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        <title type="volume" n="vol-01">Karl Barth – Rudolf Bultmann. Briefwechsel 1911–1966</title>
        <title type="formal">Brief Nr. 93</title>
        <title type="content">Rudolf Bultmann an Karl Barth</title>
        <title type="citation_line_1">Rudolf Bultmann an Karl Barth, 3. Dezember 1934</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/1095 (Stand: 25. August 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Karl Barth – Rudolf Bultmann. Briefwechsel 1911–1966, hrsg. v. Jaspert, Bernd (Gesamtausgabe, Abt. V), Zürich 1994, S. 154–156.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Karl Barth – Rudolf Bultmann. Briefwechsel 1911–1966</title>
          <title type="text">Brief Nr. 93: Rudolf Bultmann an Karl Barth</title>
          <author ref="kbga-actors-512">Bultmann, Rudolf</author>
          <editor>Jaspert, Bernd</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">1994</date>
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        <!-- The first digital edition (data from xml and database) -->
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          <title type="edition">Princeton Barth Project edition</title>
          <title type="text">electronic edition of Karl Barth, Gesamtausgabe V.1, Karl Barth Rudolf Bultmann Briefwechsel 1911-1966, letter 93</title>
          <author ref="kbga-actors-512">Bultmann, Rudolf</author>
          <editor>James R. Adair, Jr.</editor>
          <editor>Timothy J. Finney</editor>
          <editor>Christian Kelm</editor>
          <pubPlace>Princeton</pubPlace>
          <publisher>Alexander Street Press</publisher>
          <date type="publication">2001</date>
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        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Bultmann, Rudolf, Rudolf Bultmann an Karl Barth, 3. Dezember 1934. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/25119">KBA 9125.276</ref>. </bibl>
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        <head>93</head>
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          Bultmann
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          <salute>Lieber Herr <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>!</salute>
        </opener>
        <p>Ich danke Ihnen sehr dafür, daß Sie mich über den Sachverhalt betr. Ihre Suspension in
          Kenntnis gesetzt haben. Freilich kommt Ihre Forderung, daß Ihnen beim Eid jene Klausel
          konzediert werde, praktisch doch wohl auf die Verweigerung des Eides hinaus, von der die
          Zeitungen berichteten. Denn ich kann mir nicht denken, daß sich der Staat auf die Klausel
          einläßt, und m. E. <hi rend="italic">darf</hi> er es auch gar nicht. Er kann doch nicht
          zulassen — denn so muß es ja von seinem Standpunkt aus erscheinen —, daß die zum Eid
          befohlenen Beamten sich von vorn<pb xml:id="p155" ed="pga" break="no"/>herein durch diese
          oder jene Klausel salvieren (denn andere Vorbehalte sind ja auch möglich, und der Staat
          kann sich doch nicht auf eine Diskussion darüber einlassen), um dann jeweils der
          Eidesverpflichtung enthoben zu sein. Ich kann die Sache nur so ansehen, daß der von Ihnen
          geforderte Vorbehalt allerdings für jeden Christen selbstverständlich ist, daß der Christ
          aber nicht den Staat auf diesen Vorbehalt verpflichten kann, sondern daß er im <hi rend="italic">Konfliktsfall</hi> auf sein unter diesem Vorbehalt übernommenes Amt verzichten
          muß. Er kann in solchem Falle natürlich den Staat fragen: willst Du mich trotz des an
          diesem Punkte von mir erwiesenen Ungehorsams im Amte lassen? Er kann aber unmöglich das Ja
          auf diese Frage von vornherein bei der Eidesleistung sich garantieren lassen, — was doch
          der Sinn einer Klausel bei der Eidesleistung wäre. Der Staat trägt seinerseits dieser
          Situation ja dadurch Rechnung, daß er einen Beamten, der jeweils den Gehorsam verweigert,
          nicht wegen Eidbruch oder Meineid bestraft, sondern einfach entläßt.</p>
        <p>Sie können sich also denken, daß die Nachricht von Ihrem Verhalten für uns ein großer
          Schrecken war, der auch durch Ihre Richtigstellung kaum vermindert wurde. Und je länger
          ich die Sache bedenke, desto mehr beklage ich Ihren Schritt, — bei aller Respektierung der
          dafür maßgebenden Wahrhaftigkeit und des darin wirksamen Mutes, was ich kaum zu sagen
          brauche. Sachlich aber stimme ich dem zu, was <persName ref="kbga-actors-388">v.
            Soden</persName> Ihnen geschrieben hat<note xml:id="n01">Brief <persName ref="kbga-actors-388">v. Sodens</persName> an Barth (<ref type="kba-objects-id" target="25107">2.12.1934</ref>) und
            <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Antwort (<ref type="kba-objects-id" target="25141">5.12.1934</ref>), in der 1. Aufl. dieses Bandes Anh. 29 und 30,
            jetzt in: <bibl corresp="kbga-bibls-106">
                            H. Prolingheuer, a.a.O., S. 265–267.271–274</bibl>.</note>, und teile seine Sorgen angesichts der Folgen, die Ihr Schritt für die
          Bekenntnisfront hat. Ja, ich fürchte, daß eine Diskussion zwischen Staat und Kirche über
          den legitimen bzw. illegitimen Sinn des staatlichen Totalitätsanspruchs, die eines Tages
          notwendig werden kann, durch Schritte wie den Ihren von vornherein erschwert oder
          verdorben wird.</p>
        <p>Ob sich die Sache redressieren läßt? selbst dann, wenn Sie zur Revision Ihres Standpunkts
          bereit wären? Ich wünsche nichts dringender, habe aber wenig Hoffnung.<note xml:id="n02">Nachdem die <orgName ref="kbga-actors-8355">Vorläufige Leitung der Deutschen Evangelischen Kirche</orgName> sowie der Moderator des <orgName ref="kbga-actors-8669">Reformierten
            Bundes für Deutschland</orgName> und der Vorsitzende
            des <orgName ref="kbga-actors-3147">Coetus Reformierter Prediger in Deutschland</orgName> kurz zuvor öffentlich dargelegt hatten, daß der «dem Führer
              <persName ref="kbga-actors-185">Adolf Hitler</persName> (zu leistende Eid) durch die
            Berufung auf Gott ein Tun (ausschließe), das wider das in der Heiligen Schrift bezeugte
            Gebot Gottes wäre», erklärte sich <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> in einem Schreiben vom <ref type="kba-objects-id" target="25234">18.12.1934</ref>
            an den Rektor der <orgName ref="kbga-actors-8226">Bonner Universität</orgName>
            «bereit, den Beamteneid in der vorgeschriebenen Form zu leisten». Abdruck des Briefes
            von <bibl corresp="kbga-bibls-493"><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> in: Bekenntnisse 1934, S. 177f.</bibl> Vgl. auch <bibl corresp="kbga-bibls-1233">
                            ThBl, Jg. 14 (1935), Sp. 27ff.</bibl></note>
          <pb xml:id="p156" ed="pga"/> Bitte, unterrichten Sie Herrn <persName ref="kbga-actors-431">Wolf</persName>, der mich freundlicher Weise weiterhin über den Gang der Dinge
          orientieren will<note xml:id="n03">Siehe <ref type="pub" target="1136">Anh.
              24</ref>.</note>, von diesem Brief. Wegen Zeitknappheit schreibe ich ihm nur eine
          Karte.</p>
        <closer>
          <salute>Mit herzlichen Grüßen</salute>
          <salute>Ihr</salute>
          <signed>
            <persName ref="kbga-actors-512">R. Bultmann</persName>
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