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        <title type="volume" n="vol-01">Karl Barth – Rudolf Bultmann. Briefwechsel 1911–1966</title>
        <title type="formal">Brief Nr. 9</title>
        <title type="content">Rudolf Bultmann an Karl Barth</title>
        <title type="citation_line_1">Rudolf Bultmann an Karl Barth, 31. Dezember 1922</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/1011 (Stand: 25. August 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Karl Barth – Rudolf Bultmann. Briefwechsel 1911–1966, hrsg. v. Jaspert, Bernd (Gesamtausgabe, Abt. V), Zürich 1994, S. 14–18.</title>
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      <editionStmt>
        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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      <publicationStmt>
        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
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        <idno type="url">https://kbga.karl-barth.ch/texts/1011</idno>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Karl Barth – Rudolf Bultmann. Briefwechsel 1911–1966</title>
          <title type="text">Brief Nr. 9: Rudolf Bultmann an Karl Barth</title>
          <author ref="kbga-actors-512">Bultmann, Rudolf</author>
          <editor>Jaspert, Bernd</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">1994</date>
          <biblScope unit="page">Pp. 14-18</biblScope>
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        <!-- The first digital edition (data from xml and database) -->
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          <title type="edition">Princeton Barth Project edition</title>
          <title type="text">electronic edition of Karl Barth, Gesamtausgabe V.1, Karl Barth Rudolf Bultmann Briefwechsel 1911-1966, letter 9</title>
          <author ref="kbga-actors-512">Bultmann, Rudolf</author>
          <editor>James R. Adair, Jr.</editor>
          <editor>Timothy J. Finney</editor>
          <editor>Christian Kelm</editor>
          <pubPlace>Princeton</pubPlace>
          <publisher>Alexander Street Press</publisher>
          <date type="publication">2001</date>
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        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Bultmann, Rudolf, Rudolf Bultmann an Karl Barth, 31. Dezember 1922. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/11961">KBA 9125.223</ref>. </bibl>
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          <persName ref="kbga-actors-512">Bultmann, Rudolf</persName>
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          Bultmann
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<date when="1922-12-31">31.XII.1922</date>
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          <salute>Lieber Herr <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>!</salute>
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        <p>Für die Zusendung der neuen Auflage des Römerbriefs<note xml:id="n01">
                        <bibl corresp="kbga-bibls-48">
                            <persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName>, <hi rend="italic">Der Römerbrief</hi>, Neubearbeitung, München 1923<hi rend="sup">2</hi> (= 3. Aufl. insgesamt).</bibl> Das Buch lag bereits <date notBefore="1922-12-01" notAfter="1922-12-31">Ende 1922</date> vor.</note> danke ich Ihnen herzlich. Ich freue mich, daß Sie <date notBefore="1923-01-25" notAfter="1923-01-31">Ende Januar</date> nach <placeName ref="kbga-places-41">Marburg</placeName> kommen werden<note xml:id="n02">Siehe <ref type="pub" target="1010#fn_n01">Nr. 8, Anm. 1.</ref></note>, und hoffe, daß wir dann manche Fragen klären können. Aber meinen Dank für Ihr Buch möchte ich doch schon vorher laut werden lassen, indem ich auf Ihre Worte gegen mich im Vorwort des Römerbriefs<note xml:id="n03"><ref type="pub" target="47005">Vorwort zur 3. Auflage</ref>, datiert vom <date when="1922-07">Juli 1922</date>. Fast das ganze Vorwort ist eine Antwort auf <persName ref="kbga-actors-512">Bultmanns</persName> Kritik der 2. Auflage des Buches; s. <ref type="pub" target="1004#fn_n02">Nr. 2, Anm. 2.</ref> Die im folgenden von <persName ref="kbga-actors-512">Bultmann</persName> (mit «pg.») genannten Seitenangaben der Zitate beziehen sich auf diese Auflage. In späteren Abdrucken ist die Paginierung verschoben: Aus S. XXII wurde XXI usw.</note> antworte.</p>
        <p>Mir scheint, daß Ihre Erwiderung 2 Gedanken enthält. Der eine ist der vom Treueverhältnis des Auslegers zum Autor. Ihrem Satz auf pg. XXII stimme ich zu, daß man keinem Schriftsteller gerecht werden kann, wenn man es nicht mit jener Hypothese wagt und nicht in jenes Treueverhältnis zu ihm eingeht. Man soll also in der Tat <hi rend="italic">mit</hi> ihm und nicht <hi rend="italic">über</hi> ihn schreiben. Wenn aber das «mit ihm» nicht im Sinne der psychologischen Einfühlung gemeint ist, sondern bedeutet: unter seiner Führung aus der Sache heraus, so kann doch der Fall eintreten, daß man die «im einzelnen Textwort gezogenen Linien» <hi rend="italic">nicht nur</hi> «stillschweigend oder ausdrücklich verlängert oder verkürzt» (pg. XXIII), sondern auch korrigiert. Heißt das dann <hi rend="italic">über</hi> <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> reden? wollen Sie es durchaus so nennen, so mag es sein, dann aber ist die «Stilwidrigkeit» des Nebeneinander von «mit <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName>» und «über <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName>» durch die Stellung der Aufgabe gegeben und ebensowenig eine Geschmacksverirrung wie etwa <persName ref="kbga-actors-145">Gundolfs</persName> Unterscheidung von «Urerlebnissen» und «Bildungserlebnissen»<note xml:id="n04">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-933">
                            <persName ref="kbga-actors-145">Fr. Gundolf</persName>, <hi rend="italic">Goethe</hi>, Berlin 1918<hi rend="sup">6</hi>, S. 49</bibl>: «Zwischen Urerlebnissen, d. h. Erschütterungen, denen der Mensch kraft seiner inneren Struktur ausgesetzt ist, und Bildungserlebnissen, d. h. den geistig geschichtlichen Einflüssen und Begegnissen, schon geformten Anschauungen aus Kunst, Wissenschaft, Religion, waltet noch eine Reihe langsam und heimlich bildender Mächte […]»</note>. — Es kann sich natürlich nicht darum handeln, zum «über <pb xml:id="p015" ed="pga"/>  <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName>» überzugehen, wenn «es mir etwa zu bunt wird», sondern das Treueverhältnis zum Autor kann sich gerade darin bewähren, daß ich aus der Sache heraus, in die ich durch ihn geführt bin, unter Umständen ihn korrigieren muß. Das Kriterium ist die Sache und nicht die zeitgeschichtliche Analogie. Aber wohl kann der Hinweis auf die jüdische, vulgärchristliche oder hellenistische Gedankenwelt <hi rend="italic">deutlich</hi> machen, worum es sich handelt, so gut ich meine Kritik an früheren Ausführungen <persName ref="kbga-actors-137">Gogartens</persName> oder an der 1. Aufl. des «Römerbr.»<note xml:id="n05">Siehe <ref type="pub" target="1004#fn_n02">Nr. 2, Anm. 2.</ref>
                    </note> mir dadurch zu deutlichem Bewußtsein bringe, daß ich hier und da Romantik finde, oder an der 2. Aufl.<note xml:id="n06">Siehe <ref type="pub" target="1004#fn_n02">ebd</ref>.</note> dadurch, daß ich hier und da <persName ref="kbga-actors-81">Cohensche</persName> Transzendentalphilosophie finde. — Ich kann in dieser Frage im Grunde gar keine wesentliche Differenz zwischen Ihrem und meinem Standpunkte der Exegese finden, so groß in der exegetischen Praxis die Unterschiede sein werden. Diesen liegt dann eine tiefere Differenz zu Grunde, die freilich m.E. keine Differenz in der Sache, sondern im «Bildungserlebnis» ist. Es ist mir nämlich immer deutlicher geworden, daß Sie kein inneres Verhältnis zur Geschichtswissenschaft haben, wie Sie es doch so stark zur idealistischen Philosophie haben. Wie <persName ref="kbga-actors-322">Platons</persName> Philosophie bis zur Grenze des Menschlichen führt, so auch die Historie etwa bei <persName ref="kbga-actors-198">Wilh. v. Humboldt</persName>. Und wo historische Kritik geübt wird, nicht, um kausale Abhängigkeiten festzustellen, sondern im Dienste der Selbstbesinnung, als die Methode des endlosen in Fragestellens, da führt sie auch von Hypothesis zu Hypothesis bis zur Frage nach der letzten Hypothesis. Mir ist die hellenistische Mystik oder die jüdische Gesetzlichkeit etc. nicht eine zeitgeschichtlich interessante Tatsache, aus der sich etwa gewisse Aussagen des  <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> «erklären» lassen (so gewiß unter Umständen die Exegese die Formulierung gebrauchen kann), sondern diese Erscheinungen sind Repräsentanten bestimmter geistiger Haltungen, die in ihrem Ringen in den Quellen festzustellen bedeutet: den Forscher in die Auseinandersetzung mit ihnen hineinziehen und sich die entscheidenden Fragen durch sie stellen zu lassen.</p>
        <p>In kurzer Andeutung ein Beispiel, auf das ich in meiner Besprechung Ihres Buches um des Raumes willen verzichtet habe. Ich empfinde im <pb xml:id="p016" ed="pga"/> Römerbrief einen starken Bruch, der Ihnen offenbar nicht zu schaffen macht, nämlich im Verhältnis von <ref type="can" subtype="bible" target="Röm.1.18 Röm.3.18">1,18–3,18</ref> zu <ref type="can" subtype="bible" target="Röm.3.21 Röm.3.31">3,21ff.</ref> Die Schwierigkeit liegt in <ref type="can" subtype="bible" target="Röm.3.19 Röm.3.20">3,19f.</ref> V.19 scheint die Folgerung aus dem vorher Ausgeführten zu ziehen; aber die Begründung V. 20 wirkt überraschend. Für die Heiden kommt das <foreign xml:lang="grc" rend="Ell">ἐξ ἔργων νόμου</foreign> ja gar nicht in Betracht, und die Sünde der Juden bestand nach c. 2 ja gerade in der <hi rend="italic">Übertretung</hi> des Gesetzes (während in V. 20 die Gedanken von <ref type="can" subtype="bible" target="Röm.5.20 Röm.5.21">5,20f.</ref>; <ref type="can" subtype="bible" target="Röm.10.2 Röm.10.4">10,2–4</ref> wirken). Der negative Unterbau (<ref type="can" subtype="bible" target="Röm.1.18 Röm.3.18">1,18–3,18</ref>) paßt also eigentlich gar nicht zur Begründung der positiven Fortsetzung (<ref type="can" subtype="bible" target="Röm.3.21 Röm.3.31">3,21ff.</ref>). Ich werde sagen: hier kommt der alte, der frühere  <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> zu Worte: <ref type="can" subtype="bible" target="Röm1.18 Röm.3.18">1,18–3,18</ref> geben das Schema der hellenistisch-jüdischen Propaganda-Predigt wieder. Ich werde mir ihren Grundgedanken klar zu machen suchen, werde fragen, wie weit er führt, in welchem Verhältnis er zur <rs type="person" ref="kbga-actors-313">paulinischen</rs> Glaubenspredigt steht, und mit all diesen Fragen, die sich zunächst auf die historische Materie beziehen, habe ich in Wahrheit auch die Frage nach dem prinzipiellen Sinn der jüdischen, stoischen und der eigentlich paulinischen Gedanken gestellt, und ich lehne damit auch durchaus nicht ab zu fragen, «ob und inwiefern Alles etwa auch im Zusammenhang ‹der Sache› … verstanden werden kann» (pg. XXI).</p>
        <p>Schwieriger aber ist die Stellungnahme zu Ihrem anderen Gedanken: daß das <foreign xml:lang="grc" rend="Ell">πνεῦμα Xριστοῦ</foreign> doch nicht als konkurrierend neben den anderen Geistern vorgestellt werden kann (pg. XXI). Ja — und nein! Zunächst führt Ihre Frage: «Oder auf welche Stelle könnte man etwa den Finger legen mit der Behauptung, daß <hi rend="italic">da</hi> nun ausgerechnet das <foreign xml:lang="grc" rend="Ell">πνεῦμα Xριστοῦ</foreign> zu Worte komme» [ebd.], keineswegs ad absurdum. Denn das kann man in der Tat. Wie es kein Zufall ist, daß Sie den Römerbrief des  <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> gewählt haben und nicht z. B. die Pastoralbriefe, wie ferner  <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> ein Zeuge des <foreign xml:lang="grc" rend="Ell">πνεῦμα Xριστοῦ</foreign> ist und nicht <persName ref="kbga-actors-291">Musonius</persName> oder der Verfasser von <foreign xml:lang="grc" rend="Ell">περὶ κόσμου</foreign>, so ist aus der Erkenntnis, daß das <foreign xml:lang="grc" rend="Ell">πνεῦμα Xριστοῦ</foreign> keine den «andern» Geistern zu koordinierende Größe ist, zu folgern, daß die Worte des  <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> nicht in verschiedenem<note xml:id="n07">Versehen <persName ref="kbga-actors-512">Bultmanns</persName>? Statt «verschiedenem» wäre «gleichem» zu erwarten.</note> Maß Zeugnis dieses <foreign xml:lang="grc" rend="Ell">πνεῦμα</foreign> sein könnten, ja vielleicht manche überhaupt nicht. Und Ihr Satz «Was im Rm-brief <hi rend="italic">zu Worte</hi> kommt, das sind überhaupt nur die ‹andern›-‹Geister›» [ebd.] scheint mir zu der absurden Konsequenz zu führen, daß man entweder jedes Wort, das gesprochen oder ge<pb xml:id="p017" ed="pga" break="no"/>schrieben ist, als Zeugnis für das <foreign xml:lang="grc" rend="Ell">πνεῦμα Xριστοῦ</foreign> auslegen kann oder gar keins. Mag diese Konsequenz von einem bestimmten Gesichtspunkt [aus] nicht einmal absurd, sondern ganz richtig sein, so jedenfalls nicht vom Gesichtspunkt der Exegese des Römerbriefs aus. Denn es handelt sich doch darum, das Zeugnis als Zeugnis zu verstehen. Und das wäre unmöglich, wenn der Glaube nicht <hi rend="italic">auch</hi> Hergang und Zustand wäre (S. 110). Auch das Glaubenszeugnis erscheint als litera und steht als solche <hi rend="italic">neben</hi> anderen Äußerungen, erscheint als «Standpunkt» [S. XXIII]. Daran läßt sich doch nichts ändern, und es ist auch damit der Charakter des Wunders nicht in Frage gestellt, und man mag sagen, daß die litera die verbergende Hülle ist, und zugeben, daß es keine litera gibt, in der nicht auch etwas von der Stimme anderer Geister nachklänge. Aber auch wenn der Geist Christi die Krisis ist, in der sich das Ganze, also auch das Glaubenszeugnis, befindet, so gibt doch die Tatsache, daß es Glaubenszeugnisse gibt, erst der exegetischen Aufgabe am Römerbrief ihren Sinn. — Damit bestreite ich nicht, daß Kritik oft irre gehen kann und daß es Exegeten gibt, die es mit dem Treueverhältnis nicht ernst nehmen; aber ich glaube, daß die Tatsache, daß der Geist Christi nicht mit andern Geistern zu koordinieren ist, sondern die Krisis des Ganzen ist, nicht die Aufgabe der Kritik, von der ich in meiner Besprechung redete, ad absurdum führt.</p>
        <p>Vielleicht können wir mündlich noch davon reden. Ich danke Ihnen für die Zusendung Ihrer Predigt<note xml:id="n08">
                        <bibl corresp="kbga-bibls-934">
                            <persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName>, <hi rend="italic">Der Name des Herrn. Predigt [über Spr. 18,10] gehalten in der reformierten Kirche zu Göttingen am 19. November 1922</hi>, in: RKZ, Jg. 72 (1922), S. 281–283</bibl> (= <bibl corresp="kbga-bibls-935">
                            <persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName> / <persName ref="kbga-actors-403">E. Thurneysen</persName>, <hi rend="italic">Komm Schöpfer Geist! Predigten</hi>, München 1924, S. 24–35</bibl>).</note>, die mir ein willkommener Beweis für die Nichtigkeit von <persName ref="kbga-actors-296">Niebergalls</persName><note xml:id="n09">
                            <persName ref="kbga-actors-296">Friedrich Niebergall</persName> (20.3.1866–20.9.1932), 1892 Pfarrer in Kirn, seit 1903 akademische Lehrtätigkeit als praktischer Theologe in Heidelberg, seit 1922 als Ordinarius in Marburg.
                    </note> Behauptung war, daß man von Ihrer Anschauung aus überhaupt nicht mehr predigen könne (was natürlich nicht im Sinn der Unmöglichkeit der Aufgabe der Theologie Ihres Elgersburger Vortrags<note xml:id="n10">Siehe <ref type="pub" target="1009#fn_n01">Nr. 7, Anm. 1.</ref>
                    </note> gemeint war!). Wir sprachen nämlich am letzten Abend der <orgName ref="kbga-actors-4183">Freunde der Christl. Welt</orgName> hier über Ihren Elgersburger Vortrag, wobei denn Abgründe offenbar wurden, — am schlimmsten bei <pb xml:id="p018" ed="pga"/> <persName ref="kbga-actors-329">Rade</persName>. Und ich will Ihnen doch nicht vorenthalten, daß er den Beweis für Ihre Disqualifikation zum Propheten in Ihrer (angeblichen) Unverständlichkeit sah, insofern Propheten nur um deswillen unverständlich seien, weil bei den Hörern die moralischen Voraussetzungen fehlten, was aber ja hier nicht zutreffen könne! — Meinerseits möchte ich nur noch die Frage aufwerfen, ob die Polemik Ihrer Gruppe gegen <persName ref="kbga-actors-360">Schleiermacher</persName> etwa daher kommt, daß Sie alle die «Reden» in der Ausgabe <persName ref="kbga-actors-311">Ottos</persName> mit ihren m. E. gänzlich irre führenden Anmerkungen<note xml:id="n11">
                        <bibl corresp="kbga-bibls-936">
                            <persName ref="kbga-actors-360">Fr. Schleiermacher</persName>, <hi rend="italic">Über die Religion. Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern</hi>. Zum Hundertjahr-Gedächtnis ihres ersten Erscheinens in ihrer ursprünglichen Gestalt neu herausgegeben im Jahre 1899, in zweiter Auflage
                        1906 mit neuer Einleitung versehen von <persName ref="kbga-actors-311">R. Otto</persName>, Göttingen
                        1906<hi rend="sup">2</hi> (1926<hi rend="sup">5</hi>)</bibl>. Diese Ausgabe (in der 2. Aufl.) benutzte <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> tatsächlich.</note> gelesen haben? Denn <hi rend="italic">ich</hi> meinerseits rechne <persName ref="kbga-actors-360">Schleiermacher</persName> in die Ahnenreihe <persName ref="kbga-actors-208">Jeremia</persName> — <persName ref="kbga-actors-221">Kierkegaard</persName>.<note xml:id="n12">Anspielung auf die «Ahnenreihe», die <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> in seinem Elgersburger Vortrag <bibl corresp="kbga-bibls-929">
                            <hi rend="italic">Das Wort Gottes als Aufgabe der Theologie</hi> (W. G. Th., S. 164f.</bibl> = <bibl corresp="kbga-bibls-452">
                            <persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName>, <hi rend="italic">Vorträge und kleinere Arbeiten 1922–1925</hi>, hrsg. von H. Finze [Gesamtausgabe, Abt. III], Zürich
                          1990, 
                                <ref type="pub" target="19010#p158">S. 158</ref></bibl>) unter nachdrücklichem Ausschluß <persName ref="kbga-actors-360">Schleiermachers</persName> aufgestellt hatte.</note> Ja wirklich. Und das Merkmal, dessen Abwesenheit Sie konstatieren: der Angriff auf die <hi rend="italic">Christenheit</hi>, dürfte doch in den «Reden» deutlich genug vorliegen. Und darf man sich durch die romantische Terminologie und den Terminus «Gefühl» verführen lassen, Sätze zu übersehen oder in ihrem Gewicht zu unterschätzen wie den, daß man vom Ursprung seiner Religion nur in einer Wundergeschichte berichten kann (S. 268 der 1. Ausgabe), daß die Religion im Menschen mit einer «Denkwürdigkeit» anfange (S. 273f.), daß Religion nur mit einem «Faktum» anfangen könne oder gar nicht (S. 278), wobei der Zusammenhang doch über den Sinn keine Frage läßt? — Natürlich will ich damit nicht die für  <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> empfohlene Pflicht der Kritik für <persName ref="kbga-actors-360">Schleiermacher</persName> außer Kraft setzen.</p>
        <p>Nun, auf ein gutes Wiedersehen bei Ihrem Besuch in <placeName ref="kbga-places-41">Marburg</placeName>! Alles Gute für das neue Jahr Ihnen und Ihrer Familie.</p>
        <closer>
          <salute>Mit herzlichem Dank und Gruß</salute>
          <salute>Ihr</salute>
          <signed>
            <persName ref="kbga-actors-512">R. Bultmann</persName>
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