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        <title type="volume" n="vol-01">Karl Barth – Rudolf Bultmann. Briefwechsel 1911–1966</title>
        <title type="formal">Brief Nr. 98</title>
        <title type="content">Karl Barth an Rudolf Bultmann</title>
        <title type="citation_line_1">Karl Barth an Rudolf Bultmann, 22. Dezember 1935</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/1100 (Stand: 25. August 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Karl Barth – Rudolf Bultmann. Briefwechsel 1911–1966, hrsg. v. Jaspert, Bernd (Gesamtausgabe, Abt. V), Zürich 1994, S. 162–164.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Karl Barth – Rudolf Bultmann. Briefwechsel 1911–1966</title>
          <title type="text">Brief Nr. 98: Karl Barth an Rudolf Bultmann</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Jaspert, Bernd</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">1994</date>
          <biblScope unit="page">Pp. 162-164</biblScope>
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        <!-- The first digital edition (data from xml and database) -->
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          <title type="edition">Princeton Barth Project edition</title>
          <title type="text">electronic edition of Karl Barth, Gesamtausgabe V.1, Karl Barth Rudolf Bultmann Briefwechsel 1911-1966, letter 98</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>James R. Adair, Jr.</editor>
          <editor>Timothy J. Finney</editor>
          <editor>Christian Kelm</editor>
          <pubPlace>Princeton</pubPlace>
          <publisher>Alexander Street Press</publisher>
          <date type="publication">2001</date>
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        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Karl Barth an Rudolf Bultmann, 22. Dezember 1935. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/27991">KBA 9236.35</ref>. </bibl>
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          Barth
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                        <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName>, <date when="1935-12-22">22.XII.1935</date><note xml:id="n01">Im <ref corresp="A">Mskr.</ref> Schreibfehler: Januar.</note>
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          <salute>Lieber Herr <persName ref="kbga-actors-512">Bultmann</persName>!</salute>
        </opener>
        <p>Ich rechne auf Ihr ganzes freundschaftliches Wohlwollen, wenn ich Ihnen nun die Predigten in der Tat zurückschicke. Auch <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> hat Ihren Brief und die Predigten gelesen, und denken Sie nur: Ihre Kritik an den unsrigen scheint wirklich keine zufällige zu sein, nicht auf irgendwelche vermeidbare Fehler sich zu beziehen. Denn mit ganz derselben Bestimmtheit müssen wir Ihnen sagen, daß wir Ihre Predigten nicht «gut» (im Sinn dessen, was wir für eine gute Predigt halten) finden können. Es entspricht wohl Ihrer Beschwerde über die «dürre Dogmatik» unsrer Erzeugnisse, wenn wir unsrerseits in den Ihrigen nicht eigentlich Christus verkündigt, sondern — was u. E. in einer «guten» Predigt nicht geschehen dürfte — den glaubenden Menschen expliziert sehen, und wenn wir sie darum gerade als Predigten — ich muß das schreckliche Wort aussprechen, um auch unser praktisch-theologisches Bedenken deutlich zu machen — langweilig finden, nicht hinausgehend über das, was man etwa von «positiven Ritschlianern» (einem hierzulande sehr verbreiteten Genus) zu hören bekommt. Hinter dieser unsrer gegenseitigen Beanstandung steckt natürlich eine sachliche Differenz. «Mißtrauen» ist wirklich ein schlechtes Wort für das, was ich auch in <pb xml:id="p163" ed="pga"/> der Sache Ihnen gegenüber empfinde. Ich sehe angesichts Ihres Kreisens um die Existenz des Glaubenden — wie ich sie auch in diesen Predigten wiederfinde — nicht ein, inwiefern Sie nun eigentlich, nachdem allerlei Pulverdampf sich verzogen hat, das Schema der Theologie des 18. und 19. Jahrhunderts durchbrochen haben. War es nicht eine schmerzliche Bestätigung dessen, daß wir an entscheidender Stelle noch nicht beieinander sind: daß sich im Kirchenkampf zwischen <placeName ref="kbga-places-41">Marburg</placeName> und <placeName ref="kbga-places-10">Bonn</placeName> so gar keine Einigkeit erzielen ließ, daß Sie den Eid, über den ich «gestolpert» bin, ruhig geschworen haben und auch mich dazu veranlassen wollten, daß Ihr Freund <persName ref="kbga-actors-388">v. Soden</persName> (den auch ich unterdessen persönlich aufrichtig schätzen gelernt habe) sicher nicht ohne Ihr Einverständnis das Kirchenregiment <persName ref="kbga-actors-265">Marahrens</persName> eingesetzt hat, auf das ich meinerseits alle Übel des vergangenen Jahres zurückführe, nachdem ich von Anfang an dagegen protestiert habe.<note xml:id="n02">
                        <p>Zur Einsetzung der Ersten <orgName ref="kbga-actors-8355">Vorläufigen Kirchenleitung der Deutschen Evangelischen Kirche</orgName> unter Vorsitz von Landesbischof <persName ref="kbga-actors-265">Marahrens</persName> (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-1266">
                                <hi rend="italic">Vereinbarung über die Bestellung eines vorläufigen Kirchenregiments der DEK</hi> vom 22.11.1934, in: KJ, Jg. 60–71 [1933–1944], Gütersloh 1976<hi rend="sup">2</hi>, S. 87f.</bibl>) und zu <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> daraufhin erfolgtem Austritt aus dem <orgName ref="kbga-actors-8288">Reichsbruderrat der Bekennenden Kirche</orgName> s. <bibl corresp="kbga-bibls-239">
                                K. Meier, <hi rend="italic">Der evangelische Kirchenkampf</hi>, Bd. I, Göttingen 1984<hi rend="sup">2</hi>, S. 501ff.</bibl>
        </p>
                        <p>Daß <persName ref="kbga-actors-512">Bultmann</persName> mit der Einsetzung des <orgName ref="kbga-actors-8355">Vorläufigen Kirchenregiments</orgName> unter <persName ref="kbga-actors-265">Marahrens</persName> einverstanden gewesen sei, kann quellenmäßig nicht belegt werden. Zu <persName ref="kbga-actors-388">v. Sodens</persName> Anteil an den Vorgängen, insbesondere bei der entscheidenden Sitzung des <orgName ref="kbga-actors-8288">Reichsbruderrates</orgName> am <date when="1934-10-29">29.10.1934</date>, s. H. Prolingheuer (s. <ref type="pub" target="1094#fn_n01">Nr. 92, Anm. 1</ref>), S. 43 (mit Zitat aus dem Sitzungsprotokoll); <bibl corresp="kbga-bibls-239">
                                K. Meier, a.a.O., S. 514. 518.628f.</bibl>
                  </p></note> Ich glaube, daß das Alles mit unserer Differenz über das Verhältnis von Christologie und Anthropologie sehr viel zu tun hat. Und darum würde ich es für eine Irreführung der Leserschaft halten, wenn Sie nun ganz gemächlich trotz Allem in der <bibl corresp="kbga-bibls-1254">Theol. Ex.</bibl> erscheinen würden, wo nun eben bisher mit mehr oder weniger Glück eine andere Linie zu halten versucht wurde.</p>
        <p>Möchte es uns in absehbarer Zeit beschieden sein, wieder einmal mündlich an einander heranzukommen. Ich habe hier einen Schüler namens <persName ref="kbga-actors-379">Schweizer</persName><note xml:id="n03"><persName ref="kbga-actors-379">Eduard Schweizer</persName> (geb. 18.4.1913), 1936 Pfarrer in Basel, 1938 in Nesslau/St. Gallen, 1940 Privatdozent für Neues Testament in Zürich, 1946 Ordinarius in Mainz, 1949 in Bonn und in demselben Jahr bis zur Emeritierung 1979 in Zürich.
                    </note>, der auch Ihr Schüler war und ist und der im Seminar und im Offenen Abend fleißig aus Ihren Heften zu zitieren weiß. <pb xml:id="p164" ed="pga"/> Auch so ist also gesorgt dafür, daß Sie mir <foreign xml:lang="lat">kata pneuma</foreign> beständig gegenwärtig sind.</p>
        <closer>
          <salute>Und nun empfangen Sie zum Weihnachtsfest mit allen Ihrigen die
herzlichsten Grüße und Wünsche von</salute>
          <salute>Ihrem</salute>
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                        <persName ref="kbga-actors-2151">Karl Barth</persName>
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