><note xml:id="n91">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1956">
                                    <hi rend="italic">Ein Sermon von dem neuen
                              Testament …</hi>, WA 6,371,7–10.</bibl></note> Vgl. dazu die bei <ref type="pub" target="#fn_nk">Anm. k</ref> angeführte Stelle aus
                     der Septuagesimaepredigt von <date when="1523">1523</date>, auf die sich <bibl corresp="kbga-bibls-1934">
                                <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName> II 2,85</bibl> ebenfalls berufen
                        hat.<note xml:id="n92">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-3117">A.a.O. (<ref type="pub" target="#fn_n83">Anm. 83</ref>).</bibl></note>
                     <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> hat sich später 
                     <bibl corresp="kbga-bibls-496">26,302 (1533)</bibl> darüber beklagt, daß einer seiner Sermone («von mir
                     gepredigt, ehe denn der Sakramenter Rotte gehört, gedacht oder genennet
                        war»<note xml:id="n93">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2069">
                                    <hi rend="italic">Sendschreiben an die zu Frankfurt a. M</hi>., 
                                    WA 30/III,563,28–30.</bibl></note>) von
                     den Gegnern, um ihn zu kompromittieren, nachgedruckt worden sei. Das könnte
                     sich ebensowohl auf die Septuagesimaepredigt, wie auf die Fronleichnamspredigt
                     von <date when="1522">1522</date>, wie auf den Sermon vom Leichnam <date when="1519">1519</date>
                     beziehen. Aber welche von den früheren Schriften <persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName> hätte zu diesem Zweck <hi rend="italic">kein</hi> Material geboten? <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> selbst hat alles Nötige gegen – sich selbst gesagt, lange
                     bevor <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName> aufgestanden war. Wenn
                     er <hi rend="italic">fortgefahren</hi> hätte, dieses Nötige <hi rend="italic">auch</hi>
                     zu sagen, so könnte es in der Frage nach Recht und Unrecht im Abendmahlsstreit
                     keinen Zweifel geben.</note> Oder: «Nicht die Sakramente, sondern der <hi rend="italic">Glaube</hi> zu den Sakramenten macht lebendig und gerecht. Sintemal
                  viel das Sakrament nehmen und doch nicht daraus lebendig oder fromm werden. Wer
                  aber glaubt, der ist <pb n="38" ed="A"/> fromm und lebet.»<note xml:id="nbb" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">24,61 = V 167 (1520/21).</bibl><note xml:id="n94">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2057">
                                    <hi rend="italic">Grund und Ursach
                                 aller Artikel D. Martin
                                    Luthers, so durch römische Bulle unrechtlich verdammt
                                 sind</hi> (1521), WA 7,321,5-8.</bibl> – <bibl corresp="kbga-bibls-2062">
                                    <hi rend="italic">Assertio omnium articulorum M. Lutheri per bullam Leonis X.
                                 novissimam damnatorum</hi> (1520), WA 7,102,9.13–15.</bibl></note></note> Mit dem Wort <hi rend="italic">Glauben</hi> hat <persName ref="kbga-actors-261">Lu<pb xml:id="p264" ed="pga" break="no"/>ther</persName> sowohl die Frage nach der rechten <foreign xml:lang="lat">
                            <hi rend="italic">dispositio</hi></foreign>
                  («Geschicklichkeit») wie die nach der rechten <hi rend="italic">
                            <foreign xml:lang="lat">praeparatio</foreign></hi>
                  («Bereitung») wie die nach dem rechten <foreign xml:lang="lat">
                            <hi rend="italic">usus</hi></foreign> («Gebrauch») des
                  Sakramentsgenusses beantwortet. Es ist klar, daß mit dieser Beantwortung jene aus
                  der Beichtpraxis stammenden Fragen<note xml:id="nbc" type="original">Vgl. z. B. <bibl corresp="kbga-bibls-496">II 315ff. = 17,56ff. (1518)</bibl><note xml:id="n95">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2046">
                                    <hi rend="italic">Sermo de digna praeparatione cordis pro
                                 suscipiendo sacramento eucharistiae</hi>, WA 1,330ff.</bibl> – Zur nicht auf <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> zurückgehenden Übersetzung
                        vgl. oben <ref type="pub" target="#fn_n20">Anm. 20</ref>.</note>; <bibl corresp="kbga-bibls-496">V 42 (1520)</bibl><note xml:id="n96">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1957">
                                    <hi rend="italic">De captivitate
                                 Babylonica …</hi>, WA 6,517,22ff.</bibl></note>; <bibl corresp="kbga-bibls-496">11,184f. (1523)</bibl><note xml:id="n97">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1958">
                                    <hi rend="italic">Ain
                                 schöne Predig von empfahung des hailigen Sacraments</hi>, WA 12,483,7–485,3</bibl>; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-2041">
                                    WA 10/I,2,218.</bibl></note>.</note> einen ganz neuen Charakter bekommen:
                  aus dem Problem der Stellung des Menschen zur Gabe wird das seiner Stellung zum
                  Geber. Ohne Glauben an Gott bzw. Christus den <hi rend="italic">Geber</hi> ist die <hi rend="italic">Gabe</hi> (und wenn sie Gott selber wäre!<note xml:id="nbd" type="original">Siehe oben
                     bei <ref type="pub" target="#fn_nba">Anm. ba</ref> und <ref target="#fn_nk" type="pub">k</ref>.</note>) <hi rend="italic">nicht</hi> gegeben. «Es wirkt nichts
                  überall, wenn es allein <foreign xml:lang="lat">opus operatum</foreign> ist, denn Schaden: es muß <hi rend="italic">
                            <foreign xml:lang="lat">opus
                     operantis</foreign></hi> werden.» <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName>
                  erklärt: «Es muß auch <hi rend="italic">braucht</hi> werden im <hi rend="italic">Glauben</hi>.»<note xml:id="nbe" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">27,41 (1519).</bibl><note xml:id="n98">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2068">
                                    <hi rend="italic">Ein Sermon
                                 von dem hochwürdigen Sakrament …</hi>, WA 2,751,33f.37f.</bibl></note></note> Er wird später diese Formel nicht mehr brauchen, denn «<foreign xml:lang="lat">fides […] non est
                  opus, sed magistra et vita operum</foreign>»<note xml:id="nbf" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">V 46 (1520).</bibl><note xml:id="n99">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1957">
                                    <hi rend="italic">De captivitate Babylonica …</hi>, WA 6,520,25f.</bibl></note></note>. Aber in derselben Schrift, in der sich diese Sentenz findet, heißt es
                  auch: «<foreign xml:lang="lat">Accessurus ad altare … caveat, <hi rend="italic">ne vacuus appareat</hi> in
                  conspectu Domini Dei; vacuus autem erit, si fidem non habuerit</foreign>».<note xml:id="nbg" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">Ebendas. 42.</bibl><note xml:id="n100">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1957">
                                    A.a.O., WA 6,517,23–25.</bibl></note></note> Was jenes «<foreign xml:lang="lat">opus operantis</foreign>» sagen wollte, daß der Glaube an den <hi rend="italic">Geber</hi> der Gabe eine Inanspruchnahme und Beschlagnahme des ganzen
                  Menschen bedeutet, das ist durch die Bezeichnung des Glaubens als «<foreign xml:lang="lat">vita et
                  magistra operum</foreign>» nicht verneint, sondern behauptet; es ist in diesem Zusammenhang
                     <hi rend="italic">vor</hi> und <hi rend="italic">nach</hi> <date when="1520">1520</date> geradezu der Nerv von
                     <persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName> Glaubensbegriff. «Gedenke,
                  daß du <hi rend="italic">anders werdest</hi> oder nicht hinzugehest!», muß dem
                  Kommunikanten gesagt werden, sonst ist es «nicht viel anders, daß du diesem das
                  heilige Sakrament giebest, denn wenn du es einer Sau in den Hals stoßest; ein
                  Spott ist es <pb xml:id="p265" ed="pga"/> und eine Unehre des Sakraments»<note xml:id="nbh" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">11,180 (1523)</bibl><note xml:id="n101">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1958">
                                    <hi rend="italic">Ain schöne Predig von
                                 empfahung des hailigen Sacraments</hi>, WA 12,477,19f.17–19</bibl>; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-2041">
                                    WA 10/I,2,218.</bibl></note>; vgl. auch hier die Parallelen bei <ref type="pub" target="#fn_nm">Anm. m-o</ref>.</note>. Aber was heißt nun Glauben, nicht leer hinzutreten, anders werden?
                  Man geht am besten aus von der echt früh-lutherischen Bestimmung: «<foreign xml:lang="lat">Optima dispositio est non nisi ea, <pb n="39" ed="A"/> qua pessime es dispositus, et econtra tunc
                  pessime es dispositus, quando es optime dispositus. Quod sic intelligitur, quod,
                  quando sentis te miserrimum et egenum gratia, iam eo ipso capax es gratiae et
                  idoneus maxime. Rursus plus quam mortem et infernum timeas, ne quando sic accedas,
                  ut tibi dispositus videaris ac dignus, quasi allaturus Deo cor mundum, quod potius
                  tibi fuerat quaerendum et recipiendum. Stat firma et insolubilis sententia […]</foreign>
                     (<ref type="can" subtype="bible" target="Mt.9.12">Matth. 9,12</ref>)…» «Er ist
                  dein Gott und bedarf deiner Güter nicht, sondern er ist seiner Güter milde gegen
                  dir und kommt zu dir in der Meinung, dir seine Güter zu geben.»<note xml:id="nbi" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">II 315 = 17,56f. (1518).</bibl><note xml:id="n102">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2046">
                                    <hi rend="italic">Sermo de digna praeparatione
                                 cordis …</hi>, WA 1,330,24–30.33f.</bibl> Zur nicht auf <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> zurückgehenden deutschen Übersetzung vgl. oben <ref type="pub" target="#fn_n20">Anm. 20</ref>.</note></note> Und weiter: «Wenn der Mensch empfindet, daß er weder eine ledige, hungrige
                  und dürftige Seele Gott opfere, noch mit einem gnugsamen Glauben zu dem Sakrament
                  gehe, oder aber solches gnugsam zu tun nicht vermöge (wie sich denn der Mensch in
                  der Wahrheit empfinden wird, wenn er sich selbst wird prüfen und empfinden),
                  alsdann soll sich der Mensch nicht schämen noch fürchten», zu bitten nach <ref type="can" subtype="bible" target="Lk.17.5">Luk. 17,5</ref>; <ref type="can" subtype="bible" target="Mk.9.24">Mark. 9,24</ref>.<note xml:id="nbj" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">Ebendas. 17,58.</bibl> Der latein. Text II 316 ist etwas kürzer.<note xml:id="n103">«<foreign xml:lang="lat">Si sentis
                        te nec ista duo posse, vel satis posse, sicut vere senties, si te ipsum
                        probes, hic non verearis cum apostolis Dominum orare …</foreign>» <bibl corresp="kbga-bibls-2046">
                                    WA 1,331,36f.</bibl></note></note> Die rechte «Bereitung» ist also gerade die schmerzliche Erkenntnis, daß es
                  uns an der rechten «Geschicklichkeit» <hi rend="italic">fehlt</hi>. Diese Erkenntnis,
                     <hi rend="italic">der</hi> Glaube, der also sozusagen da in die Lücke springt, wo
                  gerade <hi rend="italic">kein</hi> Glaube ist, er empfängt die Gabe, weil er auf den
                     <hi rend="italic">Geber</hi> gerichtet ist. Wenn der Teufel dir «einblinzet», du
                  seiest unwürdig des Sakraments, – «hie mach das Kreuz für dich, laß dich
                  Würdigkeit, Unwürdigkeit nichts anfechten, schau nur zu, daß du glaubst … Glaub
                  macht würdig, Zweifel macht unwürdig.»<note xml:id="nbk" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">21,268
                        (1519).</bibl><note xml:id="n104">«So kumpt dann der Teufel, und
                        blinset dir ein: ja, wie wann ich dann die Sacrament hätt unwürdig
                        empfangen, und mich durch mein Unwürdigkeit solcher Gnade beraubt? Hier
                        mach …» <bibl corresp="kbga-bibls-1941">
                                    <hi rend="italic">Ein Sermon
                                 von der Bereitung zum Sterben</hi>, WA 2,693,34–694,3.</bibl></note></note> «Das Sakrament ist nur denen ge<pb xml:id="p266" ed="pga" break="no"/>geben, die Trost und Stärke bedürfen, die blöd Herzen haben, die erschrocken
                  Gewissen tragen, die von Sünden Anfechtung leiden oder auch drein gefallen sein.
                  Was sollt es bei den freien sichern Geistern wirken, die sein weder bedürfen noch
                     begehren?»<note xml:id="nbl" type="original">27,33f. (<date when="1519">1519</date>).<note xml:id="n105">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2068">
                                    <hi rend="italic">Ein Sermon
                                 von dem hochwürdigen Sakrament …</hi>, WA 2,748,18–21.</bibl></note></note> «Das meinet auch <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName>, sprechend: Ein jeglicher Mensch prüfe sich selbs,
                  und esse denn von diesem Brod. Der prüfet aber sich selbs recht, der eins Andern
                  Übel vergißt, und <pb n="40" ed="A"/> nicht richtet, sondern sich
                  selbs empfindet, daß er arbeitet und beschweret ist mit vielen Sünden und
                  Gebrechen, und also begierig wird der Gnad und Hülf Christi. Das ist die
                  alleredelest und nähest Bereitung zum Sacrament, denn als S. <persName ref="kbga-actors-14">Augustinus</persName> sagt: Die Speis suchet nicht mehr,
                  denn ein hungerige, ledige Seel, fleucht auch nicht, denn die da satt sind und
                  hoffährtig, die sich unter nander richten und dammen; als die täten, zu denen der
                  Apostel diese Worte schreibt. Denn, sollt der Apostel uns in diesen Worten
                  aufgelegt haben, daß wir erkunden sollten uns selbs, bis daß wir gewiß wären, ob
                  wir ohn Todsünd wären, hätt er uns unmüglich Ding aufgeleget, und allesampt
                  beraubet des heilsamen Sakraments. Darumb ist genug, daß du nicht wissest ein
                  Todsünd, gewisser grober Weis oder gewisses Fürsatzs zur Todsünd. Daß
                  Hintersteilig befiehl in die Gnad Gottes, und laß deinen Glauben dein Reinigkeit
                  sein, so bist du gewiß.»<note xml:id="nbm" type="original"><bibl corresp="kbga-bibls-496">36,154 (1519?).</bibl><note xml:id="n106">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2070">
                                    <hi rend="italic">Eine kurze Erklärung der zehn Gebote</hi> (1518)
                                 WA 1,256,1–15.</bibl> – Dieses
                        Zitat ist von <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> erst in den Abdruck in <bibl corresp="kbga-bibls-954">
                                    Th. u. K.</bibl>
                        eingefügt worden. Der folgende Satz in<ref corresp="A"> ZZ</ref>
                                 fährt dann fort:
                        «Solche will das Sakrament haben …»</note></note> Solche will es haben, «die ihre Gebrechen erkennen, fühlen, daß sie nicht
                  fromm <hi rend="italic">sind</hi> und doch gerne fromm <hi rend="italic">werden</hi>
                  wollten. Also lieget es allein an solchem Fühlen (<foreign xml:lang="lat">sentire peccatum</foreign>); denn wir sind
                  zwar alle gebrechlich und Sünder, bekennen aber nicht alle.»<note xml:id="nbn" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">III 434 = 11,166 (1524?).</bibl><note xml:id="n107">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2049">
                                    <hi rend="italic">Sermon von der Beichte und dem
                                 Sacrament</hi>, WA 15,496,33–497,6</bibl>: «… bekennen’s aber …» Vgl. oben <ref type="pub" target="#fn_n23">Anm. 23</ref>.</note></note> Die durch <hi rend="italic">solche</hi> <foreign xml:lang="lat">praeparatio</foreign> geschaffene <foreign xml:lang="lat">dispositio</foreign> also
                  ist <hi rend="italic">grundsätzlich</hi> das «Anderswerden», das dem Sakramentsgenuß
                  schon <hi rend="italic">vorangehen</hi> (nicht erst folgen!) muß, damit der Gläubige
                  das «Testament», die bekräftigte Zusage der Sündenvergebung darin empfange. Denn
                  daß <pb xml:id="p267" ed="pga"/> diese <foreign xml:lang="lat">capacitas</foreign>, die zunächst <hi rend="italic">nur</hi> mit einer leeren ausgestreckten Hand zu vergleichen ist, nicht
                  gegenstandslos sei, dafür ist eben durch Wort und Zeichen gesorgt. Es braucht nun
                  nur noch das Dritte, das Zugeständnis des Menschen, «wie die Worte Christi lauten,
                  so sei es in der Wahrheit» («denn wo Gott redet und zeichet, da muß man glauben
                  aus ganzem festem Herzen, es sei also, wie er redet und zeichet, auf daß wir ihn
                  nicht für einen Lügner oder Gaukeier halten, sondern für treu und wahr<pb n="41" ed="A"/>haftig»)<note xml:id="nbo" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">24,64.62 = V 166f.
                        (1520/21).</bibl><note xml:id="n108">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2057">
                                    <hi rend="italic">Grund und Ursach aller Artikel D. Martin Luthers, so
                                 durch römische Bulle unrechtlich verdammt sind</hi>
                                 (1521), WA 7,324,13f.; 322,6–9.</bibl> – <bibl corresp="kbga-bibls-2062">
                                    <hi rend="italic">Assertio omnium articulorum M. Lutheri per bullam Leonis X.
                                 novissimam damnatorum</hi> (1520), WA 7,102,4f.; 101,23–27.</bibl></note> Vgl. <ref type="pub" target="#fn_naj">Anm. aj</ref>. «<foreign xml:lang="lat">Opera ille nihil curat nee eis indiget …, indiget autem,
                     ut verax in suis promissis a nobis habeatur</foreign>.» <bibl corresp="kbga-bibls-496">V 41 (1520).</bibl><note xml:id="n109">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1957">
                                    <hi rend="italic">De
                                 captivitate Babylonica …</hi>, WA 6,516,32–34.</bibl></note></note> – so ist das In- und Miteinander dieser drei: 1. jener (<hi rend="italic">negativen</hi>, aber als solche <hi rend="italic">erkannten</hi>) «Disposition» des
                  Menschen, 2. der in Wort und Zeichen angebotenen Verheißungswahrheit Gottes, 3.
                  der vom Menschen anerkannten Unmöglichkeit, daß Gott lügen könnte, der <hi rend="italic">Glaube</hi>, der von Gott angerechnet wird «als eine grundgute
                  genügsame Frömmigkeit zur Seligkeit»<note xml:id="nbp" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">24,62.</bibl><note xml:id="n110">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2057">
                                    <hi rend="italic">Grund und
                                 Ursach aller Artikel …</hi>, WA 7,323,12.</bibl></note></note>, der Glaube, der das Sakrament <hi rend="italic">empfängt</hi>. Das begründende
                  Moment unter diesen dreien ist bei <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> ganz unzweideutig das <hi rend="italic">Zweite</hi>, also weder
                  das Negative <hi rend="italic">noch</hi> das Positive, das auf Seiten des Menschen ist
                  und geschieht, sondern die göttliche Verheißung: «<foreign xml:lang="lat">Ubi enim est verbum promittentis
                  Dei, <hi rend="italic">ibi necessaria</hi> est fides acceptantis hominis, ut darum sit,
                  initium salutis nostrae esse <hi rend="italic">fidem</hi>, quae pendeat in verbo
                  promittentis Dei, qui citra omne nostrum studium gratuita et immerita misericordia
                  nos <hi rend="italic">praevenit</hi> et offert promissionis suae verbum, … Verbum Dei
                  omnium primum est, quod sequitur fides, fidem caritas …</foreign>»<note xml:id="nbq" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">V 38 (1520).</bibl><note xml:id="n111">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1957">
                                    <hi rend="italic">De captivitate
                                 Babylonica …</hi>, WA 6,514,13–17.19f.</bibl></note></note> Aber das schließt nun nicht aus, sondern <hi rend="italic">ein</hi>, daß das
                  dritte Moment (Gott für wahrhaftig halten) die höchst direkte, unmittelbare
                  Inanspruchnahme des Menschen bedeutet. Und <hi rend="italic">das ist’s</hi>, worauf
                     <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> in diesem Zusammenhang
                  überall hinaus will. Nicht als ob nun der Glaube doch wieder zu einem Werk, zu
                  einer <pb xml:id="p268" ed="pga"/> innerlichsten, feinsten Gewissens-, Buß- und
                  Gehorsamstat des Menschen würde. Nein, «es sei um deine Reue und wahrhaftige oder
                  falsche(!) Buße wie es wolle, so wende am meisten Fleiß darauf, daß du in dem
                  Vertrauen obberührter Worte Christi, unsres lieben Herrn, zu dem Sakrament gehest.
                  Denn so <hi rend="italic">du also würdest dazu gehen</hi>, so würdest du erleuchtet
                  werden, und dein Angesicht wird nicht beschämt und geschändet werden. Du sollst
                  die gebenedeite Mutter Gottes in keinem Wege dich unterwinden zu einer Lügnerin zu
                  machen; denn sie hat gesagt <ref type="can" subtype="bible" target="Lk.1.53">Luk. 1,53</ref>: ‹Der Herr hat die Hung<pb n="42" ed="A"/>rigen
                  mit Gütern erfüllet›…»<note xml:id="nbr" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">17,58 = II 316 (1518).</bibl><note xml:id="n112">Zu dieser nicht auf <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> zurückgehenden Übersetzung  vgl. oben <ref type="pub" target="#fn_n20">Anm. 20</ref>. – <bibl corresp="kbga-bibls-2046">
                                    <hi rend="italic">Sermo de digna
                                 praeparatione …</hi>, WA 1,331,19–23.</bibl></note></note> Aber eben dieses «also dazu gehen» (angesichts der Fragwürdigkeit <hi rend="italic">auch</hi> unsres aufrichtigsten Entbehrens und Begehrens) ist nun die
                  Inanspruchnahme des Menschen, ohne die das Sakrament, ja Gott selbst «nichts»
                  wirken kann, so gewiß sie selber die im Sakrament verkündete Verheißung schon zur
                  Voraussetzung hat. Dies Andere (das doch kein anderes ist) ist nun auch zu sagen:
                  «Christus spricht nicht in den Worten: Siehe da <hi rend="italic">ist</hi> es, da <hi rend="italic">liegt</hi> es; sondern also sagt er: Nimm hin, es soll <hi rend="italic">deine</hi> sein. Es ist nicht darum im Sakrament, daß wir es da sollen haben
                     <hi rend="italic">liegen</hi>, sondern daß wir seiner <hi rend="italic">brauchen</hi>. So
                  ist nun kein rechter Brauch, denn daß du <hi rend="italic">glaubest</hi>, daß dieser
                  Leib für <hi rend="italic">dich</hi> hingegeben und dies Blut für <hi rend="italic">dich</hi> vergossen sei; so hast du es denn, wie du glaubest.»<note xml:id="nbs" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">11,184 (1523).</bibl><note xml:id="n113">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1958">
                                    <hi rend="italic">Ain schöne Predig von
                                 empfahung des hailigen Sacraments</hi>, WA 12,483,12–17</bibl>; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-2041">
                                    WA 10/I,2,218.</bibl></note></note> Und schon <hi rend="italic">vor</hi> 1520: «Was hülfs, daß du dir vorbildest
                  und glaubest, der Tod, die Sünd, die Hölle der andern sei in Christo überwunden,
                  wenn du nicht auch glaubst, daß <hi rend="italic">dein</hi> Tod, <hi rend="italic">deine</hi> Sünd, <hi rend="italic">deine</hi> Hölle dir da überwunden und vertilgt
                  sei, und also erlöset seist? So wäre das Sakrament gar umsonst, dieweil <hi rend="italic">du</hi> nicht glaubst die Ding, die dir daselbst angezeigt, gegeben
                  und versprochen werden.»<note xml:id="nbt" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">21,267 (1519).</bibl><note xml:id="n114">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1941">
                                    <hi rend="italic">Ein
                                 Sermon von der Bereitung zum Sterben</hi>, WA 2,693,21–26.</bibl></note></note> Noch ein Jahr früher hat <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName>
                  es freilich für angezeigt gehalten, gegenüber dieser bestimmten Handhabung der
                  zweiten Person Singularis folgende merkwürdige Sicherung anzubringen: «<foreign xml:lang="lat">Si tandem
                  adeo infirmus es in fide</foreign>», daß alle andere «Berei<pb xml:id="p269" ed="pga" break="no"/>tung»<note xml:id="nbu" type="original">Gemeint ist ausdrücklich auch die oben bei
                     <ref target="#fn_nbi" type="pub">Anm. bi-bo</ref> beschriebene!</note> versagt, «<foreign xml:lang="lat">apprehende illud novissimum
                  infirmorum remedium, et permitte te sicut infantem gestari in ulnis et sinu <hi rend="italic">matris ecclesiae</hi>, imo cum paralytico in lectulo, ut Dominus fidem
                  illorum saltem intueatur, quando tua nulla est, i. e. ut <hi rend="italic">in fide vel
                     universalis ecclesiae vel hominis fidelis tibi noti accedas</hi> et audacter
                  dicas Domino Jesu: Ecce Domine, mi Jesu Christe, doleo me tarn infirmum ut de tuo
                  inaestimabili in nos amore nihil aut tam parum praesumam. Ideo suscipe me in fide
                  ecclesiae tuae et illius aut illius hominis. <pb n="43" ed="A"/>
                  Quicquid enim sit de me, <hi rend="italic">necesse est</hi>, o Domme, <hi rend="italic">me
                     obedire ecdesiae</hi> tuae, <hi rend="italic">quae iubet ut accedam</hi>. In
                  obedientia venio saltem, si nihil aliud offero. Et crede firmiter, quod non
                  indignus accesseris, <hi rend="italic">non est dubium, quin obedientiam ecdesiae
                     tanquam sibi factam acceptet</hi>. Deinde non potest fieri, ut ecclesiae fides
                  te permittat perire, non magis certe, quam parvulum, qui alienae fidei merito
                  baptizatur et salvatur.</foreign>»<note xml:id="nbv" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">II 319 = 17,62 (1518).</bibl><note xml:id="n115">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2046">
                                    <hi rend="italic">Sermo de digna praeparatione
                                 cordis …</hi>, WA 1,333,13–26.</bibl> – Zur nicht auf <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> zurückgehenden Übersetzung  vgl. oben <ref type="pub" target="#fn_n20">Anm. 20</ref>.</note></note> Dieser Gedanke ist aus begreiflichen Gründen wie der entgegengesetzte vom
                  «<foreign xml:lang="lat">opus operantis</foreign>»<note xml:id="nbw" type="original">Vgl. oben bei <ref type="pub" target="#fn_nbe">Anm. be</ref>.</note> in <hi rend="italic">dieser</hi> Form nicht mehr vorgetragen worden. Von <date when="1520">1520</date> an heißt es in
                  scheinbar schroffster Antithese: «<foreign xml:lang="lat">Non poteris alterius fide niti, cum ad
                  sacramentum accedis, <hi rend="italic">unusquisque pro se credere debet</hi>, sicut
                  unusquisque pro se quoque contra peccatum, Satanam, item mundum militare
                     debet.</foreign>»<note xml:id="nbx" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">III 429f. = 11,162 (1524)</bibl><note xml:id="n116">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2049">
                                    <hi rend="italic">Sermon von der Beichte und dem Sacrament</hi>, WA 15,492,16–18</bibl>; vgl. oben <ref type="pub" target="#fn_n23">Anm. 23</ref>.</note>;
                     vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-496">V 47 (1520)</bibl><note xml:id="n117">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1957">
                                    <hi rend="italic">De captivitate
                                 Babylonica …</hi>, WA 6,521,8–11.</bibl></note>; 
                                 <bibl corresp="kbga-bibls-496">VI 163 = 28,81 (1521/22)</bibl><note xml:id="n118">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2047">
                                    <hi rend="italic">De abroganda missa privata …</hi>
                                 (1521), WA 8,443,11ff.</bibl> – <bibl corresp="kbga-bibls-2045">
                                    <hi rend="italic">Vom Mißbrauch der Messe</hi> (1521),
                                 WA 8,520,4ff.</bibl>; zur
                        Datierung vgl. oben <ref type="pub" target="#fn_n22">Anm. 22</ref>.</note></note> Ob diese Antithese <hi rend="italic">mehr</hi> als dialektisch, ob der Gedanke
                  fallen gelassen, ob also hier ein «unverhüllter Rest katholischer Anschauung»<note xml:id="nby" type="original">So <bibl corresp="kbga-bibls-1935">
                                <persName ref="kbga-actors-4178"><hi rend="italic">Karl
                              Thimme</hi></persName>, Entwicklung und Bedeutung der
                              Sakramentslehre Luthers. N.
                              kirchl. Zeitschr. 1901 S. 753.</bibl><note xml:id="n119">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1935">
                                    <persName ref="kbga-actors-4178">K.
                                 Thimme</persName>, <hi rend="italic">Entwicklung und Bedeutung der
                                 Sakramentslehre Luthers</hi>, in: <hi rend="italic">Neue kirchliche
                                 Zeitschrift</hi>, Jg. 12 (1901), S. 749–774.
                              876–903. S. 753</bibl>: Der Mensch «soll in dem Glauben der
                        Christenheit oder eines Frommen … zum Sakrament gehen und kühnlich zu dem
                        Herren sprechen: Es ist mir leid, daß ich so schwach bin … Er soll feste
                        glauben, daß er nicht unwürdig gegangen sei. – Wir möchten geneigt sein,
                        solchen Glauben mehr demütig als schwach zu nennen. Es ist Kühnheit und
                        Zagheit in wunderlicher Mischung und zugleich unverhüllter Rest katholischer
                        Anschauung, wenn <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName>
                        fortfährt: Es ist unmöglich, daß dich der Glaube der christlichen Kirche
                        lasse verderben, ebensowenig als ein kleines Kind, das durch Verdienst eines
                        fremden Glaubens getauft und selig wird.»</note></note> zu konstatieren ist? <pb xml:id="p270" ed="pga"/> <date when="1519">1519</date> schreibt <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName>: «Ich sei sein würdig oder nicht, so
                  bin ich <hi rend="italic">ein Glied der Christenheit</hi>.»<note xml:id="nbz" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">21,269.</bibl><note xml:id="n120">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1941">
                                    <hi rend="italic">Ein Sermon von Bereitung zum Sterben</hi>, WA 2,694,29f.</bibl></note></note> Und dem energischen «<foreign xml:lang="lat">unusquisque pro se</foreign>» steht alles das gegenüber, was
                  nachher über den Charakter des Abendmahls als «<foreign xml:lang="lat">communio</foreign>» zu sagen ist.<note xml:id="nca" type="original">Vgl. unten bes. <ref type="pub" target="#fn_ndr">Anm. dr</ref>.</note> Nicht dem Einzelnen als solchen,
                  sondern der Christenheit, der Kirche ist nach <persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName> selbstverständlicher Überzeugung das rechtmäßig eingesetzte
                  Sakrament anvertraut.<note xml:id="ncb" type="original">Ohne diese Voraussetzung wäre auch die
                     später ausgebildete Kampflehre von der «<foreign xml:lang="lat">manducatio indignorum</foreign>»<note xml:id="n121">Die Lehre von der «<foreign xml:lang="lat">manducatio indignorum</foreign>» bzw. «<foreign xml:lang="lat">impiorum</foreign>»,
                        nach der den Elementen objektive Heilswirksamkeit auch beim Empfang durch
                        Unwürdige bzw. Ungläubige zukommt, wurde von lutherischer Seite gegenüber den Reformierten geltend gemacht
                        etwa in: <bibl corresp="kbga-bibls-14">
                                    <hi rend="italic">Formula
                                 Concordiae. Solida Declaratio</hi>, BSLK 1015,11–28.</bibl> Zur reformierten Auffassung
                        vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-16">
                                    <persName ref="kbga-actors-77">J. Calvin</persName>, Inst. IV,17,33s.</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-263">
                                    HpB 523.</bibl></note> unverständlich.</note> Die Forderung persönlichen Glaubens und der
                  Verweis auf den Glauben der Kirche sind Korrelate, nicht ausschließende
                  Gegensätze. Als ein letztes und undialektisches Wort über den rechten Glauben ist
                  es dagegen anzusehen, wenn <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName>
                  schreibt: «Siehe dich […] vor, <pb n="44" ed="A"/> daß du dir
                  nicht einen falschen Glauben machest, wenn du gleich glaubest, daß dir Christus da
                  gegeben sei und dein sei; und wo der Glaube allein ein menschlicher Gedanke ist,
                  den du angerichtet hast, so bleibe von diesem Sakrament. Denn <hi rend="italic">es muß
                     ein Glaube sein, den Gott machet</hi>, du mußt wissen und empfinden, daß
                  solches Gott in dir wirke, daß du es ungezweifelt dafür haltest, es sei wahr, daß
                  dies […] Zeichen dir gegeben sei und so mutig bist, daß dich dünket, du wollest
                  darüber sterben. Und wenn du noch zappelst und zweifelst, so kniee nieder und
                  bitte Gott, daß er dir Gnade mitteile, daß du also von dir abtretest und zu dem
                  rechtschaffenen Glauben kommest.»<note xml:id="ncc" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">11,185 (1523).</bibl><note xml:id="n122">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1958">
                                    <hi rend="italic">Ain schöne Predig von
                                 empfahung des hailigen Sacraments</hi>, WA 12,484,17–485,2</bibl>; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-2041">
                                    WA 10/I,2,218.</bibl></note></note>
               </p>
         
          <p>
                        <pb rend="noPipe" xml:id="p271" ed="pga"/> Wie ernst es <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> mit dieser
                  kritischen Klärung des Sakramentsbegriffs unter dem Gesichtspunkt des Glaubens
                  war, das zeigt sich in den <hi rend="italic">praktischen Folgerungen</hi>, die er
                  (wenigstens theoretisch) daraus gezogen hat. Er war ein entschiedener Gegner des
                  massenhaften, gezwungenen, gewohnheitsmäßigen Abendmahlsbesuches. «Ein gezwungen
                  Christ […] ist ein sehr fröhlicher angenehmer Gast im Himmelreich, da Gott
                  sonderliche Lust zu hat und wird ihn freilich unter die Engel obenan setzen, da
                  die Hölle am tiefesten ist.»<note xml:id="ncd" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">23,165f. (1530).</bibl><note xml:id="n123">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2071">
                                    <hi rend="italic">Vermahnung zum Sakrament des Leibes und Blutes Christi</hi>,
                                 WA 30/II,597.5–7</bibl></note></note> Wer nicht «aus eigenem Gewissen und aus Hunger seiner Seel» kommt, dem rät
                  er ernstlich, wegzubleiben, auf die Gefahr hin, daß «hinfüro kaum einer hinzu
                  ging, da jetzt viel Hundert zu gehn»<note xml:id="nce" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">22,41 (1522)</bibl><note xml:id="n124">«Ich hab darnach gestrebt, und wollt
                        gern, daß auch des Papsts Gesetz abthun [WA: «abthan»] wäre von
                        jährlichem Empfahen des Sacraments am Osterfest, und frei einem Jegklichen
                        gelassen wurd, daß er aus eignem Gewissen und aus Hunger seiner Seel
                        ungezwungen hinzu ginge, damit der greulich unchristenlich Mißbrauch und
                        Gotteslästerung weniger wurde und hinfüro kaum einer hinzu ging, da jetz
                        viel Hundert zu gehn.» <bibl corresp="kbga-bibls-1955">
                                    <hi rend="italic">Das Hauptstück des ewigen und neuen Testaments</hi>,
                                 WA 10/III,70,16–21.</bibl></note>; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-496">17,66f. (1521)</bibl><note xml:id="n125">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2056">
                                    <hi rend="italic">Sermon von der würdigen
                                 Empfahung des heiligen wahren Leichnams Christi, gethan am
                                 Gründonnerstag</hi>, WA 7,692,9–694,3.</bibl></note>; <bibl corresp="kbga-bibls-496">23,169 (1530)</bibl><note xml:id="n126">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2071">
                                    <hi rend="italic">Vermahnung
                                 zum Sakrament des Leibes und Blutes Christi</hi>, WA 30/III,599.9ff.</bibl></note></note>. Und andererseits entwickelt er seit <date when="1523">1523</date> das Postulat einer <hi rend="italic">Prüfung der
                     Kommunikanten</hi>: «Derohalben soll es hinfort also geordnet
                  sein, daß man niemand zum Sakrament gehen ließe, man frage ihn denn zuvor und
                  erkundige von ihm, <hi rend="italic">wie sein</hi> Herz <hi rend="italic">stehet</hi>, ob er
                  auch <hi rend="italic">wisse</hi>, was es sei und worum er hinzugehe», ob er «ein solch
                  Gefäß sei, das es fassen könne und wisse seinen Glauben anzuzeigen.» <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> möchte es erreichen, «daß man die, so
                  da recht glaubeten, (im Gottesdienst) könnte auf einen Ort sondern und vor andern
                  erkennen. Ich wollte es wohl längst gerne getan haben, aber es hat sich nicht
                  wollen leiden: denn es noch nicht <pb n="45" ed="A"/> genug
                  geprediget und getrieben ist worden». Denn es müsse ein Unterschied sein zwischen
                  der Predigt und der Austeilung des Sakraments: «Wenn ich das Evangelium predige,
                  weiß ich nicht, wen es trifft; hier aber soll ich es dafür halten, daß es den
                  getroffen habe, welcher zum Sakrament kommt: da muß ich es nicht in Zweifel <pb xml:id="p272" ed="pga"/> schlagen, sondern gewiß sein, daß der, dem ich das
                  Sakrament gebe, das Evangelium gefasset habe.»<note xml:id="ncf" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">11,181f.185f. (1523).</bibl><note xml:id="n127">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1958">
                                    <hi rend="italic">Ain schöne Predig von empfahung des
                                 hailigen Sacraments</hi>, WA 12,478,1–4.6–18; 481,6–9; 485,4–6</bibl>: «… aber ein ander mal
                        muessen wirs also ordnen, das man niemand zum Sacrament geen lasse …»; vgl.
                           <bibl corresp="kbga-bibls-2041">
                                    WA 10/I,2,218.</bibl></note></note> Und in der «<foreign xml:lang="lat">Formula missae et communionis pro ecclesia Vuittembergensi</foreign>»
                  wird in der Tat eine Ordnung aufgestellt, nach der sich die Kommunikanten einmal
                  im Jahr dem <foreign xml:lang="lat">episcopus</foreign> zu stellen haben. Dieser soll sich 1. über ihr Wissen vom
                  Wesen und Nutzen des Abendmahls, 2. über ihre Absicht bei der bevorstehenden
                  Teilnahme daran, aber 3. (weil auch der Satan jene Fragen beantworten könnte!)
                  auch über ihre «<foreign xml:lang="lat">vita et mores</foreign>» im Verhältnis zu ihrem Glauben in Kenntnis setzen,
                  um sie dann je nach dem Ergebnis zuzulassen oder wegen Unwissenheit oder
                  unbereuter Unwürdigkeit zurückzuweisen.<note xml:id="ncg" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">VII 12ff.
                        (1523)</bibl><note xml:id="n128">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2072">
                                    <hi rend="italic">Formula Missae et Communionis</hi>,
                                 WA 12,215,7ff.</bibl></note>; vgl.
                     unten bei <ref type="pub" target="#fn_ncu">Anm. cu-cv</ref>.</note> So kräftig hat also der Glaubensbegriff kritisch
                     eingeschnitten<note xml:id="n129">In den früheren Drucken: «eingeschritten»;
                     Korrektur von <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> in seinem Handexemplar von <bibl corresp="kbga-bibls-954">
                                Th. u. K.</bibl></note>, daß <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> beinahe – <hi rend="italic">
                            <persName ref="kbga-actors-77">Calvin</persName></hi> geworden wäre.
                  Daß er es <hi rend="italic">nicht</hi> wurde, sondern <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> blieb, dürfte doch wohl in der Hauptsache anders als bloß
                  «geschichtlich» zu erklären sein.</p>
          <p>
                        <hi rend="italic">Nur Glauben</hi> heißt Empfangen, Haben, Genießen dessen, was in
                     «Wort und Zeichen»
                  gegeben ist. Aber auch dieser Satz (wie oben der, daß <hi rend="italic">nur</hi> das
                     <hi rend="italic">Wort</hi> das Sakrament macht) läßt sich positiv ausdrücken, und
                  auch hier wird die Absicht <persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName> erst
                  deutlich im positiv ausgedrückten Satz: Glauben heißt <hi rend="italic">Empfangen,
                     Haben</hi> …! Es ist aber schwieriger zu verstehen, inwiefern er von einem
                  Empfangen des Glaubens als inwiefern er von einem Handeln des Wortes weiß. Wir
                  befinden aus auf der <hi rend="italic">subjektiven</hi> Seite des Problems, und das
                  macht sich geltend in einem wahren Gedränge von bloß <hi rend="italic">vorläufigen</hi>
                  Gesichtspunkten, die wohl zeigen, in welcher Richtung <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName>
                  <hi rend="italic">gesucht</hi> hat, die aber mit der eigentlichen Ant<pb n="46" ed="A"/>wort, die er <hi rend="italic">findet</hi>, nichts zu tun
                  haben.</p>
          <p>Worin besteht das, was der Mensch durch den Glauben im Sakrament empfängt? Das ist
                  die Frage. <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> hat sich in jenen
                  Jahren sichtlich bemüht, sich <hi rend="italic">dieses</hi> Empfangen als ein <hi rend="italic">besonderes</hi> innerhalb dem des Glaubens überhaupt deutlich zu
                  machen. Wenn dieses Bemühen nicht ganz <pb xml:id="p273" ed="pga"/> umsonst war,
                  so ist zum vornherein anzunehmen, daß uns als Ergebnis nicht wieder <hi rend="italic">bloß</hi> das Allgemeine: Gottes in Christus uns übermachte Gaben, sondern
                  innerhalb dieses Allgemeinen ein Spezifisches, entweder ein spezifischer
                  Gegenstand oder ein spezifisches Empfangen oder beides zugleich und miteinander,
                  entgegentreten wird. Die Frage nach diesem <hi rend="italic">Besonderen</hi> war ja
                  schon von dem Begriff des «Wortes» aus gestellt.<note xml:id="nch" type="original">Vgl. oben bei
                     <ref type="pub" target="#fn_ns">Anm. s-v</ref>.</note> Es lag bei <persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName>
                  Voraussetzungen betr. «Wort» <hi rend="italic">und</hi> «Glaube» nahe, ein solch.
                  Besonderes überhaupt in Abrede zu stellen. Aber das geschieht <hi rend="italic">nicht</hi>. <foreign xml:lang="lat">«Crede, inquit <persName ref="kbga-actors-14">Augustinus</persName>, et manducasti, sed cui creditur, nisi verbo
                  promittentis? Ita possum quotidie, imo omni hora, missam habere, dum, quoties
                  voluero, possum verba Christi mihi proponere, et fidem meam in illis alere et
                  roborare, hoc est revera spiritualiter manducare et bibere.</foreign>»<note xml:id="nci" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">V 43 (1520)</bibl><note xml:id="n130">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1957">
                                    <hi rend="italic">De captivitate Babylonica …</hi>, WA 6,518,19–23.</bibl></note>; vgl. das
                     Wort von den Altvätern bei <ref type="pub" target="#fn_nu">Anm. u</ref>.</note> Es mag, konzediert <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> im selben Jahr, «ein jeglicher wohl
                  einen solchen <hi rend="italic">Glauben auf dem Feld</hi> zu Christo haben, ihm sein
                  Gebet, Lob, Not und Sach opfern und befehlen, Gott im Himmel fürzutragen; dazu mag
                  er auch wohl an das Sakrament und Testament gedenken, desselben herzlich begehren
                  und also geistlich empfahen … <hi rend="italic">Was ist denn Not, daß man Meß hab in der
                     Kirchen?</hi> Antwort: <hi rend="italic">es ist wahr solcher Glaub ist gnug</hi> und
                  richtet es wahrlich alles aus; <hi rend="italic">aber</hi> …»<note xml:id="ncj" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">27,165f. (1520).</bibl><note xml:id="n131">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1956">
                                    <hi rend="italic">Ein Sermon von dem neuen
                                 Testament …</hi>; WA 6,372,17–20.22f.</bibl></note></note> Aber, ist zunächst zu ergänzen, solche Sätze dienen doch nur der
                  Hervorhebung der kritischen (d. h. begründenden) Bedeutung des «Glaubens». Ihre
                  Quintessenz läßt sich zusammenfassen in den Satz: «Ohne leiblich Empfahen der
                  Sakramente (<hi rend="italic">so sie nicht</hi>
                  <pb n="47" ed="A"/>
                  <hi rend="italic">verachtet werden</hi>) kann man fromm durch den Glauben werden; aber
                  ohne den Glauben ist kein Sakrament nutz, ja allerding tödlich und
                     verderblich.»<note xml:id="nck" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">24,62 (1521)</bibl><note xml:id="n132">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2057">
                                    <hi rend="italic">Grund und
                                 Ursach aller Artikel D. Martin
                                    Luthers, so durch römische Bulle unrechtlich verdammt
                                 sind</hi>, WA 7,320,27–29; 321,27–29.</bibl></note>; <hi rend="italic">fehlt</hi> im Lateinischen V 167<note xml:id="n133">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-2062">
                                    <hi rend="italic">Assertio omnium articulorum M. Lutheri per bullam Leonis X.
                                 novissimam damnatorum</hi> (1520), WA 7,102,30ff.</bibl></note></note> Schon die Klammer in diesem Satz weist darauf hin, daß das Problem des
                  «<foreign xml:lang="lat">oraliter manducare et bibere</foreign>» als das Problem der <hi rend="italic">Regel</hi>, die
                  durch die Ausnahme nur bestätigt wird, ungeschwächt bestehen bleibt. <pb xml:id="p274" ed="pga"/>
                  <hi rend="italic">Sechs Argumente</hi> sind es, wenn ich recht sehe, die <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> für die besondere Bedeutung des
                  äußerlich-tatsächlich gefeierten Abendmahls vorgebracht hat.</p>
          <p>Er hat 1. verwiesen auf die <hi rend="italic">göttliche Einsetzung</hi>, die als solche
                  in Ehren zu halten für sich allein Grund genug wäre, «leiblich Meß» zu
                     halten.<note xml:id="ncl" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">27,166 (1520)</bibl><note xml:id="n134">«Dann
                        ob schon kein Sach wäre, warumb wir leiblich Meß halten sollten, und nit
                        allein am inwendigen Glauben uns gnugen lassen: so wäre das gnug, das Gott
                        eingesetzt und haben will.» <bibl corresp="kbga-bibls-1956">
                                    <hi rend="italic">Ein Sermon von dem neuen Testament …</hi>;, WA 6,372.30–34.</bibl></note>; [vgl.] <bibl corresp="kbga-bibls-496">23,169ff. (1530)</bibl><note xml:id="n135">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2071">
                                    <hi rend="italic">Vermahnung zum
                                 Sakrament des Leibes und Blutes Christi</hi>, WA 30/II,599,20ff.</bibl></note></note>
               </p>
          <p>Er hat 2. gefragt, <hi rend="italic">wie es zu solchem Glauben</hi>, der es wahrlich
                  recht ausrichtet, <hi rend="italic">kommen könne</hi> ohne leibliches «Handeln»? Ob wir
                  etwa fähig seien, uns im Geist zu regieren, ob wir es nicht nötig hätten, leiblich
                  zusammen zu kommen und uns durch leibliches Sehen und Empfangen des Testaments
                  gegenseitig zum Glauben zu entzünden und zu bewegen?<note xml:id="ncm" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">27,166.</bibl><note xml:id="n136">«So ist auch das Vortheil da, daß wir noch im
                        Fleisch leben, und nit alle so vollkommen sein, uns im Geist zu regiren, ist
                        uns noth, daß wir leiblich zusammen kummen, einis das ander mit seinem
                        Exempel, Gebet, Lob und Dank zu solchem Glauben entzünden … und durch
                        leiblich sehen oder empfahen des Sacraments und Testaments bewegen, mehr und
                        mehr besseren denselben Glauben.» <bibl corresp="kbga-bibls-1956">
                                    <hi rend="italic">Ein Sermon von dem neuen
                              Testament</hi> …, WA 6,372,34–373,5.</bibl></note> «Wir arme Menschen, weil wir in den fünf Sinnen leben, müssen je zum
                     wenigsten ein äußerlich Zeichen haben» (ebendas. 148).<note xml:id="n137">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1956">
                                    A.a.O., WA 6,359,6–8.</bibl></note></note>
               </p>
          <p>3. <foreign xml:lang="lat">«Nec illud omittendum, imo maxime curandum, ut <hi rend="italic">memoria passionis
                     Christi</hi> non omittatur … Nam praecepit Dominus id sacramentum non nisi in
                  memoriam sui celebrari. Ideo omittendum est, si memoriam eius omittere
                     voles.</foreign>»<note xml:id="ncn" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">II 320 = 17,63 (1518).</bibl><note xml:id="n138">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2046">
                                    <hi rend="italic">Sermo de digna praeparatione cordis pro suscipiendo sacramento
                                 eucharistiae</hi>, WA 1,334,3–7:</bibl>«<foreign xml:lang="lat">… memoria passionis Christi non dimittatur.</foreign>» – Zur
                        nicht auf <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> zurückgehenden
                        Übersetzung vgl. oben <ref type="pub" target="#fn_n20">Anm. 20</ref>.</note></note>
                  <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> kann die Einsetzungsworte
                  gelegentlich so umschreiben: Ich «laß euch dies Sakrament des Alles zu einem
                  gewissen Wahrzeichen, <hi rend="italic">daß ihr mein nicht vergesset</hi>, sondern euch
                  täglich drin übet und vermahnet, was ich für euch tan hab und tu»<note xml:id="nco" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">27,33 (1519).</bibl><note xml:id="n139">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2068">
                                    <hi rend="italic">Ein Sermon von dem
                                 hochwürdigen Sakrament …</hi>, WA 2,746,2–4.</bibl></note></note>. Ja, er <pb xml:id="p275" ed="pga"/> konnte die Einsetzung des Abendmahls
                  vergleichen mit der katholischen Sitte, Erben testamentarisch zur Abhaltung von
                  «Begängnissen» und «Seelmessen» zugunsten des Erblassers zu verpflichten: «Also
                  hat auch Christus ihm ein Be<pb n="48" ed="A"/>gängnis in diesem
                  Testament gemacht, nicht daß er sein bedürfe, sondern daß es uns not und nütze
                  ist, so wir sein gedenken, dadurch wir im Glauben gestärkt … werden.»<note xml:id="ncp" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">27,147</bibl><note xml:id="n140">«Dann zugleich als ein Mensch, der
                        etwas bescheidet, daneben mit einbindet, was man ihm nachthun soll; wie itzt
                        der Brauch ist in den Begängnissen und Seelmessen: also hat auch Christus …»
                           <bibl corresp="kbga-bibls-1956">
                                    <hi rend="italic">Ein Sermon von
                                 dem neuen Testament …</hi>, WA 6,358,24–29.</bibl></note>; <bibl corresp="kbga-bibls-496">20,230 (1520)</bibl><note xml:id="n141">«In diesen Worten hat
                        Christus ihm ein Begängniß oder Jahrtag gemachet, täglich ihm nach zu halten
                        in aller Christenheit; … daß alle, die zu diesem Begängniß kommen, sollen
                        haben dasselbige Testament.» <bibl corresp="kbga-bibls-2061">
                                    <hi rend="italic">Von den guten Werken</hi>, WA 6,230,16f.21f.</bibl></note></note> In diesem Sinn kann das Abendmahl gelegentlich überhaupt als «<foreign xml:lang="lat">signum
                  memoriale […] promissionis</foreign>» bezeichnet werden<note xml:id="ncq" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">V 43 (1520).</bibl><note xml:id="n142">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1957">
                                    <hi rend="italic">De captivitate Babylonica …</hi>, WA 6,518,11.</bibl></note></note>, und in der erbaulichen Ausdeutung dieses Gesichtspunktes konnte <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> später so weit gehen, zu sagen: «Willst
                  du nun ein <hi rend="italic">Gottmacher</hi> werden, so komm her, höre zu, er will dich
                  die Kunst lehren, … nicht daß du seine göttliche Natur machen sollest, denn
                  dieselbige ist und bleibt ungemacht ewiglich; sondern daß du ihn kannst dir zum
                  Gott machen, daß er dir, dir, dir auch ein rechter Gott werde, wie er für sich
                  selber ein rechter Gott ist. Das ist aber die Kunst …: Das tut zu meinem
                     Gedächtnis!»<note xml:id="ncr" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">23,174 (1530).</bibl><note xml:id="n143">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2071">
                                    <hi rend="italic">Vermahnung
               zum Sakrament des Leibes und Blutes Christi</hi>, WA 30/II,602,39–603,5.</bibl></note></note>
               </p>
          <p>Das führt uns weiter zu: 4. «<foreign xml:lang="lat">Christus […] mandans hoc a nobis fieri in sui
                  memoriam, plane aliud non vult, quam promissionem istam cum pignore suo
                  frequentari <hi rend="italic">ad alendam et roborandam fidem, quae numquam satis potest
                     roborari</hi></foreign>.» Durch beharrliche Erneuerung der Erinnerung an Gottes süße und
                  reiche Verheißung werde der Geist nämlich im Glauben mehr und mehr – fett,
                  gemästet (<foreign xml:lang="lat">saginatur</foreign>)!<note xml:id="ncs" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">VI 153 = 28,71
                        (1521/22).</bibl><note xml:id="n144">«<foreign xml:lang="lat">Iterata enim et assidue memorata
                        Dei promissione, tam dulci et opulenta, animus saginatur fide magis ac
                        magis.</foreign>» <bibl corresp="kbga-bibls-2047">
                                    <hi rend="italic">De
                                 abroganda missa privata …</hi> (1521), WA 8,437,4–9.</bibl> – <bibl corresp="kbga-bibls-2045">
                                    <hi rend="italic">Vom Mißbrauch der
                                 Messe</hi> (1521), WA 8,512,20–25</bibl>; zur Datierung vgl. oben <ref type="pub" target="#fn_n22">Anm. 22</ref>.</note></note> Was er unter sol<pb xml:id="p276" ed="pga" break="no"/>cher Stärkung des
                  Glaubens versteht, hat <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> einmal
                  tiefsinnig platonisierend, aber in merkwürdiger Spannung zu Argument 2 so
                  beschrieben: Es sei notwendig, daß Liebe, Gemeinschaft und Beistand Christo <hi rend="italic">verborgen, unsichtbar</hi> und <hi rend="italic">geistlich</hi> sei, die
                  «Zeichen» aber nur leiblich, sichtbar, äußerlich. Sonst würden wir uns nicht zum
                     <hi rend="italic">Glauben</hi> erheben. Es muß aber «alles zeitlich und empfindlich
                  Ding abfallen und wir ihr ganz entwöhnen, sollen wir zu Gott kommen». <hi rend="italic">Dazu</hi> dient uns das Sakrament. Es ist uns «eine Furt, eine Brücke, eine
                  Türe, ein Schiff und Tragbahre, in welcher und durch welche wir von dieser Welt
                  fahren ins ewige Leben. Darum liegt es gar am Glauben. Denn wer nicht glaubt, der
                  ist gleich dem Menschen, der übers Wasser fahren soll und so verzagt ist, daß er
                  nicht traut <pb n="49" ed="A"/> dem Schiff, und muß also bleiben
                  und nimmermehr selig werden, dieweil er nicht aufsitzt und überfahren will. Das
                  macht die Sinnlichkeit und der ungeübte Glaube, dem die Fahrt sauer wird über des
                  Todes <placeName ref="kbga-places-926">Jordan</placeName> […].»<note xml:id="nct" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">27,43f. (1519).</bibl><note xml:id="n145">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2068">
                                    <hi rend="italic">Ein
                                 Sermon von dem hochwürdigen Sakrament …</hi>, WA 2,753,17–23.</bibl></note> Auf die hier
                     vorgetragene Deutung des Abendmahls hätte sich <hi rend="italic">
                                <persName ref="kbga-actors-77">Calvin</persName></hi> berufen können für die eine
                        Seite<note xml:id="n146">In<ref corresp="A"> 
                                    ZZ</ref>: «… eine (von den Lutheranern als
                        ‹<foreign xml:lang="lat">raptus in coelum</foreign>› verspottete) Seite …»</note> seiner (im Gegensatz zu
                        <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName>
                     <hi rend="italic">und</hi>
                     <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName> streng dialektischen) Lehre.
                     Vgl. den Schluß seines 
                                <bibl corresp="kbga-bibls-469">
                                <hi rend="italic">Petit Traicté de
                              la Saincte Cène</hi>
                             von 1541 (Op. Calv. V 460)</bibl><note xml:id="n147">
                                    <bibl corresp="kbga-bibls-469">
                                        <persName ref="kbga-actors-77">J. Calvin</persName>, <hi rend="italic">Petit
                                 traicté de la saincte cene de nostre seigneur Iesus Christ</hi>,
                                 CR 33 (= Calvini opera 5), col. 460.</bibl></note> und den Schluß seiner Abendmahlsliturgie von
                     <date when="1542">1542</date> (<bibl corresp="kbga-bibls-496">ebendas. VI 200</bibl>)<note xml:id="n148">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-29">
                                    <persName ref="kbga-actors-77">J. Calvin</persName>, <hi rend="italic">La forme des prieres et chantz ecclesiastiques, avec la
                                 maniere d’administrer les sacramens et consacrer le
                              mariage</hi>, CR 34 (= Calvini opera 6),
                              col. 200.</bibl></note></note>
               </p>
          <p>5. Dazu hat Christus das Abendmahl eingesetzt, «<foreign xml:lang="lat">ut esset ceu <hi rend="italic">tessera
                     vel nota</hi>, qua discernerentur Christiani ab aliis</foreign>», also als Gelegenheit,
                  sich zu Christus zu <hi rend="italic">bekennen</hi>. <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> legt Gewicht darauf: man muß wissen, wer und wo die Christen
                  seien, «<foreign xml:lang="lat">item in quibus suos fructus evangelium ederet</foreign>»<note xml:id="ncu" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">III 428f. = 11,162 (1524?).</bibl><note xml:id="n149">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2049">
                                    <hi rend="italic">Sermon von der Beichte und dem
                                 Sacrament</hi>, WA 15,491,17–20</bibl>; vgl. oben <ref type="pub" target="#fn_n23">Anm. 23</ref>.</note></note>. Die Abendmahlsgemeinschaft ist eine «<foreign xml:lang="lat">pars confessionis, qua coram Deo,
                  angelis et hominibus sese confitentur</foreign>». Die Kommunikanten haben also im
                  Gottesdienst besondere Plätze einzu<pb xml:id="p277" ed="pga" break="no"/>nehmen,
                  um sich kenntlich zu machen, nicht heimlich, «<foreign xml:lang="lat">velut furtim</foreign>», dürfen sie sein, was
                  sie sind!<note xml:id="ncv" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">VII 14 (1523)</bibl><note xml:id="n150">«<foreign xml:lang="lat">Ideo
                        curandum, ne velut furtim auferant Coenam …</foreign>» <bibl corresp="kbga-bibls-2072">
                                    <hi rend="italic">Formula Missae et
                                 Communionis</hi>, WA 12,216,26–28.</bibl></note>; vgl. oben bei <ref type="pub" target="#fn_ncf">Anm. cf-cg</ref>.</note>
               </p>
          <p>6. Im Unterschied zur Predigt, aber gemeinsam mit der Beichte hat das Sakrament
                  den Vorzug, «<hi rend="italic">daß</hi> das Wort <hi rend="italic">allein auf deine Person
                     gestellt wird</hi>. Denn in der Predigt fleucht es in die Gemeinde hin, und
                  wiewohl es dich <hi rend="italic">auch</hi> trifft, so bist du doch sein nicht so
                  gewiß; aber hier kann es niemand treffen, denn dich allein. Solltest du aber nicht
                  herzlich froh werden, wenn du einen Ort wüßtest, da Gott mit dir selbst reden
                     wollte?»<note xml:id="ncw" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">11,157f. = III 424</bibl><note xml:id="n151">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2049">
                                    <hi rend="italic">Sermon von der
                                 Beichte und dem Sacrament</hi>, WA 15,486,30–487,11</bibl>; vgl. oben <ref type="pub" target="#fn_n23">Anm. 23</ref>.</note>; vgl. oben bei
                     <ref type="pub" target="#fn_ncf">Anm. cf.</ref></note>
               </p>
          <p>Man wird den erbaulichen, apologetischen und praktisch-kirchlichen Wert aller
                  dieser Argumente, aber auch ihren wirklichen Erkenntnisgehalt nicht gering
                  einschätzen dürfen. Sie sind, gerade weil sie für Ansatz und Absicht von <persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName> Abendmahlslehre <hi rend="italic">nicht</hi> bezeichnend, sondern <hi rend="italic">Parerga</hi> sind, ein
                  sprechendes Zeugnis für die Munterkeit und den Reichtum <pb n="50" ed="A"/> seines nach allen erreichbaren Möglichkeiten tastenden
                  Geistes. <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> selbst hat später
                  einmal, als es ihm ausgesprochenermaßen um die kirchliche Apologie und Empfehlung
                  der Abendmahlsfeier zu tun war, selbständig und zusammenhängend von ihnen Gebrauch
                     gemacht.<note xml:id="ncx" type="original">In der mehrfach zitierten Schrift: «<title level="a">
                                    <hi rend="italic">Vermahnung</hi> zum Sakrament des Leibes und Blutes unseres Herrn</title>» <bibl corresp="kbga-bibls-496">23,162ff. (1530).</bibl><note xml:id="n152">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2071">
                                    WA 30/II,589ff.</bibl></note></note> Seine Antwort aber auf die Frage nach dem Besondern des Sakramentes wird
                  man in ihnen nie und nimmer suchen dürfen. Sie sind ja als Ganzes (jedenfalls aber
                  methodisch!) geradezu identisch mit dem positiven Kern der Abendmahlslehre – <hi rend="italic">
                            <persName ref="kbga-actors-443">Zwinglis</persName>!</hi> Und bei <hi rend="italic">
                            <persName ref="kbga-actors-77">Calvin</persName></hi> sind sie in
                  dialektischer Verbindung mit der wirklichen Antwort <persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName> auf jene Frage zu ihrem systematischen
                  Recht gekommen.<note xml:id="ncy" type="original">Wären diese Gesichtspunkte <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName>
                     <hi rend="italic">wichtig</hi> gewesen, so hätte er sich zu <hi rend="italic">
                                <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName></hi> so stellen müssen, wie es
                     nachher <hi rend="italic">
                                <persName ref="kbga-actors-77">Calvin</persName> getan
                        hat</hi><note xml:id="n153">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-16">
                                    Inst. IV,17.</bibl></note>. Er hätte ihn bekämpfen und dialektisch überbieten können. Er hätte ihn
                     aber vor allem in seinem Anliegen <hi rend="italic">verstehen</hi> müssen. <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> hat aber <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName> notorisch behandelt, wie wenn er es
                     mit einem Heiden zu tun hätte. Wie nebensächlich müssen ihm die «<persName ref="kbga-actors-443">zwinglischen</persName>» Elemente seiner eigenen Lehre
                     gewesen sein!</note> In <persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName>
                  <pb xml:id="p278" ed="pga"/> eigener Konzeption aber wirken sie wenn nicht als
                  Fremdkörper, so doch als beiläufig<note xml:id="n154">In 
                                <ref corresp="A">ZZ</ref>: «…
                     wirken sie als Fremdkörper, als beiläufig …»</note> angestellte Experimente.
                  Eine Antwort auf die Frage nach dem Wie? und Was? des <hi rend="italic">Empfangens</hi>
                  des Glaubens im Sakrament bietet kein einziges dieser Argumente und doch wohl auch
                  nicht alle miteinander. Was sie bieten, das sind psychologische <hi rend="italic">Beschreibungen</hi> des Glaubens, sofern er eben menschliche Tat und Erfahrung
                  ist: wie er sich Gottes bindender <hi rend="italic">Anordnung</hi> gegenübersieht,
                  nämlich einer <hi rend="italic">leiblichen gemeinsamen</hi> und gerade dadurch
                  förderlichen Handlung, durch die das <hi rend="italic">Gedächtnis</hi> Christi
                  heilsamerweise begangen wird und mit der er sich öffentlich <hi rend="italic">bekennt</hi>, in der überdies das Wort Gottes an jeden <hi rend="italic">Einzelnen
                     als solchen</hi> gerichtet wird. Das alles heißt aber nicht von der göttlichen
                     <hi rend="italic">Gabe</hi>, sondern von der dem Menschen aus Anlaß dieser Gabe
                  gestellten <hi rend="italic">Aufgabe</hi> reden. Alle diese Gründe sind offenbar nur
                  dann beweisend, wenn die Antwort, die sie angeblich geben <pb n="51" ed="A"/> wollen, schon anderweitig gegeben ist. Aus dieser
                  Sackgasse gibt es nur <hi rend="italic">den</hi> Ausweg, vom <hi rend="italic">Glauben</hi>
                  entschlossen zurückzugreifen auf sein <foreign xml:lang="lat">correlativum</foreign>, die <hi rend="italic">Verheißung</hi>.<note xml:id="ncz" type="original">Aus dieser Sackgasse ist <hi rend="italic">
                                <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName></hi>, nachdem er sie
                     einmal betreten, nicht mehr herausgekommen. An diesem Punkt scheint ihm, zu
                     einer Zeit, da er zu der Frage der Realpräsenz von Leib und Blut in den
                     Elementen mindestens noch undeutlich Stellung nahm, <hi rend="italic">zuerst</hi>
                     seine Differenz zu <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> klar
                     geworden zu sein. Vgl. «<bibl corresp="kbga-bibls-1937"><hi rend="italic">Uslegen und gründ der Schlußreden</hi></bibl>» <date when="1523">1523</date>:
                     «Deßhalb ich diese Spys nießen, etliche Jar har genämt hab ein <hi rend="italic">Widergedächtnuß</hi> des Lydens Christi und nit ein Opfer. Aber nach
                     etlicher Zyt hat <persName ref="kbga-actors-261">Martinus Luther</persName>
                     diese Spys ein <hi rend="italic">Testament</hi> genennet, deß Namen ich gern wychen
                     will: denn er es genämt hat nach seiner <hi rend="italic">Natur</hi> und <hi rend="italic">Eigenschaft</hi>. Und hab ichs genennt nach dem <hi rend="italic">Bruch</hi> und <hi rend="italic">Verhandlung</hi> und ist in den beiden Namen
                     kein Zwietracht» (Zwinglis Werke I 249).<note xml:id="n155">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1937">
                                    <persName ref="kbga-actors-443">H. Zwingli</persName>, <hi rend="italic">Uslegen und gründ der
                                 Schlußreden oder artikel</hi>, in: <hi rend="italic">Huldreich Zwingli’s
                                 Werke</hi>, hrsg. von M. Schuler und J.
                                 Schultheß, Bd. I,
                                 Zürich 1828, S. 249</bibl>
                           (<bibl corresp="kbga-bibls-2948">CR
                                     <choice>
                                        <sic ed="pga">88</sic>
                                        <corr>89</corr>
                                    </choice>
                              [= Zwinglis Werke 2],137,22–138,2</bibl>).</note> Allerdings nicht, wird zu bemerken
                     sein! Wenn es nämlich gelang, diesen <hi rend="italic">beiden</hi> «Namen» wirklich
                     zu ihrem Recht zu verhelfen. Man wird nicht sagen können, daß dies <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName> gelungen ist. Es gibt aber auch
                     eine <hi rend="italic">entgegengesetzte</hi> Sackgasse, und in dieser dürfte sich –
                     nicht der <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName>, mit dem wir es
                     hier zu tun haben, aber der <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName>
                     des Abendmahlsstreites verfangen haben.</note> Auf <hi rend="italic">diesem</hi> Weg
                  hat <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> tatsächlich sichtbar
                  gemacht, was für ihn Empfangen und Haben des Sakramentes bedeutete. Das wirklich
                  Besondere des Sakraments und damit auch seine <pb xml:id="p279" ed="pga"/> einzige
                  mögliche Apologie besteht in seinen «<hi rend="italic">Früchten</hi>», und diese
                  Früchte kommen aus dem <hi rend="italic">Wort</hi>, aus dem Glauben nur, sofern er das
                  Wort bejaht: «es sei also, wie die Sakramente […] zusagen und verpflichten»<note xml:id="nda" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">21,270 (1519)</bibl><note xml:id="n156">«Der Brauch ist
                        nit anders, dann glauben, es sei also, wie die Sacrament durch Gottis Wort
                        zusagen und vorpflichten.» <bibl corresp="kbga-bibls-1941">
                                    <hi rend="italic">Ein Sermon von der Bereitung zum Sterben</hi>, WA 2,695,10–12.</bibl></note></note>. Diese Bejahung vorausgesetzt, tritt nun eben – und dies ist das
                  Besondere, die Gabe des Sakraments – in Kraft, was schon am Ende des ersten
                  Abschnitts als unvermeidlich signalisiert wurde: der Schritt vom Wort zum Werk,
                  von der Zusage zum Sein und Geschehen, von der Verheißung zur Erfüllung, vom
                  Versprechen zum Geben – das «<foreign xml:lang="lat"><hi rend="italic">habere</hi> verbum</foreign>», das mit dem Empfang
                  des sichtbaren Zeichens Wirklichkeit wird. Was <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> über die «Früchte» des Sakraments zu sagen hat, führt uns
                  erst recht zur Einsicht in den <hi rend="italic">dynamischen</hi> Charakter seines
                  Wortbegriffes: Das Sakrament ist ein göttlich Zeichen, «darinne <hi rend="italic">zugesagt, gegeben</hi> und <hi rend="italic">zugeeig</hi>
                        <pb n="52" ed="A"/>
                        <hi rend="italic">net wird Christus</hi>, alle Heiligen mit
                  allen ihren Werken, Leiden, Verdiensten, Gnaden und Gütern»<note xml:id="ndb" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">27,38 (1519).</bibl><note xml:id="n157">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2068">
                                    <hi rend="italic">Ein Sermon von dem hochwürdigen Sakrament
                                 des heiligen wahren Leichnams Christi und von den
                                 Brüderschaften</hi>, WA 2,749,24–26.</bibl></note></note>. In der Hemmungslosigkeit, mit der <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> (von Anfang an!) diese drei sehr verschiedenen Dinge
                  (zugesagt, gegeben, zugeeignet) aneinanderreiht, als ob sich das von selbst
                  verstünde, steckt m.E. die Größe und das Problem seiner Abendmahls- (und
                  vielleicht nicht nur seiner Abendmahls-) Lehre. Das «Du mußt anders werden!»<note xml:id="ndc" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">III 442 = 11,173 (1524?).</bibl><note xml:id="n158">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2049">
                                    <hi rend="italic">Sermon von der
                                 Beichte und dem Sacrament</hi>, WA 15,504,25</bibl>; vgl. oben <ref type="pub" target="#fn_n23">Anm. 23</ref>.</note></note> erscheint nun auf einmal nicht mehr als Vorbereitung<note xml:id="ndd" type="original">Vgl. oben bei <ref type="pub" target="#fn_nbh">Anm. bh</ref>.</note>, sondern als <hi rend="italic">Ertrag</hi> des
                  Sakramentsgenusses und nun auch wirklich mit einem ganz neuen Inhalt: Wenige
                  Zeilen vor jenem Imperativ ist zu lesen: «Das Sakrament soll also mit uns umgehen,
                     <hi rend="italic">daß es uns wandele</hi> und andere Leute mache; denn die Worte und
                  Werke Gottes wollen nicht müßig sein, sondern groß Ding schaffen (<foreign xml:lang="lat">facta <hi rend="italic">Dei non solent esse otiosa, sed maximarum rerum sunt principia et
                     fontes</hi></foreign>).»<note xml:id="nde" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">III 441 = 11,172</bibl><note xml:id="n159">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2049">
                                    A.a.O., WA 15,504,13–15.</bibl></note></note>
                  <pb xml:id="p280" ed="pga"/> Was meint <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName>, wenn er (natürlich in Parodierung der offiziellen Lehre des
                  Mittelalters von der wandelnden Kraft des Sakramentes<note xml:id="n160">Das
                     Concilium Lateranense IV (<date when="1215">1215</date>) erhob die
                     Transsubstantiationslehre zum Dogma; siehe <bibl corresp="kbga-bibls-1938">
                                DS 802.</bibl></note>), von dem «hohen reichen Wechsel»<note xml:id="ndf" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">15,344 (1527).</bibl><note xml:id="n161">«Darnach folget denn der hohe,
                        reiche Wechsel, davon ich oft gesaget habe, daß er in uns, und wir in ihm
                        bleiben, und Ein Kuchen mit ihm werden …» <bibl corresp="kbga-bibls-2065">
                                    <hi rend="italic">Festpostille 1527. Am tag des
                                 heiligen warleichnams Christi, Euangelion Johannis: vj</hi>
                                    WA 17/II,440,10–12</bibl>, allerdings mit anderem Wortlaut: «Denn wenn ich in
                        Christum glaube, so esse ich recht sein fleisch und trincke recht sein blit,
                        da bleibe ich denn in yhm und werde eyn kuche mit yhm.» Vgl. 
                                    <bibl corresp="kbga-bibls-1958">
                                    WA 12,583,16f.</bibl></note></note>, der sich da an und in den Gläubigen vollzieht, redet? «Die Bedeutung oder
                  (!) das Werk dieses Sakraments ist Gemeinschaft aller Heiligen», Synaxis oder
                  Communio, vergleichbar der in Glück und Unglück, in Rechten und Pflichten zu
                  übernehmenden Solidarität, in die eintritt, wer das Bürgerrecht einer Stadt
                     erwirbt.<note xml:id="ndg" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">27,29f. (1519).</bibl><note xml:id="n162">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2068">
                                    <hi rend="italic">Ein Sermon
                                 von dem hochwürdigen Sakrament …</hi>, WA 2,743,7–9; vgl. 743.12–17.27.38.</bibl></note></note> Oder noch kürzer: «<foreign xml:lang="lat">nomen est communio, res unitas cordium</foreign>»<note xml:id="ndh" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">II 313 (1518).</bibl><note xml:id="n163">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2046">
                                    <hi rend="italic">Sermo de digna praeparatione
                                 cordis pro suscipiendo sacramento eucharistiae</hi>, WA 1,329,13f.</bibl></note>
                     <bibl corresp="kbga-bibls-1939">
                                <persName ref="kbga-actors-4044"><hi rend="italic">F. Graebke</hi></persName>,
                              Die Konstruktion der Abendmahlslehre Luthers, Gött. Diss.
                              1907, S. 16</bibl> bezeichnet die 17,55 gebotene
                     Übersetzung von <foreign xml:lang="lat">
                                <hi rend="italic">res</hi></foreign> mit «<hi rend="italic">Tun</hi>» als
                        falsch.<note xml:id="n164">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1939">
                                    <persName ref="kbga-actors-4044">F. Graebke</persName>, <hi rend="italic">Die
                                 Konstruktion der Abendmahlslehre Luthers in ihrer Entwicklung dargestellt. Eine
                                 dogmengeschichtliche Studie</hi> (Diss. Göttingen),
                                 Naumburg a.S. 1907, S. 16</bibl>, Anm.: «… die Berücksichtigung des lateinischen Originals
                        ist … wichtig, weil wir dadurch schon für <date when="1518">1518</date> Aussagen über
                        die ‹<foreign xml:lang="lat">res</foreign>› (im deutschen Text fälschlich mit ‹Thun› übersetzt, <bibl corresp="kbga-bibls-496">E. A. 17,55</bibl>)
                        nachweisen können.» – <bibl corresp="kbga-bibls-496">
                                    <hi rend="italic">Predigt über
                                 die Epistel am grünen Donnerstage, von der würdigen Bereitung zu
                                 dem hochwürdigen Sacrament</hi>, E. A. 17,55</bibl>: «Das Thun dieses Sacraments ist die Einigkeit des
                        Herzens.» Es handelt sich dabei um die von <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> zitierte Stelle in einer
                        nicht auf <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> zurückgehenden
                        und darum nicht in der WA enthaltenen Übersetzung von dessen in <ref type="pub" target="#fn_n163">Anm. 163</ref>
                        nachgewiesener Predigt.</note> Sollte der Übersetzer nicht vielmehr gerade
                     die Pointe des Gedankens <persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName>
                     richtig verstanden haben, wonach die «<foreign xml:lang="lat">res sacramenti</foreign>» eben nicht eine «Sache»,
                     sondern ein <hi rend="italic">Tun</hi> ist?</note>. Diese <hi rend="italic">
                            <foreign xml:lang="lat">unitas</foreign></hi>
                  ist aber von Haus aus eine <hi rend="italic">doppelte:</hi> «So, daß die Gemeinschaft
                  zweierlei ist; eine, daß wir Christi und aller Heiligen genießen; die andere, daß
                  wir alle Christenmenschen unser auch <pb n="53" ed="A"/> lassen
                     genießen».<note xml:id="ndi" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">27,44f. (1519).</bibl><note xml:id="n165">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2068">
                                    <hi rend="italic">Ein Sermon
                                 von dem hochwürdigcn Sakrament …</hi>, WA 2,754,10–12.</bibl></note></note> Oder am Ende der Zeit, die uns hier interessiert: «Ihr habt <pb xml:id="p281" ed="pga"/> zwei Früchte von dem hl. Sakrament: Eine ist, daß es
                  uns machet Brüder und Miterben des Herrn Christi, also daß aus ihm und uns werde
                  ein Kuche. Die andere, daß wir auch gemein und eins werden mit allen Gläubigen, wo
                  sie sind auf Erden, und auch alle ein Kuche seien.»<note xml:id="ndj" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">11,186 (1523).</bibl><note xml:id="n166">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1958">
                                    <hi rend="italic">Ain schöne Predig von empfahung des
                                 hailigen Sacraments</hi>, WA 12,485,19f.</bibl>: «… eyns werden mit allen andern leuten uf erden und
                        auch …»; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-2041">
                                    WA 10/I,2,218.</bibl></note></note> Die <foreign xml:lang="lat">unitas</foreign> besteht also zum ersten darin, daß «in diesem Sakrament uns
                  gegeben ist die unmäßige Gottesgnad und Barmherzigkeit, daß wir da allen Jammer,
                  alle Anfechtung von uns legen auf die Gemeinde und sonderlich auf Christum.» Gott
                  sagt dir zu, «daß die Sünde nicht dich allein, sondern … Christum und alle seine
                  Heiligen im Himmel und auf Erden anficht. Drum sei frisch und getrost, <hi rend="italic">du streitest nicht allein</hi>; groß Hilf und Beistand um dich
                     ist.»<note xml:id="ndk" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">27,32.31</bibl><note xml:id="n167">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2068">
                                    <hi rend="italic">Ein Sermon von dem
                                 hochwürdigen Sakrament …</hi>, WA 2,745,7–9; 744,28–30.</bibl></note>; [vgl.] <bibl corresp="kbga-bibls-496">21,270 (1519)</bibl><note xml:id="n168">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1941">
                                    <hi rend="italic">Ein Sermon von der Bereitung zum
                                 Sterben</hi>, WA 2,695,16–24.</bibl></note></note> Weil der Glaube «Gott die Ehre tut, daß er ihn für wahrhaftig hält und
                  bekennt, <hi rend="italic">macht er ihm einen gnädigen Gott</hi>, der ihn wiederum
                  ehret und wahrhaftig bekennet und hält …; so folgt denn der heilig Geist, der ihm
                  geben wird, um desselben Glaubens willen.»<note xml:id="ndl" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">27,144f. (1520).</bibl><note xml:id="n169">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1956">
                                    <hi rend="italic">Ein Sermon von dem neuen
                              Testament …</hi>, WA 6,356,11–13.18f.</bibl></note></note> «<hi rend="italic">Wenn ich glaube, daß sein Leib und Blut mein ist, so habe
                     ich den Herrn Christus ganz und alles, was er vermag</hi>, so daß mein Herz
                  fröhlich und trotzig wird, sintemal ich mich nicht verlasse auf meine Frömmigkeit,
                  sondern auf das unschuldige Blut und auf den reinen Leib, den ich da nehme. Nun,
                  was hat unser Herr Jesus Christus und was vermag er? Sein Leib und Blut ist ohne
                  Sünde, voll Gnade, ja die leibliche Wohnung der göttlichen Majestät. Kürzlich: <hi rend="italic">Alles, was Gott der Herr hat</hi>, das ist Christi, <hi rend="italic">diese
                     Güter werden hier allesamt mein …</hi> Also nimmt seine Weisheit, Wahrheit und
                  Frömmigkeit hinweg und vertilget alle meine Sünde; sein ewig Leben frisset mir den
                  Tod; durch seine Stärke und Kraft überwinde ich den Teufel.» Aber noch mehr:
                  «Sintemal du sein Fleisch und Blut hast, <hi rend="italic">so hast du alle Gewalt, die
                     Gott selber hat</hi>, d.i. daß wir ein Kuche werden mit <pb n="54" ed="A"/> dem Herrn Christo, daß wir treten in die Gemeinschaft
                  seiner Güter und er in die Gemeinschaft unsres <pb xml:id="p282" ed="pga"/>
                  Unglücks. Denn hier stoßen zusammen seine Frömmigkeit und meine Sünde, meine
                  Schwachheit und seine Stärke, und wird also alles gemein. Was mein ist, das ist
                  sein, und was sein ist, das habe ich auch.» Also: «Was willst du mehr haben? <hi rend="italic">Du hast es alles überschwenglich, was dein Herz begehrt, und sitzest
                     nun im Paradies</hi>.» Wie ich das Sakrament esse, «so isset es mich wieder …,
                  so nimmt mich Christus und verzehret mich auch und isset mich und meine Sünde, und
                  ich genieße seine Gerechtigkeit; also verschlinget seine Frömmigkeit und Reichtum
                  meine Sünde und Elend, so daß ich darnach eitel Gerechtigkeit habe … Ist es nicht
                  groß, <hi rend="italic">daß die hohe Majestät vor mich tritt und […] sich mir zu eigen
                     gibt?</hi>»<note xml:id="ndm" type="original">11,187–190 (1523).<note xml:id="n170">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1958">
                                    <hi rend="italic">Ain
                                 schöne Predig von empfahung des hailigen Sacraments</hi>, 
                                 WA 12,486,15–487,1.7–10.17–23.25f.; 489,2.5–8; 490,9f.</bibl>; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-2041">
                                    WA 10/I,2,218.</bibl></note></note> Zum andern ist dies Sakrament ein «Sakrament der <hi rend="italic">Liebe</hi>»,
                  und es gilt, «wie dir Lieb und Beistand geschehn, wiederum Lieb und Beistand
                  erzeigen Christo und seinen Dürftigen. Denn hier muß dir leid sein alle Unehre
                  Christi in seinem heiligen Wort, alles Elend der Christenheit, alles unrechte
                  Leiden der Unschuldigen, des alles zumal überschwenglich viel ist an allen Örtern
                  der Welt; hie mußt du wehren, tun, bitten und, so du nicht mehr kannst, herzlich
                  Mitleid haben.» Ein gegenseitiges <hi rend="italic">Sichtragen</hi>, ein <hi rend="italic">Gemeinsein</hi> aller Dinge in und mit Christus, ein «<hi rend="italic">der
                     Wahrheit beistehen</hi>, der Kirche Besserung und (die) aller Christen mit
                  Leib, Gut und Ehre suchen» wird da platzgreifen.<note xml:id="ndn" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">27,32–35 (1519).</bibl><note xml:id="n171">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-496">
                                    E. A. 27,32f.</bibl>: «Da muß nun dein
                        Herz sich in die Lieb ergeben, und lernen, wie dieß Sacrament ein Sakrament
                        der Liebe ist, und wie dir …»; 27,35: «Man find ihr wohl, die gerne wollen
                        mitnießen, wollen aber nit mit gelten: das ist, sie hören gerne, daß in
                        diesem Sacrament ihr Hulf gemein und Beistand aller Heiligen zugesagt und
                        geben wird; aber sie wollen … nit der Wahrheit beistehn …» <bibl corresp="kbga-bibls-2068">
                                    <hi rend="italic">Ein Sermon von dem
                                 hochwürdigen Sakrament …</hi>; WA 2,745,24–30; 747,26–32.</bibl></note></note> Aus dem Essen und Trinken des Leibes und Blutes Christi folgt, daß wir
                  «<foreign xml:lang="lat">vicissim quoque patiamur nos ab aliis comedi et bibi, h[oc] e[st,] ut omnes
                  actiones, omnem vitam nostram ad proximi commodum provehendum instituamus</foreign>», daß
                  wir auch zu unserm Nächsten sprechen: «Nimm mich, iß mich, trink mich!, nicht im
                  Scherz, sondern im Ernst», denn «<foreign xml:lang="lat">satis […] abunde habeo, cum Christum habeo. Tu
                  igitur iis quoque, quae ego habeo, fruere, omnia mea similiter tua sint</foreign>». Gottes
                  eigenes, <pb xml:id="p283" ed="pga"/> der Engel und aller Frommen Zeugnis
                  bekräftigt uns, daß hier <pb n="55" ed="A"/> Vergebung der Sünden
                  ist. Aber unser eigenes Zeugnis muß dazu kommen, und das wird in dem Leuchten der
                  «<foreign xml:lang="lat">officia pietatis</foreign>» bestehen müssen.<note xml:id="ndo" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">III 435ff. = 11,167f. (1524?).</bibl><note xml:id="n172">Die Worte: «Nimm mich, iß mich,
                        trink mich! nicht im Scherz, sondern im Ernst» sind <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Übersetzung von
                           <bibl corresp="kbga-bibls-496">
                                    E. A. III 435</bibl>: «<foreign xml:lang="lat">Accipe, comede, bibe. Neque ioco illa dici debent, sed
                        revera sic sentias …</foreign>» – S. 438: «<foreign xml:lang="lat">Non autem certius argumentum est, an digne
                        et cum fructu hoc sacramento sis usus, quam quod ex caritatis [sic] officiis
                        sumitur.</foreign>» <bibl corresp="kbga-bibls-2049">
                                    <hi rend="italic">Sermon
                                 von der Beichte und dem Sacrament</hi>, WA 15,498,14–17.32ff.; 501,20–26</bibl>; vgl.
                        oben <ref type="pub" target="#fn_n23">Anm. 23</ref>.</note></note> «Denn wo die Liebe nicht täglich wächst und den Menschen also wandelt, daß
                  er gemein wird jedermann, da ist dieses Sakramentes Frucht und Bedeutung
                     nicht.»<note xml:id="ndp" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">27,36 (1519).</bibl><note xml:id="n173">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2068">
                                    <hi rend="italic">Ein Sermon von dem
                                 hochwürdigen Sakrament …</hi>, WA 2,748,3–5.</bibl></note></note> Nicht als ob der konstatierte Mangel an Liebe aber jemand zu dem Urteil
                  veranlassen dürfte, «<foreign xml:lang="lat">quod non sit christianus</foreign>»! Eben um des Mangels willen hat ja
                  Christus das Sakrament eingesetzt «<foreign xml:lang="lat">ceu quoddam exercitium, unde peteremus ea, quae
                  ipsi nobis deesse sentimus</foreign>». «Dies Leben ist nichts anderes, denn ein Leben des
                  Glaubens, der Liebe und des heiligen Kreuzes. Aber diese drei werden nimmer in uns
                  vollkommen, weil wir auf Erden leben.» Immer verhalten wir uns zu Christus wie ein
                  angezündeter Strohhalm zur Sonne. Aber wenn von jenem <hi rend="italic">eigenen</hi>
                  Zeugnis für die Sündenvergebung <hi rend="italic">gar</hi> nichts wahrzunehmen sein
                  sollte, «so hast du Ursache, daß du dich anders darein stellest; denn es ist kein
                  gut Zeichen». Bleibt unser Leben ein Fortschreiten «<foreign xml:lang="lat">de fide in fidem, de caritate
                  in caritatem, de patientia in patientiam, de cruce in crucem</foreign>», nicht <foreign xml:lang="lat">iustitia</foreign>,
                  sondern <foreign xml:lang="lat">iustificatio</foreign>, nicht <foreign xml:lang="lat">puritas</foreign>, sondern <foreign xml:lang="lat">purificatio</foreign> («wir sind noch nicht
                  kommen, dahin wir sollen; wir sind aber alle auf der Bahn und im Wege», einige
                  mehr, andere weniger weit; «Gott ist zufrieden, daß er uns findet in der Arbeit
                  und Vorsatz») – so bleibt doch unzertrennlich das Essen des Herrn durch den
                  Glauben an das Wort, das die Seele zu sich nimmt, <hi rend="italic">und</hi>: daß ich
                  mich auch von meinem Nächsten wieder «essen lasse»<note xml:id="ndq" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">III 436ff.= 11,168ff. (1524?).</bibl><note xml:id="n174">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-496">
                                    E. A. III 436f.439</bibl>;
                           <bibl corresp="kbga-bibls-496">
                                    E. A. 11,168–172.</bibl>
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2049">
                            <hi rend="italic"> Sermon von der Beichte und dem Sacrament</hi>, 
                           WA 15,499–503</bibl>; vgl. oben <ref type="pub" target="#fn_n23">Anm. 23</ref>.</note></note>. <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> redet, was diese <hi rend="italic">zweite</hi> Seite der <foreign xml:lang="lat">unitas</foreign> betrifft, ausdrücklich auch von einem
                  gegenseitigen Füreinandereintreten der Christen <hi rend="italic">vor Gott:</hi> «Ist
                  es, <pb xml:id="p284" ed="pga"/> daß ich ein Sünder bin und du von Gottes Gnaden
                  fromm ist, so fährest du zu<note xml:id="n175">In den früheren Drucken irrtümlich:
                     «so führest du an» – und zwei Zeilen weiter: «<hi rend="italic">wie Christus das
                        getan hat</hi>»; Korrekturen nach E. A.</note> und teilest mir deine
                  Frömmigkeit mit, bittest für mich vor Gott und nimmst dich meiner also an, als
                  wärest du es selbst. Also verzehrest du mit deiner Frömmigkeit meine Sünde, <hi rend="italic">wie Christus uns getan hat</hi>. <pb n="56" ed="A"/>
                  Also issest du mich, so esse ich dich wieder.» Wie Christus dasteht «und spricht:
                  Der Sünder ist mein, den will ich angreifen mit meinen heiligen Fingern, wer will
                  dawider murren? … <hi rend="italic">Also tun wir Christen unter einander
                     auch</hi>».<note xml:id="ndr" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">11,189f. (1523).</bibl><note xml:id="n176">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1958">
                                    <hi rend="italic">Ain schöne
                                 Predig von empfahung des hailigen Sacraments</hi>, WA 12,490,1–5.14–17</bibl>; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-2041">
                                    WA 10/I,2,218.</bibl></note></note> Und im unmittelbaren Anschluß daran auch hier das merkwürdige praktische
                  Postulat: man solle die, bei denen die «Früchte des Sakraments» endgültig nicht
                  eintreten wollen, «ausschließen aus der Gemeinde. Also möchte es wieder in rechten
                  Schwang kommen, daß man wüßte, welches rechtschaffene Christen wären oder
                     nicht.»<note xml:id="n177">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">
                                <hi rend="italic">E. A.</hi> 11,190</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-1958">
                                WA 12,491,5f.</bibl>; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-2041">
                                WA 10/I,2,218.</bibl></note>/<note xml:id="nds" type="original">Wenn diese <persName ref="kbga-actors-261">Luthersche</persName> Idee von Kirchenzucht zur
                     Durchführung gekommen wäre, so hätte also mindestens der Mangel an <hi rend="italic">Liebe</hi> (an die erste «Frucht» des Sakraments hat er wohl bei diesem
                     Satz, obwohl er sie nicht ausschließt, nicht gedacht) als Grund zur <hi rend="italic">Exkommunikation</hi> genügt! Ich brauche nicht zu sagen, daß die
                        calvinische Kirchenzucht daneben
                     lax erscheint.</note> Dies also ist (offenkundig auf einer ganz anderen <hi rend="italic">Ebene</hi> als die Dinge, von denen jene psychologisierenden Argumente
                  reden!) die göttliche <hi rend="italic">Gabe</hi> im Abendmahl. Man darf daher die
                  beiden «Früchte» nicht voneinander trennen. Keine Sündenvergebung, keine
                  Barmherzigkeit Gottes, keine rettende Gemeinschaft mit Christus, die dem Menschen
                  nicht durchlaufend zur Vergebung, Barmherzigkeit und Gemeinschaft mit Christus
                  würde. Aber auch keine Moral, keine Verpflichtung, keine Beziehung zum Menschen,
                  die etwas anderes wäre als die durchlaufende Neuordnung des Verhältnisses zu Gott
                  durch die Rechtfertigung. Es hat keine grundsätzliche Bedeutung, wenn <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName>
                  <hi rend="italic">innerhalb</hi> dieses Ganzen bald mehr die eine Seite, die
                  Sündenvergebung, bald mehr die andre, die ethische Seite, betont. Er hat sowohl in
                  früheren Schriften das erstere wie in späteren Schriften das zweite getan.<note xml:id="ndt" type="original">Vgl. für das erste z. B. den <bibl corresp="kbga-bibls-496">«Sermon von der Bereitung zum Sterben»
                     21,253ff. (1519)</bibl><note xml:id="n178">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1941">
                                    WA 2,680–697.</bibl></note>, für das zweite die eben zitierte <bibl corresp="kbga-bibls-496">«Schöne
                     Predigt von Empfahung des hl. Sakraments» 11,179ff. (1523)</bibl><note xml:id="n179">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1958">
                                    WA 12,476–493</bibl>; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-2041">
                                    WA 10/I,2,218.</bibl></note>. Die «Konstruktion» <hi rend="italic">
                                <persName ref="kbga-actors-4044">Graebkes</persName></hi> (vgl. <ref type="pub" target="#fn_ndh">Anm. dh</ref>), die
                     offenbar bei namhaften Lutherkennern Beifall gefunden hat<note xml:id="n180">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1942"> z. B.  <persName ref="kbga-actors-646">W.
                                 Köhler</persName>, <hi rend="italic">Zwingli und Luther. Ihr Streit über das
                                 Abendmahl nach seinen politischen und religiösen
                                 Beziehungen</hi>, Bd. I: <hi rend="italic">Die religiöse und
                                 politische Entwicklung bis zum Marburger Religionsgespräch
                                 1529</hi>, Leipzig 1924
                              (Nachdruck New York/London 1971), S. 128.188f.195.197.199f. u.
                              ö.</bibl>; diese Publikation war <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> bereits vor deren
                        Erscheinen bekannt (vgl. unten <ref type="pub" target="#fn_n195">Anm. 195</ref>). <bibl corresp="kbga-bibls-2900">
                                    <persName ref="kbga-actors-380">R. Seeberg</persName>, <hi rend="italic">Lehrbuch der Dogmengeschichte</hi> (<hi rend="italic">Sammlung Theologischer
                              Lehrbücher</hi>), 4. Bd., 1. Abt., Leipzig
                              1917<hi rend="sup">2.3</hi>, S. 326.386.</bibl></note>, ist mir ein Gegenstand der Verwunderung. Ich kann
                     die entscheidende Bedeutung, die nach ihm dem Jahre <date when="1520">1520</date> zukommen
                        soll<note xml:id="n181">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-1939">
                                    <persName ref="kbga-actors-4044">Fr. Graebke</persName>, a.a.O.,
                              bes. S. 40–42.</bibl></note>, bei allem Vergleichen und Nachdenken nicht einsehen.</note> In <pb xml:id="p285" ed="pga"/> was kann die göttliche Gabe <pb n="57" ed="A"/> für <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName>
                  bestehen als eben in <hi rend="italic">Christus</hi>, gleichviel ob er nun das eine Mal
                  stärker von dem für unsre Schwachheit vor Gott eintretenden, das andre Mal mehr
                  von dem uns in seiner Liebe untereinander vereinigenden Christus redet? Nicht die
                  bald so, bald so formulierte Aussage über den <hi rend="italic">Inhalt</hi> der Gabe
                  ist zur Feststellung des Sinnes der lutherischen Abendmahlslehre wichtig, sondern die in allen diesen
                  Aussagen hervortretende Anschauung von der spezifischen Art des <hi rend="italic">Gegebenseins</hi> dieser Gabe für den Glauben, also das Bild von dem «Ein
                  Kuche»-Werden mit Christus und das andere mehr kräftige als schöne Bild von dem
                  gegenseitigen «Sich-Essen» zwischen Christus, den Gläubigen und den Gläubigen
                  untereinander, die Plerophorie der Versicherung, daß der Glaube sich hier einen
                  gnädigen Gott <hi rend="italic">macht</hi>, daß hier empfangen wird «alle Gewalt, die
                  Gott selber hat», daß der Mensch hier ins Paradies zu sitzen kommt, daß die hohe
                  Majestät hier vor ihn tritt und sich ihm zu eigen gibt, daß ihm hier eine Wandlung
                  widerfährt usf. Wir sind nun so weit, um feststellen zu können: die beiden durch
                  die Begriffe «Wort» und «Glaube» bezeichneten Linien <hi rend="italic">konvergieren</hi> in der Richtung desselben Punktes. An diesem Punkt wird das
                  Wort nicht mehr bloß Wort und nun auch der Glaube nicht mehr bloß Glaube sein. Wie
                  das Geschenk des göttlichen Wortes von der einen, so tritt das Empfangen des
                  menschlichen Glaubens von der andern Seite auf die <hi rend="italic">Schwelle</hi> des
                  Sicht- und Greifbaren. Was sollte an präsenter Realität noch ausstehen, wo <hi rend="italic">Christus selber</hi> sein Wort bekräftigt? Und ist das letzte, höchste
                  Wort: <hi rend="italic">Christus selber</hi>, zu vermeiden, wenn es sich <pb xml:id="p286" ed="pga"/> menschlicherseits um den Empfang dieser Bekräftigung
                  handelt? Ist der Wunsch nicht begreiflich, wenn nicht das Empfangene selbst, so
                  doch die <hi rend="italic">Empfänger</hi>, die «rechtschaffenen Christen», die kraft
                  des Empfangenen im Glauben und in der Liebe Stehenden, ebenso leibhaftig zu sehen
                  (auf besonderen Bänken in der Kirche sogar), wie auf der anderen Seite wenigstens
                  das <hi rend="italic">Zeichen</hi> des ihnen Gegebenen leibhaftig zu sehen ist? Auf
                  alle Fälle: ist es vermeidlich, daß über den Punkt, auf den hin im <pb n="58" ed="A"/> Sakrament das «Wort» und der «Glaube» konvergieren,
                  noch etwas ganz anderes zu sagen ist?</p>
        </div>
        <div>
          <head>III.</head>
          <p>«Solch Gemeinschaft zu <hi rend="italic">bedeuten</hi>, hat Gott […] solch <hi rend="italic">Zeichen</hi> dieses Sakraments eingesetzt.»<note xml:id="ndu" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">27,36 (1519).</bibl><note xml:id="n182">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2068">
                                    <hi rend="italic">Ein Sermon von dem hochwürdigen
                                 Sakrament …</hi>, WA 2,748,6f.</bibl></note></note> «Bedeuten» und «Zeichen» heißt bei <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> zunächst wirklich und einfach, was die Worte sagen: Ein <hi rend="italic">Abbild</hi> eines andern und dadurch einen <hi rend="italic">Hinweis</hi>
                  darauf geben. «Bedeutend» in diesem schlichten Sinn sind im Abendmahl zunächst <hi rend="italic">Brot und Wein</hi> als solche, nämlich (<persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> nimmt hier einen frühchristlichen
                  Gedanken auf) darin, daß «<foreign xml:lang="lat">multa grana, amissa singulorum differentia, in unum
                  panem, item uvae multae amissa sua quoque differentia in unum vinum redactae
                     sunt</foreign>»<note xml:id="ndv" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">II 314 = 17,55 (1518)</bibl><note xml:id="n183">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2046">
                                    <hi rend="italic">Sermo de
                                 digna praeparatione cordis pro suscipiendo sacramento
                                 eucharistiae</hi>, WA 1,329,16–18</bibl>; zur nicht auf <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> zurückgehenden Übersetzung vgl. oben <ref type="pub" target="#fn_n20">Anm. 20</ref>.</note>;
                     [vgl.] <bibl corresp="kbga-bibls-496">27,36 (1519)</bibl><note xml:id="n184">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2068">
                                    <hi rend="italic">Ein Sermon von dem
                                 hochwürdigen Sakrament …</hi>, WA 2,748,6–18.</bibl></note>; <bibl corresp="kbga-bibls-496">III 440 = 11,171[f.]
                        (1524?)</bibl><note xml:id="n185">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2049">
                                    <hi rend="italic">Sermon von der Beichte und dem
                                 Sacrament</hi>, WA 15,503,15–24</bibl>; vgl. oben <ref type="pub" target="#fn_n23">Anm. 23</ref>. Vgl. diesen Topos schon in
                        <bibl corresp="kbga-bibls-1615">Didache 9,4.</bibl></note></note>. «Also sollen und (!) sein wir auch, so wir dies Sakrament recht brauchen;
                  Christus mit allen seinen Heiligen, durch seine Liebe, nimmt unsre Gestalt an …,
                  davon wir in Liebe entzündet, nehmen sein Gestalt … und sein also durch
                  Gemeinschaft seiner Güter und unsres Unglücks Ein Kuche, Ein Brot, Ein Leib, Ein
                  Trank und ist alles gemein.»<note xml:id="ndw" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">27,36 (1519).</bibl><note xml:id="n186">«… Christus mit allen Heiligen …». <bibl corresp="kbga-bibls-2068">
                                    <hi rend="italic">Ein Sermon von dem
                                 hochwürdigen Sakrament …</hi>, WA 2,748,13–18.</bibl></note></note> Das zweite Bedeutende ist das Essen
                           und Trinken: «Denn kein inniger, tie<pb xml:id="p287" ed="pga" break="no"/>fer, unzerteilbarer Vereinigung ist über
                  Vereinigung der Speis mit dem, der gespeiset wird. Sintemal die Speis geht und
                  wird verwandelt in die Natur und wird ein Wesen mit dem Gespeisten», was von bloß
                  zusammengenagelten, -geleimten oder -gebundenen Dingen nicht zu sagen sei. «Also
                  auch wir mit Christo in dem Sakrament vereinigt werden.»<note xml:id="ndx" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">Ebendas. 37.</bibl><note xml:id="n187">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2068">
                                    A.a.O., WA 2,748,29–34.</bibl>
                        In den früheren Drucken irrtümlich: «… zusammengenagelten, -geleimten oder
                        -gebrochenen …»; Korrektur entsprechend dem Text in <bibl corresp="kbga-bibls-496">
                                    E. A.</bibl> (= <bibl corresp="kbga-bibls-2068">
                                    WA 2,748,32f.</bibl>):
                        «Ander Voreinigung, als durch Nägel, Leim, Band, und dergleichen, machen nit
                        ein Wesen unzurtheilig aus den voreinten Dingen.»</note></note> Aber <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> kennt noch ein
                  drittes Bedeutendes: «Über das alles hat er diese zwei Gestalten nicht bloß noch
                  ledig eingesetzt, sondern <hi rend="italic">sein wahrhaftig natürlich Fleisch</hi> in
                  dem Brot<note xml:id="n188">In den früheren Drucken irrtümlich: «Blut»; Korrektur
                     nach <bibl corresp="kbga-bibls-496">E. A.</bibl></note> und <hi rend="italic">sein natürlich wahrhaftig Blut</hi> in dem
                  Wein gegeben, daß er je ein vollkommenes Sakrament oder Zeichen gebe. Dann
                  zugleich als das Brot in seinen wahrhaftigen natürlichen Leich<pb n="59" ed="A"/>nam und der Wein in sein natürlich wahrhaftig Blut
                  verwandelt wird, also wahrhaftig werden auch wir in den geistlichen Leib, d.i. in
                  die Gemeinschaft Christi und aller Heiligen […] verwandelt.»<note xml:id="ndy" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">Ebendas. 37f.</bibl><note xml:id="n189">«Ubir das Alles hat dieser zwo Gestalt …» <bibl corresp="kbga-bibls-2068">A.a.O., WA 2,749,7–14.</bibl></note></note> Man beachte, wie in diesem Satz genau der gleiche Parallelismus von
                  Zeichen und Deutung erscheint wie in den vorhergehenden, nur daß hier als das
                  «Bedeutende», das nachher zu interpretieren ist, – die Wandlung der Elemente in
                  Leib und Blut Christi auftritt, die von <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> ebenso unbesorgt und selbstverständlich als gegeben
                  vorausgesetzt wird wie vorher Brot und Wein, Essen und Trinken! Nicht, daß
                     <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> an dieser Stelle noch die
                  Wandlungslehre anerkennt, ist merkwürdig, sondern die Selbstverständlichkeit, mit
                  der hier das Bedeutende mit dem Bedeuteten, das Zeichen mit dem Bezeichneten in
                  eins gesetzt wird. <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> kann <hi rend="italic">dasselbe</hi> auch <hi rend="italic">ohne</hi> die Wandlungslehre sagen:
                  Christus läßt «<hi rend="italic">sich selbst</hi> zu dem letzten und allergrößten
                  Gedenkzeichen seiner Liebe gegen den Sünder»<note xml:id="ndz" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">17,61 = II 319
                        (1518).</bibl><note xml:id="n190">Zu dieser nicht auf <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> zurückgehenden Übersetzung vgl.
                        oben <ref type="pub" target="#fn_n20">Anm. 20</ref>. – <bibl corresp="kbga-bibls-2046">
                                    <hi rend="italic">Sermo de digna praeparatione cordis pro suscipiendo sacramento
                                 eucharistiae</hi>, WA 1,333,9–12.</bibl></note></note>. Oder: «An Statt Briefes und Siegel hat <pb xml:id="p288" ed="pga"/>
                  <hi rend="italic">er seinen eigenen Leichnam</hi> hie geben unter dem Brot und
                     Wein.»<note xml:id="nea" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">20,231 (1520).</bibl><note xml:id="n191">«… hie
                        gelassen …» <bibl corresp="kbga-bibls-2061">
                                    <hi rend="italic">Von
                                 den guten Werken</hi>, WA 6,230,23–25.</bibl></note></note> Oder: Er hat «diese seine Worte bestätigt in dem, daß er drauf gestorben
                  ist, und uns zu einem Zeichen und Bestätigung seiner Worte hat er mir <hi rend="italic">seinen Leib und Blut</hi> gegeben.»<note xml:id="neb" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">22,40f.
                        (1522).</bibl><note xml:id="n192">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1955">
                                    <hi rend="italic">Das Hauptstück des ewigen und neuen
                                 Testaments</hi>, WA 10/III,69,25–27.</bibl></note></note> Die Erklärung des «Zeichens» kann sich dann auch so gestalten: «Da sehen
                  wir anders und glauben anders, darinne der <hi rend="italic">Glaube</hi> vorgebildet
                  ist. Denn wenn wir das <hi rend="italic">Wort</hi> hören und das <hi rend="italic">Sakrament</hi> nehmen, so haben wir ein schlecht Wort und Werk; noch <hi rend="italic">ergreifen wir darinnen das Leben und alles Gut, dazu auch Gott
                     selbst</hi>.»<note xml:id="nec" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">11,171 = III 440 (1524?).</bibl><note xml:id="n193">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2049">
                                    <hi rend="italic">Sermon von der Beichte und dem Sacrament</hi>, WA 15,503,12–15</bibl>; vgl. oben <ref type="pub" target="#fn_n23">Anm. 23</ref>.</note></note> Was bedeutet das anderes, als daß <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> auf der Spitze seines Nachweises den Begriff des <hi rend="italic">bloß</hi> bedeut<hi rend="italic">enden</hi> ganz bewußt fallen läßt und an
                  seine Stelle, d. h. an die Stelle des Zeichens (ohne daß doch das Zeichen
                  verschwände!) die Sache selbst setzt? Im Brot den Leib Christi essen, das ist kein
                     <hi rend="italic">Symbol</hi> mehr unsrer Vereinigung mit ihm, das ist das durch das
                  Symbol bezeichnete Ereignis solcher <pb n="60" ed="A"/>
                  Vereinigung. Das Gesuchte wird zum Gefundenen, das Verheißene zum Besitz, das
                  Gleichnis zur Gleichung. Es kann nach den Ergebnissen unsrer beiden ersten
                  Abschnitte kein Zweifel bestehen, daß hier kein logisches Versehen etwa vorliegt,
                  sondern die <hi rend="italic">Absicht</hi>, die sich aus dem ganzen Ansatz der
                     lutherischen Abendmahlslehre mit
                  zwingender innerer Notwendigkeit ergibt. Es liegt kein Anlaß vor zu der Annahme,
                  daß <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> es je anders gemeint hätte
                  und der Abendmahlsstreit, der um diesen Punkt eingesetzt hat, vermeidlich gewesen
                     wäre.<note xml:id="ned" type="original">Diese Vermutung hat schon die Zeitgenossen beschäftigt.
                     «<foreign xml:lang="lat">Hoc ego, fratres, ingenue dico, et coram Domino sic sentio, optandum piis, ut
                     nihil unquam contra <persName ref="kbga-actors-261">Lutherum</persName> de Eucharistia scriptum esset. – <hi rend="italic">Iam
                        in spiritualem manducationem posuerat omnia, corporalem ultro admodum
                        extenuebat, fiduciam in externum opus submoverat: ubi autem Carolostadius
                        virum commovit</hi>, sicut persuaserat sibi, <persName ref="kbga-actors-1081">Carolostadium</persName> velle externum verbum et
                     Sacramenta penitus e medio tollere, ita <hi rend="italic">totus erat in evehendis
                        istis</hi>, sicut <hi rend="italic">nihil in eo non vehemens</hi>: indeque
                     factum, ut nos ipsi, et nostri <persName ref="kbga-actors-711">Oecolampadius</persName> et <persName ref="kbga-actors-443">Zwinglius</persName> putaremus, eum externis rursus justificandi vim
                     tribuere, quod ille tamen nunquam sensit.</foreign>» (<hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-66">Butzer</persName></hi> an <persName ref="kbga-actors-8644">Bonif. Wolfhardt</persName> und die
                     Augsburger 1537, zitiert nach <bibl corresp="kbga-bibls-1944">
                                <persName ref="kbga-actors-4039">
                                    <hi rend="italic">Gieseler</hi></persName>, Kirchengesch. III 190).</bibl><note xml:id="n194">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1944">
                                    <persName ref="kbga-actors-4039">J. C. L.
                                 Gieseler</persName>, <hi rend="italic">Lehrbuch der
                                 Kirchengeschichte</hi>, Bd. III/1,
                                 Bonn 1840, S. 190f.</bibl></note>
                     <persName ref="kbga-actors-66">Butzer</persName> hat weder <persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName> noch <persName ref="kbga-actors-443">Zwinglis</persName> Absicht verstanden.</note> Nein:
                  «In der Entwicklung <pb xml:id="p289" ed="pga"/> von <persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName> Abendmahlslehre ist der ruhende Pol
                  die Realpräsenz. Er hat sie nie preisgegeben.»<note xml:id="nee" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-1942">
                                <persName ref="kbga-actors-646"><hi rend="italic">Walther Köhler</hi></persName>, Zwingli und Luther I 1924, S. 177.</bibl><note xml:id="n195">In 
                                    <ref corresp="A">ZZ</ref>: <bibl corresp="kbga-bibls-1942">«<persName ref="kbga-actors-646">Walther
                                 Köhler</persName>, S. 177</bibl> in seinem im
                        Erscheinen begriffenen Werk über den Abendmahlsstreit, aus dem er mir ein
                        Bruchstück freundlichst mitgeteilt hat.» – <persName ref="kbga-actors-646">Köhler</persName> seinerseits nimmt noch auf diesen Aufsatz <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Bezug
                        (S. 813.826).</note></note> Freilich das ist klar: was <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> mit dieser Spitze seiner Lehre
                  aussagte, das kommt der These gleich, daß zwei Parallelen sich im <hi rend="italic">Endlichen</hi> schneiden. Kein Wunder, daß auch <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> selbst <hi rend="italic">diese</hi> Aussage
                  nicht einheitlich und unangreifbar durchzuführen vermochte. Er konnte erschreckend
                  klar sagen: «<foreign xml:lang="lat">Credo firmiter, non modo corpus Christi esse <hi rend="italic">in
                 pane</hi>, sed <hi rend="italic">panem esse</hi> corpus Christi.</foreign>»<note xml:id="nef" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">V 34 (1520).</bibl><note xml:id="n196">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1957">
                                    <hi rend="italic">De captivitate
                                 Babylonica …</hi>, WA 6,511,20f.</bibl></note></note> Oder im Strom erbaulicher Beteuerung: «Sollst nicht daran zweifeln, daß
                  Christus da sei. Bleib nur darauf, daß Fleisch und Blut da ist nach den Worten, da
                  er sagt: Das ist …! Daran halte dich, laß die Fantasei anstehen, wie das zugehe,
                  wie und welcher Maß er da sei, laß Narren Narren <pb n="61" ed="A"/> sein. Glaub das allein, er wirds wohl machen. Gedenke nun mit diesem Brot, das
                  ist Christi Leichnam, dein arme, schwache und kraftlose Seele zu stärken.»<note xml:id="neg" type="original">
                    <bibl corresp="kbga-bibls-2043">Weim. Ausg. 9,648f. (1521).</bibl><note xml:id="n197">«…
                        worten, di er sagt …», «Glewb dus allein …». <bibl corresp="kbga-bibls-2043">
                                    <hi rend="italic">In die coenae domini
                                 sermo</hi>, WA 9,648,34–649,1.</bibl></note> Auf solche Stellen konnten sich Gegner berufen, wenn sie nachweisen
                     wollten, daß <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> in der Tat, wie
                     sie ihm vorwarfen, einen «<foreign xml:lang="lat">deus impanatus</foreign>»<note xml:id="n198">Vgl. etwa den
                        Brief <persName ref="kbga-actors-77">J. Calvins</persName> an <persName ref="kbga-actors-547">Farel</persName>
                           (<date when="1541-05-12">12.5.1541</date>), wo es über <persName ref="kbga-actors-1496">J.
                           Brenz</persName> heißt, <bibl corresp="kbga-bibls-29">
                                    CR 39 (= Calvini opera 11), col. 217</bibl>: «<foreign xml:lang="lat">Unum est, ut in malis, mihi gratum est, quod nemo est qui
                        vehementius nunc pugnet contra impanatum Deum, quam Brentius.</foreign>»</note>
                     lehre.</note> Er konnte aber auch sagen: Wir sollen begreifen «das Äußerliche
                  mit den Augen des <hi rend="italic">Leibes</hi>, das Geistliche, Innerliche mit den
                  Augen des <hi rend="italic">Herzens</hi>»<note xml:id="neh" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">27,148 (1520).</bibl><note xml:id="n199">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1956">
                                    <hi rend="italic">Ein Sermon von dem neuen
                              Testament …</hi>, WA 6,359,11f.</bibl></note></note>, oder: «Äußerlich esse ich das Sakrament, innerlich aber und geistlich
                  nehme ich alle Güter Christi und ihn selbst <hi rend="italic">gleich als wenn</hi> ich
                  leiblich Brot esse, das mich stärkt inwendig im <pb xml:id="p290" ed="pga"/>
                     Leibe»<note xml:id="nei" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">11,188 (1523).</bibl><note xml:id="n200">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1958">
                                    <hi rend="italic">Ain schöne Predig
                                 von empfahung des hailigen Sacraments</hi>, WA 12,489,2–5</bibl>; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-2041">
                                    WA 10/I,2,218.</bibl></note></note>, oder: «Wir empfahen durch den Glauben <hi rend="italic">geistlich</hi> und mit
                  dem Mund <hi rend="italic">leiblich</hi>.»<note xml:id="nej" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">28,374 (1522).</bibl><note xml:id="n201">«… wir empfahens …» <bibl corresp="kbga-bibls-2053">
                                    <hi rend="italic">Antwort deutsch auf König
                                 Heinrichs Buch</hi>, WA 10/II,251,29–31.</bibl></note> Auch <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> konnte also auf
                     die Frage nach dem, was der Kommunikant mit dem Munde empfängt, gelegentlich
                     «Mum mum! sagen», «den Brei im Mund wälzen», «unter dem Hütlin spielen» und «im
                     Finstern mausen», wie er es später seinen Gegnern vorgeworfen hat 
                     <bibl corresp="kbga-bibls-496">26,299 (1533).</bibl><note xml:id="n202">«Hier gilts nicht den Brei im Maul
                        wälzen, und mum mum sagen … Hie soll man ihm sagen, was Brot und Wein sei im
                        Sacrament, und ihn nicht so im Sacke verkäufen; denn es gilt hie nicht so
                        unter dem Hütlin spielen, und im Finstern mausen.» <bibl corresp="kbga-bibls-2069">
                                    <hi rend="italic">Sendschreiben an die zu
                        Frankfurt a. M</hi>., WA 30/III,561,3f.8–10.</bibl></note> Liebhaber noch kräftigerer Worte seien auf <bibl corresp="kbga-bibls-496">30,350 (1528)</bibl>
                        verwiesen.<note xml:id="n203">In <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Exemplar von <bibl corresp="kbga-bibls-496">E. A. 30, S. 350</bibl>
                        angestrichen: «… da soll ich mir an ihren bloßen Worten und Glossen lassen
                        genugen, und thun eben, als wenn ich einen grüßet, und er sich umbkehret,
                        und donnerte mit seinem Hintern, und ging also davon. Wohlan, sie sollen
                        nicht also davon laufen, und den Stank hinter sich lassen, ob Gott will.»
                           <bibl corresp="kbga-bibls-2075">
                                    <hi rend="italic">Vom Abendmahl
                                 Christi, Bekenntnis</hi>, WA 26,487,23–26.</bibl></note></note> Aber solche nur zu begreifliche Schwankungen in dem, was <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> gesagt hat, illustrieren doch nur, was
                  er <hi rend="italic">sagen wollte</hi>: «<foreign xml:lang="lat">ut esset sub pane, quem coelum et terra antea
                  nequivit comprehendere</foreign>»<note xml:id="nek" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-2064">Weim. Ausg. 4,701 (1519 od. 20).</bibl><note xml:id="n204">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2064">
                                    <hi rend="italic">De festo Corporis Christi Sermo</hi>, WA 4,701,18f.</bibl></note></note>, die <hi rend="italic">kontingente Gegenwart</hi> Gottes, die <hi rend="italic">Gegebenheit</hi> der Fülle seiner Offenbarung. «<foreign xml:lang="lat">Adiecit <hi rend="italic">signum
                     memoriale</hi> tantae promissioris, <hi rend="italic">suum ipsius corpus et suum
                     ipsius sanguinem</hi> in pane et vino.</foreign>»<note xml:id="nel" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">V 43 (1520).</bibl><note xml:id="n205">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1957">
                                    <hi rend="italic">De captivitate Babylonica …</hi>, WA 6,518,10–12.</bibl></note></note> Man muß in der Tat von einer «Vehemenz» reden, mit der dieses Eine diesem
                  Andern gleichgesetzt wird<note xml:id="nem" type="original">Aber sie lag anderswo, als wo
                        <persName ref="kbga-actors-66">Butzer</persName> (<ref type="pub" target="#fn_ned">Anm. ed</ref>) sie gesucht
                     hat.</note>, mit der hier «haben» und «bedeuten» ineinander übergehen, aber <hi rend="italic">immer</hi> zugunsten des «Habens»<note xml:id="nen" type="original">Z. B. 
                        <bibl corresp="kbga-bibls-496">27,148 (1520).</bibl><note xml:id="n206">«… daß dasselb Zeichen ein Sacrament
                        sei, das ist, daß es äußerlich sei, und doch geistlich Ding hab und bedeut …»
                           <bibl corresp="kbga-bibls-1956">
                                    <hi rend="italic">Ein Sermon von
                                 dem neuen Testament …</hi>, WA 6,359,9f.</bibl></note></note>! Erhellend für den Weg, den <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> da geht, ist folgende Stelle: «<foreign xml:lang="lat">Ut haec promissio divina
                  nobis omnium esset certissima, fidemque nostram tutissimam red <pb xml:id="p291" ed="pga"/> deret, apposuit pignus et sigillum omnium fidelissimum et
                  pretiosissimum, <pb n="62" ed="A"/> scilicet ipsummet pretium
                  promissionis, corpus et sanguinem proprium sub pane et vino, quo nobis emeruit
                  promissionis divitias donari, quod et impendit, ut promissionem acciperemus.</foreign>»<note xml:id="neo" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">VI 159 = 28,77 (1521/22).</bibl><note xml:id="n207">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2047">
                                    <hi rend="italic">De abroganda missa
                                 privata …</hi> (1521), WA 8,440,35–40.</bibl> – <bibl corresp="kbga-bibls-2045">
                                    <hi rend="italic">Vom Mißbrauch der Messe</hi>
                                 (1521), WA 8,516,33–38</bibl>; zur Datierung vgl. <ref type="pub" target="#fn_n22">oben Anm. 22</ref>.</note>
                     <hi rend="italic">
                                <persName ref="kbga-actors-380">Seeberg</persName></hi>
                     (<bibl corresp="kbga-bibls-2900">Dogmengesch. IV 326</bibl>) sieht in dieser Stelle einen «Fortschritt», sofern hier
                     die Gegenwart des Leibes damit begründet werde, daß durch ihn die Vergebung
                     erworben und ermöglicht worden ist.<note xml:id="n208">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2900">
                                    <persName ref="kbga-actors-380">R. Seeberg</persName>, a.a.O. (<ref type="pub" target="#fn_n180">Anm. 180</ref>), S. 326</bibl>: «Hiernach
                        ist also der Leib Christi gegenwärtig zur Versicherung der Gültigkeit der
                        Einsetzungsworte. Es war demgegenüber ein Fortschritt, wenn <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> die Gegenwart des Leibes bald
                        darauf damit begründete, daß durch ihn die Vergebung erworben und ermöglicht
                        sei.»</note> Aber die Unzertrennlichkeit des Testaments vom Testator und von
                     den Erben hat <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> schon
                        <date when="1520">1520</date> festgestellt, <ref type="pub" target="#fn_nak">Anm. ak</ref>. Vgl. auch die Stelle bei der
                     folgenden <ref type="pub" target="#fn_nep">Anm. ep</ref>.</note> Entscheidend sind die beiden letzten Relativsätze: Um
                  die Verheißung «<foreign xml:lang="lat">certissima</foreign>» und den Glauben «<foreign xml:lang="lat">tutissima</foreign>» zu machen, muß der <hi rend="italic">Erwerber</hi> des verheißenen Reichtums dem <hi rend="italic">Empfänger</hi> der Verheißung gegenwärtig, «gleichzeitig» werden. Aber ist er
                  dann bloß Empfänger der <hi rend="italic">Verheißung?</hi> In <persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName> Sinn ist zweifellos mit Nein zu
                  antworten. Mit der Anwesenheit des Schenkers findet eben die <hi rend="italic">Schenkung</hi> (nicht nur die Wiederholung der Verheißung!) <hi rend="italic">statt</hi>, die «<foreign xml:lang="lat">promissio</foreign>» wird zur Gabe, die «<foreign xml:lang="lat">fides</foreign>» zum <hi rend="italic">Haben</hi>, und eben weil bei <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> alles – «<foreign xml:lang="lat">nihil in eo non vehemens</foreign>» – <hi rend="italic">darauf</hi> hindrängt, ergibt sich ihm als unabweisliches Postulat die
                  Anwesenheit des Schenkers: «<foreign xml:lang="lat"><hi rend="italic">ut qui daret et quod daretur idem
                     esset</hi>, ac si sumpsisset, seipsum sumpsisset. Hic cesset ratio humana
                  fallax et relinquat Deo, quod suum est, nempe omnipotentiam suam, ut faciat, quod
                  velit, nobis id non intelligentibus.</foreign>»<note xml:id="nep" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-2064">Weim. Ausg. 4,701 (1519 od. 20).</bibl><note xml:id="n209">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2064">
                                    <hi rend="italic">De festo Corporis Christi
                                 Sermo</hi>, WA 4,701,21–24.</bibl></note></note> Man kann den Schritt, den <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> damit getan hat, ebensowohl als die Tat eines schlichtesten
                  christlichen Offenbarungsglaubens wie einer wahrhaft dämonischen Vitalität
                  auffassen. Seine Haltung im Abendmahlsstreit, die uns hier nicht beschäftigt,
                  zeigt, daß er tatsächlich beides war. Man darf mit Bestimmtheit sagen, daß er
                  nicht <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> gewesen wäre, wenn er
                  diesen Schritt etwa nicht getan hätte. Aber mit ebensolcher Bestimmtheit: <pb xml:id="p292" ed="pga"/> daß ein «Streit» oder sagen wir (was der «Streit»
                  hätte <hi rend="italic">sein müssen</hi>:) ein <hi rend="italic">Gespräch</hi> über diesen
                  Schritt <hi rend="italic">unvermeidlich</hi> war.
                    </p>
          <p> <pb n="63" ed="A"/> Zwei Punkte sind im Blick auf diese letzte Zuspitzung der Lehre <persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName> noch in Erwägung zu ziehen:</p>
          <p>Einmal sein Verhältnis zu der seit <date when="1215">1215</date> offiziellen kirchlichen Lehre von der <hi rend="italic">Wandlung</hi> der Elemente in Leib und Blut des Herrn.<note xml:id="n210">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-1938">
                                <foreign xml:lang="lat">Concilium Lateranense IV</foreign> (1215): DS 802.</bibl></note> Wir haben bereits den <hi rend="italic">allegorischen</hi>
                  Gebrauch kennen gelernt, den <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> von
                  dieser Lehre gemacht hat.<note xml:id="neq" type="original">Vgl. die <ref type="pub" target="#fn_nde">Anm. de-df.</ref></note> Darüber
                  hinaus interessiert sie ihn offenbar darum, weil mit ihr die indirekte Identität
                  von Brot und Leib, Wein und Blut, an der ihm liegt, <hi rend="italic">irgendwie</hi>,
                  aber <hi rend="italic">positiv</hi>, ausgesagt ist.<note xml:id="ner" type="original">Vgl. bei <ref type="pub" target="#fn_ndy">Anm. dy</ref>.</note> Mehr ist nicht zu sagen. Sein Verhältnis zu dieser Lehre ist ihm
                  selbst unwesentlich zur Zeit, da er sie noch bejaht, unwesentlich ebenso später,
                  da er sie ablehnt. Er warnt schon früh vor der «Kunst und Subtiligkeit», die da
                  fragt, wo das Brot bleibt, wenn es in Christi Fleisch verwandelt wird. «Es ist
                  genug, daß du wissest, es sei ein göttlich Zeichen, da Christi Fleisch und Blut
                  wahrhaftig innen ist; wie und wo, laß ihm befohlen sein.»<note xml:id="nes" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">27,38f. (1519).</bibl><note xml:id="n211">«Etlich uben ihre Kunst und
                        Subtilikeit, trachten wo das Brod bleibt, wanns in Christi Fleisch
                        verwandelt wird, und der Wein in sein Blut?» <bibl corresp="kbga-bibls-2068">
                                    <hi rend="italic">Ein Sermon von dem
                                 hochwürdigen Sakrament …</hi>, WA 2,749,36–38; 750,1–3.</bibl></note></note> Oder noch schärfer: «<foreign xml:lang="lat">Nugas illas Scholasticorum omitte, qui multum sunt
                  solliciti, quomodo possit adesse corpus Christi praesertim in tarn parvo corpore
                  panis. Ad miracula illa ne respicias, sed simpliciter haereas in verbo, at que ea
                  tua unica sit cura, quomodo hunc fructum ex hoc sacramento queas capere, nempe
                  remissionem peccatorum.</foreign>»<note xml:id="net" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">III 432 = 11,165 (1524?).</bibl><note xml:id="n212">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2049">
                                    <hi rend="italic">Sermon von der Beichte und dem
                                 Sacrament</hi>, WA 15,494,34–495,13</bibl>; vgl. oben <ref type="pub" target="#fn_n23">Anm. 23</ref>.</note></note> Als er einsah, daß er jene indirekte Identität von Brot und Leib ebenso
                  gut anders aussagen konnte als in Form der römisch-kirchlichen Lehre, da hat er
                  diese mit dem Minimum von Pathos, mit dem man ein altes Kleid zur Seite legt,
                  aufgegeben. «Der dritte Irrtum (der erste ist die Erklärung von «<foreign xml:lang="lat">est</foreign>» durch
                  «<foreign xml:lang="lat">significat</foreign>», der zweite die von «<foreign xml:lang="lat">corpus</foreign>» durch «<foreign xml:lang="lat">communio corporis spirituali</foreign>s»)
                  ist, daß im Sakrament kein Brot bleibe, sondern nur Gestalt des Brotes. <hi rend="italic">Doch an diesem Irrtum nicht groß gelegen <pb xml:id="p293" ed="pga"/>
                     ist</hi>, wenn nur Christus Leib und Blut samt dem Wort da bleibt»<note xml:id="neu" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">28,402 (1523).</bibl><note xml:id="n213">«… samt dem Wort
                        da gelassen wird.» <bibl corresp="kbga-bibls-2055">
                                    <hi rend="italic">Vom Anbeten des Sakraments des heiligen Leichnams
                                 Christi</hi>, WA 11,441,18–20.</bibl> Inhalt der Klammer von <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>.</note></note>, so schreibt er, nachdem er die neue Einsicht schon seit bald drei Jahren
                  öffentlich vertreten. Er hatte sie offenbar schon <pb n="64" ed="A"/> gewonnen, als er auf den «<foreign xml:lang="lat">Sermo de Eucharistia</foreign>»<note xml:id="nev" type="original">Gemeint ist wohl der Sermon vom Leichnam (1519)<note xml:id="n214">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2068">
                                    <hi rend="italic">Ein
                                 Sermon von dem hochwürdigen Sakrament des heiligen wahren Leichnams
                                 Christi und von den Brüderschaften</hi>, WA 2,738–758.</bibl></note>; vgl. bei <ref type="pub" target="#fn_ndy">Anm. dy</ref>.</note> zurückblickend sagte, er sei damals noch in den Bahnen der
                  Gewohnheit gegangen und habe sich um des Papstes Recht oder Unrecht in dieser
                  Sache nicht bekümmert.<note xml:id="new" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">V 22 (1520).</bibl><note xml:id="n215">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1957">
                                    <hi rend="italic">De
                                 captivitate Bahylonica …</hi>, WA 6,502,3ff.</bibl></note></note> Aber auch jetzt kämpft er nur für die christliche Freiheit in dieser
                  Sache; man soll sich die Gegenwart Christi im Abendmahl so oder auch anders denken
                  dürfen: «<foreign xml:lang="lat">Permitto itaque, qui volet utramque opinionem tenere, hoc solum nunc ago,
                  ut scrupulos conscientiarum de medio tollam.</foreign>» Man ist kein Ketzer, wenn man Brot
                  Brot und Wein Wein nennt. Eine <foreign xml:lang="lat">necessitas fidei</foreign> kann die Wandlungslehre nicht
                     beanspruchen.<note xml:id="nex" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">Ebendas. 30.</bibl><note xml:id="n216">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1957">
                                    Op. cit., 508,27–31.</bibl></note></note>
                  <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> selbst entscheidet sich für die
                  Theorie des ausdrücklich genannten Spät-Scholastikers <persName ref="kbga-actors-3962">Peter von Ailli</persName>, nach der nicht nur die
                  Akzidentien, sondern die Substanz der Elemente im Abendmahl <hi rend="italic">erhalten</hi> bleibt, das «<foreign xml:lang="lat">corpus Christi</foreign>» aber «<foreign xml:lang="lat">intra substantiam panis</foreign>»
                  gegenwärtig ist.<note xml:id="ney" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">Ebendas. 29f.</bibl><note xml:id="n217">«<foreign xml:lang="lat">Dedit mihi
                        quondam, cum theologiam scholasticam haurirem, occasionem cogitandi D.
                        Cardinalis Cameracensis, libro sententiarum 4. ….</foreign>» S. 32: «<foreign xml:lang="lat">Cur autem non
                        possit Christus corpus suum intra substantiam panis continere, sicut in
                        accidentibus?</foreign>» <bibl corresp="kbga-bibls-1957">
                                    Op. cit., 508,7ff.; 510,4f.</bibl></note>; vgl. dazu <bibl corresp="kbga-bibls-1946">
                                <hi rend="italic">
                                    <persName ref="kbga-actors-4115">Mücke</persName></hi>, <persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName> Abendmahlslehre bis 1522, Stud. und Krit.
                        1873, bes. S. 450–479</bibl><note xml:id="n218">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1946">
                                    <persName ref="kbga-actors-4115">A. Mücke</persName>, <hi rend="italic">Luthers
                                 Abendmahlslehre bis 1522 im Zusammenhang mit seiner
                                 reformatorischen Entwickelung und mit der Abendmahlslehre der
                                 Scholastik</hi>, in: <hi rend="italic">Theologische Studien und
                                 Kritiken</hi>, Jg. 46 (1873), S. 419–492.</bibl></note></note> Er findet: es «kann wohl der Leib da sein, daß dennoch Brot bleibe».<note xml:id="nez" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">28,367 (1522).</bibl><note xml:id="n219">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2053">
                                    <hi rend="italic">Antwort deutsch auf König Heinrichs
                                 Buch</hi>, WA 10/II,246,22.</bibl></note></note> Er veranschaulicht sich dies gerne an dem ähnlich schon von <persName ref="kbga-actors-2894">Johannes Damascenus</persName> (Ek<pb xml:id="p294" ed="pga" break="no"/>dosis 4,13)<note xml:id="n220">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-2076">
                                <persName ref="kbga-actors-2894">Johannes Damascenus</persName>,
                           <hi rend="italic">De fide orthodoxa</hi> (<foreign xml:lang="grc" rend="Ell">ἔκδοσις τῆς ὀρθοδόξου πίστεως</foreign>) IV,13, MPG 94, col. 1135 - 1154</bibl>; dort col. 1150 das Bild
                     von Kohle [sic] und Feuer: «<foreign xml:lang="lat">Carbonem vidit Isaias: carbo non est simplex
                     lignum, sed igni unitum; sic quoque panis communionis, non simplex est panis,
                     sed divinitati unitus.</foreign>» – In 
                                <ref corresp="A">ZZ</ref> statt dieser Klammer: «(†
                     730)».</note> herangezogenen Bilde des Zusammenseins von Feuer und Eisen. Warum
                  sollte nicht noch viel eher das «<foreign xml:lang="lat">corpus gloriosum Christi</foreign>» (ohne Leugnung der
                  Gegenwart der Substanz <hi rend="italic">weder</hi> des Leibes <hi rend="italic">noch</hi>
                  des Blutes) in jeder Partikel seiner Substanz zugleich Brotsubstanz sein
                     können?<note xml:id="nfa" type="original">Ebendas. 368.<note xml:id="n221">«Ich kann von einem
                        feurigen Eisen sagen, das ist Feuer, und darf dennoch Eisen nicht leugnen.»
                           <bibl corresp="kbga-bibls-2053">
                                    A.a.O., WA 10/II,247,13f.</bibl></note> Vgl. V 32 (1520).<note xml:id="n222">«<foreign xml:lang="lat">Ecce ignis et ferrum
                        duae substantiae sic miscentur in ferro ignito, ut quaelibet pars sit ferrum
                        et ignis. Cur non multo magis corpus gloriosum Christi sic in omni parte
                        substantiae panis esse possit?</foreign>» <bibl corresp="kbga-bibls-1957">
                                    <hi rend="italic">De captivitate Bablyonica …</hi>, WA 6,510,5–8.</bibl></note> Eine ähnliche indirekte Identität von Brot und Leib lehrten (ohne
                     Bestreitung der Wandlungslehre) im 9. Jahrh. <hi rend="italic">
                                <persName ref="kbga-actors-4132">Ratramnus</persName></hi> und <hi rend="italic">
                                <persName ref="kbga-actors-2886">Hrabanus Maurus</persName></hi>.<note xml:id="n223">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-1712">
                                    <persName ref="kbga-actors-1119">Fr.
                                 Loofs</persName>, <hi rend="italic">Leitfaden zum Studium der
                                 Dogmengeschichte</hi>, Halle 1906<hi rend="sup">4</hi>, S. 468–475</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-1925">
                                    <persName ref="kbga-actors-4042">K. G. Goetz</persName>, a.a.O.
                              (<ref type="pub" target="#fn_n39">Anm. 39</ref>), S. 10–14.</bibl></note> Die für <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> so
                     bezeichnende Ablehnung einer näheren Definition des Nebeneinanders beider (vgl.
                     oben bei <ref type="pub" target="#fn_neg">Anm. eg</ref>, <ref target="#fn_nes" type="pub">es</ref>, <ref target="#fn_net" type="pub">et</ref>) findet sich auch bei <hi rend="italic">
                                <persName ref="kbga-actors-2474">Petrus Lombardus</persName></hi><note xml:id="n224">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-1712">
                                    <persName ref="kbga-actors-1119">Fr. Loofs</persName>, a.a.O., S. 576.578f.</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-1946">
                                    <persName ref="kbga-actors-4115">A. Mücke</persName>, a.a.O. (<ref type="pub" target="#fn_n218">Anm. 218</ref>), S. 460.</bibl></note>, die Erklärung des «<foreign xml:lang="lat">hoc est» mit «contentum sub hoc est</foreign>» bei <hi rend="italic">
                                <persName ref="kbga-actors-4014">Darandus von St. Pourcain</persName></hi> (†1334)<note xml:id="n225">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-3136">
                                    <persName ref="kbga-actors-4005">S. M. Deutsch</persName>, Art. «Durandus von Sto. Porciano», in: RE<hi rend="sup">3</hi> 5,103,8f.</bibl></note>, Coexistenzlehren im Gegensatz zu dem offiziellen Dogma auch bei 
                                <persName ref="kbga-actors-4143">Rupert von Deutz</persName> († 1135)<note xml:id="n226">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-1948">
                                    <persName ref="kbga-actors-4139">R. Rocholl</persName>, Art. «Rupert von Deutz», in: RE<hi rend="sup">3</hi> 17,<choice><sic ed="pga">221f.</sic><corr type="misprint" resp="sm">229f.</corr></choice></bibl></note>, <hi rend="italic">
                                <persName ref="kbga-actors-4876">Wilh. v. Okkam</persName>, <persName ref="kbga-actors-3976">Gabriel
                           Biel</persName></hi> und dem genannten <hi rend="italic">
                                <persName ref="kbga-actors-3962">Pierre d’Ailli</persName></hi>.<note xml:id="n227">Vgl. zu den drei letztgenannten <bibl corresp="kbga-bibls-1712">
                                    <persName ref="kbga-actors-1119">Fr. Loofs</persName>, a.a.O.,
                              S. 416–420</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-1946">
                                    <persName ref="kbga-actors-4115">A. Mücke</persName>, a.a.O., 
                                    S. 454–462.465f.470–472.476.</bibl></note></note> Also: Das wahre Brot ist der wahre Leib und <pb n="65" ed="A"/> der wahre Wein ist das wahre Blut Christi. Aber bei
                  dem allem handelt es sich für <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> um
                  eine Schulfrage, für die er sich an sich nicht erwärmt. Scharf wird er weder <hi rend="italic">gegen</hi> die Trans- noch <hi rend="italic">für</hi> sie sog.
                  Con-Substantiationslehre, sondern nur <hi rend="italic">gegen</hi> die, die aus jener
                  «ein nötigen Artikel und Gesetz machen»<note xml:id="nfb" type="original">Ebendas. 366.<note xml:id="n228">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2053">
                                    <hi rend="italic">Antwort deutsch auf
                                 König Heinrichs Buch</hi>, WA 10/II,245,18–21.</bibl></note></note>, und <hi rend="italic">für</hi> die wesentliche Gegenwart des Leibes im Brote.
                  Er leistet sich gelegentlich unbesehen einen kleinen Rückfall in die
                     Transsubstantiationslehre.<note xml:id="nfc" type="original">«<foreign xml:lang="lat">Panem accipit et verbo, quo
                     dicit: Hoc est …, <hi rend="italic">mutat</hi> in corpus suum</foreign>», <bibl corresp="kbga-bibls-496">VI 150 = 28,67 (1521/22).</bibl><note xml:id="n229">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2047">
                                    <hi rend="italic">De abroganda missa
                                 privata …</hi> (1521), WA 8,435,1f.</bibl> – <bibl corresp="kbga-bibls-2045">
                                    <hi rend="italic">Vom Mißbrauch der Messe</hi>
                                 (1521), WA 8,509,37–39</bibl>; zur Datierung vgl. oben <ref type="pub" target="#fn_n22">Anm. 22</ref>.</note> Auch die
                     für den allegorisierenden Gebrauch angeführten Stellen <bibl corresp="kbga-bibls-496">15,344 und III 441 = 11,172</bibl><note xml:id="n230">Vgl. oben bei <ref type="pub" target="#fn_nde">Anm. de</ref>, <ref target="#fn_ndf" type="pub">df.</ref></note> stammen aus den
                     Jahren <date when="1522">1522</date> und (wenn es mit der Datierung des letztern Sermons
                     seine Richtigkeit hat) sogar <date when="1524">1524</date>.</note> Und er erklärt noch
                  volle acht Jahre nach dem Gewinn jener Einsicht ausdrücklich, wie wenig ihm daran
                  gelegen <pb xml:id="p295" ed="pga"/> sei.<note xml:id="nfd" type="original">«Nu ich hab bisher
                     gelehret und lehre noch, <hi rend="italic">daß solcher Kampf</hi> (für die
                     Wandlungslehre!) <hi rend="italic">nicht vonnöten sei und nicht große Macht daran
                        liege, es bleibe Brot oder nicht</hi>. Wiewohl ichs mit dem <persName ref="kbga-actors-5382">Vigleph</persName> halte, daß Brot da bleibe,
                     wiederumb auch halte mit den Sophisten, daß der Leib Christi da sei» <bibl corresp="kbga-bibls-496">30,292 (1528).</bibl><note xml:id="n231">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2075">
                                    <hi rend="italic">Vom Abendmahl Christi, Bekenntnis</hi>,
                                 WA 26,439,26–29.</bibl> Inhalt der
                        Klammer von <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>.</note></note> So verlockend es also wäre, sich darüber zu verbreiten, wie sehr die
                  lutherische die römische Lehre an paradoxem Tiefsinn übertrifft – <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> selbst hat es jedenfalls nicht
                  empfunden, daß er nach dieser Seite etwa eine wichtige Erkenntnis zu vertreten
                  habe. Sein Fortschritt über die Einsicht von <date when="1519">1519</date> hinaus bestand wesentlich nur in
                  der Feststellung, daß die leibliche Gegenwart des Herrn, an der ihm alles gelegen
                  war, nicht an die Vorstellung vom Verschwinden der Brotsubstanz mit ihren
                  «überflüssigen Wundern» gebunden sei.<note xml:id="nfe" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">V 29 (1520).</bibl><note xml:id="n232">«<foreign xml:lang="lat">Multo probabilius esse, et minus
                        superflorum miraculorum poni …</foreign>» <bibl corresp="kbga-bibls-1957">
                                    <hi rend="italic">De captivitate Babylonica ecclesiae
                                 praeludium</hi>, WA 6,508,9f.</bibl></note></note> «Von jener Idee unabhängig ist für <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> das reale Dasein des wahren Leibes und Blutes Christi im
                     Abendmahl.»<note xml:id="nff" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-1946">
                                <persName ref="kbga-actors-4115"><hi rend="italic">Mücke</hi></persName>, a.a.O.
                        470.</bibl><note xml:id="n233">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1946">
                                    <persName ref="kbga-actors-4115">A. Mücke</persName>, a.a.O., S. 470</bibl>: «… in dem Brod und Wein des Abendmahles.»</note> –
                     Man darf wohl Alles in Allem sagen, daß <persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName> inneres Verhältnis zu seinem Fortschritt in dieser Sache
                     eher noch lauer gewesen ist als in der Frage des Laienkelchs (<ref type="pub" target="#fn_nj">Anm. j</ref>), für den
                     er sich doch wenigstens später entschieden eingesetzt hat.</note>
                 
                    </p>
          <p>  <pb n="66" ed="A"/> Viel wichtiger ist der zweite Punkt, mit dessen Erwägung diese Untersuchung
                  passenderweise schließen kann: die Frage, ob und inwiefern die Möglichkeit
                  bestand, daß <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> seiner Lehre diese
                  Spitze doch auch hätte abbrechen können durch einen Übergang zu der Anschauung,
                  die nachher als die <hi rend="italic">reformierte</hi> geschichtliche Bedeutung
                  gewonnen hat?</p>
          <p>Auszugehen ist hier von den vielzitierten Worten aus dem Brief an die Straßburger
                  vom <date when="1524-12-15">15. Dez. 1524</date>: «Das bekenn ich, wo D. <persName ref="kbga-actors-1081">Carlstadt</persName> oder Jemand anders vor fünf Jahren mich hätte mögen
                  berichten, daß in dem Sakrament nichts dann Brot und Wein wäre, der hätte mir
                  einen großen <pb xml:id="p296" ed="pga"/> Dienst tan. Ich hab wohl so <hi rend="italic">harte Anfechtungen</hi> da erlitten, und mich gerungen und gewunden, daß ich
                  gern heraus gewesen wäre, weil ich wohl sahe, daß ich damit dem Papsttum hätte den
                  größten Puff können geben.»<note xml:id="nfg" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">53,274.</bibl><note xml:id="n234">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2077">
                                    <hi rend="italic">Ein Brief an die
                                 Christen zu Straßburg …</hi>, WA 15,394,12–17.</bibl></note> Daß sein Herz über diesem Sakrament
                     «Anfechtung» erlitten, bekennt <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> auch <bibl corresp="kbga-bibls-496">29,244 (1525).</bibl><note xml:id="n235">«Der
                        Spruch ist auch die lebendige Aerznei gewest meines Herzens in meiner
                        Anfechtung uber diesem Sacrament.» <bibl corresp="kbga-bibls-2044">
                                    <hi rend="italic">Wider die himmlischen Propheten.
                                 …</hi> WA 18,166,34–167,1.</bibl></note> Von «<foreign xml:lang="lat">angustiae conscientiarum nostrarum</foreign>» redet er <persName ref="kbga-actors-969">Enders</persName>, <bibl corresp="kbga-bibls-1949">Briefwechsel 5,386 (1526)</bibl><note xml:id="n236">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1949">
                                    <hi rend="italic">Dr. Martin
                                    Luther’s Briefwechsel</hi>, bearbeitet und mit
                              Erläuterungen versehen von E. L.
                                 Enders, Bd. 5, Calw/Stuttgart
                              1893, S. 386</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-2078">
                           <hi rend="italic">Schreiben an Johann Herwagen</hi> (13.9.1526), WA 19,472,28.</bibl></note>, von Bekümmernis <bibl corresp="kbga-bibls-496">29,341 (1526)</bibl><note xml:id="n237">«Auch ich selbs mich wohl drumb
                        bekümmert habe, was es vonnothen sei, und wie da in so einem kleinen Stuck
                        Brods so ein großer Leib sei, dazu ungetheilet und ganz in einem iglichen
                        Stuck.» <bibl corresp="kbga-bibls-2058">
                                    <hi rend="italic">Sermon
                                 von dem Sakrament des Leibes und Blutes Christi</hi>, WA 19,497,14–16.</bibl></note></note> Man muß zunächst auch den Zusammenhang beachten, in dem diese Worte und
                  ihre bekannte Fortsetzung stehen. <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> erhebt <hi rend="italic">vorher</hi> und <hi rend="italic">nachher</hi> gegen <persName ref="kbga-actors-1081">Carlstadt</persName> den Vorwurf, er tue, «als läge die ganze Macht
                  eines christlichen Wesens an dem Bild stürmen, Sakrament stürzen und Taufe
                     hindern»<note xml:id="n238">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">
                                E. A. 53,273</bibl>. <bibl corresp="kbga-bibls-2077">
                                <hi rend="italic">Ein Brief an die Christen zu
                              Straßburg …</hi>, WA 15,393,19f.</bibl></note>, und vernachlässige darüber die Frage, «was doch
                  einen zu einem Christen mache»<note xml:id="n239">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-496">
                                E. A.</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-2077">
                                WA 15,394,2.</bibl></note>. Das, dieses Attentat auf die «christliche <hi rend="italic">Freiheit</hi>» (die aber hier für <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> gleichbedeutend ist mit christlicher <hi rend="italic">Sachlichkeit!</hi>) sei es, was an ihm «gar nit zu leiden sei»<note xml:id="n240">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">
                                E. A. 53,275</bibl>: «Aber daß man die Christen auf solich Werk hetzet und
                     treibet, als müßt mans thun, oder sei kein Christen, und will die christliche
                     Freiheit mit Gesetz und Gewissen fangen, das ist gar nit zu leiden.» <bibl corresp="kbga-bibls-2077">
                                WA 15,395,7–10.</bibl></note>. Wenn man nicht annehmen will, daß unsre Stelle<note xml:id="nfh" type="original">Von «Das
                     bekenne ich» bis «wie man wohl weiß».<note xml:id="n241">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2077">
                                    WA 15,394,12–395,4.</bibl></note> Man beachte auch das «Also», mit dem <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> fortfährt!<note xml:id="n242">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2077">
                                    WA 15,395,5–7</bibl>: «Also mit dem bildstürmen möcht ich seyn toben
                        leichtlich tragen, weyl auch ich mit meyn schreyben mehr abbrochen habe den
                        bilden, denn er mit seym stürmen und schwermen ymmer thun wird.»</note></note> zusammenhangslos dasteht, so müssen die «Anfechtungen», die <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> in der bewußten Zeit (also um <date when="1519">1519</date>)
                  erlitten haben will, primär bestanden haben in der Versuchung, unter
                  Vernachlässigung der Hauptsache im Christentum <pb xml:id="p297" ed="pga"/> einen
                  entscheidenden Sturmangriff gegen die alte Kirche zu unternehmen durch Aufstellung
                  einer die Anwesenheit von Leib und Blut Christi in den Elementen über<pb n="67" ed="A"/>haupt in Abrede stellenden Abendmahlslehre. Unter <hi rend="italic">diesem</hi> Aspekt<note xml:id="nfi" type="original">Vgl. zu dem «das Papsttum den
                     größten Puff geben» den ursprünglich an <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> gerichteten Brief des <persName ref="kbga-actors-4062">K.
                        H. Hoen</persName> von <date when="1522">1522</date> 
                        (<bibl corresp="kbga-bibls-1949">Enders 3,412ff.</bibl>)<note xml:id="n243">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1949">
                                    <persName ref="kbga-actors-4062">Kornelis
                                    Hendriks Hoen</persName> an <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName>
                                         (Sommer 1522?), in:
                                 <hi rend="italic">Dr. Martin
                                    Luther’s Briefwechsel</hi>, Bd. 3,
                                    Calw/Stuttgart
                              1889, S. 412–423</bibl>; nicht in WA. Da
                           <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> die Überbringer des
                        Briefes abwies, reisten diese weiter nach <placeName ref="kbga-places-66">Zürich</placeName> und händigten ihn <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName> aus, der darin seine
                        Abendmahlslehre bestätigt fand und ihn <date when="1525">1525</date> drucken ließ (vgl.
                           <bibl corresp="kbga-bibls-1949">
                                    E. L. Enders, a.a.O., S. 423</bibl>).</note>,
                     bes. 419: «<foreign xml:lang="lat">… breviter: si illud subtraxeris, ruet universa religio
                     papae</foreign>».</note> scheint er also die Möglichkeit einer anderen Zuspitzung seiner
                  Anschauung mindestens erwogen zu haben. Er hätte sie aber (immer vorausgesetzt,
                  daß seine Darstellung in dem Brief an die Straßburger keine nachträgliche
                  Konstruktion ist) abgewiesen mit der Gegenerwägung, daß es so äußerlich eben nicht
                     gehe<note xml:id="nfj" type="original">Von ihr aus hat er denn «den Papst» gegen Angreifer wie
                        <persName ref="kbga-actors-1081">Carlstadt</persName> geradezu in Schutz
                     genommen 29,269 (<date when="1525">1525</date>).<note xml:id="n244">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2044">
                                    <hi rend="italic">Wider die himmlischen
                                 Propheten …</hi>, WA 18,189,10ff.</bibl></note></note>, mit dem Rückzug auf seine Grundlehren vom «Wort» und vom «Glauben», von
                  denen aus für ihn, wie wir sahen, ein gerader Weg zu der Lehre von der Realpräsenz
                  führte. Aber darüber hinaus müssen es nun offenbar doch spezielle innerliche
                  Motive gewesen sein, die ihm jene Möglichkeit wenigstens <hi rend="italic">nahelegen</hi> konnten. Er hat sich «gerungen und gewunden», daß er «gerne
                  heraus gewesen wäre». Aus was? Offenbar nicht nur aus jeder Versuchung taktischer
                  Art. In der älteren und umfangreicheren Vorrede zum «<foreign xml:lang="lat">Syngramma Suevicum</foreign>» redet er,
                  soweit ich sehe, zum erstenmal von den zwei Gründen, die nach seiner Meinung seine
                  Gegner in der Sakramentsfrage zu ihrem Vorgehen bewogen hätten. «Darum sage ich
                  mein Urteil, wiewohl sie es hoch verdrießt, so weiß ich doch, daß wahr ist. <hi rend="italic">Denn ich kenne in diesem Fall den Glauben und den Teufel wohl</hi>
                  (!). Es sind zween Gründe ihres Irrtums. Einer, daß bei der Vernunft fast
                  ungeschickt Ding ist. Der andre, daß unnötig sei, Christus Leib und Blut in Brot
                  und Wein zu sein, das ist <hi rend="italic">
                            <foreign xml:lang="lat">absurditas et nulla necessitas</foreign></hi>. Diese
                  zwei Stück haben sie gefaßt, und sinds also aus Anfechtunge des Satans durchgangen
                  wie Ole durchs Gebeine gehet.» Mit dieser «gemalten Brille» kämen sie dann «zur
                  Schrift getrollet» und suchten sie in ihrem <pb xml:id="p298" ed="pga"/> Sinn
                     auszulegen.<note xml:id="nfk" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">65,184 (1526)</bibl><note xml:id="n245">«Darnach nun sie solch gemalte Brillen vor den Augen haben, kommen sie zur
                        Schrift getrollet, suchen, wie sie ihren Sinn hinein tragen und die Schrift
                        auf ihre Meinung ziehen. Da hebt sichs denn, da mussen die Worte nicht zu
                        verstehen sein, wie sie von Art lauten; man muß sie dehnen und biegen, da em
                        tuto, da ein significat, da ein figura, da die Wort umbkehren, da den Text
                        versetzen, da den Text mengen wie ein Karten.» <bibl corresp="kbga-bibls-2079">
                                    <hi rend="italic">Erste Vorrede zum Schwäbischen
                                 Syngramm</hi>, WA 19,460,37–461,10.</bibl></note>; dieselbe Insinuation in breiter Ausführung und mit Widerlegung der
                     beiden angeblichen Gründe <bibl corresp="kbga-bibls-496">29,332–342 (1526)</bibl><note xml:id="n246">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2058">
                          <hi rend="italic">Sermon von
                                 dem Sakrament des Leibes und Blutes Christi …</hi>, WA 19,486–498.</bibl></note></note>
                  <pb n="68" ed="A"/> Woher hatte <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> diese «zween Gründe»? Aus den Schriften seiner Gegner
                  jedenfalls <hi rend="italic">nicht</hi>: weder die böhmischen Brüder noch <persName ref="kbga-actors-4062">Hoen</persName>, weder <persName ref="kbga-actors-1081">Carlstadt</persName> noch <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName>
                  noch <persName ref="kbga-actors-711">Oekolampad</persName> haben ihre Lehre so
                  begründet. Man beachte übrigens die Parallelstelle, wo es heißt: «<hi rend="italic">Das
                     sind nun noch vernünftige Herzen</hi>, welche die zwei berührten Stücke
                  bekümmern, <hi rend="italic">solchen ist noch zu raten</hi>», sie «sind doch subtile
                  philosophische Schwärmer» im Gegensatz zu den «groben grammatischen Schwärmern»,
                  die die Einsetzungsworte verdrehen, unter denen <persName ref="kbga-actors-1081">Carlstadt</persName>, <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName> und
                     <persName ref="kbga-actors-711">Oekolampad</persName> unverhüllt kenntlich
                  gemacht werden.<note xml:id="nfl" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">29,342.</bibl><note xml:id="n247">«Diese Schwärmer
                        fechten mich nicht an, sind auch nicht werth, daß man sich mit ihn schlage,
                        es sind grobe, grammatische Schwärmer: die andern sind doch subtile
                        philosophische Schwärmer.» <bibl corresp="kbga-bibls-2058">
                                    a.a.O.,
                                 WA 19,498,16f.28–30</bibl>;
                           <persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName> Anspielungen auf
                           <persName ref="kbga-actors-1081">Karlstadt</persName>, <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName> und <persName ref="kbga-actors-711">Oekolampad</persName> <bibl corresp="kbga-bibls-2058">ebd., Z. 22–28.</bibl></note></note> Hat er in der ersten Stelle das «da ein <foreign xml:lang="lat">tuto</foreign>, da ein <foreign xml:lang="lat">significat</foreign>, da ein
                  <foreign xml:lang="lat">figura</foreign>» der Exegese seiner Gegner mit jenen zwei Gründen kühn in Verbindung
                  gebracht, so stellt er also in dieser zweiten diese Verbindung in Abrede und <hi rend="italic">unterscheidet</hi> die Vertreter der zwei Gründe nicht unvorteilhaft
                  von seinen sonstigen Gegnern. Die Feststellung wird erlaubt sein, daß <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> seiner Sache hier nicht sicher gewesen
                  zu sein scheint. Wer sind die Vertreter der zwei Gründe? Die Frage verbindet sich
                  mit der nach einem ändern dunklen «zween», das aber nicht zwei Gründe, sondern
                  zwei Menschen betrifft. Die Fortsetzung in dem Brief an die Straßburger lautet
                  nämlich: «<hi rend="italic">Ich hab auch zween gehabt, die geschickter davon zu mir
                     geschrieben haben</hi>, dann D. <persName ref="kbga-actors-1081">Carlstadt</persName>, und nicht also die Wort gemartert nach eigenem
                     Dünken.»<note xml:id="nfm" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">53,274.</bibl><note xml:id="n248">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2077">
                                    <hi rend="italic">Ein Brief an die Christen zu
                                 Straßburg …</hi>, WA 15,394,17–19.</bibl></note></note> Diese zwei so wohl<pb xml:id="p299" ed="pga" break="no"/>wollend beurteilten
                  Korrespondenten müssen, wenn nicht alles trügt, irgendwie einzeln oder gemeinsam
                  Personifikationen jener «zween Gründe» gewesen sein, wie auch ihr Name gelautet
                  haben mag.<note xml:id="nfn" type="original">Ich weiß in der letzten Frage keinen Rat. <hi rend="italic">
                  <persName ref="kbga-actors-969">Enders</persName></hi> (5<note xml:id="n249">Siehe <ref type="pub" target="#fn_n236">Anm. 236</ref>.</note>, <bibl corresp="kbga-bibls-1949">84 Anm. 4</bibl>) gibt ohne Begründung an, es
                     seien die Briefe des <hi rend="italic">
                                <persName ref="kbga-actors-4062">Hoen</persName></hi> (<bibl corresp="kbga-bibls-1949">End. 3,412ff.</bibl>)<note xml:id="n250">Siehe oben <ref type="pub" target="#fn_n243">Anm. 243</ref>.</note> und des Zwinglianers <hi rend="italic">
                                <persName ref="kbga-actors-4083">Franz Kolb</persName></hi> (<bibl corresp="kbga-bibls-1949">End. 4,378ff.</bibl>)<note xml:id="n251">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1949">
                                    <hi rend="italic">Dr. Martin Luther’s
                                 Briefwechsel</hi>, Bd. 4,
                                 Calw/Stuttgart 1891, S. 378–381</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-19">
                                    <hi rend="italic">Franz Kolb,
                                 Prediger zu Wertheim, an Luther</hi> (27.8.1524), WA B 3,329–331.</bibl></note>
                        gemeint.<note xml:id="n252">Dieselbe Deutung, als Vermutung ausgesprochen,
                        auch <bibl corresp="kbga-bibls-2077">
                                    WA 15,384.</bibl></note> Aber an der Ansicht des <hi rend="italic">
                                <persName ref="kbga-actors-4062">Hoen</persName></hi> hatte <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> schon ein Jahr vorher die Kritik geübt: «Man muß nicht so
                     freveln an Gottes Worten, daß jemand ohn ausgedruckte<note xml:id="n253">In den
                        früheren Drucken irrtümlich: «vorgedruckte»; Korrektur nach 
                                    <bibl corresp="kbga-bibls-496">E. A.</bibl></note> klare Schrift einem Wort wollt ein ander Deuten geben, denn sein
                     natürlich Deuten ist.» <bibl corresp="kbga-bibls-496">28,393 (1523).</bibl><note xml:id="n254">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2055">
                                    <hi rend="italic">Vom Anbeten des
                                 Sakraments des heiligen Leichnams Christi</hi>, WA 11,434,20–22.</bibl></note> Auch <bibl corresp="kbga-bibls-1949">
                                <persName ref="kbga-actors-969">Enders</persName> (3,425)</bibl><note xml:id="n255">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1949">
                                    <hi rend="italic">Dr. Martin Luther’s Briefwechsel</hi>, Bd. 3, S. 425,
                              Anm. 1</bibl>: «Die <persName ref="kbga-actors-4062">Hoen</persName>’sche Lehre bekämpft <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> zuerst in der an die böhmischen Brüder gerichteten
                        Schrift ‹vom Anbeten des Sacraments›…».</note> hält diese Stelle für gegen
                        <persName ref="kbga-actors-4062">Hoen</persName> gerichtet, ebenso <persName ref="kbga-actors-646">W. Koehler</persName> (<bibl corresp="kbga-bibls-1942">a.a.O., S. 178</bibl>). Und der reichlich
                     tolpatschige Brief des <hi rend="italic">
                                <persName ref="kbga-actors-4083">Franz
                           Kolb</persName></hi> hat auf <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> nach seiner dem Straßburger Brief gleichzeitigen
                     Korrespondenz keinen anderen Eindruck gemacht als: «<foreign xml:lang="lat">late serpit hoc malum</foreign>» und
                     ihn zu seinen ersten bösartigen Äußerungen über <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName> veranlaßt (<bibl corresp="kbga-bibls-1949">End. 5,52.[vgl.]80</bibl>).<note xml:id="n256">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1949">
                                    <hi rend="italic">Dr. Martin Luther’s Briefwechsel</hi>, Bd. 5, S. 52</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-19">
                                    <hi rend="italic">Luther an
                                 Nikolaus Hausmann</hi> (17.11.1524), WA B 3,373,12.</bibl> – <bibl corresp="kbga-bibls-1949">
                                    a.a.O., S. 80</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-19">
                                    <hi rend="italic">Luther an Nikolaus vom Amsdorf in
                                 Magdeburg</hi> (2.12.1524), WA B 3,397,5–7.</bibl></note>
                     <hi rend="italic">
                                <persName ref="kbga-actors-3007">Ullmann</persName></hi>
                     (<bibl corresp="kbga-bibls-1950">Reformatoren vor der Reformation II<hi rend="sup">2</hi> 462f.</bibl>) meinte als
                     zweiten jener Schreiber neben <persName ref="kbga-actors-4062">Hoen</persName>
                     – <hi rend="italic">
                                <persName ref="kbga-actors-4194">Wessel</persName></hi> (nämlich
                     einen Abendmahlsaufsatz dieses älteren Theologen, der von <persName ref="kbga-actors-1192">Rhode</persName> und <persName ref="kbga-actors-4145">Sagan</persName> mit dem Brief des <persName ref="kbga-actors-4062">Hoen</persName> nach <placeName ref="kbga-places-65">Wittenberg</placeName> gebracht worden) zu erkennen.<note xml:id="n257">
                                    <bibl corresp="kbga-bibls-1950">
                                    <persName ref="kbga-actors-3007">C.
                                 Ullmann</persName>, <hi rend="italic">Johann Wessel, der Hauptrepräsentant
                                 reformatorischer Theologie im 15ten Jahrhundert</hi>, in: ders.,
                                 <hi rend="italic">Reformatoren vor der Reformation, vornehmlich in
                                 Deutschland und den Niederlanden</hi>, Bd. 2,
                                 Gotha 1866<hi rend="sup">2</hi>, S. 462f.</bibl>; zum Ganzen vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-1950">S. 459–463</bibl>.</note> Aber schon <hi rend="italic">
                                <persName ref="kbga-actors-2405">M. Goebel</persName></hi> (<bibl corresp="kbga-bibls-1952">Luthers
                     Abendmahlslehre, Stud. und Krit. 1843, S. 337</bibl>) macht darauf aufmerksam, daß
                        <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName>, wenn er sich nicht <hi rend="italic">sehr</hi> nachlässig ausgedrückt hat («die zu mir geschrieben»),
                     befreundete <hi rend="italic">Zeitgenossen</hi> gemeint haben muß.<note xml:id="n258">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1952">
                                    <persName ref="kbga-actors-2405">M.
                                 Goebel</persName>, <hi rend="italic">Luther’s Abendmahlslehre vor und in dem Streite mit
                                 Carlstadt</hi>, in: <hi rend="italic">Theologische Studien und
                                 Kritiken</hi>, Jg. 16 (1843), S. 314–377</bibl>; S. 337, Anm.: «<persName ref="kbga-actors-3007">Ullmann</persName> … vermuthet, daß die Schrift des Honius und des
                           <persName ref="kbga-actors-4194">Wessel</persName> damit gemeint seyen.
                    Ich kann dieser Meinung nicht beistimmen, schon weil dann <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> nicht hätte sagen können: ‹Ich
                    <hi rend="italic">habe</hi> auch <hi rend="italic">zween</hi> gehabt, die zu <hi rend="italic">mir</hi> geschrieben,› welches sich doch nur auf <hi rend="italic">Briefe</hi> von befreundeten Zeitgenossen <persName ref="kbga-actors-261">Luther’s</persName> beziehen kann …»</note></note> Und <pb xml:id="p300" ed="pga"/> da <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> «in diesem Fall den Glauben und <pb n="69" ed="A"/> den Teufel» so wohl kennt, geht man wohl nicht irre,
                  wenn man, wenn nicht die beiden Korrespondenten, so doch die beiden seinen Gegnern
                  insiniuerten <hi rend="italic">Gründe</hi> «<foreign xml:lang="lat">absurditas</foreign>» und «<foreign xml:lang="lat">nulla necessitas</foreign>» in der
                  nächsten Nähe <hi rend="italic">der</hi> Motive sucht, die <hi rend="italic">ihn selbst</hi>
                  zu einem gewissen Schwanken veranlaßt haben, und zwar so, daß der zweite Grund ihm
                  von Haus aus näher lag als der erste.<note xml:id="nfo" type="original">Vgl. bei <ref target="#fn_nau" type="pub">Anm. au-az</ref>.</note> Der Verdacht der «<foreign xml:lang="lat">absurditas</foreign>», die Frage nach den «<foreign xml:lang="lat">modi
                  operationis divinae</foreign>» wird, soweit ich sehe, gleichzeitig mit dem Verzicht auf die
                  Wandlungslehre akut. Man muß wohl jene Warnungen vor unnützem Grübeln über das
                  Geheimnis des Sakraments<note xml:id="nfp" type="original">Vgl. bei <ref type="pub" target="#fn_nel">Anm. el</ref>, <ref type="pub" target="#fn_nfb">fb</ref>, <ref type="pub" target="#fn_nex">ex</ref>; auch <bibl corresp="kbga-bibls-496">V 33 (1520)</bibl><note xml:id="n259">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1957">
                                    <hi rend="italic">Da captivitate Babylonica …</hi>, WA 6,510,34f.</bibl></note></note> mit ihm in Verbindung bringen. Viel dringender mußte für <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> das andere Bedenken sein, ob es sich
                  nicht bei der Realpräsenzlehre überhaupt, nicht nur in ihrer kirchlichen Form, um
                  «<foreign xml:lang="lat">superflua miracula</foreign>»<note xml:id="nfq" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">V 29 (1520).</bibl><note xml:id="n260">Siehe oben bei <ref type="pub" target="#fn_nfe">Anm. fe</ref>.</note></note> handle. Wir haben gesehen, wie hart er oft vom Begriff des «Wortes» wie
                  des «Glaubens» aus eine rein symbolische Ansicht gestreift hat und wie dies auch
                  von seinen Gegnern bemerkt worden ist.<note xml:id="nfr" type="original">Vgl. bei <ref type="pub" target="#fn_nk">Anm. k</ref>, <ref type="pub" target="#fn_nau">au</ref>,
                     <ref type="pub" target="#fn_nba">ba</ref>.</note> Daß aber diese «Gründe» für eine Verschiebung in der Absicht seiner
                  Lehre in <persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName> Denken jemals <hi rend="italic">ernste</hi> Bedeutung gewonnen hätten, das ist auf Grund seiner
                  Schriften, wie sie tatsächlich vorliegen, <hi rend="italic">nicht</hi> anzunehmen. Dem
                  gelegentlichen spiritualistischen Oszillieren der Äußerungen von <date when="1518">1518</date> und <date when="1519">1519</date>
                  steht zur Seite die <pb n="70" ed="A"/> selbstverständlich
                  anerkannte Wandlungslehre, in der die Realpräsenz implicite ausgesagt war. Dem
                  «Fortschritt» über diese hinaus und dem Auftauchen der Frage der «<foreign xml:lang="lat">absurditas</foreign>» ist
                  gleichzeitig die energische Ablehnung der ersten in <persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName> Gesichtskreis tretenden
                  Signifikatisten, nämlich der «Pigharden» im <placeName ref="kbga-places-826">Böhmerland</placeName>, die «nit glauben, daß
                  Christus Fleisch und Blut wahrhaftig da sei, und etlich mehr Ketzerstuck haben.
                  Diese Böhmen halt ich für Ketzer. Gott erbarm sich <pb xml:id="p301" ed="pga"/>
                  über sie!»<note xml:id="nfs" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">27,74 (1520).</bibl><note xml:id="n261">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2054">
                                    <hi rend="italic">Verklärung D. Martin Luthers
                                 etlicher Artikel in seinem Sermon von dem heiligen
                                 Sakrament</hi>, WA 6,80,27–29.</bibl></note></note> Und dieselbe Septuagesimaepredigt, in der <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName> einen Kronzeugen für seine Lehre fand, enthält, in
                  unmittelbarem Anschluß an die dazu Anlaß gebenden Seiten, die unzweideutigste
                  Absage an <hi rend="italic">diese</hi> Lehre: «Das sind Schriftverkehrer aus eigenem
                  Frevel … Also mußt du die Worte auch dir nicht lassen nehmen und verkehren …,
                  sondern stracks wie sie lauten: Das Brot ist <hi rend="italic">wesentlich</hi> und <hi rend="italic">gegenwärtiglich</hi> da mein Leib usw. … Wo man es aber nicht tun
                  kann, soll man sich unter Gottes Wort gefangen geben».<note xml:id="nft" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">8,96–98.</bibl><note xml:id="n262">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2050">
                                    <hi rend="italic">Fastenpostille 1525. Epistel des Sontags
                                 Septuagesime</hi>. 1.Corinth. 9, WA 17/II,134,18.34.36f.; 135,4–6.</bibl></note></note> Eine sehr merkwürdige Tatsache ist nun allerdings die, daß <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> später, als der Streit in vollem Gange
                  war, in der Lage war, seinen Gegnern aus dem Handgelenk eine Abendmahlstheorie <hi rend="italic">ohne</hi> Realpräsenz, aber auch <hi rend="italic">ohne</hi> «Marterung»
                  des Textes, wie er sie jenen vorwarf<note xml:id="n263">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">
                                <hi rend="italic">E. A.</hi> 30,42</bibl>: «D.
                        <persName ref="kbga-actors-1081">Carlstadt</persName> in diesem heiligen
                     Text, das ist mein Leib, martert das Wörtlin (Das); Zwingel martert das Wörtlin
                     (Ist); <persName ref="kbga-actors-711">Oecolampad</persName> martert das Wörtlin (Leib): die andern martern den ganzen
                     Text und kehren das Wörtlin (das) umb, und setzens hintenan …» <bibl corresp="kbga-bibls-2080">
                                <hi rend="italic">Daß diese Worte Christi ‹Das ist
                              mein Leib› noch fest stehen, wider die Schwärmgeister</hi>, WA 23,107,22–26.</bibl></note>, vorzulegen als Beweis dafür, daß «wenn Schwärmen Kunst wäre, ich wollte
                  hie freilich so fein schwärmen wie sie»: Christus habe nämlich wörtlich und
                  wirklich das Brot seinen Leib nennen können, ist er doch der Gott, der den
                  Christen an Stelle des mosaischen Osterlamms seinen Leib, d. h. das nach seinem
                  Willen geschaffene und gebrauchte Ding («daß alle Dinge Gottes sind und heißen»)
                  gebe. Und «dieser rote Wein, der doch sonst mein Traubenblut ist, soll auch itzt
                  mein Blut sein bei euch.»<note xml:id="nfu" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">30,42–46 (1527).</bibl><note xml:id="n264">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2080">
                                    a.a.O., WA 23,107,19–113,22</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-2080">hier: 
                                       107,19f.; 109,26; 111,29f</bibl>.</note> Es ist nicht ratsam, seine Träume
                     auszuplaudern, auch wenn es wirklich nur Träume sind, sogar wenn man <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> ist. <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName> hätte sich die Antwort auf dieses übermütige Experiment
                     wirklich nicht entgehen lassen dürfen: diese <hi rend="italic">Eventual</hi>ansicht
                        <persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName>, die er, <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName>, natürlich mit Entrüstung von sich
                     weise, zeige nur, in welch bedenklicher <hi rend="italic">Nachbarschaft</hi> mit <hi rend="italic">heidnischer Naturmystik</hi> sich <persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName> Lehre nach seinem eigenen Zeugnis befinde.</note> In <pb n="71" ed="A"/> der Fortsetzung der zitierten Stelle aus dem
                  Brief an die Straßburger von <date when="1524">1524</date> bekennt <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName>, er sei «noch heutes Tages» «leider allzu geneigt, soweit
                  ich meinen <persName ref="kbga-actors-2144">Adam</persName> spüre»<note xml:id="n265">«Ja wenns noch heuttes tages möcht
                     geschehen, das yemand mit bestendigem grund beweysete, das schlecht brod und
                     weyn da were, man dürfft mich nicht so antasten mit grymm, Ich byn leyder allzu
                     geneigt dazu, so viel ich meynen <persName ref="kbga-actors-2144">Adam</persName> spure.» <bibl corresp="kbga-bibls-2077">
                                WA 15,394,21–24.</bibl></note>, <pb xml:id="p302" ed="pga"/> zu einer die Realpräsenz bestreitenden
                  Auffassung. Man hätte sich also das wenn auch noch so unwirksame, weil
                  unterdrückte, aber doch andauernde Bedenken <persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName> gegen die bewußte Spitze seiner eigenen Lehre vorzustellen
                  negativ im Sinn jener zwei Gründe, besonders des zweiten, und positiv im Sinn
                  dieser Gleichung Leib Christi = Schöpfung Gottes. Daß unter seinen Gegnern
                  jedenfalls <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName> und <persName ref="kbga-actors-711">Oekolampad</persName> auf <hi rend="italic">diese</hi> Lösung,
                  vor allem in ihrem positiven Bestandteil, nicht kommen <hi rend="italic">konnten</hi>,
                  das hätte <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> freilich wissen
                  müssen, wenn er über <hi rend="italic">ihr</hi> Anliegen auch nur einen Augenblick
                  ernsthaft nachgedacht hätte, was er notorisch <hi rend="italic">nicht</hi> getan
                     hat.<note xml:id="nfv" type="original">
                            <hi rend="italic">
                                <persName ref="kbga-actors-646">W.
                           Koehler</persName></hi> vertritt diese Ansicht über <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> auch in bezug auf <persName ref="kbga-actors-1081">Carlstadt</persName>, den ich zu wenig kenne, um mir
                     ein Urteil zu erlauben: «Zu einer ruhigen Beurteilung, geschweige Würdigung des
                     Gegners war er nicht fähig» (<bibl corresp="kbga-bibls-1942">a.a.O., S. 178</bibl>). M. E. bedeutet das nur bedingterweise einen Vorwurf
                     gegen <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName>. Es waren zu allen
                     Zeiten nicht die schlechtesten Theologen, die zum wirklichen <hi rend="italic">Nach</hi>denken der Gedanken <hi rend="italic">anderer</hi> einfach kein Organ
                     hatten. <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> gehörte, soweit ich
                     sehe, zu diesen ausgesprochenen Selbst-Denkern. Theologische Sachlichkeit und
                     historische Objektivität sind vielleicht Charismen, die sich gegenseitig
                     ausschließen. Womit aber nicht gesagt ist, daß jeder, dem das zweite Charisma
                     fehlt, das erste besitzt – noch umgekehrt.</note> Mit dem Einwand der
                  Reformierten: der Bedrohung der <hi rend="italic">Ehre Gottes</hi> durch die Annahme
                  einer direkten <hi rend="italic">Gegebenheit</hi> der kontingenten Offenbarung, mit dem
                  Nachdruck, den sie auf die <hi rend="italic">Himmelfahrt</hi> Christi legten, hatte
                  diese unterdrückt-reformierte Theorie <persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName> in ihrer negativen und positiven Form <hi rend="italic">nichts</hi> zu tun. Er dachte an ihrem Einwand so vollkommen vorbei, daß er
                  darauf antworten konnte: «<foreign xml:lang="lat">Pius non sic quaerit gloriam Dei, ut Christum
                  blasphemari ignoret</foreign>»<note xml:id="nfw" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-1949">End. 5,388 (1526).</bibl><note xml:id="n266">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1949">
                                    <hi rend="italic">Dr. Martin Luther’s
                                 Briefwechsel</hi>, Bd. 5, S. 388</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-2078">
                                    <hi rend="italic">Schreiben an Johann
                                 Herwagen</hi>, WA 19,473,23f.</bibl></note></note>, wenn er es nicht vorzog, geradezu ein Gelächter darüber anzustimmen:
                  «Wiewohl sie immer im Munde und in <pb n="72" ed="A"/> der Feder
                  führen: Gotts Ehre, Gotts Ehre, Gotts Ehre suchen wir.»<note xml:id="nfx" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">53,363
                        (1526).</bibl><note xml:id="n267">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2081">
                                    <hi rend="italic">Antwortschreiben an die Christen zu
                                 Reutlingen</hi>, WA 19,123,23f.</bibl></note></note> Auch diese unterdrückt-reformierte Theorie konnte ihn also den wirklichen
                  Reformierten keinen Schritt weit entgegenführen. Ihre Bedenken waren ihm <pb xml:id="p303" ed="pga"/> so fremd wie – ihnen die seinigen. Aber wie dem auch
                  sei, <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> hat der Versuchung, auch
                  nur von dieser Eventual-Theorie Gebrauch zu machen, mannhaft und erfolgreich
                  widerstanden. Er <hi rend="italic">wollte</hi> eben der Realpräsenz tatsächlich <hi rend="italic">nicht</hi> ausweichen, sondern er wollte sie behaupten. «<foreign xml:lang="lat"><hi rend="italic">Propria opinione non haesi in illo errore</hi>, licet fortiter fuerim
                     tentatus.</foreign>»<note xml:id="nfy" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-1949">End. 5,104 (1525).</bibl><note xml:id="n268">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1949">
                                    <hi rend="italic">Dr. Martin Luther’s
                                 Briefwechsel</hi>, Bd. 5, S. 104</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-19">
                                    <hi rend="italic">Luther an Spalatin</hi>
                                 (13.1.1525), WA B 5,422,19.</bibl></note></note> «<foreign xml:lang="lat">Non diximus unquam, neutram rem esse carnem et sanguinem Christi aut non
                  afferre salutem, sed diximus verbo praedicandam ut cibum verum animae</foreign>»<note xml:id="nfz" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-1949">End. 5,265 (1525</bibl><note xml:id="n269">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1949">
                                    a.a.O., S. 265</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-19">
                                    <hi rend="italic">Luther an Gregor
                                 Casel</hi> (5.11.1525), WA B 5,604,37–605,39.</bibl></note></note>, so interpretiert er später seine eigene Vergangenheit, und wir haben
                  allen Anlaß, ihm Glauben zu schenken: unsere ganze Untersuchung bestätigt diese
                  Sätze.</p>
          <p>Die berühmtesten Worte jenes Briefs an die Straßburger lauten nun bekanntlich:
                     «<hi rend="italic">Aber ich bin gefangen, kann nit heraus: der Text ist zu gewaltig
                     da und will sich mit Worten nit lassen aus dem Sinn reißen</hi>.»<note xml:id="n270">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-2077">
                                WA 15,394,19f.</bibl></note> Wir stehen hier vor dem
                  Hebel, mit dem <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> seine
                  «reformierten» Anwandlungen unterdrückt hat. Zuerst gegenüber den Vertretern der
                  Transsubstantiationslehre hat er im Blick auf die <hi rend="italic">Einsetzungsworte</hi> geltend gemacht, dem Buchstaben dürfe keine Gewalt
                  angetan werden, «<foreign xml:lang="lat">sed quantum fieri potest (!) in simplicissima significatione
                  servanda sunt […], nisi manifesta circumstantia cogat (!), extra grammaticam et
                  propriam accipienda non sunt, ne detur adversariis occasio universam scripturam
                     eludendi</foreign>»<note xml:id="nga" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">V 31 (1520).</bibl><note xml:id="n271">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1957">
                                    <hi rend="italic">De captivitate
                                 Babylonica …</hi>, WA 6,509,10–13.</bibl></note></note>. «<foreign xml:lang="lat">Ego sane si non possum consequi, quomodo panis sit corpus Christi,
                  captivabo tamenn intellectum meum in obsequium Christi, et verbis eius simpliciter
                  inhaerens credo firmiter …</foreign>»<note xml:id="ngb" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">Ebendas. 34.</bibl><note xml:id="n272">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1957">
                                    WA 6,511,18–20.</bibl></note></note> Es gehört nicht mehr in den Rahmen dieser Arbeit, zu zeigen, wie <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> mit <hi rend="italic">diesem</hi> Argument
                  mit seinen eigenen auch die Bedenken aller und jeder <pb n="73" ed="A"/> anderer nicht widerlegt, sondern niedergeschlagen hat.
                  Alles, was er sonst für seine These vorgebracht hat, teils zur Erläuterung, teils
                     <pb xml:id="p304" ed="pga"/> zur absichtlichen Erschwerung ihres Verständnisses
                  (also z. B. die Konsubstantiationslehre samt der «Figur Synekdoche»<note xml:id="n273">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-2044">
                                <hi rend="italic">Wider die himmlischen Propheten</hi>, WA 18,188,11 u. ö.</bibl></note>, die Lehre von der Ubiquität des Leibes Christi, die Trotzlehre von der
                  «<foreign xml:lang="lat">manducatio indignorum</foreign>» usf.), ist nur Paraphrase des «<foreign xml:lang="lat">Hoc <hi rend="italic">est</hi>
                  corpus</foreign>», mit dem für ihn alles erledigt war. So stand es geschrieben und – so <hi rend="italic">mußte</hi> es geschrieben stehen. <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> würde das ganz andere als <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName> gesagt haben, auch wenn er das problematische «<foreign xml:lang="lat">est</foreign>» nicht
                  in der Bibel gefunden hätte.<note xml:id="ngc" type="original">Vgl. dazu neuerdings <bibl corresp="kbga-bibls-1953">
                                <persName ref="kbga-actors-893">
                                    <hi rend="italic">Karl Bauer</hi></persName>, Die
                     Wittenberger Universitätstheologie und die Anfänge der deutschen Reformation
                        1928, S. 146</bibl>: «Für <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> brachte es seine Hermeneutik mit sich, daß er beim
                     Abendmahl nicht fragte: Was hat Jesus am Abend vor seinem Todesleiden seinen
                     Jüngern gesagt? sondern: Was sagt er mir jetzt bei der Feier der Kommunion? Die
                     Antwort auf diese Frage war dann freilich unvermerkt stark beeinflußt durch
                     sein persönliches religiöses Bedürfen und Verlangen, dem nur die Realpräsenz
                     und Selbstmitteilung Christi genügen konnte. So wurde für ihn <ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.10.16">1.Kor. 10,16</ref> «die lebendige
                     Arznei seines Herzens in seiner Anfechtung über diesem Sakrament› (<bibl corresp="kbga-bibls-2044">W. A. XVIII,
                           166f.</bibl>). Denn hier fand er ausgesprochen, daß diejenigen, so
                     das gebrochene Brot nehmen, in demselben den Leib Christi nehmen. Ob eine
                     historische oder grammatische Exegese das als die Meinung des Apostels
                     feststelle, war eine Frage, die für seine Hermeneutik nicht existierte. Ihr war
                     der <foreign xml:lang="lat">usus</foreign> wichtiger als die <foreign xml:lang="lat">historia</foreign>, und so entschied sich die Abendmahlsfrage
                     für ihn nach dem Trost des Sakramentes, nicht nach dem gelehrten
                        Interesse.»<note xml:id="n274">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1953">
                                    <persName ref="kbga-actors-893">K. Bauer</persName>, <hi rend="italic">Die
                                 Wittenberger Universitätstheologie und die Anfänge der Deutschen
                                 Reformation</hi>,
                              Tübingen 1928, S. 146, Anm. 5.</bibl> – Diese Anm. ist von <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> erst in den Abdruck in <bibl corresp="kbga-bibls-954">
                                    Th. u. K.</bibl> eingefügt worden.</note></note> Mit philologischer Treue gegen den Text oder gar mit der vielberufenen
                  Gebundenheit an die Verbalinspirationslehre (der <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> gar nicht folgte) hat die
                  Leidenschaft, mit der er sich an die drei Buchstaben «<foreign xml:lang="lat">est</foreign>» klammerte, mit der er
                  sie mit Kreide auf den Verhandlungstisch zu <placeName ref="kbga-places-41">Marburg</placeName> schrieb<note xml:id="n275">Vgl. die Berichte über das Marburger Religionsgespräch <date when="1529">1529</date>, z. B.
                     von <bibl corresp="kbga-bibls-1971">
                                <persName ref="kbga-actors-718">Osiander</persName> (WA 30/III,147,15–17</bibl>: «Da hub <hi rend="italic">
                                <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName></hi> die Sammaten deck
                     auff vnd zaiget Im den spruch, das ist mein leyb, den er mit der kreyden hett
                     für sich geschryben, vnd sprach, alhie steet vnnser schryfft.») <bibl corresp="kbga-bibls-1971">
                                    Weitere Berichte
                                    a.a.O., 112,21; 137,9–13.</bibl></note>, nichts zu tun. Dieser professorale Zwirnsfaden hätte den <persName ref="kbga-actors-2252">Simson</persName> so wenig
                  gebunden wie die Stricke [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Ri.16.7 Ri.16.12">Rieht. 16,7–12</ref>], die er anderweitig, wo er
                  sich nicht selbst gebunden, zerrissen hat.<note xml:id="ngd" type="original">
                            <hi rend="italic">
                                <persName ref="kbga-actors-191">K. Holl</persName></hi>, der in <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName>
                     einen Vorläufer, ja Bahnbrecher der am historischen Gegenstand als solchem
                     interessierten modernen Exegese und Hermeneutik sieht, zitiert (<bibl corresp="kbga-bibls-1954"><persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName>, 2.
                     Aufl., S. 565 A. 2</bibl>)<note xml:id="n276">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-1954">
                                    <persName ref="kbga-actors-191">K. Holl</persName>, <hi rend="italic">Luthers
                                 Bedeutung für den Fortschritt der Auslegungskunst</hi>
                                 (1920), in: ders., <hi rend="italic">Gesammelte
                                 Aufsätze zur Kirchengeschichte</hi>, Bd. I: <hi rend="italic">Luther</hi>, Tübingen
                              1923<hi rend="sup">2.3</hi>, S. 565, Anm. 2</bibl> (<bibl corresp="kbga-bibls-1720">WA.TR 2,333,25–30</bibl>). – Diese Anm. ist von <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> erst in den
                        Abdruck in <bibl corresp="kbga-bibls-954">Th. u. K.</bibl> eingefügt worden.</note> folgende Stelle
                     aus Tischreden II 333, 25: «<foreign xml:lang="lat">quando nos et suermeri communiter utimur verbo dei
                     et utraque pars glorietur de germana interpretatione, dubium videri potest
                     maximum, unde certos esse oporteat. testimonium Spiritus intra, extra consensus
                     fratrum de doctrina certos nos reddit, quod parti <persName ref="kbga-actors-261">Lutheranae</persName> adhaerendum sit,
                     non <persName ref="kbga-actors-443">Zwinglianae</persName>.»</foreign></note> «Es <pb xml:id="p305" ed="pga"/> muß alles etwas
                  Höheres <pb n="74" ed="A"/> sein, denn <foreign xml:lang="lat">regulae grammaticae</foreign> sind,
                  was den Glauben soll gründen … Soll denn mein Glaube auf dem Donat oder Fibel
                  stehen, so steht er wahrlich übel. Wieviel neuer Artikel werden wir müssen setzen,
                  wenn wir die Bibel an allen Orten nach den grammatischen Regeln wollen
                     meistern.»<note xml:id="nge" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">29,232 (1525).</bibl><note xml:id="n277">
                                <bibl corresp="kbga-bibls-2044">
                                    <hi rend="italic">Wider die
                                 himmlischen Propheten …</hi>, WA 18,157,23f.29–158,1.</bibl></note></note> So hat <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> von der
                  philologischen Texttreue geredet, wenn es eben <hi rend="italic">so</hi> sein mußte.
                  Die eigentümliche Zuspitzung seiner Lehre, logisch ausgedrückt in dem, was er
                  später die «<foreign xml:lang="lat">praedicatio identica</foreign>» nannte<note xml:id="ngf" type="original">
                            <bibl corresp="kbga-bibls-496">30,291 (1528).</bibl><note xml:id="n278">«<foreign xml:lang="lat">De praedicatione identica</foreign>»
                        (Zwischenüberschrift). <bibl corresp="kbga-bibls-2075">
                                    <hi rend="italic">Vom Abendmahl Christi, Bekenntnis</hi>, WA 26,437,30</bibl>.<bibl corresp="kbga-bibls-2075"> Ferner: a.a.O., 439,1; 440,10;
                              441,10.36; 444,10.</bibl></note></note>, lag, von allen Seiten gesehen, schon im Ansatz seiner Lehre, lange bevor
                  das Sätzchen «<foreign xml:lang="lat">hoc est corpus</foreign>» seine wissenschaftliche Aufmerksamkeit erregt hatte.
                  Seine dynamische Anschauung von den Begriffen «Wort» und «Glaube» erzwang es a
                  priori, daß, als die Frage nach dem Sinn dieses Sätzchens aufgerollt wurde, «<foreign xml:lang="lat">est</foreign>»
                  nicht «<foreign xml:lang="lat">significat</foreign>», sondern in alle Ewigkeit «<foreign xml:lang="lat">est</foreign>» heißen <hi rend="italic">mußte</hi>.
                  Nicht mit der <hi rend="italic">Quelle</hi>, sondern mit der <hi rend="italic">nachträglichen Begründung</hi> seiner Lehre haben wir es in seiner Exegese der
                  Einsetzungsworte zu tun.</p>
          <p rend="margin-top">
                        <hi rend="italic">Reformierte</hi> Lehre aber wird den ganzen Weg, den <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> geht, <hi rend="italic">hier</hi>
                  <hi rend="italic">und sonst</hi> in ihrer Art freudig mitgehen, um, wenn das <hi rend="italic">letzte</hi> Wort fällt, das lutherische
                  <hi rend="italic">Ja</hi> durch ihr reformiertes – nicht Nein, sondern <hi rend="italic">Aber</hi> zu durchkreuzen, zu ergänzen, zu erklären, in der Erinnerung, daß,
                  indem dieses <hi rend="italic">letzte</hi> Wort fällt, der Kreis jenes Weges sich
                  schließt, der Punkt wieder erreicht ist, <hi rend="italic">von dem <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> ausgegangen</hi>, wo die Gleichung
                  wieder zum Gleichnis werden, wo die kritische Frage wieder lebendig werden muß,
                  damit die göttliche Antwort Wahrheit sei und bleibe. Die <pb xml:id="p306" ed="pga"/> Welt des Alten Testamentes und die Welt des Humanismus, die sich in
                  dieser Er<pb n="75" ed="A"/>innerung zu Worte meldet, wird ja
                  wohl, wenigstens in dieser Form, vom Himmelreich auch nicht gänzlich
                  ausgeschlossen sein. Es war <persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName>
                  Grenze, daß er wohl die Freiheit hatte, die Türe ins Schloß fallen zu lassen, aber
                  ohne die Freiheit, sie wieder öffnen zu können. Hätte er es gekonnt (kein Wort,
                  das er sagte, hätte darum ungesagt zu bleiben brauchen), so hätte <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName> gegen Windmühlen gekämpft. Er hatte
                  genug Erkenntnis, daß er das dann unterlassen hätte. Doch uns ziemt es nicht,
                  nachträglich mit <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> zu rechten. Nur
                  feststellen können wir, daß er ein <hi rend="italic">Ja ohne Aber</hi> meinte
                  aussprechen zu können, das auszusprechen weder im Umkreis seines noch irgendeines
                  Menschen Könnens und – Dürfens lag und das nun eben, trotzdem ausgesprochen, das
                     <hi rend="italic">göttliche</hi> Ja doch <hi rend="italic">nicht</hi> war, das er damit
                  meinte aufrichten zu können. <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName>
                  gegenüber <hi rend="italic">
                            <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName></hi>, in
                  seiner <hi rend="italic">Un</hi>dialektik <hi rend="italic">noch</hi> bedenklicher
                  dastehend, weil <hi rend="italic">sein</hi> Auftrag, viel undankbarer, offenbar nur auf
                  das <hi rend="italic">Aber</hi>
                  <hi rend="italic">ohne Ja</hi> lautete, vielleicht gerade in der großen, von <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> peinlich abstechenden Fragwürdigkeit
                  seiner geschichtlichen Erscheinung die notwendige Verkörperung des Fragezeichens,
                  das zu setzen <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> selber unterlassen
                  hatte. Der Name <hi rend="italic">
                            <persName ref="kbga-actors-77">Calvins</persName></hi>, des Mannes, der nachträglich beides wußte und sagte,
                  bezeichnet die Tragik dieses geschichtlichen Engpasses, vielleicht auch <hi rend="italic">Ausblick und Hoffnung</hi>.</p>
        </div>
      </div>
    </body>
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</TEI>
